Gebt den Paketboten auf gar keinen Fall Trinkgeld!

Na, da hatte ich ja wieder eine ganz tolle Idee. Die ich dann in Form eines Posts auf Facebook zum Ausdruck gebracht habe. Mit teils äußerst unangenehmen Nebenwirkungen. Und Kommentaren, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließen.
Aber der Reihe nach.

Eines muss ich vorweg erwähnen. Ich bin kein großer Freund des Ehrenamtes oder vergleichbarer Aktivitäten, die einmal im Jahr mit irgendwelchen Preisen von der Bundesregierung ausgezeichnet werden. Sie ermöglichen es der Politik, sich ihrer eigenen Verpflichtung zu entziehen und die Zivilgesellschaft selbst ihren Scheiß erledigen zu lassen. Trotzdem würde mir nicht einfallen, Tafeln schließen zu wollen, Frank Zander sein Weihnachtsessen für Obdachlose zu verbieten oder … ja, oder Paketboten ein Trinkgeld zu geben. Aber das kam irgendwie gar nicht so gut an.

In der Süddeutschen Zeitung las ich gestern einen Artikel, der mich motivierte, folgenden Aufruf auf Facebook zu formulieren:

Gebt Euren Paketboten Trinkgeld!
Und zwar nicht zu knapp. Es ist wohl unrealistisch, im Zeitalter von Amazon den Aufruf für massenhaften Einkauf beim Einzelhändler vor Ort zu starten, zumal kurz vor Weihnachten. Zudem: Es gibt ja auch haufenweise andere Dienstleister, die bequem nach Hause liefern, nachdem im Netz bestellt wurde. Es ist außerdem unrealistisch, bis zum 24.12. die Arbeitsbedingungen oder die Bezahlung von Paketboten zu verbessern.Aber es ist möglich, zumindest einen kleinen Teil zur Verbesserung zu leisten. Wenn jeder Bote im Schnitt 200 Pakete am Tag ausliefert und zumindest von der Hälfte ein Trinkgeld von einem Euro bekommt, kann er tatsächlich klarkommen. Denn bei einer Arbeitszeit von 60 bis 80 Stunden pro Woche und einem Bruttoverdienst von 1.600 Euro muss man von Armut sprechen.Deshalb: Gebt Euren Paketboten Trinkgeld! Und zwar nicht zu knapp. Und das ganze Jahr über.

Mir war natürlich klar, dass das Argument mit der Verpflichtung des Staates kommen würde. Ich hatte zwar noch überlegt, es vorsorglich mit einzubauen, um es in gewisser Weise zu entkräften bzw. deutlich zu machen, dass auch ich die Pflicht des Staates sehe, sich um alle sozialen Belange zu kümmern. Denn davon gibt es ja mehr als genug.

Aber ich entschied mich dagegen, weil ich dachte, dass ja jeder selbst entscheiden kann, was er mit meiner Botschaft anfängt. Außerdem ging es mir in erster Linie darum, auf die Arbeitsbedingungen von Paketboten aufmerksam zu machen. Nicht ganz ohne Grund übrigens ausgerechnet jetzt, zur Vorweihnachtszeit. Denn in den letzten Wochen sah ich immer wieder Statusmeldungen, die zum Teil auf übelste Art und Weise darüber klagten, dass die Zusteller ihre Pakete nicht in absoluter Perfektion überbringen. Schnell, höflich, ja, dankbar, dass sie diesen „wundervollen“ Job machen dürfen. Mich ärgern diese Posts, und so dachte ich mir: Hey, vielleicht besteht ja die Möglichkeit, etwas mehr Verständnis für die üble Lage von Paketboten aufzubringen. Und mit ein paar kleinen Talern ihre Lage ein bisschen zu verbessern.

Aber: Pustekuchen! (Wobei ich betonen möchte, dass es auch schöne Rückmeldungen gab, über die ich mich sehr gefreut habe.)

