Depressionen: Das gefährliche „Uns-geht-es-gut-Paradoxon“

Depressionen breiten sich in Deutschland immer weiter aus. Das meist stille Leiden hat gravierende Folgen, deren Höhepunkt nicht selten der Selbstmord ist.

Gleichzeitig hören wir jeden Tag aus allen möglichen Ecken, wie gut es uns gehe. Die Tatsache, dass diese Aussage auf dem Prüfstand schnell brüchig wird, ist das eine. Die Wirkung, die sie auf depressive Menschen hat, das andere.

Krankgeschrieben wegen Depressionen: häufiger als wegen Krebs

Laut Tagesspiegel hatte im Jahr 2006 jeder Erwerbstätige durchschnittlich an 1,4 Tagen im Jahr psychische Probleme und blieb der Arbeit fern. Zehn Jahre später, 2016, waren es bereits 2,6 Tage im Jahr. Menschen mit Depressionen konnten 2016 im Schnitt 35 Tage pro Jahr nicht arbeiten, bei durch Krebs erkrankten Menschen waren es lediglich 32 Tage. Es macht wenig Sinn, diese Zahlen wertend gegenüberzustellen, aber sie verdeutlichen, wie schwerwiegend Depressionen sind. Einmal in den Strudel der dunklen Gedanken hineingezogen, ist es ohne Hilfe schwer bis gar nicht möglich, sich der Depression zu entziehen.

Schon die Definition von „psychischen Problemen“ ist schwer, und ob ein Mensch an einem Burnout leidet, nur schwermütig ist oder von einer ernsthaften Depression betroffen ist, lässt sich nicht immer einfach diagnostizieren. Wohl auch deshalb steht für Menschen mit körperlichen Leiden ein vergleichsweise umfassender Apparat an Ärzten, Therapeuten, Apparaten, Medikamenten, Praxen und Krankenhäusern zur Verfügung. Menschen mit Depressionen dagegen müssen in vielen Fällen monatelang auf einen Termin warten, und selbst wenn sie endlich eine Therapie beginnen können, ist die Kostenübernahme noch lange nicht sicher. Sei es der „falsche“ Therapeut oder die vermeintlich unzureichende Diagnose, depressive Menschen müssen mit zahllosen Hindernissen rechnen und leben. Das ist schon deswegen fatal, weil sie sowieso größte Schwierigkeiten haben, den Alltag zu meistern.

Ein belegtes Beispiel:

Bei einem 29-jährigen Mann wurde im Dezember 2016 eine Depressione diagnostiziert. Der Hausarzt bescheinigte seinem Patienten eine schwere Krise (die sich mit der Einschätzung einer Therapeutin kurz zuvor während einer Probestunde deckte) und riet bis zu Therapiebeginn (der, wie sich später zeigen sollte, erst ein halbes Jahr später sein sollte, womit der Betroffene noch zu den schnelleren Fällen gehört) zu einer Medikation, um die schlimmsten Symptome zu reduzieren. Da ein Besuch in einer Tagesklinik bereits daran scheiterte, einen Ansprechpartner zu finden, ging der Mann einen Tag später gemeinsam mit seiner Partnerin in das nahegelegene Krankenhaus in die Notaufnahme. Dort wollte er, um über das Wochenende zu kommen, ein Medikament erhalten.

Die Dame am Empfang fragt nach dem Grund des Besuches, woraufhin der Mann „Depressionen“ sagt.
Die Erwiderung der Dame: „Aha. Und liegt akut etwas vor?
Ja“, entgegnet der Mann, „ich habe schwere Depressionen.
Die Frau notiert sich etwas und sagt, der Mann müsse nun warten, die Psychiaterin sei sehr beschäftigt. Als der Mann darum bittet, die Überweisungen wieder zu bekommen, sagt die Frau: „Nein, die bleiben jetzt bei mir.

Gut zwei Stunden später sitzt der Mann im Besprechungszimmer mit der Psychiaterin zusammen. Diese fragt ihn nach seinem Zustand und ob er suizidal sei. Nein, entgegnet der Mann, an Suizid denke er nicht, aber manchmal habe er das Gefühl, dass es … das Handy der Psychiaterin klingelt, sie entschuldigt sich kurz, telefoniert ein paar Minuten und schließt mit den Worten: „Ich bin in 10 Minuten da.

In ihren Bericht, den sie dem Mann gibt, hat sie notiert, dass er sich geweigert habe, einer vollstationären Einweisung zuzustimmen (was nicht stimmt). Sie gibt ihm sechs Tabletten mit, von denen sich beim nächsten Besuch beim Hausarzt herausstellt, dass sie hochgradig suchtgefährdend sind. „Keine gute Wahl“, konstatiert der Arzt.

Wenn im Sommer die Temperaturen sinken

Nicht zufällig sind es die vermeintlich schönen Momente, die depressive Menschen zu dem Entschluss führen, ihr Leben zu beenden. Denn gerade wenn draußen die Sonne scheint und die Menschen alleine deswegen etwas bessere Laune haben, oder wenn um die Weihnachtszeit herum Harmonie zur Schau gestellt wird, fallen Menschen mit Depressionen schnell ins Bodenlose. Sie fühlen sich gewissermaßen „undankbar“, weil ihnen die Fähigkeit fehlt, sich an den Dingen zu erfreuen, die um sie herum sind und die andere in Hochstimmung versetzen.

Auch das stetig zu hörende „Es geht uns gut“ bewirkt bei Menschen mit Depressionen alles andere als Optimismus, können sie doch diese These nicht teilen, sei es wirtschaftlich, emotional oder – wie so oft – weder in dem einen noch in dem andere Bereich. Doch das „Es geht uns gut“ ist längst nicht nur für depressive Menschen verstörend für ihr Befinden. Auch wer „nur“ unter wirtschaftlicher Not leidet, lässt sich schnell herunterziehen vom allseits verbreiteten Optimismus, der auf ihn oder sie nicht zutrifft, nicht zutreffen kann. Weil immer auch die „Schuldfrage“ mitschwingt und eine zweite Behauptung die Problematik verschlimmert: Die Unterstellung, jeder sei seines Glückes Schmied, jeder könne „es“ schaffen, wenn er sich nur genügend anstrenge. Es liegt nahe, dass bei Misserfolg – unabhängig von den tatsächlichen vorliegende Gründen – die Verantwortung nur bei den Betroffenen selbst liegen kann – so empfinden sie es meistens, und so ist das – dieser Eindruck lässt sich nur schwer verdrängen – auch beabsichtigt.

„Das wird schon wieder“ – ein fataler Trugschluss

Mag sein, dass es das Nichtsehen der Krankheit ist, die der Depression so einen schweren Stand beschert. Ein Gipsbein sieht man, die Krebsdiagnose ist gnadenlos und klar, und selbst die Erkältung zeigt sich äußerlich, wodurch sogar ihre Schwere recht einfach einzuschätzen ist. Bei Depressionen sieht das anders aus. Und allzu oft müssen Betroffene mit Reaktionen wie „Kopf hoch“, „Das wird schon wieder“ oder sogar „Jetzt reiß Dich mal zusammen!“ leben. Menschen mit Depressionen werden häufig in die Schublade „Weichei“ verschoben, ihr Leiden wird als Theatralik oder übertrieben abgetan. Hinzu kommt die Tatsache, dass – mehr als bei anderen Krankheiten – im Zusammenhang mit Depressionen oft der Kostenfaktor in den Fokus der Wahrnehmung gerät.

