Grundeinkommen: Reden wir mal über Zwänge

Eine Welt, in der jeder tun und lassen kann ist denkbar? Mit dem Grundeinkommen! Mit dem Grundeinkommen? Wir sollten mal über Zwänge reden – und über Zwanglosigkeiten, die in eine Diktatur der Unterlassung münden können. Unter Linken ein wahrlich unbeliebtes Thema.

Otjivero hat nicht das Funktionieren des BGE bewiesen, sondern das Gegenteil

Otjivero ist ein Dorf in Namibia. Zusammen mit seinem Nachbardorf Omitara zählt man dort etwa 1.200 Einwohner. Otjivero ist zu einer kleinen Berühmtheit gelangt: Unter Anhängern des bedingungslosen Grundeinkommens. In den Jahren 2008 und 2009 haben dort Arbeiterorganisationen und kirchliche Gruppen nämlich ein Pilotprojekt gestartet: »Basic Income Grant« nannte sich das. Jeder Erwachsene unter dem 60. Lebensjahr erhielt im Rahmen des Projektes monatlich 100 Namibia-Dollar (ca. 6,50 Euro) ausgezahlt – als bedingungsloses Grundeinkommen. Einer Studie zufolge sollen daraufhin Armutskriminalität und Hunger abgenommen haben. Ob diese Einschätzung die Realität abbildet, kann man nicht ganz genau eruieren. Dass das Projekt ein Erfolg war, gilt unter Interessierten allerdings gemeinhin als kritisch.

Trotzdem ist für die Aktivisten des BGE Otjivero so viel mehr. Sie betonen, dass dort nichts zusammengebrochen sei, keiner habe auf der faulen Haut geaalt oder unangenehme Tätigkeiten eingestellt. Es wurde auch weiterhin gearbeitet. Den Gegnern des BGE halten die Aktivisten das namibische Dörfchen vor Augen: Seht her, kein Zusammenbruch, kein Untergang – der Mensch ist eben durchaus so veranlagt, dass er sich nützlich machen will. Und wenn der existenzielle Druck erst weg ist, arbeitet der »Mensch an sich« (vor Generalisierung ist keiner gefeit!) aus Überzeugung, aus Spaß an der Wertschöpfung, weil er ganz natürlich kreativ ist und sich verwirklichen will. Nun gut, lassen wir an der Stelle mal weg, dass in Otjivero ja auch aus einem anderen Grund das Schlaraffenland nicht ausbrach: Mit umgerechnet 6,50 Euro monatlich kommt man in einem Land mit etwa 120 Euro monatlichen Durchschnittslohn nicht grenzenlos weit.

Scham, sozialer Druck und »Was-sollen-bloß-die-Nachbarn-denken?«

Noch ein Faktor wird vollkommen außer Acht gelassen: Die Übersichtlichkeit dieses Projektes. Würde man das Projekt in einem kleinen Dörfchen in der Uckermark umsetzen, würde man den Probanden sogar ein Grundeinkommen auf das Konto überweisen, das auf den ersten Blick eine ordentliche Höhe verspricht: Da würde auch keiner mit der Arbeit aufhören. Und die, die keine Arbeit hätten, würden sich vielleicht sogar etwas suchen, was sie tun könnten. Weil der Mensch, weil der Uckermarker so ist? Eher nicht: Weil es so läuft in Gemeinschaften, wo (fast) jeder (fast) jeden kennt. Und man macht vor allem deswegen weiter, weil man sich kennt. Weil man nicht will, dass die Nachbarn von einem schlecht denken.

Sozialer Druck und das dazugehörige Schamgefühl sind Faktoren, die man bei Versuchen von kleinem Maßstab nicht einfach abstellen kann. In Otjivero und Omitara läuft das nicht so viel anders als in Alsbach-Hähnlein oder in Oberkotzau. Kleine Sozialverbände animieren zum Mitläufertum. Ausscheren ist da nicht vorgesehen. Tut es doch einer, ächtet man ihn – Dörfer sind eine unmittelbar exklusive Gesellschaft: Mit allen guten wie schlechten Seiten. BGE-Projekt hin oder her. Dorfrealitäten sind zuweilen brutale Sozialselektion.

