Das letzte Gefecht

Das linke Lager ging in Sachsen-Anhalt als Randerscheinung aus der Landtagswahl. Diese Pandemie war die letzte Chance für eine Linke, die auch mal beim Wähler ankommen könnte.

Nun gehe es darum, wieder Inhalte nach vorne zu stellen: So kommentierte Janine Wissler, Vorsitzende der Linkspartei, das schlechte Wahlergebnis des Landesverbandes aus Sachsen-Anhalt. Nun weiß ich nicht, wer hinter den linken Kulissen an solchen »Analysen« feilt, aber verräterischer kann man das Dilemma der Linken ja wirklich nicht skizzieren und unter die Leute bringen. Denn die Partei leidet an einer Leere, die sie auffüllt mit allerlei randständigen Surrogaten, mit Identitätsgeschwafel und einer Fokussierung auf die AfD, an der sie sie sich hochzieht. Gesund ist das nicht.

Viele linke Politiker, die vor zwei Wochen in Sachsen-Anhalt zur Wahl standen, baten in den Netzwerken um eine Stimme. Ein großer Teil brachte das sinngemäß so auf den Punkt: Bevor ihr die AfD wählt, lieber Wählende, wählt lieber einen von uns. Als Notlösung quasi. Überzeugte Wahlkampagnen sehen anders aus. Das Profil der Partei ist aufgeweicht, markante Punkte kann man offenbar nur noch da abstecken, wo man sich zur AfD abgrenzen kann. Salopp gesagt: Die Linke müsste der Rechtsalternative geradezu Dankesbriefe schreiben, denn die AfD ist die eigentliche Werbestrategie dieser seltsam blutleeren Partei.

Nur jeder Siebte wählt eine »linke Partei«

Der auf die AfD gerichtete Fokus erfreut sich mittlerweile so großer Beliebtheit in Reihen der Genossinen und Genossen, dass sie diese »Strategie« einfach ausbauten. Im Laufe der letzten Monate hat man das Prädikat »AfD-nah« oder »rechtsoffen« nämlich schamlos erweitert. Plötzlich gab es da diese Bürgerinnen und Bürger, die mit der Corona-Politik nicht einverstanden waren, die sich an Grundrechten beraubt und als Souverän entmündigt sahen. Was taten die Linken? Sie hielten coronakonform Abstand. Sogar mehr als 1,50 Meter. Aus der Ferne zeigten sie mit den Finger auf diese Leute, in deren Reihen potenzielle Wählerschaft mitlief.

Das seien allesamt Rechte, las man. Flankiert wurde diese Einschätzung von einem Medienbetrieb, der es fertigbrachte, die künstlerische Freiheit von Schauspielern zu einer Staatskrise auszuweiten, in deren Folge man jene Künstler in die rechte Ecke drängte. Der Fairness halber muss man hinzufügen, dass nicht nur die Linken zu dieser Taktik griffen. Auch jene »linken«, jene an sich ja mal »progressiven« Parteien, die Sozialdemokraten und die Grünen nämlich, bedienen sich beherzt dieser Strategie. Genützt hat es in Sachsen-Anhalt wenig. Gemessen an allen Wahlberechtigten hat nur jeder Siebte entweder die Linke, die SPD oder die Grüne gewählt. Ein Linksruck sähe anders aus.

Die soziale Ungerechtigkeit böte seit Jahren die Möglichkeit, sich zu einer engagierten Alternative zu machen. Eine soziale Alternative eben, die es unterlässt, Wähler anderer Parteien als Idioten abzustempeln und so zu brüskieren –  oder die Menschen dieses Landes mal nicht mit ideologischen Ansätzen oberbelehren will. Sachlich, nüchtern: Das ginge. Stattdessen gibt sich die Linke ihrer Befindlichkeiten hin, zeigt mit dem Finger auf andere, bleibt blass, humorbefreit und irgendwie seltsam beliebig. Über Jahre hat man es verpasst, die soziale Ungerechtigkeit als Vehikel zu nutzen. Man machte auf Identität, kuschelte mit den jungen Leuten im Hoodie und lud zur drögen Exegese sozialistischer Klassiker ein.

Letzte Chance! Vorbei!

Wie konnte man in so einem Klima, da die Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter auseinanderklaffte, bloß so eine Randnotiz der deutschen Politik bleiben? Man müsste doch eigentlich satte 25 Prozent im Bund haben. Die Regulierung des entfesselten Marktes wäre doch ureigenste Aufgabe linker Politik. Stattdessen krebst die Linke herum, manche Prognose erklärt gar die Überwindung der Fünf-Prozent-Hürde für fraglich. Was für eine vertane Chance in all den Jahren!

