Integriert euch: Steht bei der Tafel an!

Erst wenn alle Bedürftigen ein Plätzchen an den Tafeln finden, ist in Deutschland Gerechtigkeit eingezogen? Die Aufregung um die Essener Tafel entstammt mal wieder dem bürgerlichen Suppenküchen- und Charitylager.

Es ist ein Skandal! In Essen hat die Leitung der örtlichen Tafel e.V. beschlossen, ausländischen Bedürftigen nach SGB II keine Leistungen mehr zu gewähren. Sie brauchen sich gar nicht mehr in der Schlange anstellen – es gibt nichts! Das ist wahrlich ein Skandal! Deutsche Leistungsempfänger haben Vorrang. Sie dürfen Unterstützung in Form von Lebensmittel am Rande des Mindesthaltbarkeitsdatums erhoffen. Und das ist ebenfalls ein Skandal! Nicht nur diese Ungleichbehandlung ist eine Frechheit, sondern auch der Umstand, dass so etwa 1,5 Millionen Menschen im Lande die Tafeln und ihre Lebensmittel notwendig haben.

Aber die Tafeln: Dieses Projekt ist doch eine gute Sache, oder nicht? Da helfen Menschen Menschen. Da springt der Nächste ein, wo der Staat Hilfe versagt. Was bitte könnte daran verwerflich sein? Ganz einfach, die Privatisierung der Grundsicherung durch Naturalien manifestiert ein Problem ganz besonders: Er ersetzt gesetzliche Rechtsansprüche durch den Alles-kann-nichts-muss-Charitygedanken, biblisch gesprochen durch die Nächstenliebe, und weist den Weg in die Suppenküche, wo aus dem Menschen mit seinem unveräußerlichen Anspruch auf Würde ein Almosenempfänger wird. Ein Almosenempfänger, der überdies Lebensmittel in Empfang nehmen soll, die für seine Mitmenschen als Abfall gelten.

Ist das nicht ein bisschen grob, hier von Abfall zu sprechen? Aber die Sache ist doch die: Was Müll ist und was nicht, das ist ein gesellschaftliches Konzept. Die Frage der Verwertbarkeit von Materialien fällt insofern immer in die sozialwissenschaftliche Deutungshoheit. Für die Mehrzahl der Menschen in unserer Gesellschaft ist tierische Scheiße nutzlos und damit Abfall; andere düngen damit ihr Feld – und in anderen Weltregionen kachelt man damit seine Hütte. Hier isst man bestimmte Partien von Tieren nicht, dort gelten sie als besonders delikat. Was Abfall ist und was nicht, ist wie gesagt ein Konzept, basierend auf sozio-ökonomische, teils ökologische Entwürfe.

Nicht alle Menschen sehen dasselbe Erzeugnis als Abfall. Wir nennen es Abfall, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder sogar schon wenn nicht mehr viel fehlt, bis diese Grenze hinüber zum Abfall erreicht ist. Das ist gesellschaftlich durchaus anerkannt. Zwar hört man oft, dass ein Joghurt, der einige Tage darüber liegt, immer noch essbar sei – ordentlich in einem Supermarkt erwerben würde einen solchen Joghurt aber kaum jemand. Da nimmt man dann schon lieber das Produkt, das mit einem Stichtag bedruckt ist, der etwas ferner in der Zukunft liegt. Unser Konzept von Wertigkeit eines Artikels, das sich aus der allzeitigen Verfügbarkeit von Lebensmittel rekrutiert, macht etwas schon vorab zum Müll, noch bevor die offizielle Zeitgrenze überschritten ist. Und insofern kann man auch von Abfall sprechen, der bei den Tafeln verteilt wird.

Und nun also regt sich die halbe Republik auf, weil die Armen dieser Gesellschaft nicht gleichberechtigt beim Müllverwerten behandelt werden. Das sei der pure Skandal! Nicht etwa, dass man solche Projekte massenhaft benötigt, damit Menschen über den Monat kommen. Und das in einem der reichsten Länder der Welt! Das liberale Bürgertum möchte freilich schon Gleichberechtigung und Integration gesichert wissen; so weltoffen ist man letztlich ja durchaus. Beides aber bitte auf niedrigem Level, auf Grundlage der Verteilung von Produkten, die man unter den Empörten des Augenblicks ganz sicher nicht mehr konsumieren würde. Diese Überbleibsel ihrer eigenen konsumistischen Dekadenz möchten sie mindestens gleichberechtigt verteilt sehen. Charity kennt doch keine Vorurteile.

