In der Falle

Die Corona-Krise hat bei vielen große Hoffnungen entfacht, aber mal ehrlich: Wir sind total im Arsch.

Hoffnung stirbt nicht nur zuletzt — sie keimt auch zuerst auf. Kaum war die Corona-Krise über uns gekommen, waren Schulen und Läden geschlossen, Konzerte und Partys abgesagt worden, stand für nicht wenige fest: Der Kapitalismus ist am Ende. Die Welt nach Corona würde eine andere sein, glaubten sie. Eine bessere, klimaverträglichere, eine, in der die Profitmaximierung keine große Rolle mehr spielen würde. Da könnten sich die Optimisten getäuscht haben. Neoliberalismus, Autoritarismus und Klima-Ignoranz sitzen fester im Sattel als je zuvor.

Woher dieser Mut kam? Schwer zu sagen. Eventuell ist es so ein irrationaler Affekt, der sich bei zu langer Quarantäne einstellt. Nüchtern betrachtet gibt es da keine Hoffnung; einen heilsamen Schock, von dem vermutlich bei dieser These ausgegangen wird, gibt es distanziert betrachtet nicht. Schon gar nicht als kollektives Einvernehmen. Er existiert bestenfalls bei Individuen, wenn sich der erste Herzinfarkt einstellt und man nun ahnt, dass man von jetzt ab besser auf sich achten muss. Aber selbst da ist der Schock nicht garantiert heilsam.

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Gast
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„Das vernunftbegabte Wesen sitzt in der Falle.“ Das vernunftbegabte Wesen hat’s verkackt. Die Natur hat ihm nicht nur den Verstand, also den Kopf, sondern auch eine Seele gegeben, die man seit jeher im Herzen oder im Solarplexus ansiedelt. Weiterhin wird der Verstand dem Männlichen, dem Geistigen, dem Himmel und die Seele dem Weiblichen, dem Gefühl, der Erde zugeordnet. Schon in dem uralten, cinesischen I Ging sind das Weibliche und die Erde dasselbe Zeichen. Wie unsere patriarchale Welt, allen voran die Kirche, das Weibliche jahrtausende lang verachtet, unterdrückt und ausgebeutet hat, so hat hat sie auch die Erde verachtet, zerstört, ausgebeutet… Weiterlesen »

Rudi
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Rudi

Roberto, du schreibst:

Und daher glaube ich persönlich, Corona hin oder her, dass der Klimawandel und der Finanzkapitalismus nicht mehr zu ändern sind.

Da sind wir Glaubensbrüder, obwohl ich glaubte, mit dem Glauben auf Kriegsfuß zu stehen. Das kapitalistische Vorbild sind die USA. Je unbehelligter diese Wirtschaftsform betrieben werden kann, desto mehr Leid erzeugt sie. Im Rust-Belt, hauptsächlich in Michigan, Pennsylvania und Ohio, rotten die Fabriken vor sich hin. Man findet Lokomotiv-Friedhöfe, auf denen hunderte von Loks verrosten. Autoswracks säumen die Straßenränder. Nicht überall. Aber der Kapitalismus in Reinform hinterlässt seine sichtbaren Spuren der Destruktion.

Heldentasse
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Heldentasse

Wenn ich jetzt ein Polemiker wäre, würde ich womöglich auf den Gedanken kommen, dass der Artikel von Roberto arg verschwurbelt ist, auch wenn m.E. einiges wahres dabei ist! Aber das wäre unfair, erst mal selber was sinnvolles und ansprechendes schreiben , was bestimmt gar nicht mal so einfach ist. Zur Sache möchte ich betragen, in dem ich auf einen m.E. ganz simplen Zusammenhang aufmerksam machen möchte, nämlich das Leben auf die Dauer nur erfolgreich sein kann, wenn es sich an den Lebensraum bestmöglich anpasst, wenn es das nicht kann sterben die unangepassten Verlierer aus! Die meisten der Arten des Homo… Weiterlesen »

Marla
Gast
Marla

Alle sogenannten Linken CoronaMitmacher, die ja sooooo von Zukunftschancen geschwärmt haben, von denen hört man nix mehr! (Schon damals fragte ich mich, woher sie diese Visionen nehmen, denn nichts in den letzten 40Jahren begründete diese Wahnvorstellungen!) (vll wollten sie damit ihre CoronaUnterwürfigkeit ja auch schön reden….. Der krasse Effekt war allerdings dass sie nie fordernd auftraten, also den ‚Notstand‘ nutzten, um radikale Veränderungen zu fordern….. Still, leise und wahnwichtelnd war die Opposition)

Jetzt beim Billionenpaket:
Rechts von der Null Geld ohne Ende
Links nicht mal mehr Rinnsale!

(Und glaubt irgendjemand das wird besser, wenn die ersten Rückzahlungsforderungen anstehen?)

Juergen
Mitglied
Juergen

Roberto sagte: Wir sind total am Arsch. In Deinem Text kommt ein paar Mal das kleine, unscheinbare Wort „wir“ vor – nur, wer ist denn dieses „wir“? Das Wort suggeriert eine Gemeinschaft, eine Gemeinsamkeit. „Wir“ meint wohl immer eine einigermaßen homogene Gruppe, die gemeinsame Merkmale und Interessen hat. Auch eine Gruppe von Schimpansen würde wohl „wir“ sagen wenn sie denn reden könnten, und sich damit auch abgrenzen gegen andere Schimpansen die nicht „wir“ sind sondern „die“, die Schimpansen vom anderen Flussufer vielleicht. Und wenn es denn auf der einen Flussseite mehr Leckereien gibt als auf der anderen wird noch deutlicher,… Weiterlesen »