Isoliert und abgehoben

Ein Hauch von Isolationismus weht durch diese Republik – und dies, obwohl man synchron dazu so tut, als sei man total weltoffen.

Wieder ein Sozialdemokrat, der mit der Welt spricht. Mit jenem Teil der Welt nämlich, den Politik und Medien hierzulande als den schlechteren eingestuft haben. Der ehemalige SPD-Vorsitzende und Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping spricht mit China – besser gesagt, er veranstaltet seit Jahren deutsch-chinesische Wirtschaftskonferenzen. Report Mainz hat das nun herausgefunden. Und die Tagesschau griff es prompt auf. Der Vorwurf lautet nun, Scharping »mache sich zum Sprachrohr Chinas«.

Bis vor einiger Zeit war Wirtschaft alles – it’s the economy, stupid! Handel trieb die Welt an, die globalisierte Welt funktionierte so, lehrte man uns in Zeiten, da diese schöne neue Welt des Wirtschaftens ohne Unterlass zu allerlei Reformbestrebungen und -vorhaben in Deutschland führte. Die Agenda 2010 war eine Reaktion auf eine Welt, die keine Grenzen, keine Zölle, nur noch Märkte und Geschäfte kannte. Wenn also ein ehemaliger Politiker Wirtschaftskonferenzen organisiert, dann ist das in der neoliberalen Logik der vergangenen beiden Dekaden gar nicht mal so überraschend, sondern schlicht Normalität.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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N.B.
N.B.
2 Monate zuvor

Die Außenpolitik Deutschlands hat sich um 180 Grad gedreht. War Diplomatie sogar bei Herrn Westerwelle, von dem ich ansonsten von seinen politischen Arbeit absolut nichts hielt, in der Tradition FDP-Außenpolitiker, großgeschrieben.
Eigentlich fing es aber schon vorher an, mit natürlich einem Grünen, Fischer, dass ganze umzukippen.
Und spätestens seit dem der Wokismus aus den USA der Neocons in Deutschland eingezogen hat, ist echt Land unter in Sachen Diplomatie. Die komplett irre zu faschistoiden Tendenzen neigende Politik duldet keine anderen Meinungen außerhalb eines sehr kleinen und sehr engen Spektrums und schreit alles nieder und ruft gar zu Gewalt und dass wir uns im Krieg mit Russland befänden, siehe Baerbock.
Das ist in meinen Augen kompletter Wahnwitz und gemeingefährlich!

Diplomatie, zig tausend tote Kinder? Scheiß egal: Weiterbomben! So war die sinngemäße Antwort der Bundesregierung auf das vollkommen auf Rache basierende Vorgehen gegenüber der Palästinenser durch die israelischen Regierung!
Und jegliche Kritik als Antisemitismus und selbst als Verbrechen zu diskreditieren, inkl. dem canceln von kriegskritischen Künstlern, ist eine äußert bedenkliche Entwicklung!

Wir befinden uns an einem Scheidepunkt. Wenn die Deutschen nicht spätestens bei der nä. BT-Wahl zur Besinnung kommen, die Ampel abwählt, aber gleichzeitig nicht auch die UNION an die Macht kommen lässt, welche es mit Merz für einen Großteil der Bevölkerung noch viel übler machen wird, sind wir echt verloren.

Die deutsche Außenpolitik mit ihrem woken Gehabe basiert wohl auch darauf, dass diese von den Neocons aus den USA, bzw. dem tiefen Staat dort gesteuert wird. Ich vermute, dass die irgendwie unsere Regierung komplett in ihrer Hand haben.
Und als Ziel dieses tiefen Staats ist eindeutig eine unipolare Weltordnung mit der Führungsrolle der USA zu zementieren und alle Tendenzen zu einen multipolaren Weltsystem zu verhindern.

