Die Bekenntnisdemokratie

Beim Thema Ukraine dasselbe wie bei der Pandemie: Differenzierte Meinungsbilder werden abgelehnt. Andersdenkende pathologisiert und kriminalisiert. Aber wir dürfen das. Wir sind schließlich der Wertewesten.

Es gab eine Zeit, da galt es als richtig, wenn man sich über Ursachen und Auswirkungen Gedanken machte. Kausalitäten zu berücksichtigen, wurde als wichtiger Baustein begriffen, etwas verstehen zu wollen. »Wie kommt’s?«, war eine zielführende Frage, weil sie nach dem Woher forschte, um das Warum und mit etwas Weitsicht auch das Wohin zu beleuchten. Das, liebe Leserin und lieber Leser, sind aber Atavismen aus einer anderen Zeit und Welt. Diese Zeit ist jedoch vorbei. Jene Welt gibt es nicht mehr. Das beweist sich mittlerweile täglich.

Wir können ganz aktuell bleiben, nämlich beim Krieg in der Ukraine. Wer da nachfragt, wer da versucht, die vorangegangenen Jahre zu analysieren, wer bei seiner Analyse auch nur streift, dass der Westen, die EU, die Nato, wohl auch das Weltwirtschaftsforum, jedenfalls aber die Young Global Leaders, mitschuldig am heutigen Dilemma sind, kriegt zu hören, dass »solcherlei Nachforschungen völlig deplatziert« seien. Was zählt, das sei das Jetzt, das sei der Umstand, dass Putin einen Krieg angezettelt habe. Selbst Gregor Gysi, Mitglied einer sich als links gebenden Partei, hält ein derart analytisches Element für falsch, ja sogar für unentschuldbar.

Weiterlesen in der Schwurbelpresse

Diesen Beitrag ausdrucken

Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

12 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Mich.Karn
Mich.Karn
8 Monate zuvor

Mittlerweile kann nicht mehr verstehen, wie Ihr immer wieder versucht diese Fassadendemokratie mit irgendwelchen Argumenten zu reformieren.

Es ist doch eigentlich für jeden, spätestens seit Anfang der Coronamaßnahmen, ersichtlich welche Sorte Mensch jetzt die Meinungshoheit übernommen hat.

Bringt es doch einfach auf den Punkt:

Nazideutschland ist wieder auferstanden, diesmal in der Variante „Transatlantische Herrenrasse“, für den Anfang ist Vernichtung aller russischsprachigen Völker angesagt, als wahren Deutschen wird einem da natürlich ganz warm im Schritt.

Karsten
Karsten
Reply to  Mich.Karn
8 Monate zuvor

Ich kann grundsätzlich verstehen, wenn jemand sagt, es ist zu spät um korrigierend einzugreifen und sich selbst versucht zu retten. Falls du das für dich so siehst, ok. Wem hilfst du aber mit einem solchen Statement?

Corinna
Corinna
8 Monate zuvor

Die Dünnhäutigkeit in Bezug auf andere Ansichten, Meinungen und Vorstellungen, auf andere Weltanschauungen, Betrachtungsweisen und Wertigkeiten, ist freilich auch schon etwas älter als die Pandemie.

Ich sehe das auch schon länger bzw. erfahre das bei Gesprächen. Diejenigen, die immer am lautesten „Toleranz!“ schreien, sind oftmals gleichzeitig die, die mit anderen Meinungen kaum oder gar nicht umgehen können.

Cetzer
Cetzer
8 Monate zuvor

Aufmerksamkeitstrolle

We can be Twitter-Heroes, just for one day

Immerhin hat sich http://www.postcrossing.com klar positioniert:

Some of you have been asking Postcrossing to block postcrossers in Russia and Belarus, as a way to protest the war. We understand the feeling of helplessness and the will to do something. But the same way we believe people of all ages, genders, religions or other beliefs have a place in Postcrossing, we don’t think people’s nationality or what their governments are doing should be used as a reason for excluding them from the project. Postcrossing is about regular people, and not their governments, politicians or generals. If you feel strongly that you do not want to send postcards to postcrossers in a certain country, we respect that — but in that case, please don’t request any addresses on the website for now.

~ Wer keine Ansichtskarten nach Russland oder Belarus senden will, möge bitte überhaupt keine Adressen anfordern (Man bekommt zufällige Adressen aus aller Welt, nur das eigene Land und Wiederholungen kann man grundsätzlich abwählen/nicht bevorzugen).

