Verbraucherschutz ist wurscht!

Nachdem drei Menschen aufgrund des Verzehrs von keimbelasteten Wurstwaren verstorben sind, war für viele klar, dass der Verbraucherschutz und die Lebensmittelkontrolleure versagt haben – eben auch, weil der Wurstproduzent schon einschlägig bekannt war. Ein Versagen war das allerdings nicht. Das hat vielmehr System.

Einbruch in unser Fleischwurstparadies, Schweinerei im Salamiidyll: Da waren Keime in Wurstwaren. Drei Menschen hat das schon das Leben gekostet. Dabei war der betroffene Betrieb, Wilke mit Namen, schon einschlägig bekannt. Es gab bereits vormals Vorfälle. Die Lebensmittelkontrolle hat verpennt, auf ganzer Linie versagt. Sie hat lax gehandelt und den Betrieb einfach weitermachen lassen. Schweinebande!

Auch für den Metzgermeister Franz-Josef Voll, selbst mal Lebensmittelkontrolleur, ist der Verbraucherschutz in Deutschland Teil einer Schweinebande. So nannte er dann auch sein Buch über die gesamte Fleischindustrie: »Schweinebande! Der Fleischreport – Ein Metzgermeister über die Praktiken seiner Zunft« – ein praxisnahes, recht unterhaltsam geschriebenes Werk von einem, der weiß, wovon er spricht. Den Lebensmittelkontrolleuren stellt er kein gutes Zeugnis aus. Aber sie sind für ihn nicht die Wurzel des Problems, denn ihre oberflächliche Arbeitsweise ist systemisch gewollt.

Buchhalter, die auf Steckdosen starren

Irgendwann wechselte Metzger Voll die Seiten, er kannte ja alle Tricks seiner Zunft. Wie man mit Wasser Gewicht schindet oder Blut zur farblichen Auffrischung benutzt zum Beispiel. Er täuschte sich aber, sein Know-How war nicht von Interesse. Die Ausbildung zum Lebensmittelkontrolleur beinhaltete dieses Thema nicht; überhaupt wurde recht wenig fachliche Kompetenzen aus der Lebensmittelbranche vermittelt. Sie wurden noch nicht mal vorausgesetzt. Voll war einer der wenigen seiner Ausbildungsgruppe, die vom Fach kamen. Ansonsten wurden allerlei Leute Mitarbeiter in der Lebensmittelkontrolle – selbst ehemalige Buchhalter.

Verbraucherschutz setzt in Deutschland also keine Fachlichkeit voraus. Als Lebensmittelkontrolleur ist man viel mehr damit beschäftigt, die Fliesenkacheln oder die Anordnung der Steckdosen des Schlachtbetriebes zu prüfen. Es geht weitestgehend darum, ob die Schlachträume die vorgegebenen Standards erfüllen und die Einrichtung intakt ist.

Damit sind kleine Schlachter schon aus dem Geschäft, sie können sich die teuren Vorgaben gar nicht leisten. Die industrielle Hygienestandardisierung wurde der Politik über Jahre von den Lebensmittelkonzernen ins Ohr gesäuselt: So hielt man sich qualitativ hochwertig arbeitende Konkurrenz von Leib – und schuf sich nebenbei einen geschützten Markt für schlecht produzierte Waren.

Außerdem agieren die Lebensmittelbehörden in Deutschland streng regional. Überregional oder gar global wirkende Produzenten sind so fein raus, denn schon an der Stadtgrenze endet die Verantwortlichkeit. Dieser Umstand, so erzählt Voll aus der Praxis, schweiße Regionalpolitik und Unternehmen zusammen. Fehlende überregionale Kontrolle ohne Beziehungsgeflechte, lasse eine kriminelle Willkür entstehen. Franz-Josef Voll hat immer wieder erlebt, wie er oder ein Kollege zurückgepfiffen wurde, obgleich die betrieblichen Zustände ein Eingreifen notwendig machten. Aber man kannte sich, stellte regionale Arbeitsplätze – also hielt man lieber still.

