Die Evolution würfelt nicht

Wenn man nochmal nullen, neu starten könnte: Würde die Welt anders aussehen? Wäre die tonangebende Spezies unter den Paarhufern zu finden oder wären es dann doch die Delphine, die die Geschicke lenkten? Und gäbe es dann keinen Kapitalismus?

Als Jugendlicher war ich ja ein richtiger Trekkie. Ich mochte die Idee des Formats, wonach die Menschheit irgendwann zusammenfindet und wir mit anderen Spezies »unendliche Weiten« erkunden. Nur eine Sache nervte mich an der Serie: Warum zum Henker mussten all die Außerirdischen, die man uns präsentierte, als Humanoiden gezeigt werden. Ganz ohne wissenschaftlichen Beweis, mehr vom Bauchgefühl her war ich mir sicher, dass Lebewesen von einem anderen Planeten auch anders aussehen konnten. Bei der Next Generation gab es dann auch eine Folge, in der erklärt wurde, warum alle Lebensformen so ähnlich aussehen: Irgendeine Urspezies hat das so angelegt. Originell war diese Erklärung nicht gerade.

Später, bei Voyager und der Enterprise um Captain Archer, gab es dann auch andere Lebensformen. Gasförmige zum Beispiel. Das CGI eröffnete da ungeahnte Möglichkeiten. Die Zeiten angeklebter Spitzohren waren endgültig passé.

Als junger Trekkie saß ich mit einem Jugendfreund in meinem Zimmer, wir wollten einen Star Trek-Roman schreiben. Und der sollte freilich auch andere Aliens beinhalten. Unser Problem war nun, das wir die ganze Story schon nach fünf Seiten abgewickelt hatten. Wir kamen halt schnell auf den Punkt. Wenn man so will, war das übrigens mein erster Ausflug ins schreibende Fach. Seinerzeit war ich jedenfalls noch Feuer und Flamme für die Vielfältigkeit, die es meiner Ansicht nach geben musste. Wenn da draußen mehr war, dann musste man doch alle denkbaren und undenkbaren Formen annehmen können. Heute zweifle ich daran – und die aktuellen Theorien rund um die Evolution legen nahe: Sie ist wesentlich weniger ergebnisoffen, teilweise sogar vorhersagbar.

Konvergente Evolution: Die Zwangsläufigkeit von dem was ist

Einen schönen Überblick zur Wissenschaft bietet aktuell Jonathan B. Losos‘ Buch »Glücksfall Mensch. Ist Evolution vorhersagbar?« – ich nehme es vorweg: Ja, ist sie. Jedenfalls wenn es nach jenem Professor für Evolutionäre Biologie geht. Nicht, dass er diese These alleine vertritt. Er steht da wie jeder Forscher auf den Schultern derer, die vor ihm das Fach beackerten. Aber Losos reichert die Theorie um seine Empirie an. Ihm fiel nämlich bei einem Afrika-Aufenthalt auf, dass das afrikanische Stachelschwein dem nordamerikanischen Baumstachler in fast allen Facetten gleicht. Nur die Körpergröße unterscheidet beide. Kurios ist das, weil beide Spezies nicht in direkter Linie von einem Ur-Stachelschwein abstammen. Sie haben jeweils einen eigenen Entwicklungsstamm. Beim Anden-Greifstachler ist es nicht anders, auch mit ihm teilen sie sich keine Verwandten.

Nun ist Losos ein Experte für Eidechsen. Im Laufe vieler Jahre fiel ihm bereits vorher auf, dass es ein Prinzip konvergenter Entwicklung geben musste. Überall auf der Erde entstanden Varianzen kleiner Echsen, die nicht alle auf einen Ahnen zurückzuführen sind – und dennoch fast dasselbe Aussehen aufweisen. Der Autor liefert noch einige Beispiele aus der Fauna, hat aber auch was Florales im Angebot: Koffeinhaltige Pflanzenarten wie Kaffee, Tee oder Kakao stammen allesamt aus verschiedenen Pflanzenfamilien ab. Das Koffein hat sich unabhängig entwickelt – die molekulare Breite ist bei bestimmten Voraussetzungen recht eingeschränkt: Das lässt sich jedenfalls so ableiten.