Anonym in der Masse

Ein BGE-Versuch in einer Metropole wäre viel aufschlussreicher. Dort wo Menschen in der Masse anonym bleiben können, wo sie hinabgleiten in ihre Subkultur, in ihre subgesellschaftlichen Kreise, wo man sich ausklinken kann vom Mainstream. Dort wo man sich in seine Wohnung einigeln kann, nicht rausgehen muss, sich in die Parallelgesellschaft des resignierten Egos zurückziehen kann. In diesen Ballungsräumen kann man ein- und untertauchen. Mittendrin sein, aber dennoch nicht gesehen werden. Wenn da jemand arbeitslos wird, alles hinwirft oder sich plötzlich als Mann Frauenkleider anzieht, juckt das kaum jemanden. Dort BGE auf Konten zu überweisen, wäre eine spannende Erfahrung. Wie sähe es mit Großstädtern aus, die Arbeiten verrichten, die man gemeinhin nicht aus Berufung macht?

Kehrt der von der Stadt eingestellte Straßenreiniger von heute auf morgen nicht mehr den Gehweg, weiß man ja nicht mal genau, wo der Kerl wohnt, der einen im Unrat versinken lässt. In einem Dorf weiß man allerdings gleich, wer sich da aus der Affäre stiehlt. Und das weiß derjenige, der seinen Job gar nicht mag, auch sehr genau. Im Regelfall lässt er es dann. Aber in der Anonymität, da fallen die letzten Hemmschwellen – das ist ganz ohne moralische Wertung gemeint. Metropolen sind nun mal keine Sozialverbände, sondern soziale Schmelztiegel, ein massiges Kommen und Gehen.

Rechtsansprüche oder freie Wahl: Muss mal wieder ein neuer Mensch erschaffen werden?

Dass man bei der ganzen Diskussion um das BGE so gut wie nirgends darauf zu sprechen kommt, dass das vom BGE beglückte Millionenvolk in total verschiedenen Sphären lebt, macht die Diskussion mehr oder weniger zu nichts anderem als zu einer Erbauungsrepetitio. Und wenn man einen Beweis braucht, zieht man kleine Erfolgsmodelle heran, Projekte wie in Otjivero und Omitara und nimmt das pars pro toto, gibt ohne viel Federlesens als Parole aus, dass das, was namibische Dörfer vollbringen, ja auch die gesamte Bundesrepublik könnte – sie muss nur wollen. Was dort klappt, kriegen 80 Millionen Einwohner doch spielend hin.

Was die Befürworter des BGE vorgeben, das ist, dass der grundsätzliche Zwang aufgelöst wird, um in Freiwilligkeit zu münden. Der Zwang wird gewissermaßen privatisiert und rationalisiert. Der Mensch tut dann nicht mehr das was er tut, weil er es tun muss, sondern weil er eingesehen hat, dass es notwendig ist. Romantisch gesagt geht er nicht mehr malochen, er gibt jetzt der Gesellschaft etwas zurück. Das klingt wirklich dufte, ganz visionär und revolutionär. Aber im Grunde ist es doch so, dass da mal wieder ein neuer Menschentypus ans Werk gehen muss. Einer, den es noch gar nicht gibt. Der erst erfunden werden muss. Ideen an Umstände anpassen, die es so nicht gibt: Ganz doofe Idee. Das geht immer schief.

Von den ganzen anderen Problemen, die sich dann stellen, von der Privatisierung sozialer Angebote zum Beispiel, haben wir noch gar nicht gesprochen. Nicht heute. Dieses Feld haben wir schon vor Zeiten bestellt.

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51 Kommentare auf "Grundeinkommen: Reden wir mal über Zwänge"

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Kapott
Gast

Grundeinkommen: Reden wir mal über Zwänge

Wir sollten dann auch über den Unterschied zwischen einem repressionsfreien und einem
sanktionsfreien SGB II – Bezug ( Existenzminimum ) reden.

Heldentasse
Mitglied

Das ist auch wichtig, hat aber erst mal unmittelbar mit dem BGE nichts zu tun. ALG2 und BGE sind ganz verschiedene soziale Ansätze, die sich zudem untereinander ausschließen.

Erst wenn man auf den Trichter kommen sollte, wie z.B. Herr Butterwegge, dass man das BGE unter den jetzigen gesellschaftlichen Bedingungen in der Flachpfeife rauchen kann, könnte man ein neues System abseits des BGE denken. Wobei man da das Rad nicht neu erfinden muss, den früher gab es u.a. Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe inkl. diverser Zuschüsse um den Menschen ein einigermaßen würdiges Auskommen zu sichern.

Beste Grüße

Kapott
Gast

Das ist auch wichtig, hat aber erst mal unmittelbar mit dem BGE nichts zu tun.

