Zum Tag der unterlassenen Arbeit

Raus zum 1. Mai: Die Gewerkschaften feiern sich heute wie immer selbst und treten als Anwälte der kleinen Leute auf. Dass die Armut aber so darbt, dass die Krise so rapide um sich greift: Daran haben auch sie schuld.

Heute ist der Tag der Arbeit. Wir würdigen der Ressource schlechthin: Der menschlichen Arbeitskraft. Auf Plätzen werden Reden geschwungen, Bratwürste werden gereicht wie bei jeder Massenimpfung – und Selbstbewusstsein simuliert. Raus zum 1. Mai! Das ist die Parole, die heute gilt.

Die Gewerkschaften feiern an diesem Montag ihren wichtigsten PR-Tag des Jahres. Gäbe es die Arbeitnehmervertretungen nicht, stünde es um Längen schlimmer, lassen sie durchschimmern. Was womöglich sogar stimmt. Gäbe es sie jedoch anders, penetranter, wirklich selbstbewusst und hartnäckig, könnte es um Längen besser aussehen in diesem besten Deutschland, das es je gab. Man bevorzugte allerdings Integration statt Konfrontation: Und die wäre einst wirklich notwendig gewesen.

Agenda 2010: Umverteilung von Gewerkschafts Gnaden

Der ehemalige DGB-Vorsitzende Michael Sommer galt nie als Freund von Gerhard Schröder. Schon 2003 warf er dem Bundeskanzler Wortbruch vor, denn Sozialabbau hatte der vormals offenbar ausgeschlossen. Bis die Pläne zur Agenda 2010 auf dem Tisch lagen. Noch 2014, als Michael Sommer in den Ruhestand ging, haderte er mit dem damals schon Ex-Kanzler. Vergeben könne er ihm vor allem nicht, las man damals etwas hochtrabend. Sommer mag ein an sich sozialer Charakter gewesen sein, das soll aber unser Thema nicht sein. Seine Passivität jedenfalls war eines Gewerkschaftsführers unwürdig.

Und passiv blieb er wie die gesamte Gewerkschaftswelt in Deutschland in jenen Jahren durchaus. Zwar gab es hier und da Widerworte, auch mal passionierte Reden an Festtagen: Aber einen radikalisierten Arbeitskampf mobilisierte man auch nicht. Dazu hätte man Gelegenheit gehabt – wenn man schon keinen Generalstreik ausrufen kann in diesem schönen Lande.

Man knickte ein, beteiligte sich an faulen Kompromissen und übernahm das Narrativ, wonach Reform unbedingt nötig sei: Der kranke Mann Europas – dieses Märchen geisterte auch in den Köpfen der Gewerkschaften herum. 2005 sprach man dann im Wahlkampf keine Wahlempfehlung aus und distanzierte sich von den Sozialdemokraten: Offenbar die schärfste Gewerkschaftswaffe in einem Land, in der gewerkschaftlicher Kampf längst schon als etwas Lästiges, etwas Überkommenes galt. Dass die Klassengesellschaft an sich überwunden sei: Auch Gewerkschaften nahmen das damals an. Sie tun es gewissermaßen bis heute.

Die Umverteilung durch Agenda 2010 und dem, was sich später als Hartz IV so unheilvoll über dieses Land legte, inklusive Hetze gegen Menschen, die nicht oder zu wenig arbeiteten, war auch ein Produkt fehlenden gewerkschaftlichen Widerstandes. Das war vielleicht die Grundspaltung in diesem Lande, die alle anderen Spaltungen, die noch kommen sollten, vorwegnahm – und ja: Erst ermöglichte. Daran darf man doch heute, an diesem 1. Mai erinnern, oder etwa nicht?

Lohnzurückhaltung und andere Versäumnisse

Seit Jahrzehnten übt man sich in diesem Lande in Lohnzurückhaltung. Die Gewerkschaften tragen eine Mitschuld daran. Sie haben die beliebten Ausflüchte der Arbeitgeber angenommen, wonach es zu einer stabilen Sozialpartnerschaft gehöre, nicht zu erbarmungslos zu streiken – ja noch nicht mal zu drastische Lohnforderungen zu stellen. Sinkende Reallöhne waren die Folge. Der Niedriglohnsektor, den man ohne viel Gegenwehr zugelassen hat, hat das allgemeine Lohnniveau herabgesenkt.

