Depressionen: Das gefährliche „Uns-geht-es-gut-Paradoxon“

Depressionen breiten sich in Deutschland immer weiter aus. Das meist stille Leiden hat gravierende Folgen, deren Höhepunkt nicht selten der Selbstmord ist.

Gleichzeitig hören wir jeden Tag aus allen möglichen Ecken, wie gut es uns gehe. Die Tatsache, dass diese Aussage auf dem Prüfstand schnell brüchig wird, ist das eine. Die Wirkung, die sie auf depressive Menschen hat, das andere.

Krankgeschrieben wegen Depressionen: häufiger als wegen Krebs

Laut Tagesspiegel hatte im Jahr 2006 jeder Erwerbstätige durchschnittlich an 1,4 Tagen im Jahr psychische Probleme und blieb der Arbeit fern. Zehn Jahre später, 2016, waren es bereits 2,6 Tage im Jahr. Menschen mit Depressionen konnten 2016 im Schnitt 35 Tage pro Jahr nicht arbeiten, bei durch Krebs erkrankten Menschen waren es lediglich 32 Tage. Es macht wenig Sinn, diese Zahlen wertend gegenüberzustellen, aber sie verdeutlichen, wie schwerwiegend Depressionen sind. Einmal in den Strudel der dunklen Gedanken hineingezogen, ist es ohne Hilfe schwer bis gar nicht möglich, sich der Depression zu entziehen.

Schon die Definition von „psychischen Problemen“ ist schwer, und ob ein Mensch an einem Burnout leidet, nur schwermütig ist oder von einer ernsthaften Depression betroffen ist, lässt sich nicht immer einfach diagnostizieren. Wohl auch deshalb steht für Menschen mit körperlichen Leiden ein vergleichsweise umfassender Apparat an Ärzten, Therapeuten, Apparaten, Medikamenten, Praxen und Krankenhäusern zur Verfügung. Menschen mit Depressionen dagegen müssen in vielen Fällen monatelang auf einen Termin warten, und selbst wenn sie endlich eine Therapie beginnen können, ist die Kostenübernahme noch lange nicht sicher. Sei es der „falsche“ Therapeut oder die vermeintlich unzureichende Diagnose, depressive Menschen müssen mit zahllosen Hindernissen rechnen und leben. Das ist schon deswegen fatal, weil sie sowieso größte Schwierigkeiten haben, den Alltag zu meistern.

Ein belegtes Beispiel:

Bei einem 29-jährigen Mann wurde im Dezember 2016 eine Depressione diagnostiziert. Der Hausarzt bescheinigte seinem Patienten eine schwere Krise (die sich mit der Einschätzung einer Therapeutin kurz zuvor während einer Probestunde deckte) und riet bis zu Therapiebeginn (der, wie sich später zeigen sollte, erst ein halbes Jahr später sein sollte, womit der Betroffene noch zu den schnelleren Fällen gehört) zu einer Medikation, um die schlimmsten Symptome zu reduzieren. Da ein Besuch in einer Tagesklinik bereits daran scheiterte, einen Ansprechpartner zu finden, ging der Mann einen Tag später gemeinsam mit seiner Partnerin in das nahegelegene Krankenhaus in die Notaufnahme. Dort wollte er, um über das Wochenende zu kommen, ein Medikament erhalten.

Die Dame am Empfang fragt nach dem Grund des Besuches, woraufhin der Mann „Depressionen“ sagt.
Die Erwiderung der Dame: „Aha. Und liegt akut etwas vor?
Ja“, entgegnet der Mann, „ich habe schwere Depressionen.
Die Frau notiert sich etwas und sagt, der Mann müsse nun warten, die Psychiaterin sei sehr beschäftigt. Als der Mann darum bittet, die Überweisungen wieder zu bekommen, sagt die Frau: „Nein, die bleiben jetzt bei mir.

Gut zwei Stunden später sitzt der Mann im Besprechungszimmer mit der Psychiaterin zusammen. Diese fragt ihn nach seinem Zustand und ob er suizidal sei. Nein, entgegnet der Mann, an Suizid denke er nicht, aber manchmal habe er das Gefühl, dass es … das Handy der Psychiaterin klingelt, sie entschuldigt sich kurz, telefoniert ein paar Minuten und schließt mit den Worten: „Ich bin in 10 Minuten da.