Der „Spiegel“ schrieb bereits 2011:

„Jeder zwanzigste Deutsche leidet an einer Depression. In den meisten Unternehmen ist die Krankheit aber immer noch ein Tabuthema. Dabei verursacht sie laut einer Studie Milliardenkosten – vor allem durch Arbeitnehmer, die ihr Leiden unterdrücken.“

Fatal und unzutreffend ist die Formulierung, dass die Milliardenkosten vornehmlich durch Arbeitnehmer entstehen würden, die ihr Leid unterdrückten. Denn die Krankheit ist über weite Strecken kaum anerkannt, wird kleingeredet oder als „schlechte Laune“ abgetan – was der Schwere dieser Krankheit nicht ansatzweise gerecht wird. Zudem hat die Zunahme von Depressionen sachliche Gründe. Die Druck am Arbeitsplatz wird immer größer, Zeitarbeit und befristete Arbeitsverträge erhöhen die Belastung zusätzlich. Ständige Erreichbarkeit, Überstunden, Wochenendarbeit und die Aussicht darauf, jederzeit austauschbar zu sein, verstärken die Wahrscheinlichkeit, dass psychische Probleme zunehmen.

Depression und Ökonomie

Auch die Weltgesundheitsorganisation hat sich mit Depressionen beschäftigt. Allerdings ist der Ansatz mehr als fraglich. In einer Studie kommt die WHO zum Schluss, dass Angstzustände und Depressionen die weltweite Wirtschaft jährlich bis zu 1.000 Milliarden Dollar koste. Zwar, so die Studie, seien Behandlungen nicht billig, im Verhältnis zur steigenden Produktivität durch die Gesundung der Arbeitnehmer rechne es sich aber, die Betroffenen zu behandeln. Man könnte natürlich unterstellen, dass es psychologisch klug erscheint, Arbeitgebern Vorteile in Aussicht zu stellen, wenn sie sich an den Behandlungen beteiligen, die depressive Menschen brauchen. Aber eine wirkliche Hilfe ist das nicht, denn es entfernt einmal mehr den betroffenen Menschen aus dem Mittelpunkt und lässt ihn zu einer „Arbeitsbiene“ mutieren, die man nur richtig hegen und pflegen muss, dann „funktioniere“ sie auch.

Gehören Depressionen heute einfach dazu?

Es scheint fast so. In Anbetracht der Tatsache, dass weder die WHO noch die Bundesregierung noch die meisten Unternehmen nach den Ursachen forschen, sondern sich mit der Behandlung der Symptome zufriedengeben, kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen. Zwar reicht es aus, die Suchmaschine der Wahl zu bemühen, um unzählige Artikel und Studien zu entdecken, die den zunehmenden Druck in der Arbeitswelt als einen der Hauptgründe für Depressionen ausmachen. Konsequenzen haben diese Erkenntnisse jedoch nicht.

Im Gegenteil, selbst die Bundesregierung schreibt, dass bis „zum Jahr 2020 [ … ] Depressionen oder affektive Störungen laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein“ werden. Über die Ursachen schweigt sich die Bundesregierung aus. Und auch wenn man der Empfehlung folgt und das „Heft 51“ des Robert Koch-Insituts nach den Ursachen durchforstet, ist das Ergebnis eher mäßig. Von genetischen und neurobiologischen Faktoren ist da die Rede, von psychosozialen Belastungen, von Persönlichkeitsfaktoren, von frühen psychischen Erkrankungen und körperlichen Problemen. Sicher alles Faktoren, die wichtig sind und in die Behandlung einbezogen werden müssen.

Doch für die Politik müsste die Aufgabe eigentlich darin bestehen, die Rahmenbedingungen in Augenschein zu nehmen und ernsthafte Pläne darüber anzustellen, wie die Bedingungen verbessert werden können. Wenn sie das tatsächlich tut, dann ausgesprochen unauffällig, gewissermaßen inkognito. Man kommt bei der Beschäftigung mit diesem Thema tatsächlich eher zu dem Schluss, dass Depressionen wohl irgendwie als naturgegeben hingenommen werden. Medikamente hier, ein bisschen Therapie da, das muss reichen.

Und so schlimm kann das alles ja sowieso nicht sein – schließlich geht es uns doch insgesamt gut.
Oder?

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hart backbord
hart backbord
3. April 2017 19:33

Wenn schon Suizid, dann erweitert – Kettensägen-DIY im Jobcenter.
Mit exakt solch einem Ende wäre auch der Film „Daniel Blake“ genießbarer.

Alexander
Alexander
Reply to  hart backbord
4. April 2017 19:04

Ich könnte ein Jobcenter in einer größeren Stadt nennen, in dem sich Mitarbeiter weigern, Sanktionen zu verhängen („Was sollte das denn bringen?“) und auch sonst sehr menschlich agieren. Wenn dort eine Gewalttat passieren würde, dann wäre ich sehr traurig! Daher finde ich Deinen Text ziemlich unschön.

Alexander
Alexander
Reply to  Alexander
4. April 2017 19:08

Nachtrag: Es war zu lesen, dass nachdem Thatcher zu recht verstorben war, sich Menschen versammelt hätten, um zu feiern und zu singen („The Witch is Dead“). An dem Tag, an dem die Natur bei Gazprom-Gerd oder Schäuble ein Einsehen zeigt, wäre ich für Ideen aufgeschlossen!

Dennis82
Dennis82
Reply to  Alexander
4. April 2017 20:51

Dann mal raus mit der Sprache – wo soll dieses paradiesische Jobcenter mit haufenweise Humanisten im Sanktions-Streik denn sein? Wer sich weigert und nicht sanktioniert, wird über kurz oder lang selber sanktioniert – durch Versetzung oder Nichtverlängerung des prekären Arbeitsvertrags. Die Fälle Hannemann und Kallwass sollten eigentlich jedem bekannt sein. Was erweiterten Suizid betrifft – der mediale Trubel nach dem gewollten Absturz der Passagiermaschine durch einen Co-Piloten brach ja damals exakt an dem Punkt schlagartig ab, als die Hintergründe für dessen Tat klar wurden: Verschuldung, Chancen- und Perspektivlosigkeit. Er fühlte sich von einer unbarmherzigen Gesellschaft getreten – also hatte er… Weiterlesen »

Alexander
Alexander
Reply to  Dennis82
4. April 2017 22:05

wo soll dieses paradiesische Jobcenter mit haufenweise Humanisten im Sanktions-Streik denn sein? Nö, ich werde doch die Leute vom Widerstand nicht verraten! Von „paradiesisch“ kann auch keine Rede sein, nur weil ein Team von Sachbearbeitern Humanität zeigt. Eine Dame, die dort für die finanzielle Seite zuständig ist, hat zum Beispiel keine Skrupel, „Kunden“ am Telefon zu überrumpeln und damit dem Staat schnell mal ein paar hundert Euro Ersparnisse zu verschaffen. Er fühlte sich von einer unbarmherzigen Gesellschaft getreten – also hatte er keine Skrupel, wahllos Menschen „mitzunehmen“! Der war entweder sehr krank oder ein Charakterschwein. Oder beides. es bricht nahezu… Weiterlesen »

anton
anton
Reply to  Dennis82
11. April 2017 18:53

die Inge ging an die Öffentlichkeit, Menschlichkeit im stillen Raum geht doch auch!

Erwin
Erwin
3. April 2017 19:56

Wär mal interessant zu wissen gewesen, wie Depressionen in der Vor-, und Nachagendazeit
verteilt waren. Mehr ? Weniger ?
Ist zwar schwer zu vergleichen, weil diese Krankheit früher stärker tabubeladen war als
heute, wäre aber einen Versuch wert gewesen.

Die Angstörungen wurden kurz angerissen, hinzu kommt aber auch der Substanzmissbrauch.
Crystal als Leistungsdroge und Cannabis zum Chillen haben den Suff schon fast von Platz 1
verdrängt. Irgendwie durch den ganzen Scheiß, aber bloß ohne Fahne am Arbeitsplatz.

Deutschland ist neurotischer geworden.

