Wir Exportweltmeister – Man muss uns nehmen wie wir sind

Exportweltmeister: Wir können nicht anders – meint SPON und bezieht sich auf eine Studie. Das klingt wie eine identätspolitische Rechtfertigung für den Handelskrieg, den wir mit der Welt führen. Nach dem Motto jedes Egotrips: Die einen kennen uns, die anderen können uns – love us or leave us.

Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat vor einiger Zeit schon eine Studie zu Deutschlands Leistungsbilanzüberschuss veröffentlicht. Zwar zählt man in dieser Studie auf, wie man den Überschuss minimieren kann, aber als Fazit stellt man klar: Viel Potenzial gibt es da nicht. Die Bundesregierung hat prompt auch nicht insistiert, möchte das Ergebnis der Studie nicht aufhübschen, wie sie das beizeiten hie und da schon gemacht hat. Der Wissenschaftliche Beirat rückt die Regierung ja gewissermaßen in die Rolle der Machtlosigkeit.

Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen …

Exportüberschuss und Exportweltmeister? Tja, ist halt so. Kann man nichts machen. Dir Welt muss uns nehmen wie wir sind. Trotz aller Kritik, die von EU-Partnern über den IWF bis hin zu Donald Trump eine internationale Allianz hat entstehen lassen. Die Kritik ist berechtigt, die Bundesrepublik exportiert Arbeitslosigkeit in die Welt, hat durch jahrzehntelange Lohnzurückhaltung die Konkurrenz gedumpt und will seine Weltmeisterschaft Jahr für Jahr verfestigen.

Weltmeisterschaft: So nennt man das in den politischen Spalten des Landes. Das ist ein glatter Euphemismus, der suggerieren soll, dass da freudentrunkene Teamplayer einen Pokal in die Luft recken. Gemeint ist damit aber ein Handelskrieg, eine »geoökonomische Halbhegemonie«, wie Hans Kundnani dieses Phänomen in seinem Buch »German Power. Das Paradox der deutschen Stärke« nennt. Den Begriff der »Halbhegemonie« prägte der Historiker Ludwig Dehio. Er sollte die Lage des Deutschen Reiches nach der Reichsgründung als einen paradoxen Zustand beschreiben: Es war nicht mächtig genug, um Europa zu kontrollieren, aber doch mächtig genug, um von anderen als Bedrohung wahrgenommen zu werden. Kundnani erkennt eine Reaktivierung dieses Zustandes in der heutigen Zeit – freilich unter neuen Vorzeichen.

Die geoökonomische Stossrichtung indes, so der Autor weiter, sei als eine »neue Form von deutschem Nationalismus […], der auf Exporten, der Idee des Friedens und einem erneuerten Gefühl einer deutschen Mission beruht« anzusehen. Anzumerken wäre außerdem noch, dass es wirklich nur die Idee des Friedens – und nicht der Friede selbst – ist, die dieses neue Weltgefühl flankiert. Waffenexporte sprechen eine andere Sprache. Sie nähren den Krieg.

Kundnani sieht die »deutsche Frage« zurückgekehrt. Speziell deshalb, weil die ökonomische Vormachtstellung in Europa zu massiven Verwerfungen und zur Destabilisierung Europas beigetragen haben. Gleichwohl feiern wir Exportweltmeisterschaften wie Fußballweltmeisterschaften. Das Team Deutschland bringt sich in Stellung, alle arbeiten in diesem Narrativ zusammen, um den Cup zu holen. Dieses kleine Land im Herzen Europas schafft sein Wunder von Bern immer wieder – nur ohne Bern. Alles wankt – außenrum. Exportweltmeister – das klingt positiv, nach Party. Handelskrieg führen nur die USA und China, aber doch nicht das Land der fleißigen Exporteure.

LGBTQ-Community, Frauen, Exportüberschussmalocher: Identität ist alles

SPON interpretierte die Studie mit dieser Überschrift: »Sorry, Mr. Trump, wir können nicht anders!« Das Magazin schließt damit, dass die möglichen Effekte begrenzt sind, womit »die Bundesregierung in ihrer abwehrenden Haltung gegenüber US-Präsident Donald Trump und anderen Kritikern der Überschüsse gestärkt« würde. Das klingt wie die identitätspolitische Wende in Sachen Exportüberschuss. Jetzt ist nicht mehr die Lage, sind nicht mehr die strukturellen Vorbedingungen verantwortlich für das fehlende Gleichgewicht: Es ist eine Sache des deutschen Wesens, der deutschen Lebensart – so sind wir halt, wir Deutschen. Verkaufen (uns) gerne unterm Wert.

Im Grunde haben wir es hier mit einer raffinierten Auslegung des Dilemmas zu tun. Die ganze Kritik an der deutschen Frage kann man ja als Angriff auf die eigene Identität neu interpretieren. Dann sind nicht mehr raffgierige, profitgeile Krämerseelen am Werk, sondern ein Volk, das nichts für seinen Exportüberschuss kann. Er liegt ihm im Blut. In seiner genetischen Matrix. Der Exportüberschussmalocher ist die LGBTQ-Community des internationalen Handels. Er ist wie er ist. Love him or leave him. Aber nicht vergessen, wer ihn kritisiert, der kritisiert seine Identität.

