Der Hauptstadtflughafen – Spiegelbild der deutschen Seele

Neulich bin ich verreist und habe ein Abenteuer erlebt. Dieses Abenteuer will ich euch nicht vorenthalten. Ich habe es daher hier für euch aufgeschrieben. Das Abenteuer fand allerdings nicht in meinem Zielland statt, sondern hier in Deutschland, in Berlin, am Flughafen.

Ich fliege viel und regelmäßig. Ich wohne in Berlin und  fliege daher meist ab BER. Ich fliege vom vermutlich idiotischsten Flughafen der Welt weg und auch wieder dorthin zurück.

Um zu schildern wie verquer und debil der Berliner Flughafen ist, könnte ich im Grunde von jeder beliebigen Reise erzählen, die ich seit Eröffnung des großspurig “Hauptstadtflughafen” genannten Bauwerks von dort aus unternommen habe. Es lief immer etwas schief. Und es lief immer auf die gleiche, typisch deutsche Weise schief: vollkommen akkurat nämlich. Ich will der Einfachheit halber von meiner letzten Reise berichten. Am vergangenen Freitag flog ich von Berlin nach Moskau.

Ankommen

Um es für eilige Leser kurz zu machen: Ich war zwei Stunden vor Abflug am Flughafen und hätte vor lauter deutscher Gründlichkeit meinen Flug beinahe verpasst. Das kam so: Ich reise in der Regel nur mit Handgepäck. So auch dieses Mal. Es ist unkomplizierter. In Moskau wollte ich das Wochenende verbringen, den Geburtstag meines Freundes Dima gemeinsam mit ihm begehen, dabei etwas freiheitliche Luft atmen, indem ich der deutschen Spießigkeit und seiner repressiven Überregulierung entfliehe. Um das zu tun, musste ich mich durch Architektur gewordene deutsche Regulationswut quälen. Um aus der deutschen Überregulierung und der ziel- und maßlosen deutschen Gründlichkeit zu entkommen, muss man eine zynische Zuspitzung all dieser Klischees über die Deutschen physisch durchschreiten. Diese Fleischwerdung des deutschen Wesens ist der BER.

Das Interieur des BER soll gediegen wirken. Das ist die erkennbare Intention, aber in Zusammenhang mit den Abläufen wirkt es rückständig, aus der Zeit gefallen. Der Name des Flughafens ist Willy Brandt. Architektonisch und organisatorisch aber weht hier der Geist der Adenauer-Ära. Es regiert ein größenwahnsinnig gewordener Kleingeist.

Vor Abflug online einchecken geht bei Reisen nach Russland nicht, denn man muss seinen negativen PCR-Test vorlegen. Warum ich auf dem Rückweg ganz problemlos online einchecken kann, bleibt ein Rätsel. Alle Dokumente rund um Corona und Visum kann man in Russland beim Einstieg kontrollieren lassen. Ganz schnell und einfach.

Einchecken

Als guter Deutscher erscheine ich pünktlich und reihe mich exakt zwei Stunden vor Abflug in die Schlange vor dem Check-In-Schalter ein, der gerade öffnet. Ich warte.
Viel früher kommen, bringt wenig, denn die Schalter machen erst zwei Stunden vor Abflug auf. Ich hatte das schon einmal ausprobiert, war drei Stunden vor Abflug am Flughafen, was aber nur dazu führte, dass ich länger auf die Ausstellung meiner Bordkarte warten musste.
Die Abfertigungsschalter sind in der Haupthalle wie Schuhschachteln aufgestellt. Alles ist viel zu klein und unterproportioniert. “Zu klein und zu wenig” ist das der Architektur des BER zugrunde liegende Prinzip. Was vermutlich minimalistisch und reduziert wirken soll, ist einfach nur dysfunktional. Vor den wenigen Automaten beispielsweise, an denen man Tickets für den Nahverkehr ziehen kann, bilden sich beständig Schlangen. Die Leute warten.

