Die da oben oder Beinahe Bundesminister

Seehofer wäre Bundesminister geworden. Anschlussverwendung nach seinem kalkuliertem Ende als Ministerpräsident. Das war nur eine Meldung, die mehr so nebenher lief. Dabei wäre das ein dicker Fisch. Denn das Sujet erklärt viel vom Klima in diesem Land.

Ganz kurz hat man gemeldet, dass Horst Seehofer bei einer Verwirklichung von Jamaika in Berlin gelandet wäre. Als Bundesminister hätte er seine Karriere in der Landespolitik ausklingen lassen können. So wäre ganz elegant die Krise bei den Christsozialen aufgedröselt worden. Der fertige Ministerpräsident wäre nicht wie ein Gescheiterter aus der Staatskanzlei verabschiedet worden, sondern wie einer, den neue Aufträge in das Zentrum der Macht einberufen. Da hätte der Mann, der seine Partei vor zehn Jahren aus der damaligen Krise in eine aktuelle Krise manövriert hat, sein Gesicht nicht verlieren müssen. Politisch am Ende und trotzdem politisch am Leben gehalten: So geht Leistungsgesellschaft – Leistung muss sich halt wieder lohnen.

Ausgebrannt, am Ende seiner Laufbahn angekommen und trotzdem hätte da nochmal eine Karriere auf ihn gewartet. Oder sagen wir, ein Karriereausklang auf Kosten der Allgemeinheit. Wenn auch alle anderen Gnadenhöfe darben und auf Spenden angewiesen sind, der politische hat immer ein pralles Säckel. Damit Leute wie er nicht zu hart fallen. Wir sind nun mal eine Solidargemeinschaft, da hilft man denen, die in Not geraten sind ganz selbstverständlich. Was ist denn daran verwerflich? Das ist doch eher nobel, zeugt von Charakter. Vom Charakter der politischen Beschaffenheit, von Ämtermissbrauch und Postengefeilsche.

Den meisten Menschen in diesem Land ist klar, dass sie es bei eigenen Scheitern schwer haben werden. Sie wissen das, weil sie täglich mit Abstiegsängsten leben müssen. Wer seinen Job verliert, der kann zunächst gucken, wo er bleibt. Aber für Horst Seehofer, den die eigenen Parteispezln nicht mehr als Boss haben wollen, gilt ein anderer Kodex: Er hätte einen neuen Posten frei Haus ganz ungeniert nur deshalb bekommen, damit die CSU ohne Brüche aus der Sache mäandert.

Wie gesagt, es war nur eine Marginalie in den Nachrichten: Ach übrigens, der Seehofer, er wäre Minister geworden in Jamaika. In der Koalition, nicht in dem Land. Das kann man dem Karibikstaat ja nun wirklich nicht zumuten. Auch nicht, wenn die dort wirklich alle zwei Stunden ein bisschen kiffen. Man kann sich gar nicht derart wegbeamen, als dass man nicht mehr merken könnte, dass dieser Mann eine leere Nummer ist.

Kurz und gut, für einen Wimperschlag lang streifte man das Thema und danach war es wieder weg. Es sind aber Meldungen wie diese, die viel über das hiesige Klima verraten. Das sind die Meldungen, die die Menschen in diesem Land bewusst machen, dass sich ihre Vertreter in eine Parallelgesellschaft verkrochen haben, in der es jene Sorgen, die sie selbst umtreiben, ganz sicher nicht gibt. In der gibt es immer einen Ausweg, einen Fluchtansatz, eine rettende letzte Anschlussverwendung.

Die da oben halt, die Bonzen aus der Politik. Überall hört man die Leute über sie mosern. Nicht nur die sich anti-elitaristisch gebende AfD-Szene mault auf diese Weise. Politikverdrossenheit, die man immer wieder den Bürgerinnen und Bürgern attestiert, nimmt genau dort ihren Anfang. Bei der kalkulierten Unfairness, bei den unanständigen Versuchen, mittelmäßiges Personal von Amt zu Amt zu switchen. Wenn man einen fast siebzigjährigen Mann lieber nach Berlin belobigt, als ihn endlich von der politischen Bühne zu wischen oder nach Brüssel zu schicken (was übrigens dasselbe ist), dann bestätigt das letztlich, was sich die Menschen draußen im Land ausmalen.

