Israel-Konflikt: Über die Folgen der Eskalation

Allen verständlichen Reaktionen nach den Angriffen der Hamas auf Israel zum Trotz muss die nüchterne Frage lauten: Wohin führt welche Reaktion?

Die massiven Angriffe der Hamas auf Israel können niemanden unberührt lassen. Und wenn es anders ist – etwa, wenn Menschen in Deutschland und anderswo die Hamas für ihre Taten feiern –, dann muss man resümieren, dass beide Perspektiven nicht miteinander vereinbar sind. Zu diesem Schluss kann man seit den Attacken auf Israel durch die Hamas ohnehin oft kommen in diesen Tagen. Dennoch sind es gerade die weit auseinander liegenden Blickwinkel und Betroffenheiten, die uns dazu bewegen sollten, nicht ausnahmslos selbst im Angriffsmodus zu sein.

Ein Ereignis ausschließlich aus der Gegenwart heraus zu betrachten, wird ihm nur selten gerecht, zumal wenn es um weltpolitische Themen geht. Das Ereignis, um das es hier geht, hat eine lange Vorgeschichte. Und in Anbetracht der Tatsache, dass schon beim Ukraine-Konflikt die Politik erfolgreich beim Ignorieren der Vorgeschichte war und ist, tun wir gut daran, dieser Strategie nicht erneut zu folgen. Man darf nicht vergessen, dass wir es im Moment mit historischen Geschehnissen zu tun haben. Vermutlich würden wir es uns nicht verzeihen, wenn sich herausstellte, dass wir mit unserer kurzsichtigen und kurzfristigen Sicht auf die Dinge danebenlagen – insbesondere, weil Fehleinschätzungen und falsche Entscheidungen längst lebensbedrohliche Auswirkungen haben können.

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Tom J. Wellbrock

Tom J. Wellbrock ist Journalist, Autor, Sprecher, Radiomoderator und Podcaster. Er führte unter anderem für den »wohlstandsneurotiker«, dem Podcast der neulandrebellen, Interviews mit Daniele Ganser, Lisa Fitz, Ulrike Guérot, Gunnar Kaiser, Dirk Pohlmann, Jens Berger, Christoph Sieber, Norbert Häring, Norbert Blüm, Paul Schreyer, Alexander Unzicker und vielen anderen. Zusätzlich veröffentlicht er Texte auf verschiedenen Plattformen und ist für unsere Podcasts der »Technik-Nerd«.

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Helmchen
Helmchen
7 Monate zuvor

Mich lässt die Frage nicht los, was eigentlich wirklich bei dem Musikfestival an der Grenze zu Gaza passiert ist, denn die Bilder von den toten und misshandelten Jugendlichen werden gerade überall als eine Art „Bilder aus Bergamo“ verwendet, um jede Gewalt Israels in Gaza (inklusive Vertreibung der Palästinser) zu rechtfertigen.

Auf Schwarz-Weiß-Denken habe ich keine Lust und nichts läge mir ferner, als die Hamas zu idealisieren. Wenn wir von überall mit Statements der israelischen Regierung überflutet werden, sollte man doch zumindest aber auch die offiziellen Statements der Hamas suchen und auswerten, um durch Einordnung der Propaganda von beiden Seiten sich ein Bild machen zu können, was vielleicht wirklich passiert ist.

Es ist gar nicht einfach, Interviews mit Hamas-Offiziellen der letzten zwei Wochen zu finden, wenn man nicht arabisch versteht. Englische Interviews gab es aber in australischen und britischen Medien, so bei Economist:
https://www.economist.com/podcasts/2023/10/11/an-interview-with-a-senior-political-leader-of-hamas

und ABC News Australia:
https://www.abc.net.au/news/2023-10-17/hamas-fighters-no-plans-target-civilians-basem-naim/102988812

In beiden Interviews wirken die Antworten der Hamas-Offiziellen so, dass sie selbst gar nicht so genau wissen, was bei dem Musikfestival passiert ist. Mal wird von „Bypassers, not Hamas-fighters“ gesprochen, die die Morde begangen haben könnten, mal von Videos die zeigen würden, dass Israelis durch israelischen Beschuss getötet wurden, mal, dass man den Begriff „Zivilisten“ ausdehnen müsse.

