Und die Geschicht‘ von der Moral …

Ethischer Kundenboykott oder moralisch geschulte Manager: Beides ist irrelevant, denn Sittlichkeit ist nicht die Aufgabe des Marktes. Wer sie dorthin verlagert, lässt sie verpuffen. Moral ist ein politisches Primat.

Neulich lag gleich im Eingangsbereich der Frankfurter Stadtbücherei ein Buch aus, von dem ich annahm, es könnte interessant sein: Evi Hartmanns »Wie viele Sklaven halten Sie? Über Globalisierung und Moral« – ich griff zu, nahm es mit nach Hause. Evi Hartmann ist Wirtschaftsdozentin, sie betreut den Lehrstuhl für Supply Chain Management an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Bei Supply Chain Management geht es um Lieferanten- und Kundennetzwerke. Übersetzt würde man Versorgungskettenverwaltung sagen – was zugegeben blöd klingt, aber manchem da draußen deutlicher machen würde, um was es bei der Sache ungefähr gehen könnte. Jedenfalls las sich Hartmanns Buch ganz gut, denn es war nicht im Snobismus des Ökonomensprechs geschrieben. Das fand ich sympathisch. Und Hartmann tat nicht so, als lebten wir in einer harmonischen Welt mit einer Superwirtschaft. Dass was im Argen liegt: Schon der Titel machte das ja klar.

Trotzdem fand ich schwer Zugang. Sie sprach nämlich über Moral. Auch über unsere westliche Moral, die zum Beispiel Kinderarbeit grundsätzlich verdammt, aber nicht berücksichtigt, dass in den Weltgegenden, wo es Kinderarbeit gibt, das Kind nicht von bösen Eltern ausgebeutet wird. Dieser Umstand resultiert aus der Tatsache heraus, dass die Eltern nicht von ihrer Hände Arbeit bestehen können. Entweder ist man also bereit, grundsätzlich Fairtrade-Preise zu bezahlen oder man muss Kinder »etwas zum Haushalt zusteuern« lassen. So wie die Situation aber momentan ist, in diesen unmoralischen Zeiten, findet Evi Hartmann, ist es bigott Kinderarbeit zu boykottieren. Dass sie das so sieht, machte mir den Zugang jedoch nicht schwer. Ich sehe es ja tatsächlich nicht so viel anders. Es war allerdings etwas anderes, was mich störte.

Sie sprach nämlich auch vom Wirtschaftsnachwuchs, den sie betreute. Der kriege keine Ethik vermittelt auf der Uni. Und das findet sie fahrlässig. Wie kann man aber ethische Wertemaßstäbe erwarten, wenn man die jungen Leute in ihrer Ausbildung nicht darauf vorbereitet? Ich muss sagen, diese Haltung ist mir zu weltfremd. Moral ist kein Lehrstoff, der einmal beigebracht flugs im Alltag abrufbar ist – natürlich kann man Ethik im Rahmen einer philosophischen Schulung vermittelt bekommen. Aber dann hat man ethische Denkhistorie im Kopf, kann einige Denkmuster mit fachlichem Terminus belegen. Aber ein ethisches Gewissen rekrutiert sich daraus noch lange nicht. Das würde ja irgendwie auch bedeuten, dass Unstudierte keine Chance darauf haben, jemals moralisch zu agieren. Immanuel Kant hätte diese Einschätzung von Ethik übrigens auch verworfen, für ihn gab es eine apriorische Sittlichkeit, der Mensch ist nach seiner Meinung ethisch getaktet von Geburt an, ein moralisches Gewissen lag für ihn also in den menschlichen Genen.

Ob das jetzt so wie im kantianischen Sinne tatsächlich so ist, weiß ich nicht sicher. Es ist auch nicht relevant. Aber dass man lapidar sagen kann: Lehrt den jungen Wirtschaftseliten ein bisschen Moral, dann wird auch die Weltwirtschaft im Laufe der nächsten Jahre moralischer, das halte ich für reichlich naiv. Vielleicht ist es normal, dass man als Wirtschaftsdozentin so denkt. Man lebt in einem Mikrokosmos vermittelbarer Inhalte, sodass man irgendwann einfach zwangsläufig glaubt, dass alles ein solcher Inhalt sein kann. Aber ob ich mich in einer Alltagssituation moralisch verhalte oder nicht, ist nicht das Produkt von Schulung, sondern Charakterfrage, Abwägung und Erfahrung – und, was wahrscheinlich viel wichtiger ist, auch eine Frage gesetzlicher Grundlagen.

