Unsere Art zu leben

Jetzt heißt es gegen Putin und Russland unsere Art zu leben zu verteidigen. Wir müssen all jene abwehren, die uns angreifen, nur weil wir sind wie wir sind. Wir sind schließlich ein Westen von Lebensart.

Gut, dass wir so ausgeglichene und sachliche Massenmedien haben. Sonst wäre uns wahrscheinlich die ganze Tragweite des infamen Angriffs der Russen auf die Ukraine entgangen. Die Russen nämlich, so lesen, sehen und lauschen wir, haben es auf unseren Westen abgesehen, auf unsere Werte und Wohlstände – ja, auf unseren freien, ausgewogenen, weitsichtigen Way of Life. Ginge es nur um die Ukrainer oder auch bloß um Rohstoffe: Darüber könnte man ja noch reden. Aber es geht darum ja gar nicht; die Ukraine ist Europa – und Europa: Das sind wir! Daher sind wir jetzt alle Ukrainer. Die echten Bio-Ukrainer wollen nämlich unbedingt unsere Art zu leben übernehmen. Und weil Putin da nicht mitspielt, sagt er indirekt direkt: Eure Art kann ich nicht leiden.

Wie kann er das nicht mögen? Wir sind reich, sind fair, sind gerecht. Wir verteilen um, schaffen Mehrwerte, verteilen Mehrwerte, sind transparent, ehrlich und umsichtig. Dafür haben wir uns charakterfeste Institutionen und ein tadelloses Wirtschaftssystem erschaffen. Was soll denn an der Davoser Art zu leben, an der Brüsseler Lebensart, an der Art und Weise wie die EZB, die NATO oder die UN verfahren, falsch sein?

Unsere Art zu streben: Junge Weltführer

Unsere Art zu leben, das heißt: Korrupten Post- und Fassadendemokratien Treue zu schwören und jeden zu diskreditieren, der es unternimmt, diese Ordnung beseitigen zu wollen. Die Vereinten Nationen indes, dort wo sich der Westen trifft, ist mittlerweile schön bieder öffentlich-privat verpartnert, Konzerne zahlen die Auslagen und geben den Ton an, haben sich gar das Recht verbrieft, die Richtlinien der UN zu bestimmen. Unsere Art zu leben, das heißt auch: Einem internationalen Mediennetzwerk zu folgen, das unter Hinweis auf die widerlichen Staatssender der Anderen, seine unglaubliche Unabhängigkeit und Freiheit betont. Drehtür-Effekte und Überschneidungen zwischen Politik und Medien, Medien und Wirtschaft, Wirtschaft und Medien und zwischen allen zusammen und andersherum: Unsere Savoir-vivre muss man einfach beneiden!

Noch so eine westliche Lebensart: Das Weltwirtschaftsforum, das eigentliche Parlament der Welt – in dem ganz unkompliziert, ohne Interessensabwägung und ohne lästige demokratische Grundwerte Leitlinien verfügt, exekutiert und den nationalen Regierungen aufgedrückt werden. Wer sonst kommt auf die Idee, sich ständig als freier Teil der Welt zu feiern, als Weltdemokratie, während hinter den Kulissen der Feudalismus tobt – unter Ausschluss von solchem Pöbel wie dich und mich natürlich?

Stiftungen regeln die Weltbelange, weisen den Weg, sie geben vor, wie die Welt von morgen nicht nur aussehen könnte, nein wie sie aussehen muss. Young Global Leaders werden von ihnen gefördert und gefordert, an die Spitze ihrer Völker gesetzt, um dort so zu wirken, wie es die Weltregierung aus den Schweizer Bergen, wie es das milliardenschwere Stiftungswesen sich ausmalt. Das Beste kommt noch: Solcherlei kurzen Einwürfe zu unserem schönen Wertewesten, über Davos, G8 oder Gates-Stiftung, werden per se als Verschwörungstheorie eingestuft. Obwohl es keinen Beleg dafür gibt, dass es sich bei der Nennung der Fakten um Verschwörung handelt – Verschwörung ist eigentlich nur im Spiel bei der Schaffung von Fakten, so wie sie die Legionen von Young and Old Global Streber anpeilen.

