Rollerfahren mit Andi

Ernsthaft? Elektrische Roller? Das ist das Thema des Verkehrsministers im Moment? Wir haben ein Problem mit der massenweisen Beförderung von Menschen. Mit Straßen und Schiene – aber Herr Scheuer fährt e-Roller und macht daraus eine Chefsache. Die Debatte um das Ding zeigt nur den verkehrspolitischen Stillstand auf, in dem wir uns befinden.

Ich saß in einem Wartezimmer, als mich die Bilder zur Pressekonferenz des Verkehrsministers zum Thema elektrischer Roller erreichten. Das schien ein sehr wichtiges Ereignis zu sein. Wie immer eigentlich, wenn Andreas Scheuer was anpackt. Da wird selbst der Abwasch zum Event. Oder ein Happening wie jenes in Ingolstadt, als man das Flugtaxi vorstellte – mit einem Dummie, der weder flog noch betretbar war. Ganz egal, der Minister ist die Show. Nicht die Innovation. Wenn es denn überhaupt eine gibt bei der amtierenden Verkehrspolitik. Jedenfalls ging es nun um den e-Roller, großer Hof in Berlin. Der Minister fährt auch Roller durch die Flure seines Ministeriums, heißt es. Er mag seine Trittharley. So sehr, dass er viele Hoffnungen in sie steckt. Nicht nur persönlich, sondern für uns alle. Der e-Roller stellt für ihn ein unverzichtbares Mittel zur neuen Mobilitätsoffensive dar.

Wahrscheinlich ist der e-Roller die erste verkehrspolitische Maßnahme dieses Mannes, in der man ein kreatives Moment erahnen kann. Bislang betonte er ja nur, dass es weiter, immer weiter so gehe. Gründe zur Veränderung sah er wenig – oder sogar keine. In dieser Haltung gab er sich destruktiv, denn die Bürgerinnen und Bürger nehmen die Verkehrssituation anders wahr. Der öffentliche Nahverkehr lässt zu Wünschen übrig, die Straßen sind vollgestopft, Staus gibt es auf Autobahnen und in Städten gleichermaßen. Feinstaub for free. Die Infrastruktur ist desaströs. Aber von ihm gab es Durchhalteparolen und das strikte Bekenntnis, dass an sich alles richtig laufe. Nebenber gab er sich als pater automobiliae, als Schutzherr einer Automobilindustrie, die betrogen, ausgebeutet und Kaufversprechen nicht erfüllt hat.

Rollen auf der Standspur

Jetzt kam also endlich was Konstruktives von Herrn Scheuer. Der elektronische Tretroller. Er soll das Pendeln revolutionieren. Hoffentlich. Spätestens allerdings nachdem man endlich einen modus vivendi auf den Straßen gefunden hat. Denn eigentlich ist es so: Ein Run auf den e-Roller würde entweder die Radwege oder die Straße überfordern. Da Radwege noch längst nicht in jeder Straße vorhanden, ja auch gar nicht realisierbar sind, werden lahme e-Roller-Fahrer lieber nicht ängstlich die Straße nutzen, sondern auf den Gehweg ausweichen.

Wie das aussieht, brauchen wir uns nicht auszumalen. Die Realität auf Deutschlands Straßen kennen wir alle. Neulich hat man in einem Anflug von Gaga-Debatte über die Rüpelhaftigkeit von Radfahrern salbadert. Als ob nur die Radfahrer Rowdies wären! Das liebste Kind deutscher Erfolgspolitiker, der Autofahrer nämlich, steht dem doch ins Nichts hinterher. Und Fußgänger sind ja beileibe auch nicht alle Engelchen. Der Verkehr ist eine Hackordnung, ein evolutionäres Ringen auf Rädern und Füßen. Jeder sucht sich eine vorteilsversprechende Nische. Ohne Rücksicht auf Verluste. Mit e-Roller-Fahrern kommt eine neue Spezies dazu, wird die Nahrungskette neu geordnet.

Es gibt keine Struktur, um den Traum des Verkehrsministers, nämlich die e-Roller-Revolution, verträglich auf die Straße zu bringen. Bei plötzlich ansteigenden Anmeldezahlen sind sie eine Bereicherung für das Verkehrschaos, benötigen ein eigenes Leit- und Wegesystem, um sich und andere nicht zu gefährden. Wo man aber nochmal gesonderte e-Roller-Spuren einzeichnen kann, bleibt fraglich. Scheuers phantastische Vorstellung und die Regelungen, die er in seinem Ministerium hat ausarbeiten lassen, korrespondieren gar nicht miteinander.

