Die postmaterialistische Studie, von der alle sprechen

Nicht erst seit Chemnitz fragt man sich, woher diese Wut kommt. Nicht erst seit Chemnitz verweist ein Teil der Linken auf den Sozialabbau, den viele Menschen im Lande als persönliche Beleidigung aufgefasst haben und der sie zu Abstiegsverängstigten machte, während der andere Teil der Linken meint, dass das alles kaum etwas damit zu tun habe, ob denn jemand abgehängt ist oder sich wenigstens vor einem Abstieg fürchtet. Und zuletzt nicht erst seit Chemnitz weist die letztgenannte Gruppe von Linken die anderen ihrer Art auf eine Studie hin, die angeblich ihre These konkretisiert, erklärt und verifiziert. »Kennst du etwa die DIW-Studie nicht?«, fragen sie dann ungläubig – und prompt soll mit diesem Hinweis die Gegenthese vom Sozialabbau kassiert sein.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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28 Gedanken zu „Die postmaterialistische Studie, von der alle sprechen

  • 20. September 2018 um 7:41
    Permalink

    Die Linken streiten sich auch um dies: Entspringt der Rechtsruck
    dem rassistischen Charakter der Leute? Oder existiert er bloß, weil sie sich sozial
    abgehängt fühlen?

    Sowohl als auch.

    – Der Charakter ist zuvorderst kein „rassistischer“ sondern eine „Autoritäre Persönlichkeit“.
    – Die autoritär verfasste Familie ist die Keimzelle der autoritären Persönlichkeit und seines Sozialcharakters
    – Die autoritäre Persönlichkeit bleibt bis zu ihrer Desintegration „politisch“ unauffällig
    – Fehlen Integration und Teilhabe, zeigt die Autoritäre Persönlichkeit antidemokratische, rassistische
    und faschistische Einstellungen und Verhaltensmuster

    Unser Begriff der „Integration“ ist sehr einseitig auf Migranten bezogen. Viele der Ureinwohner sind hier nicht integriert.
    Die „fühlen sich nicht sozial abgehängt“, sie sind es !

    Forschung zur -Autoritären Persönlichkeit- in der Vergangenheit und Aussichten
    für einen Einstieg Wikipedia
    https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit

    Das sind alles alte Hüte. Im Grunde kann man kaum Neues dazu schreiben.
    Wegen der Bezahlschranke habe ich mir das Lesen ohnehin geklemmt.

    Antwort
    • 21. September 2018 um 8:38
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      Der Rechtsruck existiert, weil die Dummen, die vorher sich vom alten neoliberalen Block verarschen ließen, sich jetzt von dem neuesten Mitglied dieses neoliberalen Block verarschen lassen.

      Gibt da sicherlich Leute bei, die den offenen Rassismus der AfD geiler finden, als den nicht ganz so offenen Rassismus der anderen Faschisten, aber letztlich fallen die Leute auf dasselbe in andere Kleidung herein und das war es auch schon.

      Ein Rechtsruck ist das Ganze nicht mal. Nur weil die Leute es nun offener Aussprechen, waren sie früher nicht weniger dumme Ar****er. Sie waren nur etwas leiser dabei.

      Allgemein hilft aber natürlich immer, wenn man die paar wenigen Vernünftigen auch noch mit Scheiße bewirft. /s

      Antwort
  • 20. September 2018 um 11:43
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    Spätesten seit den wissenschaftlichen Arbeiten von Herrn Butterwegge ist doch eines ganz klar, nämlich das mit dem Sozialstaat auch die Demokratie stirbt! Das man in Toitschland dabei einen totalitären Staat über „rechts“ etabliert ist ja wohl auch „Binse“, und wird offensichtlich billigend in kauf genommen von den Herrschenden. Womöglich ist es sogar so, dass diese gar nicht mehr eine „Demokratie“ wünschen um ihre Macht zu festigen, denn das konkurrierende Gesellschaftsmodell ist seit dem Zerfall des Ostblocks tot, man braucht also die Irrelevanten, Ausgegrenzten und Abgehängten gar nicht mehr zu beweisen das es im Westen am besten ist.

    Beste Grüße

    http://www.christophbutterwegge.de/texte/Weimarer%20Sozialstaat.pdf

    Antwort
    • 20. September 2018 um 14:12
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      Is wohl leider so..Anarchie von oben at its best!!!

