Corona und das gesellschaftliche Trauma des Verlassenseins

Traumatische Erfahrungen hat jeder Mensch schon einmal erlebt, die einen stärker, andere schwächer. Es gehört gewissermaßen zur menschlichen Natur, Traumata verarbeiten zu müssen. Und naturgemäß gelingt das nicht immer. Doch das kollektive Trauma, das uns durch die Corona-Politik auferlegt wird, ist besonders schwerwiegend.

In einem sehenswerten Interview spricht Michaela Huber über Traumatisierungen.

Ein wesentliches Merkmal des Traumas, stellt Huber fest, ist das Gefühl, verlassen zu werden. Jeder kennt das, hat es im privaten, familiären oder auch beruflichen Umfeld schon erlebt. Doch meist kommen wir aus dieser Situation wieder heraus. Die Zeit mag nicht alle Wunden heilen, aber doch viele, und durch Gespräche mit nahestehenden Menschen oder weil wir neue Menschen kennenlernen, ist es uns meist möglich, den Schmerz des Verlassenwerdens zu ertragen und irgendwann zu besiegen. Doch ein gesellschaftliches Trauma ist komplexer.

Verschweigen ist nicht verschwinden

Was wir derzeit erleben, ist das Verdrängen, das Verschweigen bestimmter Themen. Wir erleben es, wenn uns gesagt wird, dass die Maßnahmen (welcher Art auch immer) nicht hinterfragt werden dürfen. Wir spüren es, wenn bestimmte Meinungen nicht zugelassen, totgeschwiegen oder diffamiert werden, und jeder, der womöglich ähnliche Fragen haben könnte, überlegt es sich zweimal, ob er dieses Wagnis begeht. Wir sehen es auch (und besonders) in der medialen Berichterstattung. Sie wirkt gleich, ohne geschaltet werden zu müssen, denn das Kollektiv der Medien lässt es nicht zu, andere als die gemeinsam entwickelten Ansichten darzustellen.

Doch das Unterdrücken bestimmter Ansichten (auch die freiwillige Teilnahme etwa durch Selbstzensur daran) lässt diese nicht verschwinden. Die Kritik, die Angst, die fehlende Überzeugung und das fehlende Vertrauen werden weiter ausgebaut, wenn auch nicht sofort sichtbar.

Huber spricht von Positionen, die in traumatisierten Kollektiven entstehen, Positionen, die vorher gar nicht denkbar waren und die selbst für diejenigen, die sie vertreten, verwirrend sind. Bezogen auf Corona sieht man das sehr gut. Nicht umsonst entzweien sich Freundschaften, gehen Familien in die Brüche und outen sich scheinbar progressive Menschen als der Autorität zugeneigt und vermeintlich konservative Köpfe als wehrhafte Geister.

Das erhöht die Verwirrung jedoch nur um einen weiteren Faktor. Links denkende Menschen stellen verunsichert fest, dass „die LINKE“ nicht mehr ihre Überzeugungen widerspiegelt, stattdessen sind es die AfD oder Journalisten wie Boris Reitschuster, die zu den „Vernünftigen“ zu gehören scheinen. Andererseits will man mit der AfD nichts zu tun haben, und so verschweigt man, dass ausgerechnet die ehemals verhasste Partei plötzlich ähnliche Forderungen vertritt, wie man selbst (das Prinzip funktioniert auch in die entgegengesetzte Richtung).

Und so wird immer mehr verschwiegen, totgeschwiegen, sogar die eigenen Überzeugungen sind uns nicht mehr geheuer, weil wir sie nun mit den vermeintlich Falschen teilen. Das wollen wir aber nicht, und so entsteht Orientierungslosigkeit. Hinzu kommen weitere Themen, die scheinbar im Moment zweitrangig sind, weil Corona alles überdeckt, die aber dennoch massive emotionale Auswirkungen haben. Man denke an den Streit um Lisa Eckhart, der sicherlich auch schon vor Corona hätte stattfinden können, der aber an Heftigkeit jedes vernünftige Maß überschritten hat. Man denke aber auch an den Klimawandel oder auch „nur“ den Diesel-Skandal, beides spielt inzwischen eine noch viel unbedeutendere Rolle als zuvor ohnehin schon.

