Ganz einfach kompliziert

Die Alternative für Deutschland, so lautete vor Jahren eine oft wiederholte Expertise, gründe auf der tiefen Sehnsucht einer einfachen Welt, in der die globalisierten Komplexitäten unserer Zeit ausgeblendet werden. Warum sollte diese Erkenntnis nicht auch für die Claqueure des globalistischen Mainstreams und der Zeitenwende gelten?

Wissen Sie noch, warum es auch im Westen etliche Wählerinnen und Wähler der AfD gibt? Klar, bei der Reichhaltigkeit der Analysen, die man uns dauernd unterbreitet, kann man das schon mal vergessen: Während die Ostdeutschen bekanntlich von der DDR zu Neonazis erzogen wurden, sind die Wessis einfach bloß nostalgisch. Sie wählen die AfD, weil sie zurück möchten in die Einfachheit der Fünfzigerjahre. Angeblich ist das der Erfolg auch anderer Wahlalternativen in anderen europäischen Ländern: Wer Marine Le Pen wählt etwa, der will zurück in das alte Frankreich.

Es sei immer dasselbe Prinzip, erklärte man noch vor Jahren: Wer den Rechtspopulismus wählt, der ist überfordert mit der Welt und möchte in ein Land vor unserer Zeit. Der strebt wieder zurück in eine Welt, in der alles noch einfacher, überschaubarer, klarer umrissen schien. Die Simplifizierung der Umstände: Das sei der ursprüngliche Antrieb so vieler, die Parteien dieses Formats wählen.

Nichts ist unterkomplexer als Moralismus

Nun ist Nostalgie als Wahlmotiv ja grundsätzlich nie auszuschließen, eigentlich viel mehr sogar eine Konstante. So wählt mancher Greis heute noch die Sozialdemokraten, weil er möchte, dass das Land nochmal so aufgestellt ist wie damals, als Willy noch regierte. Wieviele wählen die Union, weil sie sich ein christlicheres Land wünschen? Und wer heute grün wählt, möchte der nicht auch Frieden und Umweltschutz? Die Welt einfach und überschaubar zu halten, dieser Vorwurf allerdings, ist per se keiner, den man lediglich Wählern vermeintlich rechter Alternativen unterjubeln sollte. Warum nicht, sieht man ganz gut an dem, was heute unter einer angeblich progressiven Bundesregierung abläuft.

Was man uns heute vorsetzt, diese Meldungen und Schilderungen, nach Lesart der »regelbasierten Ordnung«, in der es eindeutige Schurken- und Reckenstaaten gibt, glasklare Einordnungen von Ereignissen und Vorfällen nach Vorgaben dieser Systematik, offenbart doch eigentlich nur einen Antrieb: Es geht um Überschaubarkeit. Um unverkennbare Einfachheit. Und nicht nicht darum, der Komplexität der Welt Rechnung zu tragen.

Exakt das, was man über Jahr und Tag AfD-Wählern und -Wählerinnen nachsagte, nämlich aus einem solchen Drang heraus ihr Votum für diese Partei abzugeben, weil man sich von ihr erhofft, sie werde die Welt wieder übersichtlicher halten, sie zurückführen in die simple Weltanschauung längst vergangener Tage, erleben wir doch auch aktuell. Die gesamte Bundes- und feministische Außenpolitik ist doch demselben Muster geschuldet. Klar, man nimmt sich keine Anleihen in der Vergangenheit, will ja geradewegs voranschreiten. Schließlich ist man progressiv und muss sein Projekt auch visionär betiteln, »Zeitenwende« nämlich: Aber dass diese Zukunftszugewandtheit besonders eklatant mit der Vereinfachung spielt, ja sie geradewegs zur Präambel kürt, lässt sich nicht verhehlen.

Der Moralismus dieser Zeitenwende dient ja nicht der komplexen Erfassung, will nicht die verschlugenen Betrachtungen, die politischen Zirkelschlüsse oder Winkelzüge, die schwer verständlichen Zusammenhänge abbilden, sondern genau das Gegenteil entfachen. Denn nichts ist unterkomplexer als Moralismus – oder wie Carl Gustav Jung einst festhielt: »Denken ist schwer, darum urteilen die meisten.«

Globalistische Simpel

Schwarz und weiß, richtig und falsch, gut und böse: In diesen manichäischen Kategorien wird uns mittlerweile seit Jahren die Welt ausgedeutet. Die Atlantiker und Globalisten präsentieren die Welt nicht als Summe von Wechselwirkungen, Zufällen und kausalen Abhängigkeiten und Verknüpfungen. Sie sind dazu übergegangen, die Pole moralisch aufzuladen. In diesem Modell kommen bestimmte Protagonisten als absolute Bösewichte zum Einsatz, die gar keine Erklärung für ihre vermeintliche Boshaftigkeit haben, außer eben den Umstand, dass sie von Natur aus abrgundtief böse sind. Gegenüber diesen Widersachern kann man die eigene Seite fein rausputzen.

