Schock: Die wahren Gründe für die Rechtschreibreform

Vor Jahren erhitzte die Rechtschreibreform die Gemüter. Widerstand machte sich breit und manche Zeitung verkündete stolz, sie würde nach wie vor traditionell Deutsch drucken. Was keiner wusste: Die Rechtschreibreform wurde von den Verlagen gefordert.

Dem Inhalt eines vertraulichen Dokumentes der deutschen Verleger an die Bundesregierung aus dem Jahr 1994 nach, heißt es: »Im Hinblick auf die schlechte Verfassung der deutschen Autorinnen und Autoren, fordern wir die Kultusminister dringend auf, die deutsche Rechtschreibung zu verbessern.« Die Verleger beklagten sich bitterlich über den inhaltlichen Verfall deutscher Autoren, die es kaum noch schafften, »Manuskripte weiterzuleiten, die dem Umfang eines anspruchsvollen Buches« entsprechen würden. Die schreibende Zunft könne sich zwar eloquent ausdrücken. Orthographisch liege auch wenig im Argen, aber »sie [befinde] sich in einer inhaltlichen Talsohle, die dazu führe, dass es nach 170 Seiten nichts mehr zu erzählen« gäbe. Eine gewisse schreiberische Müdigkeit wolle man ferner nicht ausschließen. Deshalb fordere man nun die Politik auf, die Grundlagen der Sprache neu zu setzen, um Texte »mit dem Stilmittel der Rechtschreibung« optimisch in die Länge ziehen zu können. Nur so ließen sich wieder Bücher mit einem Umfang von über 200 Seiten publizieren. Es handle sich hier um eine »Frage der Wirtschaftlichkeit und nicht zuletzt um die Rettung des Verlagswesens«.

Der gesamte Inhalt des Papiers wurde im Zuge des letzten Schwungs geleakter Dokumente bekannt.

Wer heute also ein Buch kauft, der läuft Gefahr, ein durch Rechtschreibung aufgeblähtes Machwerk in Händen zu halten. Und tatsächlich sind viele Regelungen so angelegt, um möglichst wenig platzsparend auszukommen. Man hat ß durch ss ersetzt. Schreibt viele ehemals zusammenhängende Worte auseinander und etablierte Wendungen wie »Leserinnen und Leser«. Bis zu exakt dieser Stelle besteht dieser Text aus 1896 Zeichen. Wäre er in alter Rechtschreibung getippt, käme er mit 1712 Zeichen aus. Rechnet man das auf mehrere DIN 4A-Seiten hoch, kann man den Gewinn in etwa beziffern. Zeilenschinderei nennt man das unter Schreibern.

Endete dieser Text an genau dieser Stelle, könnte er einschlägig werden auf jenen obskuren Websites, die die ganze jüngere Geschichte als einzigen verschwörerischen Akt bewerten. Sie würden vielleicht geifern und rufen, dass man daran wieder mal sehe, wie pervertiert der ganze Betrieb sei. Man werde nur betrogen und jeder Trick zu Erreichung dieses Zieles würde ohne mit der Wimper zu zucken durchgeführt. Nochmal für das Protokoll: Die ersten vier Absätze waren frei erfunden.

Ein etwaiger Erfolg dieser Meldung (es wurde schon Kurioseres als Meldung gehandelt) liegt auch auf der Hand, denn diese Fake-News, die hier in den ersten vier Absätzen fabriziert wurde, beinhaltet doch fast alles, was eine Fake-Meldung haben muss, um als solche wahrgenommen zu werden:

  • Sie leitet reißerisch ein und offenbart gerade so viel, um zum Anklicken zu animieren.
  • Sie berichtet von einer Konspiration zwischen verschlagener Industrie und korrupter Politik und bestätigt damit das, was der Leser eh schon immer gewusst zu haben scheint.
  • Sie baut auf ein etwaiges, nicht näher benanntes Papier, das der Sache einen eher offiziellen Eindruck verleiht.
  • Sie stützt die Selbstwahrnehmung von Leuten mit Faible für Fake-News, die ja häufig glauben, sie würden tagtäglich betrogen und Bauernfängern auf dem Leim gehen.
  • Sie nährt das Empfinden, dass die Bürgerinnen und Bürger (Anm.: ich schreibe beide Geschlechter an, damit der Text Volumen kriegt) gewissen Entwicklungen ausgeliefert sind.
  • Sie thematisiert eine Angelegenheit, die jeden mehr oder weniger betrifft und bei dem sich so jeder mehr oder weniger betroffen wähnt.
  • Sie postuliert einen abendländischen Niedergang in Form von Autorinnen und Autoren, die es inhaltlich offenbar nicht mehr bringen und deren schlechte Arbeit im Gegensatz zu der guten alten Zeit inhaltlich ausgereifter Schreiberinnen und Schreiber steht.
  • Sie erklärt außerdem, dass man diesem Niedergang nicht qualitativ begegnet, sondern durch Methoden der Vertuschung.