Noch eine vertane Chance war der Corona-Komplex. Von Anfang an war man auf Regierungskurs, hinterfragte nicht die gerade für die kleinen Leute schädliche Lockdown-Politik, hieß sie gar gut. Die Vertreter der Partei zogen sich bestenfalls auf die Position zurück, dass man jene, die jetzt handlungsunfähig an ihr stilles Kämmerlein gebunden seien, fair zu alimentieren. Die menschliche Dimension dieser Wegsperrstrategie beschäftigte die Linke kaum bis gar nicht. Die fehlende Angemessenheit traute man sich nicht zu thematisieren. Grundrechte? Wer darüber sprach, wurde in der oben genannten Art und Weise in die rechte Ecke gedrängt. Der Kölner Ortsverband der Linken wollte gar eine anonyme Meldestelle etablieren, wo Arbeitskollegen Arbeitskollegen anschwärzen sollen, die sich im Job nicht an die Maßnahmen hielten.

Diese Pandemie war eine gigantische Chance, um sich nochmal bei der Wählerschaft bemerkbar zu machen. Ein letztes Gefecht. Man ließ sie ungenutzt. Hat das Gefecht verloren. Parteipolitische Ranküne seien nämlich nicht das Gebot der Stunde, begründete man. Ist das Naivität? Oder Arbeitsverweigerung? Keine Ahnung: In jedem Falle der bequemere Weg. Doch so zu tun, als hätten die politischen Parteien dieses Landes vereint zusammengehalten, ohne auf eigene Vorteile zu achten: So blöd kann doch wohl kein Linker sein, oder? Jedenfalls keiner aus Schrot und Korn, Leute, die den Arbeitskampf noch kennen etwa. Die wissen: Es gibt immer jemanden, dem etwas nutzt. Egal wie mies die Zeiten sind. Identitätslinke haben davon keine Ahnung. Im Elfenbeinturm ist immer Refugium, da ist keine Sünde, da ist Harmonie. Die Sucht nach letzterem: Das ist das Problem schlechthin dieser Partei, die keine Chance mehr hat.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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Mensch
Mensch
1 Jahr zuvor

Leider ist jedes sachlich und völlig unaufgeregt verwendete Wort schlicht und ergreifend wie auch trauriger Weise wahr😢

…und zumindest ich musste einmal Google bemühen. Ranküne, kannte ich nicht.

Brian
Brian
Reply to  Mensch
1 Jahr zuvor

Außer dem Wort „Pandemie“…😉

ChrissieR
ChrissieR
1 Jahr zuvor

Guude!
Ja, leider isses so! Ich kann mich noch erinnern, vor x-Jahren an einer Info-Veranstaltung der WASG teilgenommen zu haben, da war der Kernpunkt soziale Gerechtigkeit!
Als dann von der SED übernommen wurde, hatte ich grosse Hoffnungen in Sahra Wagenknecht…
Mehr muss ich jetzt wohl nicht mehr sagen, jedenfalls wähle ich diesen Verein seit dem Wagenknecht-Bashing auch nicht mehr!
Irgendwie sind wohl alle Parteien vom neoliberalen Virus befallen, unterwandert von Deep State…bin mal gespannt, wie das bei “ die Basis“ so weitergeht..

Rudi K
Rudi K
Reply to  ChrissieR
1 Jahr zuvor

Irgendwie sind wohl alle Parteien vom neoliberalen Virus befallen, unterwandert von Deep State…bin mal gespannt, wie das bei “ die Basis“ so weitergeht..

Dem stimme ich zu. Aber als „Virus“ sehe ich eher den „Identitätsvirus“, der Parteien und auch Medien „befallen“ hat. Gestern Abend um 18:00 gab es vor der Tagesschau auch eine Sendung über den „allgegenwärtigen Rassismus“ und der Idnetitätspolitik.

Pen
Pen
Reply to  Rudi K
1 Jahr zuvor

Haben nicht die Linken den Identitätsvirus überhaupt erfunden?

Und wie dumm muß man sein, eine Sarah Wagenknecht aus der Partei zu mobben?

Rudi K
Rudi K
Reply to  Pen
1 Jahr zuvor

Dieser Identitätsvirus stammt eigentlich ursprünglich aus den USA und verbreitete sich mit der Zeit nach Europa. Die Zellen, an denen er gut andocken konnte, sind dabei eher „grün“ gefärbt.

Sarah Wagenknecht stand einfach auf einer eher „sozialen“ Seite der Linken während die „identitären“ Linken auch in dieser Partei die Übermacht bekamen.