Das hast du nicht verstanden. Eine sanktionsfreie Grundsicherung nach SGB II ist ein BGE, weitgehend ohne B weil es ja noch Millionäre und andere gibt die keine Grundsicherung benötigen.

Was ist eine repressionsfreie Grundsicherung ?

Mordred
Mitglied

Das BGE kann ungefähr dann funktionieren, wenn der Kapitalismus positiv (!) überwunden wurde und die Automatisierung soweit vorangeschritten ist, dass nervende Billig-Jobs und sog. Bullshit-Jobs nicht mehr von Menschen gemacht werden müssen.

Heldentasse
Mitglied

Es ist ja bald Weihnachten, da kann man sich ja vieles Wünschen!

Robbespiere
Mitglied
@Mordred Das BGE kann ungefähr dann funktionieren, wenn der Kapitalismus positiv (!) überwunden wurde und die Automatisierung soweit vorangeschritten ist, dass nervende Billig-Jobs und sog. Bullshit-Jobs nicht mehr von Menschen gemacht werden müssen. Weder das BGE noch das klassische Sozialstaatsmodell können funktionieren, wenn nicht akkumuliertes Kapital weitgehend liquidiert und zum Nutzen der gesamten Gesellschaft eingesetzt wird. Ohne eine tiefgreifende Umverteilung von Oben nach Unten ändert sich an den Verhältnissen rein gar nichts. Wäre dem nicht so, gäbe es von Seiten der Eliten übelste Propaganda gg. das BGE, so wie sie auch schon den Sozialstaat massiv und erfolgreich bekämpft haben. Die… Read more »
Heldentasse
Mitglied
Scham, sozialer Druck und »Was-sollen-bloß-die-Nachbarn-denken? Der Artikel zielt m.E. in die richtige Richtung, bleibt aber in den politischen Aussagen m.E. viel zu unkonkret! Auf den Punkt gebracht hat es in meinen Augen allerdings Herr Butterwegge: Es scheint geradezu, als wollten die Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens den Kommunismus im Kapitalismus verwirklichen. Das ist allerdings ein Widerspruch in sich, denn die Eigentumsverhältnisse bestünden ja fort. Und so führt auch das Grundeinkommen nicht zu mehr sozialer Gerechtigkeit, sondern eher zu weniger. Mit einer Sozialpolitik nach dem Gießkannenprinzip würde der Staat die unterschiedliche finanzielle Leistungsfähigkeit der einzelnen Gesellschaftsmitglieder ignorieren. Wäre es wirklich fair, wenn… Read more »
Hartmut
Gast
Es scheint geradezu, als wollten die Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens den Kommunismus im Kapitalismus verwirklichen. Nein, das wollen sie gerade NICHT, denn wenn ich mich recht erinnere, heißt es im Kommunismus: „Jedem nach seinen Bedürfnissen“. Und niemand verlangt, dass das BGE dies leisten soll. Und so führt auch das Grundeinkommen nicht zu mehr sozialer Gerechtigkeit, sondern eher zu weniger. Und ein weiterer Strohmann von Herrn Butterwegge, den ich sonst sehr schätze. Auch DAFÜR ist das BGE überhaupt nicht gedacht. Wäre es wirklich fair, wenn der Milliardär dieselbe Summe ausgezahlt bekäme wie der Müllwerker? Nein. Gleiches sollte gleich und Ungleiches ungleich… Read more »
Arbo
Gast
Offen gestanden ist das eine ziemlich billige Argumentation. Wurde das BGE in der Vergangenheit gefordert, hieß es: „Völlig unrealistisch, die Leute liegen dann auf der faulen Haut. Empirisch ist das sowieso nie probiert worden.“ Wird es probiert, heißt es nun: „Ach nee, das ist ja nur Einzelfall. Nicht anwendbar auf große Maßstäbe…“ Und wenn’s ganz perfide läuft, wird argumentiert, dass es ein großes Experiment sei, mit großen Risiken, das könne mensch der Bevölkerung gar nicht zumuten… nur um dann Experimente im Kleinen kleinzureden. Es fällt auf, dass auch hier offenbar nicht mal die Bandbreite an BGE-Modellen gekannt wird. Es gibt… Read more »
Heldentasse
Mitglied
Da bräuchte mensch ja auch einen neuen Menschentypus. Wenn man „Menschentypus“ mit „Sozialcharakter“ nach Herrn Fromm gleichsetzt, könnte wieder ein Schuh daraus werden: Einer der wichtigen Grundbegriffe von Fromm ist dabei der „Gesellschaftscharakter“ oder „Sozialcharakter“ („social character“). Dieser stellt das Persönlichkeitsbild des Durchschnittsmenschen in einer Gesellschaft oder einem sozialen Milieu dar, den „Kern der Charakterstruktur, den die meisten Mitglieder ein und derselben Kultur miteinander gemeinsam haben, im Unterschied zum individuellen Charakter, in welchem sich Menschen ein und derselben Kultur voneinander unterscheiden“. Der Gesellschaftscharakter formt die Energien der Gesellschaftsmitglieder dergestalt, dass sie automatisch und aus eigenem Antrieb so handeln, wie die… Read more »
Tom Wellbrock
Webmaster

