Konservativ werden: In fünf Schritten

Die SPD muss wieder sozialdemokratisch werden. Das ist eine Erkenntnis, die nicht sonderlich neu ist. Was leider viel zu selten gefordert wird: Die Union muss endlich wieder konservativ werden. Beides bedingt einander und täte einer demokratischen Alternativkultur gut.

Wer erinnert sich an den letzten Bundestagswahlkampf? Niemand? Kein Wunder – er fand ja irgendwie auch nicht statt. Zu ähnlich waren und sind sich die Angebote. Gemeinhin wirft man das besonders den Sozialdemokraten vor. Sie hätten die Sozialdemokratie inhaltlich aufgegeben, tragen sie nur noch namentlich vor sich her. Ob sich das unter dem neuen Vorstandsgespann ändert, müssen wir momentan noch abwarten. Bis dahin ist diese These jedoch weiterhin nicht falsch.

Bei der Union sieht es nun aber auch nicht ganz soviel besser aus. Mit dem Konservatismus ist es bei ihr nicht sehr weit her. Sie ist es nicht, auch wenn sie immer wieder so tut, als sei sie die Lordsiegelbewahrerin dieser politischen Denkschule. Dabei wäre die Existenz einer konservativen und einer sozialdemokratisch-progressiven Partei so existenziell wichtig für eine intakte Demokratie. Man mag als Konservativer progressive Ansichten oder als Progressiver konservative Ansichten nicht teilen: Aber dass es eine andere Seite der Medaille gibt, die nicht ignoriert werden kann, tut jeder seriösen Betrachtung gut.

Achso … ich bitte das nicht falsch zu verstehen: Ich unterstelle der Union nicht, dass sie sozialdemokratisiert und daher nicht mehr konservativ ist. Diese häufig zitierte These ist ausgemachter Schwachsinn. Nein, die Union hat ein ganz anderes Problem: Sie will nicht, wie es dem Wesen und dem Wortursprung gemäß ist, als bewahrende Kraft auftreten, sondern massiv verändern.

Konservative Revolution? Von wegen!

Veränderung ist natürlich nicht schlecht. Muss sein. Geht auch gar nicht ohne sie. Die Frage ist nur, ob eine konservative Kraft die Menschen verändern wollen muss. Bis vor einigen Jahren galt ja für den Konservatismus: Er nimmt die Menschen so wie sie sind. An ihnen richtet er ihr Gesellschaftsbild aus. Aber mit dem Liberalismus, speziell mit dem Wirtschaftsliberalismus und dem Libertarismus in Fragen der Ordnung, Bürokratie und Organisation, hat man sich von diesem konservativen Pragmatismus verabschiedet. Plötzlich wollte man den Menschen formen, ihn anpassen. Er sollte mobil, flexibel und opferbereit werden, sich ohne Kontrollmechanismen bewegen.

Der natürliche Impuls des Menschen beipielsweise, seinen Wohlstand zu mehren, vulgo auch als Gier betitelt, wurde von Konservativen doch nie geleugnet oder verklärt. Man zuckte mit den Achseln und sagte: So isser halt, der Mensch! Ändern kann man ihn nicht – aber eindämmen. Jetzt soll er allerdings den Gürtel enger schnallen, sich an Einschnitte nicht nur gewöhnen, sondern sie lächelnd aufnehmen. Überhaupt blieb ja kein Stein auf dem anderen. Man modifizierte die Republik, trug ab, zerschoss die öffentliche Ordnung: Die ureigenste Domäne des Konservatismus.

Das alles geschah, als die Konservativen zu Neocons wurden. Und Neocons sind nicht konservativ. Sie sind Bilderstürmer der liberalen Ideologie, große Veränderer, die im konservativen Mäntelchen auftreten, um ihre komische, rückwärtsgewandte »Progression« zu etablieren. Erhalten, pflegen, gar die Schöpfung kultivieren: All das hat man in den Hintergrund delegiert, gar abgeschafft. Von wegen »konservative Revolution«!

