Tod einer Handlungsgreisenden: der SPD

Da steht sie nun, so schwach wie nie
die Ex-Sozialdemokratie.
Sie windet sich in Blut und Tränen
beim Kampf, ihr Naturell zu dehnen.

Gerechtigkeit, gar keine Frage
liegt leblos auf der GroKo-Bahre
Und Frieden und der ganze Kram
das war einmal, vor ewigen Jahren.

Verantwortung ist jetzt das Thema
fürs Volk, das Land, das ganze Schema.
Man konnte halt nicht anders handeln
als leblos durch die Gegend wandeln.

Innereien liegen rum
blutgetränkt und stinkend dumm.
Doch die Oberfläche glänzt
wenn auch inhaltlich begrenzt.

Ach, Sozialdemokratie
so wie früher wird es nie.
Denn die Leute, die Dich lenken,
sind nicht die, die für Dich denken.

Riechst Du auch diesen Gestank?
Du riechst ihn nicht, na, Gott sei Dank!
Doch er haftet an Dir fest
und er gibt Dir jetzt den Rest. [InfoBox]

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Tom J. Wellbrock

Tom J. Wellbrock ist Journalist, Autor, Sprecher, Radiomoderator und Podcaster. Er führte unter anderem für den »wohlstandsneurotiker«, dem Podcast der neulandrebellen, Interviews mit Daniele Ganser, Lisa Fitz, Ulrike Guérot, Gunnar Kaiser, Dirk Pohlmann, Jens Berger, Christoph Sieber, Norbert Häring, Norbert Blüm, Paul Schreyer, Alexander Unzicker und vielen anderen. Zusätzlich veröffentlicht er Texte auf verschiedenen Plattformen und ist für unsere Podcasts der »Technik-Nerd«.

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Folkher Braun
Folkher Braun
4 Jahre zuvor

So riecht man halt, wenn man in den Misthaufen der Geschichte eingetaucht ist.

Lutz Hausstein
4 Jahre zuvor

Vielleicht landet das Gedicht ja in 5 oder auch in 10 Jahren in dem Buch „Die Geschichte der SPD“.

Schweigsam
Schweigsam
4 Jahre zuvor

Schön gedichtet, Bravo.

Die Sozialdemokratie ist nicht am Ende
sie kann es nie
denn wir Menschen brauchen sie
aber eine Partei namens sPD
die konnte Sozialdemokratie eigendlich nie
und jetzt verreckt sie
die sPD der Spezialdemokratie!

Amen

Jared
Jared
4 Jahre zuvor

Für einen Epitaph
Ist es fast schon zu spät,
da sie, verwelkt und schlaff,
in Fäulnis übergeht.

Sie lag, schon hirntot, lang
auf Intensivstation,
ihr langer Abgesang
ist fast verklungen schon.

Ihr starkes rotes Herz,
beizeiten transplantiert,
half denen, die Herr Merz
als „Socken“ tituliert.

Die Nieren, grün und jung
gab sie vor Jahren fort.
Heut‘ ätzt ihr saurer Dung
im Stuttgarter Abort.

Sie war einmal solid-
und arisch war sie nie.
Als Sozia fuhr sie mit,
die Listen überm Knie.

Am Lenker saß sie nicht.
Wer fuhr, das ist bekannt.
Der fuhr die SPD
mit Absicht an die Wand.

Rough Trade
Rough Trade
4 Jahre zuvor
Folkher Braun
Folkher Braun
4 Jahre zuvor

Mir fehlt an der Beschreibung de sPD die parallele Entwicklung der Gewerkschaften in die zunehmende Bedeutungslosigkeit. Der DGB hat von 1994 bis 2017 satte 3,8 Millionen Mitglieder verloren ( 9,8 auf knapp 6). Ich kenne noch Ortsvereins-Versammlungen aus den 60er Jahren, wo Betriebsräte und Vertrauensleute das Sagen hatten und nicht Sozialpädagogen. Der DGB hätte bei Hartz IV alle Register ziehen müssen, um die Reste des Sozialstaats zu sichern.
Wie verkommen der Haufen inzwischen ist, sieht man am Vorsitzenden der Gewerkschaft, wo ich seit 42 Jahren einzahle. Der wetterte erst gegen die Streiks der GDL (statt solidarisch zu sein) und letztens war er bei den Bilderbergern. Da tät ich mir wünschen, dass Heinz Kluncker aus seinem Grab aufersteht, um dem Rotzlöffel den Ar*** zu versohlen. Noch schlimmer ist der Chemie-Kasper. Der sollte den Weg von Transnet-Hansen wählen und bei der Gegenseite sein Geld verdienen.

anton
anton
Reply to  Folkher Braun
4 Jahre zuvor

Kollege, seit wann ist der DBB solidarisch? Die hassen Arbeitnehmer, lassen die für sich streitten. Die GDL sollte versuchen, die Verbeamtung zu erreichen darum ging es- Lese mal manche Kommentare aus der Politik usw nach!Lokführer sind nicht wichtiger als usnere Kollegen Gleissteller!

Jörg
Reply to  Folkher Braun
4 Jahre zuvor

Der Chef des DGB Reiner Hoffmann ist Vorstandsmitglied der Atlantikbrücke ! Die Atlantikbrücke ist ein Haufen nicht legitimierter Privatpersonen, die Einfluss auf die Politik Deutschlands und den USA nehmen, wobei maßgebliche Oligarchen da wohl auch ihre Finger mit im Spiel haben.