Abgesehen von der im Moment unwichtigen Frage, ob ich Deiner oder Robertos Argumentation zustimme, fällt auf, dass ich im Laufe der Zeit immer wieder die Beobachtung mache, dass BGE-Befürworter, wenn ihre Idee kritisiert oder infrage gestellt wird, irgendwann (fast) immer mit so einem Satz kommen:

Alles in allem also nicht nur ein billiger, sondern auch einfältiger und uninformierter Artikel.

Jeder, der sich kritisch zum BGE äußert, hat nichts kapiert.
Gähn!

Arbo
Gast
@Tom Wellbrock: Was soll dieser Blödsinn? Ich habe nicht gesagt, dass „[j]eder, der sich kritisch zum BGE äußert, [..] nichts kapiert [hat].“ Stattdessen habe ich den Autor adressiert, der hier einen billigen Kommentar, einfältig und offenbar uninformiert schrieb. Der Autor hat nichts kapiert, nicht jedeR, der/die sich kritisch zum BGE äußert. Der Beitrag ist letztlich nichts anderes als eine ziemlich billige Polemik. Da ist nicht „sich kritisch äußern“, sondern ideologisches Abwehrgefecht. Das habe ich übrigens auch begründet. Aber gut, wer von hinten liest… Btw: Wer sagt eigentlich, dass ich ein Befürworter des BGEs bin? Es gibt durchaus Argumente dagegen. Aber… Read more »
Tom Wellbrock
Webmaster

Was soll dieser Blödsinn?

Quatsch mich nicht blöd von der Seite an!
Wenn Du meinen Kommentar nicht verstehst, kannst Du offenbar nicht mal von vorn lesen.

Arbo
Gast

Vielleicht bin ich wirklich so blöd, dass ich Deinen Kommentar nicht verstehe. Dann erklär‘ ihn mir mal! Ich bin offen gestanden gespannt, wie Du aus dem von Dir fabrizierten Blödsinn rauskommen möchtest.

Tom Wellbrock
Webmaster

Ich bin offen gestanden gespannt, wie Du aus dem von Dir fabrizierten Blödsinn rauskommen möchtest.

Gar nicht, ich lass Dich mit Deinem Schwachsinn hier einfach stehen.

Aber wenn Du später einmal – unter einem anderen Artikel – erfolgreich versuchst, konstruktive Argumente in angemessener Form einzubringen, können wir gern noch mal von vorn anfangen.

Und – verlass Dich drauf – dann werde ich ebenso höflicher kommunizieren.

Arbo
Gast
Eigentlich wären die Attribute ‚erfolgreich‘, ‚konstruktiv‘ und ‚angemessen‘ zu kritisieren. Wer sagt denn, was ‚erfolgreich‘, ‚konstruktiv‘ und ‚angemessen‘ ist? Du? Hm, das wäre dann ja recht einseitig… Ansonsten ist Deine Antwort wieder ohne Substanz: Schreib doch mal, was ich falsch verstanden hätte oder wo ich falsch liege. Ich seh‘ jedenfalls nicht, wo ich mit meinem – im Gegensatz zu Dir – gut begründeten Urteil falsch liege: Der Artikel ist billig, einfältig und uniformiert. Geradezu Propaganda. Das erwarte ich von der INSM. Aber hier… Wer das BGE befürwortet, muss sich laut Artikel als Romantiker bezeichnen lassen. Ist das die konstruktive Art,… Read more »
Tom Wellbrock
Webmaster

Wer sagt denn, was ‚erfolgreich‘, ‚konstruktiv‘ und ‚angemessen‘ ist? Du?

Ja, hier mache ich das.

