Kämpfen, Kiew, kämpfen!

Haben Sie sich schon für eine Partei entschieden? Russland oder Ukraine? Israel oder die Palästinenser? Parteinahme oder doch lieber unparteiisch? Besonnener Beobachter sein oder feiernder Fan?

Man muss sich heute entscheiden. Unentschieden sein: Geht nicht mehr. Parteinahme ist das das Stichwort. Man muss bei einer sein – oder mit einer: Partei eben. Wenn Sie nun glauben, Sie könnten sich raushalten, jemanden sagen, dass Sie keine Meinung zur Ukraine, zu Israel und Gaza haben, täuschen Sie sich gewaltig. Klar, Sie können das kundtun. Aber wer keine Partei ergreift in diesen Konflikten, der hat bereits Partei ergriffen. Nämlich die falsche. Denn wer unparteiisch ist in diesen Punkten, der sagt ja auch: Die Ukraine ist mir egal. Oder: Israel ist mir gleichgültig. Und wer das in den Raum stellt, der hat Partei ergriffen, auch wenn er gar keine Partei ergreifen wollte.

Wundern Sie sich nicht, wenn man Sie dann als »rechtsoffen« tituliert. Grämen Sie sich aber auch nicht, denn wer rechtsoffen ist, scheint per definitionem ja nicht rechts zu sein. Der steht irgendwie abseits, hat aber ein Loch zur rechten Seite hin. Wenn mich jemand »rechtsoffen« ruft, bedanke ich mich herzlich, denn er attestiert mir damit schließlich, dass ich gar nicht rechts bin. Das verstehen die, die mit solchen Labels arbeiten, freilich nicht. Sie sind einfach zu dumm dazu. Zurück zum Thema: Wer heute nicht Fan sein will, wo man früher als Beobachter eingestuft wurde, hat es schwer. Das Bekenntnis scheint oberste Bürgerpflicht geworden zu sein.

Fans statt Beobachter

Kein Konflikt mehr auf dieser Welt, der nicht mit Fans auskommen könnte. Schauen wir nur auf die Ukraine. Man hätte diesen Krieg abständig betrachten können, mit nüchterner Distanz, wie man so sagt. Genau so kam es aber nicht. Die Accounts der Netzwerke schminkten sich in Blau und Gelb, ukrainische Aufmunterungssprüche wurde in die Headlines getippt, nicht selten faschistische Parolen. Manche hängen sich eine ukrainische Flagge auch ins Fenster. Analoge Gemüter halt. Schlachtenbummler sind sie allesamt – die Digitalen wie die Analogen. Ultras, die Parolen skandieren, die Lieder anstimmen. Was früher dem Fußball war, ist heute dem Krieg.

Dem deutschen Menschen scheint die Welt mehr und mehr ein Sport zu sein. Einen, den man mit Zwischenrufen flankiert, mit Gegröle. Die Fankurve des Abschlachtens steht wie ein Mann hinter der Eskalation. Eine Weile lang nannten sich sogar einige diese Leute »Waffenlieferungsultras«: Steht auf, wenn ihr fürs Töten seid, steht auf, wenn ihr fürs Töten seid! Dann fachsimpeln sie, wie die Fans alter Schule. Nur haben die über falsche Neunen oder die Viererkette debattiert. Heute wissen sie alles über Panzer und Raketensysteme.

Und natürlich über die tiefere Moral, die im Krieg steckt. Die Ukrainer zum Beispiel gehen durch eine schwere Schule, so wie der VfL Bochum im Abstiegskampf. Man feuert aber freundlich an. So sehen Sieger aus, schalalalala, so sehen Sieger aus, schalalalalala. Klar sterben Menschen in einem Krieg, der nicht mehr zu gewinnen ist. Aber wo bleibt der Sportsgeist? Muss man nicht gerade in aussichtslosen Situationen weiterfighten, darf nicht aufstecken, muss an sich glauben? Kämpfen, Kiew, kämpfen!

