Integriert euch: Steht bei der Tafel an!

Erst wenn alle Bedürftigen ein Plätzchen an den Tafeln finden, ist in Deutschland Gerechtigkeit eingezogen? Die Aufregung um die Essener Tafel entstammt mal wieder dem bürgerlichen Suppenküchen- und Charitylager.

Es ist ein Skandal! In Essen hat die Leitung der örtlichen Tafel e.V. beschlossen, ausländischen Bedürftigen nach SGB II keine Leistungen mehr zu gewähren. Sie brauchen sich gar nicht mehr in der Schlange anstellen – es gibt nichts! Das ist wahrlich ein Skandal! Deutsche Leistungsempfänger haben Vorrang. Sie dürfen Unterstützung in Form von Lebensmittel am Rande des Mindesthaltbarkeitsdatums erhoffen. Und das ist ebenfalls ein Skandal! Nicht nur diese Ungleichbehandlung ist eine Frechheit, sondern auch der Umstand, dass so etwa 1,5 Millionen Menschen im Lande die Tafeln und ihre Lebensmittel notwendig haben.

Aber die Tafeln: Dieses Projekt ist doch eine gute Sache, oder nicht? Da helfen Menschen Menschen. Da springt der Nächste ein, wo der Staat Hilfe versagt. Was bitte könnte daran verwerflich sein? Ganz einfach, die Privatisierung der Grundsicherung durch Naturalien manifestiert ein Problem ganz besonders: Er ersetzt gesetzliche Rechtsansprüche durch den Alles-kann-nichts-muss-Charitygedanken, biblisch gesprochen durch die Nächstenliebe, und weist den Weg in die Suppenküche, wo aus dem Menschen mit seinem unveräußerlichen Anspruch auf Würde ein Almosenempfänger wird. Ein Almosenempfänger, der überdies Lebensmittel in Empfang nehmen soll, die für seine Mitmenschen als Abfall gelten.

Ist das nicht ein bisschen grob, hier von Abfall zu sprechen? Aber die Sache ist doch die: Was Müll ist und was nicht, das ist ein gesellschaftliches Konzept. Die Frage der Verwertbarkeit von Materialien fällt insofern immer in die sozialwissenschaftliche Deutungshoheit. Für die Mehrzahl der Menschen in unserer Gesellschaft ist tierische Scheiße nutzlos und damit Abfall; andere düngen damit ihr Feld – und in anderen Weltregionen kachelt man damit seine Hütte. Hier isst man bestimmte Partien von Tieren nicht, dort gelten sie als besonders delikat. Was Abfall ist und was nicht, ist wie gesagt ein Konzept, basierend auf sozio-ökonomische, teils ökologische Entwürfe.

Nicht alle Menschen sehen dasselbe Erzeugnis als Abfall. Wir nennen es Abfall, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder sogar schon wenn nicht mehr viel fehlt, bis diese Grenze hinüber zum Abfall erreicht ist. Das ist gesellschaftlich durchaus anerkannt. Zwar hört man oft, dass ein Joghurt, der einige Tage darüber liegt, immer noch essbar sei – ordentlich in einem Supermarkt erwerben würde einen solchen Joghurt aber kaum jemand. Da nimmt man dann schon lieber das Produkt, das mit einem Stichtag bedruckt ist, der etwas ferner in der Zukunft liegt. Unser Konzept von Wertigkeit eines Artikels, das sich aus der allzeitigen Verfügbarkeit von Lebensmittel rekrutiert, macht etwas schon vorab zum Müll, noch bevor die offizielle Zeitgrenze überschritten ist. Und insofern kann man auch von Abfall sprechen, der bei den Tafeln verteilt wird.

Und nun also regt sich die halbe Republik auf, weil die Armen dieser Gesellschaft nicht gleichberechtigt beim Müllverwerten behandelt werden. Das sei der pure Skandal! Nicht etwa, dass man solche Projekte massenhaft benötigt, damit Menschen über den Monat kommen. Und das in einem der reichsten Länder der Welt! Das liberale Bürgertum möchte freilich schon Gleichberechtigung und Integration gesichert wissen; so weltoffen ist man letztlich ja durchaus. Beides aber bitte auf niedrigem Level, auf Grundlage der Verteilung von Produkten, die man unter den Empörten des Augenblicks ganz sicher nicht mehr konsumieren würde. Diese Überbleibsel ihrer eigenen konsumistischen Dekadenz möchten sie mindestens gleichberechtigt verteilt sehen. Charity kennt doch keine Vorurteile.