Die hegt man lieber gegen die ganze Unterschicht, ganz gleich woher einer kommt. Und weil man da durchaus Ressentiments gegen die Habenichtse kultiviert hat, möchte man eines bitte nicht politisch verwirklicht wissen: Existenzsichernde Regelsätze, höhere Abgaben und einen Sozialstaat, der seine Verantwortung nicht an Charityladies abtritt.

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17 Kommentare auf "Integriert euch: Steht bei der Tafel an!"

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Klaus Müller
Gast
Sehe ich auch so. Wie ich das verstanden habe gibt es für Altkunden keine Einschränkungen. Wer neu dazukommt und keinen deutschen Pass hat wird abgewiesen. Als Grund wurde das Verhalten von hauptsächlich jungen Männern mit Migrationshintergrund genannt. Sie hätten es vielleicht anders formulieren sollen. Wir werden ab jetzt Rentner und alleinerziehende Mütter bevorzugen. Inhaltlich und von den Auswirkungen wäre es das selbe gewesen. Klingt nur besser und wäre noch peinlicher für unseren Staat, da so noch deutlicher gezeigt wurde, das es in unserem Land für die sozial Schwachen nur noch mit Rationierung reicht. Das war aber wohl nicht das Problem… Read more »
Klaus Müller
Gast

https://www.welt.de/politik/deutschland/article174086327/Tafel-in-Marl-Aufnahmestopp-gilt-nicht-nur-fuer-Auslaender-Verwirrung-um-Beschluss.html
Die haben das genauso gemacht.
Erschreckend. Eventuell gibt es einfach nicht genug bezahlbares Essen für alle.

Robbespiere
Mitglied

@Klaus Müller

Erschreckend. Eventuell gibt es einfach nicht genug bezahlbares Essen für alle.

Eine Schande, für eines der reichsten Länder der Erde, und die Verursacher werden gemästet und laufen frei herum.
Dass ein ganzes Volk dagegen nicht rebelliert und sich statt dessen Massiv Geld für Bankenrettungen, Subventionen und Rüstung aus dem Kreuz leiern läßt, ist allerdings auch bezeichnend.
Die wachsende Zahl der Abgeschlagenen wird sich irgendwann herzlich für die entgegengebrachte Solidarität bedanken.

Balmung
Gast

McKinseys Junkfood – Ein Artikel von 2005

Für die Tafelentwicklung erleichtert das Wissen um die intensive Einflussnahme von McKinsey das Erkennen ihrer teilweise noch verborgenen Intention: dass sie genau auf den Turnaround zusteuert, den McKinsey immer wieder fordert, nämlich die massive Einschränkung des staatlichen Geldtransfers auf der Grundlage von Bürgerrechten. Statt Geld mit Bürgerrechtsanspruch gibt es großzügige private Spenden an die Bedürftigen auf Grundlage der Menschenrechte.

https://www.heise.de/tp/features/die-im-Dunkeln-sieht-man-nicht-3401940.html

PanzergrenadierBBC
Gast
Die Berliner Tafel versorgt 50.000 Menschen, aber die Berliner Politiker müssen sich alle zu Essen äußern. Zum Großenteil äußern sich die Politiker dann auch noch total überheblich und weltfremd. Frau Chebli hätte am besten nix gesagt, denn Sie ist seit über einem Jahr mit in der Regierung von Berlin, es müssen in Berlin aber immer noch 50.000 Menschen von der Tafel versorgt werden, das wäre der größer Skandal als die gespielte Empörung. Leider sind auch die anderen Personen der Öffentlichkeit, die sich gemeldet haben, alles Personen die im Umfeld von Berlin den größten Teil ihrer Zeit verbringen. Barley, Lauterbach, Merkel,… Read more »
Drunter+Drüber
Gast
Auf den Punkt, dass zuletzt vermehrt junge Männer mit Migrationshintergrund ihre körperliche Überlegen gegenüber anderen Bedürftigten ausgenutzt haben, geht keiner der Kritiker ein. Dann wollen wir mal darauf eingehen. Können Sie sich vorstellen, dass halbstarke, gerade erwachsen gewordene oder werdende orientalische Jungmänner freiwillig zu einer der Tafeln gehen? Meine Vermutung geht eher dahin, dass nicht nur Sie keinerlei Vorstellung oder Einfühlung (rein auf der Rezeptionsebene, wir wollen hier nicht allzu fühlig werden!) in einen solchen Personenkreis haben. Sie geht dahin, dass viele der Helfer, egal ob ehrenamtlich oder minderbezahlt, ob auf der Projektmanagementebene (immer wieder gerne tatkräftige mitteljunge Frauen) oder… Read more »
trackback