Kleine Gewerkschaften, die mutiger agierten und durch nicht zu rücksichtsvolle Streikkultur auffielen, ernteten nicht nur die Wut von Politik und Arbeitgeber, die übrigens auch die öffentliche Stimmung für sich aufzuheizen wussten: Auch der DGB stimmte mit ein. Sommers Nachfolger Reiner Hoffmann kritisierte gerne publikumswirksam die Lokführergewerkschaft GDL. Deren Vorsitzender Claus Weselsky war vielen Gewerkschaftsfunktionären ein Dorn im Auge: Neben ihm sahen sie schlecht aus.

Als die Politik kleine Gewerkschaften beschnitt, war der DGB nicht mal mahnend zur Stelle. Im Gegenteil, zusammen mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hatte man bereits 2010 den Gesetzgeber angerufen, er möge die Tarifeinheit wieder herzustellen. Grund: Kleine Gewerkschaften würden – jetzt kommt der Kampfbegriff der Arbeitgeber – »Klientelpolitik« betreiben. Das Tarifautonomiegesetz hat maßgeblich die gewerkschaftliche Kultur und Vielfalt beschädigt: Und die Gewerkschaften saßen mit am Tisch. Selten waren Schafe schlachtbereiter.

Hoffmanns Nachfolgerin ist die ehemalige SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Anfang des Jahres gab sie zu Protokoll, dass Unternehmen auch dann Dividenden und Bonuszahlungen ausschütten sollten, wenn sie durch Steuergelder subventioniert würden. Und weiter sei jetzt überhaupt nicht die Zeit für »kapitalismuskritische Grundsatzdebatten« – dass es keine Zeit sei, um gewerkschaftlich etwas zu fordern, gehört zum Standardrepertoire der Arbeitgeber. Fahimi plappert das einfach nach: Und das als DGB-Vorsitzende!

Mit einer selbstbewussten Gewerkschaftskultur, sähe das Land anders aus

Wie gesagt, seit Jahren erleben wir eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, eine Ausweitung von Niedriglohnangeboten und Lohneinbußen. Der Kaufkraftverlust wird in vielen Branchen Jahr für Jahr gegenständlicher. Zwar ist es Gewerkschaften in Deutschland nicht erlaubt, einen politischen Streik auszurufen. Aber der wäre unter Umständen nicht nötig, hätte man über die letzten Jahre selbstbewusster adäquate Lohnforderungen gestellt und eine angemessene Streikkultur an den Tag gelegt.

Stattdessen hat man lieber auf die Siebziger- und Achtzigerjahre in Großbritannien verwiesen, die angeblich schrecklich gewesen seien. Die Gewerkschaften hätten nur Lähmung verursacht, das Land in Grund und Boden gewirtschaftet: Solche Zustände wolle man verhindern, hieß es regelmäßig von Arbeitgeberseite, wenn beispielsweise die GDL als letzte Gewerkschaft, die diesen Namen verdiente, tätig wurde. Und was machten DGB und Konsorten: Nickten, stimmten zu, versprachen, dass es so nie werden würde.

Derzeit bewegt sich was, das muss man sagen. Selbst die EVG, einstmals als brave (und zahnlose) Gegengewerkschaft zur GDL präsentiert, fordert nun vehement mindestens 650 Euro mehr Monatslohn und schlägt nicht mal ganz mickrige Einmalzahlungen aus. Und auch dass der Tariffrieden nicht länger als zwölf Monate halten soll: Auch das war vorher undenkbar. Der Arbeitskampf wird das Thema der nächsten Monate werden. Inflation und Verteuerung können nicht ignoriert werden. Vielleicht hätte man damit aber früher anfangen müssen.