Dann kam der 7. Oktober 2023. Hamas gegen Israel. Erste Halbzeit. Und schon fanden sich wieder Fans ein. Kurze Absprache: Für wen bist du? Dann war die Situation klar, man nahm Platz auf der Tribüne. Die Accounts legten neue Kutten an. Nun Blau und Weiß. Oder mit Davidstern. Existenzrecht, Selbstverteidigungsrecht: Schlagworte für den Fanklub. Schalala-lalalala, noch ein Sieg für Israel! Der FC Bayern München der Levante, die Galaktischen aus Nahost, eine Übermacht, gegen die kein Gras gewachsen ist. Für Erfolgsteams ist man gerne, singt man mit Vorliebe von der Tribüne herab Couplets im Rausch des Augenblickes. Walk on walk on with hope in your heart, you’ll never walk alone!

Eine Welt frei von Grautönen

Der französische Philosoph Albert Camus sagte mal: »Alles, was ich über Moral und menschliche Verpflichtungen weiß, verdanke ich dem Fußball.« Das war schrecklich altmodisch, denn das ist eine Erkenntnis aus einer Zeit, da Krieg noch Krieg und Sport noch Sport war. Heute könnte man dasselbe Zitat auch so enden lassen, dass man es der Ukraine verdanke. Oder der Pandemie. Denn damals gab es schon klare Positionierungen. Wer zwischen den Stühlen blieb, wer beiden Teams die Daumen drückte, hat seine Wahl getroffen. Eine falsche Wahl wohlgemerkt.

Zwischentöne, Grautöne, das Für und Wider im Auge behalten, sich zwischen den festgefahrenen Positionen zu bewegen: All das ist abgeschafft, darf es nicht mehr geben. Die Gesellschaft braucht klare Schemen, benötigt Schwarz und Weiß. Durchaus beides. Die einen sind die braven Staatsbürger, die die bevorzugte Haltung einnehmen. Schlicht: Die Mehrheit. Und die anderen dürfen nur als das glatte Gegenteil wahrgenommen werden. Feindbilder geben schließlich Struktur und Orientierung. Und gewährleisten die Spaltung.

Und so kristallisiert sich ein komischer »Staatsbürger« heraus. Er ist nicht belesen, nicht an der Welt und an der Gesellschaft besonders interessiert. Er nimmt alle Abläufe moralisch wahr, lässt sich mit Moralisierung ködern. Deswegen hat er mehr von einem Schlachtenbummler, einen Fan – für ihn ist das Interesse an Politischem nicht verbunden mit Wissbegier. Er skandiert Sprüche, er raunt Parolen. Macht sich zum Kuttenträger geopolitischer Kriegswirren. Als seien die globalen Prozesse nur mit marktschreierischer Anhängerschaft zu begreifen.

Natürlich ist all das ein Spiegelbild unserer Zeit. Bildung ist in Deutschland immer weniger Thema. Die Bildungssimulation fruchtet mittlerweile tatsächlich. Die Unbildung greift nach dem Weltpokal. Früher sagte man, dass Fußballfans dumme Proleten seien. Ob das je zutraf, lassen wir offen. Wo dumme Proleten heute enden, scheint offensichtlich: In der Fankurve des Atlantizismus, im NATO-Fanblock und auf der Tribüne der westlichen Doppelmoral. Auf geht’s, NATO, auf geht’s!

Diesen Beitrag ausdrucken

Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

26 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
ChrissieR
ChrissieR
2 Monate zuvor

Guude!
Also gelb-blau hatte ich früher mal als WC-Deosteine in der Keramikschüssel.Kann ich selbst dort schon nicht mehr ertragen! Und bei der eisigen Kälte dieses wärmsten Schneewinters seit 125000 Jahren zieh ich mir das Arafat-Tuch um den Hals und die Russen-Pelzmütze auf den Kopp!

Bernie
Bernie
2 Monate zuvor

Der Umgang mit KriegskritikerInnen, und „Friedenschschwurblern“ bzw. Lumpenpazifisten erinnert mich immer mehr an diesen US-Amerikanischen Spielfilm, der sich mit der historischen Hexenjagd in Salem/USA beschäftigt hat – schon vor Jahren:

