Der erfolgreichste Erfolglose aller Zeiten

Donald Trump ist der erfolgreichste Gescheiterte, den man sich vorstellen kann. Er wird Vorbild für viele destruktive Kräfte sein, die nach ihm kommen. Sein Scheitern ist bahnbrechend.

»Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern.« Als Samuel Beckett das schrieb, hat er sicher nicht an Donald Trump gedacht. Dabei könnte das Zitat das Motto der trumpschen Präsidentschaft sein. Keine seiner großen Vorhaben hat er verwirklichen können, am Telefon musste er gleich am Anfang seiner Amtszeit zugeben, dass die Mauer für Mexiko politisch tot sei, er aber trotzdem keine Widerworte in dieser Sache von seinem Amtskollegen dulde. Nur im Kleinen bastelt er an der Deregulierung der Gesellschaft und setzt Minderheiten- und Umweltschutz aus. Seine Anhänger schätzen ihn deswegen mindestens so sehr, wie für sein Scheitern. Denn es ist dieses Scheitern gegen die liberale Gesellschaft, den er rhetorisch zu einer Schlacht aufbauscht, die er zu führen habe, ganz egal was es koste und wie sehr sie ihn in Mitleidenschaft ziehe. Dieses Heroenhafte hat neulich sogar die Tochter von Michael Jackson so beeindruckt, dass sie der US-Öffentlichkeit mitteilte, man sollte froh sein, jemanden wie ihn an der Spitze der Nation zu haben.

Dieser Mann ist ein zahnloser Tiger, der seine destruktive Kraft durch Handlanger im Hintergrund wirken lässt. Die unterwandern Gerichte und setzen Standards ab und ruinieren so die US nachhaltig auf Jahre. Diese kleinen Erfolge seiner Präsidentschaft, die neulich thematisiert wurden, sind ja nichts anderes als Maßnahmen eines Scheiterns an den Gegebenheiten der modernen Welt. Man dereguliert ja Umweltstandards ja nur auf dem Papier erfolgreich, verseuchte Seen und miserable Luftwerte sind allerdings dann doch Ausdruck staatlichen Versagens auf ganzer Linie.

Ob nun die versteckten Erfolge oder die großen Versagen: Dieser Mann hat das Scheitern zu seinem Programm erhoben, die Destruktivität kultiviert und nebenher dem Nichtgelingen eine Agenda verpasst, die fast wie süßer Erfolg daherkommt. Über Jahrzehnte zeigten sich Politiker als Macher, als Anpacker, die konstruktive Kräfte entwickelten, um so erfolgreich zu sein. Das ging so weit, dass man Erfolge selbst da feierte, wo sie nicht waren. Schließlich war Erfolg das Credo politischer Arbeit. Ob denn nun der verbuchte Erfolg ein tatsächlicher Erfolg war, stand auf einem ganz anderen Blatt. Donald Trump macht sich diese Mühe erst gar nicht. Er scheitert und scheitert, aber jedes Scheitern nutzt er dazu, gegen die Querulanten des Liberalismus zu schießen. Sie seien zu tolerant, zu emanzipativ, wollten ihn nur aufhalten, was ihnen aber nicht ewig gelingen könne.

Seine Agenda ist nicht der Erfolg, sondern sein Erfolg ist das Auskosten seiner gescheiterten Versuche, die er wie Schmisse davonträgt, die sein Publikum bewundert wie die Wunden eines alten Kämpfers. Diese Leute leben noch immer in denselben Verhältnissen, ihnen geht es wirtschaftlich nicht besser als unter Obama oder Bush – die amtierende Regierung tut im Gegenteil viel dafür, dass es ihnen im Laufe der nächsten Jahre schlechter ergehen wird. Man denke beispielsweise nur mal an die Leugnung des Klimawandels, der auch vor Amerikanern keinen Halt machen wird. In manchen Fluß werden wieder munter Abwässer eingeleitet werden dürfen, schließlich sei die giftige Wirkung von Giften nicht bei allen Experten bestätigt. Und dennoch wähnen viele Amerikaner sich heute in einem besseren Land als noch vor einem Jahr.