Arbo
Gast

Nunja, es ist sicher eine Herausforderung, eine rhetorische Frage zu erkennen. Da will ich nachsichtig sein und Dich nicht weiter belästigen…

trackback

[…] die in eine Diktatur der Unterlassung münden können. Unter Linken ein wahrlich unbeliebtes Thema.Weiterlesen bei den neulandrebellen Lesen Sie auch: Arbeitskraftverkäufer, ihr habt nichts zu verlieren – fast nichts! Die […]

Hartmut
Gast
Och nö, Roberto. Du gehörst also auch zu denen, die glauben, nur man selbst würde trotz BGE fleißig weiter arbeiten, nur der Nachbar, der faule Sack, würde sich auf die Bärenhaut legen? Und das tut er nur deswegen nicht – aus lauter Scham, versteht sich – weil das Experiment nicht in Berlin, sondern in Otjivero stattfand? Und damit ist jetzt bewiesen, dass das BGE nicht funktionieren kann? Echt jetzt? Was für eine schlichte Folgerung. Nun gut, lassen wir an der Stelle mal weg, dass in Otjivero ja auch aus einem anderen Grund das Schlaraffenland nicht ausbrach: Mit umgerechnet 6,50 Euro… Read more »
Mordred
Mitglied

Du hast da was falsch verstanden. Wofür Du bist, könnte man besser als sanktionsloses hartz4 bezeichnen.

Hartmut
Gast

Dann hast DU wohl etwas falsch verstanden. HartzIV bekommt man (auch ohne Sanktionen) erst, wenn man eigene Mittel aufgebraucht hat (was übrigens schon wieder eine BEDINGUNG ist). Auch diese Voraussetzung gibt es beim BGE nicht.
Was also habe ich nun falsch verstanden, und was wäre denn dann BGE nach DEINEM Verständnis?

Mordred
Mitglied

Ok. Und was ist mit der Bedarfsprüfung im Falle von chronischen Krankheiten, kaputten Möbeln und Geräten, Kindern, hohe Miete….?

Ich verstehe unter BGE grundsätzlich, dass jeder jeden Monat eine bestimmte Summe x pauschal bekommt. Nicht weniger und vor allem auch nicht mehr. Diese Summe soll pauschal dazu reichen, seine Existenz zu sichern. Und da ist eben einer von zahllosen Problemen des BGE: Für Millionäre ist es überflüssig, für Singles in kleinen Wohnungen ok und o.g. Fälle kriegen massive Probleme.

Hartmut
Gast
Ok. Und was ist mit der Bedarfsprüfung im Falle von chronischen Krankheiten, kaputten Möbeln und Geräten, Kindern, hohe Miete….? Hm, ich dachte, Du wolltest mir jetzt beantworten, was DU unter dem BGE verstehst – da ICH es ja angeblich nicht verstanden habe. Denn dann kannst Du Dir ja Deine Frage eh besser beantworten als ich, wenn man weiß, was das BGE leisten soll und wofür es gedacht ist (und wofür nicht). Vielleicht sind ja kaputte Möbel nicht so existenzbedrohend wie eine chronische Krankheit. So wie das BGE keine Mindestlöhne oder Steuern ERSETZT und auch keine Sozialämter oder generell Bedürftigkeitsprüfungen abschaffen… Read more »
Hartmut
Gast
Sorry, Dein Beitrag ging ja noch weiter. Hatte ich erst übersehen. Diese Summe soll pauschal dazu reichen, seine Existenz zu sichern. Ich glaube, hier müsste man (auch und gerade die Befürworter des BGE) etwas klar stellen. Ich habe es im Beitrag drunter schon angedeutet. Es heißt „Bedingungsloses GrundEINKOMMEN“. Es kann also auch nicht mehr leisten, als wenn dieses Einkommen „regulär“ verdient werden würde. Jetzt kann man sich darüber streiten, ob davon auch eine KV (die bei der geringen Einkommenshöhe ja auch nur gering wäre) und eine Miete für eine Person davon abgedeckt werden sollte. Dann sind die kursierenden 1000 Euro… Read more »
Mordred
Mitglied

Da sind wir dann näher beieinander, Hartmut. Wir nennen es nur anders.

GrooveX
Mitglied
sei nicht so blauäugig! das, was du bekommen könntest, würde auf jeden fall von den lebenshaltungskosten gefressen werden. frag mal alg2-bezieher, was sie von den erhöhungen ihres arbeitslosengeldes am ende hatten oder haben. wann immer die beträge erhöht wurden, waren die preiserhöhungen – hase, igel – längst da. bei tausend € im monat wirst du schlicht nichts davon haben. hinzu kommt, dass die bedürftigkeitsprüfung von niemandem freiwillig aufgegeben wird. und dann werden sich die arbeitgeberverbände ihre miesen, schlecht bezahlten jobs von denen machen lassen, die auf miese, schlecht bezahlte jobs angewiesen sind. wir reden hier also bestenfalls von illusionen. die… Read more »
Heldentasse
Mitglied

würde auf jeden fall von den lebenshaltungskosten gefressen werden.