https://www.youtube.com/watch?v=sEB4kwbpxZU

Man kann es nicht oft genug erwähnen, die „Hexe“/der „Hexer“ waren auf jeden Fall dem Tod geweit – die sogenannte „Hexenprobe“, die oft aufgrund der Hexenprozesse vorgenommen wurde, war immer tödlich für die davon betroffenen der „Hexenprozesse“, egal ob die die bestanden, oder nicht – nur ein Beispiel, von vielen, die sogenannte „Wasserprobe“, d.h. die Hexe wurde in gefesseltem Zustand dem Gewässer übergeben, d.h. eingetaucht – ertrank sie, dann war sie keine Hexe, und landete im Himmel – kam die aber lebend wieder an die Wasseroberfläche war sie ganz sicher eine Hexe, und musste dementsprechend verbrannt werden – so alles auch nachzulesen im „Hexenhammer“ des Inquisitors Heinrich Kramer, dem im Deutschland tausende von Hexen zum Opfer fielen…..auch wenn man schwieg konnte man nicht davonkommen – tja, in solchen Zeiten leben wir wohl wieder *augenroll*

Der Autor des Buches, auf dem der oben erwähnte Spielfilm beruht, soll sich aber, aufgrund der Gefahr für ihn selbst, eigentlich auf die damals gegenwärtige McCarthy-Ära bezogen haben, d.h. sein Buch „Hexenjagd“ – das auch auf Deutsch erhältlich ist – beschäftigt sich eigentlich mit einem damals gegenwärtigen Thema – zu seinen Lebzeiten.

Tja, wir leben wieder in solchen Zeiten, und wie damals im Kalten Krieg ist „Der Russe“ wieder der Böse, und Menschen, die dies nicht unterstützen, und für Frieden und Verständigung eintreten, sind eben „Ketzer“…..und gehören dementsprechend behandelt.

Hier über die McCarthy Ära:

https://de.wikipedia.org/wiki/McCarthy-%C3%84ra

Übrigens, ich las heute etwas, das Deutschlands Psychologen/Psychotherapeuten eine Tagung gehabt haben sollen, wo „Verschörungstheoretiker“ als psychisch krank abgestempelt werden sollen – Sollte das stimmen, dann erinnert das fataler Weise an die Ära in der UDSSR als so mancher Regimegegner statt im Gulag, wie zu Anfangszeiten der UDSSR, später eben in der Geschlossenen Psychiatrie, einer Irrenanstalt, gelandet sein soll – der berühmteste sowjetische Regimekritker https://de.wikipedia.org/wiki/Andrei_Dmitrijewitsch_Sacharow
setze sich für die betroffenen Regimegegner ein…….

Ich hoffe, dass ich das heute morgen nur als Fake-News gelesen haben denn ansonsten kommen auf die sogenannten „alternativen Medien“/und deren macher bzw. kritische Kosumenten, die es wagen aufzugehren, „interessante Zeiten zu“ wie ein altes chinesisches Sprichwort sagt…..

Gruß
Bernie

Last edited 2 Monate zuvor by Bernie
LqM
LqM
Reply to  Bernie
2 Monate zuvor

ja, es ist tatsächlich sehr ähnlich heute: sagst du: ich bin auf keiner seite, bist du automatisch „rechts“, falsch, auf der feindlichen Seite… aber diese Strategie geht nicht auf, zu vielen wird klar, dass das falsch und völlig übertrieben ist (und vor allem gefährlich für alle)—

flurdab
flurdab
2 Monate zuvor

Schöne Glosse.

Es kommt einem schon so vor, als ob einer nicht kleine Gruppe von Bürgern der Unterschied zwischen Fiktion und Realität abhanden gekommen ist.
Fatal ist ja das der Bezug zu den Folgen aufs eigene Leben nicht betrachtet wird.

Platons Höhlengleichnis in Echtzeit, mit den Medien als Höhlenwand.

Bei der Ukraine frage ich mich immer noch wer auf die Idee gekommen ist 400.000 oder mehr Ukrainer zu töten?
Ich will die Entscheidung gar nicht hinterfragen, die Ukrainer werden wohl irgend etwas sehr, sehr Schlimmes getan haben, es also redlich verdient haben.
Aber das soll allein Deutschland 60 Mrd. € kosten.
Wäre das nicht billiger gegangen?
Ich bin da einfach sehr von unseren „Spar- Politikern“ entäuscht. Was für eine absurde Idee, als ob man einen Krieg braucht um die Sozialleistungen zu kürzen, da war Schröder schlauer.
Für mich grenzt das an Veruntreuung.
Man hätte doch zumindest den Auftrag europaweit ausschreiben müssen.

