Vorverurteilung als Lebenszweck: Sie kamen, sahen und verurteilten

Urteile über Menschen und Vorfälle werden heute in Windeseile getroffen. Kaum ist eine Nachricht raus, macht sich die Meute über die Beute her. Kann eine Gesellschaft so funktionieren?

Wir nähern uns dem Thema Vorverurteilung über die Beispiele Gil Ofarim, Julian Reichelt und über allgemeine Debatten über Antisemitismus, Rassismus und Sexismus.

Inhalt:

00.30 Sicherheit geht vor
03:50 Gil Ofarim: Was war da noch gleich los?
09:00 Der zentrale Satz, der alles verändert
12:30 Drei Optionen, sich bei Beschuldigungen zu verhalten
13:00 Wie kann man ein Urteil fällen, wenn man nichts weiß?
16:00 „Hoffentlich gehöre ich zu den Guten.“
17:30 Frankfurter Buchmesse abgesagt – wegen rechter Verlage
18:30 Rechts so, links zu sein
26:20 „Die LINKE“ in der Corona-Krise
30:30 Alice Weidel
31:30 Was (nicht) gesagt werden darf
32:00 Angeklagt: Julian Reichelt
37:00 Angeklagt: Der Hotelangestellte (im Fall Gil Ofarim)
42:30 Opfer, die recht haben oder: Beweisführung umgekehrt
49:30 „Den Sachsen muss man grundsätzlich nicht glauben.“
51:00 Aus der Geschichte nichts gelernt
52:00 Nachts ist es kälter als draußen
53:00 Die immer schlimmer werdende Vorverurteilung
54:30 3G am Arbeitsplatz in Österreich
55:00 Werbung/Hinweise in eigener Sache (Gunnar Kaiser, „Years an Years“, Rubrik „Glossen und Kurzgeschichten“ bei den #neulandrebellen, „Steady“ und andere Formen, um uns zu unterstützen, Traum einer Dame, Dank an unsere Stammleser, Kommentatoren und Hörer!)
01:05:00 Anzeige ist raus!
01:05:20 „Nimm mal die Kette da weg!“

Audioversion:

Diesen Beitrag ausdrucken
Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
24 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Percy Stuart
Percy Stuart
6 Monate zuvor

Apropos Kaiser Gunnar, zum Thema Transenhuma…, err, Transhumanismus gibts ein gutes Video von Arte von 2012 – Welt ohne Menschen :

https://www.youtube.com/watch?v=N8mQIzMBQtc

Mensch
Mensch
6 Monate zuvor

War’s das jetzt, mit diesem Gil Ofarim?

Seit dem 11.10. jetzt schon das dritte Mal.

…und die Vermischung mit Vergewaltigungsbeschuldigungen finde ich ehrlich gesagt äußerst unpassend. Tom hat’s zum Glück aufgegriffen und versachlicht.

Roberto J. De Lapuente
Reply to  Mensch
6 Monate zuvor

Für heute war es das, ja.

Roberto J. De Lapuente
Reply to  Mensch
6 Monate zuvor

Achso, was ich noch sagen wollte: Ehrlich gesagt finde ich das gar nicht mehr so wild, wenn jemand sagt, dass er etwas ehrlich gesagt unpassend findet. Dann ist das halt so. Meine Baustelle ist das ja nicht.

Mensch
Mensch
Reply to  Tom J. Wellbrock
6 Monate zuvor

@Mensch, du bist schon zuweilen etwas bizarr.

Einerseits beklagst du dich, wenn andere Kommentatoren „böse“ zu dir sind.
Andererseits teilst du ziemlich platt aus.

Ich beklagen mich nicht, wenn jemand „böse“ zu mir ist.

Wenn Du das meinst, gar dass ich deshalb zuweilen bizzar bin und mitunter platt austeile, ist das halt Deine Meinung, die ich Dir zugestehe.

Dreimal diesen Gil Ofarim mit seiner Hotelgeschichte in so kurzer Zeit zu thematisieren, halte ich bei Weitem für des Guten zu viel.

Für mich ist das „ne-Furz-im-Wind-Geschichte“, bei der zudem nicht wirklich jemand geschädigt wurde.

Vergewaltigungen mit so einem Scheiß, bei dem sich jemand beleidigt gefühlt hatte, zu vermischen ist unpassend. Das könnt‘ ihr gern drehen und wenden wie ihr wollt. Besser oder gar richtig und zutreffend, wird’s aber nie.

Dazu stehe ich. Auch dann, wenn ihr kübelweise Scheiße über mir auskippt und hier alle Hurra schreien.

Roberto J. De Lapuente
Reply to  Mensch
6 Monate zuvor

Dreimal diesen Gil Ofarim mit seiner Hotelgeschichte in so kurzer Zeit zu thematisieren, halte ich bei Weitem für des Guten zu viel.

Dir ist klar, dass das der Aufhänger war, quasi die Kette – es ging uns um was Größeres.