      Antwort
    • 20. September 2018 um 17:11
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      Das man in Toitschland dabei einen totalitären Staat über “rechts” etabliert ist ja wohl auch “Binse”, und wird offensichtlich billigend in kauf genommen von den Herrschenden. Womöglich ist es sogar so, dass diese gar nicht mehr eine “Demokratie” wünschen um ihre Macht zu festigen, …….

      Wozu braucht es Demokratie?
      Das chinesische Modell ist doch wegweisend.

      Antwort
    • 21. September 2018 um 8:41
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      Naja, mit der autoritären Diktatur fährt man immer noch besser. Die totalitären Methoden bringt man nur für den Notfall in Stellung. Ein Sklave, der sich ‚freiwillig‘ ankettet ist und bleibt besser (für den Sklavenhalter) als jener, den man dazu prügeln muss.

      Eine Demokratie haben wir eh nicht. Aber die Faschisten finden es in der Tat unbefriedigend, wenn sie nicht ganz offen die Herrschenden sein können, sondern hinter dem Vorhang rumlungern müssen. Per se bricht ihnen das aber am Ende auch durchaus das Genick. Leider nicht nur denen…

      Antwort
  • 20. September 2018 um 12:14
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    Die Linken streiten

    Welche „Linken“ meint er immer ?

    Meint er Politautisten wie Doktor Erdmännchen und seine Freunde ?

    Antwort
    • 20. September 2018 um 13:19
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      Dabei ist er ein so feynsinniger Mann.

      Antwort
    • 21. September 2018 um 8:42
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      Links oder gleich Antifa ist nach belieben jeder, das macht die Propaganda ja aus. Notfalls ist auch Trump links, wenn es gerade passt.

      Wer schert sich schon um so lästiges Zeugs wie eindeutige Definitionen, sowas stört doch nur.

      Antwort
  • 20. September 2018 um 13:51
    Permalink

    Naja, erstens ist das keine „Studie“, sondern ein Arbeitspapier, das nicht „peer reviewed“, also von anderen Wissenschaftlern gegengelesen und akzeptiert ist (das steht auch beim DIW drin). Zweitens sprechen nicht alle darüber, sondern bestenfalls eine Fraktion in der Linken.

    Mal am Rande: Das wurde schon vor über einem Monat bei Telepolis diskutiert und kommentiert. Unter anderem von mir:
    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/AfD-Nur-ein-stummer-Schrei-nach-Liebe/Respekt-Konicz-hat-mal-wieder-perfekt-getrollt/posting-32906012/show/
    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/AfD-Nur-ein-stummer-Schrei-nach-Liebe/Wie-kommst-Du-auf-100-Millionen/posting-32908569/show/ und
    https://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/AfD-Nur-ein-stummer-Schrei-nach-Liebe/Was-soll-daran-zu-finanzieren-gewesen-sein/posting-32912182/show/

    a^2

    Antwort
  • 20. September 2018 um 14:40
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    Solche „Studien“ gab es immer schon.
    Erinnert sei an das Propagandapapier von Salzborn/Voigt, mit der den Linken Antisemitismus angedichtet werden sollte.

    Antwort
  • 20. September 2018 um 17:01
    Permalink

    Ich denke Linke sollten nicht von Sozialabbau sprchen, sondern
    „Rechts der Null Geld-Überflutungen, Links der Null Tröpfeln!“

    Der Sozialstaat ist zu einem Unrechtsstaat geworden und gibt Geld ohne Ende für Tand aus, aber bei wichtigen, lebensichtigen Dingen ist kein Geld da!
    Der Sozialstaat wurde von CDUFDPSPDGRÜNE Teile der Linken zu einem Tucholksky: „wir nehmen die Mark und geben den Pfennig“ Staat umgebaut! Anstatt die gerechte Verteilung zu gewahrleisten ist so’n komisches Ding von Charity incl Bestrafung hier und dort Tebartz-van Elst – Herumgeprasse entwickelt worden! #NeoFeudalismus!

    Auf der einen Seite wird dem Pöbel jedweder Zugang zum Allgemeingut (Mutter Natur Gut) zunehmend versagt (z.B.Zugang zur Nordsee, Wohnen und Leben,Wasser, Luft, etc pp) und auf der anderen Seite den Reichen hinterher gedienert!

