Experten an die Macht?

Primat der Politik oder virologisches Expertenregierung? Wer hat denn nun wirklich das Sagen? Auch wenn Virologen gerne betonen, dass sie ausschließlich und nur Virologen seien, geben sie als Experten die Richtlinienkompetenz vor.

Wir werden von Virologen regiert! Nun ja, stimmt nicht ganz. Gelesen habe ich das nichtsdestotrotz häufig in letzter Zeit. Von allerlei Kritikern der Situation. Ich habe mich selbst schon bei dem Gedanken ertappt. Und ein bisschen was ist an der Übertreibung sicherlich auch dran. Die Politik hört ja auf die Virologie – oder wenigstens auf das, was ein ausgewählter Virologe und seine »virologische Schule«, wenn man das so nennen kann, an Erkenntnissen liefert. Andere bleiben unberücksichtigt. Das politische Primat, das momentan wie gestärkt aussieht, ist insofern nur bedingt eines: Es ist das virologische Primat, das sich als politisches ausgibt. Eine Expertenregentschaft ist allerdings kein guter Ratschlag für die Demokratie.

Der Fachidiot: Ein eindimensionaler Mensch

Oh, ich vergaß: Demokratie ist dieser Tage ja gar nicht das große Thema. Nachvollziehbar, dass man Grundrechte beschneiden muss. Ein wehrhafter Staat, Politik, die eben genau das noch sein will, Politik eben, muss handlungsfähig bleiben. Dass wir darüber nicht diskutieren, andere Ansichten beschneiden, Andersdenkende pathologisieren und inhaftieren (ja, das soll vorgekommen sein!) und überdies zensieren aber, dass jene von der Öffentlichkeit bezahlten Medien, die die Vielfalt abbilden sollten (und laut Staatsvertrag müssen), darüber galant hinweggehen: Das wäre aber durchaus ein Thema. Ja, ein großes Thema sogar.

Es geht aber heute um etwas anderes, um die Führung durch Fachleute nämlich. Ist die sinnvoll? Als vor einigen Jahren in Italien eine sogenannte Expertenregierung ins Amt gelangte, jubelierten der neoliberale Teil der Presse. Das sei doch was, wenn in wirtschaftlich schweren Zeiten Menschen das Ruder übernehmen, die von Ökonomie auf irgendeine akademische Art und Weise Ahnung haben, hieß es von dieser Seite. Leute mit Abschlüssen seien eine Garantie für fachliche Richtigkeit. Links des Mainstreams machte man sich ob dieser Freude Sorgen.

Denn politisch zu entscheiden beinhaltet mehr als bloßes Fachwissen. Man braucht Umsicht. Die italienischen Experten um Mario Monti besparten seinerzeit ihr Land. Aus der Warte ihrer angebotsorientierten Weltsicht lagen sie damit nicht falsch. Wenn man sich die Gesellschaft als Betrieb vorstellt, bleibt halt nur diese eine Wahl. Die Experten holten das Land letztlich nicht aus der Misere. Zynisch könnte man jetzt auch auf das Gesundheitswesen dort blicken und festhalten: Merkt man!

Dass deren Konzepte aber nebenher eben nicht nur den Staatshaushalt trafen, sondern allerlei andere Bereiche, gesellschaftliche Fragen tangierten etwa oder kulturelle Aspekte, auch ethische Betrachtungsweisen und wissenschaftliche Zusammenhänge: Das muss man im Auge haben, wenn der Experte ans Werk geht.

Virologokratie oder Warum eine Regierung durch Experten nie sinnvoll ist

Der Fachidiot kennt freilich nur sein Metier wirklich gut. Für Fragen, die über sein Fach hinausgehen, ist er eben kein Experte. Ein Experte weiß immer mehr über immer weniger, bis er am Ende von nichts alles weiß – so sagt ein Bonmot. Was es nicht beinhaltet: Für das, was außerhalb des Faches liegt, war er nie bestellt. Natürlich wird er dazu eine Ansicht haben, aber als berufener Experte reduziert sich sein Weltbild natürlich auf das, was sein Gebiet darstellt.

Aus diesem Grunde ist es zum Beispiel auch nicht sehr geschickt, einen Minister oder eine Ministerin zu haben, die aus einem Fachgebiet stammt. Jedenfalls nicht grundsätzlich. In den letzten Tagen hat man von verschiedenen Seiten gehört, dass der amtierende Gesundheitsminister nicht mal Arzt sei. Das ist aber an sich nicht nötig, denn in jedem ministerialen Ressort bedient man automatisch noch andere Felder als eben jenes, dessen Namen man im Titel führt. Er muss neben Gesundheitsfragen und Medizin auch Ethisches im Auge behalten – und grundsätzliche Gesellschaftsfragen. Und ja, auch wenn man das nicht gerne liest: Finanzielle Abwägungen treffen. Ob Spahn das jetzt gut macht oder nicht, steht auf einem anderen Papier.

