Primaten auf e-Bikes

Da saß ich nun auf dem Sofa, der Hunger kam nach meinen schlechten Corona-Tagen zurück und ich brauchte Lebensmittel. Also was tun? Bei Rewe bestellen?  Das tat ich auch. Aber auf die Lieferung hätte ich lange gewartet. Und dann gab es da noch diesen einen Lieferdienst, der wie eine Horde Primaten klingt: Gorillas.

Und dann kam der Appetit zurück. Mit voller Wucht. Tagelang hatte ich kaum was gegessen. Vielleicht mal einen Banane oder ein Stückchen trockenes Brot. Mehr brachte ich nicht herunter. Kaum hatte ich es aber runtergewürgt, rumorten Magen und Darm. Nun aber war ich auf den Weg der Besserung. Es gelüstete mir nach frischem Brot, etwas Käse und ja, ein, zwei Scheiben Schinken. Normalerweise esse ich keinen abgepackten Schinken, ich hole ihn mir lieber beim Metzger. Doch jetzt war ich bereit für eine Ausnahme. In Quarantäne muss man Kompromisse machen, in der Not fressen so Teufel wie ich auch dicke Brummer. Wir setzten uns hin, wollten erstmalig in unserem Konsumentendasein bei Rewe bestellen. 50 Euro mussten wir vollbekommen – bei Erstlieferung gab es noch nicht mal Liefergebühren.

So füllten wir unseren virtuellen Einkaufskorb: 50 Euro hat man ja heute schnell zusammen. Wir freuten uns auf frische Lebensmittel, wir waren bereit, zwei, drei, ja auch vier Stunden darauf zu warten. Nachdem alles im virtuellen Einkaufswagen lag, sollten wir einen Termin festsetzen. Der nächste freie Termin war von jetzt ab in 48 Stunden. Wir bestellten dennoch, wir brauchten das Zeug ja ohnehin. Aber für den Augenblick mussten wir Abhilfe schaffen. Da erinnerten wir uns an einen Werbeclip: Gorillas nannte sich der Service. Wenn man in einer Großstadt lebt, wo es Gorillas gibt, heißt es ganz simpel: App herunterladen, aus einem übersichtlichen, aber an sich genügendem Sortiment auswählen und die Lieferung kommt prompt. Ja, wirklich prompt: Die App zeigte 16 Minuten bis Lieferung an. Und nach 16 Minuten hatten wir Schinken, Toast, Käse, Obst und Saft vor der Haustüre stehen. In dem Moment waren wir dankbar für diesen Service.

Schnell – zu einem hohen Preis

Es war noch nicht mal sonderlich teuer. Und dass trotz Liefergebühr und Trinkgeld. Wirklich erstaunt war ich über diese Schnelligkeit. Die App zeigte minutiös an, wie lange der Vorgang dauern würde. Ich hielt das erst für vollkommen unrealistisch. Als es punktgenau an der Tür klingelte, fiel ich fast vor Schreck vom Sofa. Nachdem wir uns gestärkt hatten, versuchte ich herauszufinden, wie dieses Konzept eigentlich funktioniert. Gorillas unterhält Lagergeschäfte, vor denen sich Mengen an festangestellten Lieferanten mit e-Bikes tummeln. Nun ja, was immer »festangestellt« heute bedeuten mag. Dummerweise werden diese Geschäfte oftmals in Wohnvierteln angemietet, sodass die Nachbarschaft schwer unter diesem Geschäftsmodell leidet.

Überall vor den Läden gammeln die Kuriere herum, die gerade nicht im Einsatz sind; e-Fahrräder stehen breit auf dem Gehsteigen. Wenn es dann auf Tour geht, preschen die Kuriere mit einem Mordstempo los und gefährden Fußgänger und mischen den Autoverkehr auf. Außerdem fahren täglich mehrfach Lastwagen vor, die für Nachschub im Lager sorgen. Viele betroffene Nachbarn beklagen außerdem, dass Kartonagen und Getränkekästen einfach in den Fluren ihrer unmittelbaren Liegenschaft gestellt werden.

