Unerträglich undemokratisch

Die AfD: Unerträglich! Die Brexiteers: Unerträglich! Und die Kritiker des freitäglichen Klimastreiks natürlich auch. Die Unerträglichkeit bestimmt die Wahrnehmung. Es ist Modewort und – gar nicht mal so demokratisch.

Ralf Stegner von der SPD teilte neulich via Twitter mit, dass er die britischen Brexit-Befürworter als unerträglich empfinde. Er findet dort übrigens in regelmäßigen Abständen etwas unerträglich. Die AfD natürlich am häufigsten. Der Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach kürzlich nach eigener Wahrnehmung für alle Bauern im Lande, als er einen Edeka-Werbespot als unerträglich kategorisierte. Til Schweiger ließ indes Markus Lanz wissen, dass er den US-Präsidenten unerträglich finde. Und der Seelsorger im Bundestag hält es für unerträglich, wie gering das Ansehen seiner Schäfchen aus der Politik in der Bevölkerung ist.

Kurz und gut: Eine ziemlich unerträgliche Situation, in der wir uns befinden. Jeder auf seine Weise. Denn was für unerträglich gehalten wird, ist je nach Filterblase verschieden. Klar ist demgegenüber bloß, dass die Unerträglichkeit einen Aufstieg als vermeintliches Analyseelement hingelegt hat. Dabei handelt es sich um nicht mehr als eine subjektive Wertung – ja letztlich um eine plumpe persönliche Befindlichkeit. In gefühlsbetonten Zeiten wie unseren, in der »Harmonie« als biedermeierscher Rückzug in »Safe Spaces« propagiert wird, stellt »unerträglich« als Beurteilung wohl die höchste Ausdrucksform dar.

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niki
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niki

Demokratie? Ach komm…! Die Funktion dieser ist seit je her allenfalls marginal ausgestaltet. Es wird ständig von Demokratie gefaselt und meinen doch ganz was anderes. Ich bin jetzt mal so frech und behaupte dass wir allenfalls in einer sehr rudimentären Demokratie leben und diese immer weiter marginalisiert wird mit der steigenden Macht der Konzerne bzw. Oligarchen. Vielleicht auf lokaler Ebene spürt man manchmal den Funken einer Demokratie. Aber selbst da sehr eingeschränkt. Vielleicht ist die Problematik auch ganz anders geartet. Für die allermeisten ist Demokratie ein nicht fassbarer Begriff. Denn wirklich leben kann man diese allenfalls nur sehr rudimentär. Mitbestimmung… Weiterlesen »

ChrissieR
Gast
ChrissieR

Niki,

das ist leider so! Man hat eh nur die Wahl zwischen verschieden farbigen Kackhaufen, in die man treten kann…das Endergebnis ist eh das Gleiche!

Vive l’Anarchie!!!!

Sukram71
Mitglied
Sukram71

Vielleicht auf lokaler Ebene spürt man manchmal den Funken einer Demokratie. 

Jepp. Bei der Verhinderung von Mobilfunkmasten, Windrädern oder Giga-Factorys…
Das sollte man auf die gesamte Politik ausweiten. Herzlichen Glückwunsch! 😀

niki
Mitglied
niki

Das war wieder ein typischer Sukram… Das hat mal wieder einem den Feierabend versüßt…

Ronaldo
Gast
Ronaldo

Ich finde es unerträglich, dass die Union versucht, das höchstrichterliche Urteil zu den ALG-Sanktionen umgehen zu können, -Altersarmut, fehlende Bürgerbeteiligung, gezielte Menschenfeindlichkeit, grundlosen Hass auf Andere finde ich unerträglich
Ja, Wahlergebnisse sind zu akzeptieren, der einzelne Politiker hat aber verantwortungsvoll zu handeln, auch verbal!!

Sukram71
Mitglied
Sukram71

Ich bin gerade in Playa del Inglés in Urlaub und finde das hier sehr erträglich. 26 Grad, Sonne, Pool, Meer. 🙂
Dennoch gibt es halt Dinge, die sehr viele Leute unerträglich finden. Unerträglich falsch, unerträglich menschenverachtend, unerträglich ignorant und borniert, unerträglich volksverhetzend.

Gottseidank muss man sich nicht ständig mit sowas beschäftigen.
Sich darüber auszutauschen, hilft aber dabei etwas Trost zu finden und es hilft hoffentlich zusammen mit anderen die Lage zu verbessern. Das ist Grundvoraussetzung.
Politiker unterstreichen damit ihren Standpunkt und geben Orientierung. Das ist u. a. deren Job.

Ronaldo
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Ronaldo

Schönen Urlaub 😁😀😌😊😘👃😴😐

Sukram71
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Sukram71

Danke 🙂

Gaby Peschel
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Gaby Peschel

Vor einigen Jahren hieß es noch ‚Politik wird nicht nach Befindlichkeiten betrieben‘. Da ging es im wesentlichen darum, dass weite Teile der Bevölkerung das „Gefühl“ haben ‚abgehängt‘ worden zu sein. Lange hat man Hinweise auf ungerechte und/oder unmenschlich und unwürdige Sanktionspraktiken unter Hartz IV als ‚unrechtmäßige Gefühlsduselei‘ abgetan. Innerpolisches Handeln – seit geraumer Zeit – betreibt meiner Ansicht nach tatsächlich aber nichts anderes als genau das. Da gönnt der Eine dem Anderen die Butter auf dem Brot nicht und es wird gemobbt was das Zeug hält – weil jeder Einzelne für sich in Anspruch nimmt ‚gefühlt‘ (subjektiv) es besser zu… Weiterlesen »

Juergen
Mitglied
Juergen

Dieser Text ist unerträglich gut, ich finde nichts was ich kritisieren könnte.