Nur die Aussicht darauf, den liberalen Zeitgeist zu bekämpfen, Schwule und Lesben einzugrenzen, Umweltschützer zu diffamieren und NGOs zu Kommunisten abzustempeln, scheint diese Leute zu beglücken. Wir haben es hier also mit destruktiven Idealisten zu tun, die einem konstruktiven Materialismus eine Abfuhr erteilen. Politik ist für sie ein idealistisches Konzept. Und wenn da vorne einer steht, der das begriffen hat, dann weiß er auch, wie er diesen Idealismus gescheiterter Versuche bedienen muss: Er stilisiert ihn zu einem heldenhaften Kampf, dessen Erfolg darin besteht, das Nichterfolgreiche aus dem Motiv heraus zu betonen, seiner Zeit voraus zu sein, den Kampf aber schon mal aufgenommen zu haben.

Die Analysten glauben ja, dass Trumps kleine Erfolge im Hintergrund, die Besetzung der Justiz mit Erzkonservativen zum Beispiel, die US nachhaltig prägen wird. Und das über Jahre hinaus, ja über seinen Tod hinaus wahrscheinlich. Das mag zutreffen. Aber seine Verwaltung des politischen Scheiterns als etwas, was eigentlich gar nicht Erfolglosigkeit ist, sondern Ausdruck harter Bandagen gegen die Errungenschaften einer aufgeklärten und wissenschaftlichen Weltanschauung, werden auch die Welt prägen. Man braucht keine starken Männer und Frauen mehr, die Erfolg positiv besetzen. Sie können dasselbe mit dem Scheitern tun – und werden trotzdem eine Basis finden.

Mit Trump hat die US-amerikanische Politik ihren folgerichtigen Transzendentalismus erhalten. Politik als mystische Romantik. Von Thoreau zu Trump gewissermaßen. Das wird nicht ohne Folgen bleiben und wir werden noch manche Regierung erleben, die ihre Erfolge durch ihr eigenes Scheitern definiert.

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24 Kommentare auf "Der erfolgreichste Erfolglose aller Zeiten"

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Amfried
Gast

Sein Scheitern macht ihn so gefährlich.
Erfolglose US-Präsidenten haben immer ihr Glück in Kriegen gesucht.
Ergebnislos, versteht sich.

Je erfolgloser im Inneren, desto gefährlicher in der Außenpolitik.
Trump hat das Potential für einen Weltkrieg.

upp
Gast
Ich finde Trump wird oft benutzt um zu verschleiern was wirklich abgeht. Eine schillernden Figur wie ihm kann man locker was andichten, was nicht in Ordnung ist. Doch die Handllungen die er durchgesetzt hat, mit dem Leugnen des Klimawandels z.B. sind wiederum Tatsachen, die auch nicht zu übersehen sind. Seine diskriminierende Haltung gegenüber „liberalen Querulanten“ ist auch bezeichnend. Dennoch macht er unbewusst oder sogar ganz bewusst etwas richtig. Er scheitert und scheitert in einem Land in dem er regiert.So wie die Bürger scheitern in einem Land, in dem sie leben,wo ein Traum ein Traum bleibt, egal wie groß das Land… Read more »
Kerstin
Gast

Ich finde Trump wird oft benutzt um zu verschleiern was wirklich abgeht.

Das US-Imperium ist am Ende. Es hat sich ausgerömert. Die Clinton hätte das besser zu verschleiern gewusst. Insofern kann man Trump dankbar sein, der alles auspricht wie ein kleines Kind oder ein Besoffener
und die Wahrheit sagt. Amerika ist irgendwo 1970 zwischen Antikommunismus, Kaltem Krieg und Größenwahn in einer Zeitschleife gefangen. Für Europa ist es höchste Eisenbahn sich von diesem „Verbündeten“ zu trennen. Europa wechselt den Energieträger von Öl zu Wasserstoff und lässt die
Amerikaner mit ihrer Petrodollar-Aggressionspolitik hart aufschlagen. Das wars schon.
Die Welt wird sauberer und friedlicher.

Tobi
Gast

Das kann ich nur unterschreiben.
Prozesse sind wichtiger als Personen.
Leider funktionieren Aufmerksamkeitsökonomie-Mechanismen bei breiten Teilen der Bevölkerung anhand von
Personen-Berichterstattung wesentlich besser.
Mainstream- und Alternativmedien unterscheiden sich da eher geringfügig.

GrooveX
Mitglied

Europa wechselt den Energieträger von Öl zu Wasserstoff und lässt die Amerikaner mit ihrer Petrodollar-Aggressionspolitik hart aufschlagen.

und wovon träumst du nachts?