Das hat sich übrigens im letzten Jahrzehnt verändert. Die globalistischen Eliten zeichneten vorher noch ein ganz anderes Bild von der Welt, nämlich immer dann, wenn sogenannte Globalisierungskritiker demonstrierten. Diese würden die Welt in ihrer Komplexität gar nicht begreifen, sagte man ihnen nach. Daher würde ihre Kritik an der globalisierten Realität nicht satisfaktionsfähig sein.

Diese Lehre, die gerne mit der Vielschichtigkeit und Verflochtenheit der Welt kokettierte, hat in der letzten Dekade den Rechtfertigungsmodus verändert. Schließlich geriet die globale Marktwirtschaft in eine tiefe Krise, die alten Narrative griffen nicht mehr; die Globalisierungskritiker von damals haben recht behalten, ihr Ansinnen, diese »kannibalistische Weltordnung« (Jean Ziegler) wenigstens zu regulieren, erwies sich als nicht ganz abwegig oder falsch. Darauf musste man mit einer neuen Leitlinie reagieren.

Der neue »progressive Neoliberalismus« (nach Nancy Fraser, bitte nicht mit der Bundesjustizministerin verwechseln – das wäre fatal!) und seine woke und campy Agenda sind die neue Leitkultur der globalistischen Eliten. Der skizziert das Weltgeschehen nicht mehr als Sammelsurium von Kompliziertheiten, ganz im Gegenteil: Eigentlich sei alles ganz einfach und simpel – der Westen und seine Wirtschaftsstruktur sei anständig, vielleicht nicht immer perfekt, aber fair und aufrichtig. Er – der Westen – würde von unanstößigen Funktionären geführt. Im Rest der Welt aber, oh weh, da hapert es, da steckt das Böse drin.

Vereinfachung zeigt Überforderung an

Einfacher kann man das Leben auf Erden, die Existenz synchon existierender ungezählter Millionengesellschaften kaum nahebringen. Man blendet geopolitische Vorentwicklungen aus, auf historische Bezüge und kulturelle Vorbedingungen wirft man den Mantel des Schweigens – und man reduziert den Lauf der Dinge als einen schlichten Aspekt von gängiger Moral. Von jener Moral, die man selbst meint. Keine etwa, die allgemeinverbindlich, die einem Weltethos verpflichtet ist, sondern nur bis zum eigenen Tellerrand reicht.

Nochmal: Genau das hat man bis vor einigen Jahren denen spöttisch vorgehalten, die konservative Alternativen wählten. Sie würden zur Vereinfachung tendieren, daher fiele ihre Wahl so aus. Die Rechtspopulisten würden diese Sehnsucht bedienen – und docken so in allen Gesellschaftsschichten an. Aber genau dieser Drang nach einfachen Verhältnissen macht die herrschende Politik aus. Das, was Annalena Baerbock als »feministische Außenpolitik« an den Mann, die Frau und das Dazwischengeschlecht bringt, gründet auf einer fatalen Simplifizierung. Es sind dieselben Methoden und rhetorischen Kunststückcken, die man vor Jahren noch den Rechtspopulisten unterstellte.

Eine gravierende Überforderung hat man den Wählerinnen und Wählern solche Parteien vorgeworfen. Europa rücke nach rechts, hieß es damals, weil etliche sich matt, abgespannt und eben überfordert fühlten. Dieser Hang zur Simplfizierung zeige das deutlich an. Gilt das jetzt nicht? Ist diese Politik der Zeitenwende nicht von exakt einer solchen Überforderung geprägt?

Indes haben die Soziologen von einst, die so viele kluge Expertisen zur AfD, zu Orbán oder Le Pen abgaben, eine Sache aber richtig gesehen: Europa rückt nach rechts. Dass es aber nicht die vermeintlichen oder auch wirklichen rechten Wahlalternativen sein würden, die den Kontinent in einen totalitären Geist abdriften lassen, ahnten sie wohl nicht. Es sind die Vereinfacher aus einem Lager, das sich aus historischer und traditioneller Verbundenheit heraus noch als progressiv bezeichnet, die das Land in den Rechtsruck lotsen. Sie tun es wie alle, die totalitär denken – mit der Anwendung grober Klischee- und Stereotypbilder, simplen Parolen und überschaubaren Einschätzungen: Mit strikter Vereinfachung halt.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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Walter Grossmann
Walter Grossmann
17 Tage zuvor

Lieber Roberto J. De Lapuente,

ich stimme tendenziell Ihrer Analyse zu,.