Für die Menschwerdung gilt das ebenso. Würde man alles auf Anfang stellen können: Würde nach einer langen Entwicklung immer genau das Wesen die dominante Spezies werden, die humanoide Züge aufweist? Wahrscheinlich ja. Der Paläontologe Dale Russell behauptet gar, hätten sich Velociraptoren weiterentwickelt, wären sie Hominiden sehr ähnlich geworden. Sie hätten große Schädel für das wachsende Hirn und den aufrechten Gang entwickelt. So viel Möglichkeiten gibt es nämlich nicht, wie sich Wesen mit großen Gehirnkapazitäten entwickeln könnten. Die »Menschwerdung« ist quasi stringent.

Eine ganz andere Welt ist nur sehr bedingt möglich

Die wunderbare Welt der Evolution, so glaubt man unter Fachleuten mittlerweile, ist gar nicht so vollkommen offen nach vorne. Sie ist sicherlich ein schmaler Korridor möglicher Entwicklungsmöglichkeiten. Aber keine Wundertüte. Man kann das jetzt nicht absolut auf alle anderen Themen münzen, Evolutionäres als Antwort für andere Sachgebiete anzubringen, hat ja schon mal ein unrühmliches Kapitel in der menschlichen Geschichte eingeleitet. Aber was ist eigentlich, wenn es in der Syntax menschlichen Handelns gar keine so breite Varianz gibt? Ist denn dann eine völlig andere Welt überhaupt noch denkbar?

Stellen wir die Frage provokativer, weil politischer: Könnte es eine Welt ohne ein System geben, in dem die Akkumulation von Profiten nicht als Präambel allen Handels steht? Oder ist der Kapitalismus nicht irgendwie zwangsläufig? Darüber hatte ich vor über einem Jahr auch schon kurz in meinem Buch gerätselt. Dort stellte ich die Frage so: »Könnten wir als Menschheit heute nochmals ganz von vorne beginnen, würde die Gesellschaft anders als heute aussehen? Oder noch dreister: Würden wir im Gedächtnis an das kapitalistische Unrecht einen absoluten Neubeginn machen, wären ähnliche Strukturen gänzlich ausgeschlossen?«

Ist also der Kapitalismus im menschlichen Wesen determiniert? So einfach möchte ich das nun auch nicht beantworten. Ulrike Herrmann wies mal darauf hin, dass der Kapitalismus geschichtlich nicht zwangsläufig war, es hätte auch anders kommen können. Ob ich das allerdings so unterschreiben würde, wage ich zu bezweifeln. Denn letztlich glaube ich, dass sich stets Produktionsprozesse herauskristallisieren, die die gewissen kapitalistischen Werte begünstigen. Ich sage nicht, dass ich ein Fan dieser Prozesse oder dieses Systems an sich bin. Nur weigere ich mich zu glauben, dass es so viele offene Wege gibt, wie sich die Menschen gemeinhin einreden. Das Spektrum scheint mir wesentlich enger.

Nach dem Schweinesystem ist vor dem Schweinesystem

Ich gebe es ja zu: Mein Faible für diesen Determinismus ist nicht gerade spannend. Vielleicht auch ein bisschen traurig. Ich finde Leibnitz‘ Einschätzung von der besten aller Welten natürlich viel zu optimistisch. Es klittert bloß die Geschichte. Aber ich bin eben auch nicht der Ansicht, wie einige da draußen, dass die Geschichte ganz falsch und von sich entfremdet verlaufen sei. Ohne hegelianische Zwangsläufigkeiten bedienen zu wollen: Ich glaube halt, dass der Spielraum viel enger war, als man das zugeben möchte. Dies zuzugeben ist ja auch doof, man gibt damit die Kontrolle ab – und ich möchte ja auch nicht, dass man sich zurücklehnt und »es geschehen« lässt.