Einzig die Wege sind überproportioniert. Man läuft sich tot auf dem BER. Vermutlich soll das den Eindruck von Größe und Erhabenheit vermitteln. Das war schon im Faschismus ein Trick, zu dem Architekten gerne griffen. Am Hauptstadtflughafen scheitert er grandios. Statt ergriffen und erhaben fühlt man sich lediglich genervt und verarscht.

Sicherheitskontrolle

Nach dem ersten Schlangestehen kommt dann gleich das zweite. Es gibt auf dem in Beton gegossenen Symbol spezifisch deutscher Korruption fünf Sicherheitsschleusen. Es gibt Anzeigetafeln, die die Auslastung der Sicherheitsschleusen anzeigen. Man darf die schönste für sich aussuchen, so viel Freiheit sei den Fluggästen zugestanden. An meinem Reisetag zeigen die Anzeigetafeln, dass von den fünf vorhandenen Sicherheitskontrollen vier maximal ausgelastet sind. Die fünfte ist geschlossen.

Von Mitarbeitern des Flughafens wird die Wartezeit dort für jeden einzelnen Passagier optimiert. Das Maximum an sinnlosem Rumstehen wird herausgeholt. Das funktioniert auf folgende Weise: Man wird zunächst an die längste Schlange gelotst. Von Zeit zu Zeit kommt eine Ordnungskraft vorbei und ordnet die Wartenden neu. Man wird genötigt sich in eine andere Schlange einzuordnen. Wer meint, es wäre eine Serviceleistung, die dazu dient, dass alles schneller geht, täuscht sich. Ich zähle nach, vor mir sind noch fünfundzwanzig Wartende, dann noch achtzehn, dann zwölf, schließlich sind es nur noch sieben Passagiere. Ich bin also gleich dran. Mir wird mit anderen Fluggästen nun befohlen, mich an einer anderen Schlange anzustellen. Ich zähle wieder nach. denn es gibt sonst nichts zu tun. Vor mir sind jetzt wieder zehn Personen die auf Durchlass warten. Ich warte weiter.

Die Mitarbeiter an den Sicherheitsschleusen sind offenbar angehalten, gründlich zu arbeiten, sehr gründlich. Und sie sind zu Freundlichkeit angehalten, Es geht provozierend langsam. Jedes Döschen Creme wird in Augenschein genommen. Es wird dabei gescherzt, ein bisschen berlinert, auch geflirtet. Das Personal ist dabei ausgesprochen gut gelaunt – die Passagiere eher nicht. Während etwas weiter hinten die Ungeduld wächst, scherzen die Kontrollettis vorne mit den Fluggästen, die eigentlich nur eins wollen: schnell alles hinter sich bringen, denn es ist schon spät. Endlich darf ich mein Handgepäck präsentieren, Gürtel ablegen, Handy raus, Geldbeutel auch, ebenso das Notebook. “Nichts vergessen? Taschen leer?” “Nein”, sage ich, “nichts vergessen”. Alles wird begutachtet. Gründlich, akkurat. Ich warte auf den Scan, danach wird noch ein bisschen an mir rumgefummelt, schließlich darf ich durch.

Kettensäge im Handgepäck

Ich habe das große Glück, dass mein Gepäck zu einer routinemäßigen Kontrolle auf Sprengstoff aussortiert wird. Das passiert manchmal und dauert an echten Flughäfen, die mit dem Ziel arbeiten, Passagiere abzufertigen, ungefähr dreißig Sekunden. Der BER hat aber das Ziel, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Passagiere sind dazu lediglich das Mittel. Alles dreht sich um sich selbst, um Regeln, die Frage, wie sie buchstabengetreu umzusetzen sind, wie Abläufe korrekt zu gestalten sind, damit all diese Regeln nicht nur beachtet, sondern ihre Einhaltung durch das Regime zu 120 Prozent gewährleistet ist. Ich bin mir sicher, es gibt unglaublich viele Arbeitskreise am Flughafen, die sich nur damit beschäftigen, wie man all die Vorschriften noch weiterentwickeln und tiefer implementieren kann. Dass sich die Wartezeiten als Nebenwirkung wegen dieser deutschen Gründlichkeit weiter verlängern, spielt für die Verantwortlichen vermutlich keine Rolle. Sie würden es ja sonst anders handhaben.
Dem untersetzten Herrn vor mir in der Schlange wurde ebenfalls das Handgepäck zur genaueren Kontrolle aussortiert. Sein Gepäckstück ist vor meinem dran. Er führt den Motor einer Kettensäge mit. Das Sägeblatt fehlt. Jetzt schließt sich natürlich aufgeregt die Frage an, darf er das mitführen oder darf er nicht? Man kann die Frage so aus dem Stegreif nicht beantworten, ruft daher nach sachkundiger Unterstützung. Ich warte.