Unsere Art zu nehmen: Monopolisten

Und wir haben noch nicht mal von unserer Art zu leben gesprochen, wenn es um das Wirtschaften geht. Wie wir Eigenheime an der Börse verjuxen, Lebensmittel auf dem Parkett verteuern, wie wir uns um Kopf und Verstand spekulieren, sogar Scheiße in Aktienpakete schnüren. Jeder von uns kleinen Fischen, der mal davon träumt, einige Stunden ins Casino zu wollen, um mal einen kleinen Eindruck einer anderen Welt zu erlangen, muss nur die Augen aufmachen: Wir sind das Casino. Und es hat 24 Stunden sieben Tage die Woche geöffnet. Unsere Art zu leben macht Unternehmen an den Börsen unsäglich wertvoll, auch wenn an wirklichen materiellen Werten oft nur ein geringer Bruchteil vorhanden ist. Denn wir zahlen für Namen, für Erwartungen, für aufgeblasene Brands, für ein Logo, weil man etwas haben muss, weil es doch alle haben – und weil es Monopol ist.

Unsere Art zu leben wird immer mehr zu jener, wonach Wettbewerb von den Monopolisten abgelehnt wird. PayPal-Thiel sagte dereinst, dass Wettbewerb nur Verlierer produziere. Daher seien Monopole, die auf dem Markt wüten können ohne nach links und rechts gucken zu müssen, in jedem Falle die Zukunft. Klar, dass man diese Welt, in der kleine Unternehmen nicht mehr atmen können, unbedingt mit der Waffe in der Hand gegen den Despoten aus den Osten verteidigen will. Schließlich geht es um Freiheit, verflucht noch eins!

Die Monopolisten haben die Corona-Maßnahmen nicht nur blendend gemeistert: Sie gingen als Gewinner heraus. Amazon, Facebook, Google haben massiv zugelegt. Der Finanzsektor sowieso. Nur die Realwirtschaft, insbesondere der Mittelstand, dort wo eigentlich wirkliche Werte geschaffen werden, sie verliert ihre Grundlage. Unsere Art zu leben heißt eben auch, dass ein YouTube-Katzenvideo mehr Wert haben kann, als ein vom Schreiner produzierter Tisch, als die Arbeit einer Person, die eine andere pflegebedürftige Person versorgt. Und das alles, während die großen Strukturen der Welt, wie sie werden soll nach Vorstellung mächtiger Damen und Herren, gesetzt und angewiesen werden, ohne danach zu fragen, was sich so ein Schreiner oder so eine Pflegekraft eigentlich für die Zukunft wünschen.

Unsere Art zu beben: Das Beste aller Systeme?

Durch und durch leben wir im besten System aller Zeiten. Unsere Lebensmittel sind so fein, da ist teilweise gar nichts mehr Essbares drin. Alles ist günstig von der Stange zu haben: Klamotten, Mobiltelefone, Flugreisen, medizinische Betreuung auf Kassenbasis, Lebensberatung. Die Nigerianer liefern uns liebend gerne Erdöl zu Vorzugspreisen – weil wir so gütig sind. Die, die auf seltenen Erden sitzen, lieben es geradezu, uns damit zu versorgen. Sie schicken aus purer Mitmenschlichkeit uns gegenüber sogar ihre Kinder in enge Schächte und Mienen. In Bangladesch fürchten sie sich nicht etwa vor Hochwasser, weil sie wirklich Angst um ihre Hütten hätten: Sie fürchten nur ihre Produktion preiswerter Webwaren einstellen zu müssen, wenn das Wasser steigt – und damit uns Lieferengpässen aussetzen zu müssen. Wir handeln, wir verteilen, wir machen die Welt gerechter, wir sind die Schöpfer der pax occidentalis, des westlichen Friedens.