Nun bin ich eben nicht der Ansicht, dass der Kapitalismus eine falsche Abzweigung der Geschichte war – Marx dachte das übrigens auch nie, aber das ist eine andere Baustelle. Er hat so oder ähnlich kommen müssen. Eine andere Welt war nie möglich. Und wenn, dann nur in Nuancen. Genau um diese Nuancen geht es mir. Sie sind für mich die Spielräume, die eine moderne linke Politik einnehmen muss. Die »Abschaffung des Kapitalismus«, die oft bemüht wird: Das ist eine Sackgasse – sie führt zu nichts. Was wäre denn danach? Ich bin mir fast sicher, das nächste System entwickelte sich über kurz oder lang zu einem neuen hierarchisch-profitorientierten System, dem man nur mit Regulierung beikommen könnte. Nach dem Schweinesystem ist vor dem Schweinesystem.

Nein, dieser Text behauptet nichts, was nicht auch ganz anders sein kann. Wir reden hier von einer ganz persönlichen Einstellungssache: Wie hältst du es mit der Kapitalismusfrage? So zu tun, als sei eine gerechtere Welt nicht möglich, solange es den Kapitalismus gibt, halte ich für eschatologischen Wahnsinn. Erst wartete man auf den Messias, dann auf die Weltrevolution und nun auf den Zusammenbruch des Kapitalismus: Und am Ende übernehmen andere das Ruder, weil man nur zuwartete. Ich bitte an dieser Stelle um Diskussion, nicht so sehr um Glaubensbekenntnisse. Die haben wir in diesen Zeiten weiß Gott genug. Amen.

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niki
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niki

Wie es voraussichtlich aussieht ist Kapitalismus eine evolutionäre Sackgasse und alles geht auf einen kompletten Neustart oder Sterilisation des Planeten. Wenn der Kapitalismus evolutionär zwangsläufig wäre ist es vielleicht ist auch der Grund dafür dass wir noch keine weiteren außerirdischen Zivilisationen entdeckten! Siehe Fernparadoxon Selbstvernichtung bei einer Entwicklungsstufe… Allerdings halte ich die Vermutung dass nur der Kapitalismus evolutionär möglich wäre, für ziemlich daneben… Damit legitimiert man die Gier, Egoismus und Ausbeutung! Da werden deine Aussagen, meiner bescheidenen Meinung, nach zum Gemeinwohl irgendwie wertfrei. Vielleicht fehlt mir auch die Fantasie oder der Intellekt mir einen Kapitalismus vorzustellen, der sowohl unsere Selbstvernichtung… Weiterlesen »

niki
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niki

ich lese erst jetzt das die Autokorrektur mal wieder am Smartphone im Bus zugeschlagen hatte…
Ich meine das Fermiparadoxen…

aquadraht
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aquadraht

So hatte ich das auch verstanden 🙂

Heldentasse
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Heldentasse

Allerdings halte ich die Vermutung dass nur der Kapitalismus evolutionär möglich wäre, für ziemlich daneben… Damit legitimiert man die Gier, Egoismus und Ausbeutung!

Wenn man ein Ferengi aus dem fiktiven Startrek Universum wäre, käme man vermutlich zu diesem Schluss. WennIn echt und und einem linken(?) Blog so ein Märchen erzählt wird, ist es schon eine Zumutung!

aquadraht
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aquadraht

Wir haben natürlich nur dieses eine Beispiel einer auf Wissenschaft und Technik beruhenden Zivilisation, die auf dem besten Weg ist, sich auszurotten. Man mag lange spekulieren, ob das in der menschlichen Natur liegt, oder eher am Wirtschaftssystem. Dass der Kapitalismus bei dieser Selbstausrottung sehr hilfreich ist, steht ausser Frage. Beim Fermiparadoxon bin ich nicht sicher. Existiert es? Oder sind die kosmischen Entfernungen zu gross? Nehmen wir an, es gebe in 5000 Lichtjahren Entfernung eine entwickelte Zivilisation, dann würden wir deren mögliche Signale vielleicht in 5000 Jahren empfangen, wenn sie stark und eindeutig genug sind und es uns dann noch gibt.… Weiterlesen »