Zu den drei Sicherheitsfachkräften gesellen sich nach einigen Minuten drei Polizisten. Der Fall wird geschildert. Ich warte.

Man zückt ein Heftchen mit behördlichen Anweisungen und Regelungen, blättert, diskutiert. Ich warte.

Man wendet sich an den untersetzten Herrn. Der versteht allerdings weder Deutsch noch Englisch. Er will nach Moldawien. In der Hoffnung, dadurch den Vorgang etwas zu beschleunigen, versuche ich es auf Russisch. Er versteht mich, ich verstehe ihn, wir verstehen uns. Ich übersetze. Er wollte den Motor mit nach Hause nehmen und dort instandsetzen. “Aha”. Diskussion unter den deutschen Fachkräften. Wir warten.

Es kommen noch weitere Fachkräfte des Sicherheitsgewerbes hinzu, denn der Fall scheint interessant und lehrreich. Inzwischen sind es um die zehn, die immer wieder auf die Tasche deuten, zu dem untersetzten Herrn aus Moldawien blicken, sich dann wieder ihrer Fragestellung und der Lösungsfindung zuwenden. Wir warten.

Schließlich das Ergebnis langen, gemeinsamen Nachdenkens auf hohem deutschen Niveau. Ich soll ihm übersetzen: Er muss den Motor entsorgen. Dazu muss er die Sicherheitsschleuse noch einmal verlassen, den Motor dann in einen Papierkorb werfen und sich dann mit seinem Gepäck noch einmal anstellen. Hinter der Sicherheitsschleuse gibt es anscheinend keine Abfalleimer, zumindest keine behördlich zuständigen. Allen ist klar, sein Flug ist damit futsch. Meiner auch gleich.

Es gibt für solche unklaren Fälle auf allen anderen Flughäfen der Welt die Möglichkeit, sie etwas Abseits zu klären, um den Fluss der Abfertigung anderer Passagiere nicht zu unterbrechen. In Berlin nicht. Dort müssen sie offenkundig direkt vor Ort unter größtmöglichem Personalaufgebot und Einhaltung des oberster Grundsatz gelöst werden: Eins nach dem Anderen. Eile mit Weile.

Passkontrolle

Im perfekt aufgestellten Hürden-Parcours namens BER stand mir jetzt noch ein letztes Hindernis bevor: die Passkontrolle. Die Passkontrolle für Flüge aus dem Schengenraum heraus, befindet sich eine Ebene höher. Dorthin führt eine Rolltreppe. Weil der Bereich vor der Passkontrolle versehentlich etwas klein geraten ist, gibt es vor Betreten der Rolltreppe eine Absperrung, die von zwei Mitarbeitern des Flughafens kontrolliert wird. Ich schaue nach oben zur Passkontrolle. Als EU-Bürger genieße ich das Privileg, von der neuesten Technik Gebrauch machen und die automatisierte Kontrolle passieren zu dürfen. Vor der automatisierten Passkontrolle steht niemand. Alles ist frei. Dessen ungeachtet soll ich mich hier unten in eine ewig lange Schlange einreihen. Die Mitarbeiter des Flughafens lassen tröpfchenweise mal Fluggäste aus dem Schengenraum, mal Fluggäste mit Pässen aus anderen Regionen nach oben. Im Moment sind Pässe aus anderen Regionen dran. Es wird alles streng kontrolliert und konsequent sinnfrei geregelt. Ich warte.