Gibt’s doch gar nicht … doch mit Roller!

Aber zum Glück müssen wir uns gar keine zu großen Sorgen machen. Der e-Roller ist ein nettes Gimmick, sicher wird er im Freizeitsektor für viel Freude sorgen. Als Beförderungsmittel, gar als Fortbewegungsmittel für Pendler, wird er eher nicht verwendet werden. Die Dinger sollen bestenfalls 20 Stundenkilometer erreichen, im Regelfall sind sie langsamer. Wenn jemand regelmäßig von Frankfurt-Zeilsheim nach Frankfurt-Fechenheim zur Arbeit pendelt, sprich von West nach Ost, dann ist er ohne rote Ampeln mehr als eine Stunde unterwegs, je nach Modell vielleicht sogar anderthalb Stunden. Und das in bequemster Körperhaltung und mit Arbeitstasche an der Hüfte. Frankfurt ist eine ziemlich dörfliche Großstadt, man baut in die Höhe, weil das Stadtgebiet beschränkt ist. In Berlin, wo die Distanzen ganz andere sind, verspricht so ein e-Roller weitaus längere Anfahrtszeiten. Am Ende werden es diejenigen sein, die heute mit dem Fahrrad oder zu Fuß zur Arbeit kommen, die auf das hippe Teil umsteigen.

Wir haben wirklich gravierende Probleme, was die Massenmobilität betrifft. Alles spielt Andreas Scheuer runter. Was er auspackt ist ein Roller. Seine jugendliche Agilität ist mitunter falsch interpretiert worden. Der Mann ist kein Jugendlicher, er ist schlicht ein infantiler Charakter, der gerne spielt – und durch die Gegend stromert und rollert. Dass er das jetzt auch noch der Öffentlichkeit zeigen darf, das freut den Andi schon sehr. Hoffentlich entdeckt er jetzt nicht auch noch das Waveboard als Freizeitspaß. Falls doch, wird es bitter für uns Verkehrsgeplagten. Man wird uns das Waveboard als Alternative anpreisen. Denn mit den welligartigen Moves des Brettes, kann es uns gelingen, durch die Ansammlung von Feinstaubwolken zu mäandern.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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ChrissieR
ChrissieR
3 Jahre zuvor

Guude!

Geht mal auf http://www.mundmische.de und gebt „Hohlroller“ ein!

Ich musste so lachen! Da steht:

Hohlroller

„Weisst Du schon, was der Andi (sic!) am WE gemacht hat?“
“ Nein, und ich will auch garnicht wissen, was dieser Hohlroller jetzt schon wieder verkackt hat !“

Zit.Ende

Früher hiess es Schwerter zu Pflugscharen, jetzt eher : “ E-Roller für Hohlroller! “

Mein Tag ist gerettet!😂

Alloah

Christine

Carlo Sponti
Carlo Sponti
Reply to  ChrissieR
3 Jahre zuvor

Neee, Chrissie, der Scheuer ist ein doktorierter, quasi promovierter…ähäm ja Wissenschaftler.
Sein Titel wird nur nicht anerkannt weil er seinen Titel nicht über die Grenze mitnehmen darf.
Das ist nicht erlaubt. Er hält sich ja auch dran. Gerne wüßte ich allerdings schon was er da so als neue Weißheiten, natürlich für uns Alle, erforscht hat…..;-)

niki
niki
3 Jahre zuvor

Das kann man auch kürzer zusammenfassen:
Der Scheuer ist halt BeScheuert und denkt nur von zwölf bis Mittag!

Nur weil der seine Tritt-Harley toll findet, denkt er dass alle die toll finden müssen. Der Typ ist eine denkbar schlechte Besetzung für den Posten des Verkehrsministers…
Da führt kein Weg dran vorbei.