Daran denke man heute, an diesem 1. Mai bitte: Dass vielen das Wasser bis zum Hals steht, hat damit zu tun, dass die Gewerkschaften über zwei Jahrzehnte zu milde waren und einer falschen Sozialpartnerschaft auf den Leim gingen. Heute ist nicht nur der Tag der Arbeit – heute feiern wir auch den Tag der unterlassenen Arbeit. Wird Zeit, dass ihr laut werdet, Gewerkschaften! Lauter als zuletzt und auch lauter als in den letzten Wochen. Westlich des Rheins: Da kann man lernen, wie das geht.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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Olli
Olli
9 Monate zuvor

Treffend formuliert!!!
Ich bin Kind eines Gewerkschafters und bin heute zum 44. Mal auf einer Maidemo.
Mein Papa hat mich schon im Kinderwagen mitgeschoben und seitdem bin ich immer dabei.
Nun mag sich meine Wahrnehmung mit dem älter werden auch verändert haben, aber früher wehte eine ganz andere Kampfstimmung mit!
Heute ist es eher ein träges marschieren und dann gibt es ein Bierchen während man dem Redner (mehr oder weniger)zuhört.
Ich finde schön, einmal im Jahr Menschen zu treffen die ich sonst nicht sehe und persönliche Unterhaltungen zu führen.
Interessant ist, dass die Menschen bei Corona wenig Kritik geübt haben, aber bei der Kriegshetzte sehr deutlich ihre Meinung kund tun und Haltung zeigen.
So war es zumindest 2022.
Heute werde ich ja sehen, ob sich was geändert hat!
Ich muss dann auch mal los 😉

Bernie
Bernie
9 Monate zuvor

Daran denke man heute, an diesem 1. Mai bitte: Dass vielen das Wasser bis zum Hals steht, hat damit zu tun, dass die Gewerkschaften über zwei Jahrzehnte zu milde waren und einer falschen Sozialpartnerschaft auf den Leim gingen. Heute ist nicht nur der Tag der Arbeit – heute feiern wir auch den Tag der unterlassenen Arbeit. Wird Zeit, dass ihr laut werdet, Gewerkschaften! Lauter als zuletzt und auch lauter als in den letzten Wochen. Westlich des Rheins: Da kann man lernen, wie das geht.

Bei aller Zustimmung lieber Roberto J. De Lapuente, aber Frankreich ist ein anderes Land, mit revolutionärer Tradition (es gibt sogar regionale Unterschiede in der französischen Protestszene, aber die sind 2023 kaum vorhanden, sogar das eigentlich eher protestfaule Elsass macht mit – Macron hat es zu sehr übertrieben mit seiner Renten“reform“?!) – man kann es nicht oft genug erwähnen – in Deutschland wird es, allein schon aus diesem Grund, nie etwas mit sozialen Aufständen, oder gar Revolutionen – würde es gerne anders sehen, aber die Agenda 2010, Hartz IV, und das Leben als vom Staat bzw. der Gesellschaft alleingelassener Angehöriger pflegebedürftiger Eltern (ein Schicksal, dass ich mit 3 Geschwistern teile), haben mir die Hoffnung ausgetrieben – ehrlich geschrieben.

Was die organisierten Gewerkschaften angeht, da denke ich hat mein alter Gemeinschaftskundelehrer – zu seinen Lebzeiten – recht behalten. Er meinte immer wir leben in einer „Mehrparteiendiktatur“. Ich habe ihn so verstanden, und wurde leider eher bestätigt, als widerlegt, dass man bei Gewerkschaftsbossen – und sonstigen gesellschaflichen Organisationen – immer mitdenken muss, dass die angeblich unparteiischen Vertreter ein Parteibuch haben – das fängt schon auf kommunaler Ebene, bei aller Leugnung, an, und endet eben bei den Gewerkschafts- und Arbeitgeberbossen.

Mir braucht da eben keiner mehr als Vergleich das 2 Parteien-System der USA, oder Putins Russland erwähnen – oder gar China – oder Nordkorea. Bis auf die Unterschiede, dass es sich bei den letztgenannten um autoritäre Staaten handelt, hat mein längst verstorbenener Gemeinschaftskundelehrer recht behalten mit seiner Ansicht Deutschland ist eine „Mehrparteiendikatur“

Leider muss man wohl sagen, und 2023 ist der Zenit dieser langen Entwicklung, die dieser Lehre schon beschrieb, als Helmut Kohl (CDU) noch Kanzler war…..ist nicht besser geworden, eher schlimmer, und heuchlerischer bzw. doppelmoralischer…..