Besonders die letzten beiden Punkte sind nicht zu unterschätzen. Das latente Gefühl, dass früher alles besser war, dass das Heute nur noch Verschlechterung in allen Bereichen bedeute, macht Menschen für Fake-Meldungen besonders empfänglich.

Nun steht es den Lesern natürlich offen, die ersten drei Absätze an seine Community weiterzuleiten. Den einen oder anderen wird es sicherlich brennend interessieren, wie er verarscht wird von den Verlegern. Vielleicht sollte man dann aber auch darauf hinweisen, wo man weiterlesen könne. Man will sich schließlich nicht den Vorwurf machen lassen, nur Fake-News zu verbreiten. Dieser Text hat an dieser Stelle 4767 Zeichen. Mit der nicht mehr ganz so neuen Rechtschreibung kann man echt gut Zeilenhonorar schinden.

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23 Kommentare auf "Schock: Die wahren Gründe für die Rechtschreibreform"

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[…] Deutsch drucken. Was keiner wusste: Die Rechtschreibreform wurde von den Verlagen gefordert. Weiterlesen bei den neulandrebellen Lesen Sie auch: Nach der Tat von London: Es darf nichts mit uns zu tun haben Ich muss jetzt sehr […]

WeThe$laves
Gast
Einfach nur schlecht! Spart Euch das nächste mal die Tinte, Leute! Ich habe schon ganz oben im Artikel eine Pause gemacht um nach der Quellenangabe der vermeintlichen Leaks zu schauen. Egal ob Fake-News-Faible, Verschwörungstheoretiker, Putin-Versteher oder AfD-Wähler, es ist alles okay! Denn jeder sollte die Quellen prüfen und sich selbst ein Bild machen, soweit möglich… „Sie leitet reißerisch ein und offenbart gerade so viel, um zum Anklicken zu animieren.“ Das tun alle Buch- und Filmtitel sowie jegliche Schlagzeilen. Vor allem die der MSM! „Sie berichtet von einer Konspiration zwischen verschlagener Industrie und korrupter Politik und bestätigt damit das, was der… Read more »
Manitu
Gast

Sehr gut! Ich wollte auch so etwas ähnliches schreiben, aber du hast mich bei weitem überflügelt. Für mich ist dieser Artikel pseudo-kritische Polemik und im Grunde für die Tonne.

Mordred
Mitglied

denn diese Fake-News, die hier in den ersten vier Absätzen fabriziert wurde, beinhaltet doch fast alles, was eine Fake-Meldung haben muss, um als solche wahrgenommen zu werden:[…]

und das bzw. die dem zitat folgenden punkte, werter Roberto, wollen mir nicht in die birne. jedes kind lernt doch (hoffentlich heutzutage besonders) in der schule, dass in bild und co. viel müll erzählt wird und dass man quellen checken sollte. wie kann es dann sein, dass in facebook und co. irgendwelche postings von irgendwelchen usern von nicht gerade kleinen gruppen als bare münze wahrgenommen werden?

lotatar
Gast
Ermüdenden Dehnungen begegnet man allenthalben. Soviel ist sicher. Daß Verlage aber ein vitales Interesse daran haben, „alte“ Bücher neu herauszubringen, wird wohl jedem einleuchten. Sie könnten sich die Hände reiben, wenn ich meine Bibliothek auf die neue „Rächdschreipunk“, die da ein paar „durchgeknallten Sesselfurzern“ (H.M. Enzensberger) eingefallen ist, umstellen würde. Und dann gleich nochmal wegen der „political correctness“. Schließlich darf man niemanden als Neger bezeichnen, auch wenn sie sich gegenseitig als „Nigger“ anreden. Das nächste Update müßte zwingend den Wahn der Klima-Hysteriker einschließen. Man stelle sich den Absatz vor, falls z.B. in der Bibel mal ohne Hinweis auf eine „Erderwärmung“… Read more »
Habnix
Gast

Wer mehr Inhalt in Büchern setzt, lässt andere mehr wissen und wir sollen doch gar nicht zu viel wissen.

Wissen macht „Aaaaah!“

Dann muss man eben mehr teure Bücher kaufen und im Zeitalter der Überwachung wird selbst das eigene Wissen überwacht.

Aaaah!

