Die Pfleger von heute sind die Pflegebedürftigen von morgen

In Krankenhäusern und Pflegeheimen gibt es ziemlich viel zu tun; der Pflegebedarf ist immens. Eigentlich wird jede helfende Hand gebraucht. Aus dieser Einsicht resultieren Vorschläge wie jener, Langzeitarbeitslose oder Flüchtlinge in einer generalstabsmäßig geplanten Aktion als Pflegehelfer zu verpflichten. Umbetten, Saubermachen, Löffeln und auf Klingelzeichen in Zimmer eilen – das kann ja jeder machen. Qualifikation steht bei solchen Planungen hintan, ebenso die Basics des Berufs: Werte wie Empathie oder Nächstenliebe, werden dabei nicht beachtet.

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Roberto J. De Lapuente

Roberto J. De Lapuente ist irgendwo Arbeitnehmer und zudem freier Publizist. Er betrieb von 2008 bis 2016 den Blog ad sinistram. Seinen ND-Blog Der Heppenheimer Hiob gab es von Mitte 2013 bis Ende 2020. Sein Buch »Rechts gewinnt, weil links versagt« erschien im Februar 2017 im Westend Verlag. In den Jahren zuvor verwirklichte er zwei kleinere Buchprojekte (»Unzugehörig« und »Auf die faule Haut«) beim Renneritz Verlag.

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28 Gedanken zu „Die Pfleger von heute sind die Pflegebedürftigen von morgen

  • 12. September 2018 um 16:30
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    Traurig und leider wahr. Ob das Schicksal das viele Menschen hier wenn sie alt werden auch Friede Springer oder Liz Mohn zuteil wird?
    Wohl nicht…

    Antwort
    • 12. September 2018 um 17:15
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      Ich finde ja noch nicht mal, dass man Personal reduzieren müsste. Im Gegenteil. Aber wenn man so viel Manpower reinsteckt, dann bitte zu menschenwürdigen Bedingungen. Sodass man heimkommt und noch Energie hat, um auch heimische Fürsorge teilwerden zu lassen. Auch Pfleger haben ja Familie.
      Frau Springer hat das Problem nicht. Julian Reichelt bringt ihr jeden Tag die Zeitung und schüttelt das Kissen aus. Bei Frau Mohn wechseln sich die Fraktionsspitzen der Bundesregierung ab.

      Antwort
      • 12. September 2018 um 17:48
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        Ich finde ja noch nicht mal, dass man Personal reduzieren müsste. Im Gegenteil. Aber wenn man so viel Manpower reinsteckt, dann bitte zu menschenwürdigen Bedingungen. Sodass man heimkommt und noch Energie hat, um auch heimische Fürsorge teilwerden zu lassen. Auch Pfleger haben ja Familie.

        Du weisst aber auch, dass das nicht das „Endziel“ „unseres“ ökonomischen Systems ist (das Wohlbefinden der arbeitenden Klasse bzw. das Wohl und die Zufriedenheit wie in diesem Fall der hilfesuchenden Pflegebedürftigen).

        Antwort
        • 12. September 2018 um 17:57
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          Nu klar.
          Andererseits: Endziel gibt es nicht. Sogar in der Mangelwirtschaft mangelte es an einer Sache nicht: An einem Plan. Gerne als 5-Jahres-Plan. Bei aller Kritik an damals, ein Ziel hatte man im Auge. Es sollte irgendwann jedem gut gehen – lassen wir mal offen, was das bedeutete. Und heute? Was für Ziele haben wir eigentlich so als Gesellschaft?

          Antwort
          • 12. September 2018 um 23:21
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            Was für Ziele haben wir eigentlich so als Gesellschaft?

            Einer der Ziele unserer gesellschaftlichen „Grundordnung“ ist wohl der ewige Wachstum.
            Für die meisten Menschen tritt er eher imaginär in Erscheinung!
            (Ironie)

  • 12. September 2018 um 16:40
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    “ Die Rettung kommt aus dem Osten; willige, hungrige Osteuropäer mit
    Konsumdefiziten – Die Deutschen sind zur Aufopferung und Häuslichkeit
    viel zu verwöhnt ! “
    So in etwa lautet der Tenor zum „Pflegenotstand“ aus der Politik.
    Das hört sich immer an, als ginge es an die Front, an die Pflegepfroonnnt !