Erwin
Erwin
Reply to  Tom Wellbrock
4. April 2017 11:24

Aber dass Deutschland und die Welt immer neurotischer und kränker werden, ist wohl als eindeutiger Befund nur schwer zu leugnen. Mit meiner Behauptung, dass Deutschland neurotischer geworden sei, meine ich eher, dass das Verhalten der Bewohner nicht mehr überwiegend den Situationen angemessen entspricht, bzw. sich im Vergleich zu den Voragendatagen erheblich verändert hat. Auf Deutschlands Autobahnen herrscht Krieg. Man versteckt sich hinter Ersatzreligionen und erhebt Banalitäten zu Lebensgefühlen. Das Auftreten der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz ist als weitgehend infantilisiert zu bezeichnen. Internetverhaltensweisen werden distanzlos- dümmlich nach außen getragen, als gelte der kommerzialisierte Facebook-Community-Scheiß irgend etwas in der Kohlenstoffwelt usw. Das Deutschland… Weiterlesen »

Mordred
Mordred
Reply to  Erwin
4. April 2017 10:18

Die Angstörungen wurden kurz angerissen, hinzu kommt aber auch der Substanzmissbrauch. Crystal als Leistungsdroge und Cannabis zum Chillen haben den Suff schon fast von Platz 1 verdrängt. Irgendwie durch den ganzen Scheiß, aber bloß ohne Fahne am Arbeitsplatz. interessante these. alkohol scheint mir am arbeitsplatz durchweg erfolgreich geächtet zu sein. wenn ich mir da noch storys von kollegen/bekannten aus den 90ern und 80ern anhöre…selbst wenn man 50% übertreibung abzieht… bisher war ich immer befürworter von cannabis-legalisierung…bleibe ich wohl auch…aber seiner zeit in der schule oder im studium gabs so kandidaten, die quasi dauerbreit waren und auch gar keine offensichtlichen ausfallerscheinungen… Weiterlesen »

Erwin
Erwin
Reply to  Mordred
4. April 2017 11:47

Seit Crystal den Weg für Minderleister in den Bundestag gefunden hat, ist deutlich
geworden, dass Crystal als Koks für Arme eine größere Rolle spielen könnte
als angenommen. Die Zahlen der Aufgriffe belegen die Schwemme aus der
Tschechei über Sachsen bis tief in den Westen, wo die Sonne verstaubt.

Das Crystal zum Pushen und Cannabis zum Runterkommen den Suff gänzlich
von Platz 1 vertrieben haben sollen, ist eine Übertreibung von mir. Die Tendenz
ist aber sichtbar. Amphetamin ist auf dem Vormarsch.

Erwin
Erwin
Reply to  Erwin
4. April 2017 14:00

bisher war ich immer befürworter von cannabis-legalisierung…bleibe ich wohl auch…

Ich sehe auch keinen Grund, warum Cannabis weiterhin kriminalisiert werden sollte.
Mit Legalisierung ginge der Konsum zurück. Drogengeld für Waffenkäufe ins Krisenregionen
würde schwinden. Unsere Bauern hätten einen neuen Markt zu entdecken usw.

Die Summe aller Süchte bleibt immer gleich. Deshalb ist es gleichgültig von was man eine
Matschbirne bekommt.

Jenseits von Böse
Jenseits von Böse
4. April 2017 1:58

Den Zusammenhang von Depressionen und ökonomischer Lage halte ich für evident. Gestern in den Lokalnachrichten: ein ehemaliger Betriebsrat erzählt 10 Jahre nach Insolvenz eines großen Arbeitgebers trocken in die Kamera, er habe immer wieder Kollegen besucht – ein paar gäbe es aber nicht mehr: Selbstmorde. Bevor das sacken kann, bringt der Sender einen aufmunternden Spin in die Geschichte: eine Glückliche, die wieder einen Job fand. Wie sowas auf ihre 3000 Kollegen im Hartz-Gefängnis wirkt, hat Tom schön beschrieben. Ebenfalls im TV: eine geschiedene Frau, danach auf Hartz, in eine Kleinraumwohnung verbannt, erträgt ihre Einsamkeit mit zwei Tieren. Die werden alt… Weiterlesen »

GrooveX
GrooveX
Reply to  Jenseits von Böse
5. April 2017 14:40

ja, stimmt schon. aber da gibt es was von ratzfatzfarm. und fangt bloß nicht an die waschzettel gründlich zu lesen, ihr memmen! mein catcha: ErbEx. der brüller, jetzt reinkopiert!

Loco
Loco
4. April 2017 9:55

Ein sehr guter Artikel, vielen Dank dafür!
Wie wenig diese Krankheit und ihre Ursachen von unseren Entscheidungsträgern wahrgenommen wird sieht man wunderbar wenn wissenschaftliche Mietmäuler, so genannt „Experten“ diese „Deutschland geht es gut“-Lüge immer wiederholen, um jegliche Änderungen in Richtung mehr soziale Gerechtigkeit im Keim zu ersticken – gestern war auf Phönix mal wieder ein besonders unappetitliches Exemplar dieser Gattung…

Mordred
Mordred
Reply to  Loco
4. April 2017 10:23

das wirklich geile in den täglichen 5minütigen radionachrichten ist ja, wenn die einerseits über alle möglichen offiziellen booms (meist fake news) erzählen und dann als nächstes eine erhöhung der depressionsdiagnostiken erwähnen.

Rainer N.
Rainer N.
4. April 2017 10:58

Tut mir leid, aber wer unter Depressionen leidet, macht etwas falsch. Ich sehe das so: Rattner – Aggression und menschliche Natur – beschreibt die „Bewältigungsmöglichkeiten“ von Frustrationen. Gewalt gegen andere, Gewalt gegen sich selbst, oder, die leider am Wenigsten genutzte Möglichkeit, die Energie zu nutzen um das „Problem“ anzugehen. Wer also seine Frustration, also die „Bedürfnisverweigerung“ die er erlebt, gegen sich selber richtet, indem er in Depressionen „flüchtet“, schadet sich nur selber. Also bleibt Moliere – man ist nicht nur verantwortlich für das, was man macht, sondern auch für das, was man nicht macht. Wer sich nicht wehrt, lebt eben… Weiterlesen »

Mordred
Mordred
Reply to  Tom Wellbrock
4. April 2017 11:41

Eyeyey, Bob Marley geht immer 😉

Erwin
Erwin
Reply to  Mordred
4. April 2017 12:05

Alle Kinder spielen Wilhelm Tell, nur Bob, der hat den Pfeil im Kopp !

Rainer N.
Rainer N.
Reply to  Tom Wellbrock
4. April 2017 12:26

Es ist ein Unterschied, ob eine Krankheit oder ein seelisches Problem besteht.

Für mich sind psychische Störungen keine „echte Krankheit“.

Ich würde dann empfehlen, einmal Rattner zu lesen:

https://www.amazon.de/Josef-Rattner-Aggression-menschliche-Natur/dp/B00BR7HW9W

oder auch:

https://www.amazon.de/Anatomie-Neurose-wissenschaftliche-Grundlegung-Urschrei-Therapie/dp/3436023418

Rainer N.
Rainer N.
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 12:33

Nachtrag:

Zitat: sondern sich mit der Behandlung der Symptome zufriedengeben. Zitat Ende.

Gerade deshalb meine Leseempfehlung. Die Ursache!

Der Mensch hat eben Bedürfnisse. Da diese nicht befriedigt werden, entstehen Spannungen, diese Spannungen sind dann irgendwann so stark, wenn man nicht in der Lage ist diese positiv abzubauen, dass eben eine psychosomatische Störung entsteht. Und das ist auf keinem Fall eine Krankheit.

Mordred
Mordred
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 12:42

ganz schön spitzfindig. müssen solche störungen nicht auch irgendwie behandelt werden?
analog zu deinen sog. echten krankheiten kann dies natürlich auch in eigenregie erfolgen, ursachenbekämpfung ist das wichtigste etc.
also was ist der unterschied?
und was willst du mit diesem bezwecken? psychische störungen ggü. „echten“ krankheiten abwerten?

