Wissen, wo sein Platz ist

Deutschlands Geringqualifizierte landen und verharren nachhaltig im Niedriglohnsektor. Im Ausland wird dieser Effekt unter anderem durch einen höheren Mindestlohn erschwert. Deutsche Wirtschaftspolitik versteht sich aber als Gesindeordnung: Billige, jederzeit verfügbare Arbeitskraft ist das bürgerliche Ideal.

Wer nur einen Hauptschulabschluss hat, muss mit wenig Lohn rechnen. Geringqualifizierung sorgt nämlich für Mindestlohn. Das hat – Überraschung, Überraschung! – eine Studie ergeben, die von der Bertelsmann Stiftung beauftragt wurde. Man könnte den Umstand noch ein bisschen anders, in der Sache treffender umschreiben: Wer ist Deutschland keine hohe Qualifizierung erhalten hat, darf schamlos im Niedriglohnsektor ausgebeutet werden. Ob er davon leben kann, spielt überhaupt keine Rolle. Denn am Ende badet es die Allgemeinheit aus, weil man den Geringverdiener in den aufstockenden Hartz-IV-Bezug schickt etwa. Der Unternehmenssozialismus klappt bisweilen ganz gut.

Das vermeintliche Grundrecht auf billiges Hilfspersonal

Ohne Hochschulabschluss, mit einer ganz ordinären Schulkarriere, in diesem sozialisierten Niedriglohnsektor zu landen, ist allerdings keine Naturgewalt. Das hat man selbst im Wirtschaftsressort von Spiegel Online eingesehen. Normalerweise war man stets dort recht unverdächtig für einen offenen Diskurs in Fragen, die die herrschende Angebotsökonomie betreffen. Bis neulich eben. Im europäischen Ausland fängt man die geringe Qualifizierung mit Mindestlöhnen ab, die den Namen auch verdienen. Dort wirken sie nicht nur als Alibieinrichtung, um soziale Gewissensbisse ein wenig zu lindern. Sie wollen eben ein Mindeststandard sein, von dem man auch leben kann.

Für deutsche Verhältnisse ist das ein unverfrorener Gedanke. Denn gewisse Tätigkeiten hat man in unserer Republik im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte, mit purer Absicht in die Prekarität verfrachtet. Dahinter steckte ein elitaristischer Grundgedanke: Wer mir was liefert, wer für mich putzt, kocht oder aufräumt, wer meine Kinder betreut oder meinen Garten in Schuss hält, soll als billiges Hilfspersonal zur Verfügung stehen. Damit der Lebensplan finanzierbar bleibt – für die Nachfrageseite, versteht sich.

Das hat sich gewissermaßen als das Grundrecht der neuen Snobs, der neoviktorianischen Hautevolee manifestiert. Die glaubt nämlich, dass es ein Privileg ist, für sie tätig zu sein. Weshalb es ganz okay zu sein hat, dass diese Hiwis für einen Selbstkostenpreis arbeiten. Besser so eine Arbeit, als gar keine Arbeit. Hauptsache überhaupt Arbeit! Mit diesen doofen Sprüchen hat man einst die Prekarisierungswelle als neue Agenda eingeleitet. Haushaltsnahe Leistungen wurden vergünstigt, ehemalige Gesindestellen liberalisiert und flexibilisiert. Alles nur für dieses vermeintliche Grundrecht auf günstige Arbeitskraft.

Neoviktorianismus: Über handymen und cleaner, boot boys und gardener

Gerade bei diesen Jobs, die die moderne Konsumwelt zum Massensymptom gemacht hat, bei Liefer- und Bringdiensten etwa, kehrt sich das gesamte Menschenbild der herrschenden Ökonomie hervor. Es ist ein spätviktorianischer Drang, die Welt wieder in Herren und Gesinde zu teilen, wobei die Kaste der Herren freilich größer wurde – denn jeder bezahlende Kunde kann kurzzeitig eine »Herrschaft auf Zeit erwerben«. Eine, die eine Dienstleistung »als gutes Recht« in Anspruch nimmt, für die realen Kosten aber nicht aufkommen will. Soll doch die Allgemeinheit dafür sorgen, dass der Laufbursche seine Miete zahlen kann. Wofür gibt es denn Hartz IV?