Hinweisen und ergänzen möchte ich aber, dass sich die Veränderungen nicht linear sondern exponenztiell beschleunigen.
Das mögen schon unsere Ur-Ur-Grossväter gedacht haben, als Eisenbahn und die zweite Industrisierungswelle kam.
Als ich in den 90ern auf der Technischen Uni von Wien studierte, gab es noch ein Institut für Technologiefolgenabschätzung.
Das war aber offenbar (no-na) nicht nachhaltig genehm und wurde aufgelöst (böse Vermutung: durch ein Gender-Institut ersetzt).

Ich habe mit meinen (linken) Freunden schwierige Diskussionen, bekenne mich aber aktiv, provokativ zur Querfront.
Es ist vielleicht verrückt, aber eher können wir mit Rechten (Afd/FPÖ) den anstehenden Totalitarismus verhindern als mit Marketing/PR/oderIrgendwasMitMedien Affinen, dahergelaufenen Fuzzis.
Das werde ich unterstützen, weil die Alternative ein staatlich sediertes in Angst und Schrecken System mit einem erstarrten Volk/Mibürgern ist.

P.S.:
Vorwärts immer, rückwärts nimmer.
Lieber rot als tot.
… das war noch eine Diskussiongrunglage.

marie
marie
Reply to  Roberto J. De Lapuente
17 Tage zuvor

konservativ im sinne von “ werten, die bewahrt werden müssen“ = progressive werte für die evolution und aufklärung in einer konkreten zeit, der sie voraus waren

… manches erscheint uns heute noch als „wunder“ (bau der pyramiden u.a.) … anderes als „ewig“ gültiges muster für die höhen des menschlichen geistes

>>> übrigens: die „internationale freie linke“ hat sich in prag getroffen = sehr hoffnungsvoll !!! (aber in welchen medien gibt es informationen darüber?)

his_frogness
his_frogness
Reply to  Roberto J. De Lapuente
17 Tage zuvor

Mit ernsthaften Konservativen kann ich viel besser diskutieren, als mit dem progressiven Lager. Die haben oft durchdachtere Positionen als das progressive Lager. Da muss ich mir viel mehr Mühe geben, meine Meinung zu begründen, das kann ein intellektuelles Vergnügen sein! Und der Diskussionsstil ist selbst bei gegenseitigem Unverständnis von Respekt gekennzeichnet.
Mit dem „progressiven“ Lager hingegen, nun ja, ist die Diskussion eher manichäisch geprägt: Da wird oft die Putin- und Nazikeule gezückt und das war es dann. (Ich verstehe immer noch nicht, was da bei vielen, vielen ehemaligen Linken vorgefallen ist. Angst allein kann es nicht sein. Es hat was religiöses.)
Ich bezeichne mich selbst nicht mehr als Linken, zu diesen Leuten möchte ich nicht mehr gehören.
Ich bin jetzt ein Kolibri: Konservativer Linker Brillenträger 😉

flurdab
flurdab
Reply to  Roberto J. De Lapuente
16 Tage zuvor

Solltest du, solange es noch Strom gibt.

Als Freund der Konserve:
Der Vorsitzende des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, warnt Deutschland vor flächendeckenden Stromausfällen im kommenden Winter. Nebenbei ruft er die Bürger dringend dazu auf, sich Vorräte für den Katastrophenfall zuzulegen.
Link geht zum Lokus: https://tinyurl.com/2pa7zqf9

Könnte sein das bald ganz viele Leute die Welt ebenfalls anders betrachten werden.

flurdab
flurdab
Reply to  Roberto J. De Lapuente
16 Tage zuvor

Es ist schön Dich bei der Analyse deiner Möglichkeiten zu sehen.
Aber sind die Farbbänder deiner Schreibmaschine noch frisch?
Hurtig, hurtig.
Könnte natürlich auch sein das Du so ganz ohne Strom sehr ins 18 Jhd. zurück fällst. War ja nicht alles schlecht.

flurdab
flurdab
Reply to  flurdab
16 Tage zuvor

Nicht falsch verstehen.
Ich denke wir sind uns in der Betrachtung der Welt sehr nahe.
Aber im Moment neige auch ich zur Hysterie.
Dicke Spanier wie du verstehen das.