Erwin
Erwin
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 12:48

Wie erklärt dein Chefesoteriker Rattner die endogene Depression die durch rein physiologische Veränderungen im Gehirn hervorgerufen werden und auch vererbt werden ?
Umweltfaktoren spielen bei diesem Typ von Depressionen keine Rolle.

The Joker
The Joker
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 22:37

Ist Rainer N. nicht – ausgerechnet – derjenige, der hier oft genug selber auf die Mitleidstour macht, indem er hier ungebeten seine zahlreichen Gerichtsprozesse ausbreitet?
Dafür ist sein unsolidarisches „Selber-schuld“-Gerede ja noch abstoßender.
Er ist ein selbstmitleidiger Prozesshansel, dem man bei der nächsten Kadi-Pleite ruhig noch a bisserl mehr Prozesskosten aufs Auge drücken kann.

ChrisA
ChrisA
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 13:52

Für mich sind psychische Störungen keine „echte Krankheit“.

Wie lässt sich diese deine Meinung in Einklang damit bringen, das Depressionsanfälligkeit statistisch signifikant häufiger bei familiärer Vorgeschichte auftritt als ohne? Und das, ebenfalls statistisch signifikant, die Vererbbarkeit bei Frauen höher ist?

Beides spricht für genetische (Mit)ursachen, das kann, selbst ohne verantwortliche Gene zu kennen, als sicher gelten.

Würde das Ungleichgewicht der Hirnchemie nur Symptom statt Ursache sein, gäbe es gar keine Gründe für Vererbbarkeit und die o. g. Signifikanzen dürften nicht existieren.

Außerdem: Definiere doch mal „echte Krankheit“, bevor du andere Begriffe gegen diesen Begriff abgrenzt!

Rainer N.
Rainer N.
Reply to  ChrisA
4. April 2017 19:25

Der Begriff Krankheit wird meines Erachtens für zu viele „Zustände“ benutzt. Ich unterscheide da grundsätzlich zwischen psychischen und physischen Ursachen. Wenn ich mir einen Virus oder eine bakterielle Erkrankung „einfange“, ist das eine „echte Erkrankung“. Aber selbst da wird inzwischen unterschieden. Also bei einer Erkältung wird dann auch noch die „schwere“ beachtet. Aber wenn ich einen Unfall habe, wodurch zum Beispiel der von Tom genannte Beinbruch entstehen kann, da kann ich durchaus unter Umständen selber Schuld haben, ist das keine „echte Krankheit“, sondern nur eine Beeinträchtigung meines körperlichen Zustandes. Beeinträchtigungen gelten zwar als Krankheit, ja, es gibt da viele Möglichkeiten… Weiterlesen »

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 20:11

@Rainer N. Der Begriff Krankheit wird meines Erachtens für zu viele „Zustände“ benutzt. Ich unterscheide da grundsätzlich zwischen psychischen und physischen Ursachen. Ich finde, bei der Definition von Krankheit zwischen physisch und psychisch zu unterscheiden, als reichlich schräg. M.M.n. verläufr die Trennlinie zwischen Krankheit und Gesundheit bei der Qualität des Lebens und Erlebens. wer hier auf längere Sicht eingeschränkt ist, ist eben nicht gesund und da gibts für mich keinen Unterschied zwischen dem Stich einer TseTse-Fliege oder einem gestörten Serotonin- bzw Dopaminhaushalt. Beides schränkt gleichermaßen die volle Präsenz eines Menschen in der Welt ein. Es ist nicht nur so, daß… Weiterlesen »

schwitzig
schwitzig
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 18:13

@Rainer N.
Da möchte ich doch glatt mal ChrisA zitieren:

Das ist so doof, wie es klingt, aber ohne Abstriche!

Nebenbei – Du findest es sicherlich auch korrekt, jemand mit einem gebrochenen Bein (Skiunfall) eine Selbsterkenntnis nahezulegen, da er ja schließlich seine Krankheit sogar noch selbst verursacht hat?
Am besten behandelt er sich auch selbst – er hat ja auch selbst die Situation herbeigeführt, die zum Beinbruch geführt hat.

aquadraht
aquadraht
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 18:33

Ich halte es für reichlich frivol, wenn ein Laie auf der Grundlage eines populärwissenschaftlichen Werks und einer Werbeschrift für eine wissenschaftlich umstrittene und nicht anerkannte Therapiemethode über ein Krankheitsphänomen urteilt, das jedes Jahr mehr Todesopfer fordert als der Strassenverkehr. Es entspricht exakt dem neoliberalen Narrativ, Depressionen, und am besten gleich Armut und Arbeitslosigkeit, für selbstverschuldet zu erklären.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 19:15

@Rainer N. Arthur Janovs Urschrei habe ich vor rund 30 Jahren gelesen und fand den Ansatz ganz interessant. Allerdings war die Zahl der nach seiner Methode praktizierenden Therapeuten recht überschaubar. Wenn ich heute im Internet nach Primärtherapie suche, scheint sich daran nicht sehr viel geändert zu haben. Das spricht nicht gerade für einen durchschlagenden Erfolg der Therapie als solcher. Ich vermute mal, daß diese Methode auch nicht von den Krankenkassen unterstützt wird, was natürlich eine Menge therapiebedürftiger Menschen mit geringem finanziellem Spielraum fernhält. Auch die geringe Zahl an Bewertungen auf Amazon drückt nicht gerade große Begeisterung für die Werke Janovs… Weiterlesen »

Rainer N.
Rainer N.
Reply to  Robbespiere
6. April 2017 8:40

Rattner: Wo gewöhnliche Anpassungsmuster versagen und Flucht unmöglich ist, kann die Neigung bestehen, aggressiv zu werden. Ähnlich sind, nach Scott, auch menschliche Verhaltensweisen auf Angriffe und Frustration zu deuten. Hierzu ist allerdings zu sagen, daß beim Menschen sehr oft Fehlanpassung erfolgt, weil die Anpassungsfähigkeit durch eine repressive Erziehung eingeschränkt worden ist. Es kommt zu ungerichteten Aggressionshandlungen, die man bei Tieren und Menschen beobachten kann. Es gibt auch das Phänomen der verlagerten Aggression. Diese wird auf ein Objekt übertragen, vor dem man keine Angst empfindet. Jeder Reiz verlangt nach einer Antwort. Ist das Individuum unfähig, eine solche Antwort zu geben, so… Weiterlesen »

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Rainer N.
6. April 2017 11:10

@Rainer N. Wo gewöhnliche Anpassungsmuster versagen und Flucht unmöglich ist, kann die Neigung bestehen, aggressiv zu werden. Das ist ein ganz natürliches Muster bei Bedrohung. Selbst Tiere, die für gewöhnlich zur Flucht tendieren greifen an, wenn sie in die Enge getrieben werden. Es gibt eben nur drei Möglichkeiten auf Bedrohung zu reagieren, nämlich Totstellen, Flucht oder Agression/ Angriff. Ich denke, bei der Depression verhält es sich so, daß die Bedrohung nicht konkret mit einer Person als Verursacher verknüpft werden kann und diffus bleibt. Daher dürfte der Depressive seine Agression gg. sich selbst richten, weil die Agreesion ein konkretes Ziel braucht.… Weiterlesen »

Heidi
Heidi
Reply to  Robbespiere
6. April 2017 12:36

Seid ihr mit eurem Exkurs zur Küchenpsychologie bald durch ?
Ein schwachsinniger Artikel voller Unwahrheiten und Halbwahrheiten,
gekrönt von noch schwachsinnigeren Kommentaren.
Haltet ihr Dödel die Psychologie für ein Laberfach oder warum
maßt ihr euch das an ?
Auffällig werden immer die selben Schwätzer.

