Schachmatt – Deutschland hat zum Glück verloren

Ich bin inzwischen nach Russland umgezogen. Ich schreibe für die Neulandrebellen künftig aus Moskau. Das ist in diesen Zeiten eine besonders interessante Aufgabe und sicherlich auch eine Bereicherung für unsere Seite. Deutschland steht Russland wieder einmal feindselig gegenüber. Es ist nicht das erste Mal in der Geschichte. Zum Glück ging die Konfrontation bisher immer gut aus, denn Deutschland hat sie immer verloren. So auch dieses Mal.

Nachdem sich Deutschland an zahlreichen völkerrechtswidrigen Konflikten beteiligt hat, ist man in Deutschland über den Einmarsch Russlands in die Ukraine empört. Die eigenen völkerrechtswidrigen Handlungen vergessend, gestützt auf ausschließlich moralische Hybris faselt deutsche Politik im Chor mit den transatlantischen Bündnispartnern vor allem etwas von “regelbasierter Ordnung” ohne präzisieren zu können, was das genau sein soll. Schaut man genauer auf den Begriff und seinen Gebrauch, meint er einfach das Recht des Stärkeren. Deutschland findet diese regelbasierte Ordnung daher auch gut, denn es zählt sich selbst zu den Stärkeren.

Russland und die regelbasierte Ordnung

Russland habe gegen die regelbasierte Ordnung und das Völkerrecht verstoßen und müsse daher bestraft werden, ist der Tenor der deutschen Moralisten von links bis mitte-rechts. Nun kann man sich über den ersten Punkt streiten. Man sollte sich die russische Argumentation, man habe im Donbass einen Genozid verhindert, sei also aus Schutzverantwurtung einmarschiert, zumindest einmal anhören. Es ist nämlich was dran.

Zudem argumentiert Russland, der Einmarsch sei ein Akt der Selbstverteidigung und daher nicht völkerrechtswidirg. Die NATO hatte sämtliche von Russland bisher gezogenen roten Linien überschritten und war trotz aller Bitten Russlands um Sicherheitsgarantien nicht bereit, darüber auch nur ernsthaft zu reden. Auch an dieser Argumentation ist was dran.

Was nun die Notwendigkeit der Bestrafung angeht, kann nach gut fünf Monaten Sanktionsregime festgestellt werden, dass Deutschland über die Macht zur Bestrafung Russlands nicht verfügt. Auch die EU sowie das transatlantische Bündnis sind in einem Zustand der Schwäche und Abhängigkeit, dass ihnen für die Welt deutlich sichtbar die Kraft zur Bestrafung Russlands fehlt. Damit fehlt ihnen aber auch die Macht, die geopolitische Umgestaltung der Welt hin zu einer multipolaren Ordnung zu verhindern, in der das westliche Machtzentrum keine hegemoniale Gestaltungskraft mehr besitzt.

Zur Diplomatie zu blöd

Man wird also wieder miteinander reden müssen. Sollte der Westen und auch Deutschland das weiterhin verweigern, ist zu erwarten, dass die neuen Machtzentren für ein weiteres Abgleiten des Westens in zunehmende Bedeutungslosigkeit sorgen werden. Schon jetzt sind in anderen Regionen der Welt Forderungen zu hören, dem Westen endlich und endgültig das Rückgrat zu brechen. Es wäre also an der Zeit für Diplomatie.

Dazu braucht man allerdings auch Diplomaten. Gerade in diesem Bereich herrscht in Deutschland allerdings gravierender Fachkräftemangel, wie man an der Besetzung des Postens des Außenministers mit der völlig inkompetenten, mit der Aufgabe schlicht überforderten Annalena Baerbock sehen kann. Die Außenministerin versucht ihre grünen Tagträumereien auf die internationale politische Agenda zu setzen. Sie scheitert damit grundlegend und bekommt es vor lauter Selbsteingenommenheit noch nicht einmal mit. Es ist ein peinliches Schauspiel; zum Fremdschämen.

Sanktionen in Russland kaum spürbar

Ich war bereits im Juni für einen Monat in Russland und bin jetzt nach Moskau umgezogen. Deutschland wurde für mich zunehmend gefährlich. Ich kann versichern, von den Sanktionen ist hier kaum etwas zu spüren. Diskussionen über Rationierung von Strom und Gas wie es sie in Deutschland, gibt, die gibt es hier nicht. Es gibt hier keine Forderungen, Energie zu sparen, den Gasverbrauch um 15 Prozent zu senken, kalt und nur kurz zu duschen und in der kalten Jahrezeit die Raumtemperatur zu senken. Auch die öffentliche Beleuchtung wird nicht heruntergefahren. Es drohen hier keine Blackouts. Weiterhin gibt es keine Notfallpläne welche Verbraucher in welcher Reihenfolge vom Zugang zum Gas abgekoppelt werden sollen.

Wer in Berlin durch die Einkaufszentren geht, sieht dort umfassenden Leerstand. Das ist noch eine Auswirkung der Corona-Krise. Das ist hier in Moskau in diesem erschreckenden Ausmaß nicht der Fall. Auch eine breite Verelendung der Innenstädte bedingt durch von politischen Fehlentscheidungen herbei geführte Wohnungsnot, die in Obdachlosigkeit sichtbar wird, gibt es hier nicht. Im Gegenteil, die Mieten sinken. Wer in Moskau eine Wohnung sucht, wird in kurzer Zeit fündig und kann sie sich nach eigenen Kriterien aussuchen. In deutschen Großstädten ist das seit Jahrzehnten undenkbar.

Auch die durch die Sanktionen sprunghaft angestiegene Inflation sinkt inzwischen wieder, während sie im Euroraum hoch bleibt. Die Inflation ist im gesamten Westen ein Indikator für das Scheitern des transatlantischen Sanktionsregimes.

In Deutschland dagegen schon

Ein Mangel, wie er in Deutschland in den Regalen der Supermärkte sichtbar war, existierte hier nicht. Firmen, welche den russischen Markt verlassen haben, kehren zurück oder die hinterlassenen Lücken werden durch andere Marktteilnehmer besetzt.

