Integration als Spießrutenlauf

Mein Kollege Serkan ist Türke und lebt seit Jahrzehnten in Deutschland. Nun, eigentlich müsste ich an dieser Stelle den heutigen Hiob abwürgen, denn er fängt schon mit demselben Missverständnis an, mit dem auch Serkan hin und wieder in seinem Alltag zu tun hat. Er ist nämlich gar kein Türke. Serkan hat den deutschen Pass, seinen türkischen hat er irgendwann nicht mehr verlängert – der bürokratische Aufriss hat ihn genervt. In den Wochen des Referendums fragte ihn jemand am Arbeitsplatz: »Du, sag mal, was ist denn da in deinem Land los?« Bevor er antwortete, fiel ich ihnen unfreundlicherweise ins Wort: »Was in seinem Land los ist? Im September wird die Kanzlerin wiedergewählt, das ist in seinem Land los!«

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3 Kommentare auf "Integration als Spießrutenlauf"

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Detlef Schulze
Gast
Wobei man zur Stützung dieser These freundlicherweise unterschlug, dass nur etwa 30 Prozent aller wahlberechtigten Deutschtürken und nur 13 Prozent aller Türkischstämmigen überhaupt im Lande für diesen »größten Türken aller Zeiten« stimmten. Die meisten von ihnen fühlten sich wohl nicht in der Lage, eine politische Entscheidung für ein Land zu treffen, in dem sie gar nicht leben Schoen, dass das mal gesagt wurde. In der Tat spricht die geringe Wahlbeteiligung fuer eine gelungene Integration. In diesem Sinne ist eine geringe Wahlbeteiligung wuenschenswerter als eine mehrheitliches „NEIN“ zum Referendum. Allerdings darf man schon die Frage diskutieren, wieviel Integration und Assimilation von… Read more »
Braman
Mitglied
Das ist so eine sache mit der Integration. Wie ist sie definiert? Wann ist jemand integriert? Welche Voraussetzungen müssen denn für eine „vollkommene“ Integration und zwar von beiden Seiten? Auch ich war schon mal „Ausländer“. nach relativ kurzer zeit konnte ich eine der beiden offiziellen Landessprachen fast akzentfrei sprechen und für Fremde war ich so auf sie Schnelle nicht als Ausländer zu erkennen. Allerdings die, die mich länger kannten, für die war ich immer noch der „Deutsche“ von dem erwartet wurde, das er sich mit der deutschen Politik, Wirtschaft sowie auch der Auto- und Waffenindustrie detailliert auskennt und entsprechend Auskunft… Read more »
ThomasX
Gast
Integration ist 100%-ig. Bringt eine der beiden Seiten nicht die dafür erforderlichen 50% auf, wird das nix. Das deutsche Recht sieht auf der „Gastgeber“landseite aber eh nur maximal 25% vor (begrenzte oder unterschiedliche Rechte bei Aufenthalt, Arbeit und Strafrecht sowie institutionelle Diskriminierung. Die restlichen 25% müssten von den Leuten hierzulande freiwillig erbracht werden. Das wird allerdings schwer, wenn man Fremdenangst und andere Ressentiments medial wie gesellschaftspolitisch schürt oder durch wirtschaftspolitisch künstlich erzeugten individuellen Konkurrenzdruck sozialisiert hat. Damit besteht für hier zu integrierende Masse der Ausländer schon mal die nächste Hürde, nach dem Verlassen ihres Heimatlandes, nämlich ihrerseits hier mehr als… Read more »
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