Vertrauen ist gut, Whistleblowing ist besser

Der Whistleblower ist kein verschlagener Typ, kein linkischer Verräter. Man muss ihn natürlich auch nicht als Helden betrachten. Er ist ganz schlicht eine Kontrollinstanz. Daher wäre es so wichtig, Whistleblowing gesetzlich zu schützen.

Nie wieder! Ich finde, diese Forderung, die wir beim Gedenken an den Nationalsozialismus im Munde führen, muss unbedingt auf heutige Missstände angewandt werden. Zum Beispiel beim internationalen Umgang mit Whistleblowern, also aktuell mit Julian Assange, um mal den prominentesten Namen zu nennen. Ach so, bevor jetzt wieder jemand was falsch versteht: Nein, die Haftbedingungen Assanges sind nicht gleichzusetzen mit den Verbrechen der Faschisten. Insofern ist das hier weder ein Vergleich noch eine Banalisierung.

Eigentlich will ich aber auf was ganz anderes hinaus, mal ganz unabhängig vom Fall Assange: Whistleblowing ist nämlich ohnehin kein klassisches Verbrechen. Für viele Hinweisgeber stellt sich dieser Prozess als Gewissensfrage. Oder ihr Gerechtigkeitssinn wähnt sich verletzt. Ganz sicher spielt hin und wieder auch bei manchem ein verletztes Ego mit hinein, Ärger mit dem Vorgesetzten zum Beispiel.

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pen
pen
27. Februar 2020 9:38

Guter Artikel, sehr aktuell. Derzeit sitzt julian Assange in einem kugelsicheren Glaskäfig in einem Londoner Gericht, wo seine Auslieferung an die US verhandelt wird. Sein Verbrechen: Er hat auf Wikileaks Videos amerikanischer Kriegsverbrechen veröffentlicht, womit er angeblich die Sicherheit der US gefährdet hat. Wenn er nicht gerade im Gericht sitzt, wird er von den feinen Engländern gefoltert. Merkel und ihr erbärmliches Dreckspack haben laut Regierungssprecher Seibert „keine Kenntnis“.

https://www.republik.ch/2020/01/31/nils-melzer-spricht-ueber-wikileaks-gruender-julian-assange

https://consortiumnews.com/2020/02/25/assange-extradition-should-journalists-be-punished-for-exposing-war-crimes/

Molle Kühl
Molle Kühl
27. Februar 2020 9:56

Wieder so ein aus Recherchefaulheit hingerotzter Text, dessen Essenz bereits aus vielen anderen Publikationen bekannt ist.Denn dazu gehören auch die Aspekte „Verdachtskündigungen“, die repressionsfreie Meldung von Straftaten im Betrieb, die Weigerung, strafbare Handlungen auszuführen und das „Remonstrationsrecht“ im öffentl. Dienst. Na ja, hauptsache mal wieder etwas Pseudokluges abgesondert. Erkenntnisgewinn Null, da nichts Neues.

Molle Kühl
Molle Kühl
Reply to  Roberto De Lapuente
27. Februar 2020 12:47

Informantenschutz der Medien gehört auch dazu. Haste wohl vergessen Du Schurnalist. Für solche Elaborate gibts hier auch noch Applaus.

Heldentasse
Heldentasse
27. Februar 2020 10:25

Das beschriebene Problem liegt m.E. viel tiefer, nämlich in unserem Verständnis von „Gesellschaft“! Tatbestände die geächtet und verfolgt werden müssten, unterliegen oft einem Vorbehalt z.B. abgeleitet aus dem Arbeitsrecht. Hier wird das gut erläutert, und auch exemplarisch die Folgen für einen mutigen Busfahrer geschildert, der seinen Arbeitgeber angezeigt hat. Auch gibt es ja den Fall von Herrn Porwoll, der wohl viele Menschenleben gerettet hat, aber trotzdem nur Nachteile dadurch hatte. Mein Fazit in erster Näherung: Whistleblower sind wohl eher so etwas wie moralische Feigenblätter, in einer grundsätzlich verkommenen Gesellschaft, es sei denn sie decken was beim pösen Russen auf, dann… Weiterlesen »

pen
pen
Reply to  Heldentasse
27. Februar 2020 18:18

Danke für die Links. Das Nachtcafé kannt ich gar nicht, weil ich kein TV habe. Sehr gute Sendung mit einem erschütternden Fall.

Den Wistleblowern ist es bitterernst, und oft geht es bei denen um die Existenz. Daß unsere Gesellschaft das weder interessiert noch honoriert, ist klar. Die will ihre Ruhe haben, und würde wohl auch gut ohne diese „Feigenblätter“ auskommen.

Aber es gibt es immer noch genug Aufrechte, die zum Glück von sehr vielen Menschen respektiert und bewundert werden, wenn es ihnen gelingt, ihr Anliegen öffentlich zu machen. Die Kommentare unter der Sendung sagen viel darüber aus.

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