Die politisch sehr, sehr Korrekten

Die politisch sehr, sehr Korrekten sehen überhaupt nicht ein, mal ins Portemonnaie zu greifen und dem Paketboten ein bisschen Geld zu reichen. Das geht natürlich nicht gegen den Boten, der ist schließlich arm dran und müsste dringend unterstützt werden, denn so kann man ja nun wirklich nicht arbeiten. Aber das Gewissen, ach ja, das Gewissen verbietet es, dem Paketboten etwas Geld zu geben.
Warum?
Deshalb:

Erstmal nachvollziehbar und verständlich. Letztlich übernehme ich aber damit die Verantwortung für die miese Bezahlung und verhindere den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Denn wer gewohnt ist, am Tag 30/40 € Trinkgeld zu bekommen, der sieht irgendwann keine Notwendigkeit mehr zum Kampf. In der Gastronomie wird das Trinkgeld teilweise angerechnet auf den Lohn. Also Arbeitgeber finden immer neue Perversitäten, um Lohndrückerei zu betreiben. Auch die privaten Tafeln und Suppenküchen werden inzwischen als Ergänzung der Hartz 4 Mangelversorgung betrachtet und mildern die Erscheinungsformen gesellschaftlicher Verarmung. Sogar Karin Göring-Eckart lobt sie, denn sie sorgen dafür, dass sie sich nicht weiter um die Armut kümmern muss.

Ok, also gut. Ich helfe dem Zusteller nicht, wenn ich ihm Trinkgeld gebe, sondern hindere ihn am Kampf um bessere Arbeitsbedingungen. Den könnte er ja nun auch locker aufnehmen, vielleicht so ab 21.00 oder 22.00 Uhr, wenn er mal Feierabend hat. Und wenn die Göring-Eckart erfährt, was ich da treibe, ist sowieso Schicht im Schacht. Dann poste ich lieber einmal täglich auf Facebook, wie scheiße es ist, dass der Paketbote so wenig verdient. Er wird es mir sicher danken, sich das Posting ausdrucken und damit zu seinem Energieversorger gehen, in der Hoffnung, etwas Preisnachlass zu bekommen.

Was spricht denn noch so gegen ein Trinkgeld?

Dann müsste man vielen Berufsgruppen Trinkgeld geben. Aber jeder sucht sich seinen Beruf aus. Und wenn ich sehe wie die zum Teil mit den Paketen umgehen…..eine (Zahn)arzthelferin verdient auch nicht viel. Trotzdem gebe ich dort kein Trinkgeld…warum dann dem Paketboten? Der nicht mal klingelt….die Pakete irgendwo abgibt ohne Zettel zu hinterlassen…Trinkgeld muss man sich verdienen mit Service und Leistung.

Ah, klar, glatt vergessen! Jeder Paketbote wird Paketbote, weil er davon schon als Kind geträumt hat. Und Brum-Brum mit einem tollen, großen Auto durch die Gegend fahren kann. Klar, war bei mir genauso. Also, bevor ich Pilot, Tierarzt und zum Schluss Erzieher werden wollte, was dann auch funktioniert hat. Aber diesem Traumjob als Paketbote trauere ich irgendwie immer noch hinterher.
Und außerdem: Stimmt ja, viele Berufsgruppen sollten ein Trinkgeld bekommen. Bekommen sie aber nicht, daher wäre es ja völlig bescheuert, jetzt bei den Zustellern anzufangen. Besser als jeder Zahnarzthelferin geht es ihnen schließlich allemal!

Und dann ist da ja noch die Eigenverantwortung:

Mehr Trinkgeld geben wäre der falsche Weg, für mehrere Tage die Arbeit niederlegen, aber alle Angestellten und Amazonas und Co würden in die Knie gehen.