Die hegt man lieber gegen die ganze Unterschicht, ganz gleich woher einer kommt. Und weil man da durchaus Ressentiments gegen die Habenichtse kultiviert hat, möchte man eines bitte nicht politisch verwirklicht wissen: Existenzsichernde Regelsätze, höhere Abgaben und einen Sozialstaat, der seine Verantwortung nicht an Charityladies abtritt.

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Klaus Müller
Klaus Müller
4 Jahre zuvor

Sehe ich auch so.
Wie ich das verstanden habe gibt es für Altkunden keine Einschränkungen.
Wer neu dazukommt und keinen deutschen Pass hat wird abgewiesen.
Als Grund wurde das Verhalten von hauptsächlich jungen Männern mit Migrationshintergrund genannt.
Sie hätten es vielleicht anders formulieren sollen. Wir werden ab jetzt Rentner und alleinerziehende Mütter bevorzugen. Inhaltlich und von den Auswirkungen wäre es das selbe gewesen. Klingt nur besser und wäre noch peinlicher für unseren Staat, da so noch deutlicher gezeigt wurde, das es in unserem Land für die sozial Schwachen nur noch mit Rationierung reicht. Das war aber wohl nicht das Problem sondern das Verhalten welches deutlich einer Personengruppe zugeordnet werden konnte die man abschrecken wollte.
Weil man das einfach nicht mehr im Griff hatte und als Tafel kein Geld hat um Security zu bezahlen hatte man sich zu dieser Radikallösung durchgerungen.
Die selben Probleme gibt es bei Diskotheken wo türkische Türsteher wesentlich rabiater mit Störenden umgehen. Übrigens auch mit Deutschen die zicken und das zu Recht.
Was bei der Ganzen Diskussion nicht bedacht wird die das dort machen, machen das ehrenamtlich und wenn man denen zu stark auf die Pelle rückt hören die einfach aus.
Eventell ware das aber gar nicht so schlecht. Fällt dem neoliberalen Kartel über Nacht das selbstverursachte soziale Problem auf die Füsse, ändert sich vielleicht endlich mal was.
Wie schon im Artikel geschrieben, die eigentlchen Skandale sind das sich Leute dort anstellen müssen und das gute Lebensmittel per Definition zu Abfall werden.

Klaus Müller
Klaus Müller
Reply to  Klaus Müller
4 Jahre zuvor

https://www.welt.de/politik/deutschland/article174086327/Tafel-in-Marl-Aufnahmestopp-gilt-nicht-nur-fuer-Auslaender-Verwirrung-um-Beschluss.html
Die haben das genauso gemacht.
Erschreckend. Eventuell gibt es einfach nicht genug bezahlbares Essen für alle.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Klaus Müller
4 Jahre zuvor

@Klaus Müller

Erschreckend. Eventuell gibt es einfach nicht genug bezahlbares Essen für alle.

Eine Schande, für eines der reichsten Länder der Erde, und die Verursacher werden gemästet und laufen frei herum.
Dass ein ganzes Volk dagegen nicht rebelliert und sich statt dessen Massiv Geld für Bankenrettungen, Subventionen und Rüstung aus dem Kreuz leiern läßt, ist allerdings auch bezeichnend.
Die wachsende Zahl der Abgeschlagenen wird sich irgendwann herzlich für die entgegengebrachte Solidarität bedanken.