Zugelassen wird politisch alles, was den Hass schürt, die extremen Haltungen und Positionen verstärkt und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung unterstützt. Gleichzeitig hat die Politik eine Sprache (weiter)entwickelt, die sie als Retter und moralische Instanzen dastehen lässt. Die Sorge um die Gesundheit ist das, was sich alle Politiker auf die Fahne geschrieben haben, die Rettung vor dem Tod unzähliger Menschen wird genutzt, um noch eine viel größere Zahl von Menschen in den Ruin zu treiben, in psychologische Krisen zu stürzen, vereinsamen zu lassen und das soziale Gefüge in erheblichem Ausmaß zu stören. Die Toten durch Corona – im Sinne von Suiziden, einsamen Toden, Hungertoten oder dem Sterben wegen nicht erfolgter Behandlungen anderer Krankheiten – werden – sozusagen – ebenfalls „totgeschwiegen“.

All das wird verschwiegen, wenngleich es nicht unbekannt ist. Die Auswirkungen der Corona-Politik sind mittlerweile global zu erkennen und oft auch zu beziffern.

Zum Beispiel hat die UNICEF Mitte September vorgerechnet, dass infolge des durch den quasi globalen Lockdown im Frühjahr provozierten ökonomischen Zusammenbruchs zusätzlich 150 Millionen Kinder in Armut gestürzt wurden. Schon im Juli warnten Experten des Welternährungsprogramms WFP, durch die Corona-Krise könnten in diesem Jahr 130 Millionen Menschen zusätzlich von Hunger bedroht sein. Für den indischen Subkontinent konstatierte im August die State Bank of India, je nach Bundesstaat werde die Wirtschaftskrise vier- bis zwanzigmal so viele Tote fordern wie die Krankheit Covid-19. In ärmeren Regionen wie Uttar Pradesh stünden pro 1.000 Einwohnern 0,16 Covid-19-Tote statistisch 3,41 ökonomisch bedingte Todesopfer gegenüber.

Man liest so etwas nicht, wenn man die Mainstreammedien „aufschlägt“, in den öffentlich-rechtlichen Fernseh- oder Radiosendern Informationen verfolgt. Ist das so, weil wir vor den schlimmen Folgen von Corona geschützt werden sollen? Kaum, denn die Folgen der Maßnahmen überragen ja längst die des Virus. Die wirtschaftlichen, psychologischen, pädagogischen und soziologischen Konsequenzen, die die Corona-Krise hat und haben wird, sind erst ansatzweise sichtbar, aber sie zeichnen sich bereits heute ab (schon viel früher als heute sogar). Kommuniziert wird das aber nicht.

Politik als Spaltungsinstrument

Es vergeht kein Tag, an dem uns die Politik nicht darauf konditioniert, Solidarität zu üben. Gleichzeitig wird aber jede neue Fallzahl (ob es sich dabei um eine Krankheit handelt oder nicht, spielt keine Rolle) als ein Ereignis eingeordnet, das in jedem Fall zu vermeiden gewesen wäre. Ralf Stegner (SPD) hat das auf erschreckende Weise demonstriert, als er twitterte:

Offenkundig werden die Fronten, die es seit einigen Monaten in der Bevölkerung gibt, bewusst weiter verstärkt. War das Virus zu Anfang eine Naturgewalt, für die niemand etwas konnte, wird jetzt für jeden neuen Fall (und auch hier gilt: ob es sich dabei um eine Krankheit handelt oder nicht, spielt keine Rolle) ein Teil der Bevölkerung verantwortlich gemacht.

Mit „Leichtsinn und Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen“ kann dabei jeder gemeint sein, der entweder auf eine Demo gegangen ist oder auch einen positiven PCR-Test vorweisen muss. Einfacher lässt es sich aber zusammenfassen, wenn man sagt, dass jeder gemeint ist, der sich nicht der offiziellen Meinung anschließt.

Die Bundesregierung tritt nicht nur als spaltendes Element auf, sie geriert sich darüber hinaus zu einer Art Erziehungsberechtigten der Bevölkerung. Maßnahmen jeder Art werden nach Gutsherrenart beschlossen, wer aufmuckt, wird diffamiert und als Lügner beleidigt.

