Bratwürste für 2,99? Bin ich Krösus, oder was?

Deutsche Handelsketten bieten Lebensmittel so günstig an, wie man sie sonst fast nirgends in Europa bekommt. Dieses vermeintliche deutsche Wirtschaftswunder ist ein Raubbau an anderen Volkswirtschaften und an unseren eigenen Ressourcen.

Mein Vater war Gastarbeiter. Er lebte länger in Deutschland als in Spanien. Eines der größten Rätsel der deutschen Existenz sah er darin, dass die Deutschen keinen gesteigerten Wert auf Essen legten. Dass ihre Autos glänzen und die Fassaden ihrer Häuser gepflegt aussehen: Dafür gaben sie Geld aus, dafür investierten sie Zeit. Aber ihr Essen musste billig sein. Das Wort »Abendbrot« empfand mein Vater als Ausdruck dieser Sparsamkeit. Wie frugal und traurig das klang – wenn die spanische Verwandtschaft zum Abendessen schritt, hatte man alles vor Augen: Spartanisches eher nicht. In den Siebzigern und Achtzigern aß man in Deutschland freilich nicht so oft auswärts. Dafür wollte man sein Geld nicht weggeben, seine Ration könne man billiger daheim essen. Mein Vater schüttelte nur den Kopf. Etwas Existenzielles als Essen konnte man doch nicht so billig mit seiner Sparsamkeit abspeisen.

Natürlich hat sich seither einiges in Deutschland verändert, die Gastronomie jammert zwar, aber es wird Essen gegangen. Bewusste Ernährung ist mittlerweile das It-Thema. In Läden kriegt man Waren, die man damals aus dem Urlaub anschleppen musste. Oh, was hat es in unserem Auto nach Chorizo gestunken, weil mein Vater sich für den Rest des Jahres damit einzudecken gedachte! Die Deutschen haben seit der Zeit, da mein Vater in diesem Land lebte, gastronomisch und kulinarisch enorm hinzugewonnen. Sie sind weltläufiger geworden und verstehen sich nicht mehr als die Bauern, die bloß das vertilgen, was sie auch kennen. Was sich allerdings nicht geändert hat: Essen hat weiterhin billig zu sein, teure Lebensmittelpreise hält man für Wucher. Man greift lieber zu günstiger Discounter-Ware und findet es nur fair, dass vier grobe Bratwürstchen für 0,99 Cent weggeben werden. Bei Essen, so scheint es, haben die Deutschen das verwirklicht, was Utopisten stets fordern: Menschenrecht muss erschwinglich sein.

Für ein Deutschland, wo wir gut und billig essen: Das ist der Wahlspruch. Fast nirgends in Europa, schon gar nicht in den reichen Industrieländern, sind Lebensmittel so preiswert zu haben. Mit dem Fleischpreis kann kaum eine andere Volkswirtschaft mithalten. In einem belgischen Carrefour zahlt man gut und gerne 3,33 Euro für 200 Gramm Kochschinken – bei Rewe oder Edeka, bei denen die Lebensmittel bekanntlich lieben, steht man zuweilen schon mit 1,29 Euro in vollem Fleischessaft. Neulich beobachtete ich eine Familie, der Vater wollte ein Paket mit Brühwürste in den Einkaufswagen legen, 750 Gramm tierisches Produkt. Die Mutter verneinte, der Liebste sollte es zurücklegen, denn 2,99 Euro sei zu teuer – sie sei ja doch kein Krösus! Selbst die kulinarischen Höhepunkte verschiedener europäischer Nachbarn kriegt man bei uns günstiger als dort, wo man sie voller Stolz der halben Welt auf die Teller schöpft. Ob nun Chorizo oder Jamón Serrano: In Deutschland sind sie billiger zu haben als in Spanien selbst.

Hierzulande haben wir eine aldisierte Lebensmittelbranche. Deutschland hat nicht nur den größten Niedriglohnsektor des Kontinents, es hat auch die günstigsten Verkaufsregale. Dieses Land stellt eine einzige Dumpinggesellschaft dar. Wie neulich auch Oxfam feststellte. Der deutsche Billigheimer-Kurs verlange den Produzenten in den Schwellenländern enorme Belastungen ab. Arbeitssicherheit spielt dort keine Rolle, die Löhne sind gering, lange Arbeitstage normal. Die Erzeuger in Deutschland selbst waren nicht Teil der Oxfam-Studie. Sie leiden nicht so sehr wie ihre Kollegen in jenem Teil der Welt, den wir als Zulieferzone für unsere Wohlstandssphäre betrachten. Aber gut geht es denen, die in diesem Sektor arbeiten auch nicht.