Unsere Art zu leben bedeutet vor allem, so zu tun, als sei das, was wir hier haben, von so einzigartiger Schönheit und von so singulärer Güte, dass man besser gar keine Kritik daran üben sollte. Nur ganz böse Zungen, Miesepeter und Drecksäcke wagen sich daran, dieses westliche Imperium als eine neue Art von Diktatur zu skizzieren. Als Neo-Feudalismus. Als das vielleicht widerlichste Imperium aller Zeiten, das so tut, als sei es offen, liberal, barrierefrei, das aber an allen Ecken und Kanten abgeschottet, verbohrt und orthodox nachtritt. Ein Imperium, das sich gerne als ideologiefrei vorstellt, aber dabei ausblendet, dass es selbst bereits zu einer Ideologie verkommen ist: Einer Ideologie, die sich um jeden Preis retten will, weil sie spürt, wie ihr die Kräfte schwinden.

Wir beben förmlich vor Inbrunst, wenn man unsere Art zu leben angreift. Früher taten das die Islamisten. Wenn sie Anschläge verübten, stürmten Schattenmänner und Schattenfrauen dieses Wertewestens aus ihren bewachten Villenkomplexen und verkündeten, dass das mal wieder ein Angriff auf die westliche Art zu leben sei. Nun tun sie es wieder, ohne zu erklären, woraus diese Lebensart eigentlich besteht. Ist die überhaupt wert verteidigt zu werden? Wer möchte denn nicht für die Pläne von Milliardären sterben, die nach einem etwaigen erfolgreichen Krieg gegen Russland weiterbasteln an einer Welt, in der sie ohne Kontrolle, ohne Transparenz, aber dafür mit viel viel Profit und letztlich mit noch mehr Macht leben dürfen?

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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niki
niki
8 Monate zuvor

Der Artikel zeigt nur allzu deutlich auf wie pervers das alles ist… Die faseln immer von Freiheit und Werten… Und spätestens in den letzten zwei Jahren sollte eigentlich dem letzten Depp klar geworden sein, dass dieses kompletter Unsinn und Etikettenschwindel ist und der Wertewesten über Leichenberge geht. Nein, keine Corona-Toten! Sondern Millionen Opfer durch das durchdrücken ihres Narrativ! Und mit dem Konflikt Ukraine vs. Russland geht das so weiter. Das Narrativ sagt der Russe ist schuld! Einzig alleine dieser! Sämtliche Geschehnisse die zur Eskalation geführt haben werden gekonnt verschwiegen. Putin wird gar pathologisiert!
Und das ist ja auch gewollt, da die Angst vor Corona in der Bevölkerung nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, ist die Ukrainekrise die perfekte neue Angstwelle!

Und wen von den Großkopferden interessiert die Ukraine denn wirklich? Doch allerhöchsten als Werkzeug um deren Narrativ durchzudrücken!

Last edited 8 Monate zuvor by niki
Brian
Brian
Reply to  niki
8 Monate zuvor

Und ein Herr Reitschuster beteiligt sich scheinbar mit dem größten Vergnügen daran.
Finde ich irgendwie seltsam. Er macht damit fast alles kaputt, was er vorher mit seiner
differenzierten Betrachtung des Cocolores-Themas aufgebaut hat.
Egal, was da noch für Gründe im Hintergrund mitspielen mögen, er scheint ein sehr großes persönliches Problem mit Putin zu haben (wobei ich Putin gar nicht in Schutz nehmen möchte, dafür weiß ich viel zu wenig über ihn und die dortigen Verhältnisse).
Habe gerade nochmal ein paar Artikel dort gelesen und fand die meisten unterirdisch.
Das Positive dabei ist, daß er von ziemlich vielen Kommentatoren ordentlich Gegenwind
bekommt, die die Situation deutlich differenzierter betrachten.
Mir war auch vorher schon klar, daß Herr Reitschuster kein Unschuldsengel ist, aber
diese Entwicklung ist schon wirklich sonderbar.