Gut, davon hat der Paketbote jetzt erst mal nichts. Und es impliziert nebenbei sehr charmant, dass die Arbeitnehmer ihres eigenen Glückes Schmied sind, die gefälligst zu streiken haben, damit es ihnen bessergeht. Ojeh, vielleicht so wie Erzieherinnen, Piloten und S-Bahn-Fahrer, die – wenn sie es denn wirklich mal tun – sofort massenhaft öffentlich an den Pranger gestellt werden, weil sie so verantwortungslos einfach die Arbeit niederlegen? Und die Paketboten? Kurz vor Weihnachten? Die bundesweite Solidarität der Bevölkerung wäre ihnen sicher … nicht sicher.

Fehlt noch der Blick fürs große Ganze:

Aus Trinkgeldern werden keine Steuern generiert. Diese würden aber benötigt, um Geld in System zu haben, aus dem dann Bedarfe im tatsächlichen Umfang decken zu können.

Also, Paketbote, kapiert? Wenn ich Dir zwei oder drei Euro gebe, entstehen daraus keine Steuereinnahmen, die aber nun mal dringend notwendig sind, und für Dich in dieser einmaligen Situation erst recht. Das verstehst Du doch, oder?

Die verwöhnten Konsumenten

Wir wollen nicht die vergessen, die etwas erwarten für ihr Geld. Also, für das Geld an sich, so ganz allgemein, das Geld eben, dass der Paketbote bekommt. Immerhin leben wir in einer Leistungsgesellschaft, mit vielen Leistungsträgern. Da muss halt irgendwer auch die Pakete tragen, die die Leistungsträger nicht tragen, weil sie schließlich schon die Leistung tragen müssen.

Und außerdem:

Warum sollte ich seine schlechten Arbeitsbedingungen und seinen niedrigen Lohn subventionieren?
Offensichtlich geht es den Arbeitern noch viel zu gut, sonst wären sie ja auf der Straße.

Geschnallt? Es geht Euch viel zu gut, Paketboten! Also, auf geht‘s, auf die Straße! Erst, um für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen (das läuft ja ab ungefähr 21.30 Uhr). Und dann (sagen wir: ab 23.30 Uhr), um einfach nur so auf der Straße rumzugammeln. Denn mit Eurem Job seid Ihr komplett verwöhnt, das kann es ja nun auch nicht sein.

Der „Klassiker“ fehlt noch. Der Paketbote klingelt einfach nicht:

Wenn er es auch mal ins 1.OG schafft statt ohne zu klingeln Benachrichtigungen in den Briefkasten zu werfen….

Oder der:

Ich hab dem Typen vor kurzem einen Euro gegeben. Der hat nur kurz danke genuschelt und war wieder weg. Mach ich sicher nicht wieder.

Ja, ja, diese Undankbarkeit. Das ist doch sowieso das größte Problem, dieses elitäre Gehabe, die Paketboten wissen genau, dass sie in einer Machtposition sind, die nutzen das gnadenlos aus. Klingeln einfach nicht, wenn sie noch 180 Pakete im Auto liegen haben, lassen den Kniefall bei einem Euro Trinkgeld weg, und wenn man ihnen noch vier bis sieben Retourpakete mit auf den Weg geben will, hauen die einfach ab, fast schon fluchtartig!
Der Markt der Paketboten ist einfach zu dereguliert, die können tun und lassen, was sie wollen, wo bleibt die Politik, um dem endlich einen Riegel vorzuschieben? Wo, verdammt noch mal, bleibt die Politik?!

Klären wir das mal kurz …

Wie schon eingangs erwähnt, ich stehe allen Maßnahmen, die die staatliche Verantwortung verdecken können, kritisch gegenüber, das Ehrenamt, das ich oben angedeutet habe, ist für mich ein herausragendes Beispiel. Es kann natürlich nicht sein, dass der Staat seine Rolle als Sozialstaat immer weiter ausdünnt und sich dann daran erfreut, dass private Institutionen oder einfach Menschen die Hilfe übernehmen, die dringend nötig ist.