Gleichzeitig wird durch Politik und Medien offen – wenn auch zwischen den Zeilen – kommuniziert, an wen bei all dem gedacht wird: an die, die sich eine Krise leisten können. Deutlich wird das in einem Artikel im „Tagesspiegel“, zu dem es noch ein wenig mehr zu sagen gibt:

Es ist natürlich sehr bedauerlich, dass wir wegen Corona nicht in Kneipen, Bars und Clubs gehen können und nicht in Kinos und Theater und Museen, nicht in den Skiurlaub fahren und nicht zum Baden in die Tropen fliegen dürfen. Und dass Unternehmen schließen müssen, Arbeitsplätze verloren gehen und vieles mehr.

Nun sind es nicht so viele Menschen, die in erster Linie darunter leiden, zum Baden nicht in die Tropen fliegen zu dürfen, es ist eine Minderheit. Dass Unternehmen schließen müssen und Arbeitsplätze verloren gehen, ist ebenfalls lediglich „bedauerlich“, und wer ohnehin keinen Job hat, hat auch nichts zu verlieren. Überspitzt könnte man sagen: Wer nichts zu verlieren hat, braucht auch nicht gleich ein Fass aufzumachen. Daher spielt er in der Gedankenwelt des Redakteurs auch keine Rolle. Und womöglich ist es sogar der Redakteur selbst, der wehklagend auf seinen Tropenurlaub verzichten muss und es dennoch tapfer übersteht.

Hand in Hand gehen Medien und Politik zur Sache, und mit vereinten Kräften werden die Widerstandskräfte der Bürger – bildlich und im wahrsten Sinne – geschwächt, indem ohne Rücksicht auf Verluste oder Fakten Angst geschürt wird. Schon die Überschrift des Artikels im Tagesspiegel spricht Bände:

Die Zahl der Covid-19-Toten zu Weihnachten steht jetzt schon fest

Das ist nicht mehr ambitioniert, das ist pure Panikmache. Zur Begründung heißt es im Text:

Die traurig-brutale Pandemie-Wahrheit lautet: Wie viele Corona-Tote es über die Weihnachtsfeiertage geben wird, steht bereits unumstößlich fest. Denn die Menschen, die während der Feiertage an Covid-19 sterben werden, sind jetzt bereits infiziert.

Zu Ende gedacht würde das bedeuten, dass jeder infizierte Mensch ein kranker Mensch ist, sonst könnte man nicht behaupten, die genaue Zahl der Corona-Toten zu Weihnachten nennen zu können (wobei der Artikel interessanterweise keine Zahl nennt).* Und eigentlich sollten selbst die Hardliner inzwischen über diesen Punkt hinaus sein. Selbst wer die Berichte über Corona nur am Rande verfolgt oder kein Experte ist (Letzteres trifft auf die meisten Menschen zu, vermutlich inklusive des Redakteurs des Artikels aus dem Tagesspiegel), müsste eigentlich wissen, dass eine Infektion nicht mit einer Krankheit, und schon gar nicht mit einem Todesfall gleichzusetzen ist.

„Pandemie-Wahrheit“ ist übrigens ein bezeichnender Begriff. Er transportiert, dass es nur eine Wahrheit geben kann, die „Pandemie-Wahrheit“ eben. Und ins gleiche Horn blasen die Politiker, die uns eintrichtern, die Pandemie dauere bis zum Impfstoff (und, wie wir inzwischen wissen, bis weit darüber hinaus). Und um das Narrativ der vermeintlichen „Wahrheit“ zu untermauern, wird jede abweichende Meinung als verantwortungslos, rücksichtslos und (natürlich!) rechts tituliert.

Die verbotene Wahrnehmung

Zurück zu Michaela Huber, die sagt:

Trauma heißt immer: Es gibt Widersprüchliches, aber das darf ich nicht wahrnehmen.

Und in diesem Kreislauf befinden wir uns. Dabei tritt das Widersprüchliche teils offen zutage, etwa bei den nicht mehr nachvollziehbaren Handlungen der Bundesregierung. Oder bei offenen Fragen bezüglich des PCR-Tests. Bei der Frage, wer an, wer mit oder wer durch oder im Zusammenhang mit Corona gestorben ist. Bei der wissenschaftlichen Einordnung der angemessenen Reaktion auf das Corona-Virus.