Gruß
Bernie

Last edited 9 Monate zuvor by Bernie
ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Bernie
9 Monate zuvor

@Bernie
Guude!
Leider hast Du da in allen Punkten Recht!Als ich noch gearbeitet habe war ich auch mal in der GdL, leider wurde die vom Betriebsrat unseres Verkehrsbetriebs ( alle Verdi) immer etwas gebasht.Stattdessen bemühte sich der Betriebsrat immer, unsdie Entscheidungen des Vorstandes schmackhaft zu machen, es gäbe ja keine Alternative! Wenn gestreikt wurde, dann meistens erst ab 9 Uhr, damit die malochende Bevölkerung noch rechtzeitig zum Ausbeuter kam- die Oma, die um 10:30 nen Arzttermin hatte konnte ja laufen…
Vorhin las ich, dass die französischen Gewerkschaften 10tausende neue Mitglieder bekommen haben und der Kampf gegen des Sonnenkönigs Renten“reform“ geht weiter- mit den Gewerkschaften!!!
Bin froh, wenigstens jetzt in Frankreich leben zu können, ich hoffe ja, dass Macron gestürzt wird und Frankreich aus der EU austritt…auch nur ein Traum

Grüsslies
Chrissie

Bernie
Bernie
Reply to  ChrissieR
9 Monate zuvor

Danke für deine Erfahrungen, ich blicke ja voller Neid über die Grenze, und wäre wohl auch schon längst ausgewandert würde ich nur die französische Sprache fließend beherrschen 😉

Ich wünsche der französischen Bevölkerung, trotz militarisierter – oder gerade wegen militarisierter – Polizei viel Erfolg bei der Schaffung einer eventuellen 6. Republik ohne Macron.

Was Betriebsräte angeht, da sagst du mir nichts Neues:

Ich war früher mal mit so einem in einem Fortbildungskurs der Bundesanstalt für Arbeit mit anderen Betroffenen zusammen – Der ehemalige Betriebsrat, der auch zu diesem Kurs verdonnert wurde, meinte immer, dass er seine Arbeit wohl deswegen verloren hat, weil er sich zu sehr für die KollegInnen engagiert hat.

Tja, damals war ich skeptisch – aber heute 2023 denke ich wohl an der Geschichte könnte durchaus was dran sein?

Gruß
Bernie

Last edited 9 Monate zuvor by Bernie
Peer
Peer
9 Monate zuvor

Lieber Roberto, ich würde in der Kritik an den Gewerkschaften noch einen Schritt weitergehen : die Gewerkschaftsbosse des DGB und der meisten Einzelgewerkschaften waren (und sind) so korrupt und mafiös das sie , seit Jahrzehnten, nicht einmal mehr ansatzweise die Interessen ihrer Mitglieder und der Bevölkerung vertreten haben sondern sie haben nur noch die Interessen des Kapitals und der herrschenden neoliberalen Politik vertreten und dienten nur noch dem Zweck die Arbeiter unten und ruhig zu halten !

ShodanW
ShodanW
9 Monate zuvor

Man hat doch via Schröder/Rot-Grün die eigene Macht in den Gulli gekippt. Was dann 20 Jahre lang hielt, war der Abstieg des Status des „basischen“ Arbeitervolkes. Konsequenz daraus: die abfällige Kleinredung des Handwerks, kleingeistige Gewerkschafter, die sich mit Firmenwagen und Sonderparkplatz haben kaufen lassen, usw.

Die Schärfe und das Aufkommen der vielen Streiks in jüngster Zeit überraschen auch mich ziemlich. Vielleicht hat ja der Spaltungseffekt bei Corona tatsächlich einen Aufwacheffekt ausgelöst, und die Pflege war dann so ein Aufwacherthema. Da haben wohl einige gemerkt, dass man mit Klatschen auf dem Balkon keine Verbesserung der Infrastruktur hinbekommt. Nur wird das mit mehr Geld auch nicht besser, wenn die Pflegekräfte genauso viel schuften müssen und keine personelle Hilfe zur Seite bekommen. Erst wenn sich das grundlegend ändert, kann man von einer guten Entwicklung sprechen.

Draussen vor der Tür
Draussen vor der Tür
9 Monate zuvor

Gut zusammenfassend zurückgeblickt – meiner Erinnerung nach fing die gewerkschaftliche „Lohnzurückhaltung“ aber bereits vor gut drei Jahrzehnten an, nicht erst vor deren zwei.

flurdab
flurdab
9 Monate zuvor

Man muss daran erinnern das die Gewerkschaften mit in der Hartz- Kommission saßen.