Dass nämlich ein Gesetzgeber irgendwie auch die Rolle eines moralischen Caretakers einnimmt, scheint momentan völlig aus der Mode geraten zu sein. Allerorten wird einem grenzenlosen Vertrauen in die Vernunft des Einzelnen gefrönt. Auf dieser »No border«-Grundlage sollen Regularien zum Schwangerschaftsabbruch verschwinden, so wie Regularien im Wirtschaftsalltag schon vor langer Zeit ausgesetzt wurden. Dass moralisches Handeln nur möglich ist, wenn der Gesetzgeber seinem gesellschaftlichen Auftrag entspricht, zum Beispiel dafür gesorgt wird, dass gewisse unmoralische Aspekte der Weltwirtschaft unterbunden werden, Spekulation auf Lebensmittel etwa, setzt doch jemanden mit moralischen Skrupeln keinen Anreiz, seinem inneren Verlangen nachzugeben. Tut er es doch, leistet er juristisch betrachtet Arbeitsverweigerung. Wenn es blöd läuft, verliert er seinen Job – und das nur, weil er moralisch sein wollte. Hätte er mal vor Jahren diesen Ethikkurs nicht besucht, dann hätte er von der ganzen Sache ja keinen Schimmer gehabt und hätte gedacht, dass das Verwetten von Weizen eine gute und grundanständige Sache sei.

Eine umfängliche Moral ist nicht die lehrstoffbasierte, individuelle Verantwortung. Jedenfalls nicht alleine. Ohne einen starken Hegemon, der unter anderem auch nach moralischen Prämissen gestaltet und verwaltet, hilft es nichts, zwischendrin mal ein guter Mensch sein zu wollen. Jedenfalls nichts, was über den Rahmen eines guten Trinkgeldes, Nachbarschaftshilfe oder ein nettes Lächeln zum richtigen Zeitpunkt hinausgeht. Eine Wirtschaft lässt sich nicht in ethischere Bahnen lenken, bloß weil die Mitspieler innerhalb eines ansonsten amoralischen Systems plötzlich hie und da die Moral als Rettungsanker finden.

Moral ist staatliche Agenda, ist das Betätigungsfeld des politischen Primats. Die Wirtschaft muss nicht durch ihre Marktteilnehmer moralisch werden. Sie kann es nur durch gesetzte Grenzen. Durch jemanden, der sagt, bis wohin man darf und wo es kriminell wird. Wir brauchen keine Betriebswirtschaftler, die sich in den Ethikkurs setzen, sondern eine Politik, die sich traut, der Wirtschaft Vorgaben zu machen. Das ist das eigentliche Problem unserer Zeit. Das dadurch entstehende moralische Regulativ nennt sich dann Vernunft. Und die lässt sich nicht in die Wirtschaft hinüberprivatisieren. Frau Hartmann hat es sicherlich gut gemeint – aber mit den Ansätzen des guten Meinens, wie wir das heute an so vielen Stellen erleben, wenn man sagt, der Staat soll doch aufhören Vorgaben, Gesetze, Regeln oder Grundbedingungen zu entwerfen, kommt man lediglich in der Verschlechterung an. Gut gemeint heißt eigentlich fast immer schlecht ausgeführt.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
3 Jahre zuvor

Und ich dachte, Kinderarbeit gehöre verboten, aus rein wissenschaftlichen Gründen, medizinischen, biologischen, psychologischen und soziologischen. Verboten, nicht boykottiert. Und außerdem dachte ich, wir hätten die Moderne hinter uns gelassen, nicht vor uns hergeschoben. Dabei war ich ja aus ganz billigen Gründen ein Freund der Moderne. Sie schuf einen einigermaßen überschaubaren, gleichwohl geräumigen Rahmen für Kopf und Gesellschaft, und es fiel mir nicht schwer, mich gegen sie abzugrenzen und abzuheben. Aber wieder der Sittlichkeit und staatlich verordneter Moral unterworfen zu werden, sozusagen zurück ins vormoderne Preußen, ach nein, das muss jetzt wirklich nicht sein. Dann lieber dieses ganze Übergangschaos, das sie Postmoderne nennen. Manchmal muss man historische Entwicklungen ertragen, die länger gehen als man alt wird. Ach ja, und deren Ausgang nicht ohne Weiteres ersichtlich ist. Aber das ist kein Grund, die Perücke wieder auszugraben, sich mit Puder statt Wasser zu waschen und die Notdurft mit dem Hintern aus dem Haus zu verrichten.

Nun lasset uns beten!

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Drunter & Drüber
3 Jahre zuvor

Wenn die Moral von „oben“ kommt, bzw. kommen muss, wäre dies in der Tat ein kultureller Rückschritt, und vielleicht sogar ein Widerspruch ins sich. Denn wie kann ein demokratisch verfasster Staat eine “ irgendwie auch die Rolle eines moralischen Caretakers“ annehmen, und die Wirtschaft nicht?

Das ist schizophren oder eben undemokratisch, und genau so wie unserer Wirtschaft z.Z. weitgehend geführt wird. Von daher wäre es wohl besser man demokratisiert die Wirtschaft und dann ergibt sich das mit der Moral von alleine.