Und bei mir im Fahrradgeschäft, einer meiner drei Jobs, wird darüber diskutiert, ob wir diese Kisten aus dem Programm lassen, wg. gefährlichen und unberechenbaren Hype…

Roberto De Lapuente
Roberto De Lapuente
Reply to  niki
3 Jahre zuvor

Na klar kann man das kürzer fassen. Das geht immer. Das ist übrigens ein Einwand, den ich neuerdings öfter lese. Nicht nur bei mir, auch bei Kollegen, denen man dann sagt: Das hättest du aber kürzer ausdrücken können.
Was steckt denn dahinter für ein Effizienzdenken? Mit der Einstellung kann man nicht mal mehr einen Krimi lesen, geschweige überhaupt ein Buch. Alles lässt sich formelhaft minimieren. Beim Krimi wäre das dann: Mensch tot – Kommissar sucht – Täter wird gefunden. Mensch, das hätte man auch vorm Lesen wissen können.

niki
niki
Reply to  Roberto De Lapuente
3 Jahre zuvor

Vielleicht hast du das überlesen, dass ich inzwischen 3 Jobs mache, damit ich vom H4 verschont bleibe, welches mich in der Vergangenheit schwer krank gemacht hatte… Im Endeffekt macht mich die jetzige Situation auch krank, aber es ist das weniger schlimme Übel. Eine weitere Nebenwirkung ist, dass ich schlicht zu nichts mehr Zeit habe… Und damit ich wenigstens meinen für mich lebenswichtigen (Rad-)Sport in Minimalform (~5h+ / Woche) machen kann, bleibt mir nichts anders übrig als äußerst zeiteffizient zu handeln. Es artet inzwischen so aus, dass ich Podcasts/Filme etc. in min. 1,2facher Geschwindigkeit höre/sehe…

Und ich wiederhole mich: Das ganze macht mich auf Dauer auch krank…

Lutz Hausstein
Lutz Hausstein
3 Jahre zuvor

In einem halben Jahr wird der Andi der staunenden Öffentlichkeit bei einem Pressetermin den Prototypen seines neuen Hoverboards vorstellen. Dies wird allerdings – traditionsgemäß – weder betretbar noch schwebebereit sein.

Dieser Mann hat Visionen! Schmidt-Schnauze hätte ihm dafür allerdings einen Arzt empfohlen. Was ich irgendwie nachvollziehen kann.

Pen
Pen
3 Jahre zuvor

BeSCHEUERt war Scheuer schon immer und ganz und gar der Autoindustrie hörig.

Herr Varoufakis von DiEM25 hat ein paar wirklich gute Ideen für den öffentlichen Nahverkehr.

https://m.youtube.com/watch?v=jec9rBFqcwc

https://diem25.org/main-de/

R_Winter
R_Winter
3 Jahre zuvor

Die Debatte um das Ding zeigt nur den verkehrspolitischen Stillstand auf, in dem wir uns befinden.

Es soll keine „verkehrspolitische Debatte“ geben und der e-Roller ist ein Ablenkmanöver – ein Stock über dem gesprungen werden soll und wird.
Das Ziel ist eindeutig die Gewinnmaximierung der Autokonzerne auf Kosten der Allgemeinheit. Die Merkel-Strategie soll greifen:
Nur die Größe ihrer Blazer verändert sich (,,,und dieses wird auch nicht thematisiert….) und sonst soll alles beim Alten bleiben.

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Roberto J. De Lapuente
3 Jahre zuvor

Lieber Roberto,

ich als mittlerweile knapp Volljährige..( Bj. 1955) will Dir ja net alle Illusionen versauen…aber, ich glaube, bis das soweit ist haben uns beide schon die Würmer und Bakterien verspeist…

R_Winter
R_Winter
Reply to  Roberto J. De Lapuente
3 Jahre zuvor

Das „Weiterso“ wird nur ein Ende haben, wenn wir die franz. Gelbwesten kopieren.

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  R_Winter
3 Jahre zuvor

…und das wird nie der Fall sein in Kadavergehorsamsland…

R_Winter
R_Winter
Reply to  ChrissieR
3 Jahre zuvor

Ja, leider hast Du Recht…..

