Sowas Linkes!

Schon vor Corona war eigentlich die Zeit reif für eine linke Alternative. Die blieb aber eine Randerscheinung. In der Pandemie ist es noch schlechter um sie bestellt.

Vermutlich hat Sahra Wagenknecht Glück, dass sich ihre Partei aufgrund der anhaltenden Beschränkungen nicht zu einem Parteitag treffen kann. Das Risiko wäre groß, dass sie erneut mit einer Schokoladentorte beworfen würde. Im Mai 2016 ist ihr das widerfahren. Ihr braun gefärbtes Gesicht zierte manche Zeitung – und die besonders linken Vertreter der Linken freuten sich tierisch darüber. Meines Wissens handelt es sich dabei um den einzigen Fall von Blackfacing, den diese Klientel nicht verurteilte.

Vorgeworfen hatte man der linken Galionsfigur einen Rechtsruck. Sie hatte es seinerzeit gewagt, die allgemeine Flüchtlingspolitik kritisch zu hinterfragen und die Willkommenskultur mit konkreten Einwänden zu tangieren. Neben der Torte musste sie den Vergleich mit Beatrix von Storch von der AfD über sich ergehen lassen. All das hätte sich jetzt, da Sahra Wagenknecht ein Buch zum Holzweg der Linken geschrieben hat, wiederholen können. Stattdessen muss sie nur einige Memes und Tweets aushalten, die ihren Parteiausschluss fordern. Speziell von einigen Ortverbänden des linken Kindergartens Solid vernahm man solche Töne.

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Heldentasse
Heldentasse
29. April 2021 8:12

Ein entscheidender Wesenskern der meisten Linken, bis auf die wahren Anarchisten, ist offensichtlich der, dass sie auf einen starken Staat hoffen, der die notwendige Umverteilung von oben nach unten übernimmt, von Ressourcen die sich systemimmanent oben konzentrieren. M.E. schon der Denkfehler überhaupt. Aber spätestens seit Corona dürfte doch wohl allen klar sein, dass ein starker Staat ein starkes Übel ist! Dessen Organe werden m.E. u.a. benutzt um den die Freiheitsrechte der Menschen zu beschneiden, und dies wie es scheint auf Dauer. Gefühlt, ohne es je ausprobiert zu haben, würde ich zur Zeit viel lieber in einem „reaktionären“ Staat der USA… Weiterlesen »

Last edited 13 Tage zuvor by Heldentasse
Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Heldentasse
29. April 2021 9:18

@Heldentasse Ein entscheidender Wesenskern der meisten Linken, bis auf die wahren Anarchisten, ist offensichtlich der, dass sie auf einen starken Staat hoffen, der die notwendige Umverteilung von oben nach unten übernimmt, von Ressourcen die sich systemimmanent oben konzentrieren. M.E. schon der Denkfehler überhaupt. Das hat schon dem Sozialismus das Genick gebrochen. Da, wo der Staat Alles dirigiert, ist Eigeninitiative nicht mehr gefragt und das kollektive Potential zu Innovation geht verloren. Man macht das Nötigste, aber eben nicht mehr, weil es eben keinen persönlichen Vorteil bringt. Parolen zur Solidarität bringen da nichts. Entscheidend ist die Mitbestimmung, das Bewußtsein, kein unbedeutendes, austauschbares… Weiterlesen »

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Robbespiere
29. April 2021 9:32

Moin Rob, ich denke das was Du schreibst, ist auf einer Ebene wichtig, aber Fakt ist m.E. Wir haben eine in Wirklichkeit eine instabile Gesellschaft inkl. instabilen Wirtschaft/ Finanzsystem, was auf die Dauer den Lebensraum zerstören muss, um nicht zu implodieren. Da hilft es auch nicht, wenn man an den diversen großen und kleinen Stellschrauben im System dreht.

