JackPod-Streitgespräch: FDP versus die Linke über die Wirtschaft

Es hat eine Weile gedauert, denn die Terminkalender sind so kurz vor der Bundestagswahl mit nur übersichtlichen Lücken gefüllt. Letztlich haben wir es aber doch geschafft, einen Kandidaten der Linken und einen der FDP zu einem Gespräch über die jeweilige Wirtschaftspolitik an die Mikros zu bekommen.

Angeschrieben hatten wir übrigens neben der Linken und der FDP auch die SPD, die CDU und die AfD. Möglicherweise war denen aber unser Blog doch zu links. Oder es gab andere Gründe, sich auf ein Gespräch über die geplante Wirtschaftspolitik mit uns nicht einzulassen.

Wie dem auch sei – herausgekommen ist ein Podcast von einer Stunde Dauer. Das ist eine Menge Holz, ließ sich aber nicht vermeiden. Und die beiden Gespächspartner hätten wohl auch noch so weitermachen können.

Und noch ein Hinweis: Wer erwartet, dass hier zwei Politiker mit scharfen Messern aufeinander losgehen, der wird enttäuscht. Das Gespräch ist – ohne das explizit geplant zu haben – recht ruhig und sachlich geworden. Sogar Übereinstimmungen kommen vor, wenn auch die Konsequenzen unterschiedlich bewertet werden. Das lässt sich natürlich nicht auf die bundespolitischen Positionen übertragen, zeigt aber zumindest, dass ein Diskurs hier und da möglich ist. In dasselbe Bett steigen aber auch diese beiden Kontrahenten sicherlich nicht. Weder vor noch nach dem September 2017. Und – das ist meine persönliche Meinung – das wäre auch verheerend!

Der Podcast ist etwas weiter unten als Audioplayer zu finden, lässt sich downloaden und kann über Soundcloud gehört werden.

Zunächst aber eine ganz kurze Vorstellung der beiden Gesprächspartner.

Michael Theurer, FDP, ist Mitglied im Europäischen Parlament, seit 2013 Vorsitzender des FDP-Landesverbands Baden-Württemberg sowie Mitglied im FDP-Präsidium, wo er zuständig für die Bereiche Wirtschaft und Arbeit ist.

(Foto: Website Michael Theurer)

Sascha Bahl, die Linke, ist Bundestagsdirektkandidat für den Kreis Bergstraße, Delegierter des Landesparteitages, Delegierten des Landesrates und beratendes Mitglied des Landesvorstandes Hessen gewählt worden.

(Foto: Website: Sascha Bahl)

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Patrik
Patrik
5 Jahre zuvor

Es gab keine Krise sondern ein Economic Hit gegen 99% der Menschen im Westen! Geld ist nicht weg! Es hat nur ein anderer! Und die Geldmasse nach oben hin zu entwerten, wird jedes Jahr automatisch zu 60% betrieben! Durch den Innovationsspung in 2005-13 musste zusätzlich zwischenzeitlich mal 100% entwertet werden, um den Mangel aufrecht zu erhalten. Zudem kam die Energiepreisbindung durch dezentrale Energiequellen in Gefahr. Das Konstrukt des Leistungsprinzips wird durch die Industrie 5.0 in Frage gestellt. Und durch die dezentrale Energie unkontrollierbar. Dies sorgt bald in entwicklungsländern für einen ernomen wirtschaftlichen Aufschwung! Denn diese werden dies nutzen! Aber auch China oder USA. Das wird kein Wettbewerb, da wir mit der Innovation nicht konkurrieren können. Es wird eine Privatisierung sondergleichen. Da auch der Investor dies nutzen kann. Wird es allerdings mittels BGE dezentral investiert ist die Besitzfrage nicht mehr zu stellen. Und wie gesagt ist das Leistungsprinzip ja raus!

Sascha Bahl
Reply to  Patrik
5 Jahre zuvor

Ein Economic Hit also.. Von wem ausgeführt? Einen Innovationssprung hat es zudem nicht gegeben, sondern einen Lohnverzicht. Dieser läßt sich ausserdem empirisch nachweisen, während der Innovationssprung im Reich der Märchen verortet ist.

Patrik
Patrik
5 Jahre zuvor

Um es mal ganz kurz aus zu drücken anhand eines beispiels: Es gibt keinen Mangel er wird suggeriert, damit die Arbeitsplätze / Steuerzahler/ Humankapital/Konsumet/Schuldner erhalten bleibt, um den Wirtschaftskreislauf generell nicht zu gefährden. Was allerdings Bullshitjobs sind, und die Bildung wird nicht angesprochen vom FDPler. Zwar rühmt er sich auf einige Erlfogreiche, aber sagt nicht, dass die Bildung für jeden dafür sorgt, dass er erfolgreich ist, indem man tatsächlich realwirtschaftlich notwendige Jobs lehrt. Zudem wird eine geplante Obsolesszenz auch hier genutzt, um die Arbeit zu eerhalten, statt sie durch Innovationen unnötig zu machen!. http://www.zukunft-mobilitaet.net/…/selbstheilender…/ Das war 2013! Wir haben nun 2017 und der Innovationsstand müsste die haltbarkeit bereits verdreifacht haben, oder gar durch andersartigkeit effektiver gemacht haben. (Flugtaxi Dubai) (Über) (Emobilität). Aber all dies wird nicht vom Staat und schon garnicht von den Privaten angegangen, weil die Lobby der vorinnovativen Nutzung der Ressourcen, seinen Markt durch Patentverhaltung aufrecht erhält. Um es Faktisch zu sagen: Würde die Bildung Inhaltlich auf die neusten Innovationen focussiert, ganz ohne vorselektion in Intellektgruppen, sondern anhand der Interessengebiete in diesen Bereichen, wäre das Gespräch innerhalb von 30 Jahren anders zu bewerten! Oder?