Beste Grüße

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Wer mit „Moral“ dealt, kriegt auch solche Verknüpfungen fast unwidersprochen hin: „Auf dieser »No border«-Grundlage sollen Regularien zum Schwangerschaftsabbruch verschwinden, so wie Regularien im Wirtschaftsalltag schon vor langer Zeit ausgesetzt wurden.
Irrationaler und damit in der moralischen Sphäre besser verankert geht es wohl kaum! Was wir Die Wirtschaft nennen, sollte aufhören, uns soviel Respekt einzuflößen, dass wir ihm mehr als eine Rolle zugestehen außer Betätigungsfeld für Spielsüchtige. Dann erübrigte sich die Frage nach Moral. Was bliebe wäre die Frage nach den strafrechtlichen Verfahren, die ja an allen Ecken und Enden eingeleitet werden müssten, hätten wir rechtsstaatliche Verhältnisse!
Und – wir sollten uns auch nicht mehr über schwangere Frauen echauffieren, denen unsere verqueren moralischen „Argumente“ das eigene Leben wie eh und je erschweren, beeinträchtigen und verletzen (im völlig unmoralischen, aber wissenschaftlich korrekten, Sinn).

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Drunter & Drüber
3 Jahre zuvor

Womit wie m.E. bei der Frage wären, ob es irrational ist sich als Gesellschaft immer wieder darüber zu einigen was grob gesagt gut, und was böse ist.

IMO ist das nicht irrational wenn man es als Prozess begreift, und gewisse humane Leitplanken einbaut.

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Interessanter Aspekt, „Das Böse“ als Ergebnis eines gesellschaftlichen Einigungsprozesses begreifen zu wollen. Ich halte das sehr wohl für irrational und glaube, die Auseinandersetzung darüber geht weit über das in dem Artikel Angeschnittene hinaus und bedarf einer ganz anderen Ernsthaftigkeit beim Formulieren von Gedanken.

Mir würde für heute schon reichen, wenn wir uns darauf einigen könnten, dass „Die Wirtschaft“ ein Phantom ist, ein nackter Kaiser, nichts, das uns schrecken müsste und auf keinen Fall eine Art Entität, die uns Regeln setzen darf. Mit einer solchen Erkenntnis kann man anfangen, diejenigen loszuwerden, die glauben, uns mit der von uns gestatteten Macht zu drangsalieren. Und wer die Arbeit von Kindern für den eigenen Profit ausbeutet, kommt halt in den Knast! Fertig, aus, vorbei! Man muss doch so etwas mal direkt vom gewählten Staat einfordern, nicht erbetteln, dann erübrigt sich die moralische Frage, die ja nichts ist als ein hilfloses Gejammer angesichts der Leiden der Kinder dieser Welt.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Drunter & Drüber
3 Jahre zuvor

Und wie bitte kommen denn so gute (ich sage das mal jetzt bewusst) Gesetze zustande, die richtigerweise dazu führen das Kinderarbeit streng verboten ist?

Das ist doch im Grunde keine rationalen Entscheidung, sondern man hat sich letztendlich nach einigen Irrwegen als Gesellschaft darauf geeinigt, und dann in Gesetze formuliert.

Das die Wirtschaft keine Macht haben sollte, und uns als Gesellschaft keine Regeln, sonder anders herum, machen sollte empfinde ich als völlig richtig. Nur wird ja von allen Seiten posaunt das es gut und rational ist, dass die Märkte die kapitalistische Leitgröße sind, und m.E. auch eine erhebliche (demokratisch nicht legitimierte) Macht haben, die uns durchaus erschrecken sollte.

aquadraht
aquadraht
Reply to  Drunter & Drüber
3 Jahre zuvor

Ich verstehe Deinen Punkt nicht ganz. Sicher gehört Kinderarbeit verboten und ist es auch, bei uns, in Russland und vielen anderen zivilisierten und wirtschaftlich besser aufgestellten Ländern. Und so wie ich es für richtig halte, sexuellen Kindesmissbrauch durch deutscher Justiz unterstehende Personen auch dann zu bestrafen, wenn er ausserhalb unserer Grenzen geschieht, wäre es auch ok, den ökonomischen Kindesmissbrauch durch deutscher Gesetzgebung unterstehende Institutionen und Unternehmen rechtlich zu verfolgen.

„Die Wirtschaft“ ist gewiss ein ideologischer Begriff, der Namen und Hausnummern verschleiern soll. Ein nackter Kaiser ist das aber eher weniger, eher schon nackte Gewalt, die sehr real dahinter steht.

a^2

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  aquadraht
3 Jahre zuvor

@a²

Laienhafte Erklärungsversuch

Worauf ich eigentlich hinaus wollte, im Kontext „Moral“ und zu dem was drunter@drüber schrieb, dass es m.E. durchaus im menschlichen Sein große Irrationalität gibt, die wesentlich die Entscheidungen des Einzelnen wie auch der Gesellschaft positiv wie auch negativ beeinflussen.

Ein Beispiel: Ich glaube fest daran, dass der Satz „Jeder menschliche Wesen ist gleichwertig!“ vollkommen richtig ist, rational beweisen kann ich das allerdings nicht.

Mit der Moral, definiert als “ Normensystem, dessen Gegenstand das richtige Handeln von vernunftbegabten Lebewesen ist“ verhält es sich doch auch so. Ohne so eine Übereinkunft geht es doch m.E. nicht, wobei die Gefahr besteht das Moral misbraucht wird, und als starr und unveränderlich angesehen wird, was sie weiß Gott natürlich nicht ist. 😉

Beste Grüße

Sukram71
Sukram71
Reply to  Drunter & Drüber
3 Jahre zuvor

Und ich dachte, Kinderarbeit gehöre verboten, aus rein wissenschaftlichen Gründen, medizinischen, biologischen, psychologischen und soziologischen. 