Corinna
Corinna
Reply to  Brian
8 Monate zuvor

Ich finde das nicht seltsam, Reitschuster ist doch bekannt als Putin-Missversteher. Die meisten Menschen kennen ihn zwar durch den Corona-Hype erst jetzt, aber vorher war er ein absoluter Kreml-Kritiker.
Ich vermute, dass er genau deshalb bei seiner Corona-Berichterstattung in der ersten Zeit mit Samthandschuhen angefasst wurde. Da waren andere Kritiker schon wesentlich eher weg vom Fenster.

Clarisse
Clarisse
8 Monate zuvor

Hört hört, der Mann will uns unsere schöne Welt kaputt reden. Dabei will er nicht sehen das uns die Russen schon damals ins Werk gepfuscht haben und unsere Volksbereinigung kaputt gemacht haben. Und was ist jetzt, schon wieder der Russe der uns guten Nazis ins Werk pfuscht, da müssen wir einfach aufstehen und die Ukrainer in den Krieg schicken damit sie bis zum letzten Blutstropfen für unsere „Freiheit“ kämpfen. Nur der kleine Kläffer Olaf sollte sich öfter mal umdrehen um zu sehen ob sein friedliebender dementer Freund aus den usa noch hinter ihm steht … es könnte sein das der sich den Zusammenbruch Europas aus weiter Ferne anschaut.

Suzie Q
Suzie Q
Reply to  Clarisse
8 Monate zuvor

Meine Güte!

Und wer bist du so?

Suzie Q
Suzie Q
Reply to  Roberto J. De Lapuente
8 Monate zuvor

Nein, auf keinen Fall!

Roberto De Lapuente
Roberto De Lapuente
Reply to  Suzie Q
8 Monate zuvor

Na, wenn mir mal dat keine Lüge is.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Roberto J. De Lapuente
8 Monate zuvor

J. De Lapuente

Der Schreibstil passt eher zu einem alten Bekannten namens Groove X.

Cetzer
Cetzer
Reply to  Suzie Q
8 Monate zuvor

Und wer bist du so?

Zu Clarisse enthält meine Datenbank keine Informationen, aber ich bin der Cetzer, alias Stefan Schmidt vom Verprassungsschutz, Abt. Auto-Delegitimierung. Bis vor fünf Jahren war ich der Leiter der Abteilung Missionarsstellung Unmöglich, aber dann habe ich bei einer besonders heiklen Mission meine Brieftasche mit den ganzen Visitenkarten auf der Dortmunder Bahnhofstoilette vergessen.
Nach einer geringfügigen Gehaltsanpassung arbeite ich jetzt im Home-Office als präventiver Nestbeschmutzer und bin zufrieden und spesenfrei. Nur manchmal singe ich unter der Dusche heimlich das Horst-Brennnessel-Lied und träume beim Einschlafen von knackigen Hierarchien.
In diesem Sinne
Nie wieder Korruption!
Nie wieder faule Witze!

Last edited 8 Monate zuvor by Cetzer
Brian
Brian
Reply to  Cetzer
8 Monate zuvor

Ich bin so schön. Ich bin so toll.
Ich bin der…😄

Daniel D. Dietze
8 Monate zuvor

Guten Morgen Roberto. Solange ein vom Schreiner produzierter Tisch den braven Bürger nicht effektiv vom Spazieren gehen und freche Fragen stellen abhält, bleiben Katzenvideos unbezahlbar für die westliche Art zu leben. https://www.youtube.com/watch?v=jvDRfb60nwI
Um auf deine rhetorische, zudem recht spitzfindige Schlussfrage zu antworten: Ich möchte weder für die Pläne von Milliarden, noch für die Pläne von Milliardären sterben.