Wolfgang Seidel-Guyenot
Wolfgang Seidel-Guyenot
Reply to  Roberto J. De Lapuente
16 Tage zuvor

Den Konservatismus betrachte ich zwar nicht umfassend als „Hoffnung“, aber in letzter Zeit habe ich gelernt, dass es Dinge gibt, die „früher zur guten alten Zeit“ gut für unserer Gesellschaft und die Menschen waren und die man unbedingt erhalten sollte. Ich bin übrigens durchwegs „klassisch links sozialisiert“.

Ich stamme bereits aus einer Familie in der das SPD-Wählen sozusagen mit der Muttermilch weitergegeben wurde. In meiner Jugend wurde ich zum typischen Leftie der 1970er Jahre und damit „ein Ideechen“ zu links für meine eher bieder-altbacken-sozialdemokratische Familie.

Die JUSOs zogen mich an (ganz nett damals für meinen Geschmack, vielleicht noch ein wenig zu „rechts“), dann der SDAJ, ja ich war sogar ein paar mal bei Veranstaltungen des damals noch existierenden „KBW“, bevor ich erkannte, das das eigentlich nur verblendete, manipulationsgeile Arschlöcher waren, die so ähnlich wie Scientologen nur junge naive Leute rekrutieren wollen, welche dann „ideologisch getrimmt und umfrisiert“ deren Bücher kaufen und auf der Straße verkaufen sowie kostenlos „ehrenamtlich“ in deren Druckereien und „Ortszellen“ arbeiten sollten.

Ich wandte mich dann von sämtlichen „linken“ Organisationen und dem „Politisch-Aktivsein“ ab und begann ein gemütlicheres Leben. Kneipen, Rucksack-Tourismus in Griechenland, Afghanistan und Indien, abends nach der Arbeit oder Uni Joints, Bier und Pizza mit Freunden.

Dennoch blieb ich irgendwie „diffus links“, mit einer kleinen Prise „New Age“. Ich lebte mehrere Jahre als Student très bohemien in WGs, trug den entsprechenden „linken Outfit“, Anzüge? nein danke! (ist auch heute noch so bei mir) und „Konservative“ waren für mich und meine WG-Diskussionsgenossen und Genossinnen weiterhin reaktionäre Idioten. Ich hatte da so ein sehr hartnäckiges und mir damals 100% realistisch erscheinendes Sterotyp von alten, fetten Männern, die in großen palastartigen Anwesen leben, fette Benze oder Porsches zwecks psychologischer Kompensation winzigster Genitalien fahren, auf Sex mit ganz jungen Frauen stehen (natürlich auf die ultraperverse Art), auf die „kleinen Leute“ spucken und einfach „viel zu viel Geld“ hatten, im Kopf.

Ähnlich wie ein Kommentator hier anmerkte, kann ich mich aber heute mit gebildeten und vernünftigen Konservativen viel besser unterhalten als mit sogenannten „Progressiven“. Ich habe gelernt, dass viele sogenannte „Konservative“ viel aufmerksamere und respektvollere Zuhörer sind, dass man mit ihnen Gespräche führen kann, ohne gleich in Grund und Boden gekreischt zu werden, wenn man mal verschiedener oder gar deutlich verschiedener Meinung ist, dass gerade „Konservative“ offenbar noch zu dem fähig sind, was man als offene demokratische Streit- und Gesprächskultur bezeichnete.

Ich habe gelernt, dass viele meiner Stereotypen vom „fetten, reichen Konservativen, in dessen Gehirn man nur Spinnweben, Pädophilie und nostalgischen Nippes findet, einfach falsch und zu simplifizierend gewesen waren.

Inzwischen bin ich von dem, was man als „grünlinke Blase“ bezeichnet mehr als nur abgestoßen. Abgestoßen ist vielleicht das falsche Wort. Ich bin verwirrt und fassungslos angesichts deren systematischer Verwirrtheit , Borniertheit und ganz und gar evidenter Neigung zur Bevormunderei, zur ideologischen Gleichschaltung und zu diktatorischem Gedankengut. Ich habe in meinem Leben immer sehr viel Wert darauf gelegt, dass der Staat mich weitestgehend in Ruhe lässt, dass ich eine umfangreiche Privatsühäre habe in der ich individuell mein eigenes individuelles Leben führen kann. Links stand für mich immer für Freiheit, Individualität und geistige Emanzipation. Davon erkenne ich bei „Grünlinx“ nichts.