Es wäre schon ein riesen Fortschritt, wenn Kinder – trotz etwas Arbeit – alle zur Schule gehen würden und die Kinderarbeit halbwegs „kindgerecht“ ist. Also nicht zu zeitraubend und schwer.

42
42
Reply to  Sukram71
3 Jahre zuvor

Was ist am Knüpfen von Teppichen schwer und zeitraubend ? Die Kinder könnten ihre Teppiche schneller
knüpfen und hätten anschließend noch Zeit für die Hausaufgaben. Das ist alles eine Sache der Motivation.
Der Trommler erhöht die Schlagzahl und dann passt das schon. Dieses Geschwafel von einer „glücklichen
Kindheit“ ist Ausdruck einer übersättigten und dekadenten Gesellschaft.

Der Mehrwert von Kinderteppichen sollte auch nicht unterschätzt werden. Kleine Finger, kleine Maschen.
Dieser Qualitätsgewinn der Produkte kommt letztendlich der Familie wieder zugute.

42
42
Reply to  Sukram71
3 Jahre zuvor

„Kindgerechte Kinderarbeit“ …. Wie kann man nur dermaßen bescheuert sein !?
Im Grunde ist es unmöglich so bekloppt zu sein !

Sukram71
Sukram71
Reply to  42
3 Jahre zuvor

“Kindgerechte Kinderarbeit” …. Wie kann man nur dermaßen bescheuert sein !?

Es ist ein Unterschied, ob ein Kind täglich 10 Stunden T-Shirts näht und Teppiche knüpft, bis die Hände blutig sind, oder ob es das täglich zwei Stunden nach der Schule macht und jährlich bei der Ernte hilft, weil die Eltern auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen sind.

Wie kann man nur so bescheuert sein, den Unterschied nicht zu sehen?! 😉

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Sukram71
3 Jahre zuvor

Hoffentlich sind wir uns einig, dass es am besten ist wenn die Gesellschaften so konfiguriert sind, dass Kinder Kinder sein dürfen, und eben nicht arbeiten müssen.

Leider liegt aber hierbei der Teufel im Detail, und in der Tat könnte man ggf. die Lage der Kinder verschlechtern, wenn man rigoros die Kinderarbeit verbieten würde, da wo sie heute noch erlaubt ist.

Darum hat „Unicef hat Kriterien festgelegt, die zeigen, wann Kinderarbeit als schädliche Ausbeutung bezeichnet werden muss. Dies ist der Fall, wenn
die Kinder vollbeschäftigt werden,
sie zu viel Verantwortung tragen, unter langen Arbeitszeiten und schlechter Bezahlung leiden,
die Arbeit langweilig und monoton ist,
das Arbeitsumfeld gefährlich ist, zum Beispiel unter Tage oder auf der Straße,
die Arbeit sie körperlich oder seelisch zu stark belastet,
keine Zeit und Kraft mehr für die Schule und zum Lernen bleiben.

Quelle

Ich glaube hier müssen wir uns unbedingt mal an die eigene Nase fassen und fragen wie es um unsere Verantwortung gestellt ist, unser (ungleich verteilter zwar) Reichtum fußt nämlich m.E. auf so Zuständen.

Beste Grüße

42
42
Reply to  Sukram71
3 Jahre zuvor

Nach der UN – Kinderrechtskonvention Art. 32 ist jede Form von Kinderarbeit verboten weil inzwischen ein Mindestalter von 15 Jahren festgelegt wurde. „Kind“ ist man auch bei uns noch mit 14 Jahren und deshalb nicht strafmündig. Ab 15 ist man Jugendlicher und kein Kind mehr. Hilfe bei der Hausarbeit ist erlaubt,
wirtschaftlicher Ausbeutung durch Arbeit verboten, weil diese die körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung eines Kindes schädigt.

Die USA haben im Jahr 2017 610 Mrd. Dollar für Rüstung verpulvert. Mit deren 10Jahres-Rüstungshaushalt könnte man weltweit Familien unterstützen und jede Kinderarbeit verüberflüssigen, ebenso die hässlichste aller Formen der Minderjährigenbeschäftigung, das Kindersoldatentum, unterbinden.
Ganz zu schweigen von den kriegstraumatierten Kinder die von den Amerikanern in Situationen gestoßen wurden, in denen Kinder nichts verloren haben.

Eltern sind nicht wirklich auf „die Hilfe ihrer Kinder angewiesen“. Angesichts der weltweiten Ungleichverteilung ist so eine Behauptung schlichter Stuss.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  42
3 Jahre zuvor

Unicef selber differenziert zwischen ausbeuterischer Arbeit und z.B. Arbeit (sie nennen das dann Beschäftigung) im Familienverbund, damit alle über die Runden kommen. (Infos hier)

Was Du schreibst ist natürlich auch 100% richtig, nur was sollen die armen Menschen konkret im hier und jetzt machen, wenn wir lieber Geld in Waffen stecken als in die Entwicklungshilfe?