P.s.: Abseits vom Thema, musste ich kürzlich an deine Worte („Das sehe ich nicht… Wiesen abgegrast.“) denken, als ich hörte, dass wir uns jetzt in Vietnam sowie weiteren asiatischen Ländern verstärkt nach Pflegekräften umsehen wollen. Aber jetzt bekommen wir ja doch noch welche aus Osteuropa.

Last edited 8 Monate zuvor by Daniel D. Dietze
Cetzer
Cetzer
Reply to  Daniel D. Dietze
8 Monate zuvor

Aber jetzt bekommen wir ja doch noch welche aus Osteuropa.

Sollen wie der Wirbelwind in den ArbeitsDerwisch-Markt integriert werden, nach doppelter Impfung versteht sich.

Liebe Ukrainer! Bitte sprecht in Eurem neuen und geliebten Heimatland öffentlich kein Ukrainisch, denn die meisten Deutschen können das nicht von Russisch unterscheiden. Russisch aber, ist bis zum nächsten AusgrenzungsTarantella Pfui, Pfui, manchmal sogar Spuck, Spuck oder DraufHauDraufHau.

Corinna
Corinna
8 Monate zuvor

Ginge es nur um die Ukrainer oder auch bloß um Rohstoffe: Darüber könnte man ja noch reden.

Ein guter Bekannter erzählte mir vor ein paar Tagen Folgendes:
Er diskutierte mit Kollegen bezüglich Ukraine und beschwerte sich über die Doppelmoral der Politiker, Medien und Menschen allgemein, die schließlich bisher noch nie so vehement gegen die Kriege der USA demonstriert haben. Darauf meinte einer der Kollegen doch tatsächlich, dass das was völlig anderes sei, da ging es schließlich um was, nämlich um Öl.

Aha, Kriege um Öl sind in Ordnung.

Ein weiterer Bekannter, dem ich das erzählte, meinte, ich solle froh sein, dass er das schon so weit erkannt hat und nicht antwortete, dass es den USA um den Aufbau von Mädchenschulen und die Beseitigung von Massenvernichtungswaffen geht.

Uwe Borchert
Uwe Borchert
Reply to  Corinna
8 Monate zuvor

Liebe Corinna, Du weißt es doch auch, Mädchenschulen bohren und Brunnen bauen ist ziemlich out, aber Öl ist dicker als Blut. Die Antwort Deines Kollegen entspricht doch genau dem vorherrschenden Zeitungeist und seiner Logik. Ich würde das entspannt sehen. Immerhin kommt kein Geschwurbel vom Lebensraum im Osten oder Zugriff auf unsere Kornkammer. Das ist doch ein Fortschritt ggü. dem letzten Jahrhundert, oder?

Corinna
Corinna
Reply to  Corinna
8 Monate zuvor

Nanu, wieso ist mein gestriger Kommentar plötzlich da?
Heute früh war er das nicht, weshalb ich ihn dann so ähnlich nochmal geschrieben habe und nun sind beide da. Merkwürdig.

Cetzer
Cetzer
Reply to  Corinna
8 Monate zuvor

Auch bei mir war ein Kommentar erst im Fegefeuer (~ waiting for approval), aber ich bin eben ein Geduldskünstler.
Ähnlich einem Spam-Filter für Emails läuft hier eine Software, die versucht (maschinell erzeugte) Fehleinwürfe abzuwehren (Nasenverlängerung, Nebenjob für 99$/Stunde, Geistige Erbauung mit Suzie Q…). Im Verdachtsfall wird ein Beitrag erst dem Admin vorgelegt und das kann ein bisschen dauern; In vielen Foren müssen Beiträge grundsätzlich von Hand freigeschaltet werden, aber darunter leidet der DiskussionsFluss.

Last edited 8 Monate zuvor by Cetzer
Daniel D. Dietze
Reply to  Cetzer
8 Monate zuvor

… und der Admin.