All das und noch viel mehr löst innere Fragezeichen bei den Menschen aus, das Widersprüchliche ist offenkundig, darf aber nicht in Frage gestellt oder auch nur hinterfragt werden.

Diese Regeln dürfen nie hinterfragt werden.

Dieser Satz von Lothar Wieler (RKI) darf wohl schon als abstoßender Klassiker bezeichnet werden. Man stelle sich vor, einem Kind zu sagen, dass es die Regeln der Eltern nie hinterfragen darf (hier kommt übrigens wieder die Rolle des Erziehungsberechtigten, diesmal in Gestalt des RKI-Chefs, zum Ausdruck). Wer würde in diesem Zusammenhang ernsthaft sagen wollen, dass sich dieses Kind künftig gut entwickeln und zu einer eigenständigen Persönlichkeit wird?

Was Wieler ausgesprochen hat, ist nichts anderes als ein Denkverbot. Und Politik und Medien stimmten fleißig mit ein. Doch Denkverbote führen zu Traumatisierungen, wer Widersprüchliches nicht benennen, hinterfragen und in Frage stellen darf, wird hilflos, ratlos, tatenlos, er beginnt, sich auf die Worte des Erziehungsberechtigten zu verlassen, während er zugleich das Gefühl hat, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Man muss die nüchterne Frage stellen, ob es nicht genau dieser Effekt ist, der erzielt werden soll.

Und so entstehen die Fronten, deren Verhärtung durch Politik und Medien gezielt verstärkt werden. Mittendrin die „Wahrheit“, die einzige. Der Großteil der Menschen erkennt diese Wahrheit an, der relativ kleine Rest wird als Demokratiefeinde und Corona-Leugner verunglimpft, mit feindlicher Unterstützung der Medien.

Gewonnen hat letztlich niemand, denn auf beiden Seiten der Frontlinie (man muss es wohl mittlerweile so nennen) bleibt die fehlende Offenheit für die andere Perspektive. Wir alle haben uns in eine Spirale begeben, aus der wir nur wieder herauskommen, wenn wir mit Empathie und vor allem Offenheit und Neugier aufeinander zugehen.

Am Ende – und das ist keineswegs wertend gemeint und kann natürlich in der Nachschau widerlegt werden – werden womöglich die mit der größeren inneren Belastung leben müssen, die sich nicht getraut haben, Widerworte zu erheben. Denn in ihnen tobt ein deutlich wilderer Kampf um die Wahrheit, die Lüge, um Fragen und Antworten, und es ist ein Kampf, der nicht bis zum Ende ausgefochten werden darf, weil nicht genügend Platz für die Bandbreite an möglichen Meinungen zugelassen wird. Oder aber es werden die Kritiker der Corona-Politik sein, die zum Schluss das größere Trauma haben, weil sie gesellschaftlich geächtet sind.

Gewinner wird es, wie gesagt, trotzdem nicht geben, abgesehen von denen, die von den Ängsten und den Traumata profitieren. Man kann aber davon ausgehen, dass wir von denen wenig mitbekommen – wahrscheinlich, weil sie sich im Badeurlaub in den Tropen befinden.

***

* Man könnte natürlich gemäß einer Vorherbestimmung argumentieren, dass auch feststeht, wie viele Tote es am 14. März 2021 geben wird, die durch Unfälle, Selbstmorde oder herabfallende Gesteinsbrocken unfreiwillig ihr Leben beenden müssen. Das dürfte der „Tagesspiegel aber eher nicht gemeint haben. Und es wäre selbst dann nicht zielführend, weil diese Zahl – selbst wenn sie vorherbestimmt feststeht – heute niemand nennen kann.

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Tom J. Wellbrock

Tom J. Wellbrock ist Journalist, Autor, Sprecher, Radiomoderator und Podcaster. Er führte unter anderem für den »wohlstandsneurotiker«, dem Podcast der neulandrebellen, Interviews mit Daniele Ganser, Lisa Fitz, Ulrike Guérot, Gunnar Kaiser, Dirk Pohlmann, Jens Berger, Christoph Sieber, Norbert Häring, Norbert Blüm, Paul Schreyer, Alexander Unzicker und vielen anderen. Zusätzlich veröffentlicht er Texte auf verschiedenen Plattformen und ist für unsere Podcasts der »Technik-Nerd«.