    Antwort
    • 12. September 2018 um 17:12
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      Stimmt, der Gedanke mit der Pflegefront kam mir auch beim Schreiben des Artikels. Hat wirklich was vom letzten Aufgebot.

      Antwort
    • 12. September 2018 um 19:20
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      War eben im Lidl©, hab den kleinen dicken 12-jährigen-Asylantenjungen aus dem Nachbarhaus gesehen, der bald 1,-€ für eine Dose Fanta© von seinem Geld gekauft, und direkt ausgetrunken hatte. Was glaubt ihr, was passiert, wenn er dann in 7 Jahren festellt, dass er für 9 Dosen-Fanta© die Stunde arbeitet ? Ach…er könne ja eine 1,5L-Flasche vom Nachgemachten kaufen…-ist billiger….Oder sein Vater könne ja arbeiten…

      Antwort
      • 12. September 2018 um 21:05
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        Und du könntest ja auch mal ganz schnell abhauen, verfickter Hetzer.

        Antwort
  • 12. September 2018 um 17:35
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    Allerdings hört man immer wieder, daß die Pflegekräfte aus Osteuropa menschlicher und warmherziger sind, als unsere Landsleute. Woran das wohl liegt?

    Antwort
    • 12. September 2018 um 18:00
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      Das halte ich für ein Gerücht. Ich habe osteuropäische Pflegekräfte als recht patent, aber leicht ins Ruppige abdriftend erlebt. Und dafür kenne ich auch empathische deutsche Pfleger. Es ist wie überall, man findet solche und solche. Ich finde ja sogar, dass ein Grund für die vielfältigen Missstände in der deutschen Pflege in der Mentalität und der Empathie der Pflegekräfte zu suchen ist. Denn wir haben es hier mit einer Berufsgruppe zu tun, die sich aufgrund ihrer Wertevorstellung gerne mal emotional erpressen lässt. Oft meinte ich schon, wenngleich etwas bitter: Wenn sich die Pflege im Sinne der kapitalistischen Logik rein als Job sähe und nicht als Berufung, wäre sie viel selbstbewusster. Eigentlich wäre das mal ein eigenes Thema.

      Antwort
      • 12. September 2018 um 18:35
        Permalink

        Lieber Roberto,
        verallgemeinern darf man das natürlich nicht. Hab da halt andere Erfahrungen.

        ..“Wenn sich die Pflege im Sinne der kapitalistischen Logik rein als Job sähe und nicht als Berufung, wäre sie viel selbstbewusster.“

        Interessanter Aspekt, denn wahrscheinlich werden Pflegekräfte u.a. auch deshalb so schlecht bezahlt, weil die Verantwortlichen die Leute mit Berufung oder Pflicht zur christlichen Nächstenliebe gern unter Druck setzen. Ich habe oft in diesem Beruf gejobt und bin dort völlig erschöpften Pflegerinnen und Krankenschwestern begegnet. Das war schon immer so, nicht erst seit der schleichenden Zerstörung des Sozialstaats. Oft waren es Ordensschwestern, da wundert man sich nicht, denn die Kirche hat ihre Schäflein schon immer gern be-und ausgenutzt.

        Diese wichtigen Berufe werden viel zu schlecht bezahlt. Das muß sich dringend ändern. Auch dafür steht #aufstehen!

        Antwort
      • 12. September 2018 um 18:39
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        Wenn sich die Pflege im Sinne der kapitalistischen Logik rein als Job sähe und nicht als Berufung, wäre sie viel selbstbewusster. Eigentlich wäre das mal ein eigenes Thema.

        Der Schmidbauer hat 1977 ein Buch zum Helfersyndrom und der altruistischen Abtretung geschrieben, heißt:
        “ Die hilflosen Helfer “ ( irgendwo als .pdf ) – Ansonsten hat das Soziale im Kapitalismus lediglich die Funktion,
        Reibungswiderstände herabzusetzen. Die Privatisierung des Sozialen hat die Situation weiter verschärft
        und dem schlanken, zerspartem Staat ist die Kontrolle über die sozialen Einrichtungen entglitten.
        Das draußen läuft insgesamt eine unglaubliche Scheiße im sozialen Bereich.

        Antwort
        • 12. September 2018 um 23:05
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          Eigentlich wäre das mal ein eigenes Thema.