Cetzer
Cetzer
Reply to  Daniel D. Dietze
8 Monate zuvor

… und der Admin,

der hat Zähne
Und die trägt er im Gesicht
Und Zensursula hat ’ne Schere
Doch die Schere sieht man nicht.

Denn die einen sind im Euro
Und die andern sind es nicht.
Und man stützet die im Euro
Die im Rubel stützt man nicht.

Last edited 8 Monate zuvor by Cetzer
Daniel D. Dietze
Reply to  Cetzer
8 Monate zuvor

Ich stimme ein…
Denn der Admin macht’s nicht besser,
wer hier auffällt, wird verwarnt.
Doch des Flinten-Uschis Messer
ist im Hosenanzug gut getarnt.

Last edited 8 Monate zuvor by Daniel D. Dietze
Andrea_Zett
Andrea_Zett
8 Monate zuvor

Der Ekel an der westlichen Doppelmoral steht mir inzwischen Oberkante Unterlippe. Nicht mehr lange und dieser Ekel schlägt über meinem Kopf zusammen und ich ertrinke darin.

Die Doppelmoral war schon sehr lange spürbar, aber die Einschläge kommen immer schneller und immer näher. Es ist ein einziger Albtraum.

Manchmal frage ich mich, ob ein Atomkrieg in Europa (der einen nuklearen Winter auslösen würde, der den Rest der Menschheit letztlich auch vernichtet) wirklich die schlimmere Alternative zu dem wäre, was der menschenverachtende Globalismus mit uns vor hat.

Vielleicht ist ein Lichtblitz und die anschließende dunkle Ewigkeit gnädiger als das, was uns erwartet, wenn diese Teufel in Menschengestalt tatsächlich die Oberhand gewinnen.

Es ist übrigens erstaunlich koloniales Denken, das sich in den letzten Tagen offenbart. Da wird in angeblich seriösen Witzblättern geschrieben, China würde sich „international isolieren“, wenn es sich nicht von Russland lossagt.

Es ist eigentlich nicht nur die Doppelmoral, die ich so unerträglich finde, sondern auch die ignorante unfassbare Dummheit sovieler Menschen. Man hat das Gefühl, deren Gehirne bestehen aus einem Haufen loser Fäden, die keinerlei Verbindung miteinander haben, außer, dass sie zu einem unentwirrbaren Knäuel verknotet sind. Da wird so getan, als wäre das ein kohärenter Faden, dabei ist es einfach nur ein völlig chaotisches Durcheinander, weil nichts mehr zu Ende gedacht und nur noch auf billige Affekte gezielt wird.

Es mag die geben, die das große Ganze nach wie vor im Blick haben; die vergessen nur leider, dass man mit letztlich verdummten Menschen nichts mehr anfangen kann.

Es ist ein bisschen so wie bei mittelalterlichen Goldmachern. Die haben versucht, Gold herzustellen, aber nicht beachtet, dass Gold doch nichts mehr wert wäre, wenn man es herstellen könnte. Genausowenig wie eine westliche Welt nichts mehr wert ist, wenn man die Leute so verdummt, dass da nichts mehr ist in Sachen Innovationsfähigkeit.

Am Ende ist es wie beim Fischer und seiner Frau: Die unendliche Gier führt dazu, dass die Ilsebill wieder in ihrer Tonne sitzt.

Clarisse
Clarisse
Reply to  Andrea_Zett
8 Monate zuvor

Ich habe gerade ein passendes Zitat von Stephen Hawking aus einem CNN Interview von 2010 gefunden :
Mit unserer Gier und unserer Dummheit werden wir uns eines Tages selbst ausrotten.

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Andrea_Zett
8 Monate zuvor

Sehr gut!
Manchmal denke ich auch schon, ein Atomkrieg wäre super, da müsste man den Mist nicht noch länger ertragen! Es täte mir halt nur leid um die Tiere, die es dann leider auch erwischen würde! Eine Waffe, die nur menschliches Leben, aber dafür auch JEDES, auch die Herren Schwab und Co. eliminieren würde, das wärs!!!