Tötung von 400.000 bis 1 Millionen ukrainischer Männer im Alter von 18- 50 Jahre zum Zwecke der Verteidigung unserer Werte.

So in der Art. Aber nüscht.
Ein klarer Vertoß gegen den Geist der Europäischen Union.

Das Palistinänser- Elend hätte man auch bei zeiten friedlich lösen können.
Es hätte gereicht wenn die „Palistinänser“ zum Judentum konvertiert wären.
Alle Probleme gelöst und Friede, Freude, Eierkuchen.
Das wäre selbst für die hardcore- extremistischen- Religionseiferer eine Lösung gewesen. Denn wie der Gott heißt ist für deren Wahn kein Kriterium.
Wichtig ist das sie „rechtgläubig“ und moralisch überlegen sind. Also quasi die „Bessermenschen“ darstellen.
Zwische Zionisten und Islamisten sind die Unterschiede in der Rechtsprechung vermutlich marginal.

Wir hätten jetzt natürlich nicht dieses großartigen Events, wobei ich gerne darauf verzichtet hätte. Schon allein wegen der Eisbären…

Juergen Wehrse
Juergen Wehrse
2 Monate zuvor

. . . Wo dumme Proleten heute enden . . . auf der Tribüne der westlichen Doppelmoral.

Es ist leider, leider, leider alles vollkommen zutreffend, Roberto. Toll geschrieben!

Bernie
Bernie
2 Monate zuvor

Übrigens, hier die Info, die mir keine Ruhe lies, da ich die erst beim „Feind“ gelesen habe – einem russischen Alternativmedium (R….y), aber es scheint doch etwas dran zu sein an der geposteten Meldung, die ich heute morgen las.

Hier direkt der Hinweis von der Webseite der Berliner Psychotherapeutenkammer:

Verschwörungserzählungen und Familiendynamiken – multiprofessionelle Herausforderungen und Möglichkeiten der Psychotherapie

Teil III der Fortbildungsreihe „Auswirkungen von COVID auf die psychotherapeutische Versorgung“ Eine kostenfreie Online-Veranstaltung des Ausschusses Versorgung der PtK Berlin

Liebe Mitglieder, im 3. Teil der Veranstaltungsreihe zu Auswirkungen von Corona auf die Psychotherapeutische Versorgung widmen wir uns Verschwörungserzählungen. In der psychotherapeutischen Arbeit begegnen wir Menschen, die sich solchen Narrativen zuwenden oder erleben mit, wie jene das Klima in Familien, Gruppen und Institutionen verändern. Verschwörungserzählungen gibt es aber nicht erst seit der Pandemie oder seit dem Krieg in der Ukraine oder im Nahen Osten. Sie sind seit vielen Jahrhunderten populär und verleihen immer auch Ängsten und Unsicherheiten der Menschen Ausdruck. Gleichsam können sie zu einem Zündstoff von Radikalisierung und Demokratiefeindlichkeit werden. Auch wir als Psychotherapeut*innen stehen vor der Frage, wie wir auf Menschen eingehen, mit Menschen umgehen können, die von Verschwörungsnarrativen überzeugt sind.

Quelle und kompletter Text hier zu finden:

https://www.psychotherapeutenkammer-berlin.de/veranstaltung/2023-11-28/verschwoerungserzaehlungen-und-familiendynamiken-multiprofessionelle

Hoffen wir mal, dass das besagte, oben erwähnte russische Alternativmedium, hier ein bißchen zu kritisch auf die „Berliner Blase“ geschaut hat…..und das auf der Psychotherapeutenkammer Berlin veröffentlichte nur für Berlin, und die Umgebung von Berlin, gilt….;-)

Gruß
Bernie

Last edited 2 Monate zuvor by Bernie
Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Bernie
2 Monate zuvor

@Bernie

So einfach ist das.

Wer Verschwörungen sieht, ist krank und muss therapiert werden oder gehört gleich in die Gummizelle.

Was wären die Verbrechen der Machtelite ohne die Theorien käuflicher Experten?
Wahrscheinlich wird bei Biontech und Pfizer fieberhaft an einer mRNA-anti-Verschwörungs-Pseudoimpfung gearbeitet. 😉

flurdab
flurdab
Reply to  Robbespiere
2 Monate zuvor

Erinnert an den WK1 und die „Kriegszitterer“, waren ja auch alles Simulanten.
So schnell kann man 100 Jahre zurück drehen.