Friedrich Merz, dieser Tage als der Paradekonservative gefeiert, der die vermeintlich weichgespülte Merkel-Union retten könnte, ist das Belegexemplar dieses verirrten Konservatismus‘. Der Mann ist nämlich gar nicht konservativ im traditionellen Sinne. Er ist ein Liberaler durch und durch, ein Atomisierer der Verhältnisse, dem nichts heilig ist. Und heilig waren dem Konservatismus durchaus gewisse Dinge.

Fünf Schritte zum Konservatismus

Nein, was uns fehlt auf der politischen Bühne, das sind akzentuierte Gegensätze, verschiedene Perspektiven im Grundsätzlichen. Sich imWahlkampf die Attitüde von Pseudogegensätzlichkeit zu geben, reicht einfach nicht aus. Daher muss man auch als progressiver Charakter Interesse daran haben, dass der Konservatismus zurückfindet in seine klassischen Bahnen. Fünf Schritte sollte man den irrlichternden Konservativen deswegen anraten:

  • Erkläre nicht, dass Menschen umdenken müssen. Der klassische Konservatismus war da unbeweglich, für ihn war die menschliche Konditionierung kaum veränderbar. Einen neuen Menschentypus zu schaffen, kam im letzten Jahrhundert meist aus der anderen Ecke. Sei anders als die, die ändern wollen!
  • Wenn Du die gesellschaftlichen Dynamiken umsteuern willst, komm‘ nicht mit Freiwilligkeitslösungen an. Das ist liberale Kontrollverweigerung. Regle, steuere, sprich‘ dich für Gesetze aus. So handelt man als Konservativer. Sei Kontrollfreak!
  • Hüte dich »Anything goes!« zu summen. Als Konservativer sollte man wissen: Ein Gemeinwesen verträgt es eben nicht, dass jeder tun oder lassen kann, was er will. Der Libertarismus macht aus dieser Losung ein Lebensgefühl. Konservative sollten nicht fühlig, sondern griffig sein. Sei spießig!
  • Hör auf damit, den Staat zur Ursache des Problems zu machen. Man muss als Konservativer heute die weltliche Macht nicht mehr auf Gott und dessen irdisches Stellvertretertum zurückführen um zu erkennen: Ohne staatliche Ordnung machen wir das Chaos zur neuen Ordnungskraft. Sei etatistisch und ordentlich!
  • Wenn du als Konservativer schon keine ganz große Empathie für Arme und Alte hast: Vertrete wenigstens von oben herab die paternalistische Ansicht, dass nicht jeder seines Glückes Schmied sein kann. Du musst ja nicht gleich emanzipatorisch ticken: Das ist das Geschäft der Progressiven, mit denen du dich streiten sollst. Sei Paternalist!

Sagt das den Konservativen, wo ihr sie trefft. Also denen, die vorgeben, welche zu sein. Denn es besteht ein öffentliches Interesse daran, dass er sich wieder auf seine Qualitäten besinnt. Nein, bevor man das wieder falsch versteht: Ich erkenne mich in dieser Haltung nicht selbst. Jedenfalls nicht in allem, was der Konservatismus so bereithält. Darum geht es aber auch gar nicht. Aber sich am Anderen, am Andersdenkenden messen zu müssen, das halte ich nicht für eine Bürde – schon klar, dass es dem Zeitgeist entspricht, Andersdenkende als lästig zu empfinden! -, sondern für einen fundamentalen Wesenszug einer Regierungsform, die um Kompromisse ringen muss. Das ist nicht immer einfach, aber bildet den Facettenreichtum komplexer Sachverhalte ab.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
2 Jahre zuvor

Was ist denn jetzt kaputt?! Falsche Bahnsteigkarte erwischt?