Ich habe in letzter Zeit allerdings auf diversen Blogs und sozialen Netzwerken auch ein paar „Konservative“ kennengelernt, welche gerade diese libertär-individualistischen Denkweisen haben wie ich selbst, während mir von „links“ nur gleichgeschaltetes, gehirnentkerntes Geblöke, Gender-Fanatismus und „Wir impfen euch ALLE!“ entgegenschallt und man mich irrsinnigerweise als „Nazi“ (ich bin so was von antifaschistisch) beleidigt.

Ich bin nicht für einen totalen Konservatismus, viele Dinge sind reformbedürftig und eine Gesellschaft, die vollständig in einer gewissen Entwicklungsstufe fixiert bleibt, ist nach meiner Ansicht eine erstarrte, undynamische Gesellschaft ohne jedweden Fortschritt.

Ich bin also zum Teil „konservativ“ in dem ich gewisse gesellschaftliche Werte, Werte und Normen, die gut für die Menschen sind und die sich lange als gut bewährt haben, ganz „wertkonservativ“ erhalten sehen möche, aber andererseits möchte ich bestehende gesellschaftliche Missstände (vor allem soziale Misstände) doch vehement „progressiv“ verändert sehen.

ShodanW
ShodanW
17 Tage zuvor

Ich finde, Roberto, du sprichst da genau den Punkt an, den man als Ursache ausmachen sollte und bisher kaum anspricht. Chapeau!

Mir geht es in der Wahrnehmung ähnlich, weil man einen Populismus mit einem anderen auszustechen versucht. Natürlich sieht sich die progressive Seite nicht als populistisch an, aber wenn man nur ein bisschen aus dem Lagerkreis austritt, lässt sich das schnell erkennen. Sachfragen gehen darin viel zu schnell unter, weil sie in ihrer Komplexität schnell zum Eigenverwürfnis führt, wenn man die Negativaspekte unter der Decke halten muss. Ukraine das beste Beispiel: Du schreibst richtig, das ultimativ Böse wird hier gezeichnet (Putin), das ultimativ Gute (Ukraine) muss mit allen Mitteln aufgebaut werden. Egal, ob der Laden völlig korrupt ist oder Stepan Melnyk Naziverbrechen relativiert.

Und wir hier schlucken das in seiner künstlich gebauten Grobheit und freuen uns über so viel Rechthaberei, die wir trotzdem nicht haben, weil wir eben das Negative nicht im Solidaritätswahn haben dürfen. In dieser positivistischen Lüge gefällt sich der Westen, solange er das aufrecht erhalten kann. Das ist nicht nur politisch so, auch wirtschaftlich. Wer hätte gedacht, dass etwa Hakle so schnell Insolvenz anmelden muss? Klar, Kollateralschäden der Coronamaßnahmen waren auch immer unter der Decke gehalten worden, Hakle musste das aber als dicke Last in ihrer Presserklärung aufführen (was die Medien natürlich wieder nicht plakatieren). Die Energiepreise waren nur der Todesstoß. Hätte man wissen können, aber die Progressiven müssen ja ihre Zeitenwende durchziehen.

PhilSt
PhilSt
17 Tage zuvor

Das AfD-Wähler die Totalitäre Art des Staates anprangern ist gut und richtig.
Was das Porblem ist das Sie den totalitären Staat selbst sich wünschen… nur eben beim „richtigen Klientel“.
Nach dem Motto „Law and Order“ sehr gerne, aber nicht bei mir.
Das Polizeigesetze dann aber auch bei Ihnen selbst greifen können, wird nicht bedacht.

Somit ist diese konservative Strömung nicht zu gebrauchen.
Sobald das Narrativ auf „Terrorismus, Islam, Asyl und Ausländer“ schiebt, stehen die wieder im anderen Lager und rufen nach dem starken Staat.

Es fehlt schlich weg in Deutschland der klassische US-amerkikanischer Liberalkonservative. Der dem Staat misstraut. Der seine alten US-amerikanischen Werte behalten will. Der den Staat klein halten will. Und lieber selbst Cheriff spielen will.

Ja, natürlich hat diese politische Einstellung Nachteile für eine Gesellschaft. Sie ist aber wichtig.im politischen und gesellschaftlichen Spektrum.
Das haben wir nicht. In Deutschland lieben sowohl die Linken wie auch die Konservativen den Staat.
Den Staat nicht wie ihn linksliberale ürsprünglich gesehen haben: nämlich als Mittel um für den Normalbürger frei und ohne Not leben zu können.
Sondern als Handlanger für die Umsetzung von seinen Klientelinteressen.

flurdab
flurdab
Reply to  PhilSt
17 Tage zuvor

Es fehlt schlich weg in Deutschland der klassische US-amerkikanischer Liberalkonservative. Der dem Staat misstraut.