Eine Popkultur der hierarchischen Prüderie ist im Begriff, den Snobismus der Vergangenheit neu zu reaktivieren. Lesenswert dazu ist etwa Christoph Bartmanns »Die Rückkehr der Diener«. Fortschritt ist dabei wie gesagt nur, dass der Laufbursche auch Herr sein kann, wenn er die Dienste eines Paketzustellers in Anspruch nimmt. Aber selbst das entspricht in trauriger Weise dem Urvater des Gedankens, dem Viktorianismus. Denn schon damals hatten manchmal Diener Diener. Bill Bryson schrieb in seiner »Kurzgeschichte der alltäglichen Dinge« deshalb auch, dass damals das »Zeitalter der Diener« herrschte.

Wer mehr über die verschiedenen Posten jener Zeit erfahren möchte, über das Gesinde und den Umgang mit diesen rastlosen Hilfarbeitern, dem sei Brysons Buch übrigens zur Lektüre empfohlen. Wie handymen, cleaner, boot boys und gardener damals als lästiges Übel einer Elite betrachtet wurde, die kostengünstige Dienste als angestammtes Grundrecht einschätzte, kann man bei Bryson nachverfolgen. All diese emsigen Hände nahm man stark in Anspruch, sie sehen, wahrnehmen, schon gar als Mensch, wollte man sie allerdings nicht. Sollten sich bei der Schilderung gewisser ausbeuterischer Praktiken von damals Ähnlichkeiten mit den Praktiken des heutigen Arbeitsmarktes ergeben, so sind diese Ähnlichkeiten weder unbeabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.

Diesen Beitrag ausdrucken
Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
57 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
niki
niki
2 Jahre zuvor

Die Deutschen sind ein Volk von obrigkeitshörigen Dienern…

Und vor allem: Gönne bloß den anderen nicht mal das Zahnweh, wenn dieser sich nicht mal für ein paar Euro fünfzig nicht ausbeuten lässt…

Es sei denn man ist Millionenerbe! Dann wird sich Informiert und beratschlagt, wie man das ach so schwere Leben denen noch erleichtern kann…
(Natürlich ist das ganze komplexer,…)

Das hat sich gewissermaßen als das Grundrecht der neuen Snobs, der neoviktorianischen Hautevolee manifestiert. Die glaubt nämlich, dass es ein Privileg ist, für sie tätig zu sein. Weshalb es ganz okay zu sein hat, dass diese Hiwis für einen Selbstkostenpreis arbeiten. Besser so eine Arbeit, als gar keine Arbeit. Hauptsache überhaupt Arbeit! Mit diesen doofen Sprüchen hat man einst die Prekarisierungswelle als neue Agenda eingeleitet. Haushaltsnahe Leistungen wurden vergünstigt, ehemalige Gesindestellen liberalisiert und flexibilisiert. Alles nur für dieses vermeintliche Grundrecht auf günstige Arbeitskraft.

Der pervertierte Arbeitsethos hat schon seinen Grund,…

Mausi
Mausi
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Wer möchte nicht Millionenerbe sein?
Kein Neid
Arbeit ehrt uns Menschen?

aquadraht
aquadraht
Reply to  Mausi
2 Jahre zuvor

Arbeit ist der Stoffwechsel der Menschen mit ihrer natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt, Arbeit, also die schöpferische und planvolle Gestaltung und Umgestaltung der natürlichen Umwelt, lässt den nackten Affen erst zum Menschen werden.

Müssiger Konsum hirnlos fressender, saufender und unkreativ konsumierender Menschen unterscheidet den Menschen nicht vom fressenden Tier, vom Schwein oder vom Anton.

Mausi
Mausi
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Bitte aber zu gerechten Mindestlöhnen? Ohne Arbeit geht es nicht, wenigstens nicht richtig und für alle!

Mausi
Mausi
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Man darf sich auch einig sein😀🤓

niki
niki
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Früher, als ich ideologischer war, hätte ich geantwortet: Nein.
Heute finde ich schon, dass Arbeit einen Wert an sich hat.

Die Arbeit um des Arbeiten willens ist Ideologie pur…

Mausi
Mausi
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Du willst gar kein Arbeit oder? Auch geistig, seelische und emotionale Arbeit ist Arbeit, nicht vergessen!

niki
niki
Reply to  Mausi
2 Jahre zuvor

Nur eines: Ich arbeite nur um mein Leben und das meiner Familie zu finanzieren…

Da habe ich echt besseres zu tun, als mein Leben mit mehr als nötig beschissen bezahlter Lohnarbeit zu verschwenden, woran dritte übermäßig profitieren.
Da bin ich ganz ehrlich: Freizeit ist mir wichtiger… Und wenn ich etwas freiwillig tue, hat das einen guten Zweck…

Aber Arbeit der Arbeit wegen empfinde ich als Ideologie pur, welche im höchsten Maße krank ist… Gar eigentlich wider der Natur (frei nach John Locke)

Mausi
Mausi
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Du arbeitest doch
Alles gut
Höhere Mindestlöhne, aber hallo

niki
niki
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Das kam im Zusammenhang mit dem Vorposter

Arbeit ehrt uns Menschen

so rüber…
Bzw. ich habe das so verstanden!
Asche auf mein Haupt wenn ich das missverstanden habe!

