Die SPD ist die beste Idee, die die SPD je hatte

Die Rest-Pe-De erlebt dieser Tage ihre Glaubwürdigkeitswochen. Denn wieder glaubwürdiger zu werden, darum dreht sich bei der sozialdemokratischen Pre-Election ja alles. Doch genau das Gegenteil läuft im Augenblick. Die SPD verfranst sich in egozentrischer Isolation und hat keine Zeit mehr für das, was sie vorher noch vermessen Politik nannte.

Ich erinnere mich an Zeiten, in denen die Reste der SPD wenigstens noch so taten, als ginge es ihnen auch um Politik und einen – wenigstens theoretisch beabsichtigten – Gestaltungsauftrag. Sie ersannen Vorschläge (leider oft schlecht durchdachte) und taten so, als seien sie eine Alternative zur Alternativlosigkeit. Bezeichnenderweise hielten sie es sogar noch so, als sie immer wieder mal zum Koalitionspartner der Alternativlosen wurden – womit dieses Vorgehen als Masche enttarnt war. Denn so richtig ernst konnte es den Sozialdemokraten nicht sein mit politischen Ansätzen. Es gibt einfach keine richtige Politik in der falschen. Das machte man ihr – zurecht – zum Vorwurf.

Das Rettungsscheitern der Rest-Pe-De

Dass man sie dann auch noch immer seltener wählte, ist ursächlich auf diese unglaubhafte Haltung zurückzuführen. Nachdem man die Nahles-Reißleine vor mehr als zwei Monaten zog, sollten wieder glaubwürdigere Tage anbrechen. Vertrauen sollte neu aufgebaut werden und die Rest-Pe-De sollte sich wieder auf Stärken und Herkunft konzentrieren. Seither geht es der Partei im Grunde nur noch um diese Ziele; sonst scheinen die Sozis keinen Auftrag mehr zu haben.

Seit dem 4. Juni 2019, seitdem Andrea Nahles den Vorsitz aufgegeben hat, vernimmt man wenig von der politischen Arbeit der SPD. Wenn sie medial Thema wird, geht es um das Casting zum Vorsitz, um Bewerber, die Chancen haben und solchen, die gar nicht erst antreten. Wenn Sozialdemokraten zu Wort kommen, besprechen sie das Prozedere zur Wahl, formulieren ihre Wünsche für den künftigen Vorsitz und bestärken sich selbst, indem sie die offene Neuwahl als eine Art Katharsis vorstellen. Aber politische Vorstellungen, Visionen oder Pläne – und seien es nur falsche, dumme oder bekiffte: Fehlanzeige!

Böse Zungen behaupten nun, dass das nicht so schlimm sei. Man verpasse schließlich nichts. Das mag wohl stimmen. Die SPD vergisst in der größten Rettungsphase ihrer Existenz aber, dass ihre notorische Selbstbeschäftigung nur ein Beitrag zum Scheitern einer wie auch immer gearteten Rettung sein kann.

Die SPD ist die beste Idee, die die SPD je hatte

Die Wählerinnen und Wähler sehen nämlich nur noch den Rumpf einer Partei, der vorher schon nicht bereit war, couragierte Politik zu gestalten und der jetzt völlig aufgegeben hat, überhaupt noch als Partei zu agieren. Die SPD fungiert in den letzten Wochen als reiner Selbstzweck. Sie kümmert sich nicht um politische Willensbildung, sondern bildet politischen Unwillen, indem sie sich ungeniert als egozentrische Selbsterhaltungspartei auslebt.

Die Grünen hatten in diesem Jahr ein ziemlich doofes Plakat zur Europawahl aufgestellt. Es lautete: Europa – Die beste Idee, die Europa je hatte. Leicht abgewandelt könnte man das für den Zustand der aktuellen SPD auch behaupten: Die SPD, ist die beste Idee, die die SPD je hatte. Die Partei, die sich rettet und neuformiert, wie vielleicht keine Partei jemals zuvor in der Bundesrepublik, merkt überhaupt nicht, dass die Art und Weise ihrer Rettung ins Gegenteil mündet. Sie führt sich auf, wie eine entbehrliche Gestalt, die ab und zu noch gegen die AfD schießt, um sich damit selbst zu erhöhen. Sonst aber trägt sie kaum mehr was bei zu den Debatten im Lande.

Ansonsten gibt es für sie nur die Wahl zum Vorsitzenden, die Pre-Election als Ausflucht in bessere Zeiten. Dass die in immer weitere Ferne rücken, merkt man bei soviel Selbstbeschäftigung offenbar gar nicht mehr. Vielleicht hätte man schnell jemanden zum Vorsitzenden machen sollen, um unmittelbar als politische Partei präsent bleiben zu können. Genau das ist die Rest-Pe-De aber nicht mehr. Sie wirkt wie einer dieser Kleingartenvereine, in denen ein Gerangel um den Posten des Vorstandes oder des Kassenwartes herrscht. Den wirklichen Grund des Vereins kennt aber keiner mehr so genau. Irgendwas mit Beeten. Oder doch mit Beten?