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Gaby
Gaby
1 Jahr zuvor

Im Ministerium rechnet man mit Schließungen bis Juni, wie man auf dem Schaubild ablesen kann. Ich befürchte, dass das lediglich eine Zwischenstation ist. Von den bürokratischen Hürden und Auszahlungsvorraussetzungen mal ganz zu schweigen, ist das alles in seiner Gesamtheit nur noch mit Geschichten aus Schilda vergleichbar – die waren allerdings fiktiv und hatten keine Auswirkungen im realen Leben, bis auf das man darüber wenigstens noch lachen konnte.

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Leselotte
Leselotte
1 Jahr zuvor

Vielen Dank und insbesondere auch auf die Verlinkung des Interviews mit Michaela Huber.

niki
niki
1 Jahr zuvor

Das erhöht die Verwirrung jedoch nur um einen weiteren Faktor. Links denkende Menschen stellen verunsichert fest, dass „die LINKE“ nicht mehr ihre Überzeugungen widerspiegelt, stattdessen sind es die AfD oder Journalisten wie Boris Reitschuster, die zu den „Vernünftigen“ zu gehören scheinen. Andererseits will man mit der AfD nichts zu tun haben, und so verschweigt man, dass ausgerechnet die ehemals verhasste Partei plötzlich ähnliche Forderungen vertritt, wie man selbst (das Prinzip funktioniert auch in die entgegengesetzte Richtung).

Als noch Mitglied der DIE LINKE mache ich ziemlich genau diese Erfahrung! Nur man sollte schon genauer hinschauen!
Ich habe das zwar schon bestimmt mehrfach aufgeführt: Die Begründung warum sich die DIE LINKE hat sich vom Regierungskurs einfangen lassen, ist ein strikter Anti-AfD-Kurs um jeden Preis, vollkommen egal, ob die AfD zufällig richtig liegen sollte… Und die AfD fährt den Kurs einer reaktionären Fundamental-Opposition! Man kann davon ausgehen, wenn die Regierung einen Kurs ähnlich wie in Schweden gefahren hätte, würde die AfD einen Lockdown fordern der sich gewaschen hätte und den hier noch bei weitem an Härte übertreffen täte…
Warum haben linke Politiker nicht den Arsch in der Hose zu erklären, dass die AfD in manchen Punkten zwar recht haben, aber aus einen vollkommen anderen Grund… Kann man das den Menschen nicht so vermitteln? Oder haben die soviel Angst vor den Shitstorm aus der MSM/Social Media…? Wahrscheinlich eine Kombi aus beidem!

Dann kommt noch der Punkt dazu: Gerade linksdenkende Menschen können es meistens nur schwer ertragen, mangelnde Solidarität vorgeworfen zu bekommen. Und genau das wissen die Regierenden und die Mainstreammedien…
Ich entgegne darauf immer: Wo bleibt denn die Solidarität gegenüber den Obdachlosen, den Millionen armen Kindern in Deutschland? Den Armutsrentnern. Den Hartz4-Empfängern? Habe ich jemand vergessen, bitte selbst ergänzen…!
Also ist es schlicht erbärmliche Heuchelei ausgerechnet jetzt so zu tun, als wäre man die Solidarität in Person…

ShodanW
Reply to  niki
1 Jahr zuvor

Ja dieses aus-Prinzip-anti-AfD-Denken ist bei den Linken schon ein Problem, aber das überschneidet sich dann oft mit denen der Mitte. Bildungsbürgertum und so. Das Problem an der Linke ist zusätzlich das immer noch aufgeklebte Ex-SED-Partei-Label. Ich hätte es nicht gedacht, dass es so ist, aber letztens höre ich genau das von meinem alten Herren (bisher immer SPD-Wähler gewesen). Und dann ist es irgendwie aus der klassischen Parteienlogik heraus total hirnrissig, dass man als Arbeiterseele zur AfD neigt. Da ist also unter anderem das alte Klassenschema, das völlig auf den Kopf gestellt ist und die Bildungsschicht, die heute viel Schnittmenge schwarz und grün vereint. Deswegen wird das auch demnächst die neue Koalition werden. Da ist noch viel Schröder-Trauma drin, dummerweise hat es die Noch-Anhänger weit nach rechts getrieben. Anders kann ich mir nicht erklären, warum die SPD nicht endlich von ihrem Hartz IV-Erzeugnis wegkommt.

