Bavaria‘s Next Toptafel

Die bayerische Landwirtschaftsministerin will in einem Wettbewerb die beste Tafel Bayerns ausloben. Die Tafeln sind in der Gesellschaft verankert wie nie. Statt sie überflüssig zu machen, heißt es: Bavaria‘s Next Toptafel.

Im letzten Jahr feierte Die Tafel ein großes Jubiläum: 25 Jahre war es her, dass in Berlin die erste Filiale eröffnet wurde. Im Laufe eines Vierteljahrhunderts wuchs die Anzahl der Dependancen. Über 2.000 Läden und Ausgabestellen sollen es mittlerweile sein. Ganz offenbar gibt es im wahrsten Wortsinne unzählig viele, denn nicht mal die Website der Organisation selbst weiß eine exakte Zahl zu benennen. Man kann jedoch auch ohne genaues Zahlenmaterial folgern: Die Tafel wurde ein krachender Erfolg.

Nun ja, vielleicht nicht unbedingt die Organisation selbst, sondern eher die Verhältnisse, die von Wirtschaft, Politik und Wirtschaftspolitik geschaffen wurden, haben für eine erfolgreiche Etablierung und Expansion der Organisation gesorgt. Seitdem die Agenda 2010 für Armut per Gesetz sorgte, wuchs die Anzahl der städtischen Tafel-Betriebe: Im Jahr 2002 waren es noch 310 Städte und Gemeinden, die eine Tafel vorzuweisen hatten – mittlerweile sind es mehr als 940.

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Nashörnchen
Nashörnchen
15. Mai 2019 18:26

So gut und toll und unverzichtbar diese Tafeln inzwischen für verdammt viele, viele, viele Menschen sind, so furchtbar sind sie auch. Und so unfaßbar zynisch und dämlich eine solche Castingshow ist, ist sie doch immerhin konsequent: „Wir“ sperren ja auch Rentner in den Knast, weil sie ein paar Pfandflaschen aus dem Müll gezogen haben und bieten im Gegenzug Schwerstverbrechern aus aller Welt eine sorgenfreie vollfinanzierte neue Heimat. Oder wie ein ferngesteuerter Hosenanzug dereinst vortäuschte: DAS IST NICHT MEHR MEIN LAND. Doch, isses. NUR noch deins…

Rickki
Rickki
15. Mai 2019 20:30

Wie gesagt, es geht noch schlimmer: in Berlin wurde Tafelessen als Einkommen gewertet! Also vom erwartbaren Wohngeld ‚abgezogen! Unglaublich, aber wahr: fürs Tafelfrühstück wird ein ‚Zugewinn‘ von 54 Euro angesetzt!

Wir sollten niemals die Manie von biestigen Kleinkrämerigen Verwaltungen vergessen!
Waren es doch sie, die den Holocaust so effizient gestalteten!

Pen
Pen
Reply to  Rickki
15. Mai 2019 22:34

@Rickki

Wir sollten niemals die Manie von biestigen Kleinkrämerigen Verwaltungen vergessen!
Waren es doch sie, die den Holocaust so effizient gestalteten!

Volle Zustimmung! Ergänzend dazu:

https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2019/05/berliner-tafel-student-wohngeld-angerechnet.html (via nachdenkseiten)

Das ist wirklich unfaßbar! Es erinnert in der Tat an die tödliche Bürokratie, welche die Unmenschlichkeiten während des Dritten Reiches erst möglich machte.

Guter Artikel mit Topüberschrift.

Folkher Braun
Folkher Braun
Reply to  Pen
16. Mai 2019 1:01

Wo ist denn das Problem?- Das Kapital nimmt wieder seine Normalform an. Die „soziale Marktwirtschaft“ von Ludwig Erhardt war im Auftrag von SS- Führer Otto Ohlendorf bis Mitte der 40er Jahre entwickelt worden. Um dem Kapital über die Pleite mit der NSDAP zu helfen. Die SPD hat mit H4 das moderne „Arbeitshaus“ entwickelt. Das ist ja in Ordnung, denn sie verstehen sich ja aus Tradition als Büttel des Kapitals, Clement und Schröder insbesondere.