Vor einigen Wochen erst haben Gorillas-Fahrer in Berlin gestreikt. Es ging um die schlechte Bezahlung. Der Stundenlohn wurde offenbar angepasst. Reich wird man freilich dennoch nicht: Mit Arbeit nie. Dafür wirbt man mit einer Corporate Identity, die so tut, als seien da Überzeugungstäter am Werk. Dabei ist das ein Knochenjob, man kämpft gegen die Uhr und andere Verkehrsteilnehmer an. Die Unfallgefahr lauert hinter jeder Ecke, um die gerade ein Fußgänger oder eine Omi mit Rollator abbiegt. Geschwindigkeit ist stets oberste Pflicht, sonst werden die ambitionierten Lieferzeiten nicht eingehalten. Man muss wie ein aufgestachelter Gorilla über den Asphalt preschen, wie ein irrer Primat, sonst scheitern die ambitionierten Lieferzeiten: Ob daher der Name kommt? Danach geht es nicht selten in einen hübschen Altbau, jugendliche Kundschaft im fünften Stock, Aufzug Fehlanzeige. Jetzt wären äffische Kletterkünste wünschenswert. Junge Leute verrichten logischerweise dieses Geschäft. In so einem Metier kann man sich Alter nicht leisten.

Schöne neue Arbeitswelt

Gorillas bietet in etwa 1.000 Produkte an. Das ist jedenfalls die Zahl, die das Unternehmen selbst nennt. In allen größeren Städten gibt es mittlerweile Filialen und mehrere Märkte, die allesamt recht zentral liegen. Gorillas wirbt weiter damit, dass die Produkte zum Supermarktpreis angeboten werden. Vergleicht man das Angebot, kann man dem bedingt zustimmen. Die Produkte, die Gorillas anbietet, bekommt man im Supermarkt nur unwesentlich günstiger. Eine ausgesprochen gut sortierte, ja reichhaltige Produktpalette bietet Gorillas im Segment veganer Produkte an. Sich vegan ernährende Städter könnten sich bei diesem Lieferservice vollumfänglich mit Lebensmitteln ausstatten.

Genau auf diese Klientel schielt Gorillas natürlich: Auf die woke Hipster-Kultur der Großstädte; auf diejenigen, die vegan essen und auf Klimaneutralität achten. Wenn sie bei Gorillas jene Lebensmittel ordern, die sie bevorzugen und das ganze Paket auch noch mittels Elektromobilität vor die Haustüre gestellt bekommen, wähnt sich diese grün-moralistische Klientel natürlich auf der besseren Seite der Gesellschaft. Fairer, klimatisch unbedenklicher, veganer kann man sich per App ja gar nicht aushalten lassen.

Die Arbeits- und Produktionsbedingungen von Gorillas werden dabei natürlich außer Acht gelassen. Ob solche Arbeitsverhältnisse fair entlohnt werden, gesund sind und das, was wir heute Work-Life-Balance nennen, berücksichtigen, kümmert die Zielgruppe freilich wenig. Arbeitsbedingungen sind für diese Klientel kein Thema. Nur in seltenen Ausnahmefällen bestenfalls, so wie neulich bei Margarete Stokowski von Spiegel Online, von der ich erstmalig Nachdenkliches über Arbeitsbedingungen las. Schnell stellte sie aber klar, dass sie nicht fehlendes Personal oder schlechte Ausstattung von Polizei und anderen Kontrollettis meinte, sondern die bösen Bürger, die Impfnachweis-Kontrolleuren mittlerweile genervt und auch laut begegneten. Mit klassischer Kritik an den Arbeitsverhältnissen haben es diese grün-moralistischen Sprachrohre allesamt eher nicht. Wie könnten sie also was daran finden, wenn ihnen die schöne neue Arbeitswelt Bequemlichkeit beschert, die ihnen das Prekariat direkt bis auf den Fußabtreter bringt?