Wettlauf zum  Gate

Ich warte, aber nur einen kurzen Moment. Es ist mir jetzt echt zu blöd. Ich umgehe die Schlange und tue etwas, was ich selten tue: Ich setze mich über Anordnungen hinweg. Ich öffne eins der Absperrbänder, gehe hindurch, betrete die Rolltreppe. Hinter mir Rufe: “Sir, Sir, you must not …” “Leck mich doch”, denke ich. Die Mitarbeiterin vom Sicherheitsdienst folgt mir. Allerdings nutzt sie die Treppe. Ich bin schneller. Sie ruft mich zurück. Ich soll mich wieder in die Reihe stellen. Ich reagiere nicht, denke aber etwas in Richtung “wie blöd kann jemand sein?”. Das Szenario ist völlig absurd. Ich lege meinen Pass auf das Lesegerät, die Schranke öffnet sich, ich trete in die Schleuse. Die Schranke schließt sich hinter mir. Ich höre noch ihre Rufe. Die Schranke vor mir öffnet sich, erleichtert lasse ich Deutschland hinter mir. Was für ein Land!

Noch einmal ein langer Weg, ein letzter Kurzmarathon zu meinem Gate. Letzter Aufruf. Ich erreiche meinen Flieger in die Freiheit mit letzter Kraft, erschöpft, verärgert aber mit der Aussicht auf ein Wochenende unter normalen Menschen.

Resümee: Der BER ist eine einzige Hürde

Dieser Flughafen ist der letzte Scheiß. Er dreht sich ausschließlich um sich selbst. Der Gedanke, dass diejenigen, die am Flughafen ankommen, nicht in erster Linie willkürliche Regeln und Anweisungen befolgen, sondern ein Flugzeug erreichen wollen, scheint den Verantwortlichen völlig fremd, lachhaft geradezu. Alles am BER ist Hürde. Nichts funktioniert reibungslos, nichts dient dem eigentlichen Zweck eines Flughafens: dem zügigen Durchschleusen von Passagieren.

Dass es auch anders geht, zeigt dann mein Rückflug vom Flughafen Scheremetowo in Moskau. Am Vortag kann ich online Einchecken. Mit dem Online-Ticket gehe ich direkt durch den Zoll zur Sicherheitskontrolle. Vor mir sind drei Personen, an der Passkontrolle ebenso. Es dauert insgesamt keine zehn Minuten, wofür man in Berlin beinahe zwei Stunden benötigt. Auch bei der Einreise nach Russland lief alles zügig, wie eigentlich immer. Trotz dieser Tatsachen bin ich mir sicher, glauben viele Mitarbeiter des BER in mittlerer und höherer Funktion, an eine deutsche Überlegenheit und leben im Glauben, mit ihrer Arbeit der Welt ein leuchtendes Beispiel für deutsche Effizienz und deutsches Organisationstalent zu geben.

Es geht anders. Wenn man denn will. In Deutschland will man nicht. Der BER mit all seiner Willkür scheint mir ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft. Repressive Regeln, fadenscheinige Begründungen für Willkür und absurde Maßnahmen, eine geistlose Spar- und Verknappungsmentalität. So wie der BER organisiert ist, sind wir durch die Corona-Pandemie gegangen, so organisiert Deutschland seine Wirtschafts-. und Außenpolitik. Der BER ist Sinnbild für Deutschland als Staat, der an sich selbst scheitert, weil er den Zweck von Staatlichkeit aus dem Blick verloren hat: Seinen Bürgern eine Existenz in Freiheit und Sicherheit zu ermöglichen. Wie auch am BER sind in Deutschland inzwischen Regeln, Verordnungen, deren Befolgung zum absurden Selbstzweck geworden. Alles ist schwer in diesem Land. Diese Schwere wird dann besonders intensiv fühlbar, wenn man ab und zu das Land verlässt und sieht, wie es woanders läuft: mit großer lebensfreudiger Leichtigkeit.