Und Scholz ist ein Bilderberger !

sapere aude

Peter
Peter
Reply to  Jörg
4 Jahre zuvor

Viele Medienvertreter sind Mitglied der Atlantikbrücke, z.B. auch Jörg
Schönenborn, Fernsehdirektor und WDR Chef für das Ressort Politik
und Zeitgeschehen. Die Dämonisierung Russland entstammt Netzwerken.
Im Alleingang kommt niemand auf so einen einseitigen Stuss.

Prof. Dr. iur. Karl Albrecht Schachtschneider ist Jurist / Völkerrechtler, aber
wegen seiner AfD-Nähe immer mit Vorsicht zu genießen. Einerseits
Wissenschaftler, andererseits politisch motiviert. Welchen Schachtschneider
man vor sich hat, ist immer eine schwierige Frage.

https://www.youtube.com/watch?v=Y8OJ07D7gPI

bernie
bernie
4 Jahre zuvor

Gut geschrieben, aber mir war schon vor 12 Jahren, bei der Einführung der Agenda 2010, und spätestens den Hartz-Gesetzen klar, die zu einer Austrittswelle aus der SPD geführt haben, dass die Rest-SPD von CDUlern/FDPlern geführt werden könnte – neoliberale Marktfundamentalisten eben. Das dies bis heute noch nicht beim Restwahlvolk angekommen ist kann ich mir nur durch 2 Dinge erklären – erstens der weitgehenden Resignation des Widerstandes gegen Sozialabbau und zweitens dem Heranwachsen neuer, vergesslicher, geschichtsunbewußter Generationen. Das zeigt sich doch auch in anderen Politikfeldern dieser Republik, aber eben seit der Agenda 2010 ist die SPD neoliberal – und die Rest-SPDler sind schon seit Jahren keine sozialen Demokraten mehr. Ihnen müsste jemand zurufen, wie in einem Asterix-Film Asterix zu Obelix, der römischer noch als die Römer wurde als er sich als Römer verkleidet hat – „Obelus beim Belenus werde wieder Obelix!“.
Im Film bei Obelix hat es gewirkt, aber ob es bei der SPD, wenn jemand Ruft „…. beim Belenus werde wieder SPD“ wirkt ist fraglich.

Ach übrigens vielleicht liegt es auch an einem Spruch des berühmten dt. Philosophen Friedrich Nietzsche der mir dieser Tage durch den Kopf geistert wenn ich so durch Deutschland wandere – „Die Umwertung aller Werte“ – sie ist auch in vollem Gange, und vielleicht ist dies der 3te, und wohl wichtigste Grund, dass die Leute in .de auf die SPD reinfallen.

Anders ausgedrückt in Deutschland gibt es kein Unrecht, erste Regel, und wenn doch, dann gilt Regel 1.

Gruß
Bernie

Samira
Samira
4 Jahre zuvor

Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1923
An einen Bonzen
Einmal waren wir beide gleich.
Beide: Proleten im deutschen Kaiserreich.
Beide in derselben Luft,
beide in gleicher verschwitzter Kluft;
dieselbe Werkstatt – derselbe Lohn –
derselbe Meister – dieselbe Fron –
beide dasselbe elende Küchenloch …
Genosse, erinnerst du dich noch?
Aber du, Genosse, warst flinker als ich.
Dich drehen – das konntest du meisterlich.
Wir mußten leiden, ohne zu klagen,
aber du – du konntest es sagen.
Kanntest die Bücher und die Broschüren,
wußtest besser die Feder zu führen.
Treue um Treue – wir glaubten dir doch!
Genosse, erinnerst du dich noch?
Heute ist das alles vergangen.
Man kann nur durchs Vorzimmer zu dir gelangen.
Du rauchst nach Tisch die dicken Zigarren,
du lachst über Straßenhetzer und Narren.
Weißt nichts mehr von alten Kameraden,
wirst aber überall eingeladen.
Du zuckst die Achseln beim Hennessy
und vertrittst die deutsche Sozialdemokratie.
Du hast mit der Welt deinen frieden gemacht.
Hörst du nicht manchmal in dunkler Nacht
eine leise Stimme, die mahnend spricht:
»Genosse, schämst du dich nicht –?«
Quelle: Die Weltbühne, 6. September 1923
Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1923

Heldentasse
Heldentasse
4 Jahre zuvor
pentimento
pentimento
4 Jahre zuvor

Die SPD als sterbende Handlungsreisende…Das macht traurig und trifft den Nagel auf den Kopf.

Schönes Gedicht mit gutem Titel!

, ist da nicht ein ‚g‘ zuviel in Deiner Überschrift?

pentimento
pentimento
Reply to  Tom J. Wellbrock
4 Jahre zuvor

O man, stimmt!!1! Das isja noch schlimmer! Manchmal fällt der Groschen eben langsam. Besser spät als nie.
;-))

Jörg
Reply to  pentimento
4 Jahre zuvor

SPD schießt nach GroKo-Entscheid nach oben“ Tja, so sieht es aus: 1000 „Auserwählte“ werden befragt und schon ist die sPD wieder eine SPD. Auch imposant, was so 1,67 % SPD Mitglieder so alles erreichen können

Folkher Braun
Folkher Braun
4 Jahre zuvor

Was hat denn die Moderation meines zweiten Kommentars ergeben?

Norbert Wiersbin
Norbert Wiersbin
4 Jahre zuvor

Chapeau, Tom Wellbrock, anlässlich einer Beerdigung noch den Lyriker zu geben, ist schon eine starke Leistung! 😉