Das Volk, das man hat oder Minimiert Moralia!

Es liegt von jeher eine schwere moralische Decke über Themen, die die Linke betreffen. Wer könnte an die guten Absichten einer ethischen Grundhaltung zweifeln? Das sollte man aber manchmal – jedenfalls im politischen Kontext. Es wird Zeit, dass das auch speziell die westdeutschen Linken kapieren. Denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Neulich hatten wir den Duke von Feynsinn und (mittlerweile Ex-)Blogger Hartmut Finkeldey für einen Podcast zu Gast. Es ging um Herrn Dukes neues Buch, »Das deutsche Narrativ« heißt es. Ihr werdet diesen Podcast nie zu hören bekommen. Leider. Nein, keine Bange, wir haben uns nicht überworfen oder so. Es gab schlicht technische Probleme, sodass man das Ding nicht publizieren kann. Man darf nie vergessen, all unsere Podcasts laufen über deutsche Internetleitungen. Da ist ein potenzieller Ausfall schon vorprogrammiert. Würden wir woanders sitzen, sagen wir mal in Ulaanbaatar, wäre die Planungsgenauigkeit unter Umständen höher. Ein deutsches Narrativ unter anderem: Wir haben ein leistungsfähiges Internet. Das muss Duke in seinem Buch vergessen haben. Vielleicht ist er aber auch nicht genug online, um das wissen zu können.

Nun jedenfalls schloss der Mann, der hinter Feynsinn steht, den verschollenen Podcast mit einem Zitat von Konrad Adenauer. Das hätte er gerne auf dem Klappentext gehabt, sagte er, weil das alles über die Bundesrepublik und ihre Geschichte erzählt. Ich glaube, es handelte sich um das hier: »Man soll aber die Parteimitglieder, die nichts Derartiges [Anm.: gemeint sind die Verbrechen der Nazis] getan haben, die irgendeinem Druck gefolgt sind, doch jetzt endlich in Ruhe und in Frieden ihrer Arbeit nachgehen lassen.« Gesagt hat das Adenauer im September 1946 in Pulheim, ein bisschen mehr als ein Jahr nach Kriegsende also. Duke meinte, die Öfen waren kaum erkaltet, schon wollte man zur Tagesordnung übergehen. Gewissermaßen war in diesem Weitermachen das Narrativ zur Gründung der Bundesrepublik angelegt.

Nicht hören werdet ihr außerdem, dass ich noch anriss, dass man das so sehen könne. Von einer ethischen Warte aus sowieso. Nun war aber der Alte aus Köln kein Moralphilosoph sondern Politiker. Noch dazu einer, der einen Auftrag hatte: Es ging um die Gründung einer neuen Republik. Und dabei konnte man nicht wählerisch sein. Man hatte nur ein Volk, dummerweise dasselbe, das auch schon die Nationalsozialisten hatten. Darauf wollte dann keiner mehr eingehen, der Podcast war ans Ende geraten, wir waren abgekämpft und müde, das Bier ging zur Neige, aber Duke bekundete noch lautmalerisch (ein Stöhnen) seinen Unwillen ob meiner Aussage – und dann schon verabschiedeten wir uns, um im Mülleimer von Tom Wellbrocks Schneideraum zu landen. Was wir freilich erst einige Stunden später wussten.

Eigentlich liegt in dem Zitat mehr als einfach nur Empörungspotenzial. Sicher, der Bundeskanzler in Lauerstellung wollte einfach weitermachen, ja auch vergessen. Erinnerungskultur war seine Sache offenbar nicht. Wenn man das Zitat aus der Sicht derer heranzieht, die die weitere Geschichte kennen, wie der Globke ins Kanzleramt einzog zum Beispiel, dann kann man es geradezu als skandalös betrachten. Andererseits muss man sich in die Lage versetzen. Der Krieg war am Ende, ein neuer Staat gründet sich mit Menschen, mit Arbeitern, Angestellten und Spezialisten. Wenn nun jeder Mitläufer verurteilt worden wäre, hätte man die Gründung eines neuen Staates wegen Personalmangel verschieben müssen. Man stand also vor einem Dilemma zwischen Praxis und Ethik, mit böser Zunge gesagt, zwischen Praxis und Ideologie. Und so traurig das auch ist, wenn Unbegreifliches geschehen ist: Das Leben geht dennoch weiter. Und es muss organisiert werden. Da heißt es abwägen zwischen ethischer Integrität und praktischer Machbarkeit.