Balmung
Balmung
4 Jahre zuvor

McKinseys Junkfood – Ein Artikel von 2005

Für die Tafelentwicklung erleichtert das Wissen um die intensive Einflussnahme von McKinsey das Erkennen ihrer teilweise noch verborgenen Intention: dass sie genau auf den Turnaround zusteuert, den McKinsey immer wieder fordert, nämlich die massive Einschränkung des staatlichen Geldtransfers auf der Grundlage von Bürgerrechten. Statt Geld mit Bürgerrechtsanspruch gibt es großzügige private Spenden an die Bedürftigen auf Grundlage der Menschenrechte.

https://www.heise.de/tp/features/die-im-Dunkeln-sieht-man-nicht-3401940.html

PanzergrenadierBBC
PanzergrenadierBBC
4 Jahre zuvor

Die Berliner Tafel versorgt 50.000 Menschen, aber die Berliner Politiker müssen sich alle zu Essen äußern. Zum Großenteil äußern sich die Politiker dann auch noch total überheblich und weltfremd.
Frau Chebli hätte am besten nix gesagt, denn Sie ist seit über einem Jahr mit in der Regierung von Berlin, es müssen in Berlin aber immer noch 50.000 Menschen von der Tafel versorgt werden, das wäre der größer Skandal als die gespielte Empörung.
Leider sind auch die anderen Personen der Öffentlichkeit, die sich gemeldet haben, alles Personen die im Umfeld von Berlin den größten Teil ihrer Zeit verbringen. Barley, Lauterbach, Merkel, Hayali usw. sind alles Personen die arbeitsbedingt oder bewußt den größtenteil des Jahres in Berlin wohnen.
Leider ist es auch wie immer, das die Kritiker der Essener Tafel nicht auf Argumente eingehen. Auf den Punkt, dass zuletzt vermehrt junge Männer mit Migrationshintergrund ihre körperliche Überlegen gegenüber anderen Bedürftigten ausgenutzt haben, geht keiner der Kritiker ein. Es passt einfach nicht in das Bild der Kritiker. Dadurch dass man dies nicht sehen will ändert sich aber nichts. Dadurch das man solche Probleme unter den Tisch kehrt verschwinden sie nicht. Angebliche Videos die in anderen Tafeln einen Sturm von Menschen mit Migrationshintergrund zeigen habe ich nur sehr wenige gefunden, aber solche Vorfälle schüren natürlich die Gerüchte.
Bei meiner Suche habe ich ein interessantes Video auf Youtube gefunden:
Problem mit Anzahl an Leuten bei Tafeln in Bottrop und Essen
Dieses Video ist vom 10.08.2015 und kam in der Lokalzeit Ruhr. Bitte nicht von der reißerischen Überschrift des Videos erschrecken lassen, das Video ist ein neutraler Bericht. Schon damals hatten die Tafeln Essen und Bottrop einen Ansturm an Leuten zu versorgen. Das waren soviele Leute, dass teilweise die Menschen nur noch einmal die Woche anstatt zweimal die Woche kommen durften, weil die Tafeln das sonst nicht handhaben konnten. Vor zweieinhalb Jahren hat kein Hahn danach gekräht, keiner hat geholfen und die Mitarbeiter der Tafel haben alles Menschenmögliche gegeben um trotzdem die Menschen zu versorgen. Das irgendwann die Grenze ereicht ist sollte jedem klar sein.

Wie hier schon geschrieben verdeckt der Aufschrei der Politiker den größten Skandal, den dass Tafeln in Deutschland für viele Menschen notwendig sind. Dies ist erbärmlich und jämmerlich und die Politik tut nichts dagegen sondern vergößert nur noch die Not der Armen.

Drunter+Drüber
Drunter+Drüber
Reply to  PanzergrenadierBBC
4 Jahre zuvor

Auf den Punkt, dass zuletzt vermehrt junge Männer mit Migrationshintergrund ihre körperliche Überlegen gegenüber anderen Bedürftigten ausgenutzt haben, geht keiner der Kritiker ein.

Dann wollen wir mal darauf eingehen. Können Sie sich vorstellen, dass halbstarke, gerade erwachsen gewordene oder werdende orientalische Jungmänner freiwillig zu einer der Tafeln gehen? Meine Vermutung geht eher dahin, dass nicht nur Sie keinerlei Vorstellung oder Einfühlung (rein auf der Rezeptionsebene, wir wollen hier nicht allzu fühlig werden!) in einen solchen Personenkreis haben. Sie geht dahin, dass viele der Helfer, egal ob ehrenamtlich oder minderbezahlt, ob auf der Projektmanagementebene (immer wieder gerne tatkräftige mitteljunge Frauen) oder am ganz großen Rad drehend, glauben, mit ihrem begrenzten Vorstellungsvermögen und ein wenig „gutem Willen“ ließen sich elementare Konfliktszenarien beseitigen.