Man kann sich aber auch einfach davonstehlen und die eigene Rolle so definieren, dass man als Schreibtisch- oder Sofa-Revoluzzer entscheidet, welche Form von Hilfe angemessen oder politisch sinnvoll ist und welche nicht. Ich musste mir übrigens auch den Vorwurf gefallen lassen, überhaupt einen Aufruf zu machen:

Es wird Sie vielleicht sehr erstaunen und verwundern, dass ich generell großzügige Trinkgelder vergebe und auch die örtliche Obdachlosenzeitung plus Trinkgeld kaufe…Aber ich halte nichts von Aufrufen dazu.

Da frage ich mich: Wieso nicht? Weil ich dann wie die Göring-Eckart bin? Wohl kaum. Dieser Aufruf war für mich nichts weiter als der Versuch, die Leute darauf aufmerksam zu machen, wie beschissen es den Paketboten geht. Und einen sehr einfachen Weg aufzuzeigen, wie man ihr Auskommen ein wenig verbessern kann. Vor Weihnachten, und auch sonst.

Der dann folgende Kommentar ist völlig in Ordnung:

Nicht aber als Dauerlösung. Es gibt nämlich auch immer mehr Leute, die inzwischen diese niedrigen Entlohnungen damit rechtfertigen, dass man doch auch das Trinkgeld noch rechnen müsse. Und das ist absolut daneben. Es wäre einfach gut, wenn niemand mehr wirklich darauf angewiesen wäre und es einfach als zusätzliche Anerkennung und nicht als Einkommen betrachten müsste.

Word! Richtig, absolut. Trotzdem blieb mir auch bei dieser Anmerkung nichts anderes übrig als so zu antworten:

Natürlich ist das keine Dauerlösung. Aber bis zur sozialen Revolution – vorher haben sie ja nix davon – helfe ich (ganzjährig) den Paketboten dennoch gerne.

 
Ich habe gestern gelernt, dass Hilfe zwar grundsätzlich eine gute Idee ist, man es aber auch nicht übertreiben sollte. Wegen des Klassenkampfes und so.

Anmerkung: Da ich mein Posting öffentlich verbreitet habe, ist es auf Facebook jetzt nicht mehr zu finden, ich habe es gelöscht. Ich möchte niemanden, der sich an den Diskussionen beteiligt hat, in eine unangenehme Situation bringen. Und Adressen (selbst, wenn ich sie kennen würde) publiziere ich schon mal gar nicht, auch wenn das im Moment irgendwie als cool empfunden wird.

Ebenfalls zum Thema: Dieser Artikel über die Erfahrungen über die Erfahrungen, die Günter Wallraff bei GLS gesammelt hat   

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Pjotr56
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Pjotr56

Keine Frage, klar gebe ich Trinkgelder und kaufe fiftyfifty. Aber wann raffen wir uns endlich auf und machen Revolution? Es eilt, bald werde ich 62.

Roberto J. De Lapuente
Webmaster

Revolution? Ich bin ja immer für Evolution. Das bleibt überschaubarer und kalkulierbar.

Pjotr56
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Pjotr56

Dauert nur so lange!

Robbespiere
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Robbespiere

@Roberto J. De Lapuente

Ich bin ja immer für Evolution. Das bleibt überschaubarer und kalkulierbar.

Diese Aussage würde ich jetzt so nicht unterschreiben.
Evolution kann auch ganz schön in die Hose gehen und das nicht nur beim Noro-Virus.:-)

Roberto J. De Lapuente
Webmaster

Gut. Da hast du natürlich recht. Dann bin ich also dafür, dass sich nix ändert 😉

Robbespiere
Mitglied
Robbespiere

@Roberto J. De Lapuente

Dann bin ich also dafür, dass sich nix ändert ?