Die Expertenregierung ist insofern kein Idealfall, wie man das annehmen könnte. Sie ist rein demokratisch betrachtet das Gegenteil. Eine Technokratie als gewählter Querschnitt der Gesellschaft: Nicht denkbar. Schon klar, dass unser Justiziar-Parlament auch keinen fairen Querschnitt darstellt, Arbeiter sind selten darin zu finden. Aber Technokraten, die aufgrund ihres Know-Hows dort sitzen, konzentrieren sich eben verstärkt auf das, weswegen sie da sind: Ihr Wissensgebiet. Der Rest ordnet sich unter.

Nun haben wir zwar keine Virologokratie, wie an mancher Stelle schon angeführt wurde. Wohl tendiert man aber einen momentan dazu, die gesellschaftlichen Entitäten auf die virologische Metafragen zu reduzieren. Für einen Augenblick kann man das so halten. Für längere Zeit allerdings nicht. Es gibt mehr Fragen innerhalb des menschlichen Zusammenlebens, als jene, wie man sich vor einem Virus schützt – und zwar auch in Zeiten, da ein solcher Virus akut bedroht. Daher ist das Nachdenken über eine Exit-Strategie so dringlich. Sie ist der Ausbruch aus der technokratischen Sichtweise – und damit demokratisch legitim.

Diesen Beitrag ausdrucken
Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen

132
Hinterlasse einen Kommentar

Bitte Anmelden um zu kommentieren
avatar
12 Kommentar Themen
120 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
19 Kommentatoren
PenMordredRobbespierenikiSukram71 Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
ChrissieR
Gast
ChrissieR

Guude, Roberto!

Ich sag mal:
„BusfahrerInnen an die Macht!“
Mein Wahlspruch war immer:“ Ein Busfahrer kann alles!“
Stimmt bei mir auch bis auf Mathe und Sport!
Früher gabs mal einen antiken Begriff dafür:
Universaldilettant

Wobei Dilettant hier nicht abwertend gebraucht wurde…im Gegenteil!

Die meisten Politiker würde ich deshalb auch eher als Stümper bezeichnen…

Bis später

LG

Christine

Parwin
Gast

Es ist vor allen Dingen nur die Meinung EINES Virologen gefragt. Es gibt ja auch noch andere. Aber die werden eben nicht gefragt, und kommen auch nichts in die Medien. Dann gibt es in der Medizin auch noch ein Fachgebiet namens „Epidemiologie“. Das beschäftigt sich mit der Frage, wie eine Epidemie sich ausbreitet. Alle, von denen ich gelesen habe, halten von der Regierung getroffenen Maßnahmen für absolut kontraproduktiv, was den gesundheitlichen Aspekt angeht. Was die Fachkompetenz angeht, muss man sagen, Frau Merkel ist Physikerin und sollte eigentlich wissen, dass man aus dem gleichzeitigen Auftreten zweier Phänomene noch nicht schließen kann,… Weiterlesen »

aquadraht
Gast
aquadraht

Wobei ich den Eindruck habe, dass bei den Amis und bei Jihadi Julian Reichelt von Bild das Virus auch das Gehirn befällt. Auch Biden bzw. seine Kampagnenmanager betreiben jetzt die Chinahetze.

Das beunruhigt mich mehr als der Lockdown.

Rudi
Gast
Rudi

Die Expertenregierung ist insofern kein Idealfall, wie man das annehmen könnte. Mindestens eine Ausnahme gibt es. Als die österreichische Regierung wegen der Strache-Affaire gehen musste, gab es eine Expertenregierung unter der Kanzlerin Bierlein. Die Österreicher zeigten sich überwiegend angetan. Die Zeitung „Die Presse“ schrieb: „Das Kabinett Bierlein ist wohl eines der beliebtesten in der Geschichte der Republik.“ Das ganze Parteiengezänk spielte beim Regieren keine Rolle. Sachlichkeit stand im Vordergrund. Ein Leserkommentar der „Presse“ ging so: Diese Regierung war gut. Es war KEIN Stillstand – es war eben nur so, dass die Gewaltentrennung endlich mal sichtbar war. Schließlich ist die Regierung… Weiterlesen »

Defi Brillator
Gast
Defi Brillator

Es kommt auf die Ebene an. Mitunter machen da Technokraten doch Sinn. Z. B. auf Gemeindeebene. In NRW gab es jahrelang die Doppelspitze. D. h., man hatte den Bürgermeister (gewählt) für das Repräsentative und den den Stadtdirektor (bestimmt durch Qualifikation) für das Rechtliche gehabt. Nach der Abschaffung stellte sich heraus, dass die neuen Bürgermeister einen Stab von mitunter 12 freien Rechtsanwälten (Beispiel: BI) beschäftigen mussten, damit die Gemeinde weiterhin irgendwie „lief“.

reborn
Gast
reborn

Die sogenannten Experten haben uns allerlei Müll in den vergangenen drei Monaten verkauft, nichts davon ist eingetroffen. Ich erwähne mal zwei aus der Propagandaabteilung, die stellvertretend für die üblichen Horrormeldungen herhalten müssen. Lescherlich beispielsweise oder auch MaiFailedLab. Beide haben uns die Superkatastrophe anhand allerlei (offensichtlich fehlerhafter) Modelle an die Wand gemalt. Jetzt wird es langsam mal Zeit sich dieser Tatsache zu stellen. Wir wurden systematisch falsch informiert und via Propaganda hat man einen Großteil der Bevölkerung hysterisch gemacht. Es existiert weder irgendein Grund zur Panik, noch existiert irgendein Grund diesen sogenannten Experten weiterhin über den Weg zu trauen. Auch gibt… Weiterlesen »

reborn
Gast
reborn

Ein weiterer Schritt zur total gleichgeschalteten Meinung:

Der Online-Buchhändler Amazon nimmt Bücher, die in irgendeiner Weise Covid-19 erwähnen, aus dem Programm. Man wolle, dass die Menschen sich (nur) in offiziellen Quellen über Covid-19 informieren.

https://norberthaering.de/news/zensur-amazon/

niki
Mitglied
niki

Experten…? Maskenpflicht? Voll die Experten…
In der Politik lassen die sich eher von den MSM treiben, als auf Experten zu hören… Es sei denn ein Experte wird von den MSM als letzterer geadelt… Siehe Drosten… Aus den Vor-Corona-Zeiten gibt es auch genug Beispiele, wo Medien bestimmte „Expertenkreise“ (ifo-Institut, Wirtschaftsweise, usw….) geadelt haben und diese im Prinzip die Politik machten…

Pen
Gast
Pen

Der beste Schutz gegen Corona ist genügend VitD3 in Verbindung mit VitK2.

https://www.heise.de/tp/features/Schuetzt-Vitamin-D-vor-Covid-19-4704193.html

1.
Die Hautproduktion (der Vorstufen) nimmt im Alter rapide ab.

2.
Fast alle, besonders die mittlere und jüngere Genaration, haben sehr viel (induzierte?) Angst vor Hautkrebs und blocken deswegen fast jede Wirksamen UV- Strahlung auf ihre Haut ab.

3.
Für eine optimale Hautproduktion ist aber eine UV- Einwirkung nötig, die ungeschützt (bei Hellhäutigen !) eine sehr deutliche Hautbräunung bewirkt.

4.
Deswegen ist die D3 Versorgung vermutlich auch bei der gegenwärtigen mediterranen Bevölkerung sub- optimal.

5.
Es ist aber überhaupt kein größeres Problem, das breit bzw großflächig zu MESSEN.

Falls „MAN“ das denn überhaupt WILL !

https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Covid-19-Aktuelle-Berichte-von-Medizinern-aus-der-Praxis/Re-Was-keinesfalls-gegen-die-grosse-Wirkung-von-Vitamin-D-spricht/posting-36521351/show/

niki
Mitglied
niki

Jetzt faseln se, das „R“ wieder deutlich steigen tut…
Woher haben die bitteschön die Zahlen dafür? Bitte dafür endlich Transparenz!
Ach so…?! Immer noch keinen repräsentative Tests…?!?!?!
Ganz ehrlich liebes RKI: Das ist wirklich nicht ganz „koscher“!

Dazu noch die Maskenpflicht!
Da kommt mir die Frage:
Ist die nur dazu da um die Bevölkerung weiter zu ängstigen und in Schach zu halten, damit die auch spuren?
Oder hat die Maskenpflicht wirklich Sinn…?
Zu der letzten Frage möchte ich gerne eure Gedanken hören… Ich lasse meine Meinung und Argumentation diesbezüglich mal vorläufig weg!

aquadraht
Gast
aquadraht

Was Experten leisten und was nicht, hat ja das Leopoldina-Gutachten gezeigt. Auch unter den Experten sind Lobbyisten und von Lobbyisten Gekaufte, und von interessierten Medien und PR-Buden .. Überzeugte. Und kein/e Experte/in hat Expertise in allen Aspekten.

Gerade der Prof. Drosten, ein hoch kompetenter Virologe, hat wochenlang jeden Unfug Spahns abgenickt und schöngeredet: Ein Verlautbarungswissenschaftler der Regierung.

Das Problem ist eher, dass Experten wie Politiker im Klammergriff der Lobbyisten und Oligarchen sind. Wobei ich aber nicht davon ausgehe, dass die Lobbyisten und Oligarchen Corona erfunden haben. Wohl aber, dass sie alles für ihre Zwecke ausnutzen.

Folkher Braun
Gast
Folkher Braun

Was wir – nicht nur an der aktuellen Corona-Diskussion – lernen ist, dass Wissenschaft heutzutage käuflich ist. Da gibt es nicht mehr den schrulligen Professor, der mittels Staatsknete fröhlich vor sich hin forscht. Alle sind Drittmittel-Geier. Warum kommen unsere Virus-Daten von einer Universität in den USA (John Hopkins)? Haben wir keine Statistiker? Warum haben wir eine WHO, die de facto eine Privatfirma ist und vorzugsweise die Interessen der Pillendreher-Industrie vertritt? Warum funktionieren die Überbrückungskredite für KMU nicht? War das nur ein Software-Fehler oder Absicht? Warum ist bis heute nicht feststellbar, ob das Virus ein Übersprung von Tier- auf Menschenwelt (Wuhan-Markt)… Weiterlesen »