Mordred
Mordred
Reply to  Heidi
6. April 2017 15:01

@Heidi: Lol. Du bist dumm wie Brot 🙂

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Mordred
6. April 2017 16:46

Lol. Du bist dumm wie Bro

Nanana, wo Heidi doch beim Geißenpeter Bergpsychologie studiert hat.:-)

Konrad
Konrad
Reply to  Tom Wellbrock
4. April 2017 13:03

Dieser Kommentar zielt mal wieder darauf ab, dass eine Depression keine echte Krankheit ist, sondern nur ein persönliches Defizit, an dem man selbst Schuld ist. Nein, das hast du falsch verstanden! Er schreibt: Wer sich nicht wehrt, lebt eben verkehrt. Und dann wirkt der „Frust“ eben in Form von Depressionen, weil man sich hilflos fühlt. Anmerkung: Ich war auch mal depressiv. Als ich glaubte, es sei ein persönliches Problem (z.B. arbeitslos zu sein, bis ich erkannte, es ist ein gesellschaftliches Problem, gewollt, um Macht auszuüben. Wer da in Depressionen „flüchtet“, unterwirft sich leider. Und das ist immer ein Fehler. Eine… Weiterlesen »

wschira
wschira
Reply to  Tom Wellbrock
4. April 2017 13:46

„Du bist böse“
„Bin ich nicht“
„Bist du wohl“

Ausschnitt aus einer angeregten Diskussion.

Konrad
Konrad
Reply to  Tom Wellbrock
4. April 2017 15:41

Nein, hab ich nicht.

xD.
Ja egal. Doch, denke schon. Er meint nicht, das Depressionen keine Kranheit sind.
Er meint, dass eine Ursache für Depressionen in den gesellschaftlichen Umständen zu finden ist. Und dass das „sich nicht mit der Gesellschaft identifizieren können“ kein persönlicher Mangel ist.

Trotzdem kann man davon Depressionen – eine Krankheit – bekommen. Klare Sache.
Aber nicht, weil man selbst schwach ist.

Wo der Kommentator Rainer N. falsch liegt ist, dass er es sich mit

wer unter Depressionen leidet, macht etwas falsch.

viel zu einfach macht.
Weil nicht jeder Mensch sinnvolle Problemlösungsstrategien für alles im Leben hat.

ChrisA
ChrisA
Reply to  Konrad
4. April 2017 14:00

Der Unterschied von Krebs zur Depression ist doch klar das man das eine wissenschaftlich evident durch sein Verhalten beeinflussen kann.

Wie, davon nur eines? Wie war das nochmal: Wer sich „wehrt“ kann Depressionen verhindern. Aha.
Wer nicht Kette raucht, kann sein Krebsrisiko reduzieren. Hmmm… Laut dir müsste eines davon wissenschaftlich evident falsch sein.

Konrad
Konrad
Reply to  ChrisA
4. April 2017 15:45

Keine Ahnung wo du das mit dem „wehren“ her hast.
Aber Depression kann man therapieren. Nicht immer erfolgreich, aber so ist das mit dem menschlichen Verhalten, den Umständen, dem Glück usw.
Trotzdem, wissenschaftlich klare Sache. Hier ein paar Infos:
http://www.icd-code.de/suche/icd/recherche.html?sp=0&sp=Sdepression

Wer nicht Kette raucht, kann sein Krebsrisiko reduzieren

Halt! Ich habe überhaupt nicht von möglichen Krebsrisikofaktoren gesprochen.
Aber wenn du eine Krankheit wie Krebs bekommst kann das z.B. genetische Ursachen haben die mit deinem Leben(sstil) NIX zu tun haben.
Auch das ist wissenschaftlich geprüft. Schau dir Zwillingsstudien an.

ChrisA
ChrisA
Reply to  Konrad
4. April 2017 17:01

Aber wenn du eine Krankheit wie Krebs bekommst kann das z.B. genetische Ursachen haben die mit deinem Leben(sstil) NIX zu tun haben. Auch das ist wissenschaftlich geprüft. Schau dir Zwillingsstudien an. Ich ersetze ein einziges Wort: Aber wenn du Krankheiten wie Depressionen bekommst kann das z. B. genetische Ursachen haben die mit deinem Leben(sstil) NIX zu tun haben. Auch das ist wissenschaftlich geprüft. Schau dir Zwillingsstudien an. Du hast oben behauptet, nur eines von beidem ( Krebs, Depressionen ), ließe sich wissenschafltich evident durch das eigene Verhalten beeinflussen. Das ist erstens falsch und zweitens unvollständig. a)Beides kann durch Verhalten beeinflusst… Weiterlesen »

Heidi
Heidi
Reply to  ChrisA
4. April 2017 17:29

Unser kleiner Piesepampel weiß es wieder besser und drischt
in unnachahmlicher Kleinkariertheit auf andere ein um seine
Überlegenheit zu demonstrieren 🙂

ChrisA
ChrisA
Reply to  Heidi
4. April 2017 18:05

seine Überlegenheit zu demonstrieren

So wirkt das auf dich?

Wobei, ok, für dich muss es wohl so wirken. Nichts für ungut :).

Kman
Kman
Reply to  ChrisA
5. April 2017 8:58

Falls du dich über mich aufregst, vergebens!

Nur weil Krebs auf Gesprächstherapien gar nicht anspricht, manche(!) Depression aber schon

ist alles, was ich kommentiert habe.
Den Rest hast du schön zusammengefasst.

Macht den Kommentar „Depressionen im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Umständen“ nicht weniger falsch.

Bernie
Bernie
Reply to  Tom Wellbrock
4. April 2017 20:33

Wellbrock

Danke für die Kommentierung. Bin mal gespannt was der Kommentator, dem Du antwortest, über demenzkranke Menschen denkt – Sind die auch selber schuld daran, dass sogar Psychiater und Psychotherapeuten hier die „Flinte ins Korn werfen“?

Zynischer Gruß
Bernie

hart backbord
hart backbord
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 16:52

Wenn Rainer N. AIDS kriegt, ist das auch keine Krankheit. Für lasterhaftes Leben ist es eher die gerechte Strafe.
; )

ChrisA
ChrisA
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 17:51

die leider am Wenigsten genutzte Möglichkeit, die Energie zu nutzen um das „Problem“ anzugehen. Wofür man, selbst wenn körperlich nichts mit reinspielt, erstmal das Problem kennen muss. Bis dahin ist dieser Weg versperrt. Als ich glaubte, es sei ein persönliches Problem […] bis ich erkannte, es ist ein gesellschaftliches Problem, gewollt […] Es gibt einen guten Grund, warum dein Beispiel nicht übertragbar ist. Wenn du schreibst, du hast „erkannt“, heißt das nicht, dass du eine objektive Tatsache festgestellt hast. Du hast dich aber „entschlossen es so zu sehen“. Salopp formuliert hast du einen Glauben angenommen, nämlich den, dass eine höhere… Weiterlesen »

Dennis82
Dennis82
Reply to  ChrisA
4. April 2017 22:11

Du hast dich aber „entschlossen es so zu sehen“.

Und? Jeder andere hat sich auch in irgendeiner Form „entschlossen“, es so zu sehen, wie es ihn dann erst depressiv werden lässt…!

Die Frage sollte doch lauten, ob es klug ist, bei einem Thema wie „Depressionen“ mal eben die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen die Menschen „funktionieren“ sollen mal eben so vollständig auszublenden! Wer über Depressionen (als gesellschaftliches „Phänomen“) sprechen will, kommt nicht umhin, auch die Gesellschaft zu analysieren…!

