Nach der Krise ist in der Krise ist vor der Krise

Im Zuge der Corona-Krise werden Defizite im Pflegebereich deutlich. Es mangelt an Personal. Daher rufen die ersten schon, dass nach Corona alles anders sein sollte: Man muss wieder mehr Pflegekräfte einstellen. Geht das?

So weit hat es also tatsächlich kommen müssen: Erst eine Krise nötigt der Gesellschaft Demut in Bezug auf bestimmte Berufsgruppen ab. Wann haben denn Angestellte eines Supermarktes vorher Anerkennung erhalten? Soviel Dank für zugestellte Pakete und gelieferte Pizzen war selten. Wurden Pflegekräfte je beklatscht, weil sie zum Dienst eilten? Plötzlich ist man froh, dass man sie alle hat. All die »Hilfskräfte«, für die man sonst keine Sympathie, meist aber viel Ignoranz erübrigte. Nun weiß man was man an ihnen hat. Jedenfalls für den Augenblick.

Eine Krankenschwester aus Berlin hat bei Facebook rege Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ihr Post, in dem sie sich auskotzt über die Arbeitsverhältnisse grundsätzlich und jene, die jetzt speziell durch den Ausnahmezustand nochmals verschärft werden, wurde zu dem, was man heute einen »viralen Hit« nennt: Er wurde über 60.000 Mal geteilt. Das Klatschen für die »Pflegehelden« könnte man sich sonst wo hinstecken, findet sie. Überhaupt sollten »genau jetzt alle Pflegekräfte ihren Job kündigen« – aus Protest darüber, vorher nie gehört worden zu sein.

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Mordred
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Mordred

Eine der vielen Paradoxien unserer Zeit. Die Nachfrage bzgl. Pflege steigt. Es gibt nicht genügend Personal. Die Kosten (Löhne) und Budgets steigen dazu nicht angemessen. Es muss zusätzlich noch mehr dokumentiert werden. Es versickert ohne Ende Kohle bei KK MDK und weiß der Teufel wo auf dem Weg zwischen Patient und Pfleger. Roboter gibbet nicht, weil zu teuer. Pfleger gelten momentan als Stütze der Gesellschaft. Usw. Usf.
Passt alles nicht wirklich zusammen oder?

niki
Mitglied
niki

Ich glaube ich hatte meine Gedanken zu Pflegerobotern schon einmal geteilt…

Kurzfassung: ich halte diese ebenso für notwendig!
Nicht um das Pflegepersonal zu ersetzen, sondern um es zu entlasten… Gerade wenn es ums Heben und Umlagern des Patienten geht! Vielleicht kann man mit den Pflegerobotern gar die Privatsphäre der Patienten etwas erhöhen… Ich würde mir auch lieber beim „Kacken“ lieber vom „Robbi“ helfen lassen, als von einem Pfleger…

Heike
Gast
Heike

Klatschen ist nett, mehr Gehalt wäre angemessen und richtig! Es geht mir übrigens irgendwo vorbei, was der antisoziale Identitätsheini aus Bonn dazu meint!!

Folkher Braun
Gast
Folkher Braun

Es wäre Zeit mal aufzuarbeiten, wer in Sache Pflege alles Dreck am Stecken hat. Mein Weib war 25 Jahre bei der AWO als examinierte Altenpflegerin tätig. In dieser Zeit ist das Unternehmen aus den Tarifverträgen ausgestiegen. Die neuen Arbeitsverträge sahen 25 % weniger Gehalt und fünf Tage weniger Urlaub vor. Als die Ziwis nicht mehr kamen, wurden von der ArGe Personen mit, ich sag´s vorsichtig: speziellen Vorstellungen von Pflege eingestellt. Da bekam die Bewohnerin auch schon mal einen auf die Backe, wenn sie nicht zügig auf das Kommando reagierte. Die Stammbelegschaft wurde so zusätzlich mit Betreuungsaufgaben an den Neu-Mitarbeitern befasst.… Weiterlesen »