Ist das so? Von diesem „Liberalkonseravatismus“ in den USA hört man wenig.
Gibt es den überhaupt und wer vertritt ihn?

his_frogness
his_frogness
17 Tage zuvor

Sehr gute Analyse und nicht nur, weil sie mit meiner Weltsicht übereinstimmt.
Im Zusammenspiel mit Herrn Wellbrocks „Schocktherapie-Annahme“ erklärt sie vieles von dem, was momentan in diesem Land stattfindet.
Jetzt müssen „wir“ den Hebel finden, um diese Verhältnisse zu kippen und den Punkt, wo der Hebel angesetzt werden muss.
Ein Hebel sind sicherlich die hohen (Energie-)Preise. Die Forderungen nach „Entlastungspaketen“ sind zwar Unsinn, eignen sich aber vorzüglich, um den Pflastercharakter der Maßnahmen und die Unfähigkeit der Regierung mit seinen Mitmenschen zu diskutieren. Das ist ein Elfmeter für Regierungskritiker! Angesichts der eigenen Zahlungserfahrungen kam mir bisher keiner mehr mit „aber der Putin“.
Die ersten Rechnungen und Vorauszahlungen sind da, die Leute kippen!

„Wir“ brauchen jetzt eine lagerübergreifende Forderung, die Querfrontdebatte ist ein Ablenkungsmanöver. Die erfolgreichsten politischen Bewegungen in Deutschland waren „Einpunktbewegungen“. Links, rechts und trallala spielen jetzt erstmal keine Rolle.

Der Zeitdruck für die Regierung steigt. Ich hoffe nur, dass uns nicht eine weitere Schockwelle als Ablenkungsmanöver ins Haus steht…

flurdab
flurdab
17 Tage zuvor

Da gehe ich mit.
Möchte aber einwenden das Politik zu einem Geschäft verkommen ist.
Jeder Partei ist ein Wirtschaftsunternehmen, welches ohne klares Produkt danach trachtet eine Gewinnmaximierung zu erreichen.
Solange Parteien und ihre Bonzen nach der Steigerung des Parteivermögens (und ihres eigenen) trachten, bleibt der „Wählerwillen“ uninteressant.
Dafür hat man ja die Spindoktoren. Und je schlichter der Slogan umso schlichter der Verstand des Wählers. Und wenn man dann noch mit Emotion arbeiten kann, super.

Das ist wie bei Wohlfahrtsverbänden, die wollen alles, nur sicher nicht das ihr Klientel schrumpft.
Der Trick ist ja eine Wahlmöglichkeit in den Raum zu stellen, die nicht vorhanden ist.
Es bleibt ja gleich ob die Grünen, die SPD, die FDP, die CDU/CSU gewählt werden, das Ergebnis wird immer das Gleiche sein. Daran würde auch die AfD nichts ändern, die würden umfallen noch bevor die Tinte getrocknet ist.

Es ist zu einem beschissenem Geschäft verkommen.

Suzie Q
Suzie Q
Reply to  flurdab
17 Tage zuvor

Wohin sollte die AfD denn umfallen? Die würde sich allenfalls aufrichten. Die warten doch nur auf eure Stimmen, damit sie endlich anfangen können, das Gauland zu beweideln, vielleicht mit ner oldenburger Großcousine 8. Grades oder auch nem Ostproll. Da sind die ganz offen – wenigstens da!

flurdab
flurdab
Reply to  Suzie Q
17 Tage zuvor

Einmal nur, nur einmal.
Einmal nur einen Kommentar mit Inhalt von Dir.
Mehr wünsche ich mir nicht.

Bis dahin <*))))<

Doppelhelix
Doppelhelix
Reply to  flurdab
17 Tage zuvor

 Ein intellektuelles Duell kann hier leider nicht stattfinden…mit Unbewaffneten duelliert man/frau sich nicht…;-)

Carlo
Carlo
Reply to  Doppelhelix
16 Tage zuvor

Na dann setz ich doch mal einen gegen die Depression, denk mal an die Motorsäge…..;-)

Schwitzig
Schwitzig
Reply to  flurdab
16 Tage zuvor

Wünsch Dir das nicht, denn dann gäbe es einen Scheißkommentar, über den man nachdenken könnte.
So wie GrooveX/Suzie Q aktuell ist, reicht es, den Nick zu lesen, um zu wissen, dass der restliche Schrott nicht lesenswert ist und lediglich das schriftliche Äquivalent zu einem dampfenden Hundehaufen darstellt.