Ja, ich glaube, in dem Zitat steckt ein weiteres Dilemma verborgen, auch wenn ich mir sicher bin, dass Adenauer das nie und nimmer beabsichtigte: Ein linker Staatsgründer, jedenfalls ein linker Aktivist unserer Tage, hätte das so nie gesagt und er hätte weiter auf den Ausschluss von Mitläufern gesetzt. Lieber nicht regieren, als falsch regieren, hätte er auch dann gesagt, wenn er nicht Christian Lindner gewesen wäre. Ob das zu einer Staatsgründung gereicht, ob man so die Wiederherstellung des öffentlichen Lebens garantiert hätte, darf ziemlich bezweifelt werden. Da sind die Rechten (und ich meine jetzt nicht den Typus Prolo-AfDler) den Linken einen Schritt voraus. Sie sind bereit die moralische Perspektive aufzulockern, um einen praktikablen Ansatz zu finden. Das mag man auch ein bisschen geschichtsvergessen, auch ein bisschen widerlich finden, aber am Ende ist es kein Zufall, dass man bei Linken oft den Eindruck hat, dass sie sich selbst im Weg stehen.

Man kann das in diesen Tagen ja immer wieder beobachten. Die ethische Haltung, die sich eine weiße Weste bewahren will, verbietet es ja sogar, sich an den Teil der Bevölkerung zu wenden, von dem man glaubt, er habe die AfD bei einer Landtags- oder bei der Bundestagswahl gewählt. Wenn man auf diese Leute eingeht, gilt das ganz schnell als Einknicken vor dem Feind. Dass man nur dieses eine Volk hat, nur diesen einen Souverän, blendet man im moralischen Eifer aus. Wird schon gutgehen. Nur geht es nicht gut. So kappt man sich den Zugang zu den Parlamenten – macht sich entbehrlich. Wer sich die Finger nicht beschmutzen will, sollte in die Reinigung gehen, da arbeitet man mit Handschuhen. Politik geht leider anders. Man hadert im linken Kosmos sehr oft mit dieser Wahrheit. Da wird aus Tsipras dann zum Beispiel ein Volksverräter, weil er lieber falsch als gar nicht regieren will und weil er keine linke Politik gegen alle Widerstände durchprügelt. Als hätte der Mann eine Wahl!

Bekanntlich gibt es ja für die neuen Linken kein richtiges Leben im falschen. Man tut dabei gerne so, als habe man die Möglichkeit, das angeblich falsche Leben optional abzubestellen. Wer aber auf dem falschen Kanal bleibt und versucht, sich dort was Richtiges einzurichten, macht es auch wieder nicht recht. Sorry, wenn ich Frevel übe, aber die Frankfurter Schule, Adorno und Horkheimer, waren teilweise ziemlich weltfremde Spinner. Wer sich sein politisches Empfinden aus der Minima Moralia zusammenzimmert, hat schlechte Chancen einen sachlichen Beitrag in der Tagespolitik zu leisten. Ich gebe zu, dass einige Abschnitte aus der Textsammlung der Altvorderen herausragend klingen, manches hat sogar Substanz. Aber letztlich baut es auf Moral – und die ist in dieser Welt leider nicht immer gewährleistet. Ich sage nicht, dass man unmoralisch sein muss. Was ich sage« ist: Manchmal darf Moral nicht im Wege stehen.