Sehr wahrscheinlich dürften die Erzeuger in kaum einem europäischen Staat so sehr in die Enge getrieben werden, wie in diesem Discounterdeutschland. Wie Aldi das handhabt, konnte man mehrfach lesen, die Praxis füllt ganze Schwarzbücher. Billigheimer zu sein wurde salonfähig, Geiz wurde im Grunde gar nicht erst geil – bei der Sparsamkeit beim Essen waren wir noch nie großzügig. Für fast alles war man in diesem Land von jeher finanziell aufgeschlossener als für Essen. Autos kosten Geld, hübsche Häuschen auch – da muss man sich was vom Mund absparen, den Gürtel enger schnallen. Beide Sprichwörter: Typisch Deutsch.

Das merkt man jetzt während der Weltmeisterschaft. Ein Sechser Bierplörre und Würstchen für einen schlappen Euro. Chips günstig in Riesentüten. Grillgut in rauen Mengen für kleines Geld: Man muss sich das nötige Kleingeld vom Mund absparen, um sich einen Flachbildfernseher holen zu können oder um den neuen SUV mit Seitenspiegelgamaschen in Deutschland-Optik auszustatten.

Als Kind eines spanischen Gastarbeiters habe ich die Essenszeit in Deutschland für die Deutschen selbst nie als soziale Komponente empfunden, sondern mehr so als Verrichtung einer biologischen Tätigkeit, die man möglichst effizient und kostengünstig über die Bühne bringt. Freilich stimmt das ja auch, nichts anderes ist es ja, wenn man speist. Man muss den Organismus füttern. Aber irgendwie hätte man sich ja den Zauber bewahren können und wenigstens so tun können, als komme es auf mehr an, als auf günstige Sättigunsbeilagenpreise und preiswertes Sattkriegen. Klar fanden auch die spanischen Verwandten, die hier in Deutschland waren, dass die Häuschen alle hübsch aussahen. Aber das Discounter-Fleisch, das in den schmucken Kästchen zuweilen kredenzt wird, würden sie eher nicht als Ausdruck von Lebensqualität ansehen.

Unser deutsches Zufriedenheitswunder hat freilich mit diesen günstigen Lebensmittelpreisen zu tun. Friede geht nun mal durch den Magen! Der Begriff von der Wohlstandssphäre, den die Japaner mit der Eroberung ihrer umliegenden Nachbarn in den Vierzigerjahren prägten, halte ich für sehr treffend für einige Entwicklungen, die wir in diesem Europa und in diesem Deutschland erleben. Wir wähnen uns als das Zentrum der Welt, wollen das irdische Leben erträglich machen, locker, flockig, günstig und mit reichlich Auswahl: Aber eine solche Wohlstandssphäre braucht Lieferanten, die uns unsere Vorstellungen zum Freundschaftspreis befriedigen.

Und das ist, was auch die Oxfam-Studie hervorhob – in diesem Dilemma steckt noch so viel mehr: Fluchtverursachung – und Hybris. Besonders Hybris. Lebensmittel müssen etwas wert sein. Und eine anständige und nachhaltige Politik sorgt dafür, dass jeder mehr oder weniger das aufbringen kann, um sich selbst so viel wert sein zu können. Das Dumping von Essen ist jedenfalls eines nicht: Verständige Politik.


Unterstützt die neulandrebellen finanziell!
Falls euch unsere Arbeit gefällt, dann unterstützt uns doch. Mit eurer Hilfe sichert ihr diese rebellische Existenz im Neuland. Wir bedanken uns herzlich und freuen uns über jede Unterstützung. Besonders über Daueraufträge.
Unsere Kontodaten lauten: Jörg Wellbrock, IBAN: DE22 2105 0170 1002 8506 57, BIC: NOLADE21KIE, Förde Sparkasse

Oder per Paypal:

Parallel zum klassischen Weg könnt Ihr uns auch via Steady unterstützen. Schaut doch einfach mal rein.
Nicht zuletzt könnt ihr uns übrigens auch als Sponsor unterstützen und Werbeflächen auf unserer Seite kaufen.