Ehre und Wert sind zwei absolut verschiedene Paar Schuhe..
Ehrenwürdig ist Arbeit an sich bei weitem nicht immer.

Schon gar nicht in der Welt des Neoliberalismus…
Denn da hat das Übermaß an Arbeit, zu der viele gezwungen worden sind, u.a. sowohl zur Verschiebung der Machtverhältnisse in Richtig übelster Dystopie, als auch, wie wir nun langsam alle sehen, zu erheblichen ökologischen Problemen geführt…

Schwabbel
Schwabbel
2 Jahre zuvor

Wer ist Deutschland keine hohe Qualifizierung erhalten hat, darf schamlos im Niedriglohnsektor schreiben.

Roberto De Lapuente
Roberto De Lapuente
Reply to  Schwabbel
2 Jahre zuvor

Manchmal dürfen Geringqualifizierte auch bei uns kommentieren. Wir finden das aus Überzeugung gut.

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Roberto De Lapuente
2 Jahre zuvor

Jo, guude, Roberto!
Dann kannste ja den Anton wieder aus der Haft entlassen, damit wir auch wieder bissl Spass haben…

flurdab
flurdab
Reply to  Schwabbel
2 Jahre zuvor

Ha ha, Niedrighohnsektor.
Da solltest du mal deren Villen im Tessin sehen.
Ich frag mich ja immer wo die beiden Finanz- und Börsenheinis noch die Zeit für einen Blog hernehmen.

Marlene
Marlene
2 Jahre zuvor

1. Ist das nicht ein Problem der Geringqualifizierten, sondern ein Problem der Alten, der Frauen, der Mütter …. auch Alte Studierte kriegen nur noch Low Budget Jobs!
2. Es gabs in der WWG schon immer: Frauen und Kinder die dem Manne zur Verfugung standen und ihm zu dienen hatten!
3. Es hat mich geärgert, als die Frauenbewegung zum CoTäter des Systems wurde (und die neue Vätergruppierungen tatkräftig mitwirkten)
Denn, um im Männerland Cash in the tash zu aquirieren müssen Männer ( und nun auch Frauen) andere ausbeuten!

Grundsätzlich hätte ab den 80ern die Frage gestellt werden müssen,
1.was ist Arbeit? (Immer noch gilt: da wo Manner wirken und Not sehen ist Arbeit, da wo Frauen beschäftigt sind ist Gedöns! Also muss der AktienPflegende Bänkster hoch bezahlt werden, während Oma PflegendeHausfrau nix kriegt?)
2.wie geht 40-80 Stunden Familienabwesenheit mit 24*7 Tage Kindeswohl?

Und genauso dringend:
Warum braucht mensch das:
ich bin stark, groß, mächtig… weil ich dich klein, schwach und ohnmächtig mache?

Rudi
Rudi
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Was sind denn das für Leute, die Geringqualifizierten? Egal, was ich mache, überall gibt es eine Menge Befähigter, die können es – was auch immer – besser als ich.

Auch die in Arbeit Stehenden sollen am Kragen gepackt werden:

Mit einer Initiative im Bundesrat will Bayern die Regelung für die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden lockern. Die Staatsregierung begründet das mit der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt. (…) Starre Arbeitszeitregelungen, insbesondere die ununterbrochene Ruhezeit von elf Stunden, seien daher nicht mehr zeitgemäß.