Waren, die nicht mehr direkt importiert werden können, werden jetzt aus dem befreundeten Ausland eingeführt. Parallelimport nennt man das in Russland. Das hat die Einfuhr verteuert und damit sicherlich auch einen Beitrag zum Anstieg der Inflation geleistet. Inzwischen läuft das recht stabil, die Preise steigen daher nicht weiter.

Zudem bemüht sich Russland um Autarkie von Importen, indem Produkte im Land hergestellt werden. Das geht sicherlich nicht von heute auf morgen, aber so unmöglich wie die Subsitution von russischen Gas in der EU ist das Projekt nicht. Mit der MS 21 des Flugzeugbauers Irkut beispielsweise soll ab 2025 ein russisches Passagierflugzeug zur Verfügung stehen, das ausschließlich mit Teilen gebaut werden, die in Russland hergestellt werden und daher nicht sanktioniert werden können. Auf Airbus und Boeing wird man zunehmend weniger zurückgreifen. Auch dieser Markt geht verloren.

Die Zeit ist auf Russlands Seite

Die EU und Deutschland sind insgesamt in einer deutlich schlechteren Position. Die ganzen Versuche russisches Öl und Gas kurz- und mittelfristig zu ersetzen gehen gründlich schief, wie schon die Lügerei Habecks nach seinem Hofknicks in Katar deutlich machte. Aus Katar wird entgegen seinen Bekundungen kein Gas kommen.

Die Aussagen deutscher Politiker wie die von Wirtschaftsminister Habeck, die Sanktionen seien langfristig angelegt und würden ihre die russische Wirtschaft schädigende Wirkung in ein paar Monaten entfalten, erscheint mir in seiner wirtschaftspolitischen Unlogik als kommunikativer Akt aus reiner Verzweiflung. Man möchte oder muss an einem Sanktionsregime festhalten, das die eigene Wirtschaft absehbar mehr und nachhaltiger schädigt als den Sanktionierten. Also lügt man sich die Welt schön.

Russland stärkt gerade zudem die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit allen Ländern außerhalb des westlichen Bündnisses. Der Westen hat sich vollumfänglich selbst isoliert.

Russischer Tourismus bleibt im Land

Natürlich gibt es auch hier in Russland Auswirkungen. Auslandsreisen beispielsweise sind für Russen schwierig geworden. Die Reaktion darauf ist wie auch schon in der Corona-Krise die Stärkung des Binnentourismus. Während die Deutschen nicht von Bundesland zu Bundesland fahren durften, wurde in Russland jeder Urlaub mit bis zu 30 Prozent staatlich subventioniert. Unter ökonomischen Gesichtspunkten ist Russland wesentlich besser durch die Corona-Krise gekommen als Deutschland. Während Deutschland das Vorkrisenniveau zu Beginn des Krieges im Februar noch längst nicht wieder erreicht hatte, war die russische Wirtschaft schon wieder auf Wachstumskurs. Der Zeitpunkt, Russland den Wirtschaftskrieg zu erklären war, daher extrem ungünstig gewählt.

Was das Reisen angeht, kann noch hinzugefügt werden, wenn man in einem Land lebt, das sich über elf Zeitzonen erstreckt, in dem zudem über einhundert Völker mit ihren unterschiedlichen Kulturen leben, gibt es auch für hier Geborene viel zu entdecken.

Oder man macht es wie mein Freund Pawel mit seinem Geschäftspartner. Man kauft sich von all dem Geld, das man jetzt nicht mehr in Spanien verplempern kann, eine Datsche und verbringt dort die freie Zeit. Auf dem gerade erworbenen, knapp einem Hektar großen Grundstück unweit von Moskau steht ein zweigeschossiges Haus. Ich sitze dort in der Küche und schreibe diesen Text. Das Anwesen soll in den nächsten Wochen und Monaten um ein Badehaus mit russischer Saune, um ein Gästehaus und eine Laube ergänzt werden.

Darin zeigt sich die Haltung einer großen Zahl von Russen: Die EU kann uns mal. Umgedreht können sich die BÜrger der EU sowie die Deutschen diese Gelassenheit gegenüber Russland nicht erlauben. Die Zeit ist auf Russlands Seiten. Deutschland und die EU haben sich durch eigene Dummheit matt gesetzt. Ihre Bürger werden es wie schon die letzten Male auch dieses Mal wieder ausbaden müssen.

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Gert-Ewen Ungar

Gert Ewen Ungar legte sich kurz nach dem Abi sein Anagramm zu. Er und seine Freunde versprachen sich damals bei einem Kasten Bier, ihre Anagramme immer für kreative Arbeiten zu verwenden. Dass sein Anagramm jemals mehr als zehn Leuten bekannt werden würde, war damals nicht abzusehen und überrascht ihn noch heute. Das es dazu kam, lag an seinem Blog logon-echon.com. Mit seinen Berichten über seine Reisen nach Russland stiegen die Zugriffszahlen und es entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit RT DE. Anfang 2022 stieß er zu den neulandrebellen und berichtet über Russland, über Politik, über alles Mögliche.

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Andrea
Andrea
1 Monat zuvor

Waere ich jünger, waere ich aus Europa raus …. so sage ich nur viel Glück

Wütender Bürger
Wütender Bürger
1 Monat zuvor

Ach Gert, Du ahnst nicht, wie sehr ich Dich beneide. Du hast den Luxus, in ein Land auswandern zu können, dessen Sprache Du beherrscht, wo Du soziale Kontakte hast, und wo es besser als hier ist.

Diese 3 Kriterien hätte ich für mich auch gerne erfüllt. Zugegeben: der letzte Punkt wäre einfach zu erfüllen, aber wie ich schon vor ein paar Tagen schrieb: es ist die Unkenntnis der sozialen und (mikro-)politischen Verhältnisse, in die man hinein gerät, die mir Sorgen macht. Ich kenne meine möglichen Ziele nur aus dem Netz und den Medien, und das ist etwas anderes als persönliche Erfahrungen und Kontakte.