Rudi
Rudi
3 Jahre zuvor

Der Scheuer kann normalerweise maximal halbe Sachen. Sein „kleines Doktorat“ mit dem Titel „Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns“ hat er in Tschechien erworben, ohne jemals dort eine universitäre Veranstaltung besucht zu haben. Dieser sog. kleine Dr. darf nur in Bayern und BW in der hier bekannten Form getragen werden. In den anderen Bundesländern gilt die Schreibweise PhDr. (tschechisch). Das sieht nicht gut aus. Deshalb verzichtet der Andi auf diesen Schmuck. – Man muss auch mal das Positive sehen. 😉

Carlo Sponti
Carlo Sponti
Reply to  Rudi
3 Jahre zuvor

Rudi, verbreite das bitte weiter im bayerischen Raum, weil eigentlich sollte es nicht sein, daß Hochstapler hier in Regierungskompetenz kommen. Nebenbei mal gefragt, warum habt Ihr mich gesperrt?
So ganz locker mal….wollt Ihr mal sehen wie die „neulandrebellen“ mit dem Blogger
Bodo Schickentanz umgehen? (google suche mainz.free.tv)
Schaut’s Euch an, ist quasi wie Stasi.

Jane Doe
Jane Doe
3 Jahre zuvor

war Scheuer schon immer und ganz und gar der Autoindustrie hörig.

Das trifft ebenso auf all jene zu die glauben – aus welchen Gründen auch immer – ohne Auto nicht (über)leben zu können.

Für mich habe ich vor ein paar Jahren die Entscheidung getroffen, mir nie wieder ein Auto zu kaufen. Nicht mal geschenkt würde ich es heute mehr nehmen.

Alfons
Alfons
3 Jahre zuvor

Wenn man mit dem Auto zum Kippenautomaten fährt,
lassen sich die letzten Meter mit dem E-Roller bewältigen.
Dann ist man auch schneller zurück, für den Fall, dass man
mit dem SUV auf einen Behindertenparkplatz steht.

Das ist neu und furchtbar inno, eyh…..

Wir haben zu viel Verkehr, davon zu wenig auf der Schiene.
Wenn der DHL-Mann fünf Mal kommen muss bis die Schuhe
von Zalando endlich passen, wird der E-Roller zum albernen Gimmick.

Zu welchem Geschäft soll man damit Kurzstrecken zurücklegen, wenn
Amazon den letzten Einzelhändler mit Ladengeschäft in die Pleite
getrieben hat ?

Sozialökologie funktioniert anders !

Folkher Braun
Folkher Braun
3 Jahre zuvor

Wir hatten in den vergangenen 70 Jahren 19 Bundesverkehrsminister 10 von CDU/CSU und 9 von der sPD. Darunter solche Experten wie Franz Müntefehring. Der BAB-Bau-West wurde praktisch 1980 beerdigt. Ein Versuch, die Güterbahn zu sanieren, war 1968 der Leber-Plan. Danach kam nichts mehr. Zudem wurden Erhaltungsinvestitionen nicht getätigt. Der Niedergang der Güterbahn wäre nur aufzuhalten gewesen, wenn BMV und Arbeitsministerium bei der sozialen Schmutzkonkurrenz namens Straßengüterverkehr aufgeräumt hätten. Taten sie aber nicht. Vielmehr wird der – weitgehend – tariflohnlose heimische Lkw-Fahrer durch noch billigere Fahrer aus dem MOE-Staaten ersetzt. Der Bundesrechnungshof hat jahrelang die ÖPP-Autobahnprojekte kritisiert. Was bekommen wir? Die Privatisierungs-Vorbereitungsgesellschaft. Wir erlauben die Kabotagetransporte (ausländischer Lkw transportiert hier im Inland), können das aber nicht kontrollieren (das wusste man vorher), also sind 48% der Mautkilometer heute durch MOE-Lkw bezahlt. Wir haben aber keine 48% grenzüberschreitenden Verkehr. D.h. der hiesige Fuhrbetrieb wird durch den MOE-Fuhrbetrieb ersetzt.
Das ist die praktische Dienstleistungsfreiheit nach Lissabon-Vertrag.
Und Ihr regt Euch auf über den Scheuer. Der ist eine Marionette, die Fäden ziehen Allianz, Hochtief, Benz und Hassenichgesehen. Und dann Frau Bär, die Digitalisierungs-Präsidentin. Die hat ihren Dipl.Pol. am OSI in Berlin gemacht. Wie das passieren konnte, ist mir ein Rätsel. Unsereins haben sie nicht so ahnungslos durch´s Examen gelassen. Bin OSI Dipl.-Jahrgang 1973. Als Beisitzerin in meiner mündlichen Prüfung fungierte Gesine Schwan. Die promovierte gerade auf ihrem Parteibuch.
Wie kommt es nur, dass die Politik gerade die Deppen, Studienabbrecher, Doktorarbeitsfälscher und sonstige Komik anzieht? Könnte da jemand mal ´ne Doktorarbeit schreiben?

niki
niki
Reply to  Folkher Braun
3 Jahre zuvor

Der BAB-Bau-West wurde praktisch 1980 beerdigt.