Mir ist völlig unklar, woher dieser Glaube rührt, denn mit Erfahrung lässt er sich nicht begründen. Und ebenso ist mir völlig unklar, wieso niemand darauf vorbereitet wird, Konflikte, die nicht lösbar sind, auszuhalten.

TL;DR Adoleszenzprobleme lassen sich nicht chauvinistisch lösen.

trackback
4 Jahre zuvor

[…] um die Essener Tafel entstammt mal wieder dem bürgerlichen Suppenküchen- und Charitylager.Weiterlesen bei den neulandrebellen Lesen Sie auch: Unser prekärer Wohlstand Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben – […]

Lasaar
Lasaar
4 Jahre zuvor

Was nicht geschrieben steht, ist, das Migranten aus oeffentlichen Geldern ausreichend alimentiert werden. Dieses Geld jedoch lassen sie groestenteils den Verwandten ihrer Herkunftslaender zukommen.
Insofern handelte die Essener Tafel voellig richtig, indem sie lediglich die deutschen Hilfsbeduerftigen versorgt.

Drunter+Drüber
Drunter+Drüber
Reply to  Lasaar
4 Jahre zuvor

Sie haben vollkommen recht. Bevor diese Migranten Ihre von der Tafel gespendeten Lebensmittel per DHL nach Wohinistan schicken, sollten anständige deutsche Mitbürger diese essen. Ich danke Ihnen für diese erhellende Einsicht.

Lasaar
Lasaar
Reply to  Drunter+Drüber
4 Jahre zuvor

Sie sollten lesen, denken und dann schreiben, und zwar exakt in dieser Reihenfolge.

Drunter+Drüber
Drunter+Drüber
Reply to  Lasaar
4 Jahre zuvor

Ach…

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Drunter+Drüber
4 Jahre zuvor

@Drunter+Drüber

LOL

Rainer N.
Rainer N.
Reply to  Lasaar
4 Jahre zuvor

Also SIE sollten lieber erst einmal richtig lesen … diese Menschen werden eben nicht ausreichend alimentiert … ebenso werden Deutsche Leistungsbezieher nicht ausreichend alimentiert.

Deswegen gehen beide „Gruppen“ von Leistungsbeziehern zur Tafel … weil eben kein ausreichendes Existenzminimum gezahlt wird.

Übrigens, ein Verstoß gegen ein urteil des BVerfG … das auch vom BVerfG leider nicht beachtet wird …

1 BvL 10/12 – 1 BvL 12/12 – 1 BvR 1691/13 –
1. Zur Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums (Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 GG) dürfen die Anforderungen des Grundgesetzes, tatsächlich für eine menschenwürdige Existenz Sorge zu tragen, im Ergebnis nicht verfehlt werden und muss die Höhe existenzsichernder Leistungen insgesamt tragfähig begründbar sein.

Wenn aber die Leistung NACHWEISLICH nicht ausreichend berechnet wurde … die Sozialgerichte. Landessozialgerichte, das Bundessozialgericht, das BVerfG das jedoch ignoriert …

auch wenn ich bei Ihnen eher Perlen …

also betrachten WIR einmal die Entwicklung … über den angemessenen Strombedarf einer Einzelperson und die Ernährung … wie war das bei der „alten Sozialhilfe“?

50 % waren für die Ernährung, und umgerechnet wurden die Kosten für 148 kWh Strom in der damaligen Leistung angesetzt. denn es wurden für ein Jahr 1.776 kWh als notwendiger Strombedarf anerkannt.

Es ist leicht das auszurechnen. Aber ich bin so nett und rechne es ihnen vor.
Also Ernährung: 1998 Höhe 539,- DM = 275,59 € Anteil 50 % = 137,79 €
und 2004 waren es 148,50 € für die Ernährung (50% von 297 € Sozialhilfe).