Ich wünsche Dir beruflich und privat alles Gute und freue mich auf zukünftige Artikel von Dir von „hinter der Front „! 😁

ChrissieR
ChrissieR
1 Monat zuvor

Guude!
Gert, Du hast das richtig gemacht…bei mir würde es schon an der Sprache scheitern! Bin momentan in der Tschechei, unsere Tochter hat hier geheiratet…aber die Sprache ist so dermassen kompliziert..wird mit russisch nicht anders sein. .
Nebenbei: Die Tschechen sind auch in der Mehrheit gegen die Russen, sie sind traumatisiert vom Einmarsch 1968! Überall in Prag die Ukraine-Flagge! Hat mich doch geschockt, dass die immer noch dad Russland-Bild der damaligen Sowjetunion haben!

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  ChrissieR
1 Monat zuvor

Nochmal Guude!

Auf anderer Seite gibts hier in Tschechien unzensierten russischen Zupfkuchen bei Kaufland..😂

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  ChrissieR
1 Monat zuvor

Aber nach Art von Zarin Katherina, oder? 😀

Alwin.K
Alwin.K
Reply to  ChrissieR
1 Monat zuvor

Ja, mich schockt das auch – auch deshalb, weil ich eigentlich auch Tschechien-Liebhaber bin

frank
frank
1 Monat zuvor

Der Post von wütenden Bürger hat mich daran erinnert, dass man – das derzeitige imperium – hier in den westlichen Laendern nach dem zweiten Weltkrieg eine stay behind Struktur aufgebaut hat, kurz bezeichnet als Gladio, kommend aus Italien, aber in allen anderen europäischen Staaten in gleicher Weise, nur mit anderen Namen. Hinter der Front, wenn der Warschauer Pakt Europa überrollt hätte, sollten terror Anschläge und Widerstand organisiert werden.

Nun, die Gladiostrukturen hat man für andere Zwecke verwendet, ich erwähne das Bombenattentat in Bologna und das Oktoberfest Attentat 1980. ich glaube fest daran, dass diese beiden Attentate von nicht nur einem rechtsradikalen verübt wurden und der Strategie der Strenge Rechnung trugen, also die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen, um sie besser zu kontrollieren. Das ist jetzt eine lange Vorrede, aber die Umkehr dieser Gladiostruktur findet sich 2022 so, dass die selbst denkenden Menschen Umziehen hinter die Front, auf die andere Seite.Sie Bilden eine nicht mit schweren Waffen kämpfende intellektuelle Struktur, die sich gegen den selbstzufriedenen, Moralisch überhöht Denkenden, und arroganten Westen mit Worten richten kann.

Gert nimm schwere Worte in das rohr (den fueller) und schreibe weiter deine goldenen Essays, ich werde sie alle lesen. Und wenn dies Badehaus von Pawel fertig ist, die Banja, die dort entsteht, würde ich gern besuchen, natürlich gegen Eintrittsgeld. Hier im katzengoldenen Westen werden die Saunen aktuell abgeschaltet, wir müssen das Gas sparen. Die Münchner Stadtwerke haben schon mal sämtliche Saunen in vorgreifendem Gehorsam abgeschaltet. Stattdessen möchte man das Oktoberfest betreiben, und danach Pandemie gesteuert Lockdowns verhängen. Dieses, mein Land, ist nicht mehr mein Land. Die Konsequenzen habe ich schon geplant, aber noch nicht final umgesetzt. Ein wenig russisch kann ich bereits. den rest packe ich. cpaciba.

Alwin.K
Alwin.K
1 Monat zuvor

Sehr guter Artikel. Ich trage mich seit Jahren mit dem Gedanken, Deutschland in Richtung Osteuropa zu verlassen. Mein Ziel war seit 2015 Tschechien. Habe sogar drei Jahre intensiv Tschechisch gelernt. Allerdings hat auch dort die EU und die NATO die Pfoten drin und die osteuropäischen Ländern beugen sich dem Mammon (EU und NATO) mehr als einen slawischen Zusammenschluß mit(!) Russland zu bevorzugen, allen voran der treueste Kettenhund der USA: Polen! Mein jetziges Ziel läge sogar noch ein Stück östlicher: Russland. Vor der Sprache hätte ich keine angst, vor meinem Alter (60) auch nicht. Leider habe ich ein anderes entscheidendes Problem: Was wird mit meiner Rente? Ich kann nicht meine erarbeitete Altersrente dem Staat schenken und im Zielleand neben Eingewöhnungsproblemen auch noch Geldsorgen (Überlebensprobleme) haben. Überlebensprobleme haben wir hier zwar auch bald und die habe ich diesem Land und dieser Gesellschaft auch seit langem gewünscht, aber hier ich bin ich wenigstens zu Hause; Heimat möchte ich es nicht nennen. Ein zweites, wohl auch eher utopisches Ziel wäre: Ostdeutschland raus aus der BRD oder Deutschland raus aus NATO und EU. Mit dem Westen ist das aber nicht machbar. Und so werde ich wohl hierbleiben, mich zurücklehnen und genießen, wie Tim Kellner sagt: „Vollgas Richting Regenbogen“ Wir müssen erst voll krachend an eine Wand fahren um hinterher durch ein tiefes Tal wieder nach oben zu gelangen; wenn überhaupt. Die heilsame Lehre naht in großen Schritten. Der Großteil besonders im Westen ist sich dessen nur noch nicht bewusst

frank
frank
Reply to  Alwin.K
1 Monat zuvor

osteuropa ist zentraleuropa. wirtschaftlich wie auch intelektuell. mögen die spießer und sesselgeneräle deutschland im griff halten. die zentrale ist anderswo.

armeegeneral halder war es 1941 .. 2022 heißt der habeck.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Alwin.K
1 Monat zuvor

@Alwin.K

Leider habe ich ein anderes entscheidendes Problem: Was wird mit meiner Rente? Ich kann nicht meine erarbeitete Altersrente dem Staat schenken und im Zielland neben Eingewöhnungsproblemen auch noch Geldsorgen (Überlebensprobleme) haben.

Kannst du dich nicht bei Jemandem aus der Familie oder Freunden anmelden, damit du hier noch einen gemeldeten Wohnsitz hast und einen Weg finden, deine Rente nach Russland zu transferieren?