Wenn Sie dann eines nicht vergessen wollen: nämlich dass der Konservatismus großen Wert darauf legt, dass die Form gewahrt wird! Sie als Katholik sollten das doch wissen, nicht wahr? Also, wenn Sie dem Konservatismus schon das Wort reden wollen, beginnen Sie, indem Sie die gesellschaftlichen Formen und Normen einhalten! Überall herumzuduzen und ein Benehmen zu fördern, das jeglicher konservativer Höflichkeit Hohn spricht, zeugt bestenfalls davon, dass Sie nicht wissen, was Konservatismus tatsächlich ist (nicht, was er ‚meint‘).

Im konservativen Katholizismus hat alles seinen Platz, auch der Ausländer, auch der Arme, auch die Frau. Das zeigt sich dann auch im Umgang mit ihnen. Beherzigen Sie dies, dann müssen Sie auch nicht mehr versuchen Dinge zu erklären, die Ihnen nicht eigen sind. Der Schuster weiß, welcher Leisten es ist, bei dem er bleiben soll.

Doch ja, brauchen ‚wir‘ – ich nicht! Demokratische Alternativkultur verbinde ich zum Glück immer noch mit Pazifismus, Antifaschismus, Antirassismus, Humanismus und auch Sozialismus, egal, wie ausgelutscht diese Begriffe inzwischen erscheinen mögen. Es ist an uns, sie mit Leben zu füllen, auf keinen Fall jedoch, den k. u. k. LordsiegelbewahrerInnen eine Gebrauchsanweisung ihrer verstaubten Weltauffassung zu liefern.

Hut auf!

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Das ist jetzt richtig schwach.

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Das macht es jetzt auch nicht besser.

Juergen
Juergen
Reply to  Drunter & Drüber
2 Jahre zuvor

@Drunter & Drüber

Also, wenn Sie dem Konservatismus schon das Wort reden wollen

Hat Roberto ja überhaupt nicht. Textverständnis hilft. Noch mehr hilft nicht sofort getriggert zu werden wenn da jemand eine abweichende Meinung hat.

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  Juergen
2 Jahre zuvor

Hat er doch! Und nun? Soll ich jetzt im Gegenzug Ihnen besseres Textverständnis, und dabei insbesondere ein Verständnis der eklatanten Denkfehler im Text, anempfehlen?

… Die Union muss endlich wieder konservativ werden. Beides bedingt einander und täte einer demokratischen Alternativkultur gut.

Ronaldo
Ronaldo
2 Jahre zuvor

Gerne Konservative, die weniger Staatsdienst, Bekämpfung von Altersarmut, bevorzugte Einwanderung von Christen fördern
Gerne Sozis, die konsequent sozial, in der Einwanderungspolitik realistisch, für innere Sicherheit und Bürgerbeteiligung eintreten!
Gerne auch Förderung einer sozioökologischen Wende!

Ronaldo
Ronaldo
Reply to  Ronaldo
2 Jahre zuvor

Leider verändern Sie sich nicht in meinem Sinne!

Juergen
Juergen
Reply to  Ronaldo
2 Jahre zuvor

Du musst Dir schon mehr Mühe geben mit Deiner Wortmeldung, weniger Ausrufezeichen und mehr Begründung im Text ist da üblicherweise ein guter Start.

Ronaldo
Ronaldo
Reply to  Juergen
2 Jahre zuvor

Wer entscheidet dies?

Heldentasse
Heldentasse
2 Jahre zuvor

Es ja sehr schön, dass es jetzt hier auch eine Schublade für Konservative gibt. Gäbe es sie nicht, wäre ich tot unglücklich und käme mit meinem Bild der Welt nun mal gar nicht zurecht.

😛 und trotzdem beste Grüße

Pen
Pen
Reply to  Heldentasse
2 Jahre zuvor

Moin Tasse

Welcome! Niemand hat etwas gegen Konservative.

Im Gegenteil. Gier, Machtstreben und Lügen gibt es in allen Lagern. Zur Zeit tun sich da die fortschrittlichen Grünen und Gender versessenenen Linken besonders hervor.

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

Ich habe nichts dagegen, niemand zu sein, aber ich habe etwas gegen Konservative, egal, wie sehr Sie gegen alles Progressive anstänkern. Wo ist Ihr Argument?