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Pen
1 Jahr zuvor

@Pen

Die Sarah hat mal selbst gesagt, sie sei keine Politikerin.Das wird der Grund sein. Sie lässt sich net vom Deep State kaufen! Und die Kipping ist in meinen Augen ne stutenbissige Tusse, die der Sarah die Intelligenz, Coolness und Schönheit neidet!
Sarah sollte bei “ die Basis“ einsteigen….

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  ChrissieR
1 Jahr zuvor

Wenn man sich die Metamorphose der bisherigen, als links geltenden Parteien anschaut, dann kann man sich an fünf Fingern abzählen, was aus der Basis früher oder später werden wird.

Im gegebenen Sstem der „parlamentarischen Demokratie“ ohne Mitbestimmung und echte Gewaltenteilung gibt es keine Chance auf Veränderung.
Der Weg in die Bundesregierung führt über die Länder, wo man mit den Vertretern des Neoliberalismus koalieren muss.
Das wirkt wie 60’er Schmirgelpapier.
Bis man Oben ankommt, sind die sozialen Ecken abgeschliffen.

Die kann nur von Unten kommen, durch massiven Widerstand.

Brian
Brian
Reply to  Robbespiere
1 Jahr zuvor

Da gebe ich dir grundsätzlich recht. Bisher hat es noch so ziemlich jede Partei
geschafft, im Laufe der Jahre und Jahrzehnte sich entweder selbst zu zerstören
oder zu einer Karikatur ihrerselbst zu werden.
Es braucht schon sehr gesattlete Personen, die sich nicht so leicht beirren lassen. Herr Wodarg gibt ja in seinem neuen Buch ein paar Denkanstösse, wie
Politik grundsätzlich und langfristig zu ändern wäre, um mehr Mitbestimmung
und (soziale) Gerechtigkeit zu fördern.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Brian
1 Jahr zuvor

@Brian

Mitbestimmung heißt Kontrolle, um Entgleisungen der politischen Parteien gg. die Interessen der Bürger zu verhindern.
Ob das in jedem Fall gerecht ist, sei dahingestellt, aber es ist dann keine Diktatur durch Filz einer Minorität mehr, die unter völliger Straffreiheit stattfindet.

Last edited 1 Jahr zuvor by Robbespiere
Brian
Brian
Reply to  Robbespiere
1 Jahr zuvor

Wenn ich von Gerechtigkeit o.ä. rede, meine ich i.d.R. sowieso nur eine
Annäherung. Alle wird man nie zufriedenstellen können. Wünschenswert wäre
ein Lebens-Raum, in dem die meisten sich (im weitesten Sinne) gut aufgehoben
fühlen und in dem solche Entwicklungen wie im letzten Jahr bzw. die „Herrschaft“ einiger weniger nicht mehr möglich sind.

JW
JW
1 Jahr zuvor

Klasse Analyse. Hoffentlich wird das von den Linke-Politikern auch mal gelesen und verstanden.
Hab´da meine Zweifel . . .

Robbespiere
Robbespiere
1 Jahr zuvor

Letzte Chance! Vorbei!
Die einzige Chance war Sahrah Wagenknecht und die haben die Linken in ihrer Borniertheit selbst demontiert, so wie die SPD damals den Lafontaine.

Corona ist nur die logische Konsequenz aus dieser Selbstenthauptung.

Eine linke Partei, die im neoliberalen Pulk mitmarschiert, hat ihre Daseinsberechtigung verloren.
Von da kommen keine progressiven Impulse mehr.

Würde ich so eine Politik wollen, wählte ich das Original, nicht die Nachahmer.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Robbespiere
1 Jahr zuvor

Die SPD ist ein totes Pferd, was zumindest zeitweise in der Geschichte der BRD als sehr lebendig erschien.

Die hoffnungsvollen Ansätze der Linken diesbezüglich waren offensichtlich noch mehr Schein als sein, als bei den Sozen.

Es würde mich nicht wundern, dass die Linken noch schneller von der politischen Bühne abtreten als die Sozen. Verdient hätten sie es, m.E.

Last edited 1 Jahr zuvor by Heldentasse
Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Heldentasse
1 Jahr zuvor

Es würde mich nicht wundern, dass die Linken noch schneller von der politischen Bühne abtreten als die Sozen. Verdient hätten sie es, m.E

Man hat in der Tat den Eindruck, sie seien mit der Motorfähre Richtung Hades unterwegs.
Wer da wohl Charon den neuen Antrieb spendiert hat?