Anthea
Gast

Tja, ich wusste schon dass es Fake News sind, nachdem ich gelesen habe , dass die Orthographie o.k. ist😂😂😂

Erwin
Gast

OFF

„Wir brauchen, wir brauchen, wir brauchen“

Gastbeitrag in der Huff von Katja Kipping

– Der Tag des Scheiterns der EU-

http://www.huffingtonpost.de/katja-kipping/fuer-ein-neues-europa_b_15653784.html

schwitzig
Gast
@Erwin Die Kipping mal wieder – ein gewichtiges Argument gegen ie LINKE, leider. Das Weiterlesen fiel mir schon schwer, als ich die Orwellsche Blödworthülse „Die IDEE Europa“ (merken die eigentlich noch, was für einen Schwachsinn sie auch linguistisch absondern?) lesen musste – ansonsten stieß mir auf: Der Brexit ist eine politische Katastrophe für Europa und wird ein soziales Desaster für Großbritannien. Das ist Blödsprech: Das soziale Desaster gäbe es auch mit der EU, wahrscheinlich sogar noch schlimmer. Die politische Katastrophe bezieht sich auf die Versorgungsbezüge der Politiker. Theresa May muss verstehen, dass der Austritt der sechstgrößten Volkswirtschaft der Erde aus… Read more »
Erwin
Gast

Pulse of Kipping .-)

Die EU ist tatsächlich der Garant FÜR Kriege; zumindest außerhalb der EU

Auch innerhalb. Deutschland führt bereits Krieg in Europa. Der Euro ist Deutschlands Waffe.

Immerhin möchte Kipping dieses korrupte und kaputte Konstrukt herunterfahren und neu booten.
Dies und anderes unterscheidet sie vom Volkssturm der kritiklosen Proeuropäer, dem letzten Aufgebot von Pulse of Europe.

Robbespiere
Mitglied
@Erwin Immerhin möchte Kipping dieses korrupte und kaputte Konstrukt herunterfahren und neu booten. Dies und anderes unterscheidet sie vom Volkssturm der kritiklosen Proeuropäer, dem letzten Aufgebot von Pulse of Europe. Das kann man fett unterstreichen. Nur leider fallen ihre löblichen Zielvorstellungen bei Menschen, die ihren Kopf größtenteils zum Wohlgefallen der Friseurinnung auf den Schultern tragen, auf eher steinigen Boden, wo nichts gedeihen kann. Wie soll sich eine EU reformieren lassen, wenn nur wenige Bürger bereit sind, für ihre Interessen massiv einzutreten und den notwendigen Reformdruck zu erzeugen? Da bleibt doch nur die Möglichkeit, die z.B. Großbritanien gewählt hat, um sich… Read more »
Erwin
Gast

Da bleibt doch nur die Möglichkeit, die z.B. Großbritanien gewählt hat, um sich dem Irrsinn zu entziehen, auch wenn es Nachteile mit sich bringen wird.

Unsere Medienmeute nimmt die angeblich furchtbaren Nachteile schon auf und überzieht sie ins Groteske. Da sollen abschreckende Exempel statuiert werden.
Die Briten müssten 60 Mrd. € Strafe zahlen, rund 18000 Gesetze umschreiben, 43 Freihandelsabkommen neu verhandeln, sonst griffen die menschenverachtenden Regeln der WTO mit Zöllen usw. :-))))

Wenns für Kriegsgewinnler und Spekulanten wichtig wird, erscheint der Kampagnenjournalismus wie der Springteufel aus der Schachtel :-)))

Lutz Lippke
Gast

Ich hatte es doch immer gewusst oder mindestens geahnt. Nichts mit Fake-News. Das Recht wird willkürlich umgeschrieben und nach Gusto mit beliebigen Buchstabenzauber und Phrasen verwässert und verlängert, nicht zuerst von Verlegern, sondern von Richtern des BGH, von Ausschussmehrheiten, von BND/NSA usw.. Da es sich um eine grundlegende Frage unserer Rechtsordnung zu Demokratie, Gewaltenteilung und das Selbstbestimmungsrecht handelt, habe ich die beteiligten Abgeordneten um Antworten und einen Ausblick gebeten.
http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_patrick_sensburg-778-78482–f464675.html#q464675
http://www.abgeordnetenwatch.de/martina_renner-778-78597–f464674.html#q464674
http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_konstantin_von_notz-778-78548–f464673.html#q464673

Zur Vertiefung der heimlichen Reform https://community.beck.de/2016/11/19/bernd-ruethers-die-heimliche-revolution-vom-rechtsstaat-zum-richterstaat
Wer in diesem Kommentar Ironie sucht, muss die Metaebene erklimmen.

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[…] 24. Schock: Wahre Gründe für Rechtschreibreform – http://www.neulandrebellen.de/2017/03… 25. „Weltpolitisch katastrophal“: Russischsprachige Statisten für VS-Kriegsspiele gesucht […]

EuRo
Gast

Ich empfehle als Lektüre ein richtig altes Buch: Die Wahrheit über Hänsel und Gretel.Von Hans Traxler.
Die Methode ist schon uralt. Traxler hat aber nicht (im Buch) aufgelöst. Damals sind ihm jede Menge auf den Leim gegangen. Ich sage nur: von Däniken Zeit.

The Joker
Mitglied

Kann mal jemand mal die Pingbacks vom Nazi-Honigmann hier rausnehmen?
Danke.

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