ChrisA
ChrisA
Reply to  Dennis82
4. April 2017 22:47

Und? Jeder andere hat sich auch in irgendeiner Form „entschlossen“, es so zu sehen, wie es ihn dann erst depressiv werden lässt…! Ich müsste annehmen, das kommt von einem Fake-Dennis82, denn ein Kommentator, der sonst gute Beiträge einstellt, schreibt auf einmal megahohlen Mist. Zu dem Quark „jeder Depressive ist Opfer seiner Lebenseinstellung“ ist schon alles gesagt. Lies es! Zu dem Quark, eine Ausblendung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen liege vor, wenn man auch auf die nicht-persönlichen sowie die nicht-gesellschaftlichen Ursachen von Depressionen eingeht, sei hiermit alles gesagt: Es ist Unfug. Dieses ganze Geseihere, man könne sich entschließen, sein Leben so zu führen,… Weiterlesen »

Dennis82
Dennis82
Reply to  ChrisA
4. April 2017 22:59

Nein, der ist echt! 😉 Das, was du mir unterstellst, sage ich ja gar nicht aus. Ich hab auch in meinem persönlichen Umfeld mit Depris zu tun gehabt; die hatten aber auch immer zum Teil(!) persönliche und „selbstantreibende“ Gründe; der Übergang von den „systemverursachten“ und persönlichen Gründen ist eh fließend…! Wenn du die Person darauf hingewiesen hast, doch auch einmal die Grundlage des „Selbstmarterns“ oder oft unbewussten „Selbstgeißelns“ (z. B. die Minderwertigkeitskomplexe, auf dem „Arbeitsmarkt“ nicht gebraucht zu werden) kritisch zu ergründen (was jeder gute Psychologe auch so tun würde), wird fast immer ablehnend reagiert. Und einem eingeschnappt vorgeworfen, man… Weiterlesen »

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  Dennis82
5. April 2017 8:15

@Dennis82 Ich hab auch in meinem persönlichen Umfeld mit Depris zu tun gehabt; die hatten aber auch immer zum Teil(!) persönliche und „selbstantreibende“ Gründe; der Übergang von den „systemverursachten“ und persönlichen Gründen ist eh fließend…! Wenn du die Person darauf hingewiesen hast, doch auch einmal die Grundlage des „Selbstmarterns“ oder oft unbewussten „Selbstgeißelns“ (z. B. die Minderwertigkeitskomplexe, auf dem „Arbeitsmarkt“ nicht gebraucht zu werden) kritisch zu ergründen (was jeder gute Psychologe auch so tun würde), wird fast immer ablehnend reagiert. So wie ich das sehe, greifen systemverursachte und persönliche Gründe ineinander. Die kleinste Einheit der Gesellschaft ist die Familie und… Weiterlesen »

ChrisA
ChrisA
Reply to  Dennis82
5. April 2017 8:46

@Dennis82 Mir schwillt bei bestimmten Aussagen zu bestimmten Themen nunmal der Kamm. Ebenfalls nicht für ungut. Zur Spirale von depressiver Verstimmung hin zu Depression sowie die Abgrenzung zwischen reaktiv und physisch begründet hat Lutz Lippke weiter unten einen lesenswerten Kommentar verfasst. Wenn eine depressive Verstimmung sich verselbstständigt, ist die Hirnchemie betroffen und spätestens dann ist jeder Ansatz in Richtung Änderung der persönlichen Lebensführung verfehlt, weil die dafür nötige Integrität der Psyche bereits fehlt. So betroffene Menschen sind krank, ohne Wenn und Aber. Ich gebe ergänzend zu bedenken, dass auch bei Depressionen, die nicht nur auf körperliche Ursachen zurückzuführen sind, nicht… Weiterlesen »

Dennis82
Dennis82
Reply to  Rainer N.
4. April 2017 21:41

„Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.“ J. Krishnamurti Ich finde, dass man Rainer N. hier doch etwas Unrecht tut. Warum ist es eigentlich so wichtig, etwas (grade im Kontext des Zitats) unbedingt als „Krankheit“ zu definieren? Auch ich war schon „depressiv“, völlig „unbehandelt“. Kein Kopfdoktor, keine bunten Pillen. Drei Jahre in einem brutalen Rattenrennen-„Studium“ im ÖD haben mich an den Rand meiner Kräfte gebracht; ergänzt noch von dem ganzen anderen Müll, der einen im Leben so fertig macht wie z. B. Familie oder „soziales“ Umfeld. Ich war nur noch ein Haufen Elend…… Weiterlesen »

Erwin
Erwin
Reply to  Dennis82
4. April 2017 22:29

Ich bin mal ganz frech – und behaupte, dass es grade ein gewaltiges Problem ist, dass noch viel zu wenige Menschen „Depressionen“ haben! Es ist in meinen Augen nämlich durch alltägliche Beobachtungen erschreckend, wie viele Menschen eben genauso funktionieren, wie sie sollen.

Da spricht an mancher Stelle der gute, alte Erich Fromm, der auch hier gern und oft zitiert wird.
„Heldentasse“ nimmt ihn häufig .-) ( Anmerk. „Haben oder Sein“ sollte man von ihm lesen )

https://www.youtube.com/watch?v=Dt09hfllNc8

Erwin
Erwin
Reply to  Erwin
4. April 2017 22:54

– Für alle nichtkommentierenden Mitleser- Grundthesen / Haben oder Sein ( Quelle Wiki ) – die Produktion habe der Erfüllung der wahren Bedürfnisse des Menschen und nicht den Erfordernissen der Wirtschaft zu dienen – das Verhältnis der Ausbeutung der Natur durch den Menschen wird durch das der Kooperation zwischen Mensch und Natur ersetzt -der wechselseitige Antagonismus zwischen den Menschen ist durch Solidarität ersetzt oberste Ziele des gesellschaftlichen Arrangements seien das menschliche Wohlsein und die Verhinderung menschlichen Leids -maximaler Konsum ist durch einen vernünftigen Konsum (Konsum zum Wohle des Menschen) ersetzt der einzelne Mensch wird zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben… Weiterlesen »

Lutz Lippke
Lutz Lippke
Reply to  Rainer N.
5. April 2017 0:55

@ Rainer N. Zunächst gibt es einen wichtigen Unterschied bei Depressionen. Betrifft es Menschen mit genetischer, biologischer Tendenz zur Depression, dann verfehlt die Fehlerzuweisung vollkommen. Ich glaube, da sind wir uns einig. Der „Vorteil“ dieser Menschen ist, dass sie häufig ihre Krankheit bereits aus der Familienanamnese kennen und mit Medikamenten erfolgreich gegensteuern können. Andernfalls kann es für sie allerdings auch lebensgefährlich werden. Da hilft dann auch kein rationales Aufbegehren. Mehr weiß ich dazu allerdings nicht. Etwas Anderes sind reaktive Depressionen, die zunächst gar keinen Krankheitswert haben, sondern in einem begrenzbaren Maß eine gesunde, natürliche Reaktion auf unhaltbare Zustände. Es wäre… Weiterlesen »

Schweigsam
Schweigsam
4. April 2017 13:47

Man ändert doch nicht wegen einigen depressionen die „Wettbewerbsökonomieorgie“.
Der Mensch wäre nicht da, wo er ist, mit solchen kinkerlitzchen…

PS: 😉 Guter Artikel!