Last edited 16 Tage zuvor by Schwitzig
Suzie Q
Suzie Q
Reply to  flurdab
16 Tage zuvor

Ja, ne? Ich verstehe das.

Carlo
Carlo
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

Denk ich nicht, willst Du sagen Du verstehst die Macht dann kommst Du bestimmt in’n Himmel, aber „Rauchverbot“ beachten…;-)

Last edited 16 Tage zuvor by Carlo
Carlo
Carlo
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

Suzie Q denk mal an Habecks Bückling, das wird Dir helfen!
Der Bückling hat viele Kalorien und einen hohen Brennwert. Es zählt mit 217 Kilokalorien je 100 Gramm zu den kalorienreichen Lebensmitteln und sollte bewusst und in Maßen konsumiert werden. Zu viel Bückling geht auf die Hüfte und kann zum Dickmacher werden! Der Wassergehalt liegt bei ca. 64 Prozent, was hilfreich ist, um den täglichen Wasserbedarf abzudecken.
Also, wenn der Mensch ein Bückling wär, bräuchte er ja gar nichts mehr essen, könnte den ganzen Tag arbeiten und problemlos Mondpreise für Strom und Heizung begleichen. Auch dem Wassermangel wäre so abgeholfen. Quasi eine Win-Win-Win Situation für eine marktkonforme Sozialpartnerschaft. Jetzt ist innovative Gentechnik „An der Goldgrube“ gefordert!…;-)

Last edited 16 Tage zuvor by Carlo
Suzie Q
Suzie Q
Reply to  Carlo
16 Tage zuvor

Aha… Und das macht jetzt die AfD zu einer Alternative für Deutschland? Oder die Restauration mit all ihren bekannten Folgen bedenkenswert? Oder muss man das deutlicher machen, indem man denen ein bisschen das Feld überlässt, damit wir am Ende alle sagen können „Faschismus ist machbar, Herr Nachbar?“ Doch, die AfD würde was ändern. Wie war das denn damals bei der Reichstagswahl 1932? Und was kam dann? Die große Hoffnung aller Enttäuschten wurde womit belohnt?

Oh shit… So viel zum Häring

Carlo
Carlo
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

Nicht der Hering, der Bückling! Ist das denn so schwer auseinander zu halten. Wenn Du ein Bückling wärst bräuchtest Du nichts mehr essen, könntest also nur noch arbeiten und hättest die Glückseeligkeit im Leben erreicht.
(Siehe oben!)
Was ist daran schlecht, wenn man mal dem Kapital eine Freude macht? Das Himmelreich ist Dir…..;-)

Last edited 16 Tage zuvor by Carlo
Suzie Q
Suzie Q
Reply to  Carlo
16 Tage zuvor

Solange du es bist, der es tut, ist es okay für mich.

Carlo
Carlo
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

So ein „okay“ ist aber nicht amerikanisch-evangelikal! Du mußt für Deinen Bückling kämpfen und ihn Dir erhalten, auf daß Du lange arbeiten kannst.
Bedenke, vielleicht gibt es im Himmel gar keine Arbeit mehr!
Wovon willst Du dann dorten leben?

Last edited 16 Tage zuvor by Carlo
Suzie Q
Suzie Q
Reply to  Carlo
16 Tage zuvor

Da ist keine Ebene – noch nicht mal eine schiefe.

Carlo
Carlo
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

Doch, das ist eine Rutschbahn nur für Dich…..;-)

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

@Suzie Q

Wohin sollte die AfD denn umfallen? Die würde sich allenfalls aufrichten.

Eben, um aufrecht mit dem Rest des Parteienspektrums in einer Reihe zu stehen, auf Sponsorengelder hoffend.

Die warten doch nur auf eure Stimmen, damit sie endlich anfangen können, das Gauland zu beweideln, vielleicht mit ner oldenburger Großcousine 8. Grades oder auch nem Ostproll. Da sind die ganz offen – wenigstens da!

Darum bekommt dieser Mont-Pellerin-Fanclub auch keine Stimme, jedenfalls nicht von mir.
Blau ist nur eine weitere Farbe im neoliberalen Regenbogen.

Suzie Q
Suzie Q
Reply to  Robbespiere
16 Tage zuvor

Irrtum!
Irrtum und Verharmlosung.

Carlo
Carlo
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

Aus Dir spricht die Weisheit des Waldes mit dem wohltuenden Klang der Motorsäge. Irrtum und Verharmlosung, in welch gedankliche Tiefen Du uns führst. Apropos…Sei unsere Anführerin im Stau auf der Autobahn! Wir brauchen jemanden zudem wir aufschauen können….;-)

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

@Suzie Q

Irrtum und Verharmlosung.