Minimiert Moralia! Das würde ich den Linken öfter gerne zurufen. Nicht, weil sie dann die Rechten rechts überholen können. Einfach nur, um etwas bewegen zu können. Der gute Duke, der übrigens kein schlechtes Buch schrieb, zitierte den Adenauer schon so ein bisschen auf Empörung abzielend. Als Rezipient sollte man dann sagen: »Oh, was, der Adenauer hat das gesagt? Jetzt bin ich aber ein bisschen fassungslos!« Das würden dem Duke gut gefallen, glaube ich. An sich ist das eine Haltung, die ich nicht recht begreife. Warum? Den Göring oder den Kaltenbrunner, die übrigens zum Zeitpunkt der Pulheimer Wahlrede noch lebten, wollte der Alte ja nicht zurückhaben. Es ging ihm um die Mitläufer, um diese Bezeichnung, bei der wir immer so sicher sind, dass uns dieses Label nie verpasst worden wäre. Schließlich sind wir alle Widerständler auf Abruf. Das lässt sich hernach leicht behaupten, aber wer weiß, wo ich gelandet wäre! Der Mensch ist schwach und Menschen sind wir alle.

Nun gut, das ist eine andere Geschichte. Darüber sprechen wir vielleicht ein andermal. Ebenso darüber, dass ich Dukes Buch eigentlich mehr oder weniger nur eine Sache vorwerfe: Irgendwie hatte ich phasenweise den Eindruck, bei aller auch berechtigten Kritik an den Narrativen der Deutschen, dass er glaubt, ein gesellschaftliches Leben ohne Narrativ sei möglich. Und das glaube ich eben gar nicht. Die Leute brauchen Geschichten und ja, sie benötigen auch Märchen. Irgendwie ist das im menschlichen Wesen angelegt. So ein Mythos gibt der ganzen Sache eben Sinn. Aber wie gesagt, auch das besprechen wir nicht heute. Sondern demnächst, bei einen neuerlichen Podcastversuch. Wenn der dann auch noch technisch funzt, dürft ihr ihn hören. Kauft euch am besten »Das deutsche Narrativ« schon vorab – dann könnt ihr mitlesen. Falls die Technik dann doch versagt, empfehle ich dem guten Duke, sich hinzusetzen und für die zweite Auflage ein weiteres Kapitel hinzuzufügen: Die Mär vom digitalen Deutschland. Vielleicht findet er sogar ein passendes Adenauer-Zitat.

Diesen Beitrag ausdrucken

Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

30 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Hartmut
Hartmut
3 Jahre zuvor

Lieber nicht regieren, als falsch regieren

Und weil man den Rechten diesen Vorwurf nicht machen kann …

Da sind die Rechten den Linken einen Schritt voraus.

… haben wir auch immer die gleiche neoliberale Politik, könnte man jetzt sarkastisch anmerken. Jetzt ist Roberto doch wieder auf dem „Kompromiss-Trip“.
Ich glaube, wenige Linke bevorzugen die Pflege einer heilen Lehre gegenüber einer Regierungsbeteiligung. Sie meisten wollen durchaus gestalten und sind sich bewusst, dass es dazu Kompromisse bedarf. Aber es ist wohl nicht verkehrt, sich vorher klar zu machen, wo rote Linien überschritten sind, dass man selbst nicht mehr erkennbar wird, sich dafür aber hergibt, den Steigbügelhalter für ein Weiter-so zu geben. Das Ergebnis kann man ja gut an der sPD sehen. Warum sollte dies auch noch die letzte Partei tun, die im Parlament sozialdemokratische Positionen vertritt? Für eine wahre SPD sollten die wenigen roten Linien, die sie übrigens zu Brandts Zeiten selbst noch vertreten haben, doch kein Problem sein. Dass sie sich dennoch immer wieder unter die Rockschöße der Union rettet, wenn doch mal linke Mehrheiten drohten(!), sagt wohl mehr über diese Agendatruppe als über eine „Kompromissunwilligkeit“ der Linken aus.

pen
pen
Reply to  Hartmut
3 Jahre zuvor

Das Verhalten der SPD hat nichts mehr mit einem Kompromiß zu tun, das ist pure Anscheißerei um der Pöstchen willen.