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Gert-Ewen Ungar

Gert Ewen Ungar legte sich kurz nach dem Abi sein Anagramm zu. Er und seine Freunde versprachen sich damals bei einem Kasten Bier, ihre Anagramme immer für kreative Arbeiten zu verwenden. Dass sein Anagramm jemals mehr als zehn Leuten bekannt werden würde, war damals nicht abzusehen und überrascht ihn noch heute. Das es dazu kam, lag an seinem Blog logon-echon.com. Mit seinen Berichten über seine Reisen nach Russland stiegen die Zugriffszahlen und es entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit RT DE. Anfang 2022 stieß er zu den neulandrebellen und berichtet über Russland, über Politik, über alles Mögliche.

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ChrissieR
ChrissieR
9 Monate zuvor

Morsche!

Ich freue much immer wieder, dass ich zu viel Schiss vorm Fliegen habe und auch sonst grosse Gebäude wie Flughäfen oder Hotelanlagen meide…
Aber, wenn ich das so lese glaub‘ ich, ich wäre schneller mit meiner 28 PS Ente von Berlin nach Moskau gefahren…😂

Wütender Bürger
Wütender Bürger
Reply to  ChrissieR
9 Monate zuvor

Ich steige seit 2001 grundsätzlich in kein Flugzeug mehr. Aber nicht aus Angst vor Terroristen, sondern weil ich nicht gewillt bin, die entwürdigenden Prozeduren über mich ergeben zu lassen, die angeblich zur Abwehr von Anschlägen eingeführt wurden.

Seb
Seb
9 Monate zuvor

Ich empfehle das Buch „Black Box BER: Vom Flughafen Berlin Brandenburg“. Ich teile ausdrücklich viele Anmerkungen vom Autor nicht aber es gibt einen guten Einblick. Zusammenfassend würde ich sagen, dass in Berlin eh nichts funktioniert. Den Berlinern scheint das zu gefallen. Der Flughafen ist da nur ein Beispiel. Zu klein geplant und die Laufwege waren mal da, die Kunden durch Shops zu schleusen. Flughafen ist eigentlich eine Einkaufsmeile mit Flugmöglichkeit. Wie ich das T3 in München mitgebaut habe, habe ich aber festgestellt, dass dort viele Probleme ähnlich sind. Inkompetenz trifft auf Entscheidungsfaulheit.

Wütender Bürger
Wütender Bürger
9 Monate zuvor

Willkommen zur Märchenstunde mit Onkel Gert!

Heute: Eine Odyssee am Flughafen in Berlin.

Ich […] fliege daher meist ab BER.

Und wenn er nicht gestorben ist, so sucht er seinen Flieger noch heute…

Ende des Märchens!

(Gert: dieser Kommentar ist nicht gegen dich gerichtet!)

Daniel D. Dietze
9 Monate zuvor

Schikane. Lange Laufwege. Genau wie bei Asterix und Obelix im Haus, das Verrückte macht. BER – Flughafen, der Verrückte macht.
https://www.youtube.com/watch?v=ltd6YmXsnR4

Rudi K
Rudi K
Reply to  Daniel D. Dietze
9 Monate zuvor

Das scheint wohl das „Neue Deutschland“ zu sein. Bei manchen Behörden hat man den Eindruck, daß man leicht verrückt raus kommt.

Wütender Bürger
Wütender Bürger
Reply to  Rudi K
9 Monate zuvor

Bei manchen Behörden kommst du gar nicht mehr rein, wenn du nicht „2G“ erfüllst. Siehe z.B. Agentur für Arbeit.

Daniel D. Dietze
Reply to  Wütender Bürger
9 Monate zuvor

Wobei mir jetzt spontan keiner einfällt, der da gern und aus freien Stücken antritt. Das machen da gefühlt nichteinmal die Mitarbeiter.

Wütender Bürger
Wütender Bürger
Reply to  Daniel D. Dietze
9 Monate zuvor

Es gibt auch Menschen, die dort hingehen müssen, z.B. und insbesondere, wenn sie arbeitslos geworden sind oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind. Zwar kannst du die entsprechenden Meldungen und Anträge am Rechner erledigen, aber du musst dich identifizieren, entweder persönlich oder per Ausweis mit Online-Funktion.

