Jetzt erst rechts

Die Sozialdemokraten müssten nun endgültig umdenken, liest man zuweilen. Sie müssen wieder sozialdemokratisch werden, wollen sie die Bundestagswahl noch gewinnen. Kommt jetzt der Linksruck? Nein, das Gegenteil wird geschehen.

Nach der dritten Niederlage der 100-Prozent-Schulz-SPD bei einer Landtagswahl in Folge, steht für viele Menschen da draußen fest: Die Sozialdemokratie – sie muss genau das wieder werden. Die Stimmengewirr zum Thema birgt hierbei verschiedene Ansätze. Die einen versuchen es mit Zuversicht: Jetzt wird ein Ruck durch die Partei gehen, denn nun bleibt nichts mehr als die Einsicht. Andere üben sich indes im Konjunktiv: Sie müsste nun, könnte vielleicht, würde dann. Schulz selbst erklärte nach dem Triple, dass er sich ja auch als GroKo-Kanzler in die Verantwortung stehlen würde. Das hat man vorher zwar schon befürchtet, offen thematisiert hat er es allerdings nicht. Man wollte ja den Wechsel inszenieren.

Schulz GroKo-Einsichten muss man wahrscheinlich als die letzten Ausflüchte kurz vor dem Ende aller Hoffnungen begreifen. Es ist der letzte Versuch, sich nochmal nach der ersten Geige zu strecken. Die Erkenntnis reift aber auch schon bei den Sozis – aller Berauschungen der letzten Wochen zum Trotz. Zahlen machen nüchtern. Und bei den Prognosen, die exakt so aussahen wie vor einigen Monaten, als Gabriel noch die große Nummer seiner Partei war, bringen wieder Ordnung in die Aufbruchstimmung. Für sachthematische Erkenntnisse wird da innerhalb der SPD kaum noch Raum sein – wahltaktische Überlegungen übernehmen von jetzt ab das Primat.

Dass man Juniorpartner bleiben möchte, wird zur Erkenntnis der letzten Wochen und damit zur Ultima Ratio der Partei. Als solcher muss man sich anbiedern, muss die FDP ausstechen, die zum Thema werden könnte, wenn es die AfD wider Erwarten nicht ins Parlament schafft. Insofern ist für die Sozialdemokraten eine AfD im Bundestag eine gute Sache. Was für eine traurige Nachricht für eben jenen Herrn Schulz, der noch vor einigen Monaten einen moralischen Feldzug gegen die neuen Rechten in Aussicht stellte, ohne freilich eine Nachfragepolitik zur Entspannung der Lage anzubieten. Nun muss er fast froh sein, wenn es die AfD schafft. Eigentlich steht die Schulz-SPD schon hier vor den Scherben ihrer »Mobilisierung durch Inhaltslosigkeit«.

Ein Linksruck ist natürlich jetzt keine Alternative mehr. Schließlich will man ja dem Senior auch gefallen. Die ohnehin mehr als zögerlichen Angebote an ein dezent linkes Publikum sind damit endgültig Makulatur. Wer nun glaubt, die SPD würde aufgrund der prognostizierten Arithmetik doch noch Facetten einer Nachfrageökonomie ins Gespräch bringen, der täuscht gewaltig. Die Genossen wissen sehr genau, dass der Zauber der letzten Wochen vorbei ist. Jetzt sondieren sie. Und so muss man sich benehmen. Jetzt erst rechts!


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71 Kommentare auf "Jetzt erst rechts"