Ach, vergessen Sie’s!

Pen
Pen
Reply to  Drunter & Drüber
2 Jahre zuvor

Aber gerne!

niki
niki
2 Jahre zuvor

Konservative vs. Neoliberale…

War die CDU mal konservativ…? Oder wurde nur immer so getan? Böse Zungen kritisieren zurecht, dass es eigentlich seit Jahr und Tag immer nur um Geld und Macht bei den Schwarzen geht… Ausnahmen bestätigen die Regel… Oder war Franz-Joseph Strauß konservativ? War Helmut Kohl es? Oder wer auch immer von diesem Verein?

Die benutzten und benutzen das Label konservativ, genau wie das Label christlich, nur als Wahlwerbung…
Leider viel zu erfolgreich…

Wenn die CDU und CSU auch nur ansatzweise konservativ und christlich wären, täten die alles um die Schöpfung zu bewahren!…
(Ich gebe nur die Argumentation der beiden christlichen Kirchen zum menschengemachten Klimawandel und Umweltschutz weiter! Nicht falsch verstehen. Ich bin nach wie vor Atheist! Aber die Argumentation kann ich absolut nachvollziehen! Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn, gell?)
Also sind es lediglich nur dr****ge & reaktionäre Neoliberale wie die AfD auch. Nur auf einen etwas anderen Level und nicht ganz so offen!

Pen
Pen
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

In dem eigentlichen Sinn von Bewahren sind CxU überhaupt nicht konservativ. Wenn man an seinen Pfründen festhält, egal ob ringsherum alles zudammenkracht, dann ist das krank, destruktiv, kurzsichtig und dumm. Denen geht es nicht um das Bewahren der Schöpfung, sondern um das Bewahren dessen, was ihre Pfründe garantiert. Da ist ein Gesangsverein, der das deutsche Liedrepertoire pflegt, konservativer.

Ronaldo
Ronaldo
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

Bosse, Bonzen und Beamte, mehr bieten die heute meist nicht

Pen
Pen
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

conservare = behüten, bewahren, an etwas Bestehendem festhalten
es gibt eben immer und bei allem zwei Seiten
😉

niki
niki
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

@Pen: Das meine ich damit…!

Zumindest seit meiner Kindheit kann ich mich kein Tag daran erinnern, dass die CDU jemals konservativ gewesen ist… Es ist deren Label! Allerdings ein grundfalsches Label…! Genauso falsch wie die SPD sich immer noch als sozialdemokratisch ausgibt… Die müssten Müntefering, Schröder, Scholz und viele andere mehr geteert und gefedert aus der Partei jagen!
Ich halte die CDU und auch ihre bayrische Schwesterpartei CSU weder für christlich noch für konservativ… Nicht einmal ansatzweise…!
Sondern für reaktionäre neoliberale Soziopathen!

Pen
Pen
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Moin Niki,

reaktionär – das ist das Wort; es ist negativ, und es hat nichts mit dem positiven conservare – bewahren zu tun. Beides wird als „konservativ“ bezeichnet. Das ist Orwellscher Neusprech.

Es ist eine Katastrophe, daß wir keine Sozialdemokraten mehr haben – und eigentlich auch nur wenige echte Linke. Letztere kann man fast an den Fingern einer Hand abzählen.

Horst
Horst
2 Jahre zuvor

Nun, wenn die „Konservativen“ und die „Sozialdemokraten“ denn noch Demokraten wären, dann würde der obige Text durchaus Sinn machen.
Die Gemengelage ist aber wohl doch viel perfider. Die (ehemaligen) Großparteien haben sich implizit darauf geeinigt den demokratischen Mechanismus auszuhebeln, indem die sich zu einem Kartell zusammengeschlossen haben.
Man tut das, was man selbst für richtig für die eigenen Interessen (Macht, Geld, Status) hält. Man verweigert sich vehement der eigentlichen Arbeitsaufgabe. Nämlich der der Volksvertretung. Entsprechend werden auch keine Alternativen angeboten. Die Menschen dürfen keine haben, damit die hohen Damen und Herren sich leistungslos in ihren Pfründen wälzen können. Schweine suhlen schließlich gerne.