    Antwort
    • 20. September 2018 um 17:54
      Permalink

      Verzichtskultur: Soziale Ungerechtigkeit oder Benachteiligung gegenüber
      Dritten sind unauslöschliche Gegenargumente einer gefühlten Wahrheit.
      Dazu hat auch seid den 1980, eine gezielt konservative, wirtschafts orientierte
      Politik beigetragen. Mit der Wiedervereinigung und dem Versprechen von
      „Blühenden Landschaften“, hat sich mit einer zweiten „Kommunikationskultur“,
      der Tenor noch verstärkt. Auch nach 28 Jahren ist es nicht wirklich gelungen die
      deutsche Teilung zu überwinden. Basierend auf diesem Hintergrund und einer
      „gleichgeschalteten“ Europapolitik, ist es verständlich, dass sich das Gros der
      Bevölkerung abgehägt fühlt. Wenn es also wortlos und ohne Fortschritte so
      weitergeht, werden nur jene mit den einfachen Antworten die Meinung prägen.

      Hier als Beispiel, eine schöne persönliche Aufarbeitung zum Thema:
      http://www.zukunft–der–arbeit.de

      Antwort
      • 20. September 2018 um 19:00
        Permalink

        „Unter Teilung überwinden “ verstanden wir Wessis ja nur: ihr seid doof, wir sind gebildet, kosmopolitisch, International und oberchecker!
        Der Westen glaubt ja immer: dass der Andere so werden muss wie ich, dann ist gut!

        Das Gros der Bevölkerung WURDE abgehängt!
        Das Ziel war und ist: for the few not the many!

        Sauer sind die Stiefellecker der richtig Reichen nur, weil der Untertan gerade rumnörgelt! Deswegen labert das Establishment von abgehängt fühlen!

        Es ist kein Gefühl!
        Es sind knallharte Fakten: Wohnungsnot incl Mietpreiswahn, Abbau von Lebensleistungen, bei Lügen und Betrügen oben wird geblinzelt, unten wird knallhart „Recht gesprochen“ (schon bei Kohl: wenn eine kleine Verkäuferin Geld nicht in die Kasse tut wird sie 4fach bestraft, Kohl bekommt Heldentot! Schon damals galt Steuerhinterziehung als Kavaliersdelikt! )

        WIR sollten nicht die SchwachsinnsPr VergewaltigungsSprache der Anderen übernehmen!
        Der Krieg „reich gegen arm“ ist keine Gefühlsdusselei, sondern erlebarer Fakt!

        Antwort
  • 20. September 2018 um 21:22
    Permalink

    [spoiler title=“So, so…? Und ‚Prinzipiell… Alte Leier'“] Medienmacher haben also ein ‚Interesse‘ an Darstellern und ‚Schicksalen‘ …was mir das sagt….[/spoiler] ^^

    Antwort
  • 20. September 2018 um 23:28
    Permalink

    „Es soll sich die Politik zum Teufel scheren, die – um welcher Prinzipien auch immer –
    den Menschen das Leben nicht leichter zu machen sucht.“
    – Willy Brandt –

    Antwort
  • 21. September 2018 um 11:35
    Permalink

    Sozioökonomische Aspekte spielten und spielen immer eine Rolle als Ursachen politischer / gesellschaftlicher Veränderungen. Aber heutzutage geht „links“ merkwürdiger Weise auch ganz ohne diese Aspekte. Die o.g. 2. Gruppe oder die „Studie“ denken da einfach nicht weit genug. Wenn man 1 Millionen Menschen aufnimmt hat das zwangsläufig sozioökonomische Auswirkungen. Wenn man nicht dementsprechend als Regierung und co. handelt oder es gar negiert, darf man die brauner werdende Suppe auslöffeln.
    Wenn bspw. Otto Normalo keine Wohnung, KiTa etc. bekommt, Flüchtlinge aber schon, dann ist der Weg zur AFD bei der nächsten Wahl geebnet.

    Antwort
    • 23. September 2018 um 8:19
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      Und Sozialpolitik steckt bei der AFD in der Wundertüte. Kann durchaus sein, dass denen die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt ganz gut gefällt. Schon klar warum die sich sozialpolitisch nicht positionieren.

      Antwort
      • 23. September 2018 um 10:07
        Permalink

        Schon klar warum die sich sozialpolitisch nicht positionieren.

        Ist aber wichtig das das ALLE verstehen, warum das so ist, sonst werden wir mit der AfD bei 25% bis 30% wach !