So tun als ob: Verbraucherschutz als Feigenblatt für eine Politik, die sich ergeben hat

Notwendig wäre eigentlich eine Superbehörde, die bundesweit agiert – eine Bundeslebensmittelkontrolle quasi, die sich kontinental oder vielleicht sogar global vernetzt und so als Global Player wirkende Schweinebanden besser überwachen kann. Nur so kann man gegen Konzerne anstinken, die nicht mehr bloß in einer Region, sondern auf der ganzen Welt heimisch sind. Davon hat man aber freilich bislang nichts von einem Ernährungsminister gehört. Denn das wäre ein handlungsfähiger, ein wirkungsvoller Verbraucherschutz.

Und den darf es nicht geben. Der kostet nämlich was. Einsatz, Geld und das gute Miteinander von Lebensmittelkonzernen und politischen Entscheidern. Gerade der letzte Punkt ist ein Hemmnis, was man immer dann sieht, wenn wieder mal ministeriell die freiwilligen Selbstkontrollen der Branche gelobt werden.

Es kommt offenbar darauf an, nur den Popanz ordentlicher Kontrollen aufrechtzuerhalten. Wir haben es mit Suggestion zu tun, wonach alle im größten Verantwortungsgefühl für das Wohl der Konsumenten einstehen. Es braucht nicht mal mehr verbindliche Vorgaben und Gesetze, denn die sind ja für uneinsichtige Schwerenöter, nicht aber für eine Industrie, die die Gesundheit ihrer Verbraucher als oberste Richtlinie zur Schau stellt. Das bisschen Reglement das man sich lax und liberal bewahrt hat, können zu wenige, zu schlecht ausgebildete, zu machtlose Kontrolleure abwickeln.

Nein, im Falle von Wilke haben die Behörden nicht klassisch versagt. Diese Einschätzung ist Realitätsverweigerung. Genau so ist nämlich die Kontrolle der Lebensmittelhersteller gewollt. Als schmächtige Behördenfarce nämlich, bei der Personalmangel und unzureichende fachliche Kompetenz Hand in Hand gehen, um eines sicherzustellen: Die ungestörte Produktion schlechter, oft minderwertiger Ware. Damit auch morgen das Päckchen geschnittene Fleischwurst noch 79 Cent kostet – bei einem Materialwert von vielleicht 15 Cent, versteht sich. Behördliche Wirkungslosigkeit ist kein Versagen: Es ist das System, das Geschäftsmodell, das dahinter steht.

Diesen Beitrag ausdrucken

Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

31 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
niki
niki
2 Jahre zuvor

Dass sind die Nebenwirkungen unseres Ellenbogensystems, welches Lug und Betrug und Marktversagen fördert.
Gerade die Fleischindustrie (aber nicht nur diese) ist ja dafür bekannt immer wieder Skandale zu produzieren.
Auch einer der Gründe warum ich Fleisch- und Wurstprodukte schon lange nicht mehr konsumiere!
Seitdem ich das mehr tue tue, sind einige gesundheitlichen Probleme schlicht gesagt Geschichte.

Aber nicht nur in dem Bereich wäre ein Umdenken notwendig… (Markt-)Versagen im gesamten System.

Rudi
Rudi
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

niki

Auch einer der Gründe warum ich Fleisch- und Wurstprodukte schon lange nicht mehr konsumiere!

Bedenke: Das Westfalenblatt schreibt, dass vom Rückruf der Wilke-Erzeugnisse auch Produkte für Vegetarier und Veganer betroffen seien.

Pen
Pen
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

,

Auch einer der Gründe warum ich Fleisch- und Wurstprodukte schon lange nicht mehr konsumiere!

„Auch vegane und vegetarische Produkte sind betroffen“, danke Rudi.

Das Beste ist, völlig auf industriell hergestellte Nahrung zu verzichten. Auch das ist möglich. Das ist erstmal gewöhnungsbedürftig, weil mehr Arbeit. Aber letztlich kochen Karttofeln, Nudeln, Reis und Hirse sich von alleine. In der Zeit kann man das Gemüse zubereiten. Regionales wie früher auch, Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln. Da gibt es leckere Kombinationen. Volkornprodukte, getrocknete Datteln, Feigen und Aprikosen. Da braucht man nicht mal Industriezucker. Nüsse und Kerne. Fertig.