Kopfschüttel
Kopfschüttel
Reply to  Folkher Braun
16. Mai 2019 11:33

Da geb ich dir Recht! Bis zu Kohls Wende waren Kapital sozusagen ‚eingeklemmt‘ ….doch ab da konnte es sich „frei entfalten“ Der Clou: rotgrünlinks Versiffte, Frauenbewegte und die Väterbewegung waren dann die Steigbügelhalter! Das muss auch gesagt werden, denn sie ermöglichten mit ihrem sozialpädagogischen Geblubber, was CDU nicht hinbekommen hätte! Diese Gruppen sind so stolz auf Deutsche Vergangenheitsbewältigung, aber mit ihren eigene Verrat da haben sie Tomaten auf den Augen! Schon damals fragte ich mich erschüttert: wie kann man „privat ist besser als Staat“ so kritiklos durchgehen lassen und adaptieren! Wie können Frauen und insbesondere Väter den Abbau des Sozialen… Weiterlesen »

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Kopfschüttel
16. Mai 2019 20:56

@Kopfschüttel

Seitdem bezweifle ich Bildung als „aus der Unmündigkeit zu befreien“.

Der Schlüssel liegt m.M.n. in der politischen Bildung und die erreicht man nur, wenn man in einer echten Demokratie am Entscheidungsprozess beteiligt ist und Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen muss.
Reine Fachidioten, die nicht über den Tellerrand hinausblicken, bringen uns gesellschaftlich kaum weiter.

Pen
Pen
Reply to  Robbespiere
16. Mai 2019 23:19

OT, via RT

Putin hat gerade in Jekatarinenburg eine Volksabstimmung angeordnet, um weitere Demonstrationen und Unruhen zu vermeiden und auf demokratischem Weg zu einer Einigung zu kommen. Es geht um den Bau einer Kirche auf einer Grünanlage, ,welche die Demonstranten schützen wollen, so etwas wie der Gezipark.

Was soll man denn nun davon halten? 🙂

niki
niki
Reply to  Rickki
16. Mai 2019 11:15

Die Verantwortlichen sollte man Wegsperren und den Schlüssel wegwerfen….
So asozial kann man nicht sein!

Nashörnchen
Nashörnchen
Reply to  Rickki
22. Mai 2019 7:39

Manchmal isses dann eben doch nicht ganz so einfach:
Student kriegt das Wohngeld gekürzt, weil Tafelessen angerechnet wird – unter Holocaust geht’s nicht.
Ohne diese Anrechnung hätte er überhaupt kein Wohngeld gekriegt: https://is.gd/iozUoO
Diese kleinkrämerigen Verwaltungsnazis haben ihm also noch was Gutes getan, ihm 90,- € mehr gegeben, als ihm eigentlich zustanden.
Nur der Vollständigkeit halber…

Nashörnchen
Nashörnchen
Reply to  Roberto De Lapuente
22. Mai 2019 9:48

Eigentlich doch verständlich. Und doch kapieren es so viele nicht.

Schnörch
Schnörch
16. Mai 2019 15:48

Die Existenz der Tafeln nützt niemanden. Bei ihnen handelt es sich um kontraproduktive Einrichtungen, Sie schaden den Bedürftigen, da sie dem Staat als Alibi dienen, die Lage der Notleidenden nicht nicht bessern zu müssen. So makaber und gefühlskalt es klingt: ohne Tafeln ginge es vielleicht schon Vielen besser. Eine weitere Ungerechtigkeit: Tafeln gibt es nur in größeren Orten. In Randgebieten oder außerhalb von „Kreisstädten“ existieren meist keine Tafeln. Den Bus zur 10 km entfernten Tafel können sich Bedürftige gar nicht leisten.

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