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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einLeser
einLeser
8 Monate zuvor

Schöne Zusammenfassung. Aber seien wir mal ehrlich: links im Sinne von Umverteilung und Arbeiterrechten sind die Grünen nun seit Jahrzehnten nicht mehr, das ist m.M.n. nun wirklich nichts Neues. Seit zwei Jahren neu ist nur, dass sie inzwischen die NSDAP rechts überholen („Auf friedliche Demonstranten Staatsfeinde muss man mit Knüppeln, Wasserwerfen und Pfefferspray losgehen!“) und damit in in Nordkorea, Saudi-Arabien oder China deutlich besser aufgehoben wären, als bei uns. Ein Pech, dass es dort so wenig Gender-Sprachverhunzung gibt, sonst könnten wir auf eine grüne Auswanderungswelle hoffen.

niki
niki
Reply to  einLeser
8 Monate zuvor

Seit zwei Jahren neu ist nur, dass sie inzwischen die NSDAP rechts überholen

Auch wenn das in Deutschland vielleicht eine etwas heikle Frage ist. Ist die NSDAP wirklich so rechts gewesen, oder war diese eher in der politischen Mitte (im Sinne von rechts-links) bis halbrechts zu finden?
Auf der politischen Achse liberal-totalitär ist selbstverständlich die NSDAP ganz eindeutig zu 100% auf totalitär einordbar!
Ich denke nicht erst seit der Corona-Krise ernsthaft, dass die deutsche „Mitte“ sehr deutlich mit dem Faschismus liebäugelt…
Zuerst habe ich das auch nicht verstanden was Rechtslibartäre mit Linksfaschismus meinen… Zwar halte ich die Einordnung im Prinzip für immer noch nicht für korrekt, aber die Richtung ist mir klar!

Interessant wird es auch wenn man sich so die (deutsche) AntiFa anschaut… Diese weißt in der Tat im Moment sehr starke faschistische Tendenzen auf…Eigentlich müsste die nun sich selbst die Fresse wegtreten!

einLeser
einLeser
Reply to  niki
8 Monate zuvor

Ist die NSDAP wirklich so rechts gewesen

Wenn man links als „die Arbeiterklasse vertretend“ definiert, würde ich eine Partei, die diese spaltet, sei es jetzt in jüdische deutsche Arbeiter und „arische“ deutsche Arbeiter oder in ungeimpfte und geimpfte Arbeiter, definitiv als rechts definieren. Auch wenn man bedenkt, dass die NSDAP von den großen (nicht nur) deutschen Firmen finanziert wurde, passt es doch ins Bild, die Wut / Energie der Arbeiter auf andere Arbeiter umzulenken: eine gespaltene Arbeiterklasse kann ihre Interessen nicht vertreten.

Ich denke nicht erst seit der Corona-Krise ernsthaft, dass die deutsche “Mitte” sehr deutlich mit dem Faschismus liebäugelt

„Liebäugeln“ ist in meinen Augen eine deutlich zu euphemistische Umschreibung dessen, was hier gerade passiert. Ein Land, dessen Verfassungsschutzpräsident (welcher offensichtlich von der in der durch ihn zu schützenden Verfassung festgeschriebenen Versammlungs- und Meinungsfreiheit nicht viel hält) regierungskritische Demonstranten als „Staatsfeinde“ diffamiert, liebäugelt nicht mehr.

AntiFa anschaut… Diese weißt in der Tat im Moment sehr starke faschistische Tendenzen auf

Auch das ist m.M.n. nicht neu. Die deutsche ProFa hat schon 2014 während den Friedensdemonstrationen anlässlich der Ukraine-Krise die Friedensdemonstranten mit Gegendemos blockiert und als Nazis beschimpft. Wer dermaßen kriegsgeil ist, kann sich nicht ohne ernsthafte Persönlichkeitsspaltung als „Antifaschist“ bezeichnen.

niki
niki
8 Monate zuvor

Den Artikel von Margarete Stokowski konnte ich nur wirklich nicht mehr ertragen…

puh… Daran habe ich erst einmal zu knabbern!