Ein Kompromiß hätte bedeuted, die eigene Agenda anzupassen, aber nicht, sie völlig aufzugeben. Wer kann denn die heutige SPD noch als links bezeichnen?

anton
anton
3 Jahre zuvor

Beteiligt die Rechten an der Macht. Die sollen zeigen, was sie können!

fmod
fmod
Reply to  anton
3 Jahre zuvor

Oder lasst das Los zu und wir haben ein zufällig zusammengesetzes Parlament auf das keine Parteioberen einwirken können, wo Korruption und Korumpierung schwer wird. Wo die Leute direkt aus dem normalen Berufsalltag kommen und danach wieder hineingehen- ohne Sonderprivilegien in der Rente – Sie werden sich um ein gutes Rentenkonzept bemühen. und sie werden nicht gekauft sein, was man von den Parteien, den Parteispenden und Drehtürkarrieristen nicht sagen kann. Links und Rechts wird hier egal sein. Alles, was zählt wirklich nur das Gewissen.
https://pad.systemli.org/p/gemeinwohlorientiert

Rudi
Rudi
Reply to  fmod
3 Jahre zuvor

@fmod
Es ist richtig, dass das reale Parteiensystem, das das Wesen der Demokratie ausmachen soll, deutlich in Frage zu stellen ist. Im Grunde ist es eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, finanziert von den Bürgerinnen und Bürgern. Jede Wahlstimme bringt Geld, jede Fraktion bekommt Kohle, die Berufsabgeordneten leben davon, wenn sie nicht, wie viele, einer Nebenbeschäftigung nachgehen, die oft die eigentliche Hauptbeschäftigung ist. Die parteifreien Wählenden haben keinen Einfluss auf die Parteilisten. Wer oben steht, zieht ins Parlament ein. Festgelegt haben dies wenige hundert Delegierte von den etwas mehr als einem Prozent der Parteimitglieder, gemessen an der Gesamtbevölkerung. Die meisten davon sind Karteileichen. So dass die Zahl der tatsächlich Bestimmenden deutlich kleiner sein dürfte.

ChrissieR
ChrissieR
3 Jahre zuvor

Guude!

Passend dazu bei Rubikon:

https://www.rubikon.news/artikel/dienstbare-geister

Also kein Grund zur Hoffnung…

Vive l’alcool!

Christine

pen
pen
Reply to  Roberto J. De Lapuente
3 Jahre zuvor

Einspruch, Euer Ehren! ; -)

pen
pen
Reply to  ChrissieR
3 Jahre zuvor

,

sehr guter Artikel, aber auch etwas verallgemeinernd. Es gibt viele Intellektuelle, die den Mund aufmachen, aber die Merkelmedien geben ihnen keine Plattform und die Bertelsmännet auch nicht.

Die meisten sind allerdings gekauft, weil sie sehr gut von und mit diesem Verrat leben können, deswegen besteht wenig Grund zur Hoffnung, da stimme ich Dir zu, und es ist überall im Westen das Gleiche.

Max Frisch bezeichnet die Intelllektuellen als Menschen, die immer auf der Suche nach der Wahrheit sind. Davon gibt es viele, nur nicht in unserer Schweinepresse. Da wird gelogen, daß sich die Balken biegen. Nach dieser
Definition sind die Lohnschreiber der Medien also gar keine Intellektuellen.
Die findet man dafür in den Blogs und Foren.

Schlimme Zeiten.

fmod
fmod
3 Jahre zuvor

Ich glaube oder mehr befürchte ich, dass wer zu lange die Dystopie der Gegenwart geschaut, erblindet sein könnte und unempfänglich für einen positiven Gegenentwurf. Das ist der wahre Sieg des Systems, wenn selbst seine sog. Gegner dieses als alternativlos ansehen.
Und dann wenn man hoffnungslos geworden ist – die Hoffnung los geworden – dann wird man sich an Alles krallen, was man hat und das ist das System, sei es auch noch so verhasst, es ist Gewissenheit, das Unbekannte ist ungewiss.