Chris
Chris
3 Jahre zuvor

„Moral ist staatliche Agenda, ist das Betätigungsfeld des politischen Primats.“

Moral kriegen wir mit der Muttermilch entweder mit, oder eben nicht. Die vielen winzigen, unmoralischen Fallen des Berufs- und Privatlebens kann der Staat nicht regeln. Das könnten höchstens die Politiker mal vorleben, das mit der Moral. Oder hab ich den Artikel so völlig missverstanden?

Die großen Verbrechen, wie Spekulation auf Lebensmittel, die könnte man staatlich regeln, wenn der Wille bestünde.
Aber die kleinen, fiesen Entgleisungen, die verlangt werden vom Boss, die kriegt ja nicht mal jemand mit.

Ich hab meinen Job verloren, weil ich mich schlicht geweigert hab, 2 unliebsame (weil zu teuer gewordene) Kollegen mit Intrigen und Lügen ans Messer zu liefern. Bei solchen „Kleinigkeiten“ fängt doch Moral an!

pen
pen
Reply to  Chris
3 Jahre zuvor

@Chris,

Zustimmung.

Moral kriegen wir mit der Muttermilch entweder mit, oder eben nicht. Die vielen winzigen, unmoralischen Fallen des Berufs- und Privatlebens kann der Staat nicht regeln. Das könnten höchstens die Politiker mal vorleben, das mit der Moral.

Oder hab ich Dich falsch verstanden?

Das Beispiel, daß die Eliten in der Sache Moral geben, hat mMn eine größere Wirkung auf die Moral aller, als Gesetze. Es ist wie in der Erziehung: Kinder lernen durch das , was die Eltern sind, nicht durch das, was die sagen.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  pen
3 Jahre zuvor

@pen

Wenn man die Moral wie folgt definiert, was IMO Sinn macht:

Unter einer Moral versteht man (1) ein Normensystem, dessen Gegenstand das richtige Handeln von (2) vernunftbegabten Lebewesen ist und für sich das Anrecht auf (3) Allgemeingültigkeit erhebt.

Quelle

Wäre die alleinige Vorgabe von Moral durch 0,1% der Menschen (nämlich der Eliten) m.E. schon gar nicht möglich, weil dies unmoralisch ist, zumindest aus der heutiger demokratischen Sichtweise.

Beste Grüße

pen
pen
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Wenn die Eliten diesem von Dir zitierten Normensystem folgen würden (und darauf stützt sich meine These ) , dannn könnten sie durchaus ein Beispiel sein, bzw. Vorbildfunktion haben. Leider ist dem nicht so. Die Gier hat die allgemeingültigen, moralischen Standards zerstört. Vernunftbegabt? Also. ich weiß ja nicht.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  pen
3 Jahre zuvor

@pen

Dieser Konjunktiv ist m.E. in der Gesellschaft in der wie leben ein Paradox. Die Eliten die den Ton angeben, sind die u.a. nach Mausfeld definierten Machteliten, die können keine wirkliche Moral die können nur Macht. 😉

Beste Grüße

pen
pen
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Soisses 🙂 Aber man wird ja noch träumen dürfen.

Defi Brillator
Defi Brillator
3 Jahre zuvor

Die Vorgaben und Gesetze allein ändern indes nicht so viel. Die meisten werden trotzdem ihre Geschäfte machen, erst recht wenn die Firma mehr Geld hat und macht, als viele Staaten zusammen (frei nach Peter Altmaier: „Wenn wir den Ägyptern keine Waffen liefern, macht das nur jemand anders“). Mann muss halt schon mal schauen, ob die eingehalten werden und entsprechend ahnden. Das passiert aber in der Regel eher bei den kleinen Fischen, die sich mitunter dabei auch nicht sonderlich geschickt anstellen.
Diese Probleme sind systemimmanent.

Heldentasse
Heldentasse
3 Jahre zuvor

Ich empfinde den Artikel ein wenig verschwurbelt, besonders die Aussagen über Herrn Kant, allerdings ist die (m.E.) Kernaussage „Moral ist staatliche Agenda, ist das Betätigungsfeld des politischen Primats. Die Wirtschaft muss nicht durch ihre Marktteilnehmer moralisch werden. “ nicht falsch, wenn man es denn rein formal betrachtet.

Wobei natürlich die „staatliche Agenda“ Mensch gemacht ist, und Menschen ohne „Moral“ dürfte es ja schwer fallen moralische Aspekte in die Agenda einzubringen, und gleiches gilt für die Wirtschaft die zwar formal gesehen ohne Moral funktioniert, aber gut beraten ist zur mit der Wissenschaft von der Moral, nämlich der Ethik, zu beschäftigen.