Gelegentlich wirst du dann wieder kurz Einreisen müssen, um nachzuweisen, das du noch am leben bist und weiterhin rentenberechtigt oder um deinen Pass zu verlängern.
Es gibt ja auch Deutsche, die z.B. auf den Kanaren oder sonstwo überwintern.

Erkundige dich mal über die Möglichkeiten und vielleicht hat ja auch Gert einen Weg gefunden, wie Geld weiterhin nach Russland transferiert werden kann.

Viel Glück

Gerade gefunden:

https://www.kostenloser-girokonto-vergleich.de/geld-nach-russland-ueberweisen-auslandsueberweisung/

Wie gesagt, solltest du aber noch ein Konto in Deutschland haben.

Last edited 1 Monat zuvor by Robbespiere
Pen
Pen
Reply to  Robbespiere
1 Monat zuvor

Man kann sich bei einer Person, der man vertraut, polizeilich melden.

Das ist die Voraussetzung für ein Bankkonto in Deutschland. Was dann mit dem Geld geschieht interessiert keinen.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Pen
1 Monat zuvor

@Pen

Naja, das Gemeldetsein ist das Eine, aber man muss auch noch einen Weg finden, das Geld zu transferieren, nachdem Russland und diverse Banken ja vom Swift-System abgekoppelt wurden.
Dann kann ja man ja evtl. einen Dauerauftrag einrichten, so dass jeden Monat die gleiche Summe überwiesen wird, aber wie im verlinkten Artikel steht, kostet das auch ordentlich Gebühren.
Ist aber immer noch besser, als mit leeren Händen in Russland dazustehen.

Eine weitere Frage ist, ob man in Russland als deutscher Rentner anerkannt wird.
Rentner in Russland haben etliche Vergünstigungen.

Siehe hier:
https://www.anti-spiegel.ru/2018/die-hohe-deutscher-und-russischer-renten-ein-vergleich-mit-uberraschendem-ergebnis/

Und nicht zuletzt der Punkt der Krankenversicherung, di eman vermutlich privat abschließen muss, wenn dierente nicht über den Staat läuft.

Alwin.K
Alwin.K
Reply to  Robbespiere
1 Monat zuvor

Eben ……

wschira
wschira
Reply to  Robbespiere
1 Monat zuvor

Also für EU-Länder ist das kein Problem, die (deutsche) Rente wird anstandslos dahin überwiesen. Die Rentenversicherungsanstalt fordert nur einmal im Jahr einen amtlich beglaubigten Nachweis, dass man noch lebt. Bei anderen Ländern bin ich mir nicht sicher, habe aber gehört, dass viele Rentner in der Türkei leben, die müssen also auch ihre Renten überwiesen bekommen.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  wschira
1 Monat zuvor

@washira

Das funktioniert ganz sicher im EU-Ausland oder auch in der türkei, nur ist Russland wg. der Sanktionen ein Spezialfall, weil die Banken dort vom Zahlungsystem abgeschitten sind.

Alwin.K
Alwin.K
Reply to  wschira
1 Monat zuvor

Deshalb war mein Ziel ursprünglich Tschechien…… aber dann bleibt man halt in EU und NATO

Alwin.K
Alwin.K
Reply to  Robbespiere
1 Monat zuvor

Danke für den Gedanken

Jobst
Jobst
Reply to  Alwin.K
1 Monat zuvor

Was die Sorgen mit der Rente betrifft, kann ich das voll und ganz verstehen.
Ich kenne mehrere Rentner, die nach Russland ausgewandert sind. Was diese in den letzten halben Jahr alles erleben mussten, ist nur schwer verständlich, wenn man bedenkt, dass die Sanktionen ja nur Putin und seine Oligarchen treffen sollen…
Bis jetzt funktioniert noch Alles. Mit hohem Aufwand und Kosten.
Wie lange das noch so bleibt? Keiner weiß das.
Ein weiteres Problem ist die Visumspolitik. Als Ehemann einer Russin noch einigermaßen kalkulierbar. Ohne diesen Status unkalkulierbar.

Alwin.K
Alwin.K
Reply to  Jobst
1 Monat zuvor

Eben, ……leider

niki
niki
1 Monat zuvor

„regelbasierter Ordnung“

Wenn davon gefaselt wird, heißt das immer, dass sich nur andere sich daran halten müssen, sonst gibt es auf die Fresse… Und sich selbst daran halten…? Warum denn…? Wir sind doch die Guten™…

flurdab
flurdab
1 Monat zuvor

Man muss auch das Positive sehen.
Diesmal findet das Elend ausschließlich in Deutschland und der EU statt.
Was man dabei an Energie und CO² spart, wenn man erst garnicht mit seinem Heer bis Moskau vorrücken muss.
Und das Beste, der industriell- militärische- Finanzkomplex verdient trotzdem satt daran.

Das muss diese grüne, feministische Außen- und Wirtschaftspolitik sein.

Pen
Pen
Reply to  flurdab
1 Monat zuvor

So ist es.

Tante Lena und Onkel Harbek, werden uns den giftgrünen Rest geben. Wie entsetzlich dumm unsere Politiker doch sind!

Seit ich die russischen Dichter gelesen habe, liebe ich „das Heilige Rußland“.

Lieber Gert, schön daß Du wieder dort bist und danke, daß Du weiterhin für uns schreibst.

Last edited 1 Monat zuvor by Pen
Pen
Pen
1 Monat zuvor

Netzfund (from thesaker.is)

„Die Menschheit macht gerade ihre längste Reise – vom Kopf zum Herzen.“

Wunderbarer Artikel von Pepe Escobar.

http://thesaker.is/the-second-coming-of-the-heartland/

Eine Übersetzung mit deepl lohnt sich.

Last edited 1 Monat zuvor by Pen
Elo
Elo
Reply to  Pen
1 Monat zuvor

Ja, ein guter Artikel. Danke, dass Du darauf hingewiesen hast.
Pepe Escobar ist im Allgemeinen sehr brillant.

Pen
Pen
Reply to  Elo
1 Monat zuvor

Der Satz von der Menschheit längster Reiese stammt aus einem Kommentar unter dem Artikel.

Elo
Elo
1 Monat zuvor

Respekt, Herr Ungar, und danke für Deine Sichtweise in Deinen Beiträgen.
Ich finde sie sehr bereichernd.