Brian
Brian
Reply to  ChrissieR
8 Monate zuvor

Da musst Du dich an Thanos wenden, der hat das mit einem Fingerschnippen (und ein paar Steinchen) geschafft…

Brian
Brian
Reply to  Andrea_Zett
8 Monate zuvor

Ich glaube, mit den Gedanken und Gefühlen bist Du nicht allein…
(Mir geht’s jedenfalls ähnlich).

Cetzer
Cetzer
Reply to  Andrea_Zett
8 Monate zuvor

China würde sich „international isolieren“

Das erinnert mich an einen Witz/Anekdote, in der eine britische Zeitung meldet: Schwerer Sturm im Ärmelkanal, Kontinent isoliert.

haben versucht, Gold herzustellen

Teilweise mit/aus Quecksilber oder ähnlichem, was nicht so gut für die geistige Gesundheit war. Ich habe mal einen chinesischen Film gesehen, der den fortschrittlichen¹ Wahnsinn eines Kaisers zeichnete, der glaubte durch die Einnahme von metallischem Quecksilber unsterblich zu werden.

Fischer und seiner Frau

Eines meiner Lieblingsmärchen. Kann man auch unter dem Aspekt sehen, dass es gefährlich ist, wenn Frauen ihren Ehrgeiz nur indirekt befriedigen können. Als Kind habe ich noch erlebt, dass sich eine Freundin meiner Großmutter selbst als Frau Studienrat (Kommerzienrat ?) bezeichnete, obwohl dieser Titel eigentlich mit ihrem Ehemann beerdigt worden war.

¹Quecksilber war damals Hitech

Last edited 8 Monate zuvor by Cetzer
Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Cetzer
8 Monate zuvor

Ich habe mal einen chinesischen Film gesehen, der den fortschrittlichen¹ Wahnsinn eines Kaisers zeichnete, der glaubte durch die Einnahme von metallischem Quecksilber unsterblich zu werden.

Das war der hier……

https://www.planet-wissen.de/geschichte/archaeologie/archaeologie_in_china/pwieqinshihuangdidererstekaiservonchina100.html

….in gewisser Weise wurde er ja auch unsterblich.

JW
JW
8 Monate zuvor

Unsere Art zu leben ist – bigott. Wäre ich mehr als ein Musikant, ein Künstler gar, würde ich diesen Moment auf meine Art ergreifen. Ich kann´s nicht! Viele – richtige, etablierte Künstler – können´s offenbar aber auch nicht. Die Bigotterie hat historisches Höchstmaß!
Nur am Rande: Heute war ich wieder spazieren. Lange her, dass ich „Geht doch zu den Russen“ gehört habe . . .

Corinna
Corinna
8 Monate zuvor

Ginge es nur um die Ukrainer oder auch bloß um Rohstoffe: Darüber könnte man ja noch reden.

Ein Bekannter erzählte mir vom Gespräch mit Kollegen. Auf seine Äußerung, dass gegen die Kriege der USA noch nie so vehement demonstriert wurde, antwortete ein Kollege, das sei was anderes, da ging es schließlich um Öl.

Aha.

Ein anderer Bekannter, dem ich das erzählte, meinte, ich solle froh sein, dass er zumindest das schon erkannt hat und nicht von Mädchenschulen und westlichen Werten sprach.

Uwe Borchert
Uwe Borchert
8 Monate zuvor

Kommt schon! Moral ist was schönes und Doppelmoral ist doppelt schön! Und dazu gibt es diese auch noch umsonst. Was will man mehr?

Cetzer
Cetzer
Reply to  Uwe Borchert
8 Monate zuvor

Doppelmoral

Eigentlich ein Euphemismus.
Vorschlag: Nullmoral/Doppellüge.

umsonst

ist nur der Ablehnungsbescheid.