Brian
Brian
Reply to  Heldentasse
1 Jahr zuvor

Die SPD ist ein totes Pferd

Kein Grund, es nicht noch weiter zu reiten…😄

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Brian
1 Jahr zuvor

@Brian

Der nächste Pferdemetzger ist halt nicht unbedingt in der Nähe. 🙂

Heldentasse
Heldentasse
1 Jahr zuvor

Auch wenn es aus der Echokammer kommt. Ich finde es ist ein guter Artikel, dessen Kernaussagen ich 100% unterschreiben kann. Vielen Dank dafür!

Klar dürfte auch sein, dass bei vielen politisch denkenden Menschen die vor der großen Krise eher links verortete waren, und einen handlungsfähigen demokratisch funktionierenden Staat als Gegengewicht zu den Kapitalisten wünschten, eine Welt zusammengebrochen ist.

Ich stehe mittlerweile auf dem Standpunkt, dass die mündige Menschen keinen Fassaden-Staat brauchen, und viel besser fahren würden ohne dieses Biest, was m.E. nur ein partikulare Interessen durchsetzt, zumindest auf den höheren Ebenen.

Ein gutes Beispiel dafür sind die, an vielen Stellen immer noch zu recht, gescholtenen USA. Das zeigen die „Reaktionäre“ den „Linken“ den Corona- Stinkefinger, und „erlauben“ Freiheiten die hier schon undenkbar, und m.E. auf sehr lange Zeit verloren sind.

Hier sind leider die ernst zu nehmenden politischen Kräfte alle mehr oder weniger auf Kurs, und die nicht auf Kurs sind, mit denen will man auch nichts zu tun haben.

Mein Ergo: Die können mich alle mal, aber kreuzweise, besonders die Linken.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Heldentasse
1 Jahr zuvor

Mein Ergo: Die können mich alle mal, aber kreuzweise, besonders die Linken.

Können die nicht.
Dazu sind sie viel zu sehr mit den goldgepuderten Hinterbacken beschäftigt. 🙂

Percy Stuart
Percy Stuart
1 Jahr zuvor

Ah, der wöchentliche Linken-Bashing Artikel. Was Onkel Roberto dort geschrieben hat mag ja richtig sein, nur wer will das noch hören und welchen Sinn machen solche Artikel noch. Die vielen „hätte“, „wollte“ und „müsste“ sind halt nur Wunschdenken, mehr nicht. Der Artikel, und andere vorher zum selben Thema, zeigen die gleiche Einfallslosigkeit und Konzeptlosigkeit wie sie auch bei der Linken Partei vorherrscht, scheint eine ansteckende linke Krankheit zu sein 😉

Das was hier besprochen wird ist verpasste Vergangenheit, die wird nicht besser wenn wir sie propagandamässig wiederholen. Wenn wir aufwachen und weiterleben wollen müssen wir die Geschichte selber neu schreiben. Ich vermisse positive Artikel zu linken Mitgliedern, wie zum Beispiel über Fabio DeMasi’s hervorragende Arbeit gerade beim Wirecard Untersuchungsausschuss. Oder warum wird sich hier nur so wenig mit Sahra Wagenknecht und ihrer Arbeit beschäftigt ? Warum gibt es keine Artikel zu ihren YouTube Videos wo sie ja nun weitreichende Vorschläge und Denkansätze für die Zukunft liefert. Warum werden diese hier nicht diskutiert ?

Wohl weil es bequemer ist sich einfach zurückzulehnen und darüber zu jammern was die Linken nicht tun. Ist wohl ein größeres Problem von „Alt-Linken“ da das ja nicht nur bei euch immer wieder vorkommt. Vielleicht sollte man einfach auch mal die Begriffe links und rechts in der Politik ignorieren …

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Percy Stuart
1 Jahr zuvor

@Percy Stuart

Deine Kritik ist durchaus berechtigt und man sollte sich auch Denen widmen, die Positives leisten. Das ist absolut korrekt.

Nur nützt das recht wenig, wenn ihnen die Basis unter den Füßen wegbricht, ja regelrecht weggebrochen wird, weil sie parteiintern keine Unterstützung mehr bekommen.

Die Hoffnung, dass es für ihren Kurs noch einmal Mehrheiten geben könnte, darf man wohl begraben.
Am Ende hilft vermutlich doch nur eine Neugründung ohne U-Boote oder ein Austritt Selbiger aus der Linken.