[…] um die Essener Tafel entstammt mal wieder dem bürgerlichen Suppenküchen- und Charitylager.Weiterlesen bei den neulandrebellen Lesen Sie auch: Unser prekärer Wohlstand Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben – […]

Lasaar
Gast

Was nicht geschrieben steht, ist, das Migranten aus oeffentlichen Geldern ausreichend alimentiert werden. Dieses Geld jedoch lassen sie groestenteils den Verwandten ihrer Herkunftslaender zukommen.
Insofern handelte die Essener Tafel voellig richtig, indem sie lediglich die deutschen Hilfsbeduerftigen versorgt.

Drunter+Drüber
Gast

Sie haben vollkommen recht. Bevor diese Migranten Ihre von der Tafel gespendeten Lebensmittel per DHL nach Wohinistan schicken, sollten anständige deutsche Mitbürger diese essen. Ich danke Ihnen für diese erhellende Einsicht.

Lasaar
Gast

Sie sollten lesen, denken und dann schreiben, und zwar exakt in dieser Reihenfolge.

Drunter+Drüber
Gast

Ach…

Robbespiere
Mitglied

@Drunter+Drüber

LOL

Rainer N.
Gast
Also SIE sollten lieber erst einmal richtig lesen … diese Menschen werden eben nicht ausreichend alimentiert … ebenso werden Deutsche Leistungsbezieher nicht ausreichend alimentiert. Deswegen gehen beide “Gruppen” von Leistungsbeziehern zur Tafel … weil eben kein ausreichendes Existenzminimum gezahlt wird. Übrigens, ein Verstoß gegen ein urteil des BVerfG … das auch vom BVerfG leider nicht beachtet wird … 1 BvL 10/12 – 1 BvL 12/12 – 1 BvR 1691/13 – 1. Zur Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums (Art. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 GG) dürfen die Anforderungen des Grundgesetzes, tatsächlich für eine menschenwürdige Existenz Sorge zu… Read more »
osthollandia
Gast

Sie haben aber schon mitbekommen, das gerade in Essen mehr als 75 % der “Kunden” keine Deutschen sind? Und das der Teil, der so massive Probleme macht, junge, wehrfähige Männer sind, die die Ommas einfach wegschubsen? Wo junge Mütter nicht mehr zur Tafel gehen wollen, weil die Angst haben, das die Kinder niedergetrampelt werden?

Die Tafeln sind durchaus kritikwürdig, aber die “Willkommen Millionen, die ihr mühsam und beladen seid” auch. Das ist ein Verteilungs- und Verdrängungskampf, und der findet leider ganz unten statt.

Drunter+Drüber
Gast

Ich persönlich habe das jetzt nicht mitbekommen, aber Sie wohl. Erzählen Sie mal! Wie war das mit dem wehrfähigen jungen Mann, der die “Omma” wegschubste? Hätten Sie da nicht eingreifen müssen? Wenn die jungen Mütter nicht mehr zu den Tafeln gehen, tun es dann wenigstens die alten? Wie ist da Ihre Erfahrung? Sagen Sie es einfach mal gerade heraus, ganz ohne Hemmungen! Ich kann Sie nämlich gut verstehen und würde mich auch viel lieber unter jungen Müttern als unter wehrfähigen Männern aufhalten, wenn ich schon um Lebensmittel anstünde.

Dirtbag Left
Gast

Aber, wenn die Ommi doch vielleicht gar keinen deutschen Pass hat, wollen wir denn wenigstens da nicht ein wenig solidarisch sein? Du, das mit den wehrfähigen, jungen, Männern finde ich gar nicht mal schlecht, nach gelungener Integration, können wir die gleich zur neuen Ostfront schicken, da werden junge Männer bald gebraucht, kannste Flinten Uschi fragen.

Irina
Gast

Der Putin hat jetzt Tsunami-Uboote. Der taucht damit durch den Pazifik und Atlantik, legt die Tsunami-Uboote vor der Küste Amerikas auf Grund und lässt sie mit Nuklearsprengsätzen hochgehen. Amerika wird dann von rechts und links mit mindestens fünf Kilometer hohen Wellen überspült. Die Geschichte vom russischen Wandertag nach Europa stimmt nicht !