Nashörnchen
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Nashörnchen

Wenn sich die Krone der Schöpfung nicht aus Affen, sondern aus Spinnen entwickelt hätte, könnten wir heute auch auf 2 Beinen gehen und hätten dazu glatte SECHS Hände zum arbeiten… 😉

Das Ding mit dem Kapitalismus, mit der Akkumulation von Profiten kann ja mal jeder für sich selber rausfinden: Angenommen, man hat 2 (ansonsten gleiche) Stellenangebote – eins von so einer Zeitarbeitsklitsche zum Mindestlohn und ein richtiges zum doppelt so hohen Tariflohn. Ich wette, dann wird JEDER seinen Profit maximieren. „Gerechtigkeit“ verlangt man immer bloß von den anderen…

Mordred
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Mordred

Das Ding mit dem Kapitalismus, mit der Akkumulation von Profiten kann ja mal jeder für sich selber rausfinden: Angenommen, man hat 2 (ansonsten gleiche) Stellenangebote – eins von so einer Zeitarbeitsklitsche zum Mindestlohn und ein richtiges zum doppelt so hohen Tariflohn. Ich wette, dann wird JEDER seinen Profit maximieren. „Gerechtigkeit“ verlangt man immer bloß von den anderen…

Der Vergleich funktioniert so nicht. Eine bessere Alternative zu wählen und Profitmaximierung sind 2 völlig verschiedene Thematiken.

Nashörnchen
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Nashörnchen

Verstehe: Wenn ich bei gleichem Einsatz erheblich mehr Gewinn erziele, hat das also überhaupt nix damit zu tun, daß ich bei gleichem Einsatz erheblich mehr Gewinn erziele.
Man lernt doch nie aus…

aquadraht
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aquadraht

Vielleicht solltest Du mal anfangen zu lernen, was Lohn, Preis und Profit sind.

Nashörnchen
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Nashörnchen

Der erreichte Gegenwert einer erbrachten Leistung, abzüglich des dafür notwendigen Aufwands. Eine Einzelperson nennt es Lohn und zieht die Aufwendungen hinterher ab, eine Firma Profit und vorher. Das Ergebnis ist so ziemlich dasselbe.
Der Preis ist die Summe aus Aufwand plus Gewinn und der Kunde hat keine Einnahmen, sondern Kosten (um damit ggf. seinerseits wieder Gewinn zu erzielen). Gehört so erstmal gar nicht in diese Reihe…

Mordred
Mitglied
Mordred

Wertes Nashörnchen. Die Begrifflichkeiten nach Belieben durcheinander zu schmeißen bzw. sich seine eigenen Definitionen zu basteln ist nicht zielführend. Dadurch fällt die Kommunikation nur schwerer.
Mit „Gegenwert“ meinst Du hier „Umsatz“. Ersteres kommt eher bei Tauschgeschäften zum tragen und nicht wie hier im Rahmen einer Leistungserstellung/Produktion/Dienstleistung.
Gewinn unterscheidet sich bspw. dadurch vom Lohn, dass Lohn im Vorhinein (!) ausgehandelt wird. Du, das Unternehmen, die Sozialversicherungen usw. wissen also, was Du wann bekommst. Der Gewinn dagegen ist nicht vorherbestimmt.

Nashörnchen
Gast
Nashörnchen

Dann ist also der Vostandsvorsitzende, der seine 10 Mio p. a. + Boni vorher ausgehandelt hat, der Gute und der Ali von der Dönerbude ist der böse Unternehmer, der 10.000 Profit scheffelt…

Mordred
Mitglied
Mordred

Dann ist also der Vostandsvorsitzende, der seine 10 Mio p. a. + Boni vorher ausgehandelt hat, der Gute und der Ali von der Dönerbude ist der böse Unternehmer, der 10.000 Profit scheffelt…

Nein. Mit gut und böse hat die Thematik nix zu tun.

aquadraht
Gast
aquadraht

Man fragt sich, ob Du so idiotisch bist oder nur so tust. Lernt man solchen Schwachsinn bei der AfD?