Last edited 8 Monate zuvor by niki
ShodanW
ShodanW
Reply to  niki
8 Monate zuvor

Na ja, ich hab schon größeren Bullshit von ihr gelesen.

niki
niki
Reply to  ShodanW
8 Monate zuvor

Mag sein… Aber in dieser Sitaution in der wir uns alle befinden, ist das geradezu abgrundtief pervers…!

ShodanW
ShodanW
Reply to  niki
8 Monate zuvor

Mal weiterführend auf die Plattform: Spiegel und pervers, da kannst du alle Kolumnisten in einen Sack stecken und draufhauen, es trifft immer die Richtigen.

niki
niki
Reply to  ShodanW
8 Monate zuvor

Ja so ziemlich…. Selten gibt es mal einen Ausreißer! Aber ganz besonders schlimm empfinde ich diesen Lobo… Meine Fresse… Ich glaube wenn ich dem irgendwann mal persönlich begegne, muss ich mich extremst zurücknehmen oder am besten ganz schnell weg. Ansonsten würde ich mich u.U. strafbar machen!

Dieser Typ ist einer der schlimmsten Volksverhetzer! Das noch viel größere Problem ist, dass nichts dagegen rechtlich unternommen werden kann, gar bejubelt wird…!

ShodanW
ShodanW
Reply to  niki
8 Monate zuvor

OK, ich berichtige mich, du hast recht. Was Sybille Berg manchmal schreibt kann man gar akzeptieren. Und ein paar Feigenblätter. Lobo macht seinem Namen beinahe Ehre – ich denke da immer an Lobotomie.

niki
niki
Reply to  ShodanW
8 Monate zuvor

Na da sind wir uns doch einig…

Schwitzig
Schwitzig
Reply to  niki
8 Monate zuvor

So‘n Scheiß liest man ja auch nicht. Bei der „Autorin“ ist klar, dass die Pamphlete im Idealfall Sprachmüll und im Normalfall geisteskranke Hassreden sind.
Die Zeit, welche Du zum Lesen ihrer Elaborate verwendet hast, wäre weit besser investiert gewesen, wenn Du statt dessen Kotbällchen von freilaufenden Kaninchen zerbröselt hättest.

niki
niki
Reply to  Schwitzig
8 Monate zuvor

Hast ja recht…

Kotbällchen von freilaufenden Kaninchen zerbröselt

Und geraucht hätte…

ShodanW
ShodanW
8 Monate zuvor

Zu Gorillas reichten mir tatsächlich die paar Schlagzeilen, die ich las, um das übliche Abbild der New Economy zu erkennen. Uber, Lieferdienste allgemein, wir kennen es ja schon mittlerweile. Das Dienstleistungsgewerbe verkommt immer mehr zum Sklavendienst für eine wohlstandsverwahlloste Doppelmoralgesellschaftsgruppe der Marke Prenzlauer Berg. Stokowski fällt dadurch öfter auf, sie schreibt von Dilemma und fühlt jetzt wieder irgendwie hilflos, weil sie nicht weiß, warum eins zum anderen führt. Man kennt es nicht anders von ihr, keine Ahnung von den Realitäten da draußen, Wolkenkuckucksheim, Einhornblase, Wunschdenken. Aber Hauptsache, sie framt mal wieder die bösen Masken- und Impfverweigerer. Wer darf gerade nicht in die Läden? Das sind nicht die Ungeimpften, das sind die Geimpften, denen gerade die Hutschnur hochgeht. Das lässt sie natürlich weg. Und verstetigt somit prekäres Arbeiten, Liefern muss man ja schön weiter, also sollte man die Geschäftsmodelle lieber nicht kritisieren.

ChrissieR
ChrissieR
8 Monate zuvor

Guude!