Tannenbaum
Tannenbaum
5 Jahre zuvor

Was mich an den Ausführungen Herrn Teurers am meisten stört, ist diese fehlerhafte Gleichsetzung „der Wirtschaft geht es gut“ == „den Menschen geht es gut“, die sich in großen Teilen der politischen Landschaft wie ein Virus festgesetzt zu haben scheint. Oh, und diese tiefe Besorgnis über die Arbeitsplätze in der „Finanzindustrie“. Als würde in dieser sogenannten „Industrie“ etwas „hergestellt“, das der Allgemeinheit. wenn es schon keinen Nutzen bringt, wenigstens nicht schadet.

Traumschau
Traumschau
5 Jahre zuvor

Erstaunlich! Bahl, ein Betriebswirt, argumentiert makroökonomisch und Theurer, ein Volkwirt argumentiert wie ein Betriebswirt!
Herr Theurer, sind Ihnen die Sektoren der deutschen Volkswirtschaft und deren Finanzierungssalden bekannt? Die saldenmechanischen Zusammenhänge scheint er vollkommen auszublenden.
Und klar: Preise spielen keine Rolle, weil unsere Waren soooo toll sind. Nur, man hat ja damals explizit die Nullrunden mit der „mangelnden“ Wettbewerbsfähigkeit begründet. Nur davon will er jetzt nichts mehr wissen. Die Zusammenhänge sind empirisch glasklar – einfach mal bei Flassbeck nachfragen!
Und die Gewerkschaften wurden nach Thatcher-Art mehr oder weniger durch die Agenda 2010 zerschlagen!

Mordred
Mordred
Reply to  Traumschau
5 Jahre zuvor

das ist genau der punkt: löhne mussten runter wegen mangelnder wettbewerbsfähigkeit. aber unsere waren werden natürlich vor allem wegen der hohen qualität gekauft. lol.
man könnte sich ja jetzt bspw. einfach mal autos in verschiedenen ländern sowie deren preise in kombo mit währung/kaufkraft angucken. da dürfte es in einigen nationen bzgl. deutscher autos zu erstaunlichen beobachtungen kommen.
warum können dort oft deutsche fahrzeuge wesentlich (!) billiger angeboten werden als hier? warum lohnt sich eigentlich oft das konzept des reimports?

Kegelrobbes
Kegelrobbes
Reply to  Mordred
5 Jahre zuvor

Gibt es irgendwo einen Artikel oder Literatur, der/die sich mit Wohlstandsverlust, auch Verlust von
Perspektive und Planungssicherheit beschäftigt, dies in Beziehung zu Eskalation
von Gewalt und Kriegsgefahr….bei uns im Wertewesten.. ?
Also,wir stellen uns eine Gesellschaftspyramide vor……
Bis in welche gesellschaftliche Ebene müssen sich oben genannte Faktoren
fressen bis der Laden kippt ? Wann ist Ende-Gelände ?
Wie hoch muss der Anteil der Verlierer in einer weitgehend nivellierten Mittelstandsgesellschaft werden ?
Welcher Verlust ist bis dahin hinzunehmen ? Muss es für die Betroffenen bis zum Äußersten kommen,
bis an die Existenzangst gehen, bis mit dem Rücken an die Wand ?
Gibt es dazu wissenschaftliche Literatur aus der Ökonomik, der Psychologie,
Soziologie etc. ?
Wann knallts hier ? Wann ist der Punkt der Unumkehrbarkeit erreicht ?

Roberto J. De Lapuente
Admin
5 Jahre zuvor

Sascha Bahl weist unter anderem auf diese Barth-Sendung hin. Ob es die noch gibt? Keine Ahnung. Aber ich hab mal was im ND dazu geschrieben. Siehe hier:
https://www.neues-deutschland.de/artikel/949373.powi-mit-m-barth.html?sstr=powi|barth

Roberto J. De Lapuente
Admin
5 Jahre zuvor

Ich möchte nochmal den sachlichen Charakter dieses Gesprächs loben. Ein Lob, das an beide Seiten geht. Wenn politische Aufklärung in den Öffentlichen so liefe, wäre die Lage im Wahlkampf eine ganz andere.
Was ich aber an der Haltung der FDP ganz besonders fadenscheinig fand (ich sage es so, weil Theurer für seine Partei spricht und ich ihn menschlich sogar sympathisch finde): Dass deutsche Unternehmen im Ausland Arbeitsplätze schaffen, sei eine gute Sache, weil man so vom Wohlstand auch dem Ausland etwas gebe. Das ist im Anbetracht der Meldungen der letzten Tage, in denen es hieß, dass deutsche Firmen im Ausland teilweise Menschenrechtsverletzungen in Kauf nehmen würden, natürlich der unterstrichene Leitsatz der gesamten neoliberalen Wirtschaftsordnung.