Hierzu gibt es schon lange den Bereich der Wirtschaftsethik, der sich dies wichtigen Themas unabhängig von einer staatlichen Agenda annimmt:

Gegenstand der Wirtschaftsethik ist die Anwendung ethischer Prinzipien auf den Bereich wirtschaftlichen Handelns. Zentrale Werte sind dabei Humanität, Solidarität und Verantwortung.[1] Die Rechtfertigung wirtschaftsethischer Normen ergibt sich aus den Folgen wirtschaftlichen Handelns auf andere Menschen und die Umwelt. Maßstäbe hierfür sind soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Dabei ist es nicht Aufgabe der Wirtschaftsethik, Handlungsanweisungen auszuarbeiten. Ihre Funktion ist vielmehr die einer Orientierungshilfe für aktuelle Debatten durch Reflexion, Methoden und kritische Analyse.[2]

Quelle

Mein Ergo: Womöglich sind einige Markteilnehmer schon um einiges weiter in ihrer Entwicklung, als das was dieser Artikel andeutet.

Beste Grüße

42
42
3 Jahre zuvor

Unser Rechtssystem ist auf der Grundlage des kategorischen Imperativs von Kant entstanden.
Der Roberto liegt da schon richtig. Der Gesetzgeber
trägt die ethisch moralische Verantwortung.
Die Unternehmen sind nichts als ihrem Gewinn verpflichtet.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  42
3 Jahre zuvor

Die Unternehmen sind nichts als ihrem Gewinn verpflichtet.

Ich denke das ist genau die Handlugs und Denkweise die uns letztendlich das Genick brechen wird. Als ob man de facto Unternehmen und den Gesetzgeber strikt trennen kann. Man schaue sich nur mal an welchen Einfluss große Konzerne auf den Gesetzgeber nehmen! Viele Gesetze werden schon fix und fertig den Ministerien von den Lobbyisten überreicht, zwecks abnicken im Parlament.

Das ist de facto Unmoralisch hoch drei, und die Moral bleibt da systembedingt automatisch auf der Strecke.

Beste Grüße

42
42
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Ausnahmen bestimmen nicht die Regel.
Was uns das „Genick brechen wird“ ist die
Tatsache, dass wir der Gesetzgeber sind
( siehe Aufschrift Reichstag ) und es uns
nicht interessiert.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  42
3 Jahre zuvor

Das sieht aber der Herr Mausfeld sehr begründet ganz anders, auch wenn es de jure natürlich stimmt.

https://youtu.be/Vk3_M9ylbQY?t=1311

42
42
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Er sieht es weder in Analyse noch Konsequenz anders.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  42
3 Jahre zuvor

Also de facto machen nach Herrn Mausfeld die Machteliten die Gesetze und nicht der eigentliche Souverän:

Die Lösung liegt darin, das Freiheitsbedürfnis der Bürger mit einem Surrogat zu ‚stillen‘, es mit einer Ersatzdroge zu befriedigen, nämlich der Illusion von Demokratie. Um eine solche Illusion von Demokratie zu schaffen, benötigt man vor allem – und genau hier kommt die Herden-Metapher wieder ins Spiel – eine Rechtfertigungsideologie, die begründet, warum das Volk unmündig sei und
einer Führung bedürfe. Ferner muß die für das Volk so attraktive Idee von Demokratie so entleert werden, dass sie nur noch auf einen Wahlakt beschränkt ist. Und schließlich benötigt man ein kontinuierliches Demokratiemanagement, damit das Volk bei dem Wahlakt auch so will, wie es wollen
soll.

Quelle

Heiko
Heiko
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Das ist aber der Kapitalismus. Wie sagte Marx? „Der Kapitalist ist dazu verurteilt Profit zu machen.“ Moral kann er sich nicht leisten. Wer also über Moral in der Wirtschaft reden will, muss über den Kapitalismus reden

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Reply to  Heiko
3 Jahre zuvor

Wie sagte Marx? “Der Kapitalist ist dazu verurteilt Profit zu machen.”

Weshalb er schlussfolgerte, dass der Kapitalismus letzendlich zum Scheitern verurteilt ist, weil
Kapitalakumulation, Konzentration der Produktion und Zentralisation des Kapitals zu immer höherer Arbeitslosigkeit der Massen und zur ständigen Verschlechterung der Lebensbedingungen der
Arbeiterklasse führen wird.
Unsere neoliberalen Politidioten beschleunigen diesen Prozess durch Umverteilung von unten nach
oben und Vergößerung der industriellen Reservearmee durch sinnfreie Zuwanderung in den Arbeitsmakt.

Nach Marx befinden wir uns im Vorhof der Revolution. Die Franzosen sind schon einen Schritt weiter.

Drunter & Drüber
Drunter & Drüber
Reply to  42
3 Jahre zuvor

Wie jetzt? Sind die schon im Hinterhof angekommen? und dann, als ob die inzwischen doch sehr, sehr altmodisch klingende „Reservearmee“ ohne Zuwanderung weniger sinnlos (nicht sinnfrei! Sinnfrei ist mindestens genauso sinnlos wie eine „zugewanderte Reservearmee“ angesichts Bangladeschs.) wäre. Wenn wir Eines gelernt haben, dann die Habenichtse aufeinanderzuhetzen – watt mutt, datt mutt!