Der Kapitalismus ist mit seiner Auspresserei noch lange nicht am Ende. Die Wirtschaftsparteien Union, FDP und AfD, eventuell auch die Grünen arbeiten den Besitzern der Produktions- und sonstigen Ausbeutungsmittel zu. Die propagandistische Begründung für die CSU/FWV-Forderung ist putzig. In der Meldung heißt es dazu:

Viele Beschäftigte wünschten sich, die Arbeit der Familie zuliebe für ein paar Stunden unterbrechen zu können, am Abend die letzten beruflichen Arbeiten zu erledigen und am nächsten Tag wie üblich mit der Arbeit zu starten.

niki
niki
Reply to  Rudi
2 Jahre zuvor

Wer hat schon noch wirklich Zeit zum Nachdenken, der 40h+x pro Woche arbeitet, dazu noch Familie und Hobby unter einem Hut zusammenbringen möchte…?! Nicht mehr viele. Und das ist auch gewollt… Halte die Menschen (mit Arbeit und Schweine durchs Dorf treiben) im Trab, damit diese nicht mehr wirklich Nachdenken können…
Die paar Prozent die es dann doch noch können, spielen dabei keine Rolle…
Und diejenige die weniger arbeiten, oder gar arbeitslos sind, sollen in existenzieller Angst im Griff gehalten werden,… Diese verhindert das Denken sehr effektiv!

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Familie, Hobby und 40-Stunden-Woche, und dann auch noch nachdenken? Das scheint tatsächlich heute schon die totale Überforderung zu sein. Gute Güte, wie haben das die Leute damals nur hingekriegt, für diese 40-Stunden-Woche zu kämpfen? Die hatten davor noch 48-Stunden-Wochen und da davor 60-Stunden-Wochen und im Manchester-Kapitalismus noch nicht mal richtiges Geld. Und unsere türkischen Mitbürger haben in den 60ern und 70ern noch gerne Doppelschichten gefahren, damit es ihnen besser geht – was auch immer sie unter „besser“ verstanden haben. Wir wollen darüber jetzt nicht urteilen.

Irgendwas ist an Ihrem Ansatz nicht ganz richtig. Nächster Versuch…

niki
niki
Reply to  Drunter & Drüber
2 Jahre zuvor

Sorry… Der Trend geht aber seit einiger Zeit zum Zweitjob…
Klar haben bestimmte Personenkreise auch in 70er und 80er Doppelschichten gefahren o.ä.
Aber das war wohl nicht die Masse, so wie es heute ist…

Abgesehen davon was mehr geleistete Arbeitszeit heute nicht als Überstunden abgerechnet wird, geht auf keine Kuhhaut mehr…
Also eine 40h/Woche ist real oft eine 45h Woche oder noch mehr. Unbezahlt!
Bei bezahlten Überstunden sieht das nicht anders aus. Auch ich habe im Sommer rund 30-35h Überstunden pro Monat. Bei einer 25h Woche…
(ich bin noch selbstständig nebenbei, wo ich durchschnittlich 15h pro Woche arbeite, in bestimmten Zeiträumen (4mal pro Jahr) schon auch mal 40h pro Woche zusätzlich…)

Massive Arbeitsverdichtung ist auch fast überall beklagenswert…
Eigentlich benötigen wir zwei zusätzliche Kräfte um den Laden zu schmeißen… Ich weiß nicht wie wir es trotzdem schaffen… Meine Kollegen die dort Vollzeit arbeiten, kommen auf rund 60h/Woche…

Was ich beispielsweise im Einzelhandel festgestellt habe ist, aus eigener Arbeitserfahrung ist, dass Vorbereitung und Abrechnungen der Kasse außerhalb der Ladenzeiten nicht als Arbeitszeit zählen…
Das waren in meinem Fall rund 30-45min pro Tag, unbezahlt…

Also, So einfach ist das nicht… Nur weil dein oder mein Vater öfters Doppelschichten gefahren haben, oder auch mal nebenbei zusätzlich gearbeitet, bedeutet das nicht, dass dieses die Regel war…
Bei meinen Vater war das aber zumindest so, dass er nicht gerade unter großem Arbeitsdruck durch Personalmangel litt, wenn man von den letzten Jahren mal absieht bevor er vor 10 Jahren in Rente ging.

Heutzutage ist das eher die Regel!
Bei meiner Mutter war das genauso: In den 80zigern die Arbeit mit 4-6 Kolleginnen erledigt, die heutzutage eine Halbtagskraft macht!

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Kämpfen Sie für die 32-Stunden-Woche, damit Sie Zeit zum Nachdenken bekommen für einen stimmigeren Ansatz!
😉
Guten Morgen

Pen
Pen
Reply to  Drunter & Drüber
2 Jahre zuvor

@ Drunter&Drüber

Wieder auf dem Kriegspfad?

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

Wieder mal nichts kapiert, Pen? So wie fast immer, Pen?