Was bin ich froh, in Rente zu sein! Schon vor den Gorillas sind in Wiesbaden die Fahrrad-Kuriere und auch diverse Lieferdienste mit Sprintern wie die Affen durchs Kaff gebrettert und ich musste alle Fahrkünste aufbringen um die net mit dem Bus plattzubügeln!
Aber jedesmal dachte ich : Armer Teufel, Niedriglohnsklave, Scheiss-System!

niki
niki
Reply to  ChrissieR
8 Monate zuvor

ich gehörte vor zig Jahren mal zu den Fahrradkurieren…
Nicht in Wiesbaden, daher kenne ich die spzifische Situation nicht! In meinen Heimatkaff (60000 Einwohner) habe ich Medikamentenschnelllieferungen von einer Apotheke an div. Arztpraxen, Labore, Krankenhäuser & einzelen Patienten gemacht… Ich war deutlich schneller als wenn man mit dem Auto das gemacht hätte… E war damals noch nicht mal ein Traum… (Vor 32 Jahren)… Und mit Sicherheit sogar deutlich schneller als diejenigen damals. Was ich nicht schönreden kann, ist dass ich auch damals einige Verkehrsregeln missachtet habe… Oft war es aber für die eigene Sicherheit notwendig. Als Radfahrer ist es aber oft noch heute! Vielleicht oft auf den ersten Blick unverständlich… Aber glaube mir: Es erhöht die Sicherheit oftmals ungemein!

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  niki
8 Monate zuvor

Moin, ja… ich hatte immer Verständnis für die berufstätigen Rad /Mofa und Sprinterkuriere…Die Profis sind auch in der Regel zwar schnell, oft auch kriminell unterwegs- aber sie haben doch meistens mitgedacht ! Nur – mein Bus hatte gute Bremsen, wenn es knapp wurde – aber ich hatte halt immer Angst, dass mir dabei die berühmte alte Omma durch den Bus gesegelt kommt und dann am Oberschenkelhalsbruch ins Nirwana geht…was der betreffende Kurier weder gewollt noch mitbekommen hätte! Für Fussgänger und Zweiradfahrer war ich immer bremsbereit – dem Kollegen mit dem Sprinter wäre ich aber notfalls lieber reingebrettert als meine Fahrgäste hinzuschmeissen!
Schlimmer waren die privaten Radfahrer, die mich zum Bremsen zwangen und mir dann noch den Mittelfinger zeigten…oder auf ner engen Landstrasse mit separatem, gut ausgebauten breiten Radweg unbeleuchtet trotzdem auf der Fahrbahn fuhren…Wenn ich hier Fahrrad fahre, dann am liebsten durch den WAld,weg von der Landstrasse, da ist die Luft besser und ich werde nicht so überholt, dass ich den Aussenspiegel am Ellbogen spüre…

niki
niki
Reply to  ChrissieR
8 Monate zuvor

Ach weißt du, Chrissie… Mal wieder die alte Radweg-Diskussion… Auf beiden Seiten ist der Frust berechtigt… Denn Idoten gibt es auf beiden Seiten… Manchmal ist es so, dass man als Autofahrer gar nicht sieht wie beschissen der Radweg tatsächlich ist und keinesfalls diesen keinesfalls mit einem Rennrad nutzen täte. Glaub mir, dass ist so. Andersherum gibt es tatsächlich jede Menge Volidioten, wie du beschrieben hast, die selbst den besten Radweg ignorieren…

Ich beschreibe dir mal meinen Arbeitsweg. 13km: 12,5km davon Radweg… 9km davon in einem erbärmlichen Zustand… Mit meinen „Urbanbike“, Gravelbike oder MTB kann ich diese zu 95% fahren. 5% davon sind selbst mit dem MTB indiskutabel! Da fahre ich den rund 200m langen Abschnitt lieber auf der Straße. Selbst wenn ich dann angehupt werde. Mir egal: Meine Sicherheit ist es mir wert.
Mit meinen Rennrad fahre ich lieber einen 5km Umweg und umfahre diese Problemradwege, wovon es hier im Kreis einen Haufen gibt. Für Otto-Normal-Radfahrer halte ich diese für viel zu gefährlich. Dann kommen noch Hundebesitzer dazu. Mit denen müssen wir uns die Radwege teilen! Eine Katastrophe! Gefährlich hoch drei!