Wie das?

Neoliberalismus ist Faschismus in Reinform.

Carlo
Carlo
Reply to  Robbespiere
16 Tage zuvor

Robbespiere beware….!

Suzie Q is Old Credence Clearwater’s fiancée, coming from the wood, living in the wood and working therein.
Girly likes woodpecker songs and the sound of the motor saw. She took lessons in Macramé and therefore wanted to become a philosophic disputer. So here we are now! D’ont worry, be happy!

Carlo
Carlo
Reply to  Carlo
16 Tage zuvor

Robbespiere,
Nach der meiner Überzeugung nach immer noch gültigen Faschismusdefinition von Georgi Dimitroff hast Du recht.
Das heißt, wir sind schon drin!

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Carlo
16 Tage zuvor

@Carlo

Waren wir je draußen?

Die Zeit bis zum Zerfall des Gegenmodells war nur augehübschte Tarnkappen-Demokratie.
Jetzt atmet der -Ismus wieder frei durch und beglückt uns technisch angepasst an die neue Zeit und ohne die Angst, „Drüben“ käme rüber, noch nicht mal in Gasform.

Carlo
Carlo
Reply to  Robbespiere
16 Tage zuvor

Robbespierre,
Waren wir je draußen?
Nein!
Vertiefen wir das jetzt nicht, es könnte nämlich zu Verunsicherungen führen.

Last edited 16 Tage zuvor by Carlo
flurdab
flurdab
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

Also nach dem die AfD diesen Strack- Zimmermann aufgestellt haben , sind die Aus für mich.
Da könnte ich ja gleich die FDP wählen.

Last edited 16 Tage zuvor by flurdab
Suzie Q
Suzie Q
Reply to  flurdab
16 Tage zuvor

Das stimmt ja auch! Aber es ändert doch nichts an der Tatsache, dass mit der AFD nicht geliebäugelt werden darf.
Wegen Regen -> Traufe & so

flurdab
flurdab
Reply to  Suzie Q
16 Tage zuvor

Vielleicht habe ich mich ja missverständlich ausgedrückt.
Vielleicht hast du auch gewisse Schwierigkeiten beim Textverständnis.
Meine eigentliche Aussage ist, das alle Parteien die im Parlament vertreten sind nicht wählbar sind.
Meine Begründung: die wollen alle nur ihren finanziellen Vorteil sichern. Das ist ihr einziger Sinn.
Der Wähler ist nur Mittel zum Zweck.
Und die AfD ist auf dem gleichen Holz gewachsen wie die CDU.
Für mich also keine Alternative.
Ob die einen Höcke haben ist da völlig wurst.

spartacus
spartacus
Reply to  flurdab
15 Tage zuvor

Da bin ich mir nicht so sicher. Bisher stehts da ja eher unentschieden. Ist für mich noch nicht ausgemacht, ob die AfD zum national-konservativen Zünglein an der Waage oder zur offenkundig faschistischen Bewegung wird.

JW
JW
Reply to  spartacus
15 Tage zuvor

Da bin ich mir auch nicht sicher, spartacus. Gert-Ewen hat ja vor kurzem mal einleuchtend beschrieben, wie es dazu kam, die anfänglich guten/vernünftigen Positionen der AfD zu zerlegen. Das ist der Merkel wahrlich gut gelungen: Rechts, Rechts – bis es die wirklich Rechten in diese Partei getrieben hat. Ich teile diese Einschätzung.

Jenseits von Rechts und Links gibt es aber Fanatismus – den halte ich für 1000x schlimmer. Das, z.B., sind permanent gebräuchliche Narrative der heutigen Fanatiker:

Zero Covid
Zero CO2

Zero! Zero? Zero ist purer fanatischer Faschismus, und zwar – der allerübelsten Art. Wer maßt sich an, die Zero-Linie zu ziehen? Auszurotten, zu dezimieren? „Oh mein Gott!“

Dass man über sowas überhaupt reden muss – unglaublich!

flurdab
flurdab
Reply to  JW
13 Tage zuvor

Sagen wir mal ihr habt einen Krug für frische Milch.
In diesem Krug bleibt die Milch fünf Tage lang frisch.
Und irgendwann fängt die „frische Milch“ bereits nach zwei Tagen an zu stinken.
Wo liegt nun das Problem?
Ist es die Milch, ist es der Krug?

Das ist unser „Parteiensystem“.
Es ist nicht die Milch, es ist der Krug.