Käse, Quark etc. und auch Tiefkühlgemüse in Bioqualität sind wohl einigermaßen sicher. Schwermetalle sind halt überall drin und unvermeidbar. :- ))

Rudi
Rudi
2 Jahre zuvor

Wie stiefväterlich mit den Rechten der Verbraucherinnen von unseren Gesetzgeberinnen umgegangen wird, erkennt man an den Marken und Handelsmarken, unter denen der Großproduzent auf dem Markt präsent war. Welche Konsumentin kann schon wissen, dass etwa hinter dem Namen „Haus am Eichfeld“, „CASA Westfalia“, „Sander Gourmet“ oder „Rohloff Manufaktur“ nur eine Firma steckt. Suggeriert wird stets Verbraucherinnen-Nähe, also Regionalität und Handwerk. Warum die Politik da keinen roten Strich durchzieht, dürfte klar sein: die Größen der Branche genießen Welpenschutz.

Ramon
Ramon
Reply to  Rudi
2 Jahre zuvor

Politik und Unternehmen alleine böse?

Rudi
Rudi
Reply to  Ramon
2 Jahre zuvor

@Ramon
Das hat mit „böse“ nix zu tun. Es geht um die Interessenlage. Und da können manche gesellschaftliche Gruppen sich besser durchsetzen als andere. Das ist deutlich häufiger die Kapitalseite. Beispiel: Kapitalertragssteuer 25%, Lohnsteuer bis 42%. Der Vermögensbesitzer, der u.U. auf Malle rumhängt, wird steuerlich geringer belastet als jemand, der täglich seine Arbeitskraft verkauft.

Ramon
Ramon
Reply to  Rudi
2 Jahre zuvor

Diese Scheisse ist leider wahr, das Volk wählt oft gegen seine Interessen

Ramon
Ramon
Reply to  Ramon
2 Jahre zuvor

Nachtrag, Rudi, Ärmere gehen meist weniger wählen, Ihnen hört aber auch oftmals keiner zu. Reiche, Beamte, Politiker, Erben usw. hört man zu, bzw. sie sitzen bereits an den Schalhebeln der Macht, leider mehr als wahr! Verweigern wir uns Reichen, den meisten Politikern und ihrem Staatsgefolge, dann haben wir vielleicht eine Chance auf eine besser Welt, mal sehen!Ich mag die Frdays for Future Kids, die wehren sich, bauen wir eine Bewegung für uns auf, Umwelt, Soziale Sicherung, Bürgerbeteiligung, Würde, Respekt. Liebe, fangen wir an!! Wie hörte ich gestern in einem Islandkrimi, „keine Macht den Konzernen, rettet unser Island“,passt iauch hier!Natürlich ist Politk, Staatsgefolge auch als Gegner zu betrachten!!Nur als Gegener, nicht als Feind!!

Musil
Musil
Reply to  Rudi
2 Jahre zuvor

„Welpenschutz“ klingt doch arg verharmlosend. Das geht schon eher Richtung Organisierte Kriminalität. Aber am Beispiel Tönnies sieht man, dass es die Leute nicht interessiert. Wenn dieser Ausbeuter seine feudal-kolonialistische Meinung nicht hinausposaunt hätte, wäre dieser Schweinepriester immer noch ein ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft.

Rudi
Rudi
Reply to  Musil
2 Jahre zuvor

Musil

„Welpenschutz“ klingt doch arg verharmlosend.

In deinen Ohren vielleicht. Der Duden nennt als Synonyme für „Welpenschutz“: Nachsicht, Rücksicht, Schonung. Das genau wollte ich ausdrücken. Ich denke, dass ich damit nicht falsch liege. Die Kapitalseite dieser und anderer angeblich demokratisch verfasster Republiken wird aufgrund der wirtschaftlichen Größe entsprechend behandelt, bzw. kann ihre Interessen besser durchsetzen.

Wenn, wie du schreibst, „es die Leute nicht interessiert“, dass das Kapital sich in die Macht hineinfrisst, könnte man darin ein Selbstverschulden sehen. Anders als du bin ich der Auffassung, dass Tönnies sich weiterhin als ehrenhaftes Mitglied dieser Gesellschaft sehen kann. Wenn dem nicht so wäre, hätte er andere Kompensationsmöglichkeiten, die mit seiner vorzüglichen pekuniären Lage zu tun haben.