Wenn ich privat mit meinen Räder Sport mache, bin ich tatsächlich auch häufigsten mit dem Gravelbike (rennradähnliches Fahrrad welches auch für Schotterwege und leichtes Gelände geeignet ist) auf Feldwegen, Waldwegen oder kleinen Nebenstraßen unterwegs… Ist deutlich entspannter! Allerdings wiederum mit dem MTB muss man auch oft aufpassen. Da gibt es nicht selten verständnislose Wanderer und Idioten die ihre Hunde nicht unter Kontrolle haben!

Genug geschimpft auf die Radwege hier im Landkreis und allgemein in Niedersachsen…

Dagegen in den Nachbarlandkreisen in OWL sind diese im Durchschnitt deutlich besser. Klar gibt es da auch mal den einen oder anderen Scheißradweg. Aber deutlichst weniger. Und meistens gibt es da auch keine Benutzungspflicht.
Und merke: Ein Radweg benötigt keine Benutzungspflicht. Dieser muss nur gut genug sein. Dann benutzen diesen die Radfahrer, auch die mit Rennrädern, freiwillig sehr gern!

Janos
Janos
Reply to  niki
8 Monate zuvor

Eine Klingel und gute Bremsen (heute haben die meisten besseren Bikes Scheibenbremsen) leisten bei den meisten Wanderern, Hundebesitzern, Fußgänger, … gute Dienste egal mit welchem Bike man unterwegs ist. Mindestens genauso wichtig ist auch als Radfahrer das vorausschauende Fahren und Hand immer am Bremsgriff wenn andere Teilnehmer in der Nähe sind bzw. überholt werden. Rennräder sind im Alltag eher unpraktisch, da diese aufgrund der oft sehr dünnen Reifen unkomfortabel sind und gerade bei Nässe eine miserable Bremsleistung haben. Sportliches Radfahren ist mit jedem Bike möglich sofern man einen Pulsmesser benutzt.

Last edited 8 Monate zuvor by Janos
Brian
Brian
Reply to  niki
8 Monate zuvor

ich gehörte vor zig Jahren mal zu den Fahrradkurieren…

Me too.
Allerdings war ich wohl nicht so der typische Fahrradkurier. Zum einen hatte ich
nicht so wirklich viel Ahnung von Fahrrädern (nur das Allernötigste; die meisten
Kollegen waren da eher so die Bastler) und zum anderen war mir meine eigene
Gesundheit doch wichtig. D.h., ich war in vielen Situationen wahrscheinlich
vorsichtiger als manch anderer Kamikaze-Kollege. Dementsprechend hatte ich
in 5 Jahren auch so gut wie keine Verletzung, bei den anderen durchaus mehrere (Armbruch, vom Auto angefahren, mit dem Reifen in eine Schienenspur
geraten und einmal komplett langgemacht, etc.).
Einer der Gründe, warum ich das dann irgendwann an den Nagel gehängt habe,
war die zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr. Damals v.a. von den
Autofahrern. Mittlerweile gilt das für alle Verkehrsteilnehmer (selbst die
Fußgänger).

niki
niki
Reply to  Brian
8 Monate zuvor

Na glücklicherweise hatte ich mich nie bei den Kurierdiensten verletzt.
Nicht mal ein Sturz…

Später hatte ich ein paar Stürze beim MTB-Training mit div. unkomplizierten Knochenbrüchen… Nichts wildes glücklicherweise! Und spätestens nach 3 Wochen saß ich auch schon wieder auf dem Fahrrad 😉

Christa Meist
8 Monate zuvor

Solche „Dienste“ haben mich auf meinen aktuellen Leitspruch für den Alltag gebracht: „Selbermachen ist eine subersive Tätigkeit.“ Wenn man krank ist, nutzt einem das nichts. Trotzdem verweise ich z. Zt. gerne auf eine Zeit, die ich seltsamerweise überlebt habe: Eigene Vollzeitarbeit und Versorgung eines Zwei-Personenhaushalts mit einem sich dazu nicht verpflichtet fühlenden Lebensgefährten bei gesetzlichen Ladenöffnungszeiten zwischen 6 (nur die Bäcker!) bzw. 8 Uhr und 18 Uhr, samstags bis 14 Uhr. Es war zu schaffen. Ich weiß es.