Pen
Pen
1 Jahr zuvor

Erstmal schönen Dank für den guten Artikel und den Link zu dem wichtigen Interview!

Unsere Eltern bzw. Großeltern wurden durch Faschismus und Krieg traumatisiert, und es wurde nie darüber gesprochen. Das alles wurde komplett verdrängt und mußte folglich von der nächsten Generation aufgearbeitet werden, was selten geschah, denn das Wirtschaftswunder war eine perfekte Ablenkung. Und wie wir seit Calvin wissen, geht es nur guten Menschen gut. Also war alles geklärt.

Unverarbeitete Traumen haben aber die Eigenschaft, sich im Unbewußten der Mitmenschen auszubreiten, sich zu Monstern aufzublähen und sich zudem mit anderen unbewußten Inhalten zu verbinden. Nun werden wir und insbesondere unsere Kinder weiterhin traumatisiert. Was sich da im Unbewußten zusammenbraut ist brandgefährlich, denn es braucht dringend ein Ventil.

Dieses Ventil könnte die vielzitierte neue „Verantwortung“ Deutschlands in der Welt sein. Die nötigen Feindbilder werden bereits eifrig aufgebaut. Ich fürchte, wir haben aus der Vergangenheit nichts gelernt.

Last edited 1 Jahr zuvor by Pen
ShodanW
1 Jahr zuvor

Danke dir für die Erwähnung genau diesen Stichwortes, Tom! „Trauma…“, das trifft genau meinen Nerv des Interesses.

Diesbezüglich gehen ja viele Selbsteinschätzungen durcheinander. Man fragt sich ja oft, wer wie wieviel traumatisiert ist/sein könnte. Und wie definiert man den Begriff allgemeingültig? Ich habe das Gefühl, dass man Trauma oft nur mit den krassen Vorfällen in Verbindung bringt – Missbrauch, Gewalt, all sowas. Aber Dinge wie Depressionen, Langzeiteffekte von gesellschaftlicher Isolierungen, da wird immer noch die „selber schuld“-Keule ausgepackt. Wer dem nicht ausgesetzt war, ist eben nicht traumatisiert. Punkt.

Stimmt aber so für meine Begriffe nicht. Wenn eine traumatisierte Person offensiv agiert, ist er ein Narzisst. Defensive sind oft Perfektionist. Soviel zur Psychologie. Und die sind oft durch autoritäre Erziehung traumatisiert. Da das in der Vergangenheit gang und gäbe war, denkt man, das wäre normal. Irgendwann kam man auf den Trichter und hat die Kids umgekehrt verhätschelt. Was bei denen hängen geblieben ist: sie empfinden Eltern als lästig, weil sie nicht Eltern sondern eher Kumpel oder Freundin sein wollen. Von Studenten weiß man, dass sie jedem Konflikt aus dem Weg gehen, ziehen sich in so genannte Safe Spaces zurück, weil sie sich als Opfer sehen wollen. Wo ist das bitte kein Trauma?

Was jetzt mit Corona passiert, ist eine Umkehrung. Die so genannten Progressiven der Bildungsbürgerschicht machen auf autoritär. Da wird eine Art Nachkriegstrauma entstehen. Und viel Leid, der unter anderem als Zweit-, Dritteffekt auftreten wird. Deswegen: gar nicht gut sowas…