56
Hinterlasse einen Kommentar

Bitte Anmelden um zu kommentieren
avatar
11 Kommentar Themen
45 Themen Antworten
1 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
20 Kommentatoren
PentimentoAlexJobstnikiantonKerstin Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Kerstin
Gast
Kerstin

Bratwürste für 2,99? Bin ich Krösus, oder was? Auf jeden Fall ! Wenn man den monatlichen Lebensmittelbedarf ins Verhältnis zur Lohnsteuer setzt, die monatlich vom Brutto abgezogen, und vom Staat / EU in Agrarsubventionen umgelenkt wird……Dann kosten die Bratwürste 5-6 Euro, also fast so viel als würde man dem Ökoschweinebauern das Geld für Bratwürste gleich in die Hand drücken. Ob man Ökodinkelbrot, Biogemüse und sonstig Edelmütiges kauft, die Agrarsubventionen muss man immer draufschlagen. Die bezahlt man für die konventionelle Landwirtschaft so oder so jeden Monat ! Das ist so ähnlich wie mit der Aufstockerei über die Jobcenter. Die Steuerzahler bezahlen… Weiterlesen »

Folkher Braun
Gast
Folkher Braun

Hier wird in der Diskussion leider nicht berücksichtigt, dass wir in der Distribution von Lebensmitteln weltweit bemerkenswerte Produktivitätsgewinne seit 40 Jahren nutzen. Zum Beispiel wurde früher das Rindfleisch aus Argentinien per Flugzeug nach Europa geschippert. Heute kommt es mittels Kühlcontainer zum 1/20 stel der Frachtkosten. Die 24 t-Apfelsinenladung aus Murcia rodelte vor 30 Jahren noch für 2000 DM nach Münster in Westfalen. Heute für € 2000, weil der Transporteur aus Lettland es halt billiger macht. Die Lebensmittelpreise in Toitschland sind nicht nur Ausdruck der verringerten Qualität, der Produkte, sondern auch der optimierten Logistik. Was der Phillipino im Containerschiff über die… Weiterlesen »

AlexJobst
Gast

Am Ende hat der Autor recht, daß “wir” den Preisdruck outgesourced haben…

Rudi
Gast
Rudi

Das mit dem guten spanischen und dem deutschen qualitätsarmen Essen ist so eine Sache, die heute zu relativieren ist, wie anhand des Apfels zu belegen ist. Für Produktion der Lebensmittel setzt die Europäische Union den Maßstab. Ein Apfel muss demnach mindestens 90 Gramm wiegen oder einen Mindestdurchmesser von 60 Millimeter aufweisen, um im Supermarkt feil geboten werden zu können. Die Färbung ist für dessen Güteeinordnung (Färbungsgruppe A, B oder C) bedeutend: Sind etwa drei Viertel der Oberfläche rot, gehört der Apfel in die Gruppe A. Darüber hinaus werden die Äpfel in drei Klassen eingeteilt: Extra Klasse, Klasse I oder Klasse… Weiterlesen »

Drunter & Drüber
Gast
Drunter & Drüber

Verzeihung, aber sie schwand dahin – vor geraumer Zeit!

einHartzer
Gast
einHartzer

Als jemand der arm ist, finde ich die niedrigen Lebensmittelpreise gut. Da ist einem das Hemd (der niedrigen Preis) nun mal näher als der Rock ( das Tierwohl, die Arbeitsbedingungen der Erzeugenden etc. ). Wahlweise kann man da auch diesen Spruch vom Fressen und der Moral bemühen. Nicht verstehen kann ich die Menschen, die mit einem superteuren Wagen beim Discounter vorfahren, sich das ganze Jahr über von Billigfleisch ernähren und sich dann zu Festtagen mal “etwas Gutes” gönnen wollen, mal was vom Fleischer um die Ecke – und dann sind sie verwundert, daß es diesen Fleischer nicht mehr gibt… sehen… Weiterlesen »

R_Winter
Mitglied
R_Winter

Man greift lieber zu günstiger Discounter-Ware und findet es nur fair, dass vier grobe Bratwürstchen für 0,99 Cent weggeben werden. Wer kauft schon so „teures“ Fleisch? Geh´zu Edeka – da bekommst Du es noch „billiger“. Edeka: „Wir lieben Lebensmittel…“ (und Geld noch viel lieber…) Edeka bietet Hähnchenschenkel für 15 Cent an und wirbt noch mit Tierwohl Viele Kunden jedenfalls nicht. In den Sozialen Medien hagelte es Kritik an einem derartigen Tiefpreis. Zumal sie das Siegel, das im Edeka-Prospekt neben dem Angebot prangt, als blanken Hohn empfinden: „Initiative Tierwohl“ steht da nämlich. Kann es einem Hähnchen, das für 15 Cent je… Weiterlesen »

Leander
Gast
Leander

Immerhin bieten mittlerweile Supermärkte und sogar Discounter besseres Fleisch extra an: z.B. gestern 2 x 130g Burger vom frei laufenden ANGUS-Rind für unter 4 Euro. Immer noch billig, aber Angus ist Angus!

