Wir und Gil Ofarim

Gil Ofarim hat unter Mithilfe eines Journalismus, der kaum noch hinterfragt, die Öffentlichkeit angelogen. Die Causa ist Spiegelbild unserer Zeit – auf vielen Ebenen.

Im Oktober 2021 war Deutschland mal wieder im Empörungsmodus. Dem in die Jahre gekommenen Teenie-Schwarm und Musiker Gil Ofarim soll im Leipziger Hotel The Westin antisemitisch begegnet worden sein. Das erzählte er am Abend des Check-ins seiner Instagram-Community mittels eines Videos. Ofarim wirkte in jenem Clip konsterniert; weil er eine Kette mit Davidstern trug, erklärte er, habe er Schwierigkeiten bekommen. Der Mitarbeiter an der Rezeption forderte ihn auf, das Ding verschwinden zu lassen.

Stunden später stand der Empörungsmob schon vor der Hotellobby und skandierte Gerechtigkeit. Allerlei Stimmen meldeten sich zu Wort, vornehmlich über Twitter. Angriffsziele waren das Hotel – und für viele die Sachsen. Dass sich so ein Vorfall ausgerechnet in Ostdeutschland ereignete, riefen etliche in die Runde, sei nun wirklich kein Zufall. Im Westen wäre das so jedenfalls eher nicht passiert. Olaf Sundermeyer, öffentlich-rechtlicher »Recherchegott« stellte, ohne einen näheren Faktencheck betrieben zu haben, fest: Bisher sei er »zwei Mal zu Gast im #WestinLeipzig“ gewesen – „ein drittes Mal wird es nicht vorkommen«. Deutschland zeigte an jenem Abend Gesicht. Und Haltung – machte sich aber letztlich lächerlich. Denn Ofarim hat gelogen.

Weiterlesen in der Schwurbelpresse

0 0 votes
Article Rating
Diesen Beitrag ausdrucken

Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

24 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
Andre
Andre
6 Monate zuvor

2 fiktive Fälle, die sich in der Realtität fast so zutragen könnten:

Fiktiver Fall 1: Eine Gruppe Afghanen vergewaltigt ein unschuldiges Mädchen – die Reaktion der braunen Woken: „Das sind aber nur Ausnahmen. Es sind nicht alle Afghanen Vergewaltiger. Versuch hier bloß nicht den Fall für Deine rechten Vorurteile zu instrumentalisieren.“

Fiktiver Fall 2: Ein lokaler AFD Politiker macht bei einer Veranstaltung mit extrem rechten Ansichten auf sich Aufmerksam – die Reaktion der braunen Woken: „Die AFD und alle AFD Wähler sind rechts. Das sind keine Ausnahmen und das haben wir schon immer gesagt. Endlich haben wir hier eine Bestätigung für unsere Ansichten über die AFD gefunden. Wir müssen das direkt mit allen Medienvertretern in der Öffentlichkeit breittreten und gegen die AfD benutzen, damit die möglichst keiner wählt.“

AeaP
AeaP
6 Monate zuvor

„Rechtsempfinden schwer in Schieflage geraten“. Es ist im kleinen wir im großen: es gibt Leute, die glauben mit missbrauchter Opferpose sich alles herausnehmen zu dürfen. Sie schaden letztlich nicht nur der Allgemeinheit, sondern besonders sich selbst.

Last edited 6 Monate zuvor by AeaP
bernie
bernie
6 Monate zuvor

Das wirklich schlimme daran ist doch das Gil Ofarim einer wichtigen Sache, dem berechtigten Kampf gegen den Antisemitismus, mit seiner Mehrfachlüge bis zum Geständnis vor Gericht – sehr wahrscheinlich nach Beratung mit seinem Anwalt – keinen guten Dienst erwiesen hat.

Zudem würde gewaltig Vertrauen verspielt er hat ja auch mehr als einmal behauptet, dass er nicht gelogen hätten – erst jetzt, wohl aus anwaltlichen Druck, hat er seine Lüge gestanden. Gut so, aber der Vertrauensschaden wurde nun einmal angerichtet, und es gibt bestimmt auch Nachahmungstäter – jetzt mal generell besehen.