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Rainer N.
Gast
Hey, nicht immer auf Senioren schimpfen, die angeblich Konservativ seien. Oder bin ich mit 66 Jahren noch kein Senior? Denn ich denke und wähle links. Und wie nun Hans Herbert von Arnim zum Wahlsystem … also das habe ich vor Jahren schon angefochten, leider hat das BVerfG meine Beschwerde nicht angenommen, ohne Begründung natürlich. Ich hatte eine Wichtung der Stimme für notwendig gehalten, damit wirklich jede Stimme das gleiche Gewicht hat. Beispiel? Wenn Parteien A, B, C, D, E und F zur Wahl stehen, müsste der Wähler die Reihenfolge seiner Wahl „ankreuzen“ dürfen. Also 1=D, 2=F, 3=A, 4=B, 5=C und… Read more »
R_Winter
Mitglied
Eine Ergänzung zu diesem Thema: Albrecht Müller am 21.5.2017 auf den NDS. Alte und neue Techniken politischer Kommunikation. Wie drücken wir unsere Botschaft durch? Anmerkungen zu einzelnen der genannten strategischen Überlegungen: 1. Aufbau einer Gegenöffentlichkeit. Wie 1972 wäre das auch heute der Schlüssel zum Erfolg jener politischen Kräfte, die Kanzlerin Merkel ablösen wollen. Sie hat die Mehrheit der Medien und auch das Große Geld hinter sich. Wer dagegen gewinnen will, muss Menschen mobilisieren. Das ging und das ginge auch wieder. 2. Die CDU hat in Nordrhein-Westfalen vorgeführt, was eine gute Konfliktplanung zu leisten vermag: NRW als Schlusslicht darzustellen, beim Thema… Read more »
wschira
Mitglied

Tja, A.Müller hat natürlich recht, bis auf einen Punkt: Damals wurde die SPD von Willy Brandt geführt, heute von dem unsäglichen Haufen von Gabriel, Steinmeier, Nahles, Schulz und wie das Gesocks sonst noch heisst.

Links schlägt mein Herz!
Gast

Und genau da liegt der Hase begraben.Die damaligen SPD’ler hatten ihr Herz noch links.Aber diese unsäglichen „Parteigenossen“ von Heute,sind eine Schande für alle sozialdemokratischen Menschen von Heute.
A.Müller hat es immer wieder gesagt,und er hat recht damit, die sPD ist femdgesteuert!!!
Denn wer lässt eine Partei so „abkacken“,und macht trotzdem weiter,als ob nichts gewesen wäre…?
Der rechte Flügel der sPD lässt lieber die Partei sterben,bevor die ihre Politik ändern…
Echt traurig…

Robbespiere
Mitglied

Was ich nicht verstehe ist, warum man einem totgeweihten Krebspatienten ständig so viel Aufmerksamkeit widmet, so als wäre Re-Inkarnation eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache.
Laßt den Patienten doch endlich in Frieden seinen endlichen Gang gehen und kümmert euch lieber um Unterstützung für die, welche noch etwas Positives für die Gesellschaft erbringen können und die ihr gerne an der Regierung sehen würdet.
Wer sich für neoliberale Politik entschieden hat, wird nie mehr die Interessen der Mehrheitsbevölkerung vertreten.
Da könnte man auch gleich Ötzi als Kanzerkandidaten aufstellen.

Tote brauchen keine Unterstützung mehr, die Lebenden schon!

GrooveX
Mitglied

Laßt den Patienten doch endlich in Frieden seinen endlichen Gang gehen und kümmert euch lieber um Unterstützung für die, welche noch etwas Positives für die Gesellschaft erbringen können und die ihr gerne an der Regierung sehen würdet.

nur keine panik, wir schaffen das!

Robbespiere
Mitglied

@GrooveX

Wer sich für neoliberale Politik entschieden hat, wird nie mehr die Interessen der Mehrheitsbevölkerung vertreten.

Nicht ohne Grund habe ich diesen Satz geschrieben, denn meine Kritik bezieht sich nicht nur auf die intensive Beschäftigung mit der SPD, auch wenn ich die für das schlimmste politische Übel halte, weil sie seit Jahren als Sensemann im Kostüm des hl. Martin daherkommt.

trackback

[…] sie die Bundestagswahl noch gewinnen. Kommt jetzt der Linksruck? Nein, das Gegenteil wird geschehen.Weiterlesen bei den neulandrebellen Lesen Sie auch: Wenn wir alle Bangladescher wären … Wenn selbst intellektueller […]

Wolf-Dieter Busch
Gast

Also ich finde, die SPD schafft das. Die kommt wieder ganz groß raus. Gib ihr zehn Jahre. Na gut, zwanzig. Spätestens in dreißig Jahren … wer war das?

seyinphyin
Gast

Deutschland muss nur untergehen, dann kann die SPD vll überleben? 😉

Bezweifle, dass das Land es bei diesem Kurs noch groß länger als 10 Jahre macht, zumal gerade unser europäisches Umfeld nicht so sehr danach aussieht, als würde es unser Spiel noch lange mitmachen wollen.