Robbespiere
Mitglied
Robbespiere

Jedes Ding hat zwei Seiten……….mindestens. Man sollte die deutsche Mentalität ( nicht Aller ) vielleicht auch einmal unter dem Gesichtspunkt von zwei verheerenden Kriegen und den dazu gehörenden Hungerphasen sehen.In der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen und der hatte im letzten Jahrhundert in Deutschland einen festen Wohnsitz. Wer Kohldampf schiebt nimmt, was er kriegen kann. Ein anderer Aspekt ist das Thema Manipulation durch Werbung. In den 60ern, während meiner Kindheit, gab es in Briefkästen keine Werbung., heute Quellen sie über davon und diese Werbeblättchen suggerieren, dass man sich mehr extra leisten kann, wenn man den billigen Fraß der Anbieter… Weiterlesen »

Hartmut
Gast
Hartmut

Selbst die kulinarischen Höhepunkte verschiedener europäischer Nachbarn kriegt man bei uns günstiger als dort, wo man sie voller Stolz der halben Welt auf die Teller schöpft. Ob nun Chorizo oder Jamón Serrano: In Deutschland sind sie billiger zu haben als in Spanien selbst. Ich würde ja nun nicht mal widersprechen, dass Lebensmittel hier zu billig sind, aber DIESER Teil Deines Beitrags lässt dann doch eher darauf schließen, dass die armen Spanier in ihren Supermärkten über die Theke gezogen werden – es sei denn, die spanischen Hersteller verkaufen den deutschen Großhändlern aus lauter Deutschlandliebe ihre Chorizos billiger als den Händlern im… Weiterlesen »

ChrissieR
Mitglied
ChrissieR

Moin,
Ja, mal abgesehen davon, dass viele Deutsche nicht mehr genug verdienen ( meine Rente lässt auch keine grossen Einkäufe beim Edelbioladen zu), ist das bei den meisten Landsleuten doch eher so, dass sie sich den Industriefraß (frz:” malbouffe”) genauso gierig und kritiklos reinziehen wie die tägliche geistige “malbouffe” in Form von regierungstreuer “Information” !
Das ist beides nicht gut für die ” Verdauung” und es kommt in beiden Fällen nur Scheiße bei raus!

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

Eine durchaus aus rustikale ober wahre Betrachtung der Zustände!

Beste Grüße

Hartmut
Gast
Hartmut

Mein absoluter Lieblingsfilm – immer noch – wenn auch sage und schreibe inzwischen schon 42 Jahre alt.
NEIN!
DOCH!
Ohhhhhh!

ChrissieR
Mitglied
ChrissieR

Jo, Heldentasse,
ich präferiere halt die rustikale Diktion….
Besser als politisch korreggd auf jeden Fall!
Wenn ich jetzt in Deutschland wäre, würde ich mir ein Zigeunerschnitzel bestellen und anschließend einen Mohrenkopf essen gehen!!!

Hartmut
Gast
Hartmut

Wenn ich jetzt in Deutschland wäre, würde ich mir ein Zigeunerschnitzel bestellen und anschließend einen Mohrenkopf essen gehen!!!

Warum nicht umgekehrt? 😉
Apropos: Heißt das nicht “Negerkuss”? So kenne ich es jedenfalls noch aus meiner Kindheit. Aber geschmeckt hat mir das übersüße schaumige Gääg-Zeug schon damals nicht.
Aber “Zigeunerschnitzel” ist lecker. Ach herrjeh, das geht ja auch nicht mehr. Wie heißt denn das jetzt übrigens politisch korrekt? Man kommt ja langsam mit den Neusprech nicht mehr hinterher.

ChrissieR
Mitglied
ChrissieR

Schnitzelnach Sinti und Roma Art glaube ich…aber von nem netten Neger würde ich auch gerne nen Kuss akzeptieren!😁…

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

Apropos: Heißt das nicht “Negerkuss”?

Ganz falsch und politisch total unkorrekt! Heute heißt das natürlich Neger*innenkuss!

Beste Grüße

ChrissieR
Mitglied
ChrissieR

Genau!!!😂

Hartmut
Gast
Hartmut

Heute heißt das natürlich Neger*innenkuss!

Muss da nicht das “i” im Wort groß geschrieben werden? Nicht dass dies hier Alice Schwarzer auf den Plan ruft. Und vielleicht ist es ja auch sexistisch, wenn ein Mann NegerInnenküsse mag. Tretminen wohin man nur schaut…

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse
Stefan Stulle
Gast
Stefan Stulle

Schnitzel nach Art einer mobilen europäischen Ethnie.