Eine Mitteilung in eigener Sache: Aus Solidarität mit der Ukraine werde ich bis auf weiteres (Putins Pfählung?) keine Fußnoten verwenden, sondern stattdessen klammern, was das Zeug hält.

Last edited 8 Monate zuvor by Cetzer
Brian
Brian
Reply to  Cetzer
8 Monate zuvor

Du Chelm !
Aber nicht, daß Du noch anfängst zu Lispeln…

Freichrist343
8 Monate zuvor

Die liberal-konservativen Kräfte haben gesiegt. Am 20. März 2022 ist FREEDOM DAY. Die Corona-Verbrecher sind besiegt.
Zudem wird sich die russische Opposition bald durchsetzen. Denn Russland hat in nur 1 Jahr über 1 Million Menschen verloren. Wegen einer sehr niedrigen Geburtenrate. Und wegen einer hohen Sterberate. Bitte googeln: Manifest Natura Christiana

Brian
Brian
Reply to  Freichrist343
8 Monate zuvor

Hey, mein Lieblings-Bot ist wieder da !
Leider nur auf Basic-Niveau (falls sich noch jemand daran erinnern kann)…

Uwe Borchert
Uwe Borchert
Reply to  Brian
8 Monate zuvor

Nanana! Ich habe mal vor 20 Jahren einfache SIR-Modelle mit Basic programmiert und diese waren zuverlässiger als die aktuellen Prognosen aus dem Hause RKI. Also bitte nicht über Basic lästern. Basic ist für die mindere intellektuelle Leistungsfähigkeit unserer Politkaste schon mehr als ausreichend.

Daniel D. Dietze
Reply to  Freichrist343
8 Monate zuvor

Die vernünftigen Kräfte haben gesiegt. Am 20. März 2022 ist Tombola Tag. Die Lobbyisten des Finanzsektors, der Rüstungs- und der Pharmaindustrie sind besiegt.
Zudem hat sich die deutsche Opposition bereits aufgelöst. Denn Deutschland hat in nur 1 Jahr über 1 Million Wähler verloren. Wegen einer sehr niedrigen Vertrauensrate. Und wegen einer hohen Unzufriedenheitsrate. Bitte googeln: Manifest Democratia Aleatoria

Andrea_Zett
Andrea_Zett
8 Monate zuvor

Das Ding mit dem Anti-Faschismus war halt einfach nur ein riesen Missverständnis.

Ich und viele andere Altlinke – ich setze voraus, Roberto auch – dachten, die Nazi-Methoden wären das Problem mit dem 3. Reich gewesen.

Dabei waren es einfach nur die falschen Verfolgten.

Zumindest schließe ich das aus dem Verhalten der woken regressiven Linken, denn Nazi-Methoden – beim „Richtigen“ angewandt – sind ja nicht nur kein Problem, sondern sogar erwünscht.

„Kauft nicht beim Russen“ beispielsweise.

Mich erinnert das an meine Zeit in der Friedensbewegung. Da war für viele auch nicht der Krieg an sich das Problem oder die Gewalt: nein, es waren einfach die falschen Leute, die Waffen hatten und Kriege führten.

Ich habs kapiert.

Die gleiche Art von Leuten klagt übrigens auch über strukturelle Diskriminierung, um dann in der Folge bedenkenlos „die anderen“ zu diskriminieren.

Es geht einfach nur darum, sich durchzusetzen. Es geht nicht um Demokratie, es geht nicht um Frieden, es geht nicht um Diskriminierung oder Antirassismus usw.:

Es geht einfach nur darum, sich selbst einen vermeintlichen Vorteil zu verschaffen und wenn dieser Vorteil nur ist, anderen Verzicht reinzudrücken oder sie zu irgendwas zu zwingen. Das finden viele Politsadisten (unter Grünen und SPDlern extrem verbreitet) sehr sehr geil, davon bin ich überzeugt.

Last edited 8 Monate zuvor by Andrea_Zett
Uwe Borchert
Uwe Borchert
Reply to  Andrea_Zett
8 Monate zuvor

Man kann es auch so betrachten: Da haben die alten, etablierten Säcke alle Nischen schon gekrallt und die Jungen wollen an und in diese Nischen und an die Futtertröge. Das sind Verteilungskämpfe und alles andere ist nur Geschwurbel um diese Kämpfe zu rechtfertigen und dem Angreifer eine moralische Rechtfertigung zu geben. Und wenn dann die Jungen die Nischen erobert haben und selber zu den Alten werden, dann kämpfen diese eben so verbissen, verschlagen und hinterhältig um den Platz an den prall gefüllten Futtertrögen wie es ihre ehemaligen Gegner getan haben.