Rudi
Rudi
Reply to  N.B.
2 Monate zuvor

Dass Westerwelle ein Diplomat war, muss ich bestreiten. Welchem diplomatischen Kompass folgt ein Außenminister, der sich bei einem Besuch in der Ukraine auf einer Demonstration gegen die amtierende Regierung stellt? Damals, am 04. Dezember 2013, lief er demonstrativ mit dem vom Westen gepamperten, in die Politik strebenden Boxer Klitschko über den Maidan und unterstützte die von den USA mit Milliarden Dollar gesponserte, von Rechtsradikalen durchsetzte Opposition. Ganz im Sinne der US-Kampagne sagte er: „Wir wollen die Ukraine an Bord Europas.“ Man muss konstatieren, Baerbock und von der Leyen sind mit der Nato-Westerwelle auf dem selben Kriegspfad.

N.B.
N.B.
Reply to  Rudi
2 Monate zuvor

Naja… Zumindest hat er bei Libyen nein gesagt…
Das blieb mir in Erinnerung. Und was haben die Medien getobt.

Last edited 2 Monate zuvor by N.B.
pamino777
pamino777
Reply to  N.B.
2 Monate zuvor

Ich sage dazu nur „Young Global Leaders“ von Soros. Fast alle der sogenannten internationalen Staatslenker haben in der heutigen Zeit dieses „Progamm“ bzw. (Gehirnwäsche) durchlaufen. Wenn wir nicht den Sponsoren solches Denkens die Köpfe abschlagen haben wir auf alle Zeiten verloren! Und glaubt mir: Wenn die Politik (welches fast alle sogenannten Staatenlenker angehören) nicht auf irgend eine Weise stoppen wird die Welt mit uns zusammen untergehen. Ihr kennt die Georgia Milestones? Wenn nicht informiert Euch einmal. Gruß an alle Denker

G.D.

Andre
Andre
2 Monate zuvor

Von William Schryver

Meiner Ansicht nach besteht die bedeutsamste Konsequenz des Stellvertreterkriegs zwischen der NATO und der Ukraine gegen Russland darin, dass die meisten großen geopolitischen Akteure außerhalb des imperialen Reichs plötzlich in offener Missachtung der launischen „regelbasierten internationalen Ordnung“ und ihres räuberischen Währungssystems sind.

Der Auslöser dieser Rebellion war, dass Wladimir Putins Russland allein zwischen den Königen, Fürsten, Präsidenten und Premierministern einer zitternden Welt stand, sich an die Herren des Imperiums wandte und sagte: „Keinen Zentimeter weiter.“ Tatsächlich müssen Sie sich auf Ihren Status von 1997 zurückziehen und alle Ihre Waffen mitnehmen, angefangen bei Ihren Raketen in Polen und Rumänien.“

Die Herren des Imperiums verspotteten ihn und ermutigten dann ihre #MotherOfAllProxyArmies in der Ukraine, sich auf den Donbass und Asow zu konzentrieren, um Noworossija und die Krim ein für alle Mal zu erobern … und dann weiter nach Moskau.

Dieser Krieg sei alles andere als eine „grundlose russische Aggression“ gewesen. Dieser Krieg wurde jahrzehntelang in den USA angezettelt und genährt, in den Geheimgemächern der imperialen dunklen Lords in London und Washington. Es war ein Krieg, von dem das Imperium wusste, dass Russland ihn führen würde. Die kaiserlichen Oberherren täuschten sich einfach selbst vor und glaubten, es sei ein Krieg, den Russland nicht gewinnen könne.

Wie es unbedingt erforderlich war, entschied sich Russland für den Kampf – obwohl es viele Gründe für die Annahme gab, dass es nicht ausreichend auf einen Sieg vorbereitet war, falls das gesamte Gewicht der NATO-Staaten gegen es geworfen werden sollte. Wie sich herausstellte (und im Gegensatz zu den fantastischen westlichen Erzählungen über die Demütigung Russlands und die massiven Verluste), haben die Russen nicht nur eine, sondern gleich drei aufeinanderfolgende, zunehmend von der NATO bewaffnete und von der NATO ausgebildete Armeen auf bemerkenswert wirtschaftliche Weise zerstört.