Brian
Brian
Reply to  ShodanW
1 Jahr zuvor

Stimme Dir da überwiegend zu.
Passend dazu nochmal J. Schmidt :“(…)Es wird meistens völlig übersehen, daß Traumatisierung viel häufiger auftritt als angenommen. Der Bezugsrahmen in unserer Gesellschaft hat sich stark verschoben, weil wir uns so sehr an die einschränkende
Wirkung traumatischer Überladung gewöhnt haben, daß wir geschädigtes Interaktionsverhalten als normal betrachten. Es ist aber nicht normal !“ (Der Text ist übrigens von 2008 bzw. 2015).
Habe mich im Rahmen meiner Arbeit (bei der ich viel mit traumatisierten Menschen zu
tun hatte; denen das häufig allerdings nicht bewußt war bzw. die dies weit von sich
wiesen) und aus persönlichen Gründen viel mit dem Thema Trauma auseinandergesetzt
und kann obiges Zitat nur bestätigen.
Es gibt mittlerweile eine Menge guter Literatur zum Thema (z.B. „Verkörperter Schrecken“ von B. van der Kolk oder „Der Körper erinnert sich“ von B. Rothschild sowie
z.B. diverse Bücher zum Thema Bindungsforschung).
Ich bin dementsprechend auch der Meinung, daß die nicht verarbeiteten Traumata vieler
Menschen mit dazu geführt haben, daß wir uns in der jetzigen Situation befinden und
daß diese ganze (sorry) Scheiße noch viele negative langfristige Auswirkungen v.a. auf
seelischer Ebene zeitigen wird.
Auf der einen Seite versuche ich das Verhalten der Menschen zu verstehen;
es ändert allerdings nichts an der Tatsache, daß es mich in großen Teilen einfach nur noch anwidert.

ShodanW
Reply to  Brian
1 Jahr zuvor

Danke. Für deine Zustimmung und die Ergänzungen. Ich bin da ganz offen und sage: ich bin traumatisiert. Ich bin in gewissen Dingen gehemmt und muss das jeden Tag auf´s Neue challengen. Wurde in der Kindheit schon als Sonderling betitelt, hatte aber das Glück über eine feste Clique, die einem Halt gab. Heute habe ich das nicht mehr. Eben wegen dieser Denkmuster anderer und gleichzeitig als psychologischen Rückzugsakt meiner selbst.

Das ist im Gesamtbild vielleicht als schlecht zu bewerten, aber ich habe irgendwann verstanden, dass man das auch als gut für die momentane Situation betrachten kann. Ich kenne also den Zustand, kann mich damit arrangieren. Jetzt werden noch einige Unbedarfte mit einem solchen Trauma belegt – und wer da vorher kein Problem damit hatte oder es sich selbst und anderen erfolgreich schöngeredet hatte, wird mit dieser neuen Situation viel mehr Probleme bekommen.

Kann man so oder so sehen. Ich denke, ich bin besser gerüstet als die vorher Untraumatisierten, da ich nicht zur aktiv-aggressiven Gruppe gehöre. Bei den Vorbelasteten muss man auch aufpassen, weil die eh schon labil sind und nur einen geringen Anlass brauchen, um durchzudrehen. Man merkt sowieso schon, dass immer mehr Menschen einfach keinen gesellschaftlichen Halt mehr spüren und dann mit Autos in Menschenmengen fahren. Das ist niemandem angeboren, das ist ein langer Prozess bis ihnen alles egal ist. Das verstehen aber die wenigsten oder wollen es nicht sehen. Vielleicht weil man zugeben müsste, dass man mitschuldig sein könnte.

Pen
Pen
Reply to  Brian
1 Jahr zuvor

Brian, oft können die Menschen nichts dafür. Ohne Hilfe sollte man sich gar nicht an dir Untersuchung eines Traumas wagen. Der Verdrängungsmechnismus hat eine Schutzfunktion, denn manches würde man gar nicht aushalten. Solange das Verdrängte sich nicht in Störungen bemerkbar macht, sollte man den Deckel schön drauf lassen. Und wenn man ihn öffnet, möglichst nicht ohne Begleitung.

Brian
Brian
Reply to  Pen
1 Jahr zuvor

Das habe ich ja auch gar nicht behauptet, sondern nur meine Beobachtungen
mitgeteilt. Und obwohl ich mich intensiv mit diesem Thema und meinen eigenen
Traumatisierungen auseinandergesetzt habe, würde ich mich auch nicht als
Experten bezeichnen. Und schon gar nicht bei irgendjemand daran herumdoktern. Allerdings sehe ich das mit dem Verdrängen und dem Deckel-drauf-lassen ein bißchen anders. Denn solange viele Menschen sich nicht mit
ihren eigenen Themen auseinandersetzen, wird sich in vielen Bereichen/Konstellationen/Beziehungen nichts ändern (das sehen wir ja gerade) und gerade die mangelnde Kommunikation hat ja schon bei den früheren Generationen zu Problemen geführt (ich denke, da kann fast jeder ein
Beispiel zu beitragen). Wobei natürlich immer mit dem entsprechenden Tempo,
dem nötigen Respekt und Verständnis vorzugehen ist.