42
42
Reply to  Drunter & Drüber
3 Jahre zuvor

Was da altmodisch klingt, steht im Kapital da so original.
Kein Wunder das es „altmodisch“ klingt, wah ?!

Die altmodische industrielle Reservearmee beschreibt Marx als
Druckmittel gegen die gesamte Arbeiterschaft, weil sie auf der
Angebotsseite von Arbeit ein Überangebot darstellt. Deshalb
Reservearmee, nä ? Wenn Angebot
und Nachfrage an Arbeitskraft die Lohnhöhe bestimmen, führt das
Überangebot der Reserve zu was ? Wer profitiert ?

Funktioniert dieser Marktmechanismus des künstlich geschaffenen
Überangebotes von Arbeitskraft noch heute ? Wenn ja, wo aktuell ?
Nennen Sie das Land links neben Polen als Beispiel.

Balmung
Balmung
3 Jahre zuvor

Also, ich fühle mich durch weltweite Aufrüstung, wesentlich konkreter bedroht, als vom Klimawandel, aber jeder Jeck ist natürlich anders. 😉

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Balmung
3 Jahre zuvor

Wobei das ja auch nur scheinbar zwei völlig verschiedene Aspekte sind.

42
42
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Wie gut das er jetzt weiß, dass er sich von
verschiedenen „Aspekten“ bedroht fühlt.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  42
3 Jahre zuvor

Könnte es nicht auch sein, dass der exorbitante Verbrauch von fossilen Ressourcen und deren Absicherung, zum einen militärische Aufrüstung und zum anderen den Klimawandel zur Folge haben?

Balmung
Balmung
Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Yo, hab mich verfahren, sollte eigentlich zu „Greta“.

Stefan Becker
Stefan Becker
3 Jahre zuvor

Ich sehe das verkürzt so:
Wer die Moral dem Markt überlässt, hat sich ihm unterworfen. Somit kommt ein freier Markt
durch seine Marktführer einer Diktatur gleich.
Nachdem Motto : Erst das Fressen, dann die Moral

Ihr Herrn, die ihr uns lehrt, wie man brav leben
Und Sünd und Missetat vermeiden kann
Zuerst müsst ihr uns schon zu fressen geben
Dann könnt ihr reden: damit fängt es an.
Ihr, die ihr euren Wanst und unsere Bravheit liebt
Das Eine wisset ein für allemal:
Wie ihr es immer dreht und immer schiebt
Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.
Erst muss es möglich sein, auch armen Leuten
Vom großen Brotlaib sich ihr Teil zu schneiden

Asperger Erdmännchen
Asperger Erdmännchen
3 Jahre zuvor

Würde mich mal interessieren was unser asperger Erdmännchen dazu sagt.
Mir ist das total wichtig wie es sowas bewertet. Das Erdmännchen ist ja eine
große DenkerIn unserer Zeit.
Momentan ist es auch wieder unbeschwert, weil es vergessen hat das seine
Ex mit seinem besten Ex-Freund vögelt.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Asperger Erdmännchen
3 Jahre zuvor

Fremd vögeln ohne Absprachen ist in der Tat auch unmoralisch. 😉

ChrissieR
ChrissieR
3 Jahre zuvor

Und die Moral von der Geschicht: Laute Fürze stinken nicht!
Um dää Narhallamarsch, Helau!

It’s all over now, Baby blue…oder so

Gaby Peschel
Gaby Peschel
3 Jahre zuvor

Moral ist wie Plastik. Passt nicht durch Strohhalme oder Wattestäbchen, also macht man Führerscheine draus und packt Biogemüse drin ein.

Eigentümliche Vergleichsrhetorik, ja – umschreibt den Umgang mit Moral dennoch ganz treffend.

Infolink: https://www.zentrum-der-gesundheit.de/schadstoffe-in-verpackungen-ia.html

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3 Jahre zuvor

OFF – Aber mit Moral hat das auch ein bissl zu tun

Medikamente zum Afrikapreis eingekauft, Schrott statt Medikamente nach Afrika verschickt und Billigmedikamente
teuer in Deutschland verkauft.

7 Millionen Euro Gewinn

https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Razzia-auf-Sylt-Millionen-Betrueger-aufgeflogen,betrug322.html

KEIN bedauernswerter Einzelfall….Wetten ?

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3 Jahre zuvor

OFF

Razzia bei Subunternehmern von DHL, DPD, GLS, Hermes, Amazon
Alle Paketdienste bescheißen ihre Fahrer

https://t3n.de/news/zoll-razzia-paketdienste-1144556/

Lutz Lippke
Lutz Lippke
3 Jahre zuvor

Keineswegs erübrigt sich Moral in der Wirtschaft oder auch einem anderen Lebensbereich. Zwar ist Moral nicht der vordergründige Geschäftszweck in der Wirtschaft, aber jeder Zweck zielt auf Effekte, die mit Moral in Verbindung stehen. Ohne die Hoffnung darauf, dass der erzielte Profit von Anderen (moralisch) als legitimes Eigentum und damit Einflussmittel anerkannt wird, verfehlt auch im kapitalistischen System der Zweck sein Ziel. Eine andere Baustelle ist, welche Funktion Moral überhaupt in der Gesellschaft haben sollte und ob sie als zweckgerichtetes Mittel taugt.