Wir müssten uns anderes gesellschaftlich Organisieren, aber das gibt nichts mehr, der große Konjunktiv ist dagegen.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Heldentasse
29. April 2021 10:43

@Heldentasse Wir haben eine in Wirklichkeit eine instabile Gesellschaft inkl. instabilen Wirtschaft/ Finanzsystem, was auf die Dauer den Lebensraum zerstören muss, um nicht zu implodieren. Da hilft es auch nicht, wenn man an den diversen großen und kleinen Stellschrauben im System dreht.Wir müssten uns anderes gesellschaftlich Organisieren, aber das gibt nichts mehr, der große Konjunktiv ist dagegen. Vollkommen richtig, was du sagst. Der Kapitalismus ist genauso gescheitert wie der Sozialismus, es muss etwas gänzlich Neues her. Mit Leuten, die lediglich auf das Niveau von vor Corona zurückwollen, ist das aber nicht zu machen, so wenig wie mit einer Oberschicht und… Weiterlesen »

Mensch
Mensch
Reply to  Heldentasse
29. April 2021 9:28

@ Heldentasse: Der Reiz es selbst auf meine alten Tage in den USA zu versuchen, wächst von Tag zu Tag. Vor ein paar Jahren, gab’s die Gelegenheit, die dann doch nicht wahrgenommen wurde. Vielleicht lässt sich das ja nochmal aufleben?

Lieber verarmt, vielleicht schlechter versichert krank werden oder gar tot, als mich immer weiter von dieser massiver werdenden Unfreiheit regelrecht auffressen zu lassen. Ich kann immerhin auf mehr als fünf gute bis sehr gute Jahrzehnte zurückblicken. Mehr als es den meisten Menschen gegönnt ist. Das vorgekaute und massiv eingeschränkte ewige Leben reizt mich nicht im Geringsten.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Mensch
29. April 2021 9:42

Du sprichst mir aus der Seele! Das ewige Leben mit den Zeugen Coronas hängt mir auch vollkommen zum Halse heraus! Soviel kann ich bald gar nicht mehr saufen, um das noch auszuhalten.

aquadraht
aquadraht
Reply to  Heldentasse
29. April 2021 14:42

Naja, die Waren Anarchisten sind auch etwas in den Regalen angestaubt. Ich erinnere noch, wie in Kiew „anarchistische“ Bürgersöhnchen und -töchterlein den „Kommandanten des Maidan“ anbettelten, doch auch ne Hundertschaft bilden zu dürfen (sie durften nicht, die „Exponenten der Staatsmacht“ mit Molotowcocktails bewerfen fanden sie trotzdem geil. Nur mal als Anmerkung. Ich finde das mit dem „starken Staat“ doch sehr stereotyp. Dass Staat und Gesetze repressiv sein können und meist sind, geschenkt. Aber ich erinnere an Lacordaire: „Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.“ Das passt nicht ins Regal der… Weiterlesen »

Last edited 13 Tage zuvor by aquadraht
Robbespiere
Robbespiere
Reply to  aquadraht
29. April 2021 15:05

@aquadraht Ich finde das mit dem „starken Staat“ doch sehr stereotyp. Dass Staat und Gesetze repressiv sein können und meist sind, geschenkt. Aber ich erinnere an Lacordaire: „Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit.“ Das passt nicht ins Regal der Anarchistenware, aber so ist das nunmal mit oben und unten. Den Satz von Lacordaire kann man so pauschal nicht stehen lassen. Je geringer die Zahl der Repräsentanten der Staatmacht, bei gleichzeitigem Ausschluss des Souveräns am Entscheidungsprozeß und einer Gewaltenteilung, die nur auf dem Papier existiert, ist dem starken Staat die… Weiterlesen »

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  aquadraht
29. April 2021 18:20