Meine Schlussfolgerung soweit: Ich vermute eine vermischte Gemengelage, in der Zivilisten mal wieder Opfer von Radikalen auf beiden Seiten geworden sind. Mag sein, dass Hamas-Kämpfer die Jugendlichen und damit zumeist ehemalige Wehrdienstleistende als „Nichtzivilisten“ werteten, mag sein, dass Nicht-Hamas-Kämpfer aus dem Gaza eindrangen und ihre Wut an den Jugendlichen rausließen, mag sein, dass diese Leute von israelischen/westlichen Geheimdiensten unterwandert und angefeuert wurden, mag sein, dass Israelische Truppen die Anweisung hatten, erst einige Stunden nach dem Angriff der Hamas einzugreifen, damit entsprechende Bilder entstehen können, mag sein dass Israelische Truppen bei den Versuchen der Rückeroberung des Gebietes nicht zwischen Hamas-Kämpfern und Geiseln unterschieden und einfach auf alle feuerten.

Klar scheint mir nur: Die Lage ist nicht so klar wie in den Leitmedien berichtet wird.

Helchen
Helchen
Reply to  Helmchen
7 Monate zuvor

Es scheint durch einen Artikel im Billboard-Magazin über das Nova-Festival eine gesicherte Information zu sein, dass das Musikfestival nur 2 Tage vor Beginn von einem sicheren Ort mitten in Israel an diese Location in unmittelbarer Nähe zum Gaza-Streifen verlegt wurde.

Nun frage ich mich: Wenn du als Hamas-Führung monatelang planst, wie deine Kämpfer bei einem Angriff im südlichen Gaza-Streifen die Grenzanlagen durchbrechen und mit dem zu erwartenden heftigen Beschuss der israelischen Armee umgehen können… Und dann zieht der Gegner seine Grenztruppen ab und verlegt ein Festival mit 3000 unbewaffneten, wehrlosen Jugendlichen direkt in die Nähe deines geplanten Durchbruchspunktes als „reich gedecktes Buffet“, an dem du Dich einfach bedienen kannst: Wie würden die Hamas-Kämpfer und ihre Vorgesetzten damit umgehen?

flurdab
flurdab
Reply to  Helchen
7 Monate zuvor

@ Helchen
Wir leben im Zeitalter der total unwahrscheinlichen Zufälle.
Man könnte fast geneigt sein dem Attentat eine Planungsabteilung außerhalb der Hamas zu unterstellen.
Terroristen/ Freiheitskämpfer/ Söldner kann man mieten, da muss man nur die Kontakte haben.
Nützlich ist es in solchen Situationen wenn man bereits einen „Schurken“ im Schrank hat.
Und dann ist da ja noch dieses Gasfeld direkt vor der Küste des Gaza- Streifens.
Klingt nach einem Drehbuch…

Ist aber vermutlich nur meiner überbordenen Phantasie geschuldet.

Helmchen
Helmchen
Reply to  flurdab
7 Monate zuvor

Neben dem Gasfeld vor dem Gaza-Streifen gibt es ja auch noch die mysteriöse Eilat-Ashkelon-Pipeline, die manche Konspirologen in Zusammenhang mit geostrategischen Interessen der Region um Gaza sehen:

„Israeli pipeline, once a link to Iran, will remain a mystery
An oil pipeline company established decades ago by Israel and Iran, and a new Israeli company that is meant to replace it, can continue to operate secretly, an Israeli parliamentary committee ruled on Sunday.
The Eilat-Ashkelon Pipeline Co (EAPC) was a joint venture set up in 1968, when the two nations were friendly, to transport Iranian oil via Israel to the Mediterranean. Ties were cut after Iran’s 1979 Islamic revolution, and the enemies are now locked in arbitration that could be worth billions of dollars.
Although Iranian oil no longer flows through the pipeline, EAPC has become a major distributor of oil in Israel, with ambitions to become a leading trade hub.“
https://www.reuters.com/article/us-israel-pipeline-idUSKBN1EP0C3

„Former Israel-Iran oil company to continue operating in secret
Anyone leaking details of the Eilat-Ashkelon Pipeline Company or new company with same name could face 15 years in prison“
https://www.timesofisrael.com/former-israel-iran-oil-company-to-continue-operating-in-secret/