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/die-mitglieder-der-hartz-kommission-904396.html

Von daher sind die Wortmeldungen von Herrn Sommer nur dummes Geklingel fürs dumme Volk gewesen.

Zum 1.Mai habe ich ein gespaltenes Verhältnis. Schließlich ist haben die Nazis den eingeführt und man muss heute ja sooo vorsichtig sein mit wem man gesehen wird.
Fanzy Nancy ist schlicht unberechenbar.

Die Agenda 2010 fällt der Gesellschaft gerade auf die Füße.
Daran will nur niemand erinnert werden.

Marla
Marla
9 Monate zuvor

Der Untergang der Gewerkschaften fing für mich unter Kohl statt. SPD und Grüne haben dann nur noch mehr Sand drauf geschaufelt!
Unter Kohl wurde das Abstandsgebot freiwillig mitgemacht, unter Kohl wurde auch das „wenn Frauen den/oder einen Job machen kriegen sie weniger“ Narrativ durchgesetzt.
War lange Zeit der Kampf „ein Außenjob reicht für Wohnung, Essen, Kinder, kinderbetreuung, Sex … musste mensch „plötzlich 2 Außendienstler dafür haben …

Unter Kohl war der Neue Heimat Skandal, wo deutlich wurde dass Gewerkschaftsfunktionäre sich selbst bedienten ….

Ja mit Kohls „Alternativlosigkeit“ fing das Abrutschen an… und die Funktionärselite der Gewerkschaften wurden zu den größten MitKolonialistenAusbeutern im eigenen Land!
Für sie 100 000/Millionen und für die unteren Lohngruppen Appel und Ei!

„embeddet“ gewerkschaftler!!

AusdieMaus
AusdieMaus
9 Monate zuvor

Machen wir uns nichts vor. Auch die Gewerkschaften sind zum größten Teil neoliberal infiltriert und spielen für den Pöbel den Fürsorger, lassen aber im Hintergrund mit ihren Gönnern die Sektkorken knallen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass wenn es zum Schwur kommt, also echte Hilfe gebraucht wird, sich kein Gewerkschafter ernsthaft kümmert. Das war eine ernüchternde Erfahrung.

Lasse Machen
Lasse Machen
9 Monate zuvor

o.k. Ich bin mit vielen – nicht mit allen – Formulierungen/Schlussfolgerungen einverstanden. So SPD verseucht die DGB Gewerkschaften auch sind, und das sind sie, ohne Gewerkschaften ändert sich in diesem Land gar nichts. Leider! Und deshalb, lieber Roberto, meine Bitte an dich: Zeig uns doch den Weg auf, wie es besser gemacht werden kann. Was soll der DGB, was sollen die Einzelgewerkschaften, in denen, wie du sicher weißt, die Mitglieder entscheiden, anders machen? Das Bewusstsein der Menschen in der kapitalistischen BRD ist auf Klassenkampf überhaupt nicht vorbereitet. Eines muss man dem Kapital lassen: es weiß wie die Vernebelung der Hirne funktioniert. Rund um die Uhr werden wir Menschen auf Sozialpartnerschaft eingeschworen, sämtliche Medien in der Hand des Kapitals, und dass es Funktionäre gibt, die käuflich sind…. wer wollte das bestreiten. Also, zeig einen Weg auf, der aus dieser ganzen Scheiße herausführt und im Klassenkampf der Gesellschaft mündet. Roberto, wenn es einer kann, dann du.

Schnoerch
Schnoerch
Reply to  Lasse Machen
9 Monate zuvor

Es braucht echte Gewerkschaften, nicht die DGB-Blockflöten.

Lasse Machen
Lasse Machen
Reply to  Schnoerch
9 Monate zuvor

Ganz sarkastisch könnte ich antworten: „Dann gründe eine. Ich bin dabei. Dann sind wir schon zu zweit.“
Du siehst, wie albern deine Forderung ist. Bitte nie vergessen: Die Gewerkschaften sind – so gut, oder schlecht sie auch agieren – alle Menschen, die sich in diesen zusammen gefunden haben. Und diese Menschen haben zu 99% nur gewerkschaftliches Bewusstsein. KEIN Klassenbewusstsein. Das Klassenbewusstsein muss in die Gewerkschaften hineingetragen werden. Und das ist so einfach nicht.

flurdab
flurdab
Reply to  Lasse Machen
9 Monate zuvor

Bin mir nicht sicher ob deine Aufforderung nicht bereits „delegitimierent“ ist. 🙂
Man weiß so wenig und nichts ist mehr sicher.