Last edited 8 Monate zuvor by Cetzer
Barry
Barry
8 Monate zuvor

Ca.95% kann ich hier voll unterschreiben, aber zwei Dinge nicht. Das WWF wird wieder mal in einer Weise mit Bedeutung aufgeblasen, die es nicht wirklich hat – und der Angriff auf den „Westen“ (aktuell durch Putin) wird indirekt zu einer legitimen Widerstandsform gegen unseren assozialen Lifestyle erklärt.

Denkt hier denn irgendjemand, russische Oligarchen und brutale Diktatoren von Xi über Assad bis Putin seien tatsächlich bessere Menschen als Gates, Bezos, Musk etc.? Altruisten gar, Freunde von Gerechtigkeit und Umweltschutz?

Ich sehe in den aktuellen Verteilungskonflikten nicht viel mehr als typische Mafiakriege. Natürlich wollen die Milliardäre an die russischen, akrikanischen und sonstigen Rohstoffe ran. Doch damit sind sie nicht allein, all die Verbrecher auf der Ostseite wollen eben auch nur ihr Ding durchziehen auf Kosten der eigenen Bevölkerung und von Ländern, die keine Atomwaffen haben, um sich a l l e Mafiosos vom Leib zu halten. Alles nicht wirklich schön…

Cetzer
Cetzer
Reply to  Barry
8 Monate zuvor

WWF¹ wird wieder mal in einer Weise mit Bedeutung aufgeblasen

Ich glaube, dass Roberto da gefühlt Pars pro toto spricht; Im Vergleich zu krassen VTlern, die nur eine Zielscheibe draufhaben, ist sein Artikel jedoch ein voller Rundumschlag (UN, WIR, Brüssler Lebensart, Facebook, Stiftungen, Allerwertewesten). Für mich ist die Davoser Kabale auch eher das größte Etikett auf der Giftflasche, aber nicht das Gift(gemisch) als solches; Doch wer² kann ausschließen, dass Klaus Schwab tatsächlich als banaler Bösewicht aus einem miesen Batman-Spoof die Vierte Wand durchbrach und hier, dank fehlendem Gegenspieler und Millionen diensteifriger Handlanger, so richtig die Sau raus lassen kann.

Angriff auf den „Westen“ (aktuell durch Putin) wird indirekt zu einer legitimen Widerstandsform gegen unseren assozialen Lifestyle

Da habe ich auch Bedenken. Teilweise greift die alte Verlockung: Der Feind meines Feindes ist mein FreundVerbündeter.

bessere Menschen als Gates

Die Quallidädsmedien predigen bis zum Erbrechen, Welt-Gesundheitsminister Gates, Konsum-Gott Bezos und Total-Genie Musk seien unendlich viel besser als Mega-Satan Putin oder Xi Manchu – Da kann beim Kotzen schon mal etwas neben der Kloschüssel landen.

Verteilungskonflikten

Die öligen Jahre gehen zu Ende. Vielleicht wirklich besser, alles endet mit einem ganz großen Knall, bevor sich die Menschheit auf zwei Menschen herunter kannibalisiert und diese sich unter dem Giftbaum der Erkenntnis wegen einer verrosteten Konservendose die Schädel einschlagen.

¹Geläufiger WEF ~ World economic Forum, WWF ~ World wide Fund for princely Nature
²Hand ins Feuer, Barry?

Last edited 8 Monate zuvor by Cetzer
ShodanW
8 Monate zuvor

Ich finde deine Texte immer besonders gut, wenn sie ironisch gefärbt sind. So wie dieser. Inhaltlich muss man gar nichts hinzufügen, ja, es ist verdammt selbstgerecht und dazu noch in der Dimension des Wertewestens. Doch stößt man sich an so vielem, dass es nicht nur ein bisschen doof ist, sondern mehr schadet als nutzt. Und das ist die letzten 15-20 Jahre so deutlich geworden, dass ich es nur noch als belastend empfinde.