Aufgewachter
4. April 2017 18:41

… Dabei ist längst erwiesen, daß Hartz-IV auch psychisch krank macht. Erschwerend kommt noch hinzu, daß man sich noch die sonstigen Wehwechen zuziehen kann. Alles in allem können da schon mal etliche Wochen, Monate, wenn nicht Jahre an Arbeitsunfähigkeit zusammenkommen. Hier eine Übersicht, woran man mittlerweile erkranken kann …

Der Jobcenter-Poker um die Arbeitsunfähigkeit
https://aufgewachter.wordpress.com/2017/03/20/der-jobcenter-poker-um-die-arbeitsunfaehigkeit/

Bernie
Bernie
Reply to  Aufgewachter
4. April 2017 20:40

@Aufgewachter Bei aller Übereinstimmung mit dir, aber das fängt lange vor Hartz-IV, und zwar schon mit dem ersten Tag der Antragsstellung bei der Arbeitsagentur an. Ich weiß von was ich schreibe, da mit der Umgang der Arbeitsagentur, bei ALG1, in Depression, getrieben hat, nicht erst ALG2, auch Hartz IV genannt, aber ansonsten stimme ich dir völlig zu. Interessant wäre auch einmal historisch in dieser Hinsicht zu recherchieren, denn es gab schon einmal eine Zeit wo Menschen psychisch krank gemacht wurden in ganz Deutschland – von 1933 – 1945. Ich weiß ein drastisches Beispiel, aber wer damals etwas gegen Hitler hatte,… Weiterlesen »

Erwin
Erwin
Reply to  Aufgewachter
4. April 2017 22:12

… Dabei ist längst erwiesen, daß Hartz-IV auch psychisch krank macht. Du solltest das aufdröseln. Die Übernahme von Miete, Heizkosten und ( bescheidensten ) Lebenshaltungskosten kann nicht kranker machen als eine Obdachlosigkeit ohne jegliche Grundsicherung. Warum übernimmt ein Staat, der dem Bürger Entsolidarisierung und Eigenverantwortlichkeit als Leitmotiv ungefragt auf die Fahnen geschrieben hat überhaupt noch solche Kosten ? Weil er die Kontrolle über Millionen von Menschen behalten will. Es geht dabei nicht mehr um Sozialstaatlichkeit. Ginge es darum, ginge es auch um Verteilungsgerechtigkeit. Tut es aber nicht. Krank machen die Kontrollmechanismen und Repressionen denen Betroffene ausgeliefert sind OHNE AN IHRER… Weiterlesen »

Bernie
Bernie
4. April 2017 20:26

Schöner Artikel, der die Problematik auf den Punkt bringt. Ergänzend, als jemand der selbst seit Ende Dezember 2016 wegen sogenannter „mittelschwerer Depression“ vom Leistungsbezug der Bundesagentur für Arbeit krankgeschrieben ist, möchte ich anmerken, dass dies doch kein Wunder ist – die neoliberalen „Reformen“ töten eben. Ausgrenzung ist da auch ein Teil davon, und genau die führt zur Depression, egal welchen Grades. Interessant wäre einmal die Sanktionen, die Sperrzeiten, bei der Bundesagentur für Arbeit, und den Jobcentern, hinsichtlich dem Risiko an Depressionen zu erkanken zu untersuchen? Der Volksmund, zumindest in meiner Heimatregion, sieht da durchaus einen Zusammenhang – Das nun schon… Weiterlesen »

Bernie
Bernie
Reply to  Bernie
4. April 2017 20:30

Sorry, ich weiß nicht wie dies hier funktioniert, aber noch ein kleiner Anhang zu meinem Text.

Ich hab mir fest vorgenommen Therapeuten beim Erstgespräch folgende zwei Fragen zu stellen:

1. Ist Ihnen die schwierige Lebenssituation von Angehörigen schwerpflegebedürftiger Menschen bewußt?
2. Sind Sie vorurteilsfrei? Insbesondere Arbeitslosen gegenüber?

Ich weiß warum ich dies schreibe, da ich einen Therapeuten „gefeuert“ habe, weil der mit mir nicht klar kam, und bin daher übervorsichtig geworden – Merke: Auch Psychodocs sind Menschen…..

Gruß
Bernie

GrooveX
GrooveX
5. April 2017 7:24

ich möchte mal, nur als anregung, eine provokante frage stellen. sie hat ein wenig mit rainer n. und nachfolgenden antworten auf ihn zu tun, meint aber etwas anderes.

ist leiden als solches bereits krank, bzw. darf man auch leiden, ohne für krank erklärt zu werden, bzw. ist leiden grundsätzlich behandlungsbedürftig?

GrooveX
GrooveX
Reply to  Tom Wellbrock
5. April 2017 13:43

du hast da genau die eng eingegrenzte definition von leiden, die mich zu meiner frage gebracht hat. ich bin der auffassung, dass das leiden an einer krankheit und das leiden als krankheit nur zu gerne im sinne der pharmazeutischen industrie verwechselt werden.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  GrooveX
5. April 2017 9:01

@GrooveX ist leiden als solches bereits krank, bzw. darf man auch leiden, ohne für krank erklärt zu werden, bzw. ist leiden grundsätzlich behandlungsbedürftig? Die Frage ist in der Tat eine harte Nuss, die du uns da zu knacken gibst. Ich denke, Leiden ist dann nicht krankmachend, wenn es zeitlich begrenzt ist, z.B. eine Trauerphase wg. des Verlustes eines nahestehenden, geliebten Menschen. Dann dient Leiden der Bewältigung eben dieses Verlustes. Wenn Leiden zu einem Dauerzustand wird und der Betroffene gar nicht mehr in gewohnte Bahnen zurückfindet, wo er selbstbestimmt agiert statt auf ein traumatisches Erlebnis zu reagieren, dann würde ich das… Weiterlesen »

GrooveX
GrooveX
Reply to  Robbespiere
5. April 2017 13:51

ob leiden krankmachend, pathogen ist, das ist ja noch mal ne ganz andere frage. manche leute glauben ja, dass das leiden der anderen sie krank mache. man kann an verschiedensten dingen leiden, und nicht immer ist leiden ein angemessener gegenstand für die medizin. leiden kann auch eine gesunde rektion auf eine krankmachende umgebung sein, sei sie eine gesellschaft, eine müllhalde oder das meer des schiffbrüchigen. ich zum bleistift leide regelmäßig im flugzeug, und das einzig pathologische daran ist die tatsache, dass ich mich trotzdem reinsetze.

Robbespiere
Robbespiere
Reply to  GrooveX
5. April 2017 22:26

@GrovveX man kann an verschiedensten dingen leiden, und nicht immer ist leiden ein angemessener gegenstand für die medizin. leiden kann auch eine gesunde rektion auf eine krankmachende umgebung sein, sei sie eine gesellschaft, eine müllhalde…. Das stimmt, passt aber doch auch zu der zeitlichen Begrenzung, die aus meiner Sicht eben nicht-pathologisches Leid kennzeichnet. An diesen Situationen kann man ja durchaus etwas ändern. Ich leide z.B. unter großen Menschenmassen, weil ich mich dort sowohl erdrückt als auch irgendwie verloren fühle. zudem kann ich bei entsprechender Lautstärke einzelne Stimmen nicht mehr richtig herausfiltern, was Unterhaltungen in größerem Kreis zur Qual für mich… Weiterlesen »

ChrisA
ChrisA
Reply to  GrooveX
5. April 2017 9:15

@GrooveX Hm… fragst du nach sowas wie einem „Recht auf Leiden, ohne als krank zu gelten“? Gibt es doch schon, nennt sich Trauern. Und das wird, soweit ich weiß, außer durch evtl. verstärkte Zuwendung lieber Mitmenschen gar nicht behandelt, sondern es wird auf die Selbstheilungskräfte der Psyche des Trauernden vertraut. Ist also als krank zu klassifizieren, wer leidet? Nicht unbedingt. Es gibt auch den Faktor der Leidensdauer. Von krankhafter Trauer spräche man ja erst, wenn nach Jahren immernoch kein Fortschritt innerhalb der Phasen des Trauerns sichtbar wäre. Chronisches Leiden ist, meiner ganz persönlichen Meinung nach, eine Krankheit. Zur Behandlungsbedürftigkeit: Diese… Weiterlesen »

Thrombo
Thrombo
Reply to  ChrisA
5. April 2017 10:57

@ChrisA Von krankhafter Trauer spräche man ja erst, wenn nach Jahren immernoch kein Fortschritt innerhalb der Phasen des Trauerns sichtbar wäre. Da kennst du die fleißigen Bienchen und ihre Helfer von der neolib-Verwertungsfraktion aber schlecht. https://vistano.com/psychologie/trauerarbeit/trauer-wann-hat-sie-krankheitscharakter/ Bisher galt, dass Trauer nach einer Dauer von zwei Monaten als Depression eingestuft werden musste. Eine Zeitspanne, die nun verändert werden soll. Zwei Wochen sollen nun bereits ausreichen, um eine psychische Belastung zu indizieren. Ab diesem Zeitpunkt soll nach Medienberichten dann eine Krankheit vorliegen, so legte es die Weltgesundheitsorganisation fest. Noch nicht einmal in Ruhe trauern kann man mehr. Kostet Wertschöpfung und Profit. Wertlose… Weiterlesen »