Beispiel Ernährung 2005: 142,54 € also weniger als 2004 / 2007 nur noch 136,27 € / 2010 nur noch 128,46 € / 2011 dann 129,24 € / 2012 dann 132,79 € / 2013 dann 135,63 € / 2014 dann 138,83 € … ich könnte noch weitere Zahlen schreiben, aber das sollte reichen um aufzuzeigen, ich habe nicht bemerkt, dass die Lebensmittelpreise so gesunken waren.

Und nun zum Strom. Was mein Strom 1998 gekosten hat, die Unterlagen habe ich immer noch.

Vorab eine Anmerkung:

In einer Anfrage, dessen Beantwortung in der Drucksache 14/527 vom 15.03.1999 erfolgte, wird von der Bundesregierung unter Punkt 6 erklärt:

– Wie hoch ist — absolut und relativ — der Anteil für Haushaltsenergie, der aus dem Eckregelsatz finanziert werden soll?
– Um welche Energiemenge (Kilowattstunden) handelt es sich dabei?

Nach dem Gutachten des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge von 1989 zum neuen Bedarfsbemessungssystem für die Regelsätze (Einführung des Statistikmodells) ist auf der Grundlage der Haushaltskundenbefragung 1986 des Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke e. V.
ein Verbrauch von 148 kWh für Haushaltsenergie (ohne Heizkosten) berücksichtigt.

Wenn also von der Bundesregierung erklärt wurde, für die Berechnung der Regelleistung sei von einem Haushaltsenergieverbrauch von 1.776 kWh für ein Jahr ausgegangen, ist mit dem von mir berechneten finanzierbaren Umfang nicht zu vereinbaren. Somit ist die Unterdeckung der Regelleistung eindeutig belegt.

Davon sollen also 1.776 kWh bezahlbar sein?

2005 = 10 * 14,24 € (ab 01.03.2005) (20,74 € – 6,50 € tatsächlicher Abzug) = 142,40 €
2006 = 12 * 14,24 € = 170,88 €
2007 = 6 * 14,24 € + 6 * 14,59 € (20,85 € – 6,26 € tatsächlicher Abzug) = 172,98 €
2008 = 6 * 14,59 € + 6 * 14,46 € (21,09 € – 6,63 € tatsächlicher Abzug) = 174,30 €
2009 = 6 * 14,46 € + 6 * 14,78 € (21,57 € – 6,79 € tatsächlicher Abzug) = 175,44 €

Unter dem Aktenzeichen B 14/7b AS 50/06 R wurde vom BSG folgende Aussage getroffen:

Zwar ist die Regelleistung nach dem Willen des Gesetzgebers nicht als Summe einzelner Leistungsposten, sondern als pauschalierte Geldleistung zu verstehen. Dennoch können die der Bildung der Regelleistung zugrundegelegten anteiligen Bedarfe einen Anhaltspunkt für die Wertigkeit einzelner Bereiche geben.

Gerade diese „Wertigkeit“ muss auch auf den Betrag für die Haushaltsenergie berücksichtigt werden.

Randnotiz 135 – b) Der unmittelbar verfassungsrechtliche Leistungsanspruch auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums erstreckt sich nur auf diejenigen Mittel, die zur Aufrechterhaltung eines menschenwürdigen Daseins unbedingt erforderlich sind. Er gewährleistet das gesamte Existenzminimum durch eine einheitliche grundrechtliche Garantie, die sowohl die physische Existenz des Menschen, also Nahrung, Kleidung, Hausrat, Unterkunft, Heizung, Hygiene und Gesundheit (vgl. BVerfGE 120, 125 ), als auch die Sicherung der Möglichkeit zur Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen und zu einem Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben umfasst, denn der Mensch als Person existiert notwendig in sozialen Bezügen (vgl. BVerfGE 80, 367 ; 109, 279 ; auch BVerwGE 87, 212 ).

Randnotiz 211 – Da nicht festgestellt werden kann, dass die gesetzlich festgesetzten Regelleistungsbeträge evident unzureichend sind, ist der Gesetzgeber nicht unmittelbar von Verfassungs wegen verpflichtet, höhere Leistungen festzusetzen.

Anmerkung zur BVerfG Entscheidung vom 23.7.2014. Dort ist zu finden:

a) Der Gesetzgeber muss die entsprechenden Bedarfe der Hilfebedürftigen zeit- und realitätsgerecht erfassen.