Ausnahmsweise mal etwas OT, da ich die Dinge in Wirtschaftsfragen nie zu Ende gedacht habe, aber mich würde die Meinung des Neulandrebellen-Kommentariats interessieren:

Nehmen wir an, es wird gesellschaftlicher Konsens, die Ungerechtigkeit zu beenden.
Und dazu beschließt man, dem unteren Drittel der Einkommensskala massive Einkommenserhöhungen zukommen zu lassen.

Das geht aber nicht, denn das würde die Inflation ansteigen lassen. Und steigende Preise würden die Einkommenserhöhungen auffressen.

Eine Möglichkeit, die dann bliebe, wäre eine gesetzliche Preisobergrenze.
So dürften z.B. 100gr Butter nicht über X Euro kosten. Oder 1m² Mietwohnung der Kategorie Y in der Gegend Z darf nicht über X Euro liegen… usw… usw.

Abgesehen davon, dass dies ein gigantisches Bürokratiemonster wäre, ist es in den von neoliberaler Propaganda verseuchten Gehirnen nicht mehrheitsfähig.

So wird es in diesem System immer ungerecht bleiben, es wird immer viele arme Menschen geben und vieles an der wirtschaftlichen Situation hängt einfach vom Glück und dem Ort der Geburt ab.

Oder?

Alles ist wirklich seltsam, wenn man anfängt, über grundlegende Dinge nachzudenken.

Es ist verrückt, dass der Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einem NATO-Mitgliedsland eine klapprige alte Oma aus einer von Inzucht geplagten Familie ist. Sie musste keine Fähigkeiten nachweisen, sondern verdankt ihre Position und ihren Reichtum einfach dem Ort ihrer Geburt.

Erkläre das alles mal einem außerirdischen Beobachter.
Fast unmöglich.

Wütender Bürger
Wütender Bürger
Reply to  Elo
1 Monat zuvor

Es ehrt Dich, daß Du Dir Gedanken zu dem Thema machst, und es sind sehr gute Gedanken, denn Du hast den Kern des Problems erfasst: das Einkommensgefälle zwischen denen, die mit ihrer Hände Arbeit für Umsatz und Gewinn in den Unternehmen sorgen, und denen, welche die Befehle erteilen.

Hier muss angesetzt werden. Es kann und darf nicht sein, daß vom erzielten Betriebsgewinn der Löwenanteil bei einer kleinen Gruppe von Betriebsleitern und Managern versickert, und nur ein kleiner Bruchteil des Geldes unter denen aufgeteilt wird, die diesen Gewinn durch ihre Arbeit erst ermöglichen. Gewiss tragen auch Betriebsleiter und Manager zum Unternehmenserfolg und damit zum Gewinn bei, aber wenn man sich die Gefälle der Gehälter von den oberen Etagen bis unten an den Maschinen und Bändern anschaut, und das mit der wirklich geleisteten Arbeit vergleicht, wird einem schwindelig.

Und es gibt noch diejenigen, die überhaupt nichts zum Betrieb dazu tun, außer der einmaligen Gewährung eines Kredites, und die danach ein Leben lang Kapital aus dem Unternehmen abziehen und somit ein völlig leistungsloses Einkommen erzielen, weil sie ein kleines Stückchen Papier besitzen, das ihnen Anteile am Unternehmen zusichert.

Hier muss ein gesetzlicher Verteilerschlüssel her, der besagt, wie viel Prozent des Gewinns eines Unternehmens an welche hierarchische Stufe im Betrieb ausgezahlt wird. An oberster Stelle dieses Stufenmodells müssen die Arbeiter am Band stehen, denn sie sind es, die Maschinen und Bänder am Laufen halten, die Materialien verarbeiten um daraus Waren und Produkte zu formen. Befehle erteilen darf nicht genau so hoch bewertet werden wie diese eigentliche Arbeit, und Aktionäre kommen ganz am Schluss dieses Modells, und die Dividende, die es für die Aktien gibt, muss zeitlich beschränkt sein, z.B. auf 10 Jahre.

Und es darf auch nicht sein, daß Aktionäre zeitlebens Geld aus einem Unternehmen abziehen, aber nicht haften, wenn das Unternehmen in Schieflage gerät. Wer Anteile an einem Unternehmen hält, muss auch Verantwortung dafür übernehmen!

Ich weiß: das sind Phantasien, die mit dem bestehenden politischen System nicht zu realisieren sind. Aber man wird ja noch träumen dürfen. 🙂

Rolf Brückmann
Rolf Brückmann
Reply to  Wütender Bürger
1 Monat zuvor

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine letzte Gehaltsverhandlung. Da wurde mir erklärt, dass die Firma einen Investor durchfüttert, der eine Rendite von 12% erwartet. Da wäre nichts mehr übrig, von dem eine Gehaltserhöhung bezahlt werden könne. Mein Einwand, wieso etwas Geld mehr Wert als meine Lebenszeit sein könne wurde schulterzuckend ignoriert.

Ich werde diesen Widersinn nie begreifen.Geld kann man immer wieder bekommen, die gelebte Zeit aber nicht. So, und was ist jetzt mehr wert?

flurdab
flurdab
Reply to  Elo
1 Monat zuvor

In den 2000 Jahren wurde oftmals von eine 3/3 Gesellschaft gesprochen.
Wenn man sich die Wahlbeteiligung an Bundes- Und Landtagswahlen anschaut dümpelt diese oftmals um nur 60 % herum. Das bedeutet im Umkehrschluß dass 40 % der Wähler sich verweigern. Für eine Demokratie unakzeptabel, aber keine Partei im jetzigen Zirkus stört sich daran, oder versucht zumindest die Hälfte der Nichtwähler (20%) für sich zu aktivieren.
D.h. dass das untere Drittel bereits aufgegeben wurde!