Ein Glück… sonst würde ich direkt an einem Autobahnkreuz wohnen. So ist nun die nä. Autobahn 25km Luftlinie weg…
Inzwischen sehe ich das so, dass die Verkehrsplanung fixiert auf das Auto alleine ein kompletter Holzweg war bzw. immer noch ist…
In einigen unserer Nachbarländer sieht man sehr deutlich wie es eigentlich hätte kommen sollen…
Allerdings fehlt dazu im Großteil der Bevölkerung noch das Verständnis dafür…
Gerade wenn es darum geht abseits des Autos Verkehrsmittel zu diskreditieren wird darauf eingeprügelt was das Zeug hält…
Letztens war wieder im lokalen Radio eine Meldung, dass ein Radfahrer schwer verletzt worden ist. Anstatt die wirkliche Ursache, ein unachtsamen Autofahrer der den Radfahrer beim Abbiegen übersehen hatte zu nennen, wurde dem Radfahrer vorgeworfen, dass dieser kein Helm trug…
Dann war ja letztens der ADFC-Fahrradklima-Test. Dazu gab es einen Artikel in der lokalen Zeitung. Alles gut und schön…
Aber auf der Facebookseite der Zeitung wurden alle Radfahrer durch Kommentierung natürlich als Kampfradler diskreditiert was das Zeug hält und unsere Stadt diese nicht brauche, wg. Wirtschaft und Tourismus (Rattenfängersage) und so… Dass eine abseits vom Auto optimierte Infrastruktur Touristen anzieht wurde weggewischt.
Dabei ist die Stadt nur knapp einer Klage durch das DUH entgangen… Die Maßnahmen durch die Stadt bzgl. des ÖPNVs trug erste Früchte und die Schadstoffbelastung auf der Hauptverkehrsachse ging auf knapp zulässige Werte zurück…

Die Umweltminister/Verkehrsminister der letzten Jahrzehnte haben komplett versagt. Ob nun aus Korruption/Lobbying oder schlicht Unvermögen sei mal außen vor gestellt… Das ganze ist in einem Artikel gar nicht zu analysieren…

Robbespiere
Robbespiere
3 Jahre zuvor

Was mir zu dem Verkehrsminister ( und seinen Vorgängern ) so einfällt, will ich gar nicht näher beschreiben, aber die Kopfzeile des Artikels hieße dann wohl:

Rollatorfahren mit Andy.

Pen
Pen
Reply to  Robbespiere
3 Jahre zuvor

*LOL*!!!

Folkher Braun
Folkher Braun
Reply to  Pen
3 Jahre zuvor

Unterschätzt bitte nicht die Tatsache, dass Verkehrspolitik seit 50 Jahren nicht mehr stattfindet. Wir hätten eine Infrastrukturpolitik nötig gehabt, um Transporte aus den Innenstadtbereichen herauszuhalten. Hierzu gab es vor 10 Jahren mal ein Forschungsprojekt der EU, genannt BESTUFS, best urban freigt solutions. Was kam da heraus? Nix.
Seit 50 Jahren bin ich im Transportgeschäft zugange. Und was passiert? – Nix. Geht Fahrradfahren in der Innenstadt.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Folkher Braun
3 Jahre zuvor

@Folkher Braun

Unterschätzt bitte nicht die Tatsache, dass Verkehrspolitik seit 50 Jahren nicht mehr stattfindet.

Richtig, genau deswegen mein Kommenter.