Das ist jetzt aber extrem progressiv.:-)

ChrissieR
Mitglied
ChrissieR

…ich werde bald 63 und gehe in 3 Tagen in Rente. Ich hätte dann Zeit und Wut genug , bei der Revolution mitzumachen! Nebenbei: Bevor ich in meinem, anfangs wirklichem Traumjob Busfahrerin anfing, habe ich ein komplettes Lehramtsstudium abgeschlossen, das ich auch u.a. mit Paketausfahren finanzierte. Aber im Auftrag der DB , gut bezahlt und nicht ganz so stressig wie heute, es gab ja auch weder Internet noch Amazon oder Zalando!
Vive la Révolution !!!!!

Pjotr56
Gast
Pjotr56

Hoch die inter/nationale Solidarität!

Pentimento
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Pentimento

Bin dabei. DAS wird eine Revolution. Keiner unter 6o, Treibstoff WUT.

Roberto J. De Lapuente
Webmaster

Wie Rente? Wer fährt denn dann Bus? Wer verschleppt denn dann das Tempo, damit die äußerst “netten” Fahrgäste auch ja ihre S-Bahn nicht erreichen?
Ich wünsche dir wirklich einen entspannten Ruhestand. In Unruhe. Sollst dich ja nicht langweilen.

ChrissieR
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ChrissieR

Gaaanz lieben Dank, lieber Roberto,
vielleicht fahre ich noch auf 450 Eurobasis bei den Mainzer Verkehrsbetrieben, mogugge..aber, ich hätte Bock, ein Buch zu schreiben ind mich politisch zu engagieren…nur wo? Die Linke ist ja auch schon leicht neoliberal angeschimmelt…????

Roberto J. De Lapuente
Webmaster

Aufforderung an Dich, liebe ChrissieR: Du willst schreiben. Gut, Fingerübungen dazu wären ja gelegentliche Texte für einen Blog. Magst uns mal aus dem Leben eines Busfahrerin berichten? Falls ja, lass es uns wissen. Können ja mal quatschen, was interessant wäre.

Schnörch
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Schnörch

450 E’uro Basis. Das genau gehört ja zum Problem. Es ist wie beim Trinkgeld. Damit unterstützt Du die schlechte Bezahlung und das miese System. Gruß von schräg gegenüber 🙂

Heldentasse
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Heldentasse

Ich hätte dann Zeit und Wut genug , bei der Revolution mitzumachen!

“Revolution” unbedingt nur dann machen wenn man die Rente “durch hat”, dass ist sicherer! Ich mache mit, hole dann aber auch für meinen Rollator gleich noch roten Fähnchen und verdecke meine Glatze unter einer “Che” Mütze. 😉

Beste Grüße

Rudi
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Rudi

Den Müllwerkern Münchens etwa ist es nicht erlaubt, Trinkgeld anzunehmen (öffentl. Dienst). Wer sich erwischen lässt, kann entlassen werden. Und der Spender des Baren kann wg. Bestechung strafrechtliche Konsequenzen zu tragen haben. Trotzdem ist es nicht wahrscheinlich, dass die Müllabholer gut bezahlt werden.

Schlitti
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Schlitti

Ein Paket mit Versicherung und Sendungsverfolgungsnummer kostet knapp 7 €
bei DHL. Wenn die andere Hälfte der 200 Pakete pro Tag nur Päckchen für 5 € sein sollten…….Warum…..ja warum kann man den Fahrer davon nicht anständig bezahlen ? DHL wirbt um Fahrer per Postwurf……Stundenlohn um 12 € steht auf den Zetteln….12,45 € glaube ich…..Das ist gerade mal der Mindestlohn wo er nach Berechnung diverser Sozialverbände stehen sollte……aber anderes Thema….. Bescheißt DHL seine Fahrer ?
Rechnen die Zustellungen pro Stück bezahlt, in irgendwelche Löhne um ? Bei 60 Wochenstunden kämen sonst knapp 3000 € brutto pro Monat raus.

wonko
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wonko

Bescheißt DHL seine Fahrer ?

Scheint so; http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lieferdienste-wie-paketdienste-ihre-mitarbeiter-ausbeuten-1.3793184

Vertraglich vereinbart sind 1.600 € für 40 Std./Woche, die tatsächliche Arbeitszeit liegt aber weit höher, so dass der faktische Stundenlohn deutlich unter dem Mindestlohn liegt.