Nach dem Wahlabend Ende September war für alle Beteiligten klar, dass sie das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zurückerlangen wollen – und müssen. Man hörte allerdings wenig darüber, wie das geschehen soll. Danach las man viel davon, dass es inhaltlich weiter so gehen sollte. Und nicht nur inhaltlich, sondern auch bei der Selbstbedienung. Auch wenn Seehofer nun letztlich vielleicht nicht Bundesminister wird, diese Nachricht sagt viel über die aktuelle Bundesrepublik aus: Das Vertrauen der Menschen kümmert diese Riege nicht. Politik zum Abgewöhnen – das ist die Maxime. Und wer nur ein bisschen so tut, als sei er auf anti-elitaristischen Kurs, der kriegt den Zuschlag. Das ist ABM für Populisten.


Unterstützt die neulandrebellen finanziell!
Falls euch unsere Arbeit gefällt, dann unterstützt uns doch. Mit eurer Hilfe sichert ihr diese rebellische Existenz im Neuland. Wir bedanken uns herzlich und freuen uns über jede Unterstützung. Besonders über Daueraufträge.
Unsere Kontodaten lauten: Jörg Wellbrock, IBAN: DE22 2105 0170 1002 8506 57, BIC: NOLADE21KIE, Förde Sparkasse

Oder per Paypal:

Parallel zum klassischen Weg könnt Ihr uns auch via Steady unterstützen. Schaut doch einfach mal rein.
Nicht zuletzt könnt ihr uns übrigens auch als Sponsor unterstützen und Werbeflächen auf unserer Seite kaufen.

Hinterlasse einen Kommentar

23 Kommentare auf "Die da oben oder Beinahe Bundesminister"

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Mordred
Mitglied

Guter Punkt. Ab einem gewissen Level ist man als Politiker tatsächlich von „normal“ ablaufenden Vorgängen entkoppelt. Der Normalsterbliche fragt sich, was eigentlich der Mehrwert für die Bürger dabei sein soll.

OT Stichwort GroKo:
Im persönlichen Umfeld wollen die alle. Weil u.a. Merkel ist ja jetzt gerade selbst für SPDler alternativlos, Schulz blöd, FDP=AFD etc. Dass die GroKo einen erheblichen Anteil an der momentanen Lage der Nation hat, lassen die nicht gelten. Flüchtlingskrise, Globalisierung, Steuerschlupflöcher etc….kam ja alles überraschend von außen…und das Handling war doch super…aua^^

Rudi
Gast

Im März dieses Jahres haben die rheinland-pfälzischen Landtagsparteien SPD, CDU, FDP und Grüne eine Diätenerhöhung in Stufen beschlossen. Bis 2020, also innerhalb von drei Jahren, sollen das monatlich 1.000 Euro mehr sein, von 5.812 Euro auf 6.828 Euro. In den Koalitionsvertrag von SPD, FDP und Grünen wurde für diese Legislatur hineingeschrieben, 2.000 Stellen im öffentlichen Dienst abzubauen. Das ist vorausschauende Politik.

Heldentasse
Mitglied

Ich sehe jetzt darin keinen Widerspruch, in den Zeiten der „schwarzen Null“ muss ja das Geld was auf der einen Seite verausgabt wird, auf der anderen Seite irgendwie wieder rein kommen, und Stellenabbau ist ist ein profanes Mittel dafür. Man kann im öffentlichen Dienst sogar noch mehr Geld damit sparen, denn wenn kein Personal mehr da ist was Geldmittel sinnvoll verplanen kann, freut sich doch jeder Sparfuchs!? Man muss halt nur ein wenig darüber hinwegsehen, dass auf die Dauer lebensnotwendige Infrastruktur und Daseinsvorsorge den Bach runter geht.