Und genau hier gibt es ein Problem, wie ein Freund gerade feststellen musste: bist du weder ein „2G-ling“ noch online identifizierbar, kannst du dich nicht arbeitslos melden.

Er hat Montag einen Termin beim Anwalt deswegen.

P.S.: Auch in dieser Geschichte sehe ich einen Abgrund der deutschen (bürokratischen) Seele.

Last edited 9 Monate zuvor by Wütender Bürger
Daniel D. Dietze
Reply to  Wütender Bürger
9 Monate zuvor

Zurecht.

Brian
Brian
Reply to  Wütender Bürger
9 Monate zuvor

Was die Bürokratie in Deutschland betrifft, darüber muss man nicht ernsthaft
diskutieren. Da waren wir schon seit jeher Weltmeister.
Bei manchen Dingen kommt es allerdings drauf an. Habe vor kurzem auch eine
‚Einladung‘ zur Identitätsprüfung bekommen und denen direkt mitgeteilt, daß ich
die ganze Maskerade, etc. allerdings nicht mitmachen würde und so ist der Termin vorerst storniert worden. Bis dahin hatte ich allerdings keine Probleme
mit dem Jobcenter. Im Gegenteil, meine Anträge sind sehr zügig bearbeitet worden.
Mal schauen, wie’s weitergeht…

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Brian
9 Monate zuvor

@Brian

Ja, man darf nicht pauschalieren.
Mit staatlichen Institutionen habe ich bisher auch meißt gute Erfahrungen gemacht.
Es hängt halt sehr von der Einstellung des jeweiligen Sachbearbeiters ab.

Daniel D. Dietze
Reply to  Rudi K
9 Monate zuvor

Raus aus dem Amt, rein in die Klapse. Zumindest die Hersteller pharmazeutischer Produkte werden jenen Missstand nicht bedauern.

Wütender Bürger
Wütender Bürger
Reply to  Daniel D. Dietze
9 Monate zuvor

Wir Deutschen sind gut darin, Rundrum-Sorglos-Pakete anzubieten. Das gilt für Versicherungen, Pharmazie und auch für die Rüstungsindustrie, wenn wir Waffen und Prothesen gleichzeitig in Krisengebiete liefern.

Heiko
Heiko
9 Monate zuvor

Willkommen Gert-Ewen,

ich musste sehr kichern über deinen gelungenen Text, aber ich bin ja auch großer Kafka-Fanboy.

Tolle Bereicherung der Neulandrebellen, da kommt bestimmt noch viel Gutes!

Last edited 9 Monate zuvor by Heiko
Regina
Regina
9 Monate zuvor

Der Artikel ist köstlich! Die Kommentare waren noch köstlicher, besonders der Link zum Formular A 38. – Hach, wie herrlich pragmatisch geht es hier in Thailand zu, und dann noch höfliche und freundliche Menschen! Keine Sekunde bereue ich, good old Germany verlaassen zu haben.

Wütender Bürger
Wütender Bürger
9 Monate zuvor

Wie sehr sich die deutsche Mentalität, wahlweise auch die deutsche Seele von anderen Völkern unterscheidet, kann auch sehr gut am Verhalten von Kabarettisten beobachtet werden. In Deutschland ducken sich alle weg, wollen nur auf Linie mit der Regierung sein und begnügen sich mit ein paar schäbigen Witzen über Nichtgeimpfte.

In anderen Ländern scheinen sie mehr Mut zu haben, oder kann sich jemand einen deutschen Kabarettisten vorstellen, der sich das traut, was z.B. Marco Rima zum besten gibt?

https://www.nebelspalter.ch/rima-spalter-mit-marco-rima-gerechtigkeit

Daniel D. Dietze
Reply to  Wütender Bürger
9 Monate zuvor

Ja, kann ich. Genau genommen ist er Puppenspieler.
https://www.michaelhatzius.net/
https://www.youtube.com/user/riedelroland/videos

Last edited 9 Monate zuvor by Daniel D. Dietze
Wütender Bürger
Wütender Bürger
Reply to  Daniel D. Dietze
9 Monate zuvor

Naja, geht so. Angesehen davon, daß ich Hatzius und seine grässlichen Puppen eh nicht witzig finde, zeugt es auch nicht unbedingt von Mut, seine Meinung nur zu sagen, wenn man sich hinter solchen fiktiven Gestalten verstecken kann.