Carlo
Carlo
Reply to  Schnoerch
9 Monate zuvor

Schnoerch,
ja, aber das geht nur mit „echten Gewerkschaftlern“.
Als alter IG-Metaller, jetzt in Rente, kann ich nur resümieren, wir haben zuwenig gekämpft, zu schnell aufgegeben und daher wenig bis nichts erreicht.
Holen wir uns Philippe Martinez von der französischen CGT als Berater, er hat jetzt Zeit.
Kleine Nebenbemerkung: So wie ihn die Bonzenpussie der FAZ runterputzen will, hat er alles richtig gemacht!

Last edited 9 Monate zuvor by Carlo
Jobst
Jobst
9 Monate zuvor

Zwei Themen die nicht angesprochen sind. Erstens die Teilung der Arbeitnehmer in privilegierte Stammbelegschaft und Leiharbeiter, heute wird das meist in Werkvertrag gemacht. Die Gewerkschaften stehen dabei und machen nichts. Zuletzt wurde das Tor bei den Leihverträgen etwas geschlossen, dafür bei den Werkverträgen sperrangelweit geöffnet.
Zweitens die fehlende Positionierung gegen den Krieg und für sofortige Aufnahme von Friedensverhandlungen.

Heute ist der erste 1. Mai seit 1988, den ich nicht als Gewerkschaftsmitglied verbringe.

Schnoerch
Schnoerch
9 Monate zuvor

Danke Roberto. Zumindest hier in Hessen bekommt man den Eindruck bei der IGM handelt es sich um eine Zweigstelle von Gesamtmetall. Spätestens 2006, als sie das neue Entgelt-Rahmenabkommen (ERA) einführten, hätten die Mitglieder aufwachen müssen. Bei uns in der Firma erlitten durch Herabstufung 2/3 der Mittarbeiter langfristig empfindliche Gehaltseinbußen. Hand in Hand mit Betriebsräten wurden oftmals Mitglieder und Belegschaften verraten und verkauft.

Der letzte Erfolg der IGM war Mitte der 80er die Durchsetzung der 35-Std.-Woche. Von da an gings bergab.

Last edited 9 Monate zuvor by Schnoerch
spartacus
spartacus
Reply to  Schnoerch
9 Monate zuvor

die Durchsetzung der 35-Std.-Woche

Wie kommt es eigentlich, daß ich in letzter Zeit schon mehrmals lobende Erwähnung der 4-Tage-Woche gehört habe? Und zwar nicht von Gewerkschaftern, das macht mich dabei mißtrauisch.

AusdieMaus
AusdieMaus
Reply to  spartacus
9 Monate zuvor

Sollte es auch. Es könnte nämlich bedeuten: 4-Tage-Woche ohne größere Pausen, 10-Stunden-Tage und eine lückenlose Überwachung am Arbeitsplatz. Also Verdichtung und gnadenlose Abnutzung des “Humankapitals“.

Lasse Machen
Lasse Machen
Reply to  AusdieMaus
9 Monate zuvor

Es wäre von großem Vorteil sich in dieser Frage mit Karl Marx zu beschäftigen. Könnte den ein oder anderen hier mal zur Besinnung bringen. Es sind die kleinen Schritte, die erst gegangen sein wollen. Dazu gehört zwingend die Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Das eine solche Umsetzung im Kapitalismus schwierig – bei diesen Funktionären der Gewerkschaften allemal – ist, bestreiten nur diejenigen, die Lenis „der Linksradikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus“ nie gelesen haben. Da steht alles drin. Also, lesen bildet. Und dann gehts auf in den Klassenkampf.

Schnoerch
Schnoerch
Reply to  spartacus
9 Monate zuvor

Ich war damals auch gegen die 35-Stunden Woche. Die direkte Folge davon war Arbeitsverdichtung. Dies sprach aber nicht gegen die 35-Stunden-Woche, es wäre auch mit der bisherigen 40-Stunden-Woche geschehen. Was gemacht werden kann, wird auch gemacht. Im Nachhinein bin ich froh, daß dies damals gelang.