Anke Schöller
Gast
Das Torkeln der SPD ins Nirgendwo – 140 Jahre ohne Ideen und Prinzipien Der Abschied der SPD ist eingeleitet und er ist unumkehrbar. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis sie aus der Geschichte endgültig verschwindet, weil die Nostalgiker nur langsam (biologisch) aussterben werden und weil es immer genug Karrieristen gibt, die sich um die restlichen politischen Posten bemühen werden. Die endgültige Bilanz der SPD kann aber schon jetzt verfasst werden. Sie wird so lauten: In 150 Jahren hatte die SPD keinen einzigen Denker von Bedeutung gehabt; nie einen theoretischen Diskurs angestoßen, der aus dem modischen Trend der Zeit… Read more »
GrooveX
Mitglied

…die schmutzigen Geschäfte für den ehemaligen Klassenfeind erledigt. So etwas hätte Kohl und seine Regierung nie gewagt.

leuna, buna & die blühenden landschaften
UND DER GANZE ANDERE SCHEISS!!!
WAS FÜR EIN KOTTSERBÄRMLICHES GELABER

The Joker
Gast

Kohl war ehrlicher.
Der hat seine korrupte Politik ganz ehrlich und aufrichtig durchgezogen, ohne ein verlogenes schlechtes Gewissen aufzusetzen.
Schröder und Fischer haben immer so ein händeringendes „Leider, leider“ angestimmt. Mit gramzerfurchtem Gesicht wurde die Blutschweißtränen-Alternativlosigkeit besungen.
Krieg muss leider sein.
Sozialabbau muss leider sein.

Dass der politische Gegner einen bekämpft, ist sein Job.
Dass die eigenen Leute einen verraten, hat sie – 2005, viel zu spät – endlich den Job gekostet.

elvira
Gast

@ Joker-Dorfdepp

Erzähl uns mal was Neues !

GrooveX
Mitglied

W.A.S. W.A.R. K.O.H.L. ???

was hat man dir denn eingeträufelt? ich versteh’s echt nicht. das verlogenste pack, das deutschland je regiert hat, das ekligste konglomerat aus bestechlichkeit und verlogenheit unter kohl, schäuble, koch, lambsdorff – ich weiss gar nicht, wo man beginnen und wo enden soll – nennst du ehrlich aund aufrichtig? echt jetzt? seid ihr denn völlig vernebelt? habt ihr denn komplett den verstand verloren?

da fällt mir echt nichts mehr zu ein.

Folkher Braun
Mitglied
Die SPD ist das Angebot an die Elite, die Nutzmenschen gegen das Abliefern ein paar „Zuckerl“ an der Kandarre zu halten. Am deutlichsten hat das Kurt Schumacher in seiner Dissertation über den „Staatsgedanken“ in der SPD beschrieben 1929. Auch nach 45 war der Mann so rechts , zu sehen an seiner Vorstellung vom „ökonomischen Magnetismus“ gegenüber der DDR, um dieselbe kaputt zu machen. Parallel dazu entsorgte der DGB seine linke Seite, zum Beispiel Tho Pirker und Viktor Agartz. Die waren schon in den 50ern „auf Linie“. 1982 bekamen sie von der Elite dann erklärt, der ganze Sozialklimbim habe sich erledigt.… Read more »
GrooveX
Mitglied

Dumm nur, dass die Nutzmenschen dann lieber gleich das Original der Neocon-Strategie gewählt haben.

das ist das einzige, worum es geht. man macht sich nicht freiwillig zum werkzeug der notorischen rechtsspacken! und wenn man auf diesen scheiss schon reingeflogen ist, dann hält man das gefälligst nicht für politische hygiene!

alles andere ist alles andere

Heldentasse
Mitglied

Wenn man der sPd wie auch immer jetzt noch mal Leben ein hauchen möchte, ist dieser Versuch m.E. gleichzusetzen mit einem Wiederbelebungsversuch an einem Eisläufer der im Winter ertrunken ist, aber im Frühjahr erst wieder an die Oberfläche kommt.

Ich persönlich würde da alleine schon aus hygienischen Gründen die Finger davon lassen, vom Mundgeruch mal ganz abgesehen.

