Erdöl, Kaffee, Victoriabarsch: Was für ein Lebensgefühl!

Nach dem Anschlag in Barcelona hat auch FDP-Chef Christian Lindner die sozialen Netzwerke mit eine Stellungnahme beglückt. Wenn auch der Terror »der freien Welt den Krieg« erkläre, so seien wir doch stärker, beteuerte er per Meme und leitete das Bildchen mit den Worten ein, dass es eine Verpflichtung sei, »unsere Lebensweise zu verteidigen«. Da ist sie wieder, die Floskel von der Lebensart, die die US-Amerikaner schon vor Jahrzehnten anwandten, um Kriege fernab der Heimat als einen Kampf um den »way of life« zu deklarieren. Schon in Vietnam ging es angeblich nur darum. Von wegen Eindämmung des Dominoeffektes und so – Vietnam war der erste aller Lebensgefühlskriege.

Weiterlesen im Neuen Deutschland

Diesen Beitrag ausdrucken
Unterstütze uns und hilf dabei, die neulandrebellen besser und wirkungsmächtiger zu machen
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

3 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments
Carlo
Carlo
4 Jahre zuvor
Knallcharge
Knallcharge
4 Jahre zuvor

Was für eine Fundamentalkritik! Nur um in der Reklame auf der Seite „Neues Deutschland“ dann an die Normalität des Seins erinnert zu werden. Besonders pikant im Kontext der Überschrift mit ihrem moralischen Impetus.
Was stand in der Anzeige? Nur ein Buch mit den besten Fischrezepten.

Und wo liegt meine Kritik? Im Grunde habe ich keine. Vielleicht die, das ich die sozial-romantische Dauerwerbesendung „der Westen raubt XYZ total aus!“ nicht mehr hören kann. Das Wirtschaftssystem ist da und es ist alternativlos. Warum? Nicht aus Überzeugung sondern weil es keine andere Möglichkeit mehr gibt Milliarden Menschen satt zu kriegen, wie ich meine. Das System ist da, es wird sich nicht ändern lassen. Auch wenn da noch so viel dran rumgemosert wird. Oft wird es aber auch schlechter geredet als es ist. Da sind alle Kapitalisten Brunnenvergifter und jeder Landwirt, der sich gegen natürliche Plagegeister wehren muss um die Monokultur eines effizienten Landwirtschaftens sicher zu stellen der wird zum rücksichtslosen Totengräber der Umwelt, der Natur und aller Tier und Pflanzenarten gemacht. Meistens ohne das die sozialen Schreiberlinge irgendeine Ahnung hätten von Landwirtschaft noch den Lobbyismus und die massive Gewalt verstünden, die in der Forderung von Subsistenzwirtschaften für Alle zwangsläufig ergibt: Armut und Mangelwirtschaft ergibt oder ergäbe sich auch daraus.

Nur in Bereichen in denen mit Luxusprodukten wie Kakao oder Kaffee, Feinkost und teuren Früchtchen gearbeitet werden kann, gibt es einen Spielraum für solche Kooperationen. Wenn es um Grundnahrungsmittel geht, funktioniert das nicht. Dafür kann kaum jemand den Bioobolus zahlen oder teure angebliche „Fair“-Preise. Es sei denn er gehört zu der Klientel, die selbst Victoriabarsch kauft, handgeangelt, Wildfang. Man hält ja was auf sich als treuer Bio-Genosse. Teure Kaffeesorten hyped und mit massenhaft Erdöl ganz ungeniert ihre Bonzenkarren betreibt während sie in treuer Pfaffenmanier Wasser predigt und Wein säuft – oder um zu zeigen, wie wenig Unschuldig die Normalos des Mittelstandes sind: Ihren überflüssigen Urlaubsflug mit subventioniertem Sprit über den Wolken mitmacht. hunderte, tausende Tonnen co2 mit dessen Äquivalent ein Armutgeplagter Schweinefleischesser ohne KFZ, Urlaub und Eigenheim locker für Jahre billgstes Schweinefleisch konsumieren könnte, wofür er vom links-ökologischen Jetset sofort hingerichtet wird – die armen Tiere, die verhasste Massentierhaltung! – Wie Massen von Menschen ernährt werden sollen als mit Massenfruchthaltung und Massentierhaltung hat mir noch keiner beantwortet. Maximal kommt der emotionale Wunsch einer Rückkehr zu tribalistisch-familiären Kommunen, zu einer Produktionsweise ganz ohne Hilfsmittel technischer und chemischer Art, die die Natur angeblich besser pflegt als das, was heute die Menschheit nährt und gleichzeitig durch die Effizienz riesige Naturschutzgebiete ermöglichen kann. Die Flächenverschwendung, die Spritzmittel des Biolandbaus, der Waren- und Markenfetisch der Biobranche mit seiner religiösen Verehrung für Tier und Scholle – alles kein Wort wert.

Nur die Ausbeutungskultur ist anklagenswert. Daran ist sicher viel auszusetzen. Nur die Antworten auf Fragen wie es anders funktionieren soll bleiben diese Leute schuldig. Und am Ende kommt es dann zum Clash, selbst bei den wahrhaftigsten der Sozialrechtler: Sie sind selbst für ihr Auskommen zu Kompromissen gezwungen, sie wollen selbst Einkommen haben und müssen dies auch. Sie brauchen genauso etwas zwischen den Zähnen und einen Platz zum schlafen.

Hier kommt die Widerwärtigkeit der philosophischen Sozialrechtler zum tragen: Sie labern den ganzen Tag. Wo sind die Taten? Ausser Gerede ist meist doch nichts und wenn es hoch kommt artikuliert der philosophisch besserwissend schwätzende Sozialakteur von einer besseren Welt Traumtänzer-Visionen vom BGE oder anderem, das der Kapitalist! Fordert und dessen Pervertierung schon längst beschlossen ist, während es noch als Vision durch die Köpfe geistert. Woher Kapital und Waren kommen sollen bleiben diese Öko-Sozialen-Gewissensträger und Verteiljongleure der Welt immer wieder schuldig.

Am Ende wirbt der Sozial-Kritiker für die Produkte und das Lebensgefühl mit, welche er in seinem eigenen Pamphlet angeklagt hat.

Mögen die „Die besten Fischrezepte“ aus Mecklenburg-Vorpommern aus dem Buchverlag Fuer Die Frau“ auf 95 Seiten gebunden für nur noch 9.95 € auf totem Holz dem Ökolandbauer und dem hungrigen Nigerianer das Leben verschönern.

Ob das Buch ein Fischrezept für „Victoriabarsch“ enthält?

GrooveX
GrooveX
Reply to  Knallcharge
4 Jahre zuvor

endlich ein glaubwürdiger rant aus dem lager der fallschirmspringer- und teppichschmugglerpartei. weiter so! irgendwie vermisse ich mehr positive parteinahme für die deutsche lebensmittel-, automobil- und pharmaindustrie. tribalistisch-familiäre kommunen finde ich dagegen toll formuliert, also fast schon tollwütig.

aquavit macht küstennebel fit. schnapp dir den anton und das fragezeichen und von den nachbarn den durchgeknallten denunununziantenkalle, und dann macht ein alternativloses grillmeisterblog auf, nur echt mit schweinebauch mariniert aus mecker-pommes.