Nashörnchen
Gast
Nashörnchen

Na endlich! 40 Kommentare, bis endlich einer mit Godwins law kommt…

Mordred
Mitglied
Mordred

Na endlich! 40 Kommentare, bis endlich einer mit Godwins law kommt…

Na da hast Du auch lange drauf hingearbeitet.

Nashörnchen
Gast
Nashörnchen

Klar. Weil ich ja immer geil werde, wenn ich irgendwo Leute beleidigen und völlig zusammenhanglos AfD plärren kann…

Mordred
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Mordred

Als Arbeitnehmer „erzielst“ Du Lohn/Einkommen und nicht Gewinn. Du setzt beides gleich, weil Du wohl einfach nur an „Geld“ denkst. Wasser ist für einen Menschen aber was ganz anderes als für einen Fisch.

Drunter & Drüber
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Drunter & Drüber

Ist also der Kapitalismus im menschlichen Wesen determiniert?

Wieso also? Nur so als erste Frage. Davon ab ist das menschliche Wesen über seine grobbiologische Funktionsweise hinaus noch nicht ganz geklärt, sodass Sie den Kapitalismus als ideologische Wirtschaftsform zwar recht schwer aber irgendwie schon noch dazu stopfen können. Irgendwann wird sich schon jemand die Mühe machen, ihn da wieder rauszuschmeißen – falls er dort, an diesem seltsamen Ort ‚menschliches Wesen‘ fehl am Platz sein sollte.

Nein, nicht determiniert, noch nicht einmal erfolgreich reingepfriemelt. Ist doch klar, oder?

aquadraht
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aquadraht

Nun ja, es gibt ja den naturalistischen Fehlschluss, das Folgern einer Sollensbedingung aus einer Seinsbedingung. Dass es den Kapitalismus gibt, heisst nicht, dass er gut oder notwendig ist. Die „Leistungen“ des Kapitalismus wie Sklavenhandel, Völkermorde, Kriege, Kolonialismus etc. lassen auch daran zweifeln. Und auch die ökologische Katastrophe hat eine Menge mit Kapitalismus zu tun. Obendrein: Die derzeit erfolgreichste Wirtschaft mit nunmehr 53 Jahren Wirtschaftsaufschwung ohne Wirtschaftskrise ist nur eingeschränkt kapitalistisch, und nennt sich „Sozialismus mit chinesischen Charakteristiken“. Der dortige Kapitalismus ist eine „birdcage economy“, eine Volieren-Wirtschaft, in der der Staat die kapitalistischen Vögel flattern lässt, in einem grossen Käfig von… Weiterlesen »

Mordred
Mitglied
Mordred

Stellen wir die Frage provokativer, weil politischer: Könnte es eine Welt ohne ein System geben, in dem die Akkumulation von Profiten nicht als Präambel allen Handels steht?

Ist das denn wirklich so? Die Akkumulation von Kapital dient ja eigentlich zu erheblichem Teil für die Investition in was größeres/besseres aka Fortschritt. Sonst wäre das ja kein Kapitalismus sondern bspw. stagnierende Feudalherrschaft (frei nach U. Herrmann).

Drunter & Drüber
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Drunter & Drüber

Was war jetzt noch mal der Unterschied zwischen Kapitalismus und Feudalismus?

niki
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niki

Verkürzt und polemisch:
Feudalismus = der Adel bestimmt wo lang
Kapitalismus = der Geldadel bestimmt… Der einzige Unterschied ist, dass die Herkunft des Kapitalinhabers vollkommen unwichtig ist…
Das Benehmen der Akteure ist nahezu identisch…

Drunter & Drüber
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Drunter & Drüber

Oh je

niki
Mitglied
niki

Die Anhäufung von Kapital und Macht hat auch der feudale Herrscher meistens im Sinn…
Man kann eigentlich schon sagen: Der Kapitalismus hat durchaus feudale Strukturen… Sobald jemand extrem Reich ist, lebt es sich feudal, wenn dieser an der Macht denn interessiert ist!
Oder wer hat hier mehr oder weniger das Sagen?
Friede Springer/Liz Mohn oder die Regierung?