Beste Grüße

trackback
[…] dazu: Jetzt erst rechts Dass man Juniorpartner bleiben möchte, wird zur Erkenntnis der letzten Wochen und damit zur Ultima Ratio der Partei. Als solcher muss man sich anbiedern, muss die FDP ausstechen, die zum Thema werden könnte, wenn es die AfD wider Erwarten nicht ins Parlament schafft. Insofern ist für die Sozialdemokraten eine AfD im Bundestag eine gute Sache. Was für eine traurige Nachricht für eben jenen Herrn Schulz, der noch vor einigen Monaten einen moralischen Feldzug gegen die neuen Rechten in Aussicht stellte, ohne freilich eine Nachfragepolitik zur Entspannung der Lage anzubieten. Nun muss er fast froh sein,… Read more »
oberham
Gast
So traurig, so wahr! Es galt wohl schon bei den Landtagswahlen – Hauptsache die Linke draußen, die AFD drinnen ist gut für die Posteninhaber des SPD-Posteneinsammelvereins – und – warten wir ab – am Ende gibt es auch in NRW nach langem Geziere die GroKo – und Kraft steht auf einem sicheren Listenplatz zur Wahl des BT´s. Das Grüppchen der Postenanwärter schert sich einen feuchten Dreck um „Politik“ – es geht einzig darum sich selbst am Trog zu halten und das Parteimaschinenmenschlein (ich empfehle die Lektüre von Jean Paul!) liefert mechanisch seine treuen Dienste ab und auch die Stimme. Die… Read more »
elvira
Gast

Forsa sieht die CDU heute bei 39% und die SPD bei 25%

Heldentasse
Mitglied

Das ist sPd jetzt schon bei 25% ist erfreut mich sehr, da ist noch bis zur Wahl viel Luft nach unten! Man könnte es also auch als Projekt 18 bezeichnen.

Beste Grüße

Anke Schöller
Gast

Das ist wie bei Moby Dick. Die SPD ist der weiße Wal und die Linke ist Käptn Ahab.
Am Ende verfängt sich die Linke im Müll der an Moby Dick haftet und geht
mit unter.

Heldentasse
Mitglied

Nee, den Schuh zieh ich mir nicht an, eiderweil Herr De Lapuente hier immer wieder den Ahab gibt, in dem dieser immer und immer wieder auf noch zum Besseren zu bekehrenden Sozen verweist und nicht verstehen will, dass sie nicht die Lösung darstellen sondern das Problem sind.

Mit persönlich sind die allerdings so schnuppe wie tote Pferde!

Beste Grüße

seyinphyin
Gast

Wobei das natürlich auch den… „speziellen“ Geist des Souveräns zeigt, denn ziemlich egal WIE scheisse die SPD ist, ein Grund CDU zu wählen ist das nun wahrlich nicht.

Albert
Gast

Seit 2012 war das Hauptanliegen der Kraft-Landesregierung und ihrer Hauptpartei SPD: Linke raus(halten) aus dem NRW-Landtag. Und PSD-Bundesvorsitzender Schulz – vom Schulzeffekt zum Schulzdefekt – scheint erfolgreich 20% bei der Bundestagswahl Ende Sept. 2017 zu arbeiten … also Vorwärts, und nicht vergessen, die Ess-Speeh-Dehh ….

Heldentasse
Mitglied

20% ist uncool, Projekt 18 ist viel Aussagefähiger!

fendt
Mitglied

Wenn ich rechts wäre, wünschte ich mir einen Blog, der das „ja aber“ in Verbindung mit der SPD kultiviert. Ohne Wenn und Aber, wähle ich die SPD.

wschira
Mitglied

Warum nicht, wir leben (noch) in einem freien Land. Ob diese Entscheidung auch sinnvoll ist, darüber kann man diskutieren.

fendt
Mitglied

Was war falsch an meinem Beitrag?

ThomasX
Gast

Nix, du machst das ganz toll. Ich wähle auch immer einfach irgendwas irgendwie irgendwarum und stehe dann unerschütterlich dazu. Dazu habe ich mich sogar extra bei nem Blog angemeldet, um dies allen zu verkünden, die es nicht wissen wollen.
Begründungen und so Zeugs sind aber was für linke Spinner, die sich zu viele Gedanken um alles machen. Da haben wir beide es viel einfacher! Und nun auf, zum nächsten Blog, s´ ist immerhin Wahljahr und wir werden schließlich pro Werbung bezahlt.

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