Über die Relativitätstheorie der Armut

Leben wir nicht in einem goldenen Zeitalter? Arm – wer ist das heute noch? Selbst die Armen sehen aus wie »Reiche light«, wie KiK-kostengünstig eingekleidete Besserverdiener. Wer wohnt bei uns schon in Wellblechverschlägen und fischt sich Lebensmittel aus dem Abfall? Das gibt es in Deutschland gar nicht. Armut ist daher für viele Beobachter gar kein Terminus mehr, den man gebrauchen könnte. Sie ist aus der Mode gekommen, weil der heutige Wohlstand der Armut gar keinen Spielraum mehr lässt. Wer hungert denn bitte ernstlich? An einer Appendizitis verendet doch bei uns keiner. Armut ist abgeschafft – Deutschland macht weiter so.

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Mordred
Mordred
7. September 2017 17:19

Armut und Reichtum sind doch immer relativ zum sozialen Umfeld und zur Gesamtgesellschaft eines Landes / Region zu verstehen. Selbst sog. absolute Armut ist relativ. Was macht bspw. Bill Gates nur mit 3 Geldkoffern ausgestattet bei nem Eingeborenenstamm am Amazonas?
Messbar machen kann man das bspw. an den Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe.

GrooveX
GrooveX
Reply to  Mordred
7. September 2017 19:57

na ja, wenn die gesellschaft, an der man teilhaben können soll, selbst völlig verarmt, sprich verschuldet, mittellos, ausgeblutet ist, dann ist teilhabe nicht wirklich erstrebenswert. in nouakchott, der malerischen haupt- und hafenstadt mauretaniens heißt teilhabe nur mangelverteilung, außer vielleicht an malaria, da herrscht nicht so der mangel.

Ex-Vermieter
Ex-Vermieter
7. September 2017 20:40

>>..unter seiner Herausgeberschaft erschienen…<<
Ich bin bloß froh, dass ich weder so rede noch schreibe.

Ex-Vermieter
Ex-Vermieter
Reply to  Roberto J. De Lapuente
8. September 2017 16:01

Richtig, wir alle. Wahrscheinlich sind damit alle die gemeint , die noch viel weniger zu sagen haben und das schreibend kompensieren wollen.

Jarek
Jarek
7. September 2017 22:24

In den letzten 2-3 Jahrzehnten konnte man sozusagen politisches Rebranding des Armutsbegriffes erleben. Hat man früher die gesellschaftliche Teilhabe als Maßstab und Ziel des politischen Handelns gesehen, ist es mittlerweile die Existenzsicherung. Und auch auf diesem gesenkten Standard wird noch massiv Kritik geübt und zeitliche („vor 100 Jahren“ oder „in den 50er Jahren“) oder geographische („ein Bulgare kann von einem Lebensstandard eines HartzIV-Empfängers nur träumen“) Vergleiche herangezogen, die unsere unteren 20% zeigen sollen, als die unteren 20% die am besten Ort in bester Zeit leben. Auch für sie. Dazu kommt ja noch eine Art friendly fire vom Caritasverband im Streit… Weiterlesen »

Gast2
Gast2
11. September 2017 19:00

In einem Kilometer Radius etwa 7 Flaschenpfand sammelnde Alte, sowie min. 3 Müll-tauchende Rentner – die sich alle, oft auch lautstark um Ihre Beute streiten und die u.A. verelenden, weil Krankenkassen in 2017 nicht mehr alle Krankheitskosten mittragen.

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