Daniel D. Dietze
Reply to  Wütender Bürger
9 Monate zuvor

Da bist du wohl etwas strenger als ich. Aber die Entscheidung von Hatzius, lieber keine Tournee statt einer 2G-Tournee zu machen, finde ich schon mutig, oder zumindest anständig. Sicher könnte er seine Haltung schlicht herausplaudern. Ich finde es jedoch nicht weniger mutig, sondern witziger, wenn es Künstler etwas kreativer gestalten. Georg Schramm hätte man doch auch nicht vorgeworfen, dass er sich hinter seinen (grandiosen) Figuren versteckt hätte. Die Figuren sind doch kein Versteck, sie sind Gestaltungsmittel. Sie erhöhen mitunter die Aufmerksamkeit, sorgen dafür, dass der Kritisierte selbst länger und unvoreingenommener zuhört und bilden eine gute Grundlage für das Gedächtnis, das mit Bildern besser lernt und tiefer versteht.

Pen
Pen
9 Monate zuvor

Fein geschrieben, Gert-Ewer, eine echte Bereicherung für die Rebellen.

Die einzigartige Deutsche Bürokratie ist nur mit Humor auszuhalten.

Mit viel Humor!

Last edited 9 Monate zuvor by Pen
FS
FS
9 Monate zuvor

Ich freue mich schon auf Geschichten dieser Art über den neuen, rückschrittlichen Stuttgarter Hauptbahnhof… aber das dauert noch ein wenig 😀

Wütender Bürger
Wütender Bürger
Reply to  FS
9 Monate zuvor

…Stuttgarter Hauptbahnhof… aber das dauert noch ein wenig

Deine Enkel könnten zu den ersten Passagieren gehören, die dort ein- oder aussteigen.

Brian
Brian
Reply to  FS
9 Monate zuvor

Frag doch mal Herrn Stoiber.
Der kann dir jede Menge über Bahnhöfe und Flughäfen erzählen…😄

Kay
Kay
9 Monate zuvor

Danke für Ihre Beschreibung, in der ich viel wiedererkenne. Der Vergleich mit FRA, was mein ‚Heimatflughafen‘ ist, fiel natürlich schon zu TXL-Zeiten sehr schlecht für Berlin aus (ich war bis zur Pandemie mindestens einmal im Monat auf dieser Strecke, und ich habe mit dieser Branche ‚beruflich zu tun‘).

BER wurde offensichtlich nicht als Flughafen gedacht: alles falsch und zu klein. Auch die Gates, die Toiletten, die Treppen, die Wartebereiche, die Gepäckausgabe.

Es gibt Schwenktüren, die sich gegen die Laufrichtung öffnen, so dass Personal abgestellt werden muss, um die Passagiere zum Warten aufzufordern (im bekannten Ton).

Es gibt auf den Wegen nach draußen häufig Betonschwellen, über die man mit Gepäckwagen kaum herübergelangt.

Der Busbahnhof und der Car Sharing Parklatz sind nur über einen Hindernisparcour zu erreichen, und natürlich unbedacht und es gibt keine Papierkörbe.

Überhaupt: wenn man vor das Gebäude heraustritt, muss man eine Art 8-spuriger Autobahn mit freundlich rasenden Taxi- und Autofahrern überwinden.

Das Mietwagenparkhaus lässt sich nur durch einen windigen und regenbedrohten Außenweg erreichen, obwohl die Gebäude nebeneinander stehen.

Eine unschöne Remineszenz an TXL ist das arrogante und in sich ruhende Sicherheitskontrollenpersonal. Bei meinem ersten Flug von BER habe ich es leider gleich wiedererkannt.