Schlitti
Gast
Schlitti

Stundenlohn ist Stundenlohn. Ich hatte einen dieser Rekrutierungszettel ( “Wir suchen Paketzusteller”) mit 12 € -irgendwas in der Hand. Die wurden massenhaft in jeden Briefkasten gesteckt. Der Kunde wird getäuscht. Er glaubt das die DHL – Fahrer halbwegs bezahlt werden und meidet deshalb Mitbewerber im Zustellergewerbe. Das ist unlauterer Wettbewerb was DHL betreibt, ganz abgesehen vom Beschiss gegenüber den Fahrern.

Unlauterer Wettbewerb
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_gegen_den_unlauteren_Wettbewerb

Rainer N.
Gast
Rainer N.

Ich hatte ein neues Bett benötigt … mein Gewicht war für das alte Bett zu … beim Kauf und der Anzahlung wurde noch erklärt, es kämen zwei zum aufbauen … das war inclusive … kam aber nur einer, der war auch noch etwas Älter … . auf meine Frage es sollten doch zwei kommen meinte er, sein Chef sei der Ansicht das könne er auch alleine schaffen. ICh habe dann geholfen die Sachen mit nach oben zu tragen … alleine dafür waren eigentlich zwei erforderlich … er hat von mir dann 20 € bekommen und der war dann so platt… Read more »

Roberto J. De Lapuente
Webmaster

Schöne Geschichte. Und klar hast du dich sicher gut gefühlt. Das was die “Generalisierer”, von denen hier die Rede war (und in meinem Buch auch gesprochen werden wird), ja gerne als Ausrede anführen: Man tue es ja nur, um sich gut zu fühlen. Dass man sich gut fühlt, in deinem Falle z.B., weil man einem Menschen Wertschätzung entgegenbrachte für seine Dienste, ist nichts Schlimmes. Es tut ja auch beiden gut.

Rainer N.
Gast
Rainer N.

Ich hielt das für meine menschliche Pflicht. Gut gefühlt habe ich mich deswegen nicht extra, es war nicht um mich als etwas darzustellen, nur eben menschlich – obwohl ich da eigentlich immer humanistisch benutze – dafür habe ich dann natürlich die Rücklagen, die ich ja ansparen muss, benutzt. Ich habe mich nur gefreut, nicht mehr auf dem Boden auf einer Matratze schlafen zu müssen und dann morgens mühsam auf die Beine zu kommen … man wird ja nicht jünger … denn das alte Bett war schon auf dem Sperrmüll entsorgt … das konnte man nach dem “Zusammenbruch” nicht mehr benutzen… Read more »

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

@Rainer N.

Schöne Geschichte! Lass mich mal dahingehend raten, dass Du es auch nicht “so Dicke” hast, aber das sind ja oft auch die (relativ) großzügigsten!

Daumen hoch und beste Grüße

drogenlog
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Ein Trinkgeld verbessert zwar nicht die Arbeitsbedingungen aber es verschlechtert sie auch nicht. Es handelt sich schlicht um eine persönliche Anerkennung geleisteter Arbeit. Nichts zu geben ist eine billige Ausrede aus dem “Geiz-ist-Geil-Universum”. Und wenn der Zusteller “dann schnell wieder weg ist”, dann liegt’s wohl an seinem Job. Und helle Freude über ein Trinkgeld sollte man auch nicht immer erwarten und deshalb anhand eines “Einzelfalles” sofort die Konsequenz ziehen, nie wieder etwas zu geben. Für noch fadenscheiniger halte ich das Argument, es entstünden aus dem Trinkgeld keine Steuereinnahmen. Moment mal, das ist doch der Sinn der Sache – das Geld… Read more »

Tommy62
Gast
Tommy62

vor knapp anderthalb Stunden erschienen:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=41662#more-41662

Ich bin auch ein penetranter Trinkgeldgeber und sehe Dankbarkeit

Schweigsam
Gast
Schweigsam

Wer eine bessere Gesellschaft will, der sollte doch bei etwas Greifabaren anfangen, bei sich selbst.
Ich habe fertig.