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  Lutz Lippke
3 Jahre zuvor

@Lutz Lippke

Eine Gesellschaft kann sich auf ein allgemeines Normensystem sprich Moral einigen, aber nach diesem Vorstellungen leben können nur Menschen. Darum ist es ja auch nur logisch zu sagen, überall (egal ob in Wirtschaft, Politik oder sonst wo) wo Menschen Entscheidungen treffen handeln sie moralisch oder auch nicht.

Genauso ist es doch mit der Funktion von Moral, wenn die Moralvorstellungen in der Wirtschaft sinnvoll sind, sind sie es doch auch in anderen Lebensbereichen und auch andersherum.

Widersprüche kommen nur da auf wo dieses Normensystem widersprüchlich ist, und wenn man mal darüber etwas nachdenkt, sind unsere individuellen Moral und Wertvorstellungen durch und durch widersprüchlich, wenn wenn es das Normensystem nicht sein sollte.

Beste Grüße

https://www.youtube.com/watch?v=dp9taDOVAmc

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Reply to  Lutz Lippke
3 Jahre zuvor

Welches Gut ist das höchste Gut ? Welches Gut steht höher als der Profit ?
Die Moral ist ja zweckgebunden und soll irgendwas schützen. Was denn ?

Heldentasse
Heldentasse
Reply to  42
3 Jahre zuvor

Im Idealfall hat die Moral m.E. nur den Zweck, Bedingungen zu schaffen, damit Menschen vertrauensvoll kooperieren können. Das was heute im real exekutierenden Neoliberalismus so abgeht, auch der kapitalistische Eigentumsbegriff, passt gelinde gesagt nicht ganz dazu.

Beste Grüße

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Reply to  Heldentasse
3 Jahre zuvor

Es dürfte um den inneren und äußeren ( sozialen ) Frieden einer
Geselschaft gehen und um die Freiheit und freie Entfaltung jedes
Einzelnen. Wer das ähnlich sieht, wird bemerken, dass wir längst
in einem faschistoiden System leben.

Der „Antifaschismus“ der Linken hat den Faschismus der Mitte
aufgewertet und salonfähig gemacht, weil die Subsumierung
des bloßen Nationalsozialismus unter den „Faschismus“-Begriff
eine Aufwertung des Sozialdarwinismus der Mitte und ihres
Wirtschaftsfaschismus gegen die eigene Bevölkerung entspricht.

Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Es geht um blinde Flecke
in unserer Wahrnehmung denen wir erlegen sind. Wir müssen uns
mehrheitlich im Widerstand organisieren und Kollaborateure
und Opportunisten des Systems zum Teufel jagen.

Alles ist kaputt. Es gibt kaum mehr zu verlieren.

Das Finanz-System lässt sich nicht mehr „normalisieren“
https://www.infosperber.ch/Artikel/Wirtschaft/FED-Borsen-Schockwellen-Prognosen-Folgen

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3 Jahre zuvor
Lutz Lippke
Lutz Lippke
Reply to  42
3 Jahre zuvor

Wohl hätte ich statt „ob“ besser „wie“ Moral zweckgerichtet funktionieren sollte.
Wir beklagen z.B. Doppelmoral, wenn für Gleichwertiges verschiedene Maßstäbe angelegt werden. Das können wir Anderen um die Ohren schlagen und werden selbst immer wieder Mal versagen. Das ist menschlich. Deshalb haben wir für die Menschlichkeit die Freiheitsrechte und daher im besten Fall für den Menschen selbst nur wenige verbindliche Verbotsnormen, für die institutionelle Organisation (Staat) und den institutionellen Ausgleich von Rechten (Justiz) dagegen vollumfassende und bindende Normen. Das Problem liegt im Verstoß gegen die Norm der Gleichheit vor dem Gesetz. Erbringt der Hilfeempfänger keine Arbeitsleistung für den untätigen Erben, wird Ersterer durch SGB entrechtet und Letzterer auch dann in Eigentumsrechten geschützt, wenn er das Eigentum gesellschaftsschädlich einsetzt. Das kann man als Doppelmoral beklagen, aber letztlich nur durch normatives Handeln verändern. Das Beklagen (Moral) kann also nur den emotionalen Antrieb für das rationale Verändern von Missständen liefern, wie die Doppelmoral die Ausrede für deren Verhinderung. Am Ende geht es also um Klarstellung und Reduktion auf die normative Handlungsbasis, die moralisches Verhalten schützt und fördert. Moral ist also Absicht und Folge einer gerechtfertigten Norm, nicht deren Inhalt oder Mittel. Und das in allen Lebenslagen, wollte ich verstanden sein.

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3 Jahre zuvor

Die Psychotricks des Kapitals
Der Siegeszug des Neoliberalismus beruhte vor allem darauf, dass er eine attraktive „Erzählung“ anzubieten hatte.

https://www.rubikon.news/artikel/die-psychotricks-des-kapitals