Mordred
Mordred
2 Jahre zuvor

Das von Dir geschilderte Prinzip herrscht in vielen Branchen vor. Man baue Regulierungen so, dass Großkonzerne die leicht erfüllen können und die KMU in die Röhre schauen.

Pen
Pen
2 Jahre zuvor

Notwendig wäre eigentlich eine Superbehörde, die bundesweit agiert – eine Bundeslebensmittelkontrolle quasi, die sich kontinental oder vielleicht sogar global vernetzt und so als Global Player wirkende Schweinebanden besser überwachen kann.

Wie um alles in der Welt sollen die das denn auf die Reihe kriegen? Zumal es die Politiker überhaupt nicht interessert. Die leben alle in feinen Gegenden, wo es noch kleine, zuverlässige Metzger mit bekannten, eigenen Zulieferern und eigener Produktion gibt. Für den gemeinen Bürger ist der letzte Dreck aus dem Supermarkt gut genug. Was anderes hat der nicht verdient. Egel, wo man man hinsieh, es stinkt gewaltig.

Guter Artikel, Roberto, Und danke für den Hinweis auf das Buch. Ich werde es bestimmt nicht lesen, aber soweit ich es mir leisten kann, verschenken oder jedenfalls Werbung dafür machen.

Ramon
Ramon
Reply to  Pen
2 Jahre zuvor

Ich glaube mehr ans Volk, Behörden sind nicht immer auf unserer Seite oder eher selten

Ramon
Ramon
Reply to  Ramon
2 Jahre zuvor

Nachtrag, wenn nicht einmal die an Wiederwahl interessierten Politiker Interesse aufbringen, warum deutsche oder internationale Behörden, es interessiert leider keine Sau, da liegt der Hase im Dreck?, Sorgen wir mit Druck dafür, dass sich einiges ändert!

Ramon
Ramon
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Niemand ist interessiert daran, dem normalen Bürger seine Würde zu lassen, Er muss sich organisieren und für seine Rechte kämpfen, dies dürfte klar sein.

Ramon
Ramon
Reply to  Roberto J. De Lapuente
2 Jahre zuvor

Du kannst gerne alles Behörden überlassen, mal sehen, ob man dann nicht verlassen ist!

Ramon
Ramon
Reply to  Ramon
2 Jahre zuvor

Wer soll den Kampf gegen Altersarmut führen, Eure Behörden und deren Mitarbeiter wohl eher nicht! Dann könnte man auch auf die BMW-Susanne warten, was ähnlich ergiebig wäre?

niki
niki
Reply to  Ramon
2 Jahre zuvor

@Ramon:
Man muss der Susanne und Konsorten ein Angebot machen was sie nicht ablehnen können…
Anders geht es kaum!

Ramon
Ramon
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Niki
Staat und Superreichen auf die Füße treten
Geht nur so

Nashörnchen
Nashörnchen
2 Jahre zuvor

Übrigens: Die rund 4000 Erkrankungen und 53 Toten (allein in Deutschland) anno 2011 gingen auf so voll total ökologische, voll total vegane Bockshornkleesprossen aus einem so voll total unindustriellen kleinen Biogartenbaubetrieb zurück, der die Samen bei einem ägyptischen Global Player eingekauft hatte.
An der katastrophalen Überwachung ändert das freilich gar nix. Ich sag’s ja nur…

niki
niki
Reply to  Nashörnchen
2 Jahre zuvor

Na ganz vegan war es wohl kaum, denn der EHEC-Erreger stammt aus dem Darm von Rindern….

Das nur nebenbei…

Pen
Pen
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Fragt sich, wie die EHEC- Erreger in die Bockshornsamen gelangt sind.

Nashörnchen
Nashörnchen
Reply to  niki
2 Jahre zuvor

Nun ja, ich bin jetzt auch bloß so’n alter weißer Hobbygärtner, kein Biologe, aber wenn ich mich recht erinnere, kam DER spezielle Erreger damals eben grade nicht von Rindern. Wär auch völlig wurscht gewesen, weil die Sprossen wohl aus Hydrokulturen stammten, die sowieso weder Gülle noch den guten chemisch-veganen Monsanto-Dünger gesehen haben. Bleiben wohl nur dreckige Pfoten beim Biobauern oder Insekten, die das Zeug sexistisch bestäuben wollten. So GANZ vegan geht es halt tatsächlich nicht…

Pen
Pen
Reply to  Nashörnchen
2 Jahre zuvor

Bleiben wohl nur dreckige Pfoten beim Biobauern.