Folkher Braun
Folkher Braun
3 Jahre zuvor

Was ich nicht glaube, ist, das bundesdeutsche Sozialwissenschaftler, Kleinknecht und Mausfeld mal ausgenommen, irgendetwas zum Fortgang der bürgerlichen Produktionsweise „in diesem unserem Lande“ (frei nach Kohl-Höchst-Chemie) beitragen können. Auch Herr Erdmann nicht.
Weil keiner in der Lage ist nachzusehen, was in der Produktion abgeht. Die so großartig beschworene Vernetzung der Maschinerie, die haben wir seit 33 Jahren durch den von Bosch und Intel kreierten CAN-Bus. Mit der Billig-Version LIN-Bus. Die funktionieren derzeit noch per Draht, Mit bluetooth geht aber auch schon einiges. Allerdings störempfindlich.
Ich bin ab Dienstag bei Haldex in Heidelberg zwei Tage auf einem Lehrgang über elektronisch geregelte Bremssysteme. Ist eine schlichte Fortbildung, denn alle drei Jahre ist die nächste Systemgeneration fällig. Und ich muss bei drei Herstellern antreten.
Damit will ich sagen: Die Sozialwissenschaft hat längst die Verbindung zur Technologie verloren. Das war vor 40 Jahren bei Kern/Schumann: Industriearbeit und Arbeiterbewusstsein noch anders. Zudem hat die akademisch gebildete Sozialwissenschaft keine Erklärung mehr, warum unsere DGB-Gewerkschaften so zahnlos sind. Vermutlich, weil unsere Sozialwissenschaftler selber gewerkschaftlich auch zahnlos sind. Oder sehe ich da etwas falsch? Lasse mich gern belehren.

Rösner & Degowski
Rösner & Degowski
Reply to  Folkher Braun
3 Jahre zuvor

Zudem hat die akademisch gebildete Sozialwissenschaft keine Erklärung mehr, warum unsere DGB-Gewerkschaften so zahnlos sind. Vermutlich, weil unsere Sozialwissenschaftler selber gewerkschaftlich auch zahnlos sind. Oder sehe ich da etwas falsch? Lasse mich gern belehren.

Dein Problem: Du kennst zu wenige Sozialwissenschaftler

https://www.youtube.com/watch?v=hZUXNpbR6g8

Rösner & Degowski
Rösner & Degowski
Reply to  Rösner & Degowski
3 Jahre zuvor

Hier haste noch den Oskar Negt …..

Arbeit als Lebensbedürfnis ( eigentlich mit Fragezeichen )
http://denk-doch-mal.de/wp/oskar-negt-arbeit-als-lebensbeduerfnis/

Rösner & Degowski
Rösner & Degowski
Reply to  Rösner & Degowski
3 Jahre zuvor

Alt aber aktuell

„In dieser Gesellschaft brodelt es“
Der Philosoph Oskar Negt über die Risse in der Sozialordnung, die Notwendigkeit politischer Bildung und die Spannung zwischen Wirklichkeit und Utopie

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-73107913.html

„Die Probleme unserer Arbeitsgesellschaft spitzen sich derart krisenhaft zu, dass der innere Zusammenhalt des demokratischen Gemeinwesens nicht mehr gesichert scheint. In dieser brisanten Lage zwischen einem Nicht-Mehr und einem Noch-Nicht müsste die gesellschaftliche Phantasie eigentlich alle Kräfte darauf konzentrieren, Auswege zu suchen und zu finden. Stattdessen bildet sich eine zwiespältige Wirklichkeit, eine Aufteilung von Wirklichkeitsschichten.“

„Ludwig Marcuse hat in seiner wunderbaren Studie „Der Philosoph und der Diktator“ über Platon geschrieben: „Das Erbauliche an seinem Leben ist nicht, was er erreicht hat, sondern was er versucht hat. Das Traurige an unserer Zeit ist aber nicht, was sie nicht erreicht, sondern was sie nicht versucht. Im Versuchen aber liegt der echte Idealismus.“

„Die Zeit der Barrikaden ist vorbei, Revolution ist ein Prozess, der nicht abschließbar ist. Was bloße Reform ist und was revolutionäre Veränderung, ist so einfach nicht zu unterscheiden. Ich verbinde den Revolutionsbegriff mit Strukturreformen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Ohne kleine Schritte, ohne Veränderung im Alltag, ob in der Schule oder in der Familie, gibt es gar keine nachhaltige Entwicklung. Jeder ist aufgefordert, Risse und Widersprüche wahrzunehmen und sie auf ihre Veränderungsmöglichkeiten hin zu untersuchen, um sich dann für Alternativen stark zu machen.“

Das scheinbar Veränderliche ist nicht zu verändern, Herr Negt. Das ist unser Problem.