Dazu kommt eine ungeheuer große Verdummung der Gesellschaft was die Vermögensverteilung betrifft. Im Armuts- Reichtums- Bericht der Bundesregierung werden monatliche Einkommen ab einer Höhe von 18.000 € nicht erfasst. Dies führt dazu das Alle mit einem Einkommen ab 6.000 € monatlich sich bereits als reich empfinden und Angst vor einer „Umverteilung“ entwickeln und entsprechend wählen.
Vermögenstechnisch gesehen leben die in einem permanentem Schatten, den das Vermögen der wirklich Reichen wirft, denken aber das für sie die Sonne scheint.

Solange man die Denkfaulheit und den Gehorsam dieser Gesellschaft nicht überwindet, bleibt die gerechte Gesellschaft eine Utopie.

Der Witz vom Banker, dem Facharbeiter, dem Hartzer und den 13 Keksen ist zutreffend.

Last edited 1 Monat zuvor by flurdab
spartacus
spartacus
Reply to  Elo
1 Monat zuvor

So wird es in diesem System immer ungerecht bleiben, es wird immer viele arme Menschen geben und vieles an der wirtschaftlichen Situation hängt einfach vom Glück und dem Ort der Geburt ab.

Oder?

Ja.

Das war die einfache Antwort. Bei jedem Lösungsansatz wird es komplizierter.
Schon alleine, weil alle mit neoliberalen Dogmen verseucht sind, was deine Inflationsangst zeigt. In dieser Logik dürfte es z.B. nie Lohnerhöhungen geben, weil die nur Inflation zur Folge hätten. Tatsächlich schlagen die natürlich nicht 1 zu 1 auf die Preise durch. Interessant ist auch, daß immer nur Einkommenserhöhungen bei den ärmeren Schichten als inflationstreibend angesehen werden. Für die ganzen Pakete, die seit Corona ständig geschnürt werden, gilt zudem die gleiche (falsche) Logik.

Fangen wir bei der Stunde 0 an, nach WK2, der Geburtsstunde der legendären sozialen Marktwirtschaft. Wir hatten Marktwirtschaft, weil wir zur kapitalistischen Seite gehörten und die war sozial flankiert aufgrund der Erfahrung, daß uns dieser Kapitalismus schon einmal ruiniert hat, was dann letzendlich die Nazis und den WK2 zur Folge hatte. Grundlage war, wer Arbeit will, der kriegt auch eine und wenn mal was schief läuft, gibts eine Absicherung. Das war dann wohl auch halbwegs so bis in die sechziger Jahre. Ab den Achtzigern war es nicht mehr so, denn seitdem gibt es eine Sockelarbeitslosigkeit, von der wir nicht mehr runterkommen.
Die ist mal höher, mal niedriger, aber sie verschwindet nicht mehr.

Warum ist das so? Der entscheidende Faktor ist die Produktivität. Jedes kapitalistische Unternehmen, das unter Konkurrenzdruck steht, versucht seine Produktivität zu erhöhen, heißt mit weniger Ressourcen mehr zu produzieren. Die Steigerungsmöglichkeiten menschlicher Produktivität sind begrenzt, so daß die Steigerung nur durch niedrige Löhne und technische Entwicklung möglich ist. Und dieser Faktor ist dem System immanent, also nicht auszuhebeln, insbesondere in Zeiten der sog. Globalisierung. Das führt zu zwei Effekten. Es werden immer weniger Arbeitskräfte gebraucht und viele Menschen können von ihrem Einkommen kaum noch leben. Und das obwohl der gesamtgesellschaftliche Reichtum steigt. Bedeutet damit auch, das Geld von unten nach oben umverteilt wird. Deshalb bitte nicht immer das Inflationsgespenst bemühen, wenn irgendwo höhere Einkommen gefordert werden, ob Mindestlohn, Grundeinkommen oder Tariflöhne. Natürlich kann man entsprechende Schritte nicht von einem Tag auf den anderen vollumfänglich durchziehen, das muß man sukzessive, in Schritten machen.

War das zu abstrakt? Dann zwei Beispiele. Aldi hat in Holland die erste Filiale eröffnet, in der man nur noch bargeldlos bezahlen kann. Dort gibt es überhaupt keine Kassierer/innen mehr. Wo sollen die dann alle arbeiten?
Lufthansa und Flughafenbetreiber haben in den Neunzigern begonnen ihre eigene Belegschaft massiv unter Druck zu setzen. Ziel war, ihre alten guten Verträge, aus der Zeit als eine zuverlässige Arbeitskraft noch was wert war, aufzulösen und sie in neugegründete Gesellschaften zu überführen, wo sie die gleiche Arbeit für die Hälfte bis 2/3 erledigen sollten. D.h. platt gesagt, daß die sich kaum noch einen Urlaub leisten konnten, damit andere Leute zwei oder dreimal im Jahr irgendwohin fliegen können. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich höre, daß die jetzt genau solche Leute händeringend suchen.

Elo
Elo
Reply to  spartacus
1 Monat zuvor

Ah, danke für die ausführliche Antwort. Ich sehe das ähnlich. Was z.B. heute die Postboten als sogenannte „Verbundzusteller“ an Arbeitsbelastung bei miesen Arbeitsbedingungen haben, ist unfassbar. Viele kündigen und jetzt suchen die händeringend neues Menschenmaterial.

Ich habe keine Inflationsangst. Ich verstehe einfach (noch) zu wenig davon. Will aber dazulernen und Lösungsansätze finden.

Deshalb ein ehrliches Danke! für Deine Antwort.

flurdab
flurdab
Reply to  Elo
1 Monat zuvor

Wir haben keine Inflation.
Es ist eine Teuerung durch eine vergrößerte Nachfrage bei stagnierendem bzw. schrumpfendem Warenangebot.
Eine Inflation bedarf der flächendeckenden Steigerug der Löhne.
Und natürlich gehört auch die durch Banken „geschöpfte“ Geldmenge dazu. Je mehr „Geld“ als Ware auf den Makt zur Verfügung steht, umso mehr verliert die Ware (Geld) an Wert. Hiebei dient der Zins als „Preis/ Marktsignal“. Je größer das Angebot an Geld (Ware) umso niedriger der Preis/ Zins.
Jetzt haben die Zentralbanken nach 2008 aber soviel Geld (Ware) „geschöpft“ das ein Überangebot besteht, dieses überflüssige Geld hat dann z.B. die Immobilienpreise in den Metropolen getrieben.
Und dieses Zuviel an Geld (Ware) muss nun wieder vom Markt genommen werden. Dafür gibt es aber kein Instrument bzw. niemand hat die Absicht sich seinen Fetisch weg nehmen zu lassen.
Wenn man also die Menge der Ware (Geld) nicht verringern kann, bleibt nur den Wert der Ware zu verringern => Inflation.