Skrupelloses opportunes Verhalten, gerade auch konträr zu Mehrheitsinteressen, kennzeichnen diese zutiefst korrupte Politikmentalität.
Geprägt (oder besser geschmiedet) worden ist diese Kultur durch einen Mainstreamjournalismus der jeglichen aufkeimenden demokratischen Widerstand zu Tode gehetzt hat. Und dies auch immer noch tut (s.AfD). Übrig geblieben sind weitestgehend konditionierte Hündchen, die dummschwätzend und betrügend über jedes Stöckchen springen das vom Großkapital hingehalten wird.
Lediglich der große Anteil altersdementer Wähler schützt die CDU derzeit noch vor einem ähnlich tiefen und verdienten Fall, wie ihn die SPD bereits erlebt hat.

Aber die nächste Großkatastrophe befindet sich bereits im Anmarsch: Der opportune grüne Scheißdreck schleicht sich an die „Macht“. Die altersdementen Trottel werden von den klimahopsenden Jungtrotteln abgelöst. Das ist Deutschland im 21sten Jahrhundert.
Da wünscht man sich fast den dritten Weltkrieg herbei. Nur damit diese ganze Scheiße endlich ein würdiges Ende findet.

Folkher Braun
Folkher Braun
2 Jahre zuvor

Frage: wo ist mein Kommentar abgeblieben? Haken war gesetzt, Kugel oben rechts hat 30 Minuten erfolglos genudelt.

Juergen
Juergen
2 Jahre zuvor

Ja, ich sehe das ähnlich wie Du. Spielt kein Rolle wie viele Deppen und angepasste Journalisten die Legende verbreiten die CDU/CSU hätte sich sozialdemokratisiert. Hat sie nämlich nicht, stattdessen sind sowohl CDU als auch SPD liberaler geworden und somit immer ähnlicher, beide sind inzwischen Parteien des liberalen Mainstream die kaum noch etwas unterscheidet. Klar, graduell gibt’s da noch Unterschiede, aber eben auch nur graduell.

Und der liberale Mainstream hat all die Probleme die jeder Mainstream hat: die Anpassung an den Zeitgeist. Ich hab da lieber unangepasste unabhängige Denker als Leute die dem Zeitgeist hinterherrennen.

Wär‘ schön wenn die Konservativen wieder konservativ wären und die Linke wieder links.

niki
niki
Reply to  Juergen
2 Jahre zuvor

Die sind auch nicht liberaler geworden… Sondern nur neoliberaler… Das heißt: Freiheit fürs Kapital/die Wirtschaft inkl. dem Mantra der Rücksichtslosigkeit gegenüber allem und jedem, und der Ausbeutung der Umwelt! Zusätzlich absolute Unfreiheit für den Rest… Was daran liberal sein soll? Das frage ich mich!

Liberal wäre es wenn wirklich die Masse und die Umwelt profitieren täten…
Es wird vieles komplett falsch gelabelt… Absichtlich um die Masse in die Irre zu führen…!

Genauso was soll an der FDP liberal sein? Das muss mir mal irgendjemand sachlich und logisch erklären! Ich bin überzeugt davon, dass dieser in jeglicher Hinsicht scheitern wird!

Pen
Pen
Reply to  Juergen
2 Jahre zuvor

Wie die Reps und die Dems – wo ist der Unterschied?

niki
niki
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

Bei den Reps sind noch vollkommen durchgeknallte religiöse Wirrköpfe zusätzlich dabei. Ansonsten unterscheiden die sich nur marginal… Wenn man von Sanders und Co. absieht. Aber selbst die progressiven bei den Dems sind allerhöchstens sozialdemokratisch…

Sagen wir doch so wie es ist: In der westlichen Welt sind fast ausschließlich gemeingefährliche Irre an der Macht… Ob in der Wirtschaft oder in der Politik… Überall nur noch komplett Wahnsinnige!
Das ist vollkommen pathologisch!