Kerstin
Gast

Hoffentlich findet dein Sachbearbeiter bald einen Job für dich.
Ich träume davon, dass Leute wie du weniger Zeit in Foren verbringen.

Robbespiere
Mitglied
@Kerstin Auch wenn ich es nicht so formulieren würde wie GrooveX, recht hat er. wer von unseren berliner US-Knechten sollte denn gg. das Imperium aufmüpfig werden, bei all den Verflechtungen und der Kontrolle? Weder NSA-Skandal noch Benkenkrise oder die US-Kriegstreiberei, welche Terror und Flüchtlingskrise erst so richtig in Schwung gebracht haben, hatten einen Einfluss auf die Politik in Richtung Eigenständigkeit. Deine Meinung teile ich voll und ganz, sehe aber kein Anzeichen für eine tiefgreifende Veränderung seitens unserer US- Politik. Ob das nun am Druckpotential der USA ( z.B. Besatzungsrecht,mögl. Sanktionen ) oder am Eigeninteresse unserer Eliten liegt, kann ich natürlich… Read more »
GrooveX
Mitglied

meine sachbearbeiter müssen ihre sachen bearbeiten, sonst gibt’s mecker. das ist so in der arbeitswelt. die können nicht einfach tun und lassen, was sie (oder du) wollen.

und wer sind bitte ‚leute wie ich‘? denk mal drüber nach.

Heldentasse
Mitglied

Das US-Imperium ist am Ende. Es hat sich ausgerömert.

Der Untergang des römischen Reiches hat Jahrhunderte an gedauert, auch das britische Weltreich ist nicht von heute aus Morgen verschwunden. Ich glaube nicht, dass man diese Thematik an einzelnen Personen festmachen kann.

Beste Grüße

Kerstin
Gast

Personen spielen kaum eine Rolle. Amerika wäre auch mit Clinton überschuldet bis pleite,
ohne Perspektive, Anschluss an die besten Tage zu bekommen.

Standard & Poor’s droht den USA mit Herabstufung

http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/anleihen/ueberschuldung-standard-und-poors-droht-den-usa-mit-herabstufung-seite-2/4074554-2.html

Dieser ganze geopolitische Schwachsinn mit 700 aktiven Militärstationen und 300 in Bereitschaft weltweit, kostet mehr als es je einbringen könnte.

Das Ölzeitalter ist vorbei.

trackback

[…] Vorbild für viele destruktive Kräfte sein, die nach ihm kommen. Sein Scheitern ist bahnbrechend.Weiterlesen bei den neulandrebellen Lesen Sie auch: Endlich US-Präsident! Endlich besinnt sich Donald Trump auf die Qualitäten eines […]

Heldentasse
Mitglied
Dieser Mann ist ein zahnloser Tiger, der seine destruktive Kraft durch Handlanger im Hintergrund wirken lässt. Die unterwandern Gerichte und setzen Standards ab und ruinieren so die US nachhaltig auf Jahre. Und was ist wenn Herr Trump bewusst, oder wie ich glaube unbewusst, den Clown gegen darf, um das eigene Volk und die Weltöffentlichkeit von viel wichtigeren Dingen ab zu lenken? M.E. lauern die wirklich gefährlichen Veränderungen um Schatten von Herrn Trump Theater. Er müsse immer alle Kameras auf sich ziehen und zeigen, „dass er härter im Nehmen ist als alle anderen“. Gleichzeitig verfolge der rechte Flügel der Republikaner jedoch… Read more »
GrooveX
Mitglied

ausreißer wohl kaum. man darf aber davon ausgehen, dass die usa keinen filter im politischen auswahlverfahren implementiert hat, der gnadenlose borniertheit aussortiert. es ist gut möglich, dass die amis erst mal die erfahrung machen müssen, was es heißt, von dummheit regiert zu werden. die gehen – mein vorurteil – davon aus, dass sich reich und dumm ausschließen.

Rudi
Gast

Der erfolgreichste Erfolglose aller Zeiten

Woran misst man Erfolg? Trump galt bis zum Beginn seiner Regierungszeit als Erfolgsmensch. Schließlich hat der den „amerikanischen Traum“ vom persönlichen Wohlstand nachweislich umgesetzt. Er gilt als Milliardär, der an vergoldeten Wasserhähnen drehen und auf eigenen Golfplätzen an seinem persönlichen Handicap arbeiten kann. Nach seinen Bekundungen war es ihm ein Leichtes, diverse Puzzies zu testen, wenn ihm danach war. Wenn das keine Symbole des Erfolgs sind! Innerhalb seiner Gesellschaft schaffte er es ziemlich weit nach oben. Jetzt als Präsident der Vereinigten Staaten ist er sein eigener Sonnenkönig. Das kann im keiner ausreden.