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

Auf einzelne Schicksale kann hier leider keine Rücksicht genommen werden! Wenn die Linken meinen Trinkgeld wäre “bäh” und verfestigt die üblen Zustände, so hat die Menschlichkeit gefälligst hinten an zu stehen!

Beste Grüße

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

Genau gebt diesen sehr schlecht bezahlten Dienstleistern möglichst wenig, und am besten auch kein Trinkgeld! Sonst werden sie womöglich dick, träge und faul und die tollen Geschenke kommen nicht pünktlich zum heiligen Feste.

Beste Grüße

An Weihnachten liegen alle rum und sagen pu-uh-uh-uh,
der Abfalleimer geht schon nicht mehr zu,
die Gabentische werden immer bunter,
und am Mittwoch kommt die Müllabfuhr und holt den ganzen Plunder.
Ja, dann wird wieder in die Hände gespuckt,
wir steigern das Bruttosozialprodukt,
ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt.

Aus Geier Sturzflug – Bruttosozialprodukt

Schlitti
Gast
Schlitti

Genau gebt diesen sehr schlecht bezahlten Dienstleistern möglichst wenig, und am besten auch kein Trinkgeld! Sonst werden sie womöglich dick, träge und faul

Wenn das der Herr Mausfeld wüsste !?

Jermain Foutre le Camp
Gast

Genau. So kann man dann beruhigten Gewissens weiterhin bei amazon bestellen. Gewiss bekommt man da auch die Heiligenscheine günstiger als anderswo. Dieser affront gilt für diejenigen, die also ein Trinkgeld geben, weil sie immerhin noch ein Mitgfühl für unterbezahlte/ausgebeutete Arbeitnehmer haben. Zumindest sobald diese dann vor der eigenen Haustüre (des Gewissens) stehen; und das auch noch vor Weihnachten! Da klingelt’s dann plötzlich, jaja. Und über die andren, die kein Trinkgeld geben würden, braucht man eh nicht zu sprechen und muß sich auch nicht wundern. So sind eben die meisten Leute, die bei amazon bestellen. Daher: gut gemeinter Aufruf und wer… Read more »

Roberto J. De Lapuente
Webmaster

Gääähn. Weitergehen, hier gibt es nichts zu lesen.

ThomasX
Gast
ThomasX

Solidaritätslied:
https://www.youtube.com/watch?v=Zb0XrYsCDEE
Text B. Brecht

Auszug:
“… Wer im Stich läßt seinesgleichen
Läßt ja nur sich selbst im Stich. …

… Unsre Herrn, wer sie auch seien
Sehen unsre Zwietracht gern
Denn solang sie uns entzweien
Bleiben sie doch unsre Herrn. ….”

Mehr muss an dazu nicht sagen.

Klugscheisser ;-)
Gast
Klugscheisser ;-)

Ich hatte 2 Kisten Öttinger auf Amazon bestellt (Prime -Kunde) ja, glaubt irgendwer ich geb nicht 1,-€ Trinkeld für die Schlepperei ? -Wenn ich mir das mit dem paketboten verscherze, kann ich die 3Km bis zur Post und selbst schleppen!!!

Benni
Gast
Benni

Musste mir gerade das Gemecker meiner Mitbewohnerin geben, weil ich unserem DHL Boten ein Trinkgeld gegeben habe. Das seien keine armen Schweine, die haben Tarifverträge und so weiter.
Ich war verdammt zufrieden mit der Arbeit unseres Botens, immer nett und zuvorkommend und außerdem hat er uns heute ein besonders großes Paket gebracht. Sich am Morgen erstmal für eine gute Tat anschnauzen lassen müssen, tolle Gesellschaft.

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