Pen
Pen
1 Jahr zuvor

Alte Menschen in Heimen werden nun geimpft, ohne daß sie vorher ausreichend informiert wurden. Das geht aus der Fotokopie eines Formulars hervor.

https://2020news.de/wie-unsere-alten-in-die-impffalle-stolpern/

Last edited 1 Jahr zuvor by Pen
Pen
Pen
Reply to  Pen
1 Jahr zuvor

Jemand hat das Formular mit folgenden, Fragen versehen.

‚Grippeimpfung?‘ , ‚Keine Info dabei?‘, und ‚Welche Impfung?‘

Ein erschütterndes Dokument , das zeigt, wie dort mit den Menschen umgegangen wird. Der Vergleich mit den Duschräumen in den KZs drängt sich mir auf. Viele dieser Menschen wissen noch, was die Nazis alten, hilflosen Menschen angetan haben, und sind sicher besonders ängstlich und aufgebracht. Wieso nimmt man sich nicht die Zeit für Erklärungen? Was ist mit der ‚Würde des Menschen‘?

Last edited 1 Jahr zuvor by Pen
Pen
Pen
Reply to  Pen
1 Jahr zuvor

Na, hier war ja wohl der fünfte Apokalyptische Reiter, die Pharmaindustrie, unterwegs.
(Der Vierte – das sind nach Jean-Louis Bunūel die Medien).

Von den Pharmazeuten werden wir noch viel hören in der nächsten Zeit. Die haben sich die Maske des guten Onkel Doktors abgerissen und sind jetzt Teil des Militärisch-Industriellen Komplexes mit engen Verbindungen zur Mafia. 🙂

https://www.achgut.com/artikel/die_wundersame_impf_chronologe

Last edited 1 Jahr zuvor by Pen
Leselotte
Leselotte
1 Jahr zuvor

Bereits jetzt ist abzusehen, dass der Lockdown in Deutschland inklusive Kontaktbeschränkungen ab dem 10. Januar verlängert wird. Doch in verschiedenen Branchen, die durch die erzwungenen Geschäftsschließungen in ihrer Existenz bedroht sind, regt sich allmählich Widerstand gegen die Maßnahmen: Im Internet organisieren sich zahlreiche Selbstständige, die ihre Läden ab dem 11. Januar trotzdem öffnen und damit eine Form von „zivilen Ungehorsam“ zeigen wollen. In der Telegram-Gruppe „Wir machen auf – Kein Lockdown mehr“ versammelten sich innerhalb von 24 Stunden knapp 50.000 interessierte Personen – und die Gruppe wächst stetig weiter. In der erst am Samstag gegründeten Gruppe heißt es:..

Hier entnommen
https://de.rt.com/inland/111351-ziviler-ungehorsam-in-deutschland-laden/

Pen
Pen
Reply to  Leselotte
1 Jahr zuvor

Hoffentlich lassen sich die Menschen das nicht mehr länger gefallen. Das schnürt einem ja die Kehle zu.

Last edited 1 Jahr zuvor by Pen
Joerg Gerhard
Joerg Gerhard
1 Jahr zuvor

Dazu kommt, dass Wieler’s Satz, sowie die Haltung seiner ‚Kollegen‘, die Inkarnation der Unwissenschaftlichkeit, aka des Glaubens, sind.
Aber ich stimme zu: Gewinner kann und wird es dsbzgl. nicht mehr geben koennen.
Die Gläubigen koennen und werden ihren Glauben, wenn überhaupt, nach den eingetretenen Katastrophen in Frage stellen koennen.
Und ob wir Zweifler uns diese Katastrophen wünschen sollten nur um recht zu bekommen, ist zweifelhaft, da auch fuer uns unangenehm.
Eine Umschreibung nach Aufarbeitung kann und wird es ohne die zutage getretenen Katastrophen nie oder erst nach 1, 2 Generationen geben.
General Haig und Melchet waren lange Zeit nach Ende des 1.Weltkriegs noch Helden, bevor die Kritik einsetzte und peu a peu das Narrativ korrigiert wurde.