Pen
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Pen

Jedenfalls nicht die Regierung! Eigentlich war die französische Revolution für die Katz. Wir haben ein Feudalsystem wie damals auch. Und die Tyrannen sind jetzt schwerer zu erkennen. Das Volk wußte, wo der König wohnt.

niki
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niki

Und die Tyrannen sind jetzt schwerer zu erkennen

Fragen wir den Herrn Prof. Mausfeld… Der kann das recht gut erklären, denke ich zumindest…

Musil
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Musil

Die französische Revolution ging vom (vermögenden) Bürgertum aus. Dieses wollte mit den Aristokraten zumindest gleichgestellt sein. Kriterium auf den Rechtsanspruch als „freier Bürger“ war das verfügbare Kapital. Die Mär vom erfolgreichen Aufstand der Bauern und Arbeiter sollte man nicht glauben.

Musil
Gast
Musil

„Der einzige Unterschied ist, dass die Herkunft des Kapitalinhabers vollkommen unwichtig ist“

Ist aber auch nicht ganz richtig. Neueinsteiger in den Geldadel brauchen dann eher Generationen, bis sie halbwegs akzeptiert werden. Solange sie sich als nützliche Idioten bewähren zumindest.

Mordred
Mitglied
Mordred

Da gibts einige Unterschiede. Eigentum sowie Anhäufung von Vermögen ist theoretisch und praktisch nur bestimmten Gruppen möglich. Es gibt keine Unternehmer, Arbeiter etc.
Es gibt keine Akkumulation von Kapital um Investitionen zu tätigen bzw. Wachstum zu erzeugen.

aquadraht
Gast
aquadraht

Nein, Mordred, die Akkumulation von Kapital ist ein Selbstzweck des Kapitals, Fortschritt ist da scheissegal, solange ein Profit rausspringt. „Investition“ in Massenvernichtungswaffen oder „Finanzprodukte“ ist da völlig ok und völlig wertneutral. Die Herrmann hat das auch nicht so richtig kapiert, nebenbei bemerkt.

Mordred
Mitglied
Mordred

Fehlt dann nicht das Wachstum als Eigenschaft des Kapitalismus?

aquadraht
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aquadraht

Das ist doch implizit im kapitalistichen Kreislauf (deshalb Akkumulation, also Anhäufung), mindestens, wenn der Profit reinvestiert oder die Kapitalbasis zwecks höherer Profiterzielung erweitert wird. Nicht nur Schrumpfung, sondern bereits Stagnation ist ein Krisensymptom für den Kapitalismus. Wie oft stagnieren dagegen Löhne oder gehen sogar zurück .. das heisst dann Lohndisziplin oder Gesundung ..

niki
Mitglied
niki

Erst wartete man auf den Messias, dann auf die Weltrevolution und nun auf den Zusammenbruch des Kapitalismus Kann man aber nicht genauso als Gegenthese annehmen dass das Festhalten am Kapitalismus (und dem Markt) nicht mindestens genauso religiös sei? Der Kapitalismus wird nicht zusammenbrechen… Es wird Wirtschaftskrisen geben und der Mensch wird bestimmen wie es weitergeht… Das kann eine langsame Abkehr sein, in welche Richtung auch immer… Oder es kann auch relativ schnell gehen. Nur eines ist sicher: Der Kapitalismus in der heutigen Ausprägung ist unbestritten auch abseits der Klima-Thematik äußerst destruktiv. Nur zu behaupten das Kapitalismus evolutionär bedingt wäre, hat… Weiterlesen »

schröder
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schröder

Ich werde Ihnen einen Ansatz der Überlegung geben. Das Eigentum an Land. Wer gab das recht zu sagen es ist mein Land? In Europa Römisches Recht (ca.2500 Jahre). Angelsächsisches Recht total auf individual Eigentum ausgelegt.Das sollte erst mal reichen.