Die Modifikationen des Statistikmodells dürfen allerdings insgesamt kein Ausmaß erreichen, das seine Tauglichkeit für die Ermittlung der Höhe existenzsichernder Regelbedarfe in Frage stellt;

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts deckt somit nicht das soziokulturelle Existenzminimum, auf dem ein Rechtsanspruch besteht. Es müsste die notwendigen Kosten decken, denn ohne ausreichende Beträge für die Ernährung und die Haushaltsenergie kann keine Existenz gesichert sein.

Zurück zu den Stromkosten:

Im Jahr 1998 waren beim Grundpreis von 66,- DM plus -,22 DM pro kWh plus 15% Mehrwertsteuer in meinem Wohnort 525,23 DM bei einem als angemessen angesehenen Verbrauch von 1.776 kWh enthalten. Für einen Monat konnten 148 kWh für 43,77 DM (525,23 / 12) bezogen werden. Somit waren in der Sozialhilfe in Niedersachsen im Jahr 1998 umgerechnet jeden Monat 22,38 € für Strom enthalten.

Im Jahr 2005 hätten 339,66 € (43,10 € plus 249,71 € plus 16 % MWST 46,85 €) oder monatlich 28,31 € in der Regelleistung enthalten sein müssen, um den angemessenen Strombedarf zu decken. Welcher Betrag 2005 tatsächlich zur Verfügung stand ist kein Geheimnis. Es waren im Regelsatz 170,88 € enthalten, (12 * 14,24 €) eine erhebliche Unterdeckung.

Übrigens … das alles sind Argumente in meinen Klagen vor dem SG, dem LSG und einer Beschwerde beim BVerfG vorgetragen worden … ohne Erfolg.

osthollandia
4 Jahre zuvor

Sie haben aber schon mitbekommen, das gerade in Essen mehr als 75 % der „Kunden“ keine Deutschen sind? Und das der Teil, der so massive Probleme macht, junge, wehrfähige Männer sind, die die Ommas einfach wegschubsen? Wo junge Mütter nicht mehr zur Tafel gehen wollen, weil die Angst haben, das die Kinder niedergetrampelt werden?

Die Tafeln sind durchaus kritikwürdig, aber die „Willkommen Millionen, die ihr mühsam und beladen seid“ auch. Das ist ein Verteilungs- und Verdrängungskampf, und der findet leider ganz unten statt.

Drunter+Drüber
Drunter+Drüber
Reply to  osthollandia
4 Jahre zuvor

Ich persönlich habe das jetzt nicht mitbekommen, aber Sie wohl. Erzählen Sie mal! Wie war das mit dem wehrfähigen jungen Mann, der die „Omma“ wegschubste? Hätten Sie da nicht eingreifen müssen? Wenn die jungen Mütter nicht mehr zu den Tafeln gehen, tun es dann wenigstens die alten? Wie ist da Ihre Erfahrung? Sagen Sie es einfach mal gerade heraus, ganz ohne Hemmungen! Ich kann Sie nämlich gut verstehen und würde mich auch viel lieber unter jungen Müttern als unter wehrfähigen Männern aufhalten, wenn ich schon um Lebensmittel anstünde.

Dirtbag Left
Dirtbag Left
Reply to  Drunter+Drüber
4 Jahre zuvor

Aber, wenn die Ommi doch vielleicht gar keinen deutschen Pass hat, wollen wir denn wenigstens da nicht ein wenig solidarisch sein? Du, das mit den wehrfähigen, jungen, Männern finde ich gar nicht mal schlecht, nach gelungener Integration, können wir die gleich zur neuen Ostfront schicken, da werden junge Männer bald gebraucht, kannste Flinten Uschi fragen.

Irina
Irina
Reply to  Dirtbag Left
4 Jahre zuvor

Der Putin hat jetzt Tsunami-Uboote. Der taucht damit durch den Pazifik und Atlantik, legt die Tsunami-Uboote vor der Küste Amerikas auf Grund und lässt sie mit Nuklearsprengsätzen hochgehen. Amerika wird dann von rechts und links mit mindestens fünf Kilometer hohen Wellen überspült. Die Geschichte vom russischen Wandertag nach Europa stimmt nicht !