Mit der 4-Tage-Woche sieht es anders aus. Dies hat mit einer Arbeitszeitverkürzung nichts zu tun. Das spricht ausschließlich für die Aushebelung der Begrenzung der tägl. Arbeitszeit auf 10 Stunden. Das ist bereits 2020, zu Beginn der Plandemie, in manchen Branchen geschehen.

Last edited 9 Monate zuvor by Schnoerch
flurdab
flurdab
Reply to  spartacus
9 Monate zuvor

Ich finde den Vorschlag super.
So haben die „Kollegen“ doch einen ganzen Arbeitstag frei um sich in einem zweit/ dritt- Job zu engagieren.
Da wird doch die Abeitsprozesse gleich viel flexibler und die Löhne können auch sinken.
Das kann nur von einer DGB- Gewerkschaft kommen, dass ist reinste Lehre.

spartacus
spartacus
9 Monate zuvor

Jaja, die bösen Gewerkschaften. Wann habe ich jemals etwas gutes über die Gewerkschaften gelesen? Ich kann mich einfach nicht erinnern. Dabei sind sie alles, was wir haben, wenn es darum geht, uns vor den Kapitalinteressen zu schützen.
Ich bin zu dem Thema nicht mehr auf dem allerneuesten Stand, aber wesentliche Entwicklungen fanden ohnehin früher statt.

Der deutsche Weg
Zunächst einmal ist festzuhalten, daß die deutschen Arbeitsbeziehungen anders organisiert sind, als in anderen Ländern. Ohne jetzt Details präsent zu haben, gehe ich davon aus, daß ein Grund in der geschichtlichen Erfahrung der Weimarer Republik und den bekannten Folgen liegt. Man wollte weder systemsprengenden Klassenkampf noch eskalierende Straßenschlachten, insofern hat man den Arbeitnehmern qua Mitbestimmung Mitspracherechte in großen Betrieben eingeräumt. Das gibt es in der Form in den meisten anderen Ländern nicht.
Ich belasse es mal bei der Feststellung, daß das Vor- und Nachteile hat.
Politische Streiks sind hier nicht vorgesehen, aber das ist z.B. in den USA auch nicht anders.

Die bösen Funktionäre
Ich weiß nicht, wie diese Frau DGB-Vorsitzende geworden ist, aber die Aussage zu den Dividenden ist einfach indiskutabel.
Menschliche Schwächen und Fehlverhalten kommen in allen gesellschaftlichen Bereichen vor, also auch bei den Gewerkschaften, solange das keine überdurchschnittlichen Ausmaße annimmt, ist das kein grundsätzliches Problem.
Aber man muß eben auch sehen, daß Funktionäre, die in großen Konzernen im Bertiebs- oder Ausfsichtsrat sitzen, ja ständig mit der Arbeitgeberseite konfrontiert sind. Da ist es sicherlich besser nicht jede Woche mit der Machete bei der Sitzung aufzukreuzen. Außerdem übernimmt man durch den Perspektivwechsel eben auch zwangsläufig die Sichtweise in der anderen Position. Die Frage ist, wie weit man sich darauf einläßt und die ist oft alles andere als einfach zu beantworten.
Ich erinnere mich an einen Text des Betriebsratsvorsitzenden eines deutschen Autobauers, der natürlich auch einflußreicher IG-Metaller war, von Anfang der nuller Jahre. Dort forderte er, die Arbeitszeiten den Maschinenlaufzeiten anzupassen. Ich weiß, daß die da früher in zwei Schichten, früh und spät, gearbeitet haben. Was er meinte, war praktisch rund um die Uhr. Ich fand das ungeheurlich, Verrat sozusagen und in der Gewerkschaft war es ziemlich umstritten. Aber klar wurde daran auch, daß es divergierende Interessen gibt. Ich habe es grundsätzlich gesehen (Anpassung des menschlichen Arbeitsmaterials an die Kapitalinteressen), er hat es so gesehen, daß es das günstigste für die 10.000en Mitarbeiter ist, die er direkt vertritt und in der Gewerkschaft waren wohl die von den Großbetrieben eher dafür und die von den mittleren (Zulieferer) eher dagegen. Diesen Interessengegensatz hätte praktisch jeder in dieser Position gehabt, insofern halte ich nichts davon, den Leuten dann pauschal zu unterstellen, sie seien eh alle irgendwie korrupt.