GrooveX
GrooveX
Reply to  ChrisA
5. April 2017 14:16

nein. ich habe auf gar keinen fall nach einem recht auf leiden (… ) gefragt. das wäre ja das gleiche, wie ein recht zu sterben! danach fragt man nicht. aber du hast schon etwas angesprochen, nämlich ‚ohne krank zu gelten‘. als krank giltst du für andere, seien es arbeitgeber, krankenkassen, angehörige, wer oder was auch immer zugriff auf deine persönliche verfassung glaubt haben zu müssen. andersrum: wer über deine verfassung in diesem sinne die definitionsgewalt hat (gilt nach icd fragmichnicht als krank), bestimmt über deine soziale zugehörigkeit bzw. nichtzugehörigkeit. leiden (also das des anderen) als krankheit ist ein wunderbarer ausschlussgrund… Weiterlesen »

ChrisA
ChrisA
Reply to  GrooveX
5. April 2017 17:03

@GrooveX echt jetzt? standardtherapien? es macht sinn? wtf??? was macht denn da sinn? das ist doch einfach nur daher gebabbelt. die hilflosigkeit gegenüber depressiven menschen ist das einzige, das der anerkennung bedarf. Ich will erklären, warum es aus meiner Sicht „Sinn macht“. Die Hilflosigkeit Betroffenen gegenüber anzuerkennen, finde ich richtig. Am Beginn einer Depression, wenn ein Betroffener ganz unzweifelhaft feststellt, dass mit ihm etwas vorgeht, stellt sich ein Gedankenkarussel im Kopf ein: Warum ich – was habe ich getan – welche Schuld habe ich auf mich geladen, das zu verdienen – und alles wieder von vorne, mit Tendenz zur Abwärtsspirale.… Weiterlesen »

GrooveX
GrooveX
Reply to  ChrisA
5. April 2017 18:09

ich will eigentlich niemals mit einem leidenden den krankheitswert seines leidens diskutieren. wenn jemand von sich sagt, ‚ich bin depressiv, ich bin krank‘, gut, alles klar. ich bin kein arzt, kann und muss niemanden krank schreiben. ich wollte nur hier im forum den fokus auf vorstellungen, die vom leiden existieren, richten und die gleichsetzung von leiden und krankheit hinterfragen. dabei wollte ich schon auf die gesellschaftlichen, gelegentlich auch existentiellen (siehe 3. reich – hadamar etc.) auswirkungen solcher zuschreibungen hinweisen. ich weiss, dass es keine ’standardtherapie gegen depression‘ gibt. die psyche, seele, das gemüt, der charakter, deine innere verfassung, das entzieht… Weiterlesen »

Dennis82
Dennis82
Reply to  GrooveX
5. April 2017 19:54

Guter Einwand. Es läuft ja oft umgekehrt; man sieht jemanden leiden – und verpasst ihm umgehend den Stempel „krank“! „Krank“ oder „nicht krank“ ist ja schon ein relativ scharfes Schwert, von dem teilweise sehr viel abhängt, auch rechtlich. „Das ist ja krank!“ – ist aber nicht umsonst ein eher negativ besetzter Ausspruch. „Krank“ zu sein bedeutet doch grade heute im neoliberalen Modell doch in erster Linie, nicht (voll) leistungsfähig zu sein – und somit anderen auf der Tasche zu liegen. Also Ausgrenzung; wirklich Rücksicht nimmt doch auf lange Sicht auch keiner; bei chronischen Erkrankungen erledigen sich dann viele persönliche Beziehungen… Weiterlesen »

Erwin
Erwin
Reply to  Dennis82
5. April 2017 20:10

Damals im Studium krochen sehr viele regelrecht auf dem Zahnfleisch, es wurden sich Aufputschmittel und Lerndrogen reingezogen bis zum Erbrechen, man schleifte sich als Wrack in die FH Es verschwanden aber auch viele. Einige nahmen Feuerlöscher, warfen die dicken Scheiben im Uni-Hochhaus damit ein und sprangen hinterher. Sie konnten mit einer Dauerleidensgeschichte nicht aufwarten. aber wer mal öfter ein paar Tage gefehlt hat, war beim Rest schnell unten durch; ein Low-Performer, der nix aushält…! Man sollte Selbst-, und Fremdbild nicht vertauschen. Den meisten Kommilitonen ist man gleichgültig. Es gibt jetzt fast an jeder Uni psychosoziale Beratungsstellen. Wenn die Decke runterkommt,… Weiterlesen »

GrooveX
GrooveX
6. April 2017 17:33

das totale OFF TOPIC antidepressivum: die telekom hat den ersten ausbildungsgang ‚hacker‘ abgeschlossen. jetzt hat sie endlich ihk-zertifizierte hacker. vielleicht sollten die ein joint venture mit der bundeswehr machen. da sind doch unendliche synergien denkbar. früher war das doch auch kein problem. okay, die hacker hatten damals mit dampf gearbeitet. ich weiss nicht, was sie heute nehmen. möglicherweise fachsoftware vo digitask. ich bin völlig zergeistert – oder so.

Tom
Tom
20. April 2017 1:21

Ein großartiger Artikel. Mir fällt dazu Jiddu Krishnamurtis Satz ein: „It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society.“ (Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepaßt an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein.)

trackback
31. Mai 2017 19:47

[…] einem Artikel bei den Neulandrebellen namens „Depressionen: Das gefährliche „Uns-geht-es-gut-Paradoxon““ stellt Tom Wellbrock einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Druck in der Arbeitswelt […]

...
...
6. September 2017 17:16

ich versteh einfach nicht, wieso die Armut immer von allen unter den Teppich gewischt wird !?…

GrooveX
GrooveX
Reply to  ...
6. September 2017 17:49

weil zu viele selbst betroffen sind?! angst davor haben, betroffen zu werden?!

Aurelia
Aurelia
13. Dezember 2017 0:09

Ich finde Kettensägen im Jobcenter- bezugnehmend auf dem allerersten Beitrag ganz erfrischend Rache und Gewaltphantasien können Magengeschwüre verhindern und auch verhindern sie sogar, dass man real ausrastet…..das jobcenter hat die kettensäge echt verdient., ich spreche da aus eigener leidenserfahrung. Die rachegelüste unschön zu finden oder sich zu mokieren wenn ein drastische Sprachbild verwendet wird das das Gewaltverhältnis umdreht- finde ich bemerkenswert denn das eine sind phantasien oder worte – aber in der Realtität sind die Machtverhältnisse aber andersrum verteilt und verurschen auch sehr viel leid und zerstören Menschen und zwar sehr real – Vernüftig zu sein und nicht mal die… Weiterlesen »

Benny
Benny
20. Juni 2019 12:04

Erst einmal Daumen hoch für eure Seite! Endlich mal jemand, der mit klaren Worten, die Themen auf den Punkt bringt. Vorab mal ein Zitat von Sigmund Freud: „Bevor du dir selbst Depressionen oder geringes Selbstwertgefühl diagnostizierst, stelle erst mal sicher, dass du nicht komplett von Arschlöchern umgeben bist.“ Und genau dieser Satz ist die beste Therapie dieser „Krankheit“. Mal an alle ebenfalls Betroffenen, stellt euch einfach mal die Frage wer wirklich krank ist. Ich versuche mich kurz zu fassen, denn für meinen eigentlichen Kommentar bräuchte ich einen eigenen Blog. Ich habe mal in die Blogs anderer Betroffener gestaut und mir… Weiterlesen »

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