Rösner & Degowski
Rösner & Degowski
3 Jahre zuvor

OFF – Die Fotoredaktionen der Verlage schmücken sie mit besonders schmeichelhaften Fotos *eiskalter Schauer den Rücken runter*

„Linken-Chefin fordert Recht auf Sabbaticals
Katja Kipping will, dass Beschäftigte bis zu zwei Jahre im Job pausieren können.
In dieser Auszeit sollen sie 65 Prozent des Nettolohns bekommen, aus Steuern finanziert.“

https://www.zeit.de/arbeit/2019-03/katja-kipping-die-linke-sabbatjahre-auszeit-sabbatical-finanzierung

„Träger der Sabbatical-Leistung könnte demnach eine Abteilung „Qualifizierung und Muße“ bei der
Bundesagentur für Arbeit sein.“

Für so einen platten Quatsch wollte die Kipping die Sahra aus dem Weg räumen *böse*

Energetische Verhaltenstoene
Energetische Verhaltenstoene
Reply to  Rösner & Degowski
3 Jahre zuvor

Kurz zusammengefasst: Automatisierung heilt Alles !

Warum sollte niemand über dich herrschen ?
Dich unterwerfen, als eine Freiheit der Entscheidung ?

Worauf der Tyrann antwortete, „Das ist es doch was Tyrannen tun!“

Und führest mich nicht in Versuchung…

…Ja, ja, -Jetzt seid aber doch mal nich sooo politisch korrekt,
und bitte wieder zurück an die Arbeit, ihr Sklaven…

^^

Rösner & Degowski
Rösner & Degowski
Reply to  Energetische Verhaltenstoene
3 Jahre zuvor

Was soll das mit dem Auf und Zu ? Willst du mir ein A verkaufen oder deinen Pimmel zeigen ?

aquadraht
aquadraht
3 Jahre zuvor

Ich will zu „Duke“ etc. jetzt nichts weiter sagen. Aber die Verharmlosung des Adenauerregimes ist völlig inakzeptabel. Adenauer hatte Massenmörder und Schreibtischmörder wie Oberländer und Globke im Kabinett und den Massenmörder „von Manstein“ (Lewinski) als Militärberater. Er hat den ganzen Mörderdreck systematisch gefördert, und die BRD-Justiz hat dann eine der Verfassungsparteien, die KPD, verboten, eine Rechtsbeugung und ein judizieller Putsch durch ein Richtergremium aus der NS-Blutjustiz.

Das kann man nicht schönreden. Sicher muss man nach einem drastischen Wechsel des Regierungssystems, wie es die Zerschlagung des Nazistaats war, Wege finden, auch ehemalige Anhänger zu integrieren. Das wurde auch in der DDR gemacht, aber eben nicht mit solchen Verbrechern.

Sorry Roberto, wenn man keine Ahnung hat .. so bitte nicht. Mit Moralismus hat das nichts zu tun.

a^2

Folkher Braun
Folkher Braun
Reply to  aquadraht
3 Jahre zuvor

Und Robert Pferdmenges von Sal. Oppenheim als Parteispender.

anton
anton
Reply to  Roberto J. De Lapuente
3 Jahre zuvor

Die völlige Wiedereinführung des dt. Berufsbeamtentums, hier ja oftmals gefeiert, war das Geschenk reaktionärer Kräfte, auch in der Union, aber sehr stark auch in der Deutschen Partei und der FDP, an die NS-Beamten in den eigenen Reihen, die Amis und Briten waren solchen schäbigen Gegnern nicht gewachsen!Wichtig ist natürlich, mindestens unter den Usern hier im Blog, dass die scheiss Post zum Staat gehört!