Brian
Brian
Reply to  Percy Stuart
1 Jahr zuvor

Stilistisch könnte es etwas respektvoller sein, inhaltlich allerdings nicht ganz falsch…

Schwitzig
Schwitzig
Reply to  Percy Stuart
1 Jahr zuvor

@Percy Stuart
Exakt dieselbe Diskussion startete vor 20 Jahren bei der SPD. Jahrelang hörte man davon, dass es Genossen gab, die gute Arbeit geleistet haben und die Basis usw. usf..
Im Prinzip das, was Du nun zum Besten gibst.
Und? Korrekt- die SPD ist zu einer der miesesten Etikettenschwindelparteien geworden, welche in diesem Land je vorgekommen sind. Mittlerweile erkennen das sogar die Stammwähler.
Nicht anders ist das bei der ausgegliederten Widerstandsbewegung der SPD, der Linken: Bis zur Unwählbarkeit degeneriert. Im Gegensatz zu den Grünen mit ihrem einzelnen Restgrund Ströbele (wenn man ihn denn für glaubwürdig hält), gibt es zahlenmäßig noch ein paar mehr Feigenblätter. Jedoch werden diese schnell verwelken, wenn sie sich nicht in einer neuen Partei organisieren.
Ich war oft nicht einer Meinung mit Roberto, aber ich finde, dass die bisherige Geschichte der Partei(en)entwicklung ihm uneingeschränkt Recht gibt.

Percy Stuart
Percy Stuart
Reply to  Roberto J. De Lapuente
1 Jahr zuvor

Ach lieber Onkel Roberto, nimm doch einfach mal die innenverspiegelte Gefahrenabwehrbrille ab und setz die rosarote Schöneweltbrille auf. An Stelle den Linken und der Vergangenheit hinterherzuweinen sei einfach offen für das was noch kommt, ob nun rechts-offen oder links-offen oder mitte-offen oder bes-offen. Cheers !

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Percy Stuart
1 Jahr zuvor

@Percy

Das geht nur bes-offen!….Die Parteibonzen haben nämlich alle den arsch-offen….

Bananita
Bananita
Reply to  Percy Stuart
1 Jahr zuvor

@Percy Stuard: Interessant, dass du Fabio De Masi und Sahra Wagenknecht als Beispiele für gute linke Politik erwähnst… denn es sind exakt die Genossen, die in der Linkspartei zu einer Randerscheinung verkommen sind und die klassisch linken Flügel haben auch inzwischen in der Partei kaum etwas zu melden. Das kann man nicht einfach weg diskutieren, denn diese Entwicklung zeigt deutlich, dass die Partei mit den Leuten fremdelt, die sie eigentlich ur-ideologisch vertreten und in der Lage sind ihre eigentliche Wahlklientel anzusprechen. Man fantasiert jedenfalls schon seit Jahren von einer linken Koalition und vergrämt gleichzeitig Leute mit klaren Ideen davon wie so etwas funktionieren kann. Da bleibt einem oft nur noch Galgenhumor übrig, denn es ist einfach allzu offensichtlich, dass das nicht funktionieren kann.

Seit Corona ist es noch deutlicher geworden, dass man überhaupt keinen Kontakt mehr zu der Unterschicht hat. Diese Sprachlosigkeit angesichts der Zumutungen und Existenzängste vieler Menschen ist ohrenbetäubend. Man kann oder will es einfach nicht verstehen, dass man sich in aller Öffentlichkeit mit einer korrupten Regierung gemein macht, die sich nur Konzerninteressen verpflichtet fühlt. Vielmehr feiert man den Maskenzwang, sabbelt was von „solidarischen Lockdown“ und diffamiert Regierungskritiker als Nazis, so würde man sich gegen den Gedanken immun machen wollen, dass man damit eine Politik mitpropagiert, die einen enormen sozialen Schaden anrichtet.

Percy Stuart
Percy Stuart
Reply to  Bananita
1 Jahr zuvor

Das ist genau das was ich angesprochen habe in meinem Kommentar, die mittlerweile langweilige Kritik frustrierter Alt-Linker an der linken Partei gemütlich vom Sofa aus. Was ist stattdessen mit einer Diskussion über Verbesserungsvorschläge ?

Warum hat zum Beispiel keiner von euch die Chance wahr genommen und die Aufstehen Bewegung unterstützt um daraus eine mächtige linke Bewegung zu machen ? Kritiker der linken Partei waren dort kaum anzutreffen obwohl diese dort gebraucht werden/wurden um die Bewegung vor der Vereinnahmung durch die linke Partei zu schützen und etwas Eigenständiges aufzubauen. Genau das ist es was wir im Moment brauchen, eine humanistische, und nicht nur linke, Bewegung um diese politikverdrossene Gesellschaft aufzuwecken und ihr Alternativen aufzuzeigen zur aktuellen gemütlichen bürokratischen Diktatur.