Der mit den Gag „Waren Anarchisten“, aufgrund meines Schreibfehlers ist gut! 🙂 Ansonsten braucht nach der Meinung der „wahren“ Anarchisten die Gesellschaft keinen Staat, zumindest keinen großen zentralen Staat. In wie weit das praktikabel ist kann ich nicht beurteilen, klar ist, dass so etwas nicht gewollt ist. Und sie die Völker schon Jahrhunderte davon überzeugen wollen, dass nur ein starker Staat was gutes ist. Ich denke, dass sie es aber nicht aus humanistischen Gründen so vermitteln. Im übrigen finde ich es schlimm, dass wir noch nicht einmal im Stande sind, über was anderes als TINA nachzudenken, aber die Möglichkeiten sind… Weiterlesen »

aquadraht
aquadraht
Reply to  Heldentasse
30. April 2021 13:16

Naja der Gag war etwas vom Typ sorry couldn’t resist 😉 aber ok. Aber bei den „wahren“, egal ob Anarchisten, Sozialisten, Christen, Demokraten oder schiessmichtot kommt es mir immer etwas hoch. Es ist von der Art der faulen Ausrede, den „wahren Sozialismus“ habe es nie gegeben, oder auch den „wahren Kapitalismus“, da immer der böse Staat zwischenpfusche. Das ist die Flucht ins Wolkenkuckucksheim, wenn die Argumente ausgehen. Ich kaufe zum Beispiel das Narrativ vom „gescheiterten Sozialismus/Kommunismus“ nicht. Zum Sozialismus gehören auch die Fehler und Verbrechen, die Hungersnöte, Morde und wirtschaftliche Missgriffe und Versagen, aber eben auch die Industrialisierung, der Sieg… Weiterlesen »

Last edited 12 Tage zuvor by aquadraht
Carola
Carola
Reply to  Heldentasse
29. April 2021 15:35

Also ich glaube ja auch dass jede grössere Ansammlung eine ‚Vertretung‘ braucht! Ohne das Prinzip ‚Delegieren‘ (der eine macht x, weil ers besser kann, der andere macht y weil ich keine Zeit dafür habe…) Ich hätte nur gern einen matriachal aufgestellten Staat! D.h. ein starker Staat im ‚Clinch‘ mit den Starken, der gleichzeitig die ‚vulnerablen‘ schützt und jene ‚von gleich zu gleich‘ unterstützt die Teil der Gemeinschaft sind! Wir haben seit eh und je einen patriachal-autoritären Staat: der sagt Sonntags wies gehen soll und der Pöbel/Kind und Kegel müssen zusehen wie sies irgendwie hin bekommen! Der GG Artikel: (2) Pflege… Weiterlesen »

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Carola
29. April 2021 18:08

Ich glaube egal wie wir uns organisieren, es kommt nie etwas gescheites heraus, wenn die geistige Haltung der Mehrheit so ist, dass sie mit der Organisation nichts anfangen kann.

Ich glaube das das die Mehrheit der Teutschen im eigentlichen Sinne mehrheitlich keine Demokraten sind, sondern Untertanen, die sich halt in eine gar nicht mal so schlecht angedachte Demokratie gefügt haben. Jetzt fügen sie sich halt, wie es scheint, in das was danach kommt, m.E. die Corona-Diktatur.

Das macht mich hoffnungslos. 🙁

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Heldentasse
29. April 2021 19:09

@Heldentasse Ich glaube egal wie wir uns organisieren, es kommt nie etwas gescheites heraus, wenn die geistige Haltung der Mehrheit so ist, dass sie mit der Organisation nichts anfangen kann. Das ist bedauerlicherweise so, aber wannhatten wir Deutschen denn je die entsprechenden Rahmenbedingungen, ein politisches Bewußtsein zu entwickeln und andere Formen der Organisation zu erproben? Nicht nach 1848, nicht nach 1918 und auch nicht nach 1945, wo die Besatzungsmächte die Richtung vorgaben. Diepolitische Willensbildung ist Sache der Parteien und die waren nach 45 eine wahre Wiederaufbereitungs-Anlage für Altnazis. Dazu noch Berufsverbote z.B. für Lehrer, die sozialistisch geprägt waren und ein… Weiterlesen »