Was für ein exportorientierter Egotrip eines ganzen Volkes da verniedlicht wird. Mag ja sein, dass ein Wirtschaftlicher Beirat Zweifel hegt, um die Politik massive Beeinflussungen bewirken kann. Aber das rechtfertigt gar nichts. Schon gar nicht, dass man sich zurücklegt, die Beine hochlegt und so tut, als könne man am Wesenskern des Deutschen nun mal nichts ändern. So eine Volksdefinition gieriger, stets auf Profit zielender Leutchen hatten wir schon mal. Und damit sind nicht die Ferengi gemeint. Haben wir das Vorurteil, das gegen Juden so lange und dumm kultiviert wurde, jetzt als Rechtfertigung für unseren konsumistischen Weltherrschaftsanspruch gefunden? Man versteht die Welt nicht mehr, wenn man sie durch die deutsche Brille betrachtet – man muss sie aber auch nicht verstehen, es reicht sich an ihr zu bereichern. Auf Kosten anderer.

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niki
niki
15. April 2019 7:55

Der Exportüberschussmalocher ist die LGBTQ-Community des internationalen Handels. ‚tschuldigung, aber das ist vollkommen der Spur! LGBTQ ist LGBTQ, ist eine Community zur Geschlechts- bzw. sexuelle identität… Der Exportüberschußweltmeister-Fetish ist zwar auch eine Identität, nur der Unterschied… letzterer ist aber eindeutig massivst krank und gehört auf den Müllhaufen der Geschichte, denn dieser sorgt für massivste Verwerfungen nicht nur in Europa! Ein Narrativ, welches am besten sofort ausgelöscht werden müsste…. Früher oder später wird es angesichts der der dadurch erheblichen Klima- und Umweltprobleme uns eh noch erhebliche „Kopfschmerzen“ bereiten… Einige „Experten“, ob hier weiß ich nicht, behaupten das von LGBTQ ja ähnliches…… Weiterlesen »

niki
niki
Reply to  Roberto De Lapuente
15. April 2019 19:11

Tue ich?

Energetische Verhaltenstoene
Energetische Verhaltenstoene
15. April 2019 8:51

„sozial distanziert“, schrieb eben: Und ist es nicht auch mein Recht eine „rechte“ Partei zu unterstützen, wenn ich es will ?

Nachtrag: Zur Variation, ergänze den Begriff „rechte“ (Partei) mit; linke, grüne, demokratische, konservative, …

R_Winter
R_Winter
15. April 2019 12:08

Speziell deshalb, weil die ökonomische Vormachtstellung in Europa zu massiven Verwerfungen und zur Destabilisierung Europas beigetragen haben.

Ein Glück, dass es nur Verwerfungen in anderen europäisch Staaten gibt.
Da können doch die „Leistungsträger und scheuen (Finanz-)Rehe“ mit ihren Dividenden ruhig schlafen:

“ 34.600.000.000 € (34,6 Mrd. €) Dividenden-Ausschüttung allein der DAX-Unternehmen 2019“

https://www.wiwo.de/finanzen/boerse/rekord-ausschuettungen-2019-das-duerfen-dax-aktionaere-an-dividenden-erwarten/24050290.html

Was diese „Leistungsträger“ mit diesem Geld wohl machen?

Defi Brillator
Defi Brillator
15. April 2019 20:43

China wird die gesamte Weltwirtschaft innerhalb der nächsten 10 Jahre zu seinen Bedingungen umgekrempelt haben. Da ändert weder ein Deutschland, noch die tolle USA etwas dran. Am Klimaschutz im Übrigen auch nicht.

Mordred
Mordred
Reply to  Defi Brillator
16. April 2019 10:25

Ich glaube nicht, dass die USA das zulassen werden.

ChrissieR
ChrissieR
15. April 2019 21:03

Extrem – O.T.:

Seit 18:50 brennt Notre Dame in Paris…bin grad in Frankreich und sehe das in FranceInfo…

Wohl bei Restaurierungsarbeiten passiert, immerhin sagt niemand was vom IS…
Aaaber…Macron könnte das wohl., so wie Schröder dsmal die Flutkatastrophe zur Popularität ausnutzen?

Liege ich da total verkehrt???

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  ChrissieR
15. April 2019 21:18

Und nochwas: Verschwörungstheorie-Extrem!!!!
Der Macron sollte heute abend um 20:00 Uhr die Reaktionen der Regierung auf die Umfragen und Gespräche , initiiert durch die Gelbwesten, im Fernsehen bekannt geben….das ist erstmal abgesagt…

Denke nur ich da an : Zufälle gibts nicht..???

Pen
Pen
Reply to  Roberto J. De Lapuente
16. April 2019 9:12

Je suis Notre Dame et non, je ne regrette rien!

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  Roberto J. De Lapuente
16. April 2019 12:48

Roberto, Du bist doch Literat…
Vielleicht war das Ganze ne Promotion-Aktion um Victor Hugo besser zu verkaufen! Hab heut schon in FranceInfo gesehen, dass die Leut jetzt wieder das Werk kaufen, das ja auch den damaligen Brand der Kathedrale thematisiert hat…

Pen
Pen
Reply to  ChrissieR
17. April 2019 8:39

Also, ich halte den Brand von Notre Dame für ein schlechtes Zeichen, so im Sinne von Synchronizität und so. Der Brand half Macron, sich vor der Diskussion seiner Vorschläge zur Situation der Gelbesten zu drücken, ein eindeutiger Vorteil für den Typen mit dem teuflischen Grinsen, und wer weiß, mit welchen Mächten außer der Finanzinsustrie er noch im Bunde steht. So lange dieses gehypte Jüngelchen nicht zurückrtitt, wird es wohl noch an vielen Stellen brennen, aber nicht mehr zu seinem Vorteil.

(Sarkasmus off)

ChrissieR
ChrissieR
17. April 2019 14:39

Ey ho..
O.T.

Gentrifizierung in Patis!!!

Quasimodo sucht ne neue Wohnung, da seine grade heiss saniert wird!!!!

ChrissieR
ChrissieR
Reply to  ChrissieR
17. April 2019 14:41

PARIS latürnich.bwohl Pastis auch passen würde

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