Beste Grüße

Rudi
Gast
Ich sag ja nicht, dass dies ein Widerspruch sei, sondern vorausschauende Politik. In diesem Fall wird das Geld – auch der einfachen Bediensteten – umgelenkt in den Topf der Spitzen der Landespolitik. Die mit diesem für den Öffentlichen Dienst sonst nicht möglichen Lohnzuwachs darüber hinaus ihre Fraktionsgelder deutlich angehoben haben. Von Bedeutung für die politische Diskussion könnte außerdem sein, das beobachte ich hier in RLP schon lange, dass weder eine rein rote noch eine rot-grüne Landesregierung neoliberalen Denkweisen abhold wäre. Deshalb, meine ich, ist es ziemlich egal, in welcher Konstellation die koalitionsfähigen Parteien ihre politische Praxis folgen lassen. Sie lässt… Read more »
R_Winter
Mitglied
Eine sehr alte Methode, um gescheiterte Politiker nicht zu „Sozialfällen“ werden zu lassen. Rainer Barzel (um Kohl Platz zu schaffen) erhielt jährlich 250.000 DM aus den schwarzen CDU-Kassen, die von der Industrie gefüllt wurden. Heute erhält ein Abgeordneter 3250 € Rente im Monat für vier Jahre im Bundestag…… Es ist aber keine Erscheinung der Politik. Ein Beamter erhält 72% seiner Bezüge der letzten beiden Jahren – es sei, er hat seinen Vorgesetzten umgebracht. Ein Vorstandsvorsitzender wird mit zig Millionen von Euro „verabschiedet“, auch wenn er tausenden Mitarbeitern den Arbeitsplatz vernichtet hatte. Ein normaler Arbeitgeber kann höchstens auf eine sogenannte Transfergesellschaft… Read more »
Heldentasse
Mitglied

Eine sehr alte Methode, um gescheiterte Politiker nicht zu „Sozialfällen“ werden zu lassen.

Vielleicht ist ja auch nur eine Art von Schweigegeld unter Amigos?! Der Seehofer Horst weiß bestimmt wo diverse politische Leichen versteckt sind, wo niemand von den Spezies möchte das man sie ausgräbt.

Beste Grüße

Pentimento
Gast

Guter Punkt. Da bin ich mir ziemlich sicher.

trackback

[…] lief. Dabei wäre das ein dicker Fisch. Denn das Sujet erklärt viel vom Klima in diesem Land.Weiterlesen bei den neulandrebellen Lesen Sie auch: Den Merkelismus in seinem Lauf … Angela Merkel ist durch? Der Merkelismus am […]

Kapott
Gast

Dafür bekommt Bayern jetzt einen der als Kind in Franz-Josef-Strauß-Bettwäsche gepennt hat,
oder war es doch ein Poster ?! Jedenfalls……Markus Söder ist nur halb so intelligent wie Strauß ….
Arschlöcher sind oft nicht dumm….

„Markus Söder ist am Ziel: Er wird Bayerns nächster Ministerpräsident. „

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2017-12/markus-soeder-csu-nachfolge-horst-seehofer-ministerpraesident

Söder wird es in Bayern nicht reißen ….. Die Bayern haben die Schnauze voll von Maulhelden…

GrooveX
Mitglied

schön, dass es so ruhig ist hier im blog. ich hoffe, ihr sitzt alle vor dem fernseher und schaut euch ‚bimbes – die schwarzen kassen des helmut kohl‘ an. endlich berichten sie mal von den sachen, auf die ich hier und im verflossenen immer wieder aufmerksam gemacht habe. extreme korruption, steuerhinterziehung, unterschlagung, untreue, betrug und alles im dienste der cdu und der fdp und natürlich der sie schmierenden konzerne. kein grund zur beunruhigung. das ist jetzt alles ganz anders.

Pentimento
Gast

@groovex,
ja,da saß ich, aber nicht vor kohls schwarzen kassen,sondern vorm ‚porträt of a lady‘.kann leider mit dem ipad keine links posten.es gibt ein pdf.doc. ,schwarzbuch helmut kohl‘ von bernd engelmann. da steht alles drin, auch über seine schmierigen anfänge, den verrat der genschergruppe und darüber, daß man ihm einen feinen, alten nazi zur seite stellte, weil er sich nicht zu benehmen wußte. damals nahm die ganze neoliberale scheiße so richtig fahrt auf.heute ist alles noch viel schlimmer, aber kein grund zur beinruhigung. 🙂

GrooveX
Mitglied

bernt, bitte!

Pentimento
Gast

wpDiscuz