Mordred
Mordred
Reply to  Drunter & Drüber
2 Jahre zuvor

Irgendwas ist an Ihrem Ansatz nicht ganz richtig. Nächster Versuch…

Früher war man geistig mit wesentlich weniger Thematiken beschäftigt und abgelenkt. Das gilt für nahezu alle Lebensbereiche. Konsum, Familie, Altersvorsvorsorge usw. usf.
Oder nimm das Pendeln. Ich kam bspw. 10 Jahre meines bisherigen Berufslebens so auf 60+ Stunden pro Woche.
„Gut “ dazu beitragen tut auch die Vereinzelung der Gesellschaftsmitglieder…

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  Mordred
2 Jahre zuvor

Ja, schon. Es gab Zeiten mit mehr Engagement und mehr Konzentration. Nur, diese Zeiten waren nicht „besser“, und der Überlebenskampf war grundsätzlich härter. Insofern zählt das Argument, man habe keine Zeit mehr nachzudenken und sich am Ende solidarisch zu engagieren, wenn man arbeitet, eine Familie und ein Hobby hat, einfach nicht. Das haut nicht hin. Allenfalls kann man darauf abheben, dass individualisiertes Massenleben keinen Platz für solidarische gemeinschaftliche Aktivitäten hat. Doch zu so einem Leben wird niemand gezwungen. Noch ist es möglich, im lokalen, im kommunalen, im regionalen Raum Dinge zu bewegen. Seltsamerweise ist das genau der Raum, der von den Nicht-Nazis und ihrer rechtskonservativen Kamarilla bedient wird – auch in alle politischen Meinungsblogs hinein (wenn diese das zulassen). Wie schaffen die das? Haben all die adrenalingetauften Knallchargen im Lotto gewonnen?

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Morsche, Roberto,

sind nicht unsere Politiker die bestbezahlten Geringqualifizierten?

Pen
Pen
Reply to  ChrissieR
2 Jahre zuvor

Richtig, den einzigen, wirklchen Fachkràftemangel haben wir in unserer Regierung. Fällt nur nicht so auf, weil dort Millionen für Berater ausgegeben werden können. Der Steuerzahler zahlt also doppelt für eine Politik, die sich letztlich gegen ihn richtet.

Schwabbel
Schwabbel
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

Fachkraft Schwesig lässt sogar die SPD in Meck-Pomm um
8% abstürzen. In Meck-Pomm regiert demnächst die CDU.

https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/OZ-Wahlumfrage-SPD-im-Land-stuerzt-ab-CDU-legt-zu

Roberto De Lapuente
Roberto De Lapuente
Reply to  Schwabbel
2 Jahre zuvor

Was letztlich keinen Unterschied macht. Auf Landesebene ist es eh meist wurscht, wer regiert.

Mausi
Mausi
Reply to  Roberto De Lapuente
2 Jahre zuvor

Geben wir den Rechten eine Chance
Bin aber nicht sicher, dass die diese positiv nutzen werden
Die konservative Langeweile ist aber völlig daneben
Man gebe den Bürgern mehr Beteiligungsrechte und überlege sich ein modernes Sozialsystem

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Mausi
2 Jahre zuvor

@Mausi

Geben wir den Rechten eine Chance

Man gebe den Bürgern mehr Beteiligungsrechte und überlege sich ein modernes Sozialsystem

Das in einen Kommentar zusammen zu packen ist schon eine dolle Nummer.
Selten so gelacht.

Mausi
Mausi
Reply to  Robbespiere
2 Jahre zuvor

Rechte nerven nicht mit Multikulturellen Spielereien oder anderen Luxusthemen
Linke sind fertig , keine Chance auf irgendwas

niki
niki
Reply to  Mausi
2 Jahre zuvor

@Mausi,
du kannst ruhig ein rechter sein, nur dann musst du in einem Blog mit weitestgehend linken Kommentatoren damit rechnen das du entsprechend verbal vor dem Latz bekommst… Und das zurecht!

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Anton bringt jetzt seine Verwandtschaft mit. 🙂

Mausi
Mausi
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Rechts spricht die Bürger halt mehr an

Schwabbel
Schwabbel
Reply to  Roberto De Lapuente
2 Jahre zuvor

Auf Landesebene ist es eh meist wurscht, wer regiert

Bundesrat einfach erklärt

https://www.youtube.com/watch?v=8alVUNNe53o

Molle Kühl
Molle Kühl
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Falsche Antwort. Richtig wäre. Oh ja, hab ich gar nicht dran gedacht. Ich korrigiere mich.

