Hopp, hopp, hopp!

Was für ein Theater zuletzt in Sinsheim! Der von Fans beleidigte Milliardär Dietmar Hopp hält Patschehändchen mit Karl-Heinz Rummenigge und ein halbes Stadion fühlt mit. So kann der Fußball nicht weitermachen, heißt es jetzt. Dabei kam schon Schlimmeres vor als das.

Das waren vielleicht herzergreifende Bilder am letzten Samstag. Ein halbes, gefühlt jedoch ein ganzes Stadion vereint in Anteilnahme. Der Präsident des FC Bayern hielt dem Mäzen der TSG Hoffenheim das Händchen. Grund waren die Plakataktionen der Gästefans: Sie nannten Dietmar Hopp einen Hurensohn. Damit hat der Mann seit einer Weile zu kämpfen. Man wirft ihm vor, den Fußball entweiht zu haben, weil er einen Dorfverein mittels riesiger Investitionen zu einer passablen Größe in der Bundesliga emporgehoben hat. Tradition habe sein Verein allerdings keine.

Der Vorwurf ist natürlich absoluter Quatsch. Fußball ist ein Business – Tradition ist die Folklore, die man auf das Produkt klebt. Wie der ikonische Bauernhof, der auf Waren von Wiesenhof aufgedruckt ist. Hähnchen dieses Lebensmittelkonzerns haben nie so einen Hof gesehen, sie verbringen ihr Leben in engen Käfigen. Aber irgendwie vermittelt es beim Kunden ein wohligeres Gefühl, wenn er annehmen kann, dass sein Hähnchenfilet einst glücklich-pickende Hofwochen verlebte.

Die Szenerie des letzten Samstags war trotzdem affig. Die Bayern waren kulant genug, es beim 6:0 bewenden zu lassen, dann Symbolfussball mit statt gegen den Gegner zu spielen. Alles nur, damit das  Match nicht doch noch abgebrochen wird. Wie hätten die Münchner wohl reagiert, wenn Hopp beim Stand vom 1:2 beleidigt worden wäre? Hätte man da symbolisch gekickt? Und wäre ein Abbruch nicht eine deutliche Sprache denen gegenüber gewesen, die als Fans in Stadion gehen und dann als Hurensöhne despektierliche Plakate entrollen?

Feuerzeuge, Golfbälle, Bananen, Granaten, Schweinehälften und Affengeräusche

Was ist denn eigentlich so neu an der ganzen Geschichte? Beleidigt wird in Stadien seit Menschen- und Schlachtenbummlergedenken. Schön war das nie – aber halt irgendwie auch nicht zu ändern. Überhaupt kommt man ja noch ganz gut weg, wenn man nur mit Beleidigungen konfrontiert wird. In Deutschlands Stadien spielten sich schon ganz andere Szenen ab. Mit Feuerzeugen Spieler zu bewerfen gehört quasi zur gelebten Fan-Tradition. Oliver Kahn bekam mal einen Golfball an die Schläfe. Er spielte blutüberströmt weiter. Natürlich empörten sich hernach Spieler und Trainer – Volker Finke meinte, es habe sich was verändert im Fußball. Aber so ein riesiges Theater wie jetzt bei Hopp gab es allerdings nicht. Schon gar nicht von Seiten des Verbandes.

Bierbecher fliegen außerdem dauernd auf das Spielfeld. Mit Klopapier und Schweineköpfen – wie man das mal in der spanischen Liga gesehen hat – verletzt man wenigstens niemanden. In Italien wirft man auch mal Motorroller auf den Rasen. Im englischen Ligabetrieb soll in den Sechzigerjahren mal jemand eine nicht entsicherte Handgranate geworfen haben. Neben den meisten dieser Wurfgeschosse wirkt so ein Banner, auf den ein Milliardär beleidigt wird, noch recht konziliant und wie ein Bekenntnis für friedvollen Umgang.

Kein nationaler Verband hat wohl je den Kopf so in die Empörungsmaschinerie gesteckt, wie nun der DFB – und zusätzlich die DFL. Grund genug hätte es neben enthemmten Spinnern auf den Rängen ausreichend gegeben. Rassistische Beleidigungen sind zum Beispiel ganz normal. Schwarze Spieler werden mit Affengeräuschen begrüßt, spendierfreudige Rassisten werfen schon mal Bananen. Sportmediziner beschäftigen sich indes mit der Frage: Wie werden Bananen sinnvoll eingesetzt? Als Wurfobst ganz sicher nicht! Neulich brach in der Bundesliga ein Fußballer in Tränen aus, weil er rassistisch beleidigt wurde. Stand das Spiel auf der Kippe, einigten sich die Teams etwa auf einen Symbolkick? I wo! So ein Rührstück ist nur »Ehrenmännern« vorbehalten.