Pentimento
Gast
Pentimento

Volle Zustimmung. Gierig und kritiklos triftt es gut. Ganz abgesehen davon, dass man auch von wenig Geld gut essen kann, wenn man selber kocht.

Robbespiere
Mitglied
Robbespiere

@Pentimento Volle Zustimmung. Gierig und kritiklos triftt es gut. Ganz abgesehen davon, dass man auch von wenig Geld gut essen kann, wenn man selber kocht. Naja, gierig und kritiklos halte ich für ein Pauschalurteil ggü. dem Konsumenten, weil die Interessen der Produzenten und des Handels außen vor bleiben. Von wenig Geld gut essen zu können, ist auch so eine Aussage, die vor Allem Politiker zur Verteidigung ihres Hartz4- Regimes gerne vorbringen, die selber aber über 10.000€ pro Monat zur Verfügung haben. Manche dieser Luschen kamen sogar schon mit Rezeptvorschlägen an die Öffentlichkeit, obwohl sie vermutlich noch nicht einmal wissen, wie… Weiterlesen »

Pentimento
Gast
Pentimento

@ Robbespiere Naja, gierig und kritiklos halte ich für ein Pauschalurteil ggü. dem Konsumenten, weil die Interessen der Produzenten und des Handels außen vor bleiben. Natürlich ist das ein Pauschalurteil,aber muss man das jedesmal erwähnen? Die Zusammenhänge von Armut, Billigfraß, Agrar-und Nahrungsmittelindustrie und Lobbyismus sowie Ausnutzung der noch Ärmeren wurden hier ausführlich dargelegt. Der Durchschnittsdeutsche gönnt sich und anderen nun mal nix. Von gutem Essen in guter Gesellschaft hält er nicht viel. Zu tief sitzen die durch preußische Erziehung eingebläuten Ängste und Schuldgefühle. Gastfreundschaft und mediterrane Lebensart sind ihnen zutiefst verdächtig. Vielleicht hängt das mit den älteren Kulturen der romanischen… Weiterlesen »

Robbespiere
Mitglied
Robbespiere

@Pentimento Die Zusammenhänge von Armut, Billigfraß, Agrar-und Nahrungsmittelindustrie und Lobbyismus sowie Ausnutzung der noch Ärmeren wurden hier ausführlich dargelegt. Trotzdem erscheint der deutsche Konsument hier faktisch wie der fleischgewordene Geizhals, bei dem das schlechte Essverhalten praktisch genetisch verankert zu sein scheint und diese Darstellung finde ich einseitig. Die handfesten Wirtschaftsinteressen im Hintergrund und die Politik als deren Gehilfe kommen mir einfach zu kurz. Ich kann mich eben noch gut an Zeiten erinnern, als Lebensmittel in Fachgeschäften angeboten wurden und auch bei geringerer Auswahl deutlich besser schmeckten. Versuch einfach mal, ein handwerklich traditionell gemachtes Brot zu finden statt dem Chemiecocktail, der… Weiterlesen »

Pentimento
Gast
Pentimento

Alles richtig! Meine Sicht ist auch nur ein Blickwinkel. ☺

Robbespiere
Mitglied
Robbespiere

@Pentimento

Danke für den Hinweis auf den Film “Schoah”, der in der Mediathek von ARTE anzusehen ist.
Ich habe mir gerade die ersten 25 Minuten angesehen und finde die Berichte der Augenzeugen weit wirklichkeitsnäher als die Filme, die direkt nach der Befreiung der Lager gedreht wurden.
Diese wirken in ihrer Grausamkeit eher unwirklich, die Berichte der Betroffenen jedoch mit Gesicht, Mimik und Stimme regen die eigene Vorstellung erschreckend an und machen das Grauen nachvollziehbarer.

Pentimento
Gast
Pentimento

@Robbespiere Ich… finde die Berichte der Augenzeugen weit wirklichkeitsnäher als die Filme, die direkt nach der Befreiung der Lager gedreht wurden. Diese wirken in ihrer Grausamkeit eher unwirklich, die Berichte der Betroffenen jedoch mit Gesicht, Mimik und Stimme regen dieeigene Vorstellung erschreckend an und machen das Grauen nachvollziehbarer. Stimme Dir zu. Was auch auffällt, ist, wie eifrig die Ukrainer bei der Vernichtung der Juden halfen. Der Faschismus hat sich in der Ukraine erhalten und wird seit 2011 kräftig von unseren Machthabern unterstutzt. Die Umkehrung aller Werte hat in jener Zeit begonnen. Was 1933 begann, gilt bis heute. Macht ist gleichbedeutend… Weiterlesen »