Rudi
Rudi
Reply to  anton
3 Jahre zuvor

@ Anton

Du solltest besser nicht ausschließlich den Holzhammer benutzen, zumal du nicht recht mit ihm umgehen kannst. Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde 1933 von den Nazis geschrieben, um diejenigen aus dem öffentlichen Dienst entfernen zu können, „die nach ihrer bisherigen politischen Betätigung nicht die Gewähr dafür bieten, dass sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten.“ Außerdem enthält dieses Gesetz den § 3, Arier-Paragraph genannt. Das Ziel dieses Paragraphen dürfte sich jedem von selbst erschließen.

Dieses Gesetz mit dem bei der Gründung der BRD verabschiedeten gleichzusetzen, sollte man unterlassen. Im Gegensatz zum Nationalsozialismus, sind die Beamten zur Neutralität in ihrer Amtsführung verpflichtet und müssen für das Grundgesetz, das manche die freiheitlich demokratische Grundordnung nennen, eintreten. Dass es in der Nachkriegszeit Auseinandersetzungen zwischen den Alliierten auf der einen Seite, die befürchteten, der alte Apparat würde sich wieder etablieren, und den Deutschen gab, deren Beamtenrecht sich in langer Tradition gebildet hat, ist nicht überraschend. Wir wissen auch aus den Entnazifizierungsverfahren, dass im zweiten Durchgang die meisten mildere Sanktionen erhielten bzw. freigesprochen wurden. Dies liegt auch daran, dass das Verwaltungssystem am Boden lag. Mir geht es nicht darum, das Beamtentum rückhaltlos zu verteidigen, schließlich sind viel zu viele Nazis wieder zu Ehren gekommen, sondern einen etwas realistischeren Blick darauf zu werfen.

anton
anton
Reply to  Rudi
3 Jahre zuvor

Rudi, in Deiner Besserwisserei, ist Dir nicht klar, worauf ich hinaus wollte!! Die Amerikanerund Briten, ähnlich den Sowjets in der DDR, waren der Auffassung, dass die weltweit einmaligen Besonderheiten dt. Beamter, nicht positiv von ihnen gemeint, düstere Zeiten erst möglich gemacht haben. Da die Amis für Euch ja keine Sieger waren, erscheinen deren Pläne für Euch auch nichtig, obwohl Teile davon eigentlich bei der skandalösen Verabschiedung des GG berücksichtig werden mussten. Behauptest Du nicht auch, deutsche Beamte hätten keinerlei weitgehenden Privilegien? Die Aufhebung der Trennung in Beamte-Angestellte, neue und mächtige Personalämter, Untersagung des passiven Wahlrechts ( wohl zu stark in den Vordergrund gestellt) usw.zeigten Unterschiede auf. Die angloamerikanischen Kriegsgewinner kämpften bis 1952 für ihre Pläne, mir ist nicht klar, warum nicht mehr verordnet und gedroht wurde!!Das Beamtentum dt. Prägung hätte es jedenfalls nicht mehr geben dürfen und wenn dafür mit einem neuen Waffengang gedroht worden wäre! Die Amis hatten übrigens nichts gegen Eure Reichen, da gab es wohl keinen Dissens, fertig! Du tust so, als wären dt. Aktenbuben nur die gleiche Sache wie in Italien usw. gewesen, wohl eher nicht, so die Kriegsgewinner, dt. Stimmen interessieren mich da als weniger bis gar nicht, da Krieg verloren! Das von Dir indirekt erwähnte Bundesbeamtengesetz, hätte es, so meine tiefe Überzeugung, so nicht geben dürfen, das GG und die Unabhängigkeit des Kriegsverlierers erfolgte zu schnell- dies gilt auch für den Vorläufer aus dem Jahre 1950, auch wenn er den Nietenparagraph enthielt! Ich unterstelle der Adenauer Bande, Teilen der FDP und der sehr rechten Deutschen Partei, dass sie die Angloamerikaner an der Nase herumführten, der einsetzende Kalte Krieg tat sein Übriges! Hauptsache, man geht mich an und verteidigt die Beamten, ohne zu sehen, dass es nach den Ansagen der Kriegsgewinner nur noch Beamte und Arbeiter hätte geben dürfen (feste Staatsstellen, versteht sich ). Natürlich ein anderer Tyt des Beamten!!Die hier gelobte und geschätzte Tradition des dt. Berufsbeamtentums wäre in einigen Punkten unterbrochen bzw. abgeschafft wurden, wohl wahr! Verliert man nach unzähligen Verbrechen und Massenmord den Krieg, ist dies wohl keine unannehmbare Sache, also wirklich! Sei froh, dass nicht anders mit den Deutschen verfahren wurde!Die Deutschen selber, dazu stehe ich, hätten die Entscheidung über ihren ÖD nicht treffen dürfen, höchstens in einer Volksabstimmung, welche anders ausgegangen wäre! Mich interessieren hier auch nicht Debatten über Buchstabendreher oder das Streikverbot, wie gesagt, hätte eh nur Beamte und Arbeiter geben dürfen! Rechtfertigungen und Verteidigungsaktionen zu Gunsten des dt. Berufsbeamtentums, sachlich wohl eher nicht gerechtfertigt, gab es in großer Zahl, freut Euch, hatte ja Erfolg. Natürlich hätten Gewerkschaftsverbände und Standesorganisation erst viel später zugelassen werden dürfen und hätten bei der Frage nach der Einrichtung eines neuen Staatsdienstes keine Rolle spielen dürfen!!Eure KPD war generell anderer Ansicht als Eure Beamtenverbände und orientierte sich an der Ostzone, besser als fast alles beim Alten zu lassen!

