Allianz der Überarbeiteten

Nachdem zwei Abgeordnete ans Ende ihrer Kräfte kamen, behauptet die Politik, dass sie die Arbeitsbedingungen an Grenzen bringe, während andere meinen, Politiker sollten sich nicht so anstellen. Beide machen es sich zu einfach.

Plötzlich war die Gilde der Politikerinnen und Politiker ergriffen – vom eigenen Unglück. Der Stress des eigenen Berufsstandes, traurig dokumentiert durch Schwächeanfälle etwaiger Kollegen, stimmte dann doch nachdenklich. Die Belastung sei höher geworden, mahnte die Zunft. Das Pensum dramatisch gestiegen. Dazu noch die Mühsal durch die AfD. In den Netzwerken wird darüber freilich gespöttelt und geschimpft, die Politik jammere ja nur auf hohem Niveau – wobei die politischen Arbeitstiere es einem wirklich einfach machen, zu so einer Reaktion zu gelangen.

Der SPD-Beinahevorsitzende Karl Lauterbach etwa, der einen besorgten Tweet absetzte, war da mal wieder beispielhaft. Er schrieb: »Die Arbeitsbedingungen im Bundestag sind weder gesund noch gut für die Gesetze, die wir machen. So kann es nicht bleiben.« Sieht das bei anderen Berufsfeldern aber so viel anders aus? Sagen nicht Pflegekräfte schon seit Jahren, dass es so nicht bleiben kann? Und die Polizei? Der Zoll? Die Lehrer und Ärzte? Und überhaupt alle, die in trauter Regelmäßigkeit Überstunden leisten müssen? Auch sie mahnen an, dass die Bedingungen krankmachen und die Arbeitsqualität mindern.

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Defi Brillator
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Defi Brillator

Merke: Alles Schlechte dieser Erde passiert durch Arbeit! Mikroplastik, Atommüll, unaufbereitbares Wasser, Feinstaub, Niedriglohn, Lebensverkürzung, Burnout und Depression. 2 Tage mal nicht gearbeitet = Umwelt- und Eigenschutz pur!

Heldentasse
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Heldentasse

Was schlecht oder gut ist, entscheidet die Perspektive. So wie es jetzt läuft ist doch für geschätzte 0,1% der Menschen sehr gut. Weil die Mehrheit sich gegenseitig zum Nutzen dieser kleinen Minderheit ausbeuten, und fertig machen. Das interessante dabei sind auch viele Abgeordnete der Sozen, die dies noch mal beschleunigt haben.

Beste Grüße

pen
Gast
pen

***

niki
Mitglied
niki

Die Haltung, wonach jeder stets meint, der andere arbeite nicht genug, ist jedenfalls keine gesunde Basis für etwaige Veränderungen.

Keine gesunde Basis? Das ist weit weit untertrieben…!!!! Das ist eher ein Hinweis darauf, dass die Gesellschaft reif für die Klapsmühle ist…

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

Ich warte nun noch auf den wichtigen Artikel über die Reichen, die Stress haben beim verprassen ihrer Kohle und nie genau wissen, ob sie auch ohne Knete geliebt würden.

Beste Grüße

Folkher Braun
Gast
Folkher Braun

Das Bild des Plenarsaals auf ND ist bezeichnend. Die Galerien der Zuschauer wurden mit Absicht über die Hinterbänke-Reihen angelegt. Den Reichstag baute der Ältestenrat. Dem war das Problem der leeren Reihen hinten aus Bonn bekannt. Den Anblick wollte man tunlichst vermeiden.
Dass die Abgeordneten sich überarbeiten, halte ich für ein Gerücht. Vermutlich ist eine ungesunde Lebensweise die Ursache. Andernfalls müsste Arbeiter im Straßenbau, Pflegekräfte, Polizisten, Feuerwehrleute etc. reihenweise umfallen. Die sind ganz anders gefordert als Papierstapel-Durchleser.

niki
Mitglied
niki

Andernfalls müsste Arbeiter im Straßenbau, Pflegekräfte, Polizisten, Feuerwehrleute etc. reihenweise umfallen. Die sind ganz anders gefordert als Papierstapel-Durchleser

Tun die das nicht Reihenweise? Ich kenne bzw. kannte nicht wenige den Branchen, welche in der Tat die Rente nicht erlebt haben und bestenfalls in gesundheitlich bedingter Frührente gingen…
Und ja… diese „Papierstapel-Durchleser“ sind anders gefordert… Ja, anders, aber das bedeutet nicht unbedingt weniger Stress…

Molle Kühl
Gast
Molle Kühl

Folkher: Volle Zustimmung. Es soll Bundespolitiker geben, die regelrecht Komplexe kriegen, wenn sie in ihren Augen viel zu lange Zeit nicht mehr für eine Talkshow angefragt werden. Da hat das Ego aber zu knapsen. Die These des Autors vom fleißigen BT-Abgeordneten muss insoweit relativiert werden, indem man sich doch nur mal auf einem grünen Parteitag die Aufstellung der Kandidatenliste anhört. Da gibt es ein Hauen und Stechen, eine Konkurrenz wie beim Rattenrennen. Für viele Parteigänger ist das BT oder Landtagsmandat endlich die Gelegenheit, aus der kommunalen Bedeutungslosigkeit hervorzutreten. Nach einer Legislaturperiode müßten dann diese Parlamentarier nach den Argumnten des Autor… Weiterlesen »

Folkher Braun
Gast
Folkher Braun

Ein wichtiger Erfolg des „Kapitals“, also der Organisatoren der bürgerlichen Produktionsweise, war, die arbeitende Bevölkerung in vier Fraktionen zu spalten. Die erste Fraktion ist der Haustarif- Metall- oder Chemie-Mitarbeiter. Der behandelt Dich – als anliefernder oder abholender – Lastwagenfahrer wie den letzten Dreck. Das habe ich bei Bayer, BASF, Benz, BMW, Opel (ganz schlimm war Bochum), Ford (Berlin, Genk, Köln, Saarlouis) selbst erlebt. Wenn man – zweitens – bei den Mittelständlern aufkreuzt, z.B. Automobilzulieferern, stellt man Folgendes – drittens – fest: die haben ihre Transportmitarbeiter „geleast“. Die können – mit dem Stapler – nichts. Unter Vorlage des eigenen Staplerscheins darf… Weiterlesen »