Percy Stuart
Percy Stuart
Reply to  Roberto J. De Lapuente
6 Monate zuvor

Doch nicht etwa das was gross in der Überschrift stand ?

Mensch
Mensch
Reply to  Roberto J. De Lapuente
6 Monate zuvor

Dir ist klar, dass das der Aufhänger war, quasi die Kette – es ging uns um was Größeres.

Du beweist mit diesem Gil-Spruch echt Humor😃

…und nu is gut, lieber Roberto und lieber Tom!

Ich bin echt Fan von euch. Echt! Ganz im Ernst! Ich schwör’s, auf wen auch immer!!!

…nur was ich nicht kann, ist euch in den Arsch zu kriechen, mich einfach ohne eigene Meinung immer nur anzubiedern.

Ich erlaube mir trotz, dass ich euch sehr, sehr schätze, durchaus auch hier und da mal anzumerken, wenn ich was nicht ganz so dolle bzw gelungen finde.

…was aber keineswegs heißen soll, dass ich meine stets unumstößlich richtig zu liegen. Ich bin nur ein Mensch.

niki
niki
Reply to  Mensch
6 Monate zuvor

Natürlich ist eine Vergewaltigung noch einmal eine ganz andere Hausnummer…
Aber warum ist es eine Vermischung, wenn es rechtlich gesehen die gleichen Umstände zur (Nicht-)Urteilsfindung vor Gericht hat?
Ohne Zeugen und/oder Beweise (genügend schwerwiegende Indizien) keine Verurteilung… Alles andere wäre tatsächlich eine Rückkehr in die Zeit der Inquisition!
So schlimm eine Vergewaltigung auch ist… Deswegen aber grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien wieder aufgeben??!
Oder ich gehe noch weiter: Selbst bei den aller widerlichsten Verbrechen darf NIEMALS eine Beweislastumkehr gelten!
Es ist übel genug dass bei Hartz4-Beziehern oder ähnlichen Fällen es teils schon eine Beweislastumkehr gilt. Letzteres wäre unbedingt auch abzustellen!

Der Fall Gil Ofraim ist meiner Meinung nach ein Symptom der Hysterie rund um den Antisemitismus und der allgemeinen Wokenesswelle… Letztere wird uns möglicherweise tatsächlich den Rechtsstaat kosten!

Mensch
Mensch
Reply to  niki
6 Monate zuvor

Natürlich ist eine Vergewaltigung noch einmal eine ganz andere Hausnummer…

Das ist nicht nochmal eine ganz andere Nummer. Das ist eine gänzlich andere Nummer!

Was immer Du mir meintest vermitteln zu wollen, es ist gänzlich in die Hose gegangen. Würdest Du Frauen oder Mädchen kennen, die an der Nichtverurteilung ihres Vergewaltigers und an der Erniedrigung bei der Verhandlung zerbrochen sind – evtl. gar für den Rest ihres Lebens -, würde ich annehmen, dass Du Dich hier nicht so geäußert hättest.

Ich habe von Richtern gelesen, die ihren Töchtern im Falle von einer Vergewaltigung eindringlich anraten keine Anzeige zu erstatten, denn dass sie dann vor Gericht noch einmal unfreiwillig gef**** werden, davon muss leider ausgegangen werden.

Um es ganz deutlich zu sagen: Würde meine Tochter oder meine Frau mir erzählen, dass sie vergewaltigt wurde und der Täter würde freigesprochen werden, würde ich ihn töten. Da wäre ich ganz Barbar.

Meine Lunte ist übrigens nicht so kurz wie Deine. Du reagierst ja selbst auf hier geäußerte Banalitäten mit Gewaltandrohungen, spielst Dich nun aber hier als Verteidiger des Rechtsstaats auf. Gut, ich muss ja nicht alles verstehen…

BTW: Würde mir meine Tochter oder meine Frau erzählen, dass sie irgendwer in einem Konflikt blöde Fo*** genannt hätte, würde ich sagen, dass der Typ offensichtlich keine Manieren hat und empfehlen ihn zukünftig zu ignorieren.

niki
niki
Reply to  Mensch
6 Monate zuvor

Du hast wirklich NICHTS verstanden… Aber auch gar nichts!

ShodanW
ShodanW
6 Monate zuvor

Die Stunde habe ich wieder in vollen Zügen genossen.

Bisher habe ich mich nicht zum Fall Gil Ofarim geäußert, weil ich das wieder für eine ziemliche Nebelkerze halte. Viel Selbstbeweihräucherung und gleichzeitig -bemitleidung – das Gejammer ist mittlerweile nur noch nervig, egal zu welchem Trendthema das gerade wieder passen mag. Das größte Problem sehe ich dann darin, dass die Opferkultur so weit geöffnet ist, dass man sich bei Bedarf gleich darin verstecken kann. Bei Feminismus und Sexismus etwa haben wir ja auch Fälle von erfundenen Vergewaltigungen, auch hier wird gerne mal mit gespielt, was dann wiederum die wahren Opfer verhöhnt. Ich habe den Eindruck, dass nicht wenige unter dem Kalkül, dass einem Anteilnahme sicher ist, wenn man sich nicht zu blöd anstellt und es in die Richtung treiben kann. Wenn man weiß, dass der Shitstorm auf Twitter schon eine Art Automatismus ist, braucht man eben nur ein Knöpfchen zu drücken.