Andererseits muss ja auch so ein Psychotherapeut von irgendwas leben, da wird jede Chance zur Marktvergrösserung freudig angenommen.

Wenn man nur ausreichend gründlich sucht hat ja jeder eine Schraube locker.

Bernie
Bernie
Reply to  flurdab
2 Monate zuvor

@flurdab

Wenn man nur ausreichend gründlich sucht hat ja jeder eine Schraube locker.

Gibt es da nicht auch einen ähnlichen Arztspruch?

Frei nach dem Motto, es gibt keine gesunden Menschen, die wurden nur nicht ausreichend ärztlich untersucht – wir finden immer etwas 😉

Wie gerade erwähnt, ich halte das für ein rein auf die Hauptstadt, und deren nähere Umgebung, bezogenes Problem – außerdem ist es ja, dank der Aufklärung der Alternativmedien jetzt schon ein bißchen schwerer geworden so etwas anzustreben……für Psychiater/Therapeuten…..

Ansonsten gebe ich dir recht – siehe mein eben erwähnter Arztspruch, den Mensch wohl auch auf die Psychiatrie/Psychotherapie anwenden kann….

Gruß
Bernie

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Bernie
2 Monate zuvor

@flurdab

Wenn man nur ausreichend gründlich sucht hat ja jeder eine Schraube locker.

Ohne Ausnahme, die Unterschiede sind nur graduell.
Die Zivilisation widerspricht der menschlichen Natur, welche seit Jeher an überschaubare Strukturen wie Sipe, Klan angepasst ist.

flurdab
flurdab
Reply to  Robbespiere
2 Monate zuvor

Früher war das OK und in der Regel nicht behandlungsbedürftig.
Heute wird daraus direkt ein KO- Kriterium gebaut.

Damals, als es noch Vollbeschäftigung gab. Als das Private noch privat war. Als Politiker sich damit begnügten nur Millionen zum Femster hinaus zu werfen, nicht das Tausendfache. Als Atomkraft noch Zukunft war.

Diese Nostalgie, schnüff…

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  flurdab
2 Monate zuvor

@flurdab

Jaja, die heile Welt, die seit der Steinzeit keine mehr ist.

Alles zugekleistert mit bescheidener Teilhabe am Wohlstand, gewährt von den Figuren, welche Heute Alles kontrollieren, damit Drüben nicht Hüben attraktiv wird.

Im Hintergrund wurden jene Vermögen aufgebaut, mit denen die Strukturen zur Kontrolle aufgebaut werden konnten.

Die Niederlage des Gegensystems hat den Weg frei gemacht für den globalen Kolonialismus, der auch vor der eigenen Haustür nicht Halt macht.

Pen
Pen
Reply to  Robbespiere
2 Monate zuvor

Der moderne Mensch, ist ein Massenmensch und er verliert sich leicht in der Masse.

Man muss versuchen, sich zu erden und seine Individualität zu entwickeln.

Das Individuum ist unteilbar.

Pen
Pen
Reply to  Pen
2 Monate zuvor

Die Erdung erfolgt, indem man seine eigene Schattenseite annimmt. Das ist nicht leicht, denn das Bewußtwerden der dunklen Seite ist eine schmerzhafte Angelegenheit wie jede Form der Selbsterkenntnis.

Die Erdung verhindert aber, daß der Mensch „im Massengeschehen kollektiviert und zum Spielball der Mächte des Unbewußten wird.“

Lit. „Tiefenpsychologie und neue Ethik“ von Erich Neumann. (Schüler von C.G.Jung)

flurdab
flurdab
Reply to  Bernie
2 Monate zuvor

In der Branche werden auch gerne Buzzworte benutzt.
Z.B. der Narzist, gerne genommen nur nie richtig definiert. Geschweige denn das man eine funktionierende Behandlung gefunden hätte.
Oder seit nun ungefähr 10 Jahren die Resilienz.
Deren Anfang war die Frage wie Kinder, die die Lager der Nazis und die Shoa überlebt haben, dazu in der Lage waren ein „normales“ Leben zu führen.
Heute muss alles und jedes resilient sein.

An dieser Entwicklung hat allerdings das Akademiker- Präkariat den größten Beitrag. Ist halt so wenn man anschaffen geht.