Pentimento
Gast
Pentimento

Korrektur: nicht 3 Tage, sondern bis zum 04.09.ist der Film noch zu sehen.

niki
Mitglied
niki

Mal abgesehen davon dass mir mir Wurst, Fleisch und andere Produkte vom toten Tier schon seit ein paar Jährchen nicht mehr in den Einkaufskorb kommen, stimmt es vollkommen, dass man viel zu wenig Geld für Essen ausgibt. Ich leider auch. Der Grund dahinter: Die Löhne und Einkommen der meisten in den Bereich unterhalb des Durchschnitts ist trotz erheblich gestiegener Produktivität gar gesunken. Dazu noch die Spar- und Schnäppchenmentalität vieler Deutscher (nicht aller), meine Mutter hat schwäbische Wurzeln und dieses merkt man auch massivst, manchmal ertappe ich mich selbst dabei dass die Erziehung diesbezüglich auch bei mir zumindest teilweise “erfolgreich” war,… Weiterlesen »

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

Dass das Essen für leider ganz viele Menschen preiswert oder gar kostenfrei sein muss, sieht man auch daran das die Tafeln, die früher nur für wenige gedacht waren, leider viele ernähren müssen.

Darum ist das Thema auch so heikel, und grob betrachtet ein sich selbst verstärkender Teufelskreislauf auf vielen Gebieten der Wirtschaft. Denn geringe Einkommen führen zu niederen Preisen und die wiederum zu geringen Einkommen etc. pp.

Beste Grüße

niki
Mitglied
niki

@Heldentasse:

Teufelskreislauf

Darauf wollte ich hinaus.

Pentimento
Gast
Pentimento

Wenn Essen den wirklichen Produktionskosten angemessene Preise hätte, d.h. wären die Leute längst auf der Strasse. Bismarck hat den Sozialstaat nicht aus Menschenfreundlichkeit geschaffen, sondern um eine Revolution zu verhindern. Brot und Spiele halt.

Hartmut
Gast
Hartmut

Der Grund dahinter: Die Löhne und Einkommen der meisten in den Bereich unterhalb des Durchschnitts ist trotz erheblich gestiegener Produktivität gar gesunken. Das Problem dabei: Olle Ruskin mag ja recht gehabt haben mit seinem Spruch https://www.aphorismen.de/zitat/20535 und es ist sicher richtig, dass man miese Qualität bekommt, wenn man (zu) wenig bezahlt. Leider ist das Gegenteil nicht ebenso garantiert, dass man anständige Qualität bekommt, wenn man einen vermeintlich “angemessenen” Preis latzt. Diverse Tests und Verbraucherportale beweisen es immer wieder. Und DIES mögen echte oder vermeintliche Schnäppchenjäger vielleicht als “Entschuldigung” verinnerlicht haben, wenn sie sich dann beim Einkauf doch lieber für die… Weiterlesen »

Lutz Hausstein
Gast

Alles richtig. Und das ist nicht nur bezogen auf Nahrungsmittel richtig, sondern auch zumeist in Bezug aus andere Konsumgüter, z.B. Kleidung. Eine, wenngleich auch nur sehr beschränkte Möglichkeit, diesen Kreis zu durchbrechen, wäre, die Nahrungsmittel direkt vor Ort bei einem regionalen Erzeuger, einem kleinen Bauern zu erwerben. Da wüsste man im Normalfall zumindest, dass man für einen – nicht immer! – höheren Preis auch bessere, fairer erzeugte Nahrungsmittel kaufen kann. Das ist natürlich bei weitem nicht für jeden möglich. Abgesehen von finanziellen Einschränkungen hat auch nicht jeder “Städter” die Möglichkeit, dies mit einem angemessenen Aufwand zu tun. Denn es ist… Weiterlesen »

aquadraht
Mitglied
aquadraht

Ja, gut, dass das auch mal gesagt wird. In der Tat ist das Essen und Trinken der Teil der Lebenshaltung, in dem man am Variabelsten ist, wenn es mit dem Einkommen knapp wird und in Richtung Armutsgrenze geht. Am der Miete kann man nicht sparen, ok im Winter im Pullover statt die Heizung aufdrehen, das geht auch noch ..