Die Sache Reichelt ist auch dubios. Dazu gab es letztens einen sehr interessanten Artikel in der Berliner Zeitung, und das deckt sich ziemlich mit Investmentdenken, Marken profitabler zu machen, was natürlich auch impliziert, das Image aufzupolieren. Reichelt war darin der Schandfleck, und Döpfner musste ihn zum Bauernopfer erklären, daher wohl auch die anfängliche Gnadenfrist.

Den Text kopiere ich in den nächsten Kommentar, ist hinter Bezahlschranke

https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/springer-wird-gemanagt-wie-eine-pommesbude-warum-kkr-julian-reichelt-absaegte-li.190318

ShodanW
ShodanW
6 Monate zuvor

Die Stunde habe ich wieder in vollen Zügen genossen.

Bisher habe ich mich nicht zum Fall Gil Ofarim geäußert, weil ich das wieder für eine ziemliche Nebelkerze halte. Viel Selbstbeweihräucherung und gleichzeitig -bemitleidung – das Gejammer ist mittlerweile nur noch nervig, egal zu welchem Trendthema das gerade wieder passen mag. Das größte Problem sehe ich dann darin, dass die Opferkultur so weit geöffnet ist, dass man sich bei Bedarf gleich darin verstecken kann. Bei Feminismus und Sexismus etwa haben wir ja auch Fälle von erfundenen Vergewaltigungen, auch hier wird gerne mal mit gespielt, was dann wiederum die wahren Opfer verhöhnt. Ich habe den Eindruck, dass nicht wenige unter dem Kalkül, dass einem Anteilnahme sicher ist, wenn man sich nicht zu blöd anstellt und es in die Richtung treiben kann. Wenn man weiß, dass der Shitstorm auf Twitter schon eine Art Automatismus ist, braucht man eben nur ein Knöpfchen zu drücken.

Die Sache Reichelt ist auch dubios. Dazu gab es letztens einen sehr interessanten Artikel in der Berliner Zeitung, und das deckt sich ziemlich mit Investmentdenken, Marken profitabler zu machen, was natürlich auch impliziert, das Image aufzupolieren. Reichelt war darin der Schandfleck, und Döpfner musste ihn zum Bauernopfer erklären, daher wohl auch die anfängliche Gnadenfrist.

Den Text kopiere ich in den nächsten Kommentar, ist hinter Bezahlschranke

Percy Stuart
Percy Stuart
6 Monate zuvor

Ein etwas tiefergehender ins deutsche übersetzter Artikel von Charles Eisenstein zum selben Thema, warum „Opfer“ benötigt werden und woher dieser Zwang zur Verurteilung kommt, und warum uns das alles bekannt vorkommen sollte.

https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-mobmoral

Spartacus
Spartacus
6 Monate zuvor

Das war ein prima Gespräch, in dem viele Dinge in einer Art diskutiert wurden, die in den Systemmedien verloren gegangen ist bzw. in vermeintlich seriösen Spartenkanälen und Zeitschriften nur noch simuliert, vorgetäuscht wird.

Eine, hier vorgebrachte, unsachgemäße Vermischung kann ich nicht feststellen, da ich, abgesehen von den möglichen strafrechtlichen Konsequenzen, keinen Unterschied erkenne, wenn mich jemand fälschlicherweise öffentlich als Antisemit oder als Grabscher/Vergewaltiger hinstellt. Im Gegenteil sorgen gerade die InquisitorInnen für unzulässige Vermischungen, indem sie jeden Vorgang, gleichgültig ob banal oder erschreckend, unter den gleichen Obergriff subsummieren, um daraus ein K.O.-Kriterium zu machen. Der Vergleich mit der Inquisition ist ebenfalls zutreffend. Ich lese gerade eine alte historische Erzählung, in der genau der angesprochene Aspekt beschrieben wird. Die Beschuldigung ist schon der Beweis der Schuld. Je mehr man auf seiner Unschuld beharrt, umso schlimmer wird die Strafe.

Ich kann ohnehin empfehlen, alte Bücher und Texte zu lesen, da man daraus mehr über den tatsächlichen Zustand unserer Gesellschaft ableiten kann, als aus den meisten aktuellen Texten. Es wird interessant sein, zu sehen, wie die nächste Stufe (Folter) in der modernen Gesellschaft aussehen wird. Im Moment nähern wir uns schon dem Umerziehungslager. Dazu ein Beispiel aus der Sportwelt, die aufgrund von Verflechtung mit Medien und Kapital ein guter Indikator für die allgemeine Entwicklung ist. (Ganz aktuell siehe Kimmich)