Merke: Kritikresistenz ist nicht unheilbar.

Schwabbel
Schwabbel
Reply to  Molle Kühl
2 Jahre zuvor

Macht ja nix wenn die AfD in fast allen Landesparlamenten sitzt. Ist ja “ wurscht wer auf Landesebene regiert“ .->

Roberto De Lapuente
Roberto De Lapuente
Reply to  Molle Kühl
2 Jahre zuvor

Oberlehrer hat keiner lieb. Komm erklär mir die Welt.

Schwabbel
Schwabbel
Reply to  Roberto De Lapuente
2 Jahre zuvor

.

Schwabbel
Schwabbel
Reply to  Schwabbel
2 Jahre zuvor

Oberlehrer hat keiner lieb. Komm erklär mir die Welt.

Fahr mal mit dem Finger die Liste der kognitiven Verzerrungen runter
und stoppe bei „Dunning Kruger“

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_kognitiven_Verzerrungen

Schwabbel
Schwabbel
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Das Buch mit den politischen Basics gabs früher von der bpb für „Mittler“
( Journalisten, Lehrer, Blogger etc. ) geschenkt. Es heißt:
„Das politische System Deutschlands“.
Weiß nicht ob die das noch auflegen, jedenfalls zahlen Mittler heute einen Unkostenbeitrag für Publikationen

https://www.bpb.de/shop/buecher/

Früher gab es jährlich sechs Bücher von denen für lau. Der ganze Schrank war voll.

Heute ist die bpb ein fragwürdiger Laden, insbesondere was Wirtschaftskriegseinsätze und den
sinnfreien Stress mit Russland betrifft.

Schwabbel
Schwabbel
Reply to  Schwabbel
2 Jahre zuvor

Gerds Scheißhausreformen werden von der
bpb auch nicht neutral betrachtet und faktenbasiert
aufgearbeitet.

Schwabbel
Schwabbel
Reply to  Schwabbel
2 Jahre zuvor

Diesbezüglich lohnt die Lektüre von A. Müller:
“ Die Reformlüge “

Vorsicht ! Dieses Buch wird von schwarzen Fledermäusen
geliefert !

Atalante
Atalante
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Auch richtig. Aber Geringqualifizierung ist ein nicht zu verachtender Posten.

Erzähle das mal dem Uni-Absolventen, der sich nach dem Abschluss von befristetem Vertrag zu befristetem Vertrag hangeln und zur Überbrückung regelmäßig ALGII beantragen muss, da er entweder nicht lang genug beschäftigt war, um ALGI zu erhalten, bzw. so erbärmlich wenig bekommt, dass er mit ALGII aufstocken muss.
Oder dem mit knapp über 50 ausgesteuerten , über 30 Jahre Berufserfahrung verfügende Techniker, der plötzlich auf der Straße steht, weil er dem Unternehmen nicht mehr „nützt“ (weil irgendwelche, auf die nächsten Quartalszahlen und Dividendenausschüttungen für die Aktionäre schielenden „Berater“ sehen, dass der Typ schlicht zu teuer ist); der findet sich nach spätesten zwei Jahren (denn wer stellt jemanden Ü50 noch ein? Vieel zu teuer) dann als Leiharbeiter (als „Hilfsarbeiter“, weil offenbar mit Beginn des ALGII-Bezugs von heut auf morgen sämtliches erlerntes plötzlich weg bzw. nichts mehr wert ist, und man gezwungen ist, JEDEN auch noch so behämmerten Job (gibt ja nur noch „Jobs“ und nicht etwa Arbeitsstellen) anzunehmen, sonst gibts nix zu fressen, salopp gesagt) zu nem Dreckslohn in irgendeinem Lager wieder…
Wenn man erstmal in der Mühle ALGII drinnen ist, dann sieht man, was einem Abschlüsse, jahrelange Berufstätigkeit/Berufserfahrung bringen, nämlich null und nix.