Und das taten sie, während sie eine Reservearmee zusammenstellten, ausrüsteten und gründlich ausbildeten, die doppelt so groß war wie die, mit der sie die gegen sie in der Ukraine aufgestellten Armeen systematisch vernichteten.

Sie haben die größte industrielle Mobilisierung seit dem Großen Vaterländischen Krieg von 1941-1945 erreicht. Ihre massive Steigerung der Produktion von Instrumenten der industriellen Kriegsführung stellt die kombinierten Fähigkeiten ihrer Gegner in den Schatten. Sie haben sich auch schnell an die veränderten Realitäten auf dem Schlachtfeld angepasst und entwickeln und produzieren neue Kriegsgeräte in Massenproduktion, die früher nur als Neuheit galten, heute aber als unverzichtbar anerkannt werden.

Kurz gesagt, die Russen gewinnen diesen Krieg nicht nur auf eindrucksvolle und entschiedene Weise, sie werden auch als die schlagkräftigste und kampferprobteste Militärmacht der Welt daraus hervorgehen.

Am bedeutsamsten ist, dass Russland für alle sichtbar gezeigt hat, dass das Imperium nicht nur Grenzen hat, sondern dass es auch weitaus schwächer und verletzlicher ist, als kaum jemand zuvor glauben wollte. Aus diesem Grund fühlen sich heute so viele Menschen auf der übrigen Welt ermutigt, sich den kaiserlichen Erlassen zu widersetzen.

DAS ist der Grund, warum sich neue Allianzen zwischen bisher widerstrebenden Freunden festigen. Nichts vereint den menschlichen Spielplatz so sehr wie ein unerschrockenes Bestehen wollen, kämpfen und den Tyrannen demütigen.

Das Dreierbündnis aus Russland, China und dem Iran ist ein mehr als ausreichender Gegner, um die imperiale Herrschaft sprunghaft und in relativ kurzer Zeit zurückzudrängen. Auch viele der „Mittelmächte“ erkennen, woher der Wind weht, und positionieren sich entsprechend. In allen Teilen der Erde werden Einflusssphären aggressiv verfolgt und gesichert. Und vielleicht am bedeutsamsten ist, dass sie zusammenarbeiten, um die Schuldscheine des Imperiums zunehmend als Münze des Reiches abzulehnen.

Sie haben verstanden, dass eine Voraussetzung für die „Reparatur der Welt“ darin besteht, ihr Geldsystem auf eine viel gerechtere und nachhaltigere Basis zurückzuführen.

Mene, mene, tekel, upharsin.

Das Reich der Schulden und Lügen wurde in die Waagschale geworfen und für mangelhaft befunden. Es bleibt nur noch abzuwarten, ob es sanft in die gute Nacht übergeht oder in einem Anfall gedemütigter Wut die Welt in Brand setzt.
—-

„Du Menschenkind, sage dem Fürsten zu Tyrus: So spricht Gott der HERR: Weil sich dein Herz überhebt und spricht: »Ich bin ein Gott, ich sitze auf einem Göttersitz mitten im Meer«, während du doch ein Mensch und nicht Gott bist; dennoch überhebt sich dein Herz, als wäre es eines Gottes Herz, – 3 siehe, du hältst dich für klüger als Daniel, dass dir nichts verborgen sei, 4 und habest dir durch deine Klugheit und deinen Verstand Macht erworben und Schätze von Gold und Silber gesammelt 5 und habest in deiner großen Weisheit durch deinen Handel deine Macht gemehrt; nun bist du so stolz geworden, weil du so mächtig bist. 6 Darum, so spricht Gott der HERR: Weil sich dein Herz überhebt, als wäre es eines Gottes Herz, 7 darum siehe, ich will Fremde über dich schicken, die Gewalttätigsten unter den Völkern; die sollen ihr Schwert zücken gegen deine schöne Weisheit und sollen deinen Glanz entweihen. 8 Sie sollen dich hinunterstoßen in die Grube, dass du den Tod eines Erschlagenen stirbst mitten im Meer. 9 Was gilt’s, wirst du dann vor deinen Henkern noch sagen: »Ich bin Gott«, während du doch nicht Gott bist, sondern ein Mensch und in der Hand deiner Henker? 10 Du sollst den Tod von Unbeschnittenen sterben durch die Hand von Fremden; denn ich habe es geredet, spricht Gott der HERR. … 16 Durch deinen großen Handel wurdest du voll von Gewalttat und hast dich versündigt. … 18 Weil du mit deiner großen Missetat durch unrechten Handel dein Heiligtum entweiht hast, darum habe ich ein Feuer aus dir hervorbrechen lassen, das dich verzehrte und dich zu Asche gemacht hat auf der Erde vor aller Augen. 19 Alle, die dich kannten unter den Völkern, haben sich über dich entsetzt, dass du zum Schrecken geworden bist und es aus ist mit dir für immer.“ (Hesekiel 28)