Brian
Brian
Reply to  Percy Stuart
1 Jahr zuvor

Warum ist denn ein großer Teil unserer Gesellschaft politikverdrossen ?
U.a. weil sie jahrzehntelang verarscht wurde, gerade von den Polit-Darstellern.
Wenn man sich z.B. jahrelang in seinem Beruf den Arsch aufreisst und irgendwie versucht, über die Runden zu kommen und in vielerlei Hinsicht durch
politische Entscheidungen gegängelt wird (während Großunternehmen gepampert werden), sich engagiert (z.B. durch Ehrenamt), dafür ausgenutzt und
mit hohlen Phrasen abgespeist wird, der hat irgendwann nicht mehr allzuviel
Vertrauen. Und zwar weder in die Politik noch in andere Institutionen (wie z.B.
Gewerkschaften), wenn man Jahr für Jahr auf’s Neue beobachten kann, wie es
den meisten Akteuren nur um ihre Pfründe geht.

Warum hat zum Beispiel keiner von euch die Chance wahr genommen und die Aufstehen Bewegung unterstützt um daraus eine mächtige linke Bewegung zu machen ?

Ich liebe solche Pauschal-Urteile. Kennst Du einen von uns persönlich ?
Ich denke nicht. Weißt Du irgendetwas von unserem Leben ? Wie unsere persönliche Situation aussieht, was wir geleistet haben, wo und wie wir uns
engagiert haben ? Fehlanzeige.
Daß Verbesserungsvorschläge sinnvoll wären, da gebe ich dir recht.
Aber komm mal von deinem hohen Ross runter. Genau eine solche Überheblichkeit verhindert im Zweifelsfalle, daß man dir ernsthaft zuhört.
Sich wie ein kleines Kind behandeln zu lassen, davon hatten wir in den letzten (nicht erst) 1,5 Jahren mehr als genug.

Bananita
Bananita
Reply to  Percy Stuart
1 Jahr zuvor

Da spricht du die Falsche an.
Ich habe schon seit einigen Jahren das Parteibuch der LINKEn, war im Bezirksvorstand, habe die LINKE auch in Beziksausschüssen gern vertreten und ich habe viele Stunden auf verschiedenen Sitzungen, sowie als Delegierte auf Parteitagen verbracht. Ich habe also sehr viel vom Inneren der Partei mitbekommen und habe mit vielen Genossen sprechen können (u.Ä. auch den von mir sehr geschätzten Genossen Fabio DeMasi, der nota bene für den Bundestag nicht mehr antritt).

Ich bin inzwischen frustriert, ja, weil ich wirklich für echte linke Politik brenne, aber auf der Basis niemandem erklären kann was konkret besser wird, wenn LINKE im Bundestag zahlreich vertreten oder sogar mit den Grünen zusammen eine Regierung stellt. Von allen drei R2G kommen nämlich nur faule Kompromisse, die den Gewinnern der letzten 15 Jahre überhaupt nicht wehtun und auch nichts Nennenswertes ändern für die, die im Niedriglohnsektor arbeiten und teilweise Hartz4 beziehen müssen. In Bezug auf das Dauerthema Corona werde ich sogar regelrecht sprachlos, denn die R2G Fraktion ist in dieser Hinsicht als Opposition ein Totalausfall. Die kämpfen nämlich nur blindwütig gegen „Rechts“ und merken gar nicht, dass es hier um die Vermarktung einer KRANKHEIT geht und die damit verbundene Umverteilung von unten nach oben. Wir wären also schon viel weiter, wenn man das als ein Faktum hinnehmen würde, anstatt Kritiker wie Feinde zu behandeln.

Beim Wähler konnte man jedoch noch nie wirklich punkten indem man ihn belehrt oder ihn gleich verurteilt und den Dialog verweigert, weil ihn für nicht politisch korrekt hält. Was ist das eigentlich für eine Kultur? Demokratie lebt vom Dialog und zwar mit jedem. Ausnahmslos.

Last edited 1 Jahr zuvor by Bananita
Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Bananita
1 Jahr zuvor

@Bananita

Demokratie lebt vom Dialog und zwar mit jedem. Ausnahmslos.

Ein wunderbarer Satz.
Man muss nicht die Meinung des Gegenübers teilen und man darf mit ihm streiten, aber ohne Dialog ist Dmokratie tot.

Percy Stuart
Percy Stuart
Reply to  Bananita
1 Jahr zuvor

Ich habe die Kritik an der Linken nicht in Frage gestellt und auch nicht das es Kritiker IN der Linken gibt die ihrer Partei die Leviten lesen. Diese Kritik ist genau wie die berechtigte Kritik an der SPD (falls sich noch jemand an diese Partei erinnert) aber nun schon uralt. Deshalb frage ich mich warum tut sich da nichts, warum bauen diese Kritiker nicht endlich was Neues auf wie es Frau Wagenknecht mit Aufstehen! versucht hat ? Warum sind die Kritiker der Linken genauso stur und bequem wie die Linken selber, wie leidensfähig sind diese Kritiker noch ?