Die Strukturen
Die Gewerkschaften sind ein Kind und wesentlicher Bestandteil der Arbeiterbewegung. Sie sind das wirkmächtigste zivilgesellschaftliche Urgestein des Industriezeitalters, das es schon gab, als die Olivinnen noch auf den Bäumen rumgeturnt sind. Wie sieht es denn aus mit der Arbeiterbewegung? Nach meiner Wahrnehmung gibt es die gar nicht mehr. Im Sinne einer Bewegung ist das eher Resteverwaltung. Ist es die Schuld der Gewerkschaften, wenn die Lohnabhängigen kein proletarisches Bewußtsein mehr haben? Letztendlich hat das Massensterben ganzer Industriezweige (Elektronik, Bergbau, Stahl) auch die Massenorganisationsfähigkeit der Gewerkschaften dezimiert. Die gefeierte Globalisierung und der Aufbau Ost haben ihren Tribut gefordert. Ich kenne keine aktuellen Zahlen, aber die Ossis haben damals den Gewerkschaften doch eher die kalte Schulter gezeigt. Auf der einen Seite wollten sie gleiche Löhne wie im Westen, auf der anderen ihre Arbeitsplätze behalten, so sie denn welche hatten. Das kann keine Gewerkschaft stemmen. Heute haben wir vor allem im Osten viele Betriebe ohne Tarifbindung, da haben dann die Gewerkschaften überhaupt keinen Einfluß.
Soziologisch gesehen fehlen den Gewerkschaften durch die Atomisierung der Gesellschaft ihre klassischen Milieus; ihnen ist, ähnlich wie der SPD, ihr gesellschaftliches Subjekt abhanden gekommen.
Und ich finde, dafür halten sie sich noch einigermaßen gut.
Wenn ich immer höre, die sollten und die müßten, frage ich mich immer, was er oder sie denn schon mal zur Besserung von Arbeitnehmerinteressen beigetragen hat.
Das Aufkommen der Spezialgewerkschaften ist ein zweischneidiges Schwert. Im Grunde nutzen diese Berufsgruppen ihre systemische Relevanz, um für ihre Klientel mehr rauszuholen, während die anderen in die Röhre gucken. Der Arzt holt mehr raus als die Krankenschwester und der Lokführer mehr als das Bordpersonal.

Der deutsche Michel
Genauso korrumpiert wie man es den Systemlingen immer vorwirft, scheint mir die deutsche Bevölkerung zu sein. Mit Gewerkschaften will man eher nichts zu tun haben, auch wenn man ihnen indirekt ein ordentliches Gehalt und erträgliche Arbeitsbedingungen verdankt. Symptomatisch dafür zwei Interviewausschnitte mit Leuten von der Straße. Anläßlich iregndwelcher Proteste in Frankreich letztes oder vorletztes Jahr, meinte eine Passantin ganz trocken, vielleicht müßten sie einfach mal wieder eine Revolution machen. Vielleicht brauche man einfach alle fünfzig Jahre ein neues System. Dagegen erinnere ich mich an eine Radiosendung aus den nuller Jahren. Die Straßenräumdienste wurden bestreikt. Die befragte Passantin war der Ansicht, daß es wohl grundsätzlich in Ordnung wäre, aber doch nicht, wenn gerade Schnee auf den Straßen liegt.
Die Frau Fahimi kann mir gestohlen bleiben, aber für die Gewerkschaften freue ich mich für alles, was sie irgendwie rausholen.

Last edited 9 Monate zuvor by Spartacus
DS-pektiven
DS-pektiven
9 Monate zuvor

Das Grundübel – der Zwang zur Lohnarbeit (oder besser: Lohnknechtschaft oder -sklaverei) – wird allerdings auch in diesem Beitrag nicht wirklich hinterfragt. Das Grundproblem der „Gewerkschaften“ ist, dass sie gar ein „Recht auf Arbeit“ einfordern.

Ich verzichte sehr gerne auf dieses „Recht“, ich streite vielmehr im Sinne Lafargues für ein Recht auf Faulheit! Wobei „Faulheit“ gerade auch gesellschaftlich wertvolle Arbeit meinen kann, die jedoch von jener „Gesellschaft“ nicht honoriert wird.

flurdab
flurdab
9 Monate zuvor