Das Schicksal des Westens und des Fürsten Tyrus werden identisch sein. Da kann der Westen noch so sehr von sich glauben, klüger als „Daniel“ zu sein oder zu glauben, mitten im Meer auf einem „Göttersitz“ zu sitzen und „Gott zu sein“. Das Schicksal des Westens wurde längst entschieden und der Westen wird dagegen nichts tun können.

flurdab
flurdab
2 Monate zuvor

Bin ich gerade drüber gestolpert.

Wie die britische Regierung ihre Kritiker überwachte und Pläne zur internationalen Zensur von NATO-Kritik finanzierte

https://uncutnews.ch/wie-die-britische-regierung-ihre-kritiker-ueberwachte-und-plaene-zur-internationalen-zensur-von-nato-kritik-finanzierte/

Rudi
Rudi
Reply to  flurdab
2 Monate zuvor

Wo treibst du dich denn rum? Eine Seite ohne ordentliches Impressum, meist ohne Autorenkennzeichnung. So was ist nicht nur für mich irrelevant.

flurdab
flurdab
Reply to  Rudi
2 Monate zuvor

Hätte ich früher auch gesagt.
Aber in der Neuen Normalität ist eben vieles anders.
Der Digital Service Akt wirkt.
Wer die Macht hat die Suchergebnisse jeder x bliebigen Suchmaschine zu steuern, der kann noch viel mehr.
In Deutschland werden soviel Hausdurchsuchungen wie noch nie durchgeführt, aus Anlässen, die früher niemanden gejuckt hätten.

Free Julian Assange!

N.B.
N.B.
Reply to  flurdab
2 Monate zuvor

Ich schließe mich deiner Aussage an…

Und für mich ist eine Anonymisierung durch VPN übers sehr ferne Länder essentiell notwendig um mich vor Zugriffen, auch durch den Staat, zu schützen.

Art Vanderley
Art Vanderley
2 Monate zuvor

Guter Artikel. Wertebasiert? Die Außenpolitik soll ja nicht zuletzt eine „feministische“ sein, aber was ist das für ein Feminismus der da vertreten wird? Sicher nicht der linksliberale früherer Zeiten, der auch nie diesen Absolutheitsanspruch eheben würde wie der zeitgenössische.
Es sind nicht nur die Methoden fragwürdig, auch die Werte haben sich verzerrt.
Werte sind- auch- wichtig, aber gerade in Zeiten wo sie eine gewisse Substanz hatten – perfekt waren sie nie- wurde auch pragmatisch gehandelt.
Wohin Isolationismus führen kann, zeigt das gute Beispiel Japan. Sowohl die Unfähigkeit, mit plötzlich wieder auftretenden Einflüssen von außen umzugehen, als auch die rassistische Aggression nach außen, dürften dadurch stark begünstigt worden sein.

Nur mal so
Nur mal so
2 Monate zuvor

Isolationialismus ist durchaus treffend, es trifft es aber nicht ganz.
Dazu kommen entdemokratisierung(wobei man Demokrattie in DE auch nicht zu hoch ansiedeln sollte( war aber mal besser)) und bedingungsloses Vasallentum, die zur Isolierung beitragen.