          Für ein „eigentlich anderes Thema“ noch eine Anregung. Sparen zerstört Fachlichkeit im Sozialwesen. Es geht nicht nur um Stellenabbau.

          Professionelle Soziale Arbeit unter dem Vorzeichen der Ökonomisierung — ist das möglich?

          Ein Vortrag von Prof. Dr. Mechthild Seithe

          https://www.youtube.com/watch?v=rYI4FgCxVh8

          Antwort
    • 12. September 2018 um 18:20
      Permalink

      Woran das wohl liegt?

      Woran liegt es denn deiner Meinung nach?

      Antwort
      • 12. September 2018 um 18:56
        Permalink

        @Schweigsam

        Es geht uns nicht gut, aber es ging uns ziemlich lange ziemlich gut. Das war in Osteuropa nicht so. Vielleicht ist die Folge von anhaltendem Wohlstand, eine geringere Empathie? Mir scheint, daß Mitmenschlichkeit in der ehemaligen DDR (und auch bei uns in den Nachkriegsjahren) selbstverständlicher und ausgeprägter war, als im Westen mit seinem Wirtschaftswunder.

        Schöne Grüße! Deine Einträge gefallen mir. ?

        Antwort
        • 13. September 2018 um 11:58
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          Danke für deine Einschätzung zum Thema.
          Gruß

          Antwort
  • 12. September 2018 um 20:22
    Permalink

    Pflegenotstand: ist für mich das Synonym für komplettes Politikversagen!
    Und auch Bildungsnotstand!
    Da weiß man, dass mit 68, mit Binnenmigrationen, die Familien- und Nachbarschaftsysteme zerbröselt werden und reagiert mit… Aussitzen
    Da weiß man, dass die Leute immer älter werden und denkt die springen noch mit Heestermanier durch die Gegend…(krank, alt….sind nur die anderen)
    Da weiß man, als die 68 in Rent gingen, mist, es knackt im Gebälk….. man bräuchte evtl doch Hilfe….. Also reagierte man ÖPPartig: die Pflegeversicherung wurde 95 zangsingeführt: genial für Heuschrecken!
    https://www.welt.de/sonderthemen/immobilienwirtschaft/article165740205/Pflegeimmobilien-als-Kapitalanlage-immer-wichtiger.html
    https://www.pflegeimmobilien-als-kapitalanlage.de/finanzierung-von-pflegeimmobilien-foerdermittel-der-kfw.html
    https://de.bergfuerst.com/ratgeber/pflegeimmobilien
    Früher wurde Pflege von Töchtern und Schwiegertöchtern übernommen, die Wirtschaftsmigration veränderte diese Logik: und Politik schlief!
    Dann um die Jahrhundertwende tauchten die ersten Berichte uber Personalnotstand auf, es wurde fleißig Sozialschmarozzernd reagiert: Kraft der Familie in Polen entrissen und hier nicht selten komplett entgegen aller Regeln ‚angestellt‘! Schon die ersten Berichte über Abschiebung nach Tailand kamen auf! „Die sind so toll da, so sanft und d familial, da fühlt sich Papa richtig zuhause!“
    Die ersten Pflegekräfte in Deutschland wanderten aus! z.B. Schweiz: „hier kann ich noch richtig pflegen und arbeiten, hier bin ich mensch und der Alte auch!“

    Was niemals in den 30 Jahren kam: super Pflegeausbildung und -Urmarktwirtschaft- richtig gutes Gehalt!
    (Aber das passte den CDUFDPSPDGRÜNLINKEN und den Bertelsmanniern natürlich irgendwie nicht so richtig ins Konzept)

    In diesen niederen Bereichen gilt echt noch ein ‚vergelts Gott‘ als Lohn!

    Antwort
    • 12. September 2018 um 20:48
      Permalink

      Und da kann mensch komplett weitermachen: uns fehlen Kindergärtner, uns fehlen Ärzte, uns fehlen Lehrer….
      Unsere Politik hat komplette Bereiche ‚ausgespart‘
      Auch bei der Bildung: seit Jahrzehnten wird gemahnt, schreiben sich einige die Finger wund…. Und was passiert?

      Mir fällt da immer Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ ein. Der Titel (nicht der noch jie gelesene Inhalt) sagt etwas was wir seit Jahrzehnten beobachten können!