Aber doch nicht den »Ehrenmann«!

Als einen solchen »Ehrenmann« bezeichnete die Führungsriege des FC Bayern München den Hoffenheimer Mäzen schon vor längerer Zeit. Man schätzt sich, kennt sich, spielt sich medial Pässe zu. Hoeneß und Hopp sind Golf-Buddies. Dass ihnen das jetzt peinlich war, wie die Fans ihres noblen Teams auftraten, lässt sich vor diesem Hintergrund besser verstehen. Klar, diese Leute, die beim Fußball Plakate mit sonderbaren, justiziablen und teils kriminellen Botschaften ausrollen, sind wirklich schwer zu ertragen. Die Frage ist aber jetzt, wie man damit umgeht.

Ist das noch angemessen, wenn man daraus eine solche Affäre stilisiert? Es gab tausende Zwischenfälle vorher, die die Empörung von jetzt verdient hätten – und es werden tausende Zwischenfälle folgen, bei denen man die Empörung dann doch wieder lax handhaben wird. Denn was wir jetzt erleben, wenn Vereinsfunktionäre, Spieler und Verbandsmenschen unisono erklären, dass es so nicht mehr weitergehe, ist ein elitaristisches Schaulaufen. Hier wird ein Milliardär in Schutz genommen, der sich aufgrund seiner finanziellen Potenz zur Wehr setzen könnte – nicht, dass die Kicker, die beworfen und beleidigt werden, arme Schlucker wären. Aber im Vergleich zu Giving-Pledge-Hopp sind sie freilich kleine Lichter.

Dietmar Hopp hat schon vor Zeiten angedroht, solche Schmähungen zur Anzeige zu bringen. Und das wäre eine angemessene Reaktion. Das haben diese Leute sich redlich verdient. Aber eine Staatsaffäre heraufzutüfteln, den allgemein ausgerufenen Niedergang des Abendspiellandes zu inszenieren: Das ist alles überzogen und das Machwerk einer elitär geprägten Clique, die jetzt auf politisch korrekt macht. Ein Milliardär, der händchenhaltend mit seinem Kumpel aus München durchs Stadion läuft: Sorry, wie konnte so ein Mann das werden, was er heute ist? Musste er nie was aushalten? Man muss als Beobachter wahrlich kein zynischer Hurensohn sein, um so eine Frage zu stellen.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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19 Gedanken zu „Hopp, hopp, hopp!

    • 4. März 2020 um 9:58
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      Morsche….

      Übrigens ist in China grad eben ein Sack Reis umgefallen…

      Antwort
      • 4. März 2020 um 10:03
        Permalink

        LOL! Ich würde sagen, eher ein Sack mit Schuppentieren!

        Antwort
    • 4. März 2020 um 19:59
      Permalink

      Stimmt! Das Dumme ist nur, dass der Verlierer, der schon vor dem Spiel feststeht, gar nicht mitspielt.

      Antwort
  • 4. März 2020 um 23:46
    Permalink

    Vor Jahren wurde ich zweimal eingeladen, mir in der Allianz-Arena in Minga ein Fußballspiel anzusehen. Aber nicht bei den Fans, sondern in einer „Loge“, die der FC für damals € 200.000 pro Jahr an interessierte Firmen verkaufte. Dort oben hast Du Personal zur Anreichung von Speisen und Getränken und darfst dich vollaufen lassen oder rings herum laufen und Dir Rummenigge, Hoeness und andere wichtige FC-Menschen hinter Glas zu betrachten. Die haben eine besondere Loge.
    Das erste Spiel war FC gegen WOB. WOB hatte einen black guy im Sturm, der mit jeder Ballannahme von den FC-Fans mit allen möglichen Lauten kommentiert wurde. Aber ansonsten passierte auf dem Platz zwischen 2 x 11 Millionären: nichts. Ein sinnloses Umhergekicke, wo sich jeder vom Gegner gern den Ball abnehmen ließ.
    In der 70. Minute wurde Ribery eingewechselt und ab dann wurde Fußball gespielt, weil der Kerl drohte alle WOB-Verteidiger zu umkurven um die Pille selbst in´s Tor zu tragen. Einmal ist ihm das gelungen, den zweiten hat er vorgelegt.
    Was mich wundert: Für das Ansehen so eines Gekickes zahlen Leute Geld. Und nicht zu wenig. Von der Loge aus siehst Du, dass mindestens 18 von den 22 Millionären mit Nichtstun beschäftigt sind. Die Fernseh-Einstellungen präsentieren „full action“, obwohl die sich höchstens auf 10 Quadratmeter des Platzes sich ereignet.