Folkher Braun
Folkher Braun
Reply to  Robbespiere
3 Jahre zuvor

Meine Erfahrungen mit dem Landtransport begann im zarten Alter von zehn (1961), und zwar Transport vom Bauerndorf zur Kreisstadt zur Schule. 45 Minuten Fahrt für 13 Kilometer und Stehplatz im Bus, Büssing von 1952, voll blattgefedert. Mittags gab es nur den 13:10-Bus zum Bauerndorf. Hatte man früher frei, blieb nur das Trampen. So lernte ich die Fahrkünste diverser Pkw-Fahrer kennen. Die Erlebnisse auf diesen Fahrten bestärkten mich in dem Wunsch, möglichst schnell die Fahrerlaubnis (1969) und ein Auto (1970) zu erwerben. Man nennt das in der Verkehrswissenschaft den „Kapitänseffekt.“ Ich möchte seitdem nicht mehr von anderen Personen chauffiert werden. Das ganze Gerede von „mehr Fahrrad, mehr ÖPNV“ halte ich für Blödsinn. Ich fahre einmal in der Woche zum Großeinkauf, mit dem Kram hätte ich im Bus echt Probleme, denn ich müsste die Sackkarre mit den Getränkekisten da irgendwie reinhieven. Wir kaufen nämlich nicht die 500 ml-Sixpacks zum Zerquetschen, sondern nur Mehrwegbuddeln.
Das Thema „wie die Bierkiste zum Konsumenten kommt“ lasse ich mal außen vor, weil, fragen wir uns doch mal, warum Getränke-Lastzüge einen 2,5 t schweren Mitnehmstapler mitführen müssen? Weil der Getränkemarkt keinen Stapler mehr hat und auch niemanden, der einen solchen fahren könnte. 2,5 t Taragewicht ist ja so öko. Bevor ich mich jetzt in Wut rede, höre ich besser auf.

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Folkher Braun
3 Jahre zuvor

Guude, Folkher,

Die Büssing Emmelmanns und Magirus Saturn Busse in Mainz haben mich als Schulkind auch immer fasziniert und nach dem Busschein (1980) konnte ich sogar noch nen ollen Saturn im Linieneinsatz fahren! Und dann auch den vollrestaurierten 1961er Mercedes O 317 der Stadtwerke Wiesbaden.
Also, mir gehts wie Dir…ich fahre lieber selbst als dass ich einen fahren lasse…😂

Alloah

Christine

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Folkher Braun
3 Jahre zuvor

@Folkher Braun

Das Thema „wie die Bierkiste zum Konsumenten kommt“ lasse ich mal außen vor

Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, als der Getränkehändler die Kisten im Bully persöhlich vorbeibrachte. Das war auf alle Fälle ökonomischer, als dass Jeder selbst die Kisten abholt und hat zudem eine Familie ernährt.
Der Aufpreis fürs Liefern war auch moderat, im Verhältnis zum eigenen Spritverbrauch.

Pen
Pen
Reply to  Robbespiere
3 Jahre zuvor

Gibt’s heute auch noch. Ein Getränkemarkt, auch manche Supermärkte liefern die Kisten, gegen Gebühr natürlich. Aber das EIGENE AUTO ist hier ein Muß und das große Problem. In Kopenhagen kann man sehen, wie Fahrräder die Stadt verändern und das Leben besser machen. Die Dänen bauen keine Autos und haben sicher auch keine Autolobby und Clubs wie den ADAC.

Folkher Braun
Folkher Braun
Reply to  Pen
3 Jahre zuvor

Das Einkaufen-Lassen samt Zustellung halte ich für einen Trick der Händler, Konsumgegenstände kurz vor dem Verfallsdatum loszuwerden. Dafür ist der faule immobile Konsument gerade recht.
Ich möchte aber Gurke und Tomate, Zwiebelmettwurst, Camembert und Lachsschinken selber in Augenschein nehmen. Indem ich das Paket auf links drehe, um das Mindest-Haltbarkeitsdatum zu erfahren. Daher ist meine Anwesenheit im Markt unbedingt erforderlich. Und der Transport mit meinem eigenen Automobil. Schon allein wegen der Frage, ob die Kühlkette überhaupt eingehalten wurde. Was ich im Markt oft wegen der Einlagerung von Wasser, vor allem bei Fleischprodukten, nicht selten als Ausschlusskriterium vorfinde.
Den Lieferdienst, etwa bei Getränkekisten, mag ich noch akzeptieren. Was ich von den Lieferdiensten in Hinsicht Arbeitszeiten und Entlohnung erfahren habe hier in der NRW-Hauptstadt, hole ich mein Zeugs lieber selber.

Pen
Pen
Reply to  Folkher Braun
3 Jahre zuvor

@Folkher Braun

Klar, daß man die Ware begutachten muß. Hier kann man im Supermarkt seinen Wagen selbst füllen und bekommt den Inhalt gebracht. Fleisch kommt bei mir überhaupt nicht mehr auf den Tisch. Stattdessen nehme ich Vit B12, weil der Körper das nicht selbst herstellen kann, und es nur in Fleisch ausreichend vorhanden ist. Nicht nur darin zeigt sich unser steinzeitliches Erbe.