Aber das passiert alles nicht in unseren Welt und ist von uns auch nicht zu beeinflussen.
Wichtig hierbei ist der Cantillion- Effekt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Cantillon-Effekt

Horst Kevin
Horst Kevin
Reply to  spartacus
1 Monat zuvor

Wo sollen die dann alle arbeiten?

Wer soll am Ende noch konsumieren?

Ich halte das Ganze für schlicht sehr kurzsichtig. Nur erklärbar ist das sehr einfach – mit schlichter Gier und „nach mir die Sintflut“.

Zu der Lohn-Preisspirale (gern auch Preis-Lohnspirale) hab ich eine etwas andere Sicht, die ich gern zur Diskussion stellen würde.
Aus meiner Fernsicht ausm Osten, mit stabilen Preisen, was die Lebensgrundlagen anbetraf, dachte ich mir immer: Wo soll das denn hingehen?!
Für mich bedeutete das immer Inflation und die nutzt nur denen, die dadurch praktisch gewinnen. Entwertung dessen, was die Leute sich erarbeiteten und wenns dafür noch reichte, zurücklegen konnten.

Mit den Füßen könnten die Holländer übrigens abstimmen, ob sie im Automatenladen einkaufen. Hier gibts auch schon solche Angebote und ich stell mich lieber an den menschbesetzten Kassen an, selbst wenn es länger dauert und ich durchaus fähig und in der Lage bin, die unmenschlichen Kassen zu betätigen. Zumal die sogar noch Bargeld nehmen.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Horst Kevin
1 Monat zuvor

@Horst Kevin

Mit den Füßen könnten die Holländer übrigens abstimmen, ob sie im Automatenladen einkaufen. Hier gibts auch schon solche Angebote und ich stell mich lieber an den menschbesetzten Kassen an, selbst wenn es länger dauert und ich durchaus fähig und in der Lage bin, die unmenschlichen Kassen zu betätigen. Zumal die sogar noch Bargeld nehmen.

Ein solcher Kandidat ist ein bekanntes Elchiges Möbelhaus, aber auch ein Baumarkt hat bereits mit diesem Blödsinn angefangen.
Da wollte mich mal eine Vrkäuferin an die Selbstbedienungskasse schleusen und ich habe abgelehnt.
Ich habe ihr mitgeteilt, dass ich lieber bar an der normalen Kasse bezahle, damit sie in Zukunft noch ein Einkommen hat.
Die hat vileicht dumm aus der Wäsche geschaut.

Die wenigsten begreifen, dass die Kartenzahlung der Einstieg in die Selbstbedienerkassen ist und sie später das arbeitslose Kassenpersonal alimentieren müssen, während die Unternehmen ihre Profite erhöhten und gleichzeitig ausder Steuerpflicht flüchten.

spartacus
spartacus
Reply to  Horst Kevin
1 Monat zuvor

Mußte jetzt erst dreimal lesen, um „deine Sicht“ zu verstehen. Wenn ich es richtig kapiert habe, meinst Du die Steigerung generell, von Preisen und Löhnen.
Ich muß sagen, daß ich mich mit in dieser Hinsicht stagnierenden Volkswirtschaften nicht auskenne. In einer marktwirtschaftlichen Welt fällt man mit Stagnation zurück. Moderate Anstiege sind auch eher unproblematisch. Offensichtlich scheint auch zu sein, daß das westliche Modell einen höheren Gesamtwohlstand generiert, die Frage bleibt nur, für wen.
Die Frage, wo das hinführen soll, ist m.e. in anderer Hinsicht bedeutsam. Im Grunde ist es erstmal egal, wenn nach 20 Jahren alles doppelt so teuer ist, sofern die Einkommen entsprechend Schritt halten. Das Problem liegt auf einer anderen Ebene, denn letztendlich erscheint mir die sozialistische Produktionsweise nachhaltiger. Denn der Kapitalismus ist auf Gedeih und Verderb auf Wachstum angewiesen. Ohne das geht alles, schnell oder langsam, den Bach runter. Im Sozialismus geht es darum, die bestehenden Bedürfnisse irgendwie zu befriedigen und nicht ständig noch neue dazu zu erfinden. Die westliche Wirtschaftsweise führt in Verbindung mit der Bevölkerungsexplosion ins physische Verderben. Das kapiert ja inzwischen fast jeder, denn der Planet wächst ja nicht mit. Es gab auch Leute, die das schon vor über 50 Jahren vorausgesagt haben, hat aber damals nur ganz wenige interessiert. (Im übrigen wurde auch damals schon, ganz wie heute bei kritischen Stimmen, daran gearbeitet, deren wissenschaftliche Kompetenz zu diskreditieren.)

Und das mit den Füßen kannst Du vergessen. Ganz wie der Kapitalist denkt auch die Mehrzahl der Bürger immer nur an ihr kurzfristiges Interesse.

Last edited 1 Monat zuvor by Spartacus
Horst Kevin
Horst Kevin
Reply to  spartacus
1 Monat zuvor

Moin Spartacus,

biste dir sicher mit dem Gesamtwohlstand?
Aus meiner Sicht ist der Osten an Planwirtschaft und vor allem Verteilungsproblemen gescheitert. Ganz bewusst klammer ich an der Stelle die „Devisenprobleme“ aus, die zwar auch zum Scheitern beitrugen, genauso wie das quasi Gefangenhalten der Bevölkerung, weil das heute irrelevant ist.

Als ganz einfaches Beispiel die simple Tatsache, daß es im Osten kaum Ersatzteile für die Autos gab, es aber heute noch Unmengen originaler Ersatzteile gibt.