Geringqualifizierte sind sicherlich auch ein Problem, aber das fängt schon viel früher an, nämlich damit, dass man das Bildungssystem dermaßen kaputtmacht(e), dass es nicht verwundert, wenn soviele „nicht ausbildungsreife“ (aka für die Wirtschaft nicht verwertbare) junge Menschen dieses gefrustet verlassen.
Ganz im Ernst, wie kann ich ordenlich lernen, wenn 1) die Hälfte der Unterrichtszeit wegen Personalmangels ausfällt(zu teuer, nicht rechtzeitig ausgebildet, falsch geplant, neuerdings kommt ja auch dazu, dass „angestellte“ Lehrkräfte nur noch von Sommerferien zu Sommerferien Verträge bekommen, sprich, die haben nichtmal genug Arbeitszeit für nen ALGI-Anspruch angesammelt und klatschen für die Sommerferien gleich in ALGII, und nicht zu wissen, ob es nach den Sommerferien weitergeht, da wundert es auch nicht, dass da viele sagen: Nö, diesen Affenzirkus mach ich nicht mit) und 2) das, was stattfindet, in Gebäuden, die einem, sorry, unterm Hintern zusammenfallen (Renovierungen werden bis zum Sankt Nimmerleinstag aufgeschoben, und/oder ganz unterlassen,weil zu teuer).
Der Mist ist halt: (Aus-)Bildung kostet erstmal Geld, und das waren und sind gewisse Kreise nicht bereit, auszugeben, stattdessen greift man die in anderen Ländern ausgebildeten Menschen ab, um sie dann, mangels genügender Sprachkenntnisse oder ähnlicher fadenscheiniger Begründungen, zu Mickerlöhnen hier zu „beschäftigen“, während diese Menschen in den Ländern, aus denen man sie „abgeworben“, schlicht fehlen. (ich sag nur Pflegekräfte aus osteuropäischen Ländern, Herr Spahn war ja kürzlich medienwirksam auf Werbetour dort)
Ist schon irgendwie pervers: Die im eigenen Land potentiell vorhandenen Kapazitäten, werden wegen „zu teuer“ nicht gefördert, sondern aufs Abstellgleis (unqualifiziert…) geschoben, während man anderen Ländern die Ausbildungskosten aufdrückt und die fertig ausgebildeten Leute dann nach Deutschland lockt.
Wer nur 10 Meter geradeaus laufen kann, dem muss doch klar werden, dass diese Entwicklungen nicht lange gut gehen werden. Bzw. erste Auswirkungen sehen wir ja schon…
Und das alles nur wegen kurzfristiger Profitinteressen (ich bin der Meinung, das haben wir nicht zuletzt auch dieser gelben BWL-er Truppe namens FDP zu verdanken, die ja in den 80er Jahren mit Kohl fleißig gewütet hat.)

MfG

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Atalante
2 Jahre zuvor

Dem kann man voll zustimmen.

Passend zum Thema Bildung auch dieser wunderbare Auftritt von Georg Scvhramm:

https://www.youtube.com/watch?v=RkNddCXSLvM

Schramms Verdacht, dass die Bildung der Masse systematisch heruntergefahren wird, weil man dumme Konsumenten statt aufgeklärter, politisch engagierter Bürger in unserem System braucht, ist m.M.n. offensichtlich.
Kinder, die aus Familien mit geringerem Bildungsniveau kommen, sollen keine Gelegenheit bekommen, aufzusteigen.
Die bürgerliche Klasse schottet sich ab und schafft ihrem Nachwuchs die Konkurrenz aus dem Weg.
Die Politiker, die selbst zum Bürgertum gehören, fördern diese Tendenz nach Kräften.
Die Türen, die der Sputnik-Schock für die Arbeiterklasse geöffnet hat, werden Stück für Stück wieder geschlossen, indem man benachteiligte Kinder nicht ausreichend fördert, wie es z.B. in Skandinavien der Fall ist.
Man verweigert Kindern aus nichtakademischen Familien faktisch die Möglichkeit, sich durch gute, kindgerechte Bildung zu entwickeln und sozial aufzusteigen, was sich langfristig positiv auf die Familien an sich und damit auch auf die gesellschaft insgesamt auswirken würde.
man läßt ein gewaltiges Potential einfach brachliegen, ohne Rücksicht auf die Zukunft unseres Landes, weil Unternehmen sich an den Bildungskosten nicht beteiligen wollen und man ihnen den Zugang zu Personal aus dem Ausland eröffnet hat.
In diesem Zusammenhang ist auch die EU-Osterweiterung zu sehen, quasi als Pool für für einen masiven Brain-Drain, die Abschöpfung von Arbeitskräften auf Kosten der Ausbildungsländer.
Merkels öffnen der Barrieren für Flüchtlinge und Migranten sehe ich ebenfalls in diesem Kontext, denn die Wirtschaft hat den Zuzug sofort als Bereicherung hinsichtlich angeblich fehlender Fachkräfte bejubelt.