OT, das komplette US Politpersonal befindet sich derzeit auch mental in der Steinzeit.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Folkher Braun
3 Jahre zuvor

@Folkher Braun

Das Einkaufen-Lassen samt Zustellung halte ich für einen Trick der Händler, Konsumgegenstände kurz vor dem Verfallsdatum loszuwerden. Dafür ist der faule immobile Konsument gerade recht.

Das Risiko besteht, aber ob sich so ein Geschäftsmodell auch dauerhaft trägt?

Ich möchte aber Gurke und Tomate, Zwiebelmettwurst, Camembert und Lachsschinken selber in Augenschein nehmen. Indem ich das Paket auf links drehe, um das Mindest-Haltbarkeitsdatum zu erfahren.

Das geht mir bei Ware mit kurzem Haltbarkeitsdatum genau so.
Bei Getränken spielt das in der Regel aber eher eine geringere Rolle.

Schon allein wegen der Frage, ob die Kühlkette überhaupt eingehalten wurde.

Naja, da habe ich manchmal den Eindruck, dass bzgl. der Hygiene etwas übertrieben wird.
Wir haben Heute so viele über 80-
jährige wie nie zuvor und wenn man die Verhältnisse in deren Kindheit bedenkt, dürfte es sie nach neuren Maßstäben gar nicht geben.
Allerdings wurden Nahrungsmittel damals aus der Region frisch herangeschafft und nicht wie Heute über weite Strecken.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Pen
3 Jahre zuvor

@Pen

Gibt’s heute auch noch. Ein Getränkemarkt, auch manche Supermärkte liefern die Kisten, gegen Gebühr natürlich.

Ja, aber eher selten.
Discounter und Supermärkte haben den klassichen Getränkehändlern reichlich das Wasser abgegraben, wie so vielen Einzelhändlern.
Die riesigen Abnahmemengen lassen eben einen Unterbietungswettbewerb zu.
Die Gebühren sind ok, wenn man sich dafür die Kosten eines PKW ersparen kann.

ClaudiaBerlin
3 Jahre zuvor

Danke für dieses Titelbild, das zeigt, was für gute Roller die Kinder früherer Zeiten nutzen konnten: Mit aufpumpbaren Ballonreifen, die nicht jeden kleinen Höcker im Asphalt auf die Wirbelsäule übertrugen wie die heutigen Mini-Hartgummi-bereiften Schrumpformen eines echten Rollers.

pedestrians are killers
pedestrians are killers
3 Jahre zuvor

„… Als ob nur die Radfahrer Rowdies wären! “
Da hab ich schon zum Lesen aufgehört. Radfahrer waren und sind Sieganwärter bei jeder Opferolympiade – und werden immer zum Favoritenkreis zählen.

Bei Rot über die Fußgängerampel fahren und bei Beschwerden den Stinkefinger zeigen? Radfahrer ist trotzdem das Opfer.
Passanten anspucken, die neben dem Radweg gehen. Warum? Weil die Fußgänger nicht Acht gegeben haben – neben dem Radweg. Opfer: der Radfahrer.
(Kurier)Radfahrer rast über den Gehsteig/Gehweg, springt auf die Straße und übersieht einen die Straße querenden Fußgänger? Prügel nicht nur angedroht sondern in die Tat umgesetzt. Weil: Radfahrer ist das Opfer und hatte es übrigens eilig.

In den letzten 10 Jahren hatte ich als Fußgänger mindesten einmal pro Jahr einen Vorfall mit rücksichtslosen Radfahrern. Und ich gehöre sicher zu den aufmerksamen Störfaktoren auf zwei Beinen. In der selben Zeit hatte ich mit EINEM Autofahrer Probleme, der als Rechtsabbieger Vorrang auf dem Zebrastreifen einforderte. Und jetzt kommen die Rollerfahrer – egal, ob mit oder ohne E.

Aber ne, ist klar: Autofahrer und Fußgänger sind Ewiggestrige, Nazis, Täter, Mörder.
Ihr armen Radfahrer, Ihr habt Euch Gold wahrlich verdient. Vor sämtlichen Kriegsopfern und sonstigen Weicheiern.