Carola
Carola
Reply to  Heldentasse
30. April 2021 23:38

Also mich nervt immer das ‚deutsche‘ sind….. Und oft -auch besonders benutzt von Kritischen- gegen unten….. Es wirkt für mich als wenn der ‚Sager‘ sich damit vom Fußvolk abheben will!
Ich glaube, dass viele Menschen ‚von unten‘ ohnmächtig sind…… Nicht mehr wissen wie und was….. Denn seien wir doch mal ehrlich:
100 000€ über den Tisch schieben bewirkt mehr als 1000x mit1000 auf der Straße randalieren oder 1000x Kreuzen……
Mir ist auf jedenfalls die Idee der Aktion ausgegangen…..
Und dann, so meine Erfahrung, ist nicht Wissen entlastender!
Wissen, Informieren, erfahren und nix tun können ist NeuzeitGewalt!

Brian
Brian
Reply to  Carola
29. April 2021 18:24

Ein ‚matriarchal‘ aufgestellter Staat im Sinne eines grundsätzlich sich auf Augenhöhe befindenden und respektvoll handelnden (und nicht, wie es gerne
mißverstanden wird, eine ‚Herrschaft der Frauen‘) fände ich auch sehr erstrebenswert (ich kann da in dem Zusammenhang nach wie vor das Buch „Tiefenökologie“ von E. Loibl empfehlen). Aber – da hat Heldentasse schon recht – solange die Menschen dafür nicht das entsprechende Bewußtsein entwickeln bzw. danach handeln sind das Perlen vor die Säue…

Carola
Carola
Reply to  Brian
30. April 2021 23:49

Da bin ich mir einfach nicht sicher….. Fakt ist: der patriarchale Staat funktioniert top down (der matriachale Staat würde von unten organisiert) und oben wollen nie dass sich unten ‚zusammenrotten‘ und leider funktioniert das hervorragend……
Schuld ist da massiv die institutionell gut versorgte Mittelschicht (die tritt nach unten und schleimt nach oben und nutzt den Gewaltapparat)

(Für mich spiegeln die Brüggemann Videos genau diese lifestyle, urban-linke loftbewohner….. Deswegen sind die auch m.E so erbost….. Niemals haben und hätten die sich aufgeregt, wenn die Hempels so dargestellt worden wären!)

Mensch
Mensch
29. April 2021 8:53
Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Mensch
29. April 2021 9:00
Brian
Brian
Reply to  Mensch
29. April 2021 14:36

Ziemlich treffender Artikel. Empfinde ich in vielen Bereichen leider ähnlich.
„Manche Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen“ (The dark knight)

Carola
Carola
29. April 2021 15:21

Schon damals fand ich die Umbenennung der PDS in ‚die Linke‘ falsch, denn: Mit rotgrünlinke (schröderfischergewerkschaften) sind diese nach rechts gerutscht…. Und das Linke in unserer Welt (In einer sozialdemokratischen Welt Lebenselixier!!) wurde immer homöopathisch dünner….. LinkeDarsteller sind nur noch Fassade, linksrechte (links blinken und rechts abfahren) und anklebend an diesem Ort, weil ja rechts wegen Überfüllung geschlossen ist. Und sie sind faul, feige und GutUnmenschen. Was die sich in den letzten Jahren für Rechts-Geschnattere leisten geht unter keine Kuhhaut! Was mich daran besonders nervt: die sind -auch historisch gesehen- sooo blöd, dass sie nicht merken, dass sie die Trampelpfade… Weiterlesen »

Spartacus
Spartacus
Reply to  Carola
30. April 2021 17:51

Durchgehende Desillusionierung vom Artikel bis zum letzten Kommentar.
Entspricht leider auch meinem Geisteszustand.
Der wird noch dadurch verschärft, daß ich zur Zeit zum Frühstück Adorno lese.
Da könnte man sich schon fragen (wenn man es nicht sowieso wüßte), wieso der vor 70 Jahren schon erklärt hat, wie unsere Gesellschaft heute funktioniert.

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