Wenn die Kritik ins Leere läuft ziehe ich doch irgendwann die Konsequenzen und handle, in welche Richtung auch immer. Gerade für Menschen wie sie denen das linke Thema scheinbar am Herzen liegt ist es doch wichtig das Thema weiter zu verfolgen und sich andere Verbündete zu suchen anstatt sich ewig an Kritik aufzureiben. Vielleicht ist es auch sinnvoll sich von den Begriffen links und rechts zu verabschieden die doch sehr einschränkend wirken.

Wenn uns die Corona-Krise eins gezeigt hat dann das das wir, die Bürger, wenn wir Sachen ändern wollen vieles neu aufbauen müssen (erinnert sich noch jemand an das Grundgesetz ?). Das bedeutet auch das wir uns neu engagieren und organisieren müssen, nur das können wir meiner Meinung nach nicht mehr mit Hilfe der etablierten Regierungsparteien. Man hat ja an der Aufstehen Bewegung sowie bei den Querdenkern gesehen das das Interesse an Änderungen da ist und durch alle Bevölkerungsschichten geht.

Bananita
Bananita
Reply to  Percy Stuart
1 Jahr zuvor

Das sehe ich genauso und aus dieser Konsequenz heraus habe ich schon vor Corona angefangen die Leute anzusprechen, die sich selbst eher rechts-konservativ verorten (oder dort verortet werden) – also all diejenigen, mit denen viele linke Genossen gar nicht erst reden. Für mich wurde es inzwischen zu einer Sport AfD Hochburgen argumentativ zu erstürmen, denn dort gibt es viele Menschen, die sich förmlich gefangen in diesem alltäglichen Rattenrennen fühlen und es auch wissen, dass sie gar nicht erst loszurennen brauchen, da sie schon von vornherein als Verlierer feststehen. Auf jeden Fall hatte ich mit einigen von ihnen äusserst erkenntnisreiche Diskussionen, die ich in meiner Partei auf diese Weise gar nicht hätte führen können.

Ich finde es jedoch auch ziemlich ernüchternd, da nach allem was ich so gehört und erlebt habe, halte ich die parlamentarische Linke (also Linke und die SPD) für nicht reformierbar. Beide Parteien sind nämlich ideologisch völlig deformiert und dadurch schwindet auch immer mehr ihr politisches Profil, so dass Manche gar nicht mehr so genau wissen inwieweit sich die politische Rechte von der Linken eigentlich unterscheidet. Der Marktfundamentalismus ist schliesslich auch gut darin Moden für sich zu nutzen, um sie gewinnbringend zu vermarkten und wenn Minderheitenrechte Mode werden, dann ist es eben so. So assoziieren dann Viele mit linker Politik nur massenhafte Zuwanderung und Diskussionen über Gendersternchen und Homoehe, aber nicht mutige Politik, die den Willen hat die Welt für alle etwas gerechter, friedlicher und menschlicher zu machen.

Einen echten Politikwechsel halte ich deshalb derzeit für unmöglich, denn dafür ist der ausserparlamentarische Widerstand noch viel zu gering und (noch) viel zu unorganisiert. Sowas braucht aber Zeit, insbesondere weil die Regierung es geschafft hat den Leuten mächtig Angst einzujagen und das muss erstmal sacken. Die nahe Zukunft wird jedoch entscheidend und das ganz unabhängig davon was die Politik macht. Zum Glück gibt es Vieles, was nicht kontrollierbar ist, so sich aus dem derzeitigem Chaos auch Gutes entwickeln kann. Die einzige Vorraussetzung ist, dass wir miteinander und untereinander reden – egal wie. Die eigens erlebte Realität und das dabei erworbene Wissen macht uns letztendlich gegen die Propaganda immun, die die Machthaber für sich einsetzen. Wir kämpfen ja auch derzeit um nichts Geringeres als um unsere Freiheit und um das Recht auf eigene Selbstbestimmung.

Brian
Brian
Reply to  Bananita
1 Jahr zuvor

Einen echten Politikwechsel halte ich deshalb derzeit für unmöglich

Richtig. Und trotzdem unerläßlich.

Zum Glück gibt es Vieles, was nicht kontrollierbar ist, so sich aus dem derzeitigem Chaos auch Gutes entwickeln kann. Die einzige Vorraussetzung ist, dass wir miteinander und untereinander reden – egal wie.