a^2

Hartmut
Gast
Hartmut

Mal abgesehen davon dass mir mir Wurst, Fleisch und andere Produkte vom toten Tier schon seit ein paar Jährchen nicht mehr in den Einkaufskorb kommen An meiner Umstellung zum Veganer arbeite ich noch 😉 – im Stile eines Rauchers, der stolz verkündet: “Aufzuhören ist ganz einfach. Ich habe das schon x-mal geschafft.” Immerhin haben wir es schon dazu gebracht, keine Eier mehr mit Haltungsform > 1 zu kaufen. (Wie viel Auslauf hat eigentlich so ein armes angeblich Freiland-Vieh?). Vermutlich würde der eine oder andere (der es sich leisten kann) sicher auch mehr für Fleisch aus “artgerechter Haltung” ausgeben, aber inzwischen… Weiterlesen »

niki
Mitglied
niki

An meiner Umstellung zum Veganer arbeite ich noch Ich bin Vegetarier. Aber egal. Grund dafür war das ich Fleisch, in der Qualität wie ich es mir leisten konnte, absolut nicht mehr vertragen hatte. Dazu kamen noch ethische Überlegungen und dann war die Sache für mich klar. Ich teste es mal aus, ob ich ohne Fleisch und anderen tierischen Produkten vom totem Tier klar komme. Letztendlich war es kein Problem für. Denn massive Magen-Darm-Problem und Gicht waren recht schnell Vergangenheit. Den Scheiß wollte ich nicht wieder haben… im Stile eines Rauchers, der stolz verkündet: “Aufzuhören ist ganz einfach. Ich habe das… Weiterlesen »

Pentimento
Gast
Pentimento

Ist auch besser für die Umwelt und gegen den Hunger. Dasselbe Stück Land kann einen Fleischesser, aber acht Vegetarier ernähren.

Stefan Stulle
Gast
Stefan Stulle

Falsch, genau andersrum ist es richtig. “Es wird ja immer so getan, als ob wir die Menschheit problemlos ernähren könnten, wenn wir das Getreide selber essen würden statt es an die Tiere zu verfüttern. Das klingt logisch. Dabei kann der Mensch einen erheblichen Teil des geernteten Getreides gar nicht essen. Schon allein deshalb, weil die Witterung nicht immer so ist, dass Weizen, der als Brotgetreide angebaut wurde, auch als Brotgetreide verwendet werden kann. Zudem kann man auf vielen Böden kein Brotgetreide anbauen, oder das Futtergetreide wird als Zwischenfrucht benötigt, um wieder vernünftiges Brotgetreide ernten zu können. Das heißt, die Tiere… Weiterlesen »

niki
Mitglied
niki

@Stefan Stulle: Ja genau… Dann dürften wir hier hingegen kein Fleisch essen. Hier ist Getreideanbau problemlos und effektiv möglich, damit der Ausgleich stimmt… Aber nein, hier in Europa wird soviel Fleisch gegessen, dass wir hier in quasi in Gülle absaufen…
Das ist der Grund weshalb ich deinen Beitrag für ziemlich dämlich halte…

Und noch etwas: Siezen ist in Internet-Blogs UNHÖFLICH, beziehungsweise als Minderwertschätzung gedacht!

anton
Gast
anton

“Und noch etwas: Siezen ist in Internet-Blogs UNHÖFLICH, beziehungsweise als Minderwertschätzung gedacht!”

weiß dies auch eure Datentrunsel wshira?

niki
Mitglied
niki

Die antonella mal wieder…. Höchst belustigend! 😀

Robbespiere
Mitglied
Robbespiere

@Stefan Stulle

Falsch, genau andersrum ist es richtig. “Es wird ja immer so getan, als ob wir die Menschheit problemlos ernähren könnten, wenn wir das Getreide selber essen würden statt es an die Tiere zu verfüttern.

Warum haben sich dann die Menschen früher überwiegend vegetarisch ernährt, weil Fleisch schlicht zu teuer war und wer sagt denn, dass man Feldfrüchte nur für Brot nutzen kann?

aquadraht
Mitglied
aquadraht

Er hat nicht Unrecht. Es ist auch so pauschal falsch, dass sich die Menschen früher überwiegend vegetarisch ernährt haben. Es gab sehr früh nomadische Hirtenvölker, die sich überwiegend von tierischen Produkten und nebenher von gesammelten Früchten, Samen, Flechten, Pilzen etc. ernährten. Der Ackerbau ist knapp 10.000 Jahre alt, der Moderne Mensch 10-30mal so alt. Allerdings ist der heutige Fleischverbrauch der Menschen in der Tat unangemessen hoch. Für eine ausgeglichene Land- und Viehwirtschaft dürfte nicht mehr als 10-15% der Ernährung aus Fleisch, Fleisch- und anderen tierischen Produkten stammen, besser weniger. Tatsächlich ist das Verhältnis oft umgekehrt: auf 70-80% tierische Produkte kommen… Weiterlesen »