Gute Artikel zum Thema Schule und Bildung gibt es auch über die Suchfunktion auf Rubikon.

Pen
Pen
Reply to  Robbespiere
2 Jahre zuvor

Herr Schramm bringt es auf den Punkt! Der Wertewesten braucht nur noch dumme Konsumenten. Gut Ausgebildet könnten ja merken, was hier passiert.

Die Wahrheit findet man nur noch in Blogs, Kommentaren und Kabarett. Nur dort wird sie geduldet.

Snowden, Manning und Assange sind der Beweis.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

@Pen

Herr Schramm bringt es auf den Punkt! Der Wertewesten braucht nur noch dumme Konsumenten. Gut Gebildete könnten merken, was hier passiert.

Nun, gut gebildete braucht es auch noch, um das Schweinesystem am laufen zu halten, aber die rekrutieren sich aus den Dynastien der Profiteure und bekommen auf Privatschulen die bessere Bildung.
Die bürgerliche Klasse schottet sich nach Unten hin ab, was man an bestimmten Kennzahlen gut sehen kann.
Von neun Studierenden kommen acht aus bürgerlich-akademischem Haus. Das ist kein Zufall, sondern hat System.
Wer Unten ist, soll möglichst auch da bleiben.
Von daher weht auch der Wind, wenn über Studiengebühren diskutiert wird.
wer es dennoch nach Oben schafft und sich, wie in den USA fürs Studium hoch verschulden muss, der ist von der Wirtschaft leicht erpressbar.
Die Zahl der ausstehenden Studienkredite hat dort schon die Billionengrenze überschritten und die zu geringen Löhne sorgen dafür, dass man mitunter sein Leben lang verschuldet bleibt.

Mausi
Mausi
Reply to  Robbespiere
2 Jahre zuvor

Privatschulen haben ihren Platz. Bildung ist eine gesellschaftliche, keine rein staatliche Aufgabe! Wollen Linke jetzt Privatschulen verbieten? Sehr peinlich!

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Mausi
2 Jahre zuvor

Erklär mir mal den Unterschied zwischen Staat und Gesellschaft und warum Bildung nicht für alle einheitlich sein soll?

Mausi
Mausi
Reply to  Robbespiere
2 Jahre zuvor

Staat ist für mich in erster Linie das Instrument der herrschenden Politik über die Bevölkerung. Der Staat benutzt seien Angestellten als Staatsbedienstete den Bürger klein halten zu können! Bildung ist ein Gut, zu einem bestimmten Teil ein öffentliches , darum bin ich auch gegen Studiengebühren an Staatsuniversitäten, solange es sie gibt! Es spricht nichts dafür, ein teilweise öffentliches Gut, die privatem Bildungsenrichtungen machen nur einen kleinen Teil aller Bildungseinrichtungen aus, ganz zu einem öffentlichen zu machen. Der Staat, wer dürfte mehr Schuld auf sich geladen haben, sollte nur das erledigen, was er muss. Möchte Familie A ihr Kind auf eine Staatsschule schicken, gerne, möchte sie ihr Kind auf eine Privatschule schicken, gerne, muss möglich sein, gerade wenn selbst bezahlt!Ich sehe nicht, warum mir verwehrt sein sollte, ein Kind auf eine Privatschule zu schicken, sollte ich es wollen! Justiz und Polizei lassen sich wohl kaum, von Randbereichen abgesehen , privatisiert anbieten, Unis oder Schulen sind da anders, wie gesagt, Wille der Betroffenen sollte entscheiden. Ich wäre gegen eine völlige Privatisierung der Bildung, bei Berufsschulen vielleicht schon, aber private Konkurrenzangebote sind mehr als notwendig! Mir ist aber klar, dass der Staat und seine Beschäftigten hier als heilig gelten, wahrscheinlich ist eine BMW Managerin schuld, sollte Beamtin Maier oder Angestellter Schmidt faul oder unfähig arbeiten und dem Bürger schlechte !Lesitungen anbieten! Es geht nicht um Diskussion und Füllen von Seiten, sondern um polit. Mehrheiten, die Linke hierzulande nie erhalten werden!
Nachtrag, private Träger sollten den Staat auf vielen Staaatsebenen fachlich unterstützten, damit es keine Staatstrantütelei gibt, um es mal etwas flapsig zu benennen
Ich möcht übrigens auf linken Seiten in vielen Punkten nicht Mainstream sein, gilt für konservative Staatsvergötterer und Aktenlover in noch größerer Weise