Wenn jemand mehrfach behauptet etwas wäre so passiert, und auf Nachfrage behauptet er würde immer die Wahrheit sagen, und später doch zugibt er hätte gelogen wie soll dann Vertrauen in seine Mitmenschen entstehen 🙄🤔👎👎

Dazu fällt mir als alten weißen Mann nur ein Witz ein – Jemand kommt zum Pfarrer zur Beichte und gesteht die schlimmsten Sünden und zuletzt beichtet er – „Ich habe gelogen“…den Rest kann sich jeder selber denken 🙄👎🤪👎

n.b.
n.b.
Reply to  bernie
6 Monate zuvor

So wie man heute des Antisemitismus bezichtigt wird, wenn man auch nur ein Hauch Kritik an irgendetwas hat was entfernt mit Israel zu tun hat, ist dass ganze jetzt nur noch eine Farce und zeigt sehr deutlich, dass diese Antisemitismusdebatte vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist.

Und das es Menschen gibt, die dass wie Gil Ofarin ausnutzen, liegt vollkommen in der Natur der Sache…

Nur mal so
Nur mal so
6 Monate zuvor

Abgesehen das diese Person absolut schäbig gehandelt hat, verstehe ich den Prozess und das Egebnis/Urteil nicht.
Das schadet den Ruf der Juden insgesamt.
Das Urteil hätte härter ausfallen müssen, da der Lügner und Diffamierer bis am Ende an seiner Falschaussage festhielt.
Meineid kann man ihm nicht anlasten, denn er wurde ja nicht vereidigt.
Vortäuschung einer Straftat ist jedoch sehr wohl gegeben. Mindestens was mit Bewährung…

flurdab
flurdab
6 Monate zuvor

Olaf Sundermeyer, öffentlich-rechtlicher „Recherchegott“
Eine angemessene Würdigung.

Die Verschwenden/ der Mißbrauch staatlicher Ressourcen ist heute doch normal.
Man bedenke die Strafanzeigen von Frau Schäbli oder auch Agnes Strack Zimmermann, der Ehren- Transe der FDP.

Mir sind nur drei Juden bekannt.
Der eine ist Paolo Pinkel, dann ist das noch der Broder mit seiner unterirdischen Kampange gegen Ken FM und nun Gil „Offenbarungseid“.

Bildet sich die Frage, ob die Vorurteilen der Nazis vielleicht doch…?

Schalömchen.

(Smartphons sind Tatwaffen und gehören verboten oder streng reglementiert)

Heribert
Heribert
Reply to  flurdab
6 Monate zuvor

Du gehörst verboten!

flurdab
flurdab
Reply to  flurdab
6 Monate zuvor

Der Lauterbach behauptet auch das die Juden die Mohamedaner angehen.
Und wenn der Karl das sagt muss da was dran sein. Ist ja faktisch Harharwad.

comment image

Juergen Wehrse
Juergen Wehrse
6 Monate zuvor

Dieser „junge Mann“ hat gelogen, sich weit, sehr weit (zu weit) aus dem Fenster gelehnt und – bekommt nun das Gesetz der Schwerkraft zu spüren.

Von mir aus darf das Schule machen . . .

Wo wir gerade bei den lautstarken „Fenster-Eulen“ sind: Was zum Teufel macht eigentlich Z gerade in Frankfurt? Asyl beantragen? Das nur am Rande . . .

Einen Punkt würde ich gerne noch anbringen, sinngemäß las ich diese Definition bei einem holländischen Autor und – würde nicht prinzipiell widersprechen.

Der klassische Klassenkampf (falls er jemals wirklich funktioniert hat) war: Rechte treten nach unten, Linke treten nach oben. Also vertikal!

Im jetzigen Neoliberalismus funktioniert der totalitäre Faschismus subtiler: indem der Gesellschaft permanent Knochen zum Fraß vorgeworfen werden (Hass-Hetze-Angst-Angst-Angst), findet der Klassenkampf – gewissermaßen automatisch – ohne großes Zutun der Herrschenden in allen Klassen der nicht-herrschenden Gesellschaft statt. Zum Teil: durchaus auf recht hohem Niveau. Rhetorik schafft das – leider – spielend. Bis zur allgemeinen Akzeptanz von Apartheid. Dieser neoliberale „Kunstgriff“ ist also horizontal!

Brot und Spiele? Sehr besorgniserregend, aber – hoffentlich – temporär!

flurdab
flurdab
Reply to  Juergen Wehrse
6 Monate zuvor

Man versucht möglichst viele „kleine“ Gruppen zu erzeugen, die einander Spinne Feind sind.
Dafür schafft man ja Meldestellen für Vergehen unterhalb der Strafwürdigkeit.

Wenn es dann zu Tumult und Gewaltanwendung kommt, hat der „Staat“ ein „günstige“ Gelegenheit in die „Sicherheitsstruktur“ einzugreifen.
Die Bürgerrechte sind ja schon einmal äußerst leichtfüssig außer Kraft gesetzt worden.
Das ist dass was ich als Plan zu erkennen glaube.