      Meine Sprüche:
      Für die Pflege eines Kindes ist kein Geld da, für die Pflege von Aktien Millionen!
      Für die Betreuung von Menschen gibt es warme Händedrücke, für die Betreuung von HeuschreckenInvestoren und ImmobilienHeinis gibt es ein dicks fettes Komto plus Boni, plus schickes Auto, plus….
      Für das Reden/Vorlesen gibt es nickende Anerkennung, für KommunikationsEvents und fürs Internationale Networking Macht, Anerkennung und Geld, richtig gutes Geld!

      Unser ach so schickes System ist sehenden Auges an die Wand geklatscht worden!
      Irgendwann in den 80ern ist uns der Mensch abhanden gekommen!

      Antwort
  • 13. September 2018 um 11:16
    Permalink

    Habe da 2 weitere Thesen, warum Technik und IT dort so wenig eingesetzt werden:
    1. Schlichtes Nichtwissen. Zumindest in anderen sozialen Bereichen habe ich festgestellt, dass diese Berufsgruppen sehr weit hinterher hinken.
    2. Die ökonomischen Bedingungen sind scheiße. Die Manpower ist schlicht noch zu billig. Investitionen in Maschinen/IT kommen doch immer erst dann, wenn sie sich wirtschaftlich lohnen.

    Antwort
  • 13. September 2018 um 12:06
    Permalink

    Karsten Vilmar, *1930, Ärztekammerpräsident, sagte schon vor 20 Jahren zu den Kosten:

    Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen.“

    Inzwischen dürfte Vilmar 88 Jahre alt sein. Sozialverträglich in seinem Sinne ist das nicht! Immerhin ist sein Begriff „sozialverträgliches Frühableben“ zum Unwort des Jahres 1998 erkoren worden.

    Antwort
    • 13. September 2018 um 12:17
      Permalink

      Die Aussage ist natürlich eine Frechheit, zumal sie klassistisch ist. Aber wahr ist auch: Man „therapiert“ die Alten teilweise zu Tode, eben auch, weil sich damit Kasse machen lässt. Es ist nicht die Frage, ob man 85-jährigen ein neues Hüftgelenk gönnen soll oder nicht – die Sache ist in der Praxis oft so, dass man den Alten eines einredet, obgleich es nicht hundertprozentig notwendig wäre.

      Antwort
      • 13. September 2018 um 13:03
        Permalink

        Der Punkt ist, dass die ökonomische Gestaltung das massiv begünstigt. Behandlungen und Medikamente bringen die richtige Kohle, nicht die Prävention und auch nicht ein ausführlicher Plan nach der Behandlung.

        Antwort
      • 13. September 2018 um 14:15
        Permalink

        DIe Aussage an sich ist natürlich keine Frechheit.Vilmar sprach lediglich an, was passiert, wenn das Gesundheitssystem mit strenger Budgetierung betrieben wird. Zumal diese Aussage auch so nicht klassistisch ist aber- geschenkt, jeder hat halt sein Spielrepertoire.
        Was bleibt übrig von Deiner Antwort?Ab wann ist denn eine neues Hüftgelenk 100% beim 85jährigen nötig? Muss das dann vom örtlichen Solidaritätsausschuss entschieden werden oder reicht die Abzeichnung durch den örtlichen Parteisekretär?

        Antwort
    • 13. September 2018 um 13:01
      Permalink

      Als Jugendliche hab ich in der Kirche immer gelästert: die Kirchenmänner tun und machen alles, damit Kind auf die Welt kommt! (frauen werden beschimpft, bedroht mit Höllenqualen belegt, falls sie… verhüten oder abtreiben..)
      Wenn es allerdings da ist.. interessieren sie sich weder für Mutter noch für Kind!

      Auch der Anfang des Lebens ist eine gigantische Forschungs, Arbeitsplatz- und Geldmaschine!
      Man kann jetzt schon 300gr. am Leben erhalten.
      Über den Preis redet an der Stelle übrigens auch niemand! Warum eigentlich?
      Meine These: weil das Interesse, irgendwann ’selber‘ Gott spielen zu können enorm ist: Leben einhauchen!
      (Dann braucht Mann auch die blöden Frauen nicht mehr!)

      Antwort
      • 13. September 2018 um 13:07
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        Was erzählst Du denn für nen Stuss?^^

        Antwort

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