„Dank der Entspannung zwischen Israel und immer mehr arabischen Ländern hat EAPC nun große Pläne: Die Firma will zwischen zwölf und 17 Prozent des Öls, das durch den Suezkanal transportiert wird, stattdessen auf dem Landweg in die eine oder andere Richtung pumpen, wie EAPC-Chef Itzik Levy dem Magazin Foreign Policy verriet.
Die Chancen dafür stehen gut, denn der Suezkanal ist für die größten Öltanker zu klein. Außerdem kostet eine Durchfahrt zwischen 300.000 und 400.000 Dollar. Wer die Kunden sind, wollte Levy nicht sagen. Es gehörten aber „einige der größten Firmen der Welt“ dazu.“
https://www.klimareporter.de/finanzen-wirtschaft/eine-pipeline-wie-aus-einem-spionagethriller

flurdab
flurdab
7 Monate zuvor

Ich glaube ja dass das mit der „Haltung“ und dem kleinkindhafte Benehmen eine Nebenwirkung der „Corona- Impfung“ ist.
Man stelle sich vor die USA hätten nach dem Abriss des World Trade Centers erstmal 14 Tage die Hände in den Schoss gelegt und nichts unternommen. Man stelle sich vor die Israelis hätten nach dem Angriff erstmal 14 Tage die Hände in den Schoss gelegt und nichts unternommen.
Beides wäre möglich gewesen und hätte deeskaliert.
Daran können wir erkennen das alles genau so Abläuft wie es gewollt wurde.
Und damit dies nicht auffällt muss die Propaganda ohne jegliche Distanz und ohne Zaudern den Feind erschaffen.
Hass, Hass, Hass macht dumm und verhindert Besinnung.

Suzie Q
Suzie Q
7 Monate zuvor

*** Und die Inneren Unruhen in Berlin- Gaza, Duisburg- Gaza, Essen- Gaza sind ja auch noch nicht durch gestartet. Wo ist eigentlich die Faeser? ***

Ich denke auch, dass wir viel mehr Deeskalation von DEN ANDEREN fordern sollten. Und wenn die das nicht kapieren, dann warten wir halt mal 2 Wochen mit den Händen im Schoß ab, und dann aber!

Richtig ist: Hass, Hass, Hass macht dumm…

flurdab
flurdab
Reply to  Suzie Q
7 Monate zuvor

@ Suzie Q
Das mit dem Textverständnis wird bei dir wirklich nicht besser.
Das macht mich wirklich traurig.

Suzie Q
Suzie Q
Reply to  flurdab
7 Monate zuvor

Ach so, Du hast das ganz anders gemeint? Dann bin ich ja beruhigt oder so.

Berthold Kogge
Berthold Kogge
7 Monate zuvor

Susie, Du unsoziale Besserwisserin, suche Dir einen Mann, eine Frau, eine diverse Person oder einen Ziegenbock, aber spiel hier nicht Mutter Moral. Nicht jede Person in Europa hat seine Familie zu verarbeiten

Seb
Seb
7 Monate zuvor

Also mich lassen die Angriffe unberührt. Da käme ich aus dem „berührt“ sein ja gar nicht mehr raus, bei dem ganzen Sch****** der gerade passiert. Bei Hamas, Palästina und Israel fühle ich mich eher an Polt und seinen Nicht-Schwimmer erinnert. Israel macht jetzt seit mehr als 50 Jahren Apartheid und ab und zu chirurgische Präzisionsangriffe mit weißen Phosphor und die andere Seite agiert mit ihren Mitteln. Wenn ich 1,x mio. Menschen so behandle wie es Israel macht, dann muss ich mit entsprechenden Reaktionen rechnen. Alles andere ist dummes Gerede. Und aktuell baut sich Israel die zukünftige Hamasjugend auf.na gut das hat Israel schon immer und Bibi finanzierte sie auch gern, aber das ist eine andere Geschichte .In ein paar Jahren passiert dann wieder was krasses und täglich grüßt das Murmeltier. Bei der regionalen Bevölkerungsentwicklung und dem zu erwartenden wirtschaftlichen Aufstieg Israels Nachbarn bleibt nur eine Erkenntnis. Ich würde anstelle Israels die Strategie überdenken, ansonsten wird’s schwer mit weiter 50 und mehr Jahren. Das sagt alleine die Logik.