FrageZeichen
Gast

Was für ein dümmlicher Artikel. Donald Trump ist jetzt gerade einmal etwa ein halbes Jahr im Amt. Und schon möchte hier der Autor ein Urteil über den Mann fällen. Gehts eigentlich noch dümmer?
Ist da vielleicht jemand auf die Hetzpropaganda von Washington Post, NYT, Spiegel, CNN (und dergleichen) hereingefallen?

GrooveX
Mitglied

ich fürchte, ja. zumal diese hetzpropaganda von süddeutsche faz, zeit und welt sowie focus (dass ich das nochmal ausschreibe, hätt ich auch nicht gedacht), hamburger morgenpost und allen anderen in europa und der welt wie le monde, el pais, corriere della sera, la repubblica usw. usf. betrieben wird und das einzige wahrheitsblatt bild auch keine gewähr mehr für ehre und dings, na, du weißt schon, ist.

vielleicht steckt ja assad dahinter

FrageZeichen
Gast

Nein, laut offizieller Hetzpropaganda steckt doch Putin dahinter. Manno! Aufwachen!

Rudi
Gast

FrageZeichen: Ist da vielleicht jemand auf die Hetzpropaganda von Washington Post, NYT, Spiegel, CNN (und dergleichen) hereingefallen?

Klär mich mal auf du FrageZeichen: Welche Medien schätzen Trump so ein, dass du nicht von Hetzpropaganda schwadronieren musst. Mach’s ganz konkret.

FrageZeichen
Gast

Viel Spaß bei der Suche nach der Nadel im gleichgeschalteten Hetzpresse-Heuhaufen.

FrageZeichen
Gast

Außerdem ist das Oktoberfest VIEL schlimmer! 😀

FrageZeichen
Gast
Vielleicht noch eine Sache. Weil einige hier Probleme damit haben die Hetzpropaganda gegen Trump als solche zu erkennen. Man kann diese sehr leicht anhand von Charlottesburg identifizieren. Passiert ist dort quasi überhaupt nichts, was Trump irgendwie zu verantworten hätte. Trotzdem wird in der Hetzpropaganda jetzt eine Staatsaffäre daraus gemacht. Und jetzt der Vergleich zu den Vorkomnissen in Deutschland: Müsste dann nicht (um denselben Maßstab anzulegen) auch aus jedem Mord den ein illegaler Migrant hier begeht eine Staatsaffäre gemacht werden? Schließlich ist unsere Regierung dafür direkt verantwortlich. Nur durch unsere Regierung wurden solche Morde (durch illegale Migranten) erst möglich. Warum gibt… Read more »
GrooveX
Mitglied

nein. das war in charlottesburg kein illegaler immigrant, weder puerto rico noch kuba noch mexiko, das waren rechtsradikale, die nach dem mordangriff trump daran erinnerten, dass genau sie ihn an die macht gebracht haben. wenn wir schon bei untauglichen vergleichen sind…

diese versuche, dinge umzudeuten, bis sie ins rechtsradikale weltbild passen, sollte man immer unterbinden!

FrageZeichen
Gast

Ach so, wenn ein Rechtsradikaler mordet, dann ist es eine Staatsaffäre. Wenn ein illegaler Migrant mordet, dann ist es normal. Ach so. Danke für die Info!

R_Winter
Mitglied
Dieser Mann hat das Scheitern zu seinem Programm erhoben, die Destruktivität kultiviert und nebenher dem Nichtgelingen eine Agenda verpasst, die fast wie süßer Erfolg daherkommt. Mir kommen Zweifel, ob der oben stehende Satz stimmt. Es wurde z.B festgestellt, „dass in der obersten Führungsetage eines großen Konzern jede Anzahl von Schwachköpfen sitzen kann, denn in den unteren Bereichen wird eine unmögliche Anweisung „positiv umgesetzt“ Ein Beispiel ist der Diesel-Skandal. Die „Grenzwerte“ wurden mit einer „Software“ erreicht, die nicht im Vorstand entwickelt werden konnte. So ist es auch mit den angeblichen „destruktiven?????“ Entscheidungen von Trump – sie werden von Einflüstern „positiv????“ genutzt.… Read more »
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