Bei einem Europapokalspiel der letzten Saison, Paris vs. Istanbul, brachen die Spieler die Party aufgrund von Rassismus eines Schiedsrichters ab. Was war passiert?
Die Istanbuler Betreuer hatten sich nach einer Entscheidung wohl recht wild aufgeführt, woraufhin der Schiri einen auf die Tribüne schickte. Sie wußten aber nicht, welcher gemeint war, fragten nach und der rumänische Schiedsrichter sagte „negru“, was in seiner Sprache „der Schwarze“ bedeutet. Aber er wurde des N-Wortes bezichtigt. Anscheinend versuchte man den Spielern den Sachverhalt zu erklären, worauf dann der Standpunkt vertreten wurde, bei einem Weißen hätte er es ja auch nicht so gesagt. Macht natürlich auch keinen Sinn es so zu sagen, wenn es drei weiße und einen schwarzen Betreuer gibt. Aber das war egal, man wollte sich halt rassistisch beleidigt fühlen. Das Spiel wurde am nächsten Tag mit anderen Schiedsrichtern fortgesetzt.
Und der Schiri bekam eine Verhandlung bei der UEFA. Da kam man wohl eigentlich zu dem Schluß, daß man ihm nichts vorwerfen kann, schließlich kann er nichts für seine Sprache, aber es wurde ihm auferlegt an einem Anti-Rassismus-Training teilzunehmen.

Noch ein paar Worte zu links und rechts. M.e. ließe sich schon herausarbeiten, was eigentlich links und was rechts ist, zumindest in etwa. Das Problem ist, daß die Zuschreibung „links“ einfach übernommen wird, ohne Prüfung des substanziellen Gehalts. Anders gesagt: Ich fühle mich bspw. diffamiert, wenn man die Grünen als links bezeichnet. Das einzig linke an den Grünen ist ihr Eintreten für Menschenrechte, ansonsten gibts da gar nix, das Soziale ist doch fast nur noch Etikette, siehe Göring-Eckhardt, die der Meinung ist, daß die Tafeln doch beweisen, wie gut unsere Solidargesellschaft funktioniert. Hinzu kommt noch, daß die Universalität der Menschenrechte bei den Grünen zunehmend negiert wird, weil sie anscheinend für weiße christliche oder atheistische Männer nur eingeschränkte Gültigkeit haben (wie z.B. die Unschuldsvermutung).

Und noch ein Wort zur Reichel-Geschichte. Daß der Typ ein Arxxx ist, muß doch jedem klar sein, das ist ja Einstellungsvoraussetzung für seinen Posten. Ansonsten: Wie ihr schon richtig festgestellt habt, nix genaues weiß man nicht. Und es gibt Männer die Macht nutzen, um Sex zu haben und es gibt Frauen, die Sex nutzen, um sich Vorteile jeglicher Art zu sichern.

OH
OH
6 Monate zuvor

 Die „neulandrebellen“ sind auf bestem Weg, meine Lieblingsseite zu werden. Nicht allein wegen gelungener, interessanter Artikel und Podcasts, sondern auch wegen des, hm, wie nennt man das? „zivilen“ Forums, leben und leben lassen (oder auch „live and let die“ (007)).

Zum „Fall Ofarim“ habe ich mich schon an anderer Stelle geäußert, dass will ich hier nicht wiederholen. Abi und Esther Ofarim waren mir in meiner Jugendzeit ein Begriff, da hörte ich manchen Song von ihnen, vermutlich im Fernseher meiner Eltern (Hitparade?), in meinem Zimmerradio hatte ich AFN (Wolfman Jack) eingestellt, da wurden sie, glaube ich, nicht gespielt. Gil Ofarim kannte ich bis dato nicht.

Bei diesem Fall soll es laut „social media“ um „Antisemitismus“ gehen. Antisemitismus ist ja gerade en vogue bei Rot-Rot-Grün und Schwarz-Braun sowie der Dementia-Deu-Stiftung (oder wie die heißt), wer nicht deren Duktus folgt, ist automatisch Antisemit. Man könnte sich ja mal fragen, wer oder was ein „Semit“ sein soll.

Laut Wikipedia:
„Zu den Semiten zählen die Amharen, Tigrinya, Araber, Hyksos, Malteser, Minäer, Sabäer, Amoriter, Ammoniter, Akkader/Babylonier/Assyrer/Aramäer, Hebräer, Kanaaniter, Moabiter, Nabatäer, Phönizier und Samaritaner.“

Da muss ich mal fragen: Wie sind eure konkreten Erfahrungen mit Antisemitismus? Damit habe ich selbst keine persönliche Erfahrung. Ich weiß aus Film und Literatur darum, aber nicht aus persönlicher Erfahrung. Im Lauf meines Lebens habe ich Berichte darüber gehört/gelesen/gesehen, am beeindruckendsten „Shoa“ von Claude Lanzmann, diese Dokumentation sollte jede/r gesehen haben. Auch um zu wissen, wie Massenvernichtung praktisch umgesetzt wird, ein all-time aktuelles Thema.

Die Schriften von Uri Avnery (der war auch mal beim „Libertären Forum“ in Berlin) lese ich gerne (Präsens, weil ich sie noch nicht alle gelesen habe). Seine Schriften sind geprägt vom Geist des Friedens und der Versöhnung, des Sich-Verständigens zwischen Israelis und Palästinensern und eine Ohrfeige für die bundesrepublikanischen Transatlantiker, die jede Kritik an der kriegerischen Politik der proamerikanischen israelischen Regierung als „Antisemitismus“ gewertet sehen wollen (auch, weil sie über keinerlei Argumente zur Legitimation ihrer Hetze verfügen).

Erfahren habe ich Gehässigkeiten und Benachteiligungen von Roma/Sinti. Ein Freund von mir gehörte zur Gruppe der „Zigeuner“. In der Schule gemobbt, von Lehrer/innen benachteiligt und drangsaliert, vor versammelter Klasse verspottet. Kind das ich war, wusste ich nicht, wie man dagegen hätte vorgehen können (immerhin erhielt ich 11 Klassenbucheinträge als Dokumentation meines Widerwillens). Aber dieses Erlebnis hat sich mir tief eingebrannt. Mit ein Grund, weshalb meine grundsätzliche Ausrichtung links-libertär ist, ich dennoch keine „Berührungsängste“ mit demokratischen Konservativen habe oder, anders gesagt, mir die politische Ausrichtung von irgendwem egal ist, Hauptsache – tja, da fehlt mir wieder ein Wort, „human“, „menschlich“ kann ich nicht verwenden, angesichts der Totschlägerei dieser „humanen Menschen“ – hm, lebensfreundlich?

Die herrschende, argumentationsfreie und in keiner Weise auf wissenschaftliche Erkenntnisse rekurrierende Propaganda bedient sich der Beleidigungen: „Corona-Leugner“, „Impfverweigerer“, „Querdenker“ (ach, komm!), „rechtsoffen“ und „Antisemit“. Das ist doch schmählich für eine Gesellschaft, wenn solche bestbezahlten Popanze herumtollen und Unsinn verzapfen können. 10.000 € pro Monat reichen Abgeordneten nicht, das bezeichnen sie als „Diät“. Lächerlicher kann man sich nicht machen. Welches Körperteil bei denen offen steht und welches Organ denen fehlt, könnt ihr euch selbst denken.

Zum Thema „rechts-links“ empfehle ich mal wieder „politicalcompass.org“:
Stalin links, Hitler mittig, Pinochet rechts. Ist doch interessant, das über Jahrzehnte hinweg bundesrepublikanische Parteien „Mitte“ sein wollten. Und wenn man die Entwicklung der letzten 10-15 Jahre anschaut: alle nach rechts, Richtung Pinochet.

ShodanW
ShodanW
6 Monate zuvor

Danke an euch beide für eine unterhaltsame Quasselstunde 🙂

Ehrlich gesagt tangiert mich das Ofarim-Thema nicht besonders, weil ich die Faxen dicke habe von selbstbemitleidenden Social Media-Heulsusen. Und wer hier Davidsterne instrumentalisiert geschweige denn irgendwas mit Judentum und Antisemitismus, lässt sich für meine Begriffe sehr leicht einordnen: Alles, was Shitstorm-Potenzial hat, wird auch genutzt. Wenn man die Meute hinter sich weiß, kann man auch Situationen künstlich verzerren und zu seinem Vorteil nutzen. Die Aufmerksamkeit ist ihm jedenfalls nicht mit seiner Kunst sicher, sondern durch das Reizthema. Eigentlich verhöhnt es auch die wahren Opfer.

Zur Causa Reichelt passt auch ein toller Artikel in der BZ, da habt ihr auch passend angesprochen, dass der Sex-Vorwurf nur vorgeschoben erscheint.

https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/springer-wird-gemanagt-wie-eine-pommesbude-warum-kkr-julian-reichelt-absaegte-li.190318

Last edited 6 Monate zuvor by ShodanW
ShodanW
ShodanW
Reply to  ShodanW
6 Monate zuvor

Der Artikel in Gänze, weil Plus-Artikel:

Berlin – Der Fall von Julian Reichelt beschäftigt in dieser Woche die deutsche Medienlandschaft. Von einem „System Reichelt“ ist in vielen Medien dabei die Rede. Mutmaßliche sexuelle Affären am Arbeitsplatz mit Untergebenen und Machtmissbrauch haben Reichelt den Job gekostet. Den Stein ins Rollen brachte ein Artikel der New York Times, in dem der Medienjournalist Ben Smith den Sachverhalt erstmals einem internationalen Publikum bekannt machte. Bemerkenswert: Der Artikel der New York Times enthielt zwar einige neue Informationen, aber die wesentlichen Fakten waren – zumindest in der deutschen Presse – zuvor bereits hinlänglich bekannt. 

Und die Sache schien für den deutschen Medienkonzern auch schon im Frühjahr erledigt. Denn Reichelt hatte sich damals einer internen Untersuchung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe unterzogen und war bereits im März 2021 für die Dauer von 12 Tagen vom Dienst suspendiert worden. Danach konnte er seine Arbeit als Chefredakteur wiederaufnehmen. Die internen Ermittlungen wurden damals im Auftrag des Axel-Springer-Konzerns von der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Freshfields geleitet. In seinem Artikel in der New York Times zitiert Smith dabei aus dem Ermittlungsbericht.

Mindestens für Freshfields ist der Vorgang unangenehm, denn es entstand der Eindruck, dass interne Ermittlungsergebnisse nicht unter Verschluss gehalten werden konnten. Nach Informationen des Branchendienstes Juve wurden die Ermittlungen zu Beginn des Jahres von der auf Compliance-Fälle spezialisierten Rechtsanwältin Simone Kämpfer geleitet. Auf Nachfrage der Berliner Zeitung am Wochenende wollte Freshfields den Sachverhalt nicht kommentieren.

Wer bei Springer wirklich das Sagen hat

Am Montag gab die Axel Springer SE dann bekannt, dass Reichelt mit sofortiger Wirkung beurlaubt wurde. Als Grund dafür werden neue Erkenntnisse genannt, die im Zuge von Presserecherchen bekannt geworden sein sollen. Der Chefredakteur der Bild-Zeitung soll laut Pressemitteilung des Konzerns „Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt“ haben. Demnach soll Reichelt auch nach Abschluss eines Compliance-Verfahrens weiterhin ein problematisches Verhalten gezeigt haben.

Der gesamte Vorgang wirft Fragen auf: Warum wurde die Entscheidung in der Causa Reichelt jetzt aufgrund einer eher dünnen investigativen Recherche revidiert? Wie kommt es, dass ein eigentlich ausrecherchierter Sachverhalt nun doch dazu führt, dass der Chefredakteur seinen Job verliert? Und welche Rolle spielt die Investmentfirma KKR, die größter Anteilseigner bei Axel Springer ist, bei der Absetzung von Reichelt?

Wer verstehen will, warum es in der „Causa Reichelt“ so eine spektakuläre Wende gab, sollte sich weniger auf die Person Reichelt und sein individuelles Fehlverhalten konzentrieren, sondern eher auf die Unterschiede in der Compliance-Kultur in den USA und Deutschland und darauf, wer im Springer-Konzern derzeit wirklich das Sagen hat.

Deutschland ist in Compliance-Fällen ein Entwicklungsland

Über die Causa Reichelt schreibt die erfahrene Journalistin Bettina Gaus in ihrer Kolumne für den Spiegel vom Donnerstag: „Wenn jetzt jedoch einvernehmliche sexuelle Beziehungen pauschal als ‚Machtmissbrauch‘ eingestuft werden, dann entmündigt das diejenigen, die in der beruflichen Rangordnung unten stehen.“ Gaus warnt damit implizit vor amerikanischen Verhältnissen, in denen jedwede private Beziehung am Arbeitsplatz als problematisch gebrandmarkt wird. Auch New-York-Times-Reporter Smith soll gegenüber der Zeit geäußert haben, dass Reichelt in den USA schon dann seinen Job verloren hätte, wenn nur 5 Prozent der Vorwürfe gegen ihn ans Licht gekommen wären.

Tatsächlich sind private Beziehungen am Arbeitsplatz auch in den USA nicht verboten, aber sie werden nicht erst seit #MeToo deutlich stärker reguliert. In New York sind Arbeitgeber mit 15 oder mehr Beschäftigten dazu verpflichtet, jährliche Schulungen zur Prävention von sexueller Belästigung für alle Beschäftigten durchzuführen. Im Rahmen von Video-Seminaren müssen die Mitarbeiter dabei etwa entscheiden, welche Fälle von missbilligtem Verhalten sie der Personalabteilung melden würden. Die Teilnahme an solchen Schulungen ist – zumindest im Bundesstaat New York, in dem auch KKR seinen Sitz hat – gesetzlich verpflichtend.

Diese Praxis ist nur ein Beispiel dafür, wie sich die Verhältnisse in Unternehmen in den USA beim Thema Compliance, also den Mechanismen in Unternehmen, die Gesetzesverstöße und unethisches Verhalten der Mitarbeiter verhindern sollen, unterscheiden. Wer sich mit dem Wirtschaftssystem in Deutschland heute auseinandersetzt, der kann in Hintergrundgesprächen viel darüber lernen, welche Kultur heute immer noch in deutschen Chefetagen herrscht. Hinter vorgehaltener Hand gilt Deutschland etwa bei Juristen, die sich auf Compliance-Fälle spezialisiert haben, regelrecht als Entwicklungsland. In vielen Firmen herrsche eine Führungskultur wie in den 70er-Jahren: „Mad Men“ in Gütersloh und Berlin.

Für KKR ist Springer das wichtigste Investment

Und das liegt nicht nur an der Mentalität deutscher Manager und Firmenpatriarchen, denn im Gegensatz zu den USA und den meisten EU-Mitgliedsstaaten gibt es in Deutschland kein Gesetz, das Unternehmen und Organisationen dazu verpflichtet, ab einer bestimmten Größe praktische Compliance-Maßnahmen einzuführen. Wie ein Unternehmen Compliance-Maßnahmen umsetzt, liegt in Deutschland alleine im Ermessen der Unternehmensleitung. Das hat zur Folge, dass deutsche Vorstände meist nicht selbst auf die Idee kommen, ein Compliance-System zu etablieren, sondern erst durch äußere Anlässe, wie Presseskandale und die Übernahme durch ausländische Investoren, dazu gedrängt werden, sich hohen Compliance-Standards zu unterwerfen. Und genau die Kombination zweier äußerer Anlässe führte jetzt offenbar dazu, dass der Springer-Vorstand seinen prominentesten Arbeitnehmer entlassen musste.

Seit 2019 die New Yorker Investmentfirma KKR (die Abkürzung steht für die Gründungspartner Kohlberg, Kravis und Roberts) bei der Axel Springer SE eingestiegen ist, hat sich das Medienhaus stark gewandelt. In Deutschland ist KKR derzeit auf einem Wachstumskurs und in zahlreichen Branchen investiert, der Rüstungshersteller Hensoldt ist genauso Teil des Portfolios wie die Film- und Fernsehproduktionsfirma Leonide, zu der auch die Produktionsfirma von Günther Jauch gehört. Das wichtigste Investment bleibt aber Axel Springer. 

Zukäufe gab es viele

KKR hält derzeit über 35,9 Prozent der Anteile an der Axel Springer SE, zusätzlich hat sich KKR ein Vorkaufsrecht auf die Aktien von Ariane Melanie Springer und Axel Sven Springer gesichert. Die Enkel des Verlagsgründers Axel Springer halten zusammen etwa 6 Prozent der Anteile. Wie eng KKR mit dem Management von Axel Springer vor der Übernahme der Anteile zusammengearbeitet hat, illustriert das Beispiel von Andreas Wiele. Er war vor der Übernahme fast 20 Jahre lang als Vorstandsmitglied für Axel Springer tätig und betreute zuletzt vor allem das stark wachsende und profitable Digitalgeschäft (u. a. Stepstone, Immowelt, Immonet), das mittlerweile 60 Prozent des Konzernergebnisses einspielt.

Nahezu zeitgleich zur Bekanntgabe der Übernahme durch KKR wechselte Wiele als Manager zu KKR. Die KKR-Managerin Franziska Kayser, die für KKR auch im Springer-Aufsichtsrat sitzt, hat bereits auf den Münchener Medientagen 2019 deutlich gemacht, dass es – in Übereinstimmung mit der Verlegerin Friede Springer und Axel-Springer CEO-Mathias Döpfner – von Anfang an das Ziel war, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. „Dann wird es viel einfacher sein, zu investieren, sei es über Zukäufe […] oder organisch“, so Kayser.

Und Zukäufe gab es viele. Derzeit investiert Axel Springer vor allem in den USA. Nach der Übernahme der News-Plattform Business Insider, die bereits 2015 für 343 Millionen Dollar abgeschlossen wurde, wurde unlängst auch der Newsletter-Service Morning Brew gekauft. Die jüngste Übernahme des auf Politiknachrichten spezialisierten Portals Politico für 630 Millionen Euro passt da ins Bild.

US-Amerikaner stufen deutsche Unternehmen als „rückständig“ ein

Das Geschäftsmodell von Firmen wie KKR funktioniert im Normalfall so: Die Firma kauft sich in bereits bestehende Unternehmen – marode Mittelständler, aber auch angeschlagene Medienkonzerne – ein und versucht, den Marktwert der gekauften Unternehmen über eine Zeit von fünf bis zehn Jahren maximal zu steigern und dann seine Anteile mit Gewinn zu veräußern. Und ausgerechnet diesen Expansionskurs sieht KKR bei Springer als gefährdet, denn Hedgefonds- und Private-Equity-Firmen reagieren mittlerweile äußerst sensibel auf geschäftsschädigende Skandale wie den Fall Reichelt.

Spricht man dieser Tage mit Brancheninsidern, bekommt man ein klares Bild davon, warum Julian Reichelt für Springer aufgrund eines Artikels in den USA jetzt plötzlich gehen musste. Die Berliner Zeitung am Wochenende hat mit einem erfahrenen Manager* einer US-Investmentfirma gesprochen, der mit den Verhältnissen in Deutschland und den USA bestens vertraut ist: In der Sache Reichelt habe allein der Umstand, dass jetzt erstmals ein bedeutendes US-Medium über den Sachverhalt berichtet habe, dazu geführt, dass KKR den Vorstand von Axel Springer so unter Druck gesetzt habe, dass man Reichelt sofort und „besser gestern als heute“ abgesetzt habe.

Zuvor sei über den Skandal eben nur im „unbedeutenden“ deutschen Markt berichtet worden. Das KKR-Management habe natürlich umfassend Kenntnis von der Sache gehabt, aber eben wohl nicht die Investoren. Durch die Berichterstattung in der New York Times habe sich das geändert. Der Grund, so der Experte, sei dabei nicht nur der Fall selbst, sondern die Tatsache, dass internationale Manager das Gebaren deutscher Konzerne zunehmend als „rückständig“ einstufen.

„Guilty until proven innocent“

Der Diesel-Skandal, Wirecard, der Bordell-Skandal der Ergo-Versicherung oder die mangelhafte Aufklärung durch Freshfields beim DFB offenbarten „Klüngelei und Amigo-Wirtschaft in der Deutschland AG“. „Springer wird gemanagt wie eine Pommesbude“, sagt der Experte.

Verhalten, das vor zehn noch zum guten Ton unter Managern galt, werde heute vor allem von amerikanischen Investoren immer weniger geduldet: „Investoren sagen, wir vertrauen euch Hunderte von Millionen Dollar an, und ihr habt euren Laden nicht im Griff.“ Die Folge: Firmen ohne Compliance-Kultur kommen immer schwieriger an Investorengelder. 

Die Branche sei vor allem in den USA und bei institutionellen Anlegern, wie etwa staatlichen Pensionsfonds, wegen #MeToo und anderer Skandale so sensibel geworden, dass sich bei Fällen von Machtmissbrauch am Arbeitsplatz inzwischen die Beweislast umgekehrt habe, sagt der Experte: „Guilty until proven innocent.“

Und genau so eine Konstellation gibt es auch bei Axel Springer. Denn nicht nur KKR ist bei Axel Springer investiert. 12,9 Prozent der Anteile gehören inzwischen dem staatlichen kanadischen Rentenfonds CBBIP, der die Rentenbeiträge der Kanadier weltweit anlegt. Und gerade für solche Investoren ist nichts wichtiger als Ruhe und stabile Renditen. Auch CBBIP wollte den Vorgang auf Nachfrage nicht kommentieren. Aber ein Blick auf die Website des Anlegers gibt Aufschluss: CBBIP verpflichtet sich selbst dazu, auf Nachhaltigkeitskriterien beim Investieren zu achten. Die Folge: Die Vorstände der Portfolio-Unternehmen werden entsprechend dem Grundsatz stark unter Druck gesetzt. 

Ein Bauernopfer in einem größeren Spiel?

Wie stark der Druck auch auf den Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner nach dem Einstieg von KKR angewachsen ist, zeigt die Causa Reichelt wie unter einem Brennglas. Sah es lange so aus, dass der Vorstandsvorsitzende Döpfner – der von der Verlegerin im September 2020 Anteile im Wert von mehr als einer Milliarde Euro als Schenkung übernahm und der heute 21,9 Prozent am Konzern hält – zum mächtigsten Player und zum König des Konzerns aufgestiegen war, zeigen vor allem die Entwicklungen der vergangenen Tage, dass er heute nicht mehr frei im Konzern agieren kann.  

Auch wenn das Vertrauensverhältnis zwischen Friede Springer, Mathias Döpfner und ihrem Chefredakteur Julian Reichelt lange Zeit als unzerstörbar galt und wohl offenbar auch noch besteht, ist die Macht der drei im Konzern mittlerweile nicht mehr so groß, dass sie sich dem Einfluss von KKR entziehen können. Auch wenn die vor ein paar Tagen geleakten SMS von Döpfner, in denen er Reichelt als einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat aufbegehre, reicht seine Macht offenbar nicht mehr, um Reichelt vor dem langen Arm von KKR zu schützen.

Und auch wenn sich am Kern der Anschuldigungen gegen Julian Reichelt in dieser Woche wenig änderte, wirkt die Entlassung von Deutschlands einst mächtigstem Journalisten mehr und mehr wie ein Bauernopfer in einem größeren Spiel. In seinem Bericht für die New York Times beschreibt Smith Döpfners Geschäftsgebaren als „hinterhältig“, dabei ist die Politico-Übernahme für sich genommen geschäftlich nicht zu beanstanden. Der Medienmarkt in den USA ist hart umkämpft. Oder warum erscheint Smiths Artikel in den USA ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als bekannt wird, dass Axel Springer mit der Übernahme des Politmediums Politico groß in den US-Medienmarkt einsteigen will?

niki
niki
Reply to  ShodanW
6 Monate zuvor

Ehrlich gesagt tangiert mich das Ofarim-Thema nicht besonders, weil ich die Faxen dicke habe von selbstbemitleidenden Social Media-Heulsusen.

Wenn man etwas zwischen den Zeilen liest wird man feststellen, dass der Gil Ofarim nicht wirklich das Hauptthema ist, sondern warum zur Zeit die Gesellschaft dermaßen hysterisch und wie ein Mob da draußen reagiert! G.O. versucht das nur für seine Public Relations auszunutzen und glücklicherweise stellt er sich dabei ziemlich dumm an…
Man könnte ja annehmen mit den Beweis das G.O. gelogen hat, wäre es vorbei, aber da gibt es noch diese woken Holzköpfe… Und um genau letztere geht es im Grunde genommen wirklich!