Volle Zustimmung. Und leider – nicht nur politisch, sondern auch privat seit ewigen Jahren – eine fast unmögliche Aufgabe und immer wiederkehrende
Enttäuschung.

Brian
Brian
Reply to  Bananita
1 Jahr zuvor

Bananita, Du bist definitiv eine von den (relativ vielen) Kommentatoren, die ich
gerne mal kennenlernen würde…

Brian
Brian
1 Jahr zuvor

Wieder mal ein treffender Artikel, Senor Lapuente.
Allerdings findet sich m.M.n. die Inhaltsleere mittlerweile (und das nicht erst seit gestern)
bei allen „arrivierten“ Parteien. Und andere Parteien (bzw. deren Wähler) als Idioten
abzustempeln, ist in der Politik Strategie seit Anbeginn.

ShodanW
ShodanW
1 Jahr zuvor

Dein Stammthema wieder prima aktuell nachbereitet, lieber Roberto.

Ich schaue der Partei nur noch zu, wie sie ins Bodenlose versinkt. Hat die SPD schon prima hinbekommen, nun auch die Linke. Das haben sie nun von ihrem Solidaritätsgeblöke. Und ja, ich bin mir auch sicher, dass sie demnächst um die 5% bangen müssen. Aber da reiche ich ihnen nicht noch auf dem Weg in den Abgrund die Hand, das habe ich lange genug getan.

Mordred
Mordred
1 Jahr zuvor

OT:
Heute hat sich der Schwiegervater mit der Kreissäge fast die Finger abgesägt. Ungeimpft lassen die Besucher nicht ins Krankenhaus. Erst wenn der Patient 7 (!) Tage da liegt, wird man mit Schnelltest reingelassen. Ziemlich perfider Impfzwang durch die Hintertür.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Mordred
1 Jahr zuvor

Man probierts mit allen Mitteln.
Ich will gar nicht wissen, wieviele Fälle bisher das Krankenhaus wg. Angst vor Infektionen und solcher Schikanen gemieden haben und wem das bereits das Leben verkürzt hat.

niki
niki
Reply to  Mordred
1 Jahr zuvor

Meiner Erfahrung nach muss man da mit sehr sehr deutlicher Ansprache reagieren. Ohne diese könnte ich meine Lebensgefährtin nirgends wo zu einem Termin im Krankenhaus oder zum Arzt begleiten.
Bis jetzt hatte es immer geklappt! Ich konnte immer mit, obwohl ansonsten für Begleitung oder Besucher das Krankenhaus oder die Arztpraxis gesperrt war!
Ich weiß allerdings nicht, ob es mein Auftreten war, oder die Angst vor den rechtlichen Folgen. Vielleicht auch eine Kombination aus beiden!

Mordred
Mordred
Reply to  niki
1 Jahr zuvor

Die haben da einiges an Security rumlaufen. Nachdem ich ihn in der Notaufnahme abgeliefert hatte, musste ich tatsächlich erst wieder nach Hause um den Impfausweis zu holen. Anders formuliert: Wenn Du nicht gerade jemanden stützend begleitest, der aus seinen aufgesägten Fingern stark blutet, kommst Du ohne Impfausweis nicht an der Security vorbei.

niki
niki
Reply to  Mordred
1 Jahr zuvor

Möchte ich nicht verneinen. Ist vielleicht auch ortsabhängig. Jedenfalls hatte ich heute wieder nach einem kleinen Wortwechsel keine Probleme durchzusetzen, dass ich meine Lebensgefährtin, trotz Verbot, begleiten konnte…

Juliane Mertz
Juliane Mertz
1 Jahr zuvor

Gute Beobachtungen. Kern ist jedoch das Ausbluten linker Ideen.
https://groove-und-gedanke.blogspot.com/2021/06/rechtsruck-ja-bei-den-linken.html

GrooveX
GrooveX
Reply to  Juliane Mertz
1 Jahr zuvor

Und weil es in der Realität im Gegensatz zu den neunziger Jahren an echten Gefährdern mangelt, entstehen skurrile Feindbild-Welten, in denen „rechts“ zum Sammelbegriff für alles Böse dieser Welt geworden ist: vom Klima-Leugner bis zum Corona-Leugner.

…und beate zschäpe hört u2
https://www.youtube.com/watch?v=xwsOi0ypuSI

das war eher so in den zehnern

Last edited 1 Jahr zuvor by GrooveX
Rudi K
Rudi K
Reply to  GrooveX
1 Jahr zuvor

Es klingt aber immer noch ganz aktuell.

GrooveX
GrooveX
Reply to  Rudi K
1 Jahr zuvor

nach kassel, hanau, halle – ja!