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ChrissieR
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ChrissieR

Guude !

Vielleicht passiert ja das gleiche wie mit maroden Ost- Immobilien….

Da kommt dann ein US- Hedgefonds als Investor, kauft die SPD für 1€ auf und macht daraus die “ Social Democrate Group“ oder so…
Das Personal wird durch Leiharbeiter ersetzt und die Produktion in diesem Falle nach USA outhesourced…

Wie? Das ist schon seit Schröder wirklich passiert???
Wusste ich garnicht…war ja nur so ne Idee…

Hab schlecht geträumt

Alloah

Christine

Anton
Gast
Anton

Die SPD wird gebraucht
Sie muss mehr eigene Ideen entwickeln
Leiharbeiter gerne beim privatisierten Busbetrieb

Nashörnchen
Gast
Nashörnchen

Tja. Und trotz alledem hocken sie fett und feist und üppig leistungslos vollversorgt in fast allen Regierungen dieses Landes, oft sogar als „stärkste Kraft“. Selbst dann noch, wenn sie es mit dem schlechtesten Wahlergebnis aller Zeiten grad noch so mit hängen und würgen über die 5%-Hürde schaffen. Dem Wähler scheint’s zu gefallen…

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

Schon mal was vom Straftatbestand Störung der Totenruhe gehört?

Das gilt auch für die gute alte Tante SPD, die eigentlich schon lange tot ist, und nun als Zombie ihr Unwesen treibt.

Politisch sehr viel wichtiger als diese Chelmerei, sind die nun zu Tage tretenden fatalen politischen Konsequenzen aus dem erstarken der AfD. Es werden nun offensichtlich große Regierungskoalitionen aus drei Parteien gebildete, und mich beschleichen dabei sehr ungute „Weimarer“ Gefühle.

Beste Grüße

Robbespiere
Gast
Robbespiere

@heldentasse Politisch sehr viel wichtiger als diese Chelmerei, sind die nun zu Tage tretenden fatalen politischen Konsequenzen aus dem erstarken der AfD. Es werden nun offensichtlich große Regierungskoalitionen aus drei Parteien gebildete, und mich beschleichen dabei sehr ungute „Weimarer“ Gefühle. Ja und zwar „Weimarer Gefühle im Endstadium“. Dass Union und AFD miteinander koalieren, gilt für mich als sicher. Zwischen Erz-Kapitalismus und Faschismus passt kein Blatt. Das einigende Element ist der Darvinismus. Für die Kapitalisten gibt es nur „Leistungsträger und Schmarotzer, für die Faschisten nur völkisches Edelblut und lebensunwertes Leben. Die Kapitalisten saugen die „Minderleister“ erst aus und lassen sie dann… Weiterlesen »

Anton
Gast
Anton

Die linke Seite hat natürlich keine Opfer auf dem Gewissen, herrlich
Manche Personen hier im Forum gehen nicht einmal wählen, aber Hauptsache stärkere Kräfte beschimpfen
Was für ein armseliges und schwaches Verhalten
Ich wähle die AFD nicht, hasse die aber auch nicht
Respekt für deren Erfolge, die hätten andere Mitbewerber auch gerne

R_Winter
Gast
R_Winter

Am 2.9.2019 erfolgte die Zustandsbeschreibung der sPD.

Kommt am 3.9.2019 die Zustandsbeschreibung der „Die Linke“?

Oder soll der Leser sPD mit „Die Linke“ und in wesentlichen Teilen Nahles mit Wagenknecht ersetzen?

Oder erlaubt Dein Vertrag mit dem ND keinen Artikel über „Die Linke“?

Juergen
Mitglied
Juergen

Natürlich kann ich es nicht beweisen aber ich behaupte trotzdem, dass der einzige Grund für die ausgedehnte Kanditatenshow ist, dass der letztendlich Auserkorene erst nach den Wahlen in Ostdeutschland auserkoren wird. Ansonsten wäre der neue Retter nämlich gleich wieder mit einer Reihe von Wahlniederlagen gestartet und damit als neuer Retter beschädigt.

Natürlich ist es auch ein Treppenwitz, dass die SPD überhaupt noch an einen neuen Retter glaubt. Aber dann – man glaubt da bei der SPD (und übrigens bei der Linken) ja auch, dass das Kopieren der Grünen irgendwie helfen würde.