Bernie
Bernie
Reply to  Robbespiere
2 Monate zuvor

@Robbespiere

Na ja, ich hoffe immer noch, dass das nur in der „Berliner Blase“ so bleibt, d.h. ein Strohfeuer sein dürfte, da eben – dank R….y enttarnt 😉

Gruß
Bernie

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Bernie
2 Monate zuvor

@Bernie

Ich fürchte nur, die Reichweite dieses Mediums ist zu gering, aber vielleicht übernehmen ja andere Alternative diese Info, dass sie unter die Leute kommt.

Mir hat mal ein Psychologe erklärt, die Meißten seiner Kollegen hätten das Fach gewählt, um ihre eigenen Störungen aufzuarbeiten.
Die Versagensquote scheint recht hoch zu sein. 😉

Pen
Pen
Reply to  Robbespiere
2 Monate zuvor

So ist es.

Schon die für das Studium der Psychologie verlangte Lehranalyse wird meist nur von Leuten gemacht, deren Leidensdruck und Hoffnung auf Heilung hoch genug ist.

Last edited 2 Monate zuvor by Pen
ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Bernie
2 Monate zuvor

@Bernie
..genau diesen Text hab ich heute auch gelesen, sofort rauskopiert und einer Freundin geschickt, die Psychotherapeutin war. Sie war geschockt davon!

Bernie
Bernie
Reply to  ChrissieR
2 Monate zuvor

Hallo ChrissieR.,

ich überleg auch gerade ob ich den meinem Psychiater vorlege, den ich Morgen, wegen meinen Depressionen, aufsuchen werde, aber ich denke eher nicht – Wie schon gesagt, ich halte die Nachricht für ein spezielles „Berliner Problem“ – rein auf das dortige Stadtgebiet, und die Umgebung bezogen, denn ansonsten wäre es wirklich ein Riesenskandal, der an längst untergegangene totalitäre System ( eben auch faschistische) erinnern würde.

Der Skandal verhindert jetzt schon einmal, dass das weiter verfolgt wird, kannst deine Freundin also beruhigen 😉

Übrigens, die wirklich Bekloppten sitzen, nicht nur meines Erachtens, in der Ampel-Regierung sowie den ÖRR, die sind so arrogant, und abgehoben, dass die die eigene Beklopptheit schon gar nicht mehr bemerken – heute Bauernproteste in Berlin und der Landwirtschaftsminister Cem Özdemir spricht gegen seine Ampel-Regierungsmitglieder als wäre er in der Opposition, und wundert sich dann noch, dass er von den wütenden Bauern ausgebuht wird – also wenn ich der wäre hätte ich mich schon gar nicht hingetraut, oder gleich den Habeck hingeschickt *Sarkasmus* 😉

Tja, und die ÖRR schwingen nun die Nazi-Keule gegen die Landwirte, die den eigenen Landwirtschaftsminister ausgebuht haben, und merken nicht einmal wie dümmlich sie sich damit als regierungsnah enttarnen 😉

Als jemand der alle Bücher von Sahra Wagenknecht kennt – ich hab die früher schon gemocht die Frau Wagenknecht und ihre schriftstellerische Arbeit – wundere ich mich übrigens auch nicht über die Idiotie der Mainstream-Medien, die nun alle möglichen Arten der Diffamierung, und des Nichtermöglichens einer Wagenknecht-Partei herbeisehnen – das zeigt nur wie gefährlich eine solche für die „Berliner Blase“ und die damit verbundenen ÖRR bzw. deutschen Mainstream-Medien sein dürfte, aber das ist ein anderes Thema, und ich hoffe, dass Frau Wagenknecht, und ihr Mann, das überstehen – wie sagte einst Michail Gorbatschow? „Die deutsche Presse ist überhaupt die Widerliste auf der Welt“ – hat leider über seinen Tod recht behalten der gute „Gorbi“……;-)

Gruß
Bernie

flurdab
flurdab
Reply to  Bernie
2 Monate zuvor

Das die Bauern den Chem nicht von der Bühne geprügelt haben verstehe ich auch nicht.
Der kann sich zwar dahin stellen und bittere Tränen weinen wegen des Agrar- Diesels, aber insgeheim deckt sich das Vorgehen doch mit seiner Ideologie. Weniger Landwirtschaft bedeutet für die Idioten doch mehr „Umweltschutz“. Weniger Schwein dafür mehr Tofu- Schnitzel, und viel mehr Bohnen, Erbsen und Wirsing. Diese Tofu- Lutscher.
Die Zahl der Schweinemäster in Deutschland ist jedenfalls deutlich rückläufig. Das liegt wohl auch daran das die Vorgaben für neue Ställe, zwecks Tierwohl, so schwammig sind, dass kein Bauer sich für einen neuen Stall verschulden will, um kurze Zeit nach Fertigstellung festzustellen, das sich die Anforderungen wieder geändert haben.