Robbespiere
Mitglied
Robbespiere

@aquadraht Er hat nicht Unrecht. Es ist auch so pauschal falsch, dass sich die Menschen früher überwiegend vegetarisch ernährt haben. Es gab sehr früh nomadische Hirtenvölker, die sich überwiegend von tierischen Produkten und nebenher von gesammelten Früchten, Samen, Flechten, Pilzen etc. ernährten. Auch wenn meine Bezug auf frühere Generationen unpräzise war, so weit in der Zeitbetrachtung wollte ich gar nicht zurückgehen. Es ist einfach schon zu lange her, dass der Wildbestand den Fleischbedarf einer recht übersichtlichen Population Mensch decken konnte. Wenn man die, gemessen an der Lebenserwartung lange Zeitspanne von vllt. 1000 Jahren in Betracht zieht, war die Mehrheit der… Weiterlesen »

Hallo
Gast
Hallo

Die vegetarisch oder vegan lebenden Menschen schaffen dabei einen gewissen Ausgleich. Auf 1 “normal” fressenden bräuchte es allerdings ca. 3 Veganer, um das komplett auszugleichen :). Alles vollkommen falsch. Nur 1,5 % der Deutschen ernähren sich vegetarisch. Die Veganer befinden sich bereits unter den 1,5 %. Bei den Israelis sind es 5% der Gesamtbevölkerung. Den Israelis sagt man ja nach, eine vegetarisch orientierte Gesellschaft zu sein, Falafel und so….Auch falsch wie man sieht. Wie stellt man NICHTS gegen IRGENDWAS ins Verhältnis ? Wenn sich 9 von 10 Leuten kein Eis kaufen aber einer von denen kauft sich ein Eis…..Wie viele… Weiterlesen »

niki
Mitglied
niki

@Hallo: Du hast falsch gelesen… Robbespiere meinte das eigentlich es 3 Veganer auf einen Omnivoren geben müsste um einen Ausgleich zu schaffen der Umweltverträglich wäre. Ebenso ist ungewiss wie hoch der Anteil der Vegetarier in Deutschland wirklich ist. ich habe Zahlen von 4 bis 11 Prozent gefunden… Wobei ich ca. 5 Prozent für realistisch halte. Man kann aber ausgehen wenn jeder billig Fleisch essen will, dass dieses kaum der Umwelt zuträglich ist. Schon jetzt haben wir extreme Probleme durch die Gülle… Na, Fleisch ist billig, aber dieses billige Fleisch macht das Trinkwasser, durch die nötige Aufbereitung ziemlich teuer. Wenn man… Weiterlesen »

Pentimento
Gast
Pentimento

@aquadraht Es gab sehr früh nomadische Hirtenvölker, die sich überwiegend von tierischen Produkten und nebenher von gesammelten Früchten, Samen, Flechten, Pilzen etc. ernährten. Der Ackerbau ist knapp 10.000 Jahre alt, der Moderne Mensch 10-30mal so alt. Stimme Dir zu. 10-15% Fleisch und der Rest pflanzlig,das ist die älteste Form der Ernährung, die der Steinzeit. Die frei umherziehenden Jäger und Sammler aßen, was sie auf ihren Wegen fanden. Wild, Beeren, Wurzeln und Knollen, Gräser und Früchte. Das Jagen mit Pfeil und Bogen war schwierig. Schon deswegen aßen sie weniger Fleisch. Erst als der Mensch seßhaft wurde, begann er Getreide anzubauen und… Weiterlesen »

Heldentasse
Mitglied
Heldentasse

Könnte es denn nicht auch sein, neben den gut beschrieben gelinde gesagt “kulturellen” Einflüssen, dass der Fraß hierzulande so billig ist weil es soviele arme Menschen in Toitschland gibt? Das Problem halte ich zur Zeit für dringender, als das der falsch “gepolten” die auf ihrem 5t€ Grill die Billigheimer- Würstchen brutzeln. Auch muss mal gesagt werden, dass Nahrungsmittel die nicht viel kosteten automatisch ungesund, tierquälend und umweltzerstörend hergestellt werden müssen, dass betrifft das billige Fleisch und Geflügel und diesen Industriefraß mit viel Zucker und Fett. Die Lösung dieses Problems und vieler anderer wäre übrigens relativ einfach, man müsste halt nur… Weiterlesen »

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Kommentare zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Kommentare zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Du kannst Deine Browser-Einstellungen anpassen, um dies zu unterbinden. Außerdem geben wir Informationen zu Deiner Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Du findest ausführliche Erklärungen in unserer Datenschutzerklärung.

Schließen