Nicht nur von den Kosten, sondern auch wenn das BGE als pauschale Abgeltung betrachtet wird, was damit u.a. auch sonstige Sozialleitungen (z.B. Wohngeld) komplett substituieren soll, nach Meinung einiger Befürworter.

Der Staat bzw. die Gesellschaft würde sich mit dieser Abgeltung auch einer weiteren Verantwortung entledigen.

Beste Grüße

GrooveX
Mitglied

klar! schlechter geht immer!

RodolpheSalis
Mitglied
Ich fand das Butterweggezitat, das hier ein Nutzer postete, ziemlich gut. Die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens finde ich nicht verkehrt, aber alleine reicht es nicht. Es ändert nichts an den Besitzverhältnissen, nicht viel an der Einkommensschere, Kapitaleinkommen, Erbe, etc… Auch braucht die Öffentlichkeit ein starkes Mitspracherecht, was und wie privat produziert wird. Das geht uns alle was an. Also ein BGE ohne starken Sozialstaat wird nur eine neoliberale Dystopie. Ansonsten ist die Frage, wie das denn um die Arbeitsgesellschaft steht, wenn Roboter Pakete ausliefern, Regale einräumen, putzen, fahren, etc… und überhaupt sich ein riesiger Produktivitätsschub dank smarter Zuarbeit vollzieht, schon… Read more »
Heldentasse
Mitglied

Guter Kommentar!

Auch hier -> Höre dazu: Humanistischer Sozialismus nach Erich Fromm

Man muss sich dazu ein wenig Zeit nehmen. Sehr interessant ist, dass nach dieser Quelle Herr Fromm schon damals ein Befürworter des BGE war, allerdings in einer neuen besseren Gesellschaft.

Beste Grüße

RodolpheSalis
Mitglied

Danke, das höre ich mir mal an!

Pentimento
Gast

Ja, in einer “ neuen besseren Gesellschaft“, in der Geiz, Gier und Zinswucherei von der Gesellschaft verachtet werden, und der Wert eines Menschen nicht an seinem Reichtum, sondern an seinen inneren Werten und sozialen Kompetenzen bemessen wird.

Jörg Gastmann
Gast
Da kann ich natürlich nicht die Füße stillhalten und muss darauf hinweisen, dass es nicht „das“ BGE, sondern 2 Gruppen von Modellen gibt: Gruppe „Almosen nach Umverteilung durch Steuern“: Durch Mehrwertsteuer, Einkommensteuer oder Vermögensteuer finanziert Gruppe „Beteiligung an der Wertschöpfung“: Von den Unternehmen als Gehalt ausbezahlt. Einziges Mitglied dieser Gruppe: Das „Steuerspar-BGE“. Die wichtigsten Gegenargumente betreffen nur die Gruppe „Umverteilung durch Steuern“: Zwickmühle: Entweder ist ein BGE hoch. Dann ist es unfinanzierbar. Oder es ist finanzierbar. Dann ist es lächerlich niedrig. Explodierenden Preise (bei Finanzierung per Mehrwertsteuer) oder das Plündern der Mittelschicht (bei Finanzierung per Einkommensteuer) Ablehnung der Mehrheit, wenn… Read more »
Kapott
Gast
Die Frage „wer geht dann noch arbeiten“ beantwortet https://www.economy4mankind.org/de/bge-wer-geht-dann-noch-arbeiten/. Die Frage wird weder beantwortet noch der Grund zur Arbeit ausreichend analysiert. Was ist mit der Schattenwirtschaft ? Leute gehen arbeiten um Kredite tilgen zu können. Nun kennen wir Banken, die werden die Zinsen bis an die Schmerzgrenze anheben. Was dann ? Dann gehen die Leute schwarz arbeiten ? Wer zahlt noch in den Pott ein damit ein BGE überhaupt ausgezahlt werden kann ? Unternehmen, Konzerne ? Was die einzahlen, schlagen die auf ihre Produkte auf. Wer kauft die noch, bzw. wer kann sich die noch leisten ? Es wird in… Read more »
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