Aber demnächst, wenn das Vertikal- Farming in die Städte eingezogen ist und das „Kunstfleisch“ aus dem Bio- Reaktor kommt, wird alles gut.
Derweil gehen die Landwirte über den Jordan und das Land wird ganz selbstlos von „Investoren“ aufgekauft.
Und ansonsten macht man die Ernährung eben Abhängig von Importen, was soll schon schief gehen.

Das eigentliche Drama in der Landwirtschaft ist ja die Marktmacht der vier Supermarktriesen. Die drücken die Preise bis dahin wo der Bauer zu quitschten beginnt.
Eingekeilt zwischen einem Händler- Oligopol und einer bescheuerten Bürokratie und Gesetzesgebung.
Wobei die Landwirte nicht unschuldig sind an der Situation und an der Solidarität für andere Menschen und Berufsgruppen gerne sparen.
Bei der jährlichen Erdbeer und Spargel- Hetze gegen Arbeitslose sind sie immer gerne dabei, obwohl sie es besser wissen müssten.

Grüße

Nur mal so
Nur mal so
2 Monate zuvor

Halt Nafo über alles. Ein mehr als bedenklicher Trend der den Protofaschismus schon hinter sich gelassen hat.
Danke mal wieder für die Analyse.
Macht weiter so.

Heribert
Heribert
2 Monate zuvor

Ukraine Thema nervt!

spartacus
spartacus
Reply to  Heribert
2 Monate zuvor

Das sieht Roberto sicherlich genau so.

Heribert
Heribert
Reply to  spartacus
2 Monate zuvor

Generell gemeint!

spartacus
spartacus
2 Monate zuvor

Interessanter Text.
Das mit den dummen Proleten sehe ich allerdings anders, stammen doch die heutigen gesellschaftlichen Hooligans primär aus der bürgerlichen Kaste. Endlich darf man sich daneben benehmen, das scheint wie eine psychologische Befreiung für Biedermänner zu sein.

Interessant wäre auch die spiegelbildliche Betrachtung – von der Politik zum Sport. Die läßt nämlich auch deutliche Rückschlüsse auf die politische Degenerierung zu.
Es galt immer das Credo, Politik aus dem Sport herauszuhalten. Im Rahmen der UEFA z.B. sind politische Bekundungen im Stadion verboten. Sport wurde als Ebene der universellen Verständigung und friedensstiftend bezeichnet. Inzwischen wird er, und zwar nur von westlicher Seite, direkt für politische Zwecke instrumentalisiert.
1978 fand zu Zeiten der Militärdiktatur eine Fußballweltmeisterschaft in Argentinien statt, in Stadien, in denen vorher Menschen gefangen gehalten und gefoltert wurden. Hat im Westen keinen Offiziellen interessiert. Dafür war die letzte WM in Katar eine WM der Schande, wie letzt wieder mit einer Sendung im TV thematisiert, bei der Miss Piggy mit ihrer One-Fuck-Binde auf der Tribüne politisierte.
Profisportler werden am Gängelband im goldenen Käfig gehalten. Alle Vereine haben inzwischen angeblich Werte, ich weiß gar nicht, wo die auf einmal herkommen. Wenn z.B. einer alkoholisiert Auto fährt, ist das nicht nur eine private Verfehlung, sondern er hat gegen irgendwelche Werte verstoßen, seinem Arbeitgeber geschadet etc. blabla und wird zusätzlich zur juristischen Bearbeitung sanktioniert.
Das ist aus meiner Sicht alles übergriffig und ein Indikator, wie sich die Gesellschaft entwickelt – hin zum Totalitarismus.

Last edited 2 Monate zuvor by Spartacus