K
K
2 Jahre zuvor

Theoretisch ein guter Ansatz – wenn es auf der Welt um Inhalte und Ideale ginge, dann könnte man aus den populären Ideen (Konservatismus, Sozialdemokratie, Sozialismus verschiedener Ausrichtung) das „subjektiv Vernünftige“ destillieren und hätte im Ergebnis Wahlalternativen, die zwar vollkommen unterschiedlich sind, aber jede für sich idealistisch und in sich schlüssig. Das „subjektiv Vernünftige“ am Konservatismus finde ich im Artikel sehr gelungen destilliert.
In der Schulzeit und im Studium habe ich bei Diskussionen mit JU- und Verbindungsleuten etliche Male diesen Ansatz versucht (vielleicht mehr subjektiv und nicht so durchdacht, aber es ging in sehr ähnliche Richtung). Doch fast immer zeigte sich dann: Die wollen gar nichts anderes als das, was die Partei/die Verbindung/die alten Herren sagen. Die wollen auch nicht drüber nachdenken, denn die wollen nicht über Inhalte kritisch nachdenken. Die wollen auch nicht auf Widersprüche hingewiesen werden.
Sich mit Autoritäten kritisch auseinandersetzen ist nun mal traditionell keine Stärke der Rechten.
Sowas „macht man da einfach nicht“.

Natürlich war auch die Adenauer- und Kohl-CDU schon keine „richtig konservative“ Partei (Zerstörung von Umwelt und hergebrachten Arbeits-/Lebensmilieus etc.). Aber es stimmt schon, da gab es einen gewissen konservativen Kern aus Paternalismus und Spießertum. Vielleicht war dieser Kern auch damals schon nicht mehr als ein Marketinglabel. Aber zumindest hätte diese Partei gewisse Ansätze wie Gendersprache oder Identitätspolitik nicht mitgetragen.

Mal überlegen… in allen rechten Milieus (also von mitte-rechts bis ganz rechts) finden wir traditionell eine unkritische Ausrichtung nach oben. Und „oben“ bedeutet für die Nachkriegs-CDSU vor allem: rücksichtslose (und meist wirtschaftsaffine/korrupte) Karrieristen, die in erster Linie ihre eigenen Ressourcen mehren wollen und ihren Klüngel politisch rechtfertigen müssen.
Konkret: Wenn man Freunden in der der Atomwirtschaft Gefallen erweist–>Atomkraft zum politischen Prinzip erheben; Wenn man Freunden in der Bauwirtschaft hilft–>“Wir brauchen dieses Industriegebiet/mehr Wachstum“; Wenn die Besatzungsmacht einem Vorteile bei Wahlen oder bei der politischen Betätigung verschafft–>“Das sind doch unsere Freunde, die beschützen uns.“ usw.
So nehmen handfeste Einzelinteressen im Laufe von Jahrzehnten den Platz von Idealen ein, die man verteidigen muss (selbst dann, wenn sie konkret der konservativen Idee zuwiderlaufen!).

Vielleicht liegt es dann gerade an der genannten Untertanenmentalität der Rechten, dass niemand was dagegen sagt und solche Muster sich verfestigen können. Sprich, die (tendentiell zunehmende) ideologische Widersinnigkeit auf der rechten Seite ließe sich nur mit einer „linken“ Grundeinstellung (wie sie aus Deinem Artikel spricht) auflösen.
Dein Konzept wäre also der Versuch, „Konservative“ unabhängig von den Inhalten mit „linkem Idealismus“ (einem Grundverständnis für politische Rationalität) zu infizieren.
Im Idealfall würde dies zum Ausbruch aus dem bisherigen Gedankenmuster und zu einer inhaltlichen Konvergenz führen. (Während die Nachkriegsgeschichte wahrscheinlich genau den umgekehrten Prozess darstellt: Verfestigung von irrationalen Denkmustern und instrumentalisierte Divergenz weg com ‚common sense‘.)