        Antwort
      • 23. September 2018 um 15:55
        Permalink

        @Jovi

        Ernst geneinte Frage: magst Du das vielleicht etwas ausführlicher behandeln bzw. erklären? Warum könnte ihnen die Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt gefallen? Ich finde es auch wichtig, daß es alle verstehen. Gibt es von denen irgendeine , wie auch immer geartete sozialpolitische Positionierung?

        Antwort
        • 23. September 2018 um 16:34
          Permalink

          Hallo Pentimento,

          ich lese deine Kommentare immer gerne. Deshalb denke ich mir, du bist genauso gut oder besser informiert als ich. Ok..
          Meine Meinung?: Es gibt nach meiner Kenntnis lediglich einen parteiinternen Streit bei der afd. Der eine Flügel will Sozial (aber nur für.“echte“ Deutsche) der andere (die Parteigründer) bestand und besteht noch aus Personen, die als neoliberal treffend bezeichnet wären. Sie können das nicht unter einen Hut bringen.

          Deshalb fehlt ihnen die sozialpolitische Positionierung.

          Sobald sie in die Verlegenheit kommen, es doch abschließend zu tun, werden sie Federn lassen müssen. Die Piraten waren auch als Einpunktpartei sehr erfolgreich. Mit anderen Themen dazu genommen ging Substanz flöten. Das war aber wiederum auch einem Abwerben durch die Linkspartei mitgeschuldet. Die es irgendwie geschafft hat trotz breiter Themenvielfalt noch gut dabei zu sein. Auch trotz des kleinen Aderlass in Richtung afd. Das finde ich bemerkenswerter als die Feststellung, das die afd eine Sollbruchstelle hat, die in ihrer dna liegt. Alle sollten das wissen? Aber wo sind Alle? Missgunst und Misanthropie tanzen durch die leeren Gassen.

          Antwort
          • 23. September 2018 um 19:56
            Permalink

            Hallo Jovi,

            danke für Deine nette Antwort. Ja, irgendwann wird die AfD Farbe bekennen müssen, wenn die unsägliche GroKo so weiter macht, vielleicht früher, als es ihnen paßt. Ich hoffe sehr, daß sie dann „Federn lassen“ müssen.

            Wo „alle“ sind? Also hier, kleine Stadt in Niedersachsen, trifft man sie leider zuhauf, und ich tu mein Bestes mit der Überzeugungsarbeit. Die durch die ÖR geförderte Desinformation hat erschreckende Konsequenzen. Goldman Sachs? Nie gehört… Eine Bankerin an der Spitze? Dito.

            Zum Glück gibt es #aufstehen und youtube. Manchmal zeige ich einem älteren Menschen ohne PC mal eine Rede von Wagenknecht oder ein Video von der #aufstehen Seite. Eine Nachbarin, deren parteiloser Vater noch von den Nazis drangsaliert wurde, konnte ich umstimmen, aber so leicht ist es selten. Zudem gibt es überraschend viele alte Nazis hier. Muß an der Gegend liegen. Da kann man sich die Mühe sparen bzw. froh sein, wenn man mit heiler Haut davon kommt. 🙂

            Bin wirklich gespannt, was für Themen sich die AfD noch aus den Fingern saugen wird. Leider haben sie durch die Flüchtlinge das für den deutschen Michel überzeugendste Thema gefunden. Die Verarmung und – in direktem Zusammenhang damit – die Mißgunst spielen die größte Rolle.

            Schöne Grüße.

          • 23. September 2018 um 20:06
            Permalink

            1.) Es geht den Verlierern doch knapp am Arsch vorbei, wenn es angeblich Vielen besser als vorher geht, oder nicht ?
            2. ) Ist das arithmetische Mittel aus 15 Millionen Verlierern und 1000 Superreichen tatsächlich „Uns geht es gut!“ ? Kann man da was mitteln oder redet Merkel wie immer nur Scheiße ?
            3.) Profitiert die AfD tatsächlich vom ins faschistisch-rassistisch kippenden Bürger oder von der wachsenden Ungleichheit im Land ?
            4.) Wenn Zweiteres …. Warum sollte die AfD vom neoliberalen Konzept ins soziale Lager wechseln ?
            Die AfD würde sich doch überflüssig machen; sich die eigenen Wähler abgraben, oder nicht ?

            Eine soziale AfD kann es nicht geben ! Deshalb suchen die erst gar nicht nach Konzepten gegen prekäre Beschäftigung, Leiharbeit, Altersarmut usw.

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