Miteinander reden als Selbstgespräch

Laut und in jeder Lebenslage zu telefonieren: Das war gestern. Heute führen Smombies lange, laute Monologe. Sie halten das Mobiltelefon ganz nah an ihren Mund und reden darauf ein. Was irre wirkt ist Abbild unserer Zeit.

In meiner Jugend hatten wir eine Frau in unserem Stadtteil, die ständig im Gespräch war. Mit sich selbst. Mal redete sie laut auf sich ein, dann begegnete man ihr, während sie leise und verschwörerisch mit sich selbst konspirierte. Ich kann mich nicht erinnern, ob sich je unsere Wege kreuzten, während sie schwieg. Die Frau war ein ausgesprochenes Kommunikationstalent, sie wusste sich ständig zu unterhalten. Natürlich sprach man über sie. Wie man das halt so tut. Die kultivierteren Klatschtanten bedauerten sie, weil sie ganz offenbar geistig verwirrt war. Auch ohne psychologisches Gutachten konnte man das wohl so stehenlassen.

Die Zeiten haben sich gewandelt. Seit Monaten begegnen mir im Grunde täglich mehrere Personen, die sich in tiefste Selbstgespräche verstrickt haben. Sie reden laut vor sich hin, richten ihre Worte nicht an ein menschliches Gegenüber, sondern an ein elektronisches – an ihr Smartphone. Dass sie in diesen stylischen Kubus, in ihr Mobiltelefon hineinquatschen, ist im Grunde der einzige Unterschied zu jener Frau, die mir aus früheren Tagen meines Lebens in den Sinn kam.

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Juergen
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Juergen

Und die Zombies haben manchmal sogar so komische Stöpsel in den Ohren. Dient wahrscheinlich dazu nur nicht zu hören was der Nachbar so sagt. Könnte ja ’ne Message aus einer anderen Blase sein.

Gaby Peschel
Mitglied
Gaby Peschel

Jetzt hast du es geschafft, Roberto. Ich denke tatsächlich über Zusammenhänge nach was deine „Liebe“ zu „alten“ schwarz/weiß Fotografien für Hintergründe haben könnten 😎 Steht irgendein Bezug zum „schwarz/weiß denken“ dahinter? Oder der Hinweis, dass es „früher“ auch „bessere“ Wege des Umgang miteinander gab? Oder: fehlt dir im Heute mehr „Farbe“? *schmunzel Du „stöpselst“ dich also „aus“. Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Reizüberflutung kann schwerwiegende psychische Folgen nach sich ziehen; andersherum ist das „sich ausklammern aus der Gesellschaft“ auch nicht unbedingt einem „sozialen“ Zusammenlebens zuträglich (wobei hier die Frage wäre, ob sich andere mit ihrem Handyumgang nicht ebenfalls ausklinken).… Weiterlesen »