Hab ich auch gedacht. Da hatte sich wohl jemand die Hände nicht gewaschen und ein paar Fäkalbakterien eingeschleust. Sprossen gedeihen in feuchter Wärme, Bakterien leidet auch.

Durch das Streicheln kotverschmierter Tiere ( Wiederkäuer wie Rinder, Schafe, Ziegen, Rehe und Hirsche) kann das Bakterium Escherichia coli in den menschlichen Darmtrakt gelangen. Da Tiere nun mal in die Landschaft kacken, und das Bakterium extrem haltbar ist, kann schon ein Aufenthalt auf Wiesen, wo Rinder gehalten werden, zu einer Übertragung führen.

Rudi
Rudi
Reply to  Nashörnchen
2 Jahre zuvor

@ Nashörnchen
Deine Behauptung, der Bockshornklee sei schuld, ist wohl falsch. Der Spiegel schreibt ein Jahr danach sich auf Foodwatch berufend folgendes:

Die Verbraucherorganisation Foodwatch, die sich während des Ehec-Ausbruchs mit Bewertungen zurückhielt, recherchierte nach dem offiziellen Ende der Epidemie weiter. Im Mai 2012 legte sie den kaum beachteten Bericht „Im Bockshorn“ vor, in dem die Rechercheure auf die vielen Ungereimtheiten in der offiziellen Version von Ablauf und Aufklärung der Ehec-Krise hinwiesen. So ist den Behörden der Nachweis von Ehec weder in den ägyptischen Samen gelungen, noch konnten sie den Keim in dem niedersächsischen Betrieb finden. Keine der Thesen über den Ursprung des Ehec-Ausbruchs konnten sie beweisen.

Nashörnchen
Nashörnchen
Reply to  Rudi
2 Jahre zuvor

Ja, möglich, ich weiß. Nun könnte man lange diskutieren, wie seriös Foodwatch ist und „bewiesen“ haben die am Ende ja auch genau nicht mehr als die offiziellen Behörden. Nichts. Gar nichts. Beide nicht.

Mir ging es auch um ganz was anderes: Wenn ein Großbetrieb mit abertausenden Tonnen Verkauf p.a. drei Tote verursacht, ist das natürlich furchtbar und nicht hinzunehmen. Keine Frage. Aber man sollte doch bitte nicht so tun, als wäre ein kleiner Ramschladen (oder meinetwegen auch 2 oder 5 oder 10) mit allenfalls ein paar Zentnern jetzt die Rettung der Welt. Die haben fast 20x so viele Leute auf dem Gewissen und ich unterstelle mal, daß das – bei den einen wie den anderen – kein Geschäftsmodell ist, sondern schlicht Dummheit und Schlamperei. Da reicht ein einziger Mitarbeiter.

Von einem bin ich jedenfalls fest überzeugt: Wenn in solchen Betrieben auch nur ansatzweise die „Gefahr“ bestünde, daß da urplötzlich – ohne wochenlange Vorankündigung und Großreinemachen – mal ein Lebensmittelkontrolleur in der Tür steht, würde es da anders aussehen. Egal ob tolles Bio oder böse Industrie…

Erhard Eppler verstorben
Erhard Eppler verstorben
2 Jahre zuvor

Erhard Eppler war der lebende Beweis für
das alter der Öko-, und Klimabewegung.
Er hat die zu erwartenden Probleme bereits in den 60ern thematisiert.

Nun ist Erhard Eppler tot.

Der Müller schreibt bestimmt noch einen schönen Nachruf auf seinen Genossen.

R.I.P.

und danke für deine Anregungen und Diskussionen mit Postwachstumsökonomen wie Niko Paech und anderen. Das hat uns in der Sache, zumindest etwas weitergebracht.

Molle Kühl
Molle Kühl
2 Jahre zuvor

Adorno schreibt sinngemäß in der Tieranalogie in Minima Moralia, Aphorismus 68: „Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt, es sind ja nur Tiere.“

Ohne Carnivorismus kein Gammelfleisch, keine Antibiotikaresistenz, keine Herzprobleme, keine Hepatitis E.

Thema erledigt.