    Vorschlag: Erst- und Zweitligaspiele durchweg ohne Publikum. Mögen die Areana-Betreiber pleite gehen oder mehr Helene Fischer kredenzen. Brot und Spiele kann auch ohne Fußball.

    Antwort
    • 5. März 2020 um 19:53
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      Entscheidest Du alte Linksbacke darüber, wer Millionär sein darf.
      Lieber arm mit Maradona als ohne
      Niemand zwingt Euch die Neider dazu, sich ein Spiel anzusehen

      Antwort
      • 5. März 2020 um 19:56
        Permalink

        Geh kacken, du Gurke.

        Antwort
        • 5. März 2020 um 20:27
          Permalink

          Der Pflegeknecht kann ja damit anfangen

          Antwort
          • 5. März 2020 um 21:50
            Permalink

            Keiner weiß, was du meinst.

    • 5. März 2020 um 9:31
      Permalink

      Morsche, Heldentasse!

      Danke für den Link! Ich bin auch für ein humaneres Miteinander….aber ab und an kommt bei mir schon mal der Hass auf gewisse Leute- meistens Politiker- ziemlich hoch. Und nein…es ist kein Neidfaktor! Ich wäre mit Millionen oder Milliarden nicht glücklicher, im Gegenteil! Nur verstehe ich nicht, wie ein solcher Reichtum durch „ehrliche“ Arbeit entstehen kann..

      Und…die sozialen Projekte sollten ja eigentlich vom Staat finanziert werden, der aber investiert lieber in Vernichtungstechnologien!

      Nebenbei: Fussball ist für mich genauso interessant wie ein umfallender Sack Reis in China#

      LG

      Christine

      Antwort
      • 5. März 2020 um 10:03
        Permalink

        Moin Chrissie,

        ich gebe Dir recht, wer so viele Milliarden wie Herr Hopp anhäuft ist eine durch und durch fragwürdige Person. Trotzdem sind Emotionen und ein unwürdiges ausdrücken derselben überhaupt nicht hilfreich.
        Zum einen personifiziert und fokussiert man ein systemimmanentes Problem, hier das kumulieren von Kapital, was in letzter Konsequenz die wirklichen Ursachen verschleiert, und man bereitet m.E. das Feld für die Diskriminierung von anderen Sündenböcken.

        Mein Ergo: Nur weil es hier scheinbar mal einen „Richtigen“ getroffen hat, bin ich gegen barbarisches und unwürdiges Verhalten.

        Beste Grüße

        Antwort
        • 5. März 2020 um 20:02
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          Für mich ist jemand fragwürdig , der unbedingt trotz BWL-Studium oder Abschluss in Jura in den Staatsdienst will, der Erfolg sei Hopp mehr als gegönnt! Er könnte sich auch Jacht um Jacht kaufen, tut viel für den Sport! Fußball ist aber auch kein Spiel für Weicheier

          Antwort
          • 6. März 2020 um 16:08
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            Für mich ist jemand fragwürdig , der unbedingt trotz BWL-Studium oder Abschluss in Jura in den Staatsdienst will,

            Aha. Und der Bezug zum Thema ist gleich welcher? Mal davon abgesehen, dass ziemlich viele Richter und Staatsanwälte nicht nur Staatsdiener sind, sondern meistens wohl auch Jura studiert haben 🙂

          • 6. März 2020 um 16:27
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            Ok, Richter hast Du recht, aber wieso träumen Menschen vom Staatsdienst, welche draußen eine , gerade im Gegensatz zu anderen Akademikern, gute Jobperspektive haben

          • 6. März 2020 um 16:30
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            Nachtrag , BWL ist für den freien Markt geschaffen, da muss man ihr Beamter werden, Politolgen usw haben es weitaus schwerer!

      • 5. März 2020 um 19:54
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        Ja zum Profifussball mit ordentlichen Gehältern

        Antwort
          • 6. März 2020 um 16:28
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            Du nicht, andere Personen hier schon! Im Gegensatz zur Bahlsenerbin erscheint ein Messi hoch anständig und freundlich, wie gesagt, erscheint!

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