Ganz so stagnierend war die Wirtschaft, zumindest aus Ostsicht auch nicht, weshalb ich mich bei meiner Betrachtung auch auf Grundbedürfnisse beschränkte. Es gab Farbfernseher und auch Bekleidung, ja sogar Lebensmittel im „Deli“ u.ä. in relativ zeitgemäßer Prägung, zu Mondpreisen.

Das ewige Wachstum mag systemimmanent sein. Ich bin mir aber fast sicher, daß es nicht zwingend notwendig wäre und die Stagnation unausweichlich in den Untergang führen würde, weil das ja keine Weiterentwicklung ausschließen würde.
Die ganzen Blasen platzen ohne das „ewige Wachstum“. Und dagegen hätte ich nun nix einzuwenden.

Mit der wachsenden Weltbevölkerung kann man mir auch noch nicht so recht die Sorgenfalten ins Gesicht treiben. Das ist auch hauptsächlich ein Verteilungsproblem und eher der Profitgier geschuldet, als tatsächlichem Mangel.

PS: Ich musste auch mehrmals lesen und grübeln. Ist doch interessant, wie kompliziert das Verstehen trotz gleicher Muttersprache sein kann, nur weil man sehr unterschiedlich sozialisiert wurde.

Last edited 1 Monat zuvor by Horst Kevin
Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Elo
1 Monat zuvor

@Elo

Nehmen wir an, es wird gesellschaftlicher Konsens, die Ungerechtigkeit zu beenden.

Und dazu beschließt man, dem unteren Drittel der Einkommensskala massive Einkommenserhöhungen zukommen zu lassen.

Das geht aber nicht, denn das würde die Inflation ansteigen lassen. Und steigende Preise würden die Einkommenserhöhungen auffressen.

Dieser Effekt tritt zunächst ganz sicher ein, denn mit steigenden Einkommen der Masse ist auch Konsumanstieg zu erwarten, bei gleichbleibendem Angebot, was utomatisch zu höheren Preisen führt.
Die Unternehmen werden höhere Löhne weitergeben an die Kunden.

Allerdings besteht dann auch die Tendenz, dass andere Anbieter versuchen werden, vom Rahm abzuschöpfen und so das Angebot dergestiegenen Nachfrage anpassen.

So wird es in diesem System immer ungerecht bleiben, es wird immer viele arme Menschen geben und vieles an der wirtschaftlichen Situation hängt einfach vom Glück und dem Ort der Geburt ab.

In diesem System ja, aber es gäbe durchaus Alternativen, die aber von den Profiteuren des Systems nicht gewollt sind.

Elo
Elo
Reply to  Robbespiere
1 Monat zuvor

In diesem System ja, aber es gäbe durchaus Alternativen, die aber von den Profiteuren des Systems nicht gewollt sind.

Genau das meine ich.
Es gäbe Alternativen, Lösungsansätze. Es sollte evtl. auch einfach mal öfter die Systemfrage gestellt werden.
Nur, das passiert nicht. Weil, meiner Ansicht nach, die Öffentliche Meinung davon weg gelenkt wird.
In meiner Intuition nehme ich Radio, TV, Zeitung, Internet, usw. als Konglomerat wahr, bei dem das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Elo
1 Monat zuvor

@Elo

Es gäbe Alternativen, Lösungsansätze. Es sollte evtl. auch einfach mal öfter die Systemfrage gestellt werden.

Nur, das passiert nicht. Weil, meiner Ansicht nach, die Öffentliche Meinung davon weg gelenkt wird.

Wer die Medien kontrolliet, kontrolliert die öffentliche Meinung un hat die Möglichkeit, die Themen zu setzen, welche diskutiert werden ( dürfen ).

Da darf man sich auch über die „Freiheit“ des Intenets und der sozialen Medien keine Illusionen mehr machen.
Das ist längst über die Betreiber unter Kontrolle und filtern, was das Zeug hält unddie Politik sekundeiert mit Gesetzen wie NetzDG, sog. Faktenfindern oder verhindert den Zugang, siehe RT.

Wer Heute nach kritischen Texten im Netz sucht, erlebt im Vergleich zu früheren Zeiten massiv Frust.
Wenn man eine kritische Seite nicht direkt anspricht, wird man nicht darauf geleitet.

Und pseudo-kritische Seiten wie Telepolis sperren allzu kritische Komentare mit Hinweis auf die Netikette gleich weg, so just meine persönliche Erfahrung, ohne detailliert zu sagen, womit man angeblich dagegen verstoßen hat, oder speeren wg. Verlinkungen auf „unerlaubte“ Seiten.

Last edited 1 Monat zuvor by Robbespiere
Horst Kevin
Horst Kevin
1 Monat zuvor

Bester Gert,

danke für deinen Artikel!

Könntest Du sagen oder herausfinden, wie sich z.B. Mieten und gewöhnliche Lebenshaltungskosten zu mittleren Einkommen verhalten? Gern auch gesondert für Großstädte und ländliche Regionen.

Als ich Anfang der 80er in Moskau war (seit dem leider nicht mehr) sind mir die vielen alten Männer in abgeschabten Anzügen, mit der Brust voller Orden ganz besonders aufgefallen. Mal abgesehen davon, daß die meisten inzwischen auch natürlichen Weges von uns gingen, gibts die noch?

Herzliche Grüße

Wütender Bürger
Wütender Bürger
1 Monat zuvor

„Nicht Schach, Mr. Spock. Poker!“

Zitat aus Raumschiff Enterprise, Folge „Pokerspiele“.

Ich würde die Situation nicht mit Schach vergleichen. Die Bundesregierung hat gepokert, mit nichts als einem lausigen Buben auf der Hand. Sie haben geblufft, sind „all in“ gegangen, und stehen jetzt vor dem Moment der Wahrheit ziemlich blöd da, denn der Gegner hat einen Royal Flush auf der Hand.

Merke: wer erfolgreich wie Captain Kirk bluffen will, muss auch das Charisma eines Captain Kirk besitzen!

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Wütender Bürger
1 Monat zuvor

@Wütender Bürger

Merke: wer erfolgreich wie Captain Kirk bluffen will, muss auch das Charisma eines Captain Kirk besitzen!

Diese Regierung hat allenfalls ein Ökonomie-Phlegma, im Wechsel mit einem handfesten Zappelphillip-Syndrom.