Hilfreich dabei ist natürlich auch die „Flüchtlings- Nummer“.
Endlich ist auch wieder eine Religion am Start, mit der man Unfrieden stiften kann.
Der dreißig jährige Krieg hatte ja auch seine Nutznießer.

Es ist zum Verzweifeln…

Last edited 6 Monate zuvor by flurdab
Nur mal so
Nur mal so
Reply to  flurdab
6 Monate zuvor

Divide et impera.
Teile und herrsche, garniert mit Brot und Spielen.
Als nächstes auf dem Plan, nachdem Orwells 1984 fast umgesetzt wurde, die „Tribute von Panem“ und dazu „Running Man“.

Art Vanderley
Art Vanderley
6 Monate zuvor

Die „Korrekten“ haben generell ein , sagen wir, moderates Verhältnis zum Rechtsstaat, der schlimmste Bereich wurde genannt, der Feminismus.
Dem Opfer erstmal glauben, ein Instrument aus der Psychotherapie, daß erstmal sinnvoll ist, weil Übergriffe oft verdrängt und nicht beweisbar sind- übrigens eine Innovation des früheren liberalen Feminismus- aber auch hier findet eine Prüfung auf Plausibilität statt durch die fachliche Einschätzung der Therapeuten.
In der Rechtsprechung hat das aber nichts verloren und es ist keinesfalls opferfreundlich, den Rechtsstaat hier mit Füßen zu treten, ganz im Gegenteil.

nadennmallos
nadennmallos
6 Monate zuvor

Obacht! Es gab schon häufiger falsche Geständnisse von Menschen, die medial sowie vor Gericht gefoltert und unter Druck gesetzt wurden.

flurdab
flurdab
Reply to  nadennmallos
6 Monate zuvor

Ach Heribert.
Der Gil ist Medien- Jude. Die werden nicht gefoltert.

N.B.
N.B.
Reply to  flurdab
6 Monate zuvor

Es ist höchstens Folter, so welche Typen wie den Gil sehen, gar HÖREN, *Kreisch* zu müssen…

Da wäre doch ein bissi zurückfoltern doch angemessen. 😉

Disclaimer: Natürlich nicht ernst gemeint…

Last edited 6 Monate zuvor by N.B.
nadennmallos
nadennmallos
Reply to  flurdab
6 Monate zuvor

Ja aber wenn er das so empfindet…
Bitte etwas mehr Empathie für einen nach Beachtung lechzenden Gesellschafts-Künstler.

B.Recht
B.Recht
Reply to  nadennmallos
6 Monate zuvor

Was ist dessen Kunst? Von Beruf Sohn oder was?

N.B.
N.B.
Reply to  nadennmallos
6 Monate zuvor

Empathie mit einem drittklassigen Emporkömmling?

flurdab
flurdab
Reply to  nadennmallos
6 Monate zuvor

Der sollte erstmal zum Friseur gehen, dann klappt das auch mit einem ordentlichen Broterwerb. 🙂 😉
Guns & Roses für Armen, späte 1980er.
Hatte wohl die Hoffnung „Wetten Das“ übernehmen zu können.

Schleichfahrt
Schleichfahrt
6 Monate zuvor

Wer erhält eigentlich bei „rechtsextremen Straftaten“ den Geldbetrag (hier 10.000€)?

Die AfD, die Freien Sachsen, Ein Prozent… ? 😀

Schwitzig
Schwitzig
Reply to  Schleichfahrt
6 Monate zuvor

Ja, dieses Urteil ist dafür eine Art Vorgabe.
Wer spricht eigentlich über den Schaden, den der verleumdete Mitarbeiter hatte und hat?

Namenlos
Namenlos
Reply to  Schwitzig
6 Monate zuvor

Das war im Stern und im Focus ausführlich Thema, in anderen Medien vielleicht auch. Mit Recht, wie ich finde.

Aber ich hoffe von Herzen, dass er jetzt wieder Frieden hat.

N.B.
N.B.
Reply to  Schwitzig
6 Monate zuvor

Gibt es da nicht noch den Weg der Zivilklage?

Ich würde alles in Bewegung setzen was möglich ist!

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Schwitzig
6 Monate zuvor

@Schwitzig

Eben, dessen Reputation hat eine bleibende Narbe erhalten.
Das Mindeste wäre eine öffentliche Entschuldigung des herrn Ofarim ihm Gegenüber.