anton
anton
Reply to  anton
3 Jahre zuvor

Nachtrag, man solllte nicht immer dem Drang zur Verteidigung des dt. Beamtentums und seiner reaktionäre Historie nachgeben, auch wenn sich so, für Unbedarfte, der eigene Großonkel besser verkraften lassen könnte!!Wie gesagt, ich äußere hier Ansichten, zu dem Thema geht mir Eure Meinung sehr am ……… Ein verlorener Krieg ist ein verlorener Krieg, nie vergessen, auch wenn nicht überall angekommen!

aquadraht
aquadraht
Reply to  anton
3 Jahre zuvor

Es sind Deine bizarren Hasstiraden, die Dich hier zum Kasper machen, den keiner ernst nimmt. Ich sehe im Übrigen nicht, dass die Alliierten (wenn schon, die Westalliierten) für eine Abschaffung des Beamtentume gross gestritten hätten. In der DDR gab es das ja eh dann nicht mehr.

Und Dein blödes Gepöbel nervt. Was weisst Du denn, wer hier einen deutschen Pass hat, wessen „Grossonkel“ im KZ, in der Emigration oder bei der Roten Armee war. Du benimmst Dich hier wie stets als das Gruppenarschloch.

anton
anton
Reply to  aquadraht
3 Jahre zuvor

Wie gesagt, China ,Eure Meinung, außer natürlich die von Roberto, interessiert mich nicht besonders, meistens jedenfalls.Natürlich ist der AL Begriff positiv gemeint, nie würde aqua andere User angehen. Ich spreche gezielt von angloamerikanischen Kriegsgewinnern, auch wenn es Euch aufregt. Was der Techniker sieht oder auch nicht …….

pen
pen
3 Jahre zuvor

Chapeau, Roberto J. De Lapuente, und danke für den klugen – nein, weisen Text mit einem geistreichen TItel und dem sehr passenden Foto.

Ich kann mir vorstellen, daß selbst Adorno Dir inzwischen zustimmen würde. ; -)

Bernhard
3 Jahre zuvor

1. April ?

Rösner & Degowski
Rösner & Degowski
Reply to  Bernhard
3 Jahre zuvor

Mimimi Moralia .-)