Heldentasse
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Heldentasse

Die christliche Weihnachtsgeschichte einmal ganz anders herum, oder „Wie ich lernte den Kapitalismus zu lieben“?

Nur meine 2 Pfennige zu m.E. verfehltem Thema: Analog zu fast allen Religionen, wird hier einfach so getan, als ob der Mensch in seinem eigenem Nanokosmos die Wirklichkeit begreifen könnte, und mal so behauptet das die Evolution vorhersagbar ist, und weil dabei Menschen herumkommen soll sich daraus auch der Kapitalismus ergeben.

Welch eine ungeheure Zumutung! Hier wird quasi der Weihnachtsmann von Coca Cola als eine Zwangsläufigkeit von knapp 14*10^9 Jahren kosmologischer Entwicklung postuliert! Ehrlich gesagt da ist mir das Christkind schon noch lieber.

Serienfan
Gast
Serienfan

Ich glaube, hier herrscht doch eine Fehlvorstellung über den Kapitalismus vor, die zum weit verbreiteten „ich kann mir das Ende der Welt, nicht aber das Ende des Kapitalismus vorstellen“ führt. Früher hat der Mensch immer auch an seiner eigenen Produktionsleistung teilgenommen. Selbst der Bauer, der einen Großteil dem Feudalherren abgeben musste, konnte auch für sich wirtschaften. Im Kapitalmus ist die Lohnfrage völlig von der Produktivität entkoppelt. Der Lohn wird über die Markt-Prinzipien „Angebot und Nachfrage“ festgelegt. Daran ändern auch nichts irgendwelche Boni-Vereinbarungen, auch sie sind nur Lohn, der bezahlt wird. Das führt nun seit Jahrhunderten dazu, dass jede Produktivitätssteigerung ausnahmslos… Weiterlesen »

Defi Brillator
Gast
Defi Brillator

Die Märkte sind nicht frei. Sie werden oft künstlich erschaffen. Damit fällt die These von Angebot & Nachfrage.

aquadraht
Gast
aquadraht

Nebenbei gesagt enthält der Artikel neben Unrichtigkeiten auch eine Perfidie, nämlich das Coverbild. Ferdinand Friedrich Zimmermann war ein nationalsozialistischer Autarkie- und Blut-und-Boden-Ideologe.

Ausserdem ist es unwissenschaftlicher und inkompetenter Stuss, zu behaupten „die Evolution würfle nicht“. Genau das Gegenteil ist der Fall. Evolutionäre Prozesse sind in hohem Masse von aleatorischen Faktoren abhängig, sowohl was die Entwicklung der Umweltbedingungen als auch was die Anpassung der Phänotypen an diese angeht, und auch was den Mutations-Selektionsmechanismus angeht.

Die Behauptung, dass „die Evolution“ nicht würfle, ist trivial falsch.

Elo
Gast
Elo

Wie ein Christ, der sich keine Welt ohne Christentum vorstellen kann. Oder ein Muslim, für den eine Welt ohne Islam unvorstellbar ist. Und der Bademeister, für den eine Welt ohne Schwimmbecken Unsinn ist. Nee, ernsthaft: Wir Menschen als Teil der Natur tragen Millionen von Jahren Evolution in uns. Und Vieles ist mMn in nur ein paar Jahrhunderten degeneriert. Das Hören, das Fühlen, das Sehen usw. Ich denke, es gab‘ schon Weichenstellungen, die bei anderen Stellungen zu anderen Gesellschaftsformen geführt hätten können. Sollten. Müssten. Das Was-Wäre-Wenn-Prinzip… (…Was wäre wenn Pontius Pilatus zu Jesus gesagt hätte: „Du gehst mir mit deinem Gequatsche… Weiterlesen »