Wer es wirklich ernst meint mit dem konservativen/liberalen/rechten Anspruch, der kommt schnell an die Grenzen des zulässigen. Nichts anderes sehe ich in der Radikalisierung von Chavez, der eigentlich als ziemlich braver Reformer mit Orientierung an Bill Clinton (sic) angetreten war. Bei manchen Liberalen und Aristokraten aus mächtigen Familien scheint auch dieser Mechanismus zu wirken: Genau so liest sich z.B. die Geschichte von Präsident Manuel Zelaya in Honduras.

Vielleicht wäre es umgekehrt zielführend, wenn man bestimmte gesellschaftlich konservative Positionen (Familienbild, Gendersprache, Migration) in den „progressiven“ Bewegungen und Parteien als Minderheitsmeinung zumindest dulden würde, solange eine Identifizierung mit den „großen“ Linien (Demokratie, Sozialismus, Umweltschutz) vorliegt. Genau dann könnten nämlich auch Konservative und Rechte (und Linke, die nicht jede Entwicklung seit 1990 gut finden!!) anfangen, konstruktiv in der Bewegung mitzuarbeiten und das Vorurteil von den „totalitären Gutmenschen“ zu widerlegen.

Brian DuBois-Guilbert
Brian DuBois-Guilbert
Reply to  K
2 Jahre zuvor

DAS nenne ich mal eine wohltuende, tiefgehende und relativ objektive Betrachtungsweise, eines Menschen würdig, der unverkrampft und mit offenbar großer Lebenserfahrung die Dinge betrachtet. Gerne mehr und öfter von Dir, K !!

Ronaldo
Ronaldo
Reply to  K
2 Jahre zuvor

Den Staat und seine Vertreter kritisch sehen, eigentlich ein Vorzug der Lnken, hier will man noch mehr davon ! In der heutigen Zeit gehört Mut dazu, sich zu den Rechten zu bekennten !Mich begeistern sie nicht besonders, ich kann aber verstehen, dass man eine ohne Limit Einwanderungslinke nicht geil findet! Ein Sukram, nur einmal nebenbei , ist als Identititätsliberaler auch eher links im negativen Sinne, ein FDP Liberaler ist er eben nicht!
Die Rechten heute, siehe Italien, haben eine offene Fresse, Anpassung und Untertanenmentalität sehe ich dort nicht!!

Pen
Pen
Reply to  K
2 Jahre zuvor

@K

Guter , für mich sehr anspruchsvoller Beitrag, den ich mehrmals lesen mußte. Da würde ma sich ja gern eine Erwiederung des gelobten Roberto wünschen, zum noch besseren Verständnis sozusagen.

anonym
anonym
Reply to  K
2 Jahre zuvor

Da würde ma sich ja gern eine Erwiederung des gelobten Roberto wünschen, zum noch besseren Verständnis sozusagen.

Roberto:

1. Uh oh, der Boden wird langsam zu heeeiiiss!
2. Schnell die “culture wars” an einem Nebenschauplatz anfachen mit recycelten Textfragmenten: Klimaanlagen im Januar – “In den Netzwerken tobt zur Hitzezeit natürlich wieder der Glaubenskrieg.”
3. Aussitzen: “Damit nominierst Du Dich für den Anti-FFF-political correctness-Award! Sehr geil!”

Das taktische Verhalten der alt-right-Soldat*en nach dem Lehrplan von Steve Bannons geplanter “gladiator school” in Tristoli ist so vorhersehbar wie das Amen in der Kirche.

Roberto De Lapuente
Roberto De Lapuente
Reply to  anonym
2 Jahre zuvor

Es sind Pfeifen wie du, die stets vergessen, dass Menschen dahintersitzen. Menschen, die krank werden oder noch anderes zu tun haben in ihrem Leben. Und Menschen, die eben auch nicht auf Kommando tanzen.
Pfeifen wie du geben vor, die bessere Menschheit zu vertreten. In Wirklichkeit sind es aber Faschisten.