In ihren Bericht, den sie dem Mann gibt, hat sie notiert, dass er sich geweigert habe, einer vollstationären Einweisung zuzustimmen (was nicht stimmt). Sie gibt ihm sechs Tabletten mit, von denen sich beim nächsten Besuch beim Hausarzt herausstellt, dass sie hochgradig suchtgefährdend sind. „Keine gute Wahl“, konstatiert der Arzt.

Wenn im Sommer die Temperaturen sinken

Nicht zufällig sind es die vermeintlich schönen Momente, die depressive Menschen zu dem Entschluss führen, ihr Leben zu beenden. Denn gerade wenn draußen die Sonne scheint und die Menschen alleine deswegen etwas bessere Laune haben, oder wenn um die Weihnachtszeit herum Harmonie zur Schau gestellt wird, fallen Menschen mit Depressionen schnell ins Bodenlose. Sie fühlen sich gewissermaßen „undankbar“, weil ihnen die Fähigkeit fehlt, sich an den Dingen zu erfreuen, die um sie herum sind und die andere in Hochstimmung versetzen.

Auch das stetig zu hörende „Es geht uns gut“ bewirkt bei Menschen mit Depressionen alles andere als Optimismus, können sie doch diese These nicht teilen, sei es wirtschaftlich, emotional oder – wie so oft – weder in dem einen noch in dem andere Bereich. Doch das „Es geht uns gut“ ist längst nicht nur für depressive Menschen verstörend für ihr Befinden. Auch wer „nur“ unter wirtschaftlicher Not leidet, lässt sich schnell herunterziehen vom allseits verbreiteten Optimismus, der auf ihn oder sie nicht zutrifft, nicht zutreffen kann. Weil immer auch die „Schuldfrage“ mitschwingt und eine zweite Behauptung die Problematik verschlimmert: Die Unterstellung, jeder sei seines Glückes Schmied, jeder könne „es“ schaffen, wenn er sich nur genügend anstrenge. Es liegt nahe, dass bei Misserfolg – unabhängig von den tatsächlichen vorliegende Gründen – die Verantwortung nur bei den Betroffenen selbst liegen kann – so empfinden sie es meistens, und so ist das – dieser Eindruck lässt sich nur schwer verdrängen – auch beabsichtigt.

„Das wird schon wieder“ – ein fataler Trugschluss

Mag sein, dass es das Nichtsehen der Krankheit ist, die der Depression so einen schweren Stand beschert. Ein Gipsbein sieht man, die Krebsdiagnose ist gnadenlos und klar, und selbst die Erkältung zeigt sich äußerlich, wodurch sogar ihre Schwere recht einfach einzuschätzen ist. Bei Depressionen sieht das anders aus. Und allzu oft müssen Betroffene mit Reaktionen wie „Kopf hoch“, „Das wird schon wieder“ oder sogar „Jetzt reiß Dich mal zusammen!“ leben. Menschen mit Depressionen werden häufig in die Schublade „Weichei“ verschoben, ihr Leiden wird als Theatralik oder übertrieben abgetan. Hinzu kommt die Tatsache, dass – mehr als bei anderen Krankheiten – im Zusammenhang mit Depressionen oft der Kostenfaktor in den Fokus der Wahrnehmung gerät.

Der „Spiegel“ schrieb bereits 2011:

„Jeder zwanzigste Deutsche leidet an einer Depression. In den meisten Unternehmen ist die Krankheit aber immer noch ein Tabuthema. Dabei verursacht sie laut einer Studie Milliardenkosten – vor allem durch Arbeitnehmer, die ihr Leiden unterdrücken.“

Fatal und unzutreffend ist die Formulierung, dass die Milliardenkosten vornehmlich durch Arbeitnehmer entstehen würden, die ihr Leid unterdrückten. Denn die Krankheit ist über weite Strecken kaum anerkannt, wird kleingeredet oder als „schlechte Laune“ abgetan – was der Schwere dieser Krankheit nicht ansatzweise gerecht wird. Zudem hat die Zunahme von Depressionen sachliche Gründe. Die Druck am Arbeitsplatz wird immer größer, Zeitarbeit und befristete Arbeitsverträge erhöhen die Belastung zusätzlich. Ständige Erreichbarkeit, Überstunden, Wochenendarbeit und die Aussicht darauf, jederzeit austauschbar zu sein, verstärken die Wahrscheinlichkeit, dass psychische Probleme zunehmen.

Depression und Ökonomie

Auch die Weltgesundheitsorganisation hat sich mit Depressionen beschäftigt. Allerdings ist der Ansatz mehr als fraglich. In einer Studie kommt die WHO zum Schluss, dass Angstzustände und Depressionen die weltweite Wirtschaft jährlich bis zu 1.000 Milliarden Dollar koste. Zwar, so die Studie, seien Behandlungen nicht billig, im Verhältnis zur steigenden Produktivität durch die Gesundung der Arbeitnehmer rechne es sich aber, die Betroffenen zu behandeln. Man könnte natürlich unterstellen, dass es psychologisch klug erscheint, Arbeitgebern Vorteile in Aussicht zu stellen, wenn sie sich an den Behandlungen beteiligen, die depressive Menschen brauchen. Aber eine wirkliche Hilfe ist das nicht, denn es entfernt einmal mehr den betroffenen Menschen aus dem Mittelpunkt und lässt ihn zu einer „Arbeitsbiene“ mutieren, die man nur richtig hegen und pflegen muss, dann „funktioniere“ sie auch.

Gehören Depressionen heute einfach dazu?

Es scheint fast so. In Anbetracht der Tatsache, dass weder die WHO noch die Bundesregierung noch die meisten Unternehmen nach den Ursachen forschen, sondern sich mit der Behandlung der Symptome zufriedengeben, kann man kaum zu einem anderen Schluss kommen. Zwar reicht es aus, die Suchmaschine der Wahl zu bemühen, um unzählige Artikel und Studien zu entdecken, die den zunehmenden Druck in der Arbeitswelt als einen der Hauptgründe für Depressionen ausmachen. Konsequenzen haben diese Erkenntnisse jedoch nicht.

Im Gegenteil, selbst die Bundesregierung schreibt, dass bis „zum Jahr 2020 [ … ] Depressionen oder affektive Störungen laut Weltgesundheitsorganisation weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein“ werden. Über die Ursachen schweigt sich die Bundesregierung aus. Und auch wenn man der Empfehlung folgt und das „Heft 51“ des Robert Koch-Insituts nach den Ursachen durchforstet, ist das Ergebnis eher mäßig. Von genetischen und neurobiologischen Faktoren ist da die Rede, von psychosozialen Belastungen, von Persönlichkeitsfaktoren, von frühen psychischen Erkrankungen und körperlichen Problemen. Sicher alles Faktoren, die wichtig sind und in die Behandlung einbezogen werden müssen.

Doch für die Politik müsste die Aufgabe eigentlich darin bestehen, die Rahmenbedingungen in Augenschein zu nehmen und ernsthafte Pläne darüber anzustellen, wie die Bedingungen verbessert werden können. Wenn sie das tatsächlich tut, dann ausgesprochen unauffällig, gewissermaßen inkognito. Man kommt bei der Beschäftigung mit diesem Thema tatsächlich eher zu dem Schluss, dass Depressionen wohl irgendwie als naturgegeben hingenommen werden. Medikamente hier, ein bisschen Therapie da, das muss reichen.

Und so schlimm kann das alles ja sowieso nicht sein – schließlich geht es uns doch insgesamt gut.
Oder?


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86 Kommentare auf "Depressionen: Das gefährliche „Uns-geht-es-gut-Paradoxon“"

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hart backbord
Gast

Wenn schon Suizid, dann erweitert – Kettensägen-DIY im Jobcenter.
Mit exakt solch einem Ende wäre auch der Film „Daniel Blake“ genießbarer.

Alexander
Gast

Ich könnte ein Jobcenter in einer größeren Stadt nennen, in dem sich Mitarbeiter weigern, Sanktionen zu verhängen („Was sollte das denn bringen?“) und auch sonst sehr menschlich agieren. Wenn dort eine Gewalttat passieren würde, dann wäre ich sehr traurig! Daher finde ich Deinen Text ziemlich unschön.

Alexander
Gast

Nachtrag: Es war zu lesen, dass nachdem Thatcher zu recht verstorben war, sich Menschen versammelt hätten, um zu feiern und zu singen („The Witch is Dead“). An dem Tag, an dem die Natur bei Gazprom-Gerd oder Schäuble ein Einsehen zeigt, wäre ich für Ideen aufgeschlossen!

Dennis82
Mitglied
Dann mal raus mit der Sprache – wo soll dieses paradiesische Jobcenter mit haufenweise Humanisten im Sanktions-Streik denn sein? Wer sich weigert und nicht sanktioniert, wird über kurz oder lang selber sanktioniert – durch Versetzung oder Nichtverlängerung des prekären Arbeitsvertrags. Die Fälle Hannemann und Kallwass sollten eigentlich jedem bekannt sein. Was erweiterten Suizid betrifft – der mediale Trubel nach dem gewollten Absturz der Passagiermaschine durch einen Co-Piloten brach ja damals exakt an dem Punkt schlagartig ab, als die Hintergründe für dessen Tat klar wurden: Verschuldung, Chancen- und Perspektivlosigkeit. Er fühlte sich von einer unbarmherzigen Gesellschaft getreten – also hatte er… Read more »
Alexander
Gast
wo soll dieses paradiesische Jobcenter mit haufenweise Humanisten im Sanktions-Streik denn sein? Nö, ich werde doch die Leute vom Widerstand nicht verraten! Von „paradiesisch“ kann auch keine Rede sein, nur weil ein Team von Sachbearbeitern Humanität zeigt. Eine Dame, die dort für die finanzielle Seite zuständig ist, hat zum Beispiel keine Skrupel, „Kunden“ am Telefon zu überrumpeln und damit dem Staat schnell mal ein paar hundert Euro Ersparnisse zu verschaffen. Er fühlte sich von einer unbarmherzigen Gesellschaft getreten – also hatte er keine Skrupel, wahllos Menschen „mitzunehmen“! Der war entweder sehr krank oder ein Charakterschwein. Oder beides. es bricht nahezu… Read more »
anton
Gast

die Inge ging an die Öffentlichkeit, Menschlichkeit im stillen Raum geht doch auch!

Erwin
Gast

Wär mal interessant zu wissen gewesen, wie Depressionen in der Vor-, und Nachagendazeit
verteilt waren. Mehr ? Weniger ?
Ist zwar schwer zu vergleichen, weil diese Krankheit früher stärker tabubeladen war als
heute, wäre aber einen Versuch wert gewesen.

Die Angstörungen wurden kurz angerissen, hinzu kommt aber auch der Substanzmissbrauch.
Crystal als Leistungsdroge und Cannabis zum Chillen haben den Suff schon fast von Platz 1
verdrängt. Irgendwie durch den ganzen Scheiß, aber bloß ohne Fahne am Arbeitsplatz.

Deutschland ist neurotischer geworden.

Mordred
Mitglied
Die Angstörungen wurden kurz angerissen, hinzu kommt aber auch der Substanzmissbrauch. Crystal als Leistungsdroge und Cannabis zum Chillen haben den Suff schon fast von Platz 1 verdrängt. Irgendwie durch den ganzen Scheiß, aber bloß ohne Fahne am Arbeitsplatz. interessante these. alkohol scheint mir am arbeitsplatz durchweg erfolgreich geächtet zu sein. wenn ich mir da noch storys von kollegen/bekannten aus den 90ern und 80ern anhöre…selbst wenn man 50% übertreibung abzieht… bisher war ich immer befürworter von cannabis-legalisierung…bleibe ich wohl auch…aber seiner zeit in der schule oder im studium gabs so kandidaten, die quasi dauerbreit waren und auch gar keine offensichtlichen ausfallerscheinungen… Read more »
Erwin
Gast

Seit Crystal den Weg für Minderleister in den Bundestag gefunden hat, ist deutlich
geworden, dass Crystal als Koks für Arme eine größere Rolle spielen könnte
als angenommen. Die Zahlen der Aufgriffe belegen die Schwemme aus der
Tschechei über Sachsen bis tief in den Westen, wo die Sonne verstaubt.

Das Crystal zum Pushen und Cannabis zum Runterkommen den Suff gänzlich
von Platz 1 vertrieben haben sollen, ist eine Übertreibung von mir. Die Tendenz
ist aber sichtbar. Amphetamin ist auf dem Vormarsch.

Erwin
Gast

bisher war ich immer befürworter von cannabis-legalisierung…bleibe ich wohl auch…

Ich sehe auch keinen Grund, warum Cannabis weiterhin kriminalisiert werden sollte.
Mit Legalisierung ginge der Konsum zurück. Drogengeld für Waffenkäufe ins Krisenregionen
würde schwinden. Unsere Bauern hätten einen neuen Markt zu entdecken usw.

Die Summe aller Süchte bleibt immer gleich. Deshalb ist es gleichgültig von was man eine
Matschbirne bekommt.

Jenseits von Böse
Gast
Den Zusammenhang von Depressionen und ökonomischer Lage halte ich für evident. Gestern in den Lokalnachrichten: ein ehemaliger Betriebsrat erzählt 10 Jahre nach Insolvenz eines großen Arbeitgebers trocken in die Kamera, er habe immer wieder Kollegen besucht – ein paar gäbe es aber nicht mehr: Selbstmorde. Bevor das sacken kann, bringt der Sender einen aufmunternden Spin in die Geschichte: eine Glückliche, die wieder einen Job fand. Wie sowas auf ihre 3000 Kollegen im Hartz-Gefängnis wirkt, hat Tom schön beschrieben. Ebenfalls im TV: eine geschiedene Frau, danach auf Hartz, in eine Kleinraumwohnung verbannt, erträgt ihre Einsamkeit mit zwei Tieren. Die werden alt… Read more »
GrooveX
Mitglied

ja, stimmt schon. aber da gibt es was von ratzfatzfarm. und fangt bloß nicht an die waschzettel gründlich zu lesen, ihr memmen! mein catcha: ErbEx. der brüller, jetzt reinkopiert!

Loco
Gast

Ein sehr guter Artikel, vielen Dank dafür!
Wie wenig diese Krankheit und ihre Ursachen von unseren Entscheidungsträgern wahrgenommen wird sieht man wunderbar wenn wissenschaftliche Mietmäuler, so genannt „Experten“ diese „Deutschland geht es gut“-Lüge immer wiederholen, um jegliche Änderungen in Richtung mehr soziale Gerechtigkeit im Keim zu ersticken – gestern war auf Phönix mal wieder ein besonders unappetitliches Exemplar dieser Gattung…

Mordred
Mitglied

das wirklich geile in den täglichen 5minütigen radionachrichten ist ja, wenn die einerseits über alle möglichen offiziellen booms (meist fake news) erzählen und dann als nächstes eine erhöhung der depressionsdiagnostiken erwähnen.

Rainer N.
Gast
Tut mir leid, aber wer unter Depressionen leidet, macht etwas falsch. Ich sehe das so: Rattner – Aggression und menschliche Natur – beschreibt die „Bewältigungsmöglichkeiten“ von Frustrationen. Gewalt gegen andere, Gewalt gegen sich selbst, oder, die leider am Wenigsten genutzte Möglichkeit, die Energie zu nutzen um das „Problem“ anzugehen. Wer also seine Frustration, also die „Bedürfnisverweigerung“ die er erlebt, gegen sich selber richtet, indem er in Depressionen „flüchtet“, schadet sich nur selber. Also bleibt Moliere – man ist nicht nur verantwortlich für das, was man macht, sondern auch für das, was man nicht macht. Wer sich nicht wehrt, lebt eben… Read more »
hart backbord
Gast

Wenn Rainer N. AIDS kriegt, ist das auch keine Krankheit. Für lasterhaftes Leben ist es eher die gerechte Strafe.
; )

ChrisA
Mitglied
die leider am Wenigsten genutzte Möglichkeit, die Energie zu nutzen um das „Problem“ anzugehen. Wofür man, selbst wenn körperlich nichts mit reinspielt, erstmal das Problem kennen muss. Bis dahin ist dieser Weg versperrt. Als ich glaubte, es sei ein persönliches Problem […] bis ich erkannte, es ist ein gesellschaftliches Problem, gewollt […] Es gibt einen guten Grund, warum dein Beispiel nicht übertragbar ist. Wenn du schreibst, du hast „erkannt“, heißt das nicht, dass du eine objektive Tatsache festgestellt hast. Du hast dich aber „entschlossen es so zu sehen“. Salopp formuliert hast du einen Glauben angenommen, nämlich den, dass eine höhere… Read more »
Dennis82
Mitglied

Du hast dich aber „entschlossen es so zu sehen“.

Und? Jeder andere hat sich auch in irgendeiner Form „entschlossen“, es so zu sehen, wie es ihn dann erst depressiv werden lässt…!

Die Frage sollte doch lauten, ob es klug ist, bei einem Thema wie „Depressionen“ mal eben die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen die Menschen „funktionieren“ sollen mal eben so vollständig auszublenden! Wer über Depressionen (als gesellschaftliches „Phänomen“) sprechen will, kommt nicht umhin, auch die Gesellschaft zu analysieren…!

ChrisA
Mitglied
Und? Jeder andere hat sich auch in irgendeiner Form „entschlossen“, es so zu sehen, wie es ihn dann erst depressiv werden lässt…! Ich müsste annehmen, das kommt von einem Fake-Dennis82, denn ein Kommentator, der sonst gute Beiträge einstellt, schreibt auf einmal megahohlen Mist. Zu dem Quark „jeder Depressive ist Opfer seiner Lebenseinstellung“ ist schon alles gesagt. Lies es! Zu dem Quark, eine Ausblendung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen liege vor, wenn man auch auf die nicht-persönlichen sowie die nicht-gesellschaftlichen Ursachen von Depressionen eingeht, sei hiermit alles gesagt: Es ist Unfug. Dieses ganze Geseihere, man könne sich entschließen, sein Leben so zu führen,… Read more »
Dennis82
Mitglied
Nein, der ist echt! 😉 Das, was du mir unterstellst, sage ich ja gar nicht aus. Ich hab auch in meinem persönlichen Umfeld mit Depris zu tun gehabt; die hatten aber auch immer zum Teil(!) persönliche und „selbstantreibende“ Gründe; der Übergang von den „systemverursachten“ und persönlichen Gründen ist eh fließend…! Wenn du die Person darauf hingewiesen hast, doch auch einmal die Grundlage des „Selbstmarterns“ oder oft unbewussten „Selbstgeißelns“ (z. B. die Minderwertigkeitskomplexe, auf dem „Arbeitsmarkt“ nicht gebraucht zu werden) kritisch zu ergründen (was jeder gute Psychologe auch so tun würde), wird fast immer ablehnend reagiert. Und einem eingeschnappt vorgeworfen, man… Read more »
Robbespiere
Mitglied
@Dennis82 Ich hab auch in meinem persönlichen Umfeld mit Depris zu tun gehabt; die hatten aber auch immer zum Teil(!) persönliche und „selbstantreibende“ Gründe; der Übergang von den „systemverursachten“ und persönlichen Gründen ist eh fließend…! Wenn du die Person darauf hingewiesen hast, doch auch einmal die Grundlage des „Selbstmarterns“ oder oft unbewussten „Selbstgeißelns“ (z. B. die Minderwertigkeitskomplexe, auf dem „Arbeitsmarkt“ nicht gebraucht zu werden) kritisch zu ergründen (was jeder gute Psychologe auch so tun würde), wird fast immer ablehnend reagiert. So wie ich das sehe, greifen systemverursachte und persönliche Gründe ineinander. Die kleinste Einheit der Gesellschaft ist die Familie und… Read more »
ChrisA
Mitglied
@Dennis82 Mir schwillt bei bestimmten Aussagen zu bestimmten Themen nunmal der Kamm. Ebenfalls nicht für ungut. Zur Spirale von depressiver Verstimmung hin zu Depression sowie die Abgrenzung zwischen reaktiv und physisch begründet hat Lutz Lippke weiter unten einen lesenswerten Kommentar verfasst. Wenn eine depressive Verstimmung sich verselbstständigt, ist die Hirnchemie betroffen und spätestens dann ist jeder Ansatz in Richtung Änderung der persönlichen Lebensführung verfehlt, weil die dafür nötige Integrität der Psyche bereits fehlt. So betroffene Menschen sind krank, ohne Wenn und Aber. Ich gebe ergänzend zu bedenken, dass auch bei Depressionen, die nicht nur auf körperliche Ursachen zurückzuführen sind, nicht… Read more »
Dennis82
Mitglied
„Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.“ J. Krishnamurti Ich finde, dass man Rainer N. hier doch etwas Unrecht tut. Warum ist es eigentlich so wichtig, etwas (grade im Kontext des Zitats) unbedingt als „Krankheit“ zu definieren? Auch ich war schon „depressiv“, völlig „unbehandelt“. Kein Kopfdoktor, keine bunten Pillen. Drei Jahre in einem brutalen Rattenrennen-„Studium“ im ÖD haben mich an den Rand meiner Kräfte gebracht; ergänzt noch von dem ganzen anderen Müll, der einen im Leben so fertig macht wie z. B. Familie oder „soziales“ Umfeld. Ich war nur noch ein Haufen Elend…… Read more »
Erwin
Gast

Ich bin mal ganz frech – und behaupte, dass es grade ein gewaltiges Problem ist, dass noch viel zu wenige Menschen „Depressionen“ haben! Es ist in meinen Augen nämlich durch alltägliche Beobachtungen erschreckend, wie viele Menschen eben genauso funktionieren, wie sie sollen.

Da spricht an mancher Stelle der gute, alte Erich Fromm, der auch hier gern und oft zitiert wird.
„Heldentasse“ nimmt ihn häufig .-) ( Anmerk. „Haben oder Sein“ sollte man von ihm lesen )

Erwin
Gast
– Für alle nichtkommentierenden Mitleser- Grundthesen / Haben oder Sein ( Quelle Wiki ) – die Produktion habe der Erfüllung der wahren Bedürfnisse des Menschen und nicht den Erfordernissen der Wirtschaft zu dienen – das Verhältnis der Ausbeutung der Natur durch den Menschen wird durch das der Kooperation zwischen Mensch und Natur ersetzt -der wechselseitige Antagonismus zwischen den Menschen ist durch Solidarität ersetzt oberste Ziele des gesellschaftlichen Arrangements seien das menschliche Wohlsein und die Verhinderung menschlichen Leids -maximaler Konsum ist durch einen vernünftigen Konsum (Konsum zum Wohle des Menschen) ersetzt der einzelne Mensch wird zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben… Read more »
Lutz Lippke
Gast
@ Rainer N. Zunächst gibt es einen wichtigen Unterschied bei Depressionen. Betrifft es Menschen mit genetischer, biologischer Tendenz zur Depression, dann verfehlt die Fehlerzuweisung vollkommen. Ich glaube, da sind wir uns einig. Der „Vorteil“ dieser Menschen ist, dass sie häufig ihre Krankheit bereits aus der Familienanamnese kennen und mit Medikamenten erfolgreich gegensteuern können. Andernfalls kann es für sie allerdings auch lebensgefährlich werden. Da hilft dann auch kein rationales Aufbegehren. Mehr weiß ich dazu allerdings nicht. Etwas Anderes sind reaktive Depressionen, die zunächst gar keinen Krankheitswert haben, sondern in einem begrenzbaren Maß eine gesunde, natürliche Reaktion auf unhaltbare Zustände. Es wäre… Read more »
Schweigsam
Gast

Man ändert doch nicht wegen einigen depressionen die „Wettbewerbsökonomieorgie“.
Der Mensch wäre nicht da, wo er ist, mit solchen kinkerlitzchen…

PS: 😉 Guter Artikel!

Aufgewachter
Gast

… Dabei ist längst erwiesen, daß Hartz-IV auch psychisch krank macht. Erschwerend kommt noch hinzu, daß man sich noch die sonstigen Wehwechen zuziehen kann. Alles in allem können da schon mal etliche Wochen, Monate, wenn nicht Jahre an Arbeitsunfähigkeit zusammenkommen. Hier eine Übersicht, woran man mittlerweile erkranken kann …

Der Jobcenter-Poker um die Arbeitsunfähigkeit
https://aufgewachter.wordpress.com/2017/03/20/der-jobcenter-poker-um-die-arbeitsunfaehigkeit/

Bernie
Gast
@Aufgewachter Bei aller Übereinstimmung mit dir, aber das fängt lange vor Hartz-IV, und zwar schon mit dem ersten Tag der Antragsstellung bei der Arbeitsagentur an. Ich weiß von was ich schreibe, da mit der Umgang der Arbeitsagentur, bei ALG1, in Depression, getrieben hat, nicht erst ALG2, auch Hartz IV genannt, aber ansonsten stimme ich dir völlig zu. Interessant wäre auch einmal historisch in dieser Hinsicht zu recherchieren, denn es gab schon einmal eine Zeit wo Menschen psychisch krank gemacht wurden in ganz Deutschland – von 1933 – 1945. Ich weiß ein drastisches Beispiel, aber wer damals etwas gegen Hitler hatte,… Read more »
Erwin
Gast
… Dabei ist längst erwiesen, daß Hartz-IV auch psychisch krank macht. Du solltest das aufdröseln. Die Übernahme von Miete, Heizkosten und ( bescheidensten ) Lebenshaltungskosten kann nicht kranker machen als eine Obdachlosigkeit ohne jegliche Grundsicherung. Warum übernimmt ein Staat, der dem Bürger Entsolidarisierung und Eigenverantwortlichkeit als Leitmotiv ungefragt auf die Fahnen geschrieben hat überhaupt noch solche Kosten ? Weil er die Kontrolle über Millionen von Menschen behalten will. Es geht dabei nicht mehr um Sozialstaatlichkeit. Ginge es darum, ginge es auch um Verteilungsgerechtigkeit. Tut es aber nicht. Krank machen die Kontrollmechanismen und Repressionen denen Betroffene ausgeliefert sind OHNE AN IHRER… Read more »
Bernie
Gast
Schöner Artikel, der die Problematik auf den Punkt bringt. Ergänzend, als jemand der selbst seit Ende Dezember 2016 wegen sogenannter „mittelschwerer Depression“ vom Leistungsbezug der Bundesagentur für Arbeit krankgeschrieben ist, möchte ich anmerken, dass dies doch kein Wunder ist – die neoliberalen „Reformen“ töten eben. Ausgrenzung ist da auch ein Teil davon, und genau die führt zur Depression, egal welchen Grades. Interessant wäre einmal die Sanktionen, die Sperrzeiten, bei der Bundesagentur für Arbeit, und den Jobcentern, hinsichtlich dem Risiko an Depressionen zu erkanken zu untersuchen? Der Volksmund, zumindest in meiner Heimatregion, sieht da durchaus einen Zusammenhang – Das nun schon… Read more »
Bernie
Gast

Sorry, ich weiß nicht wie dies hier funktioniert, aber noch ein kleiner Anhang zu meinem Text.

Ich hab mir fest vorgenommen Therapeuten beim Erstgespräch folgende zwei Fragen zu stellen:

1. Ist Ihnen die schwierige Lebenssituation von Angehörigen schwerpflegebedürftiger Menschen bewußt?
2. Sind Sie vorurteilsfrei? Insbesondere Arbeitslosen gegenüber?

Ich weiß warum ich dies schreibe, da ich einen Therapeuten „gefeuert“ habe, weil der mit mir nicht klar kam, und bin daher übervorsichtig geworden – Merke: Auch Psychodocs sind Menschen…..

Gruß
Bernie

GrooveX
Mitglied

ich möchte mal, nur als anregung, eine provokante frage stellen. sie hat ein wenig mit rainer n. und nachfolgenden antworten auf ihn zu tun, meint aber etwas anderes.

ist leiden als solches bereits krank, bzw. darf man auch leiden, ohne für krank erklärt zu werden, bzw. ist leiden grundsätzlich behandlungsbedürftig?

Robbespiere
Mitglied

@GrooveX

ist leiden als solches bereits krank, bzw. darf man auch leiden, ohne für krank erklärt zu werden, bzw. ist leiden grundsätzlich behandlungsbedürftig?

Die Frage ist in der Tat eine harte Nuss, die du uns da zu knacken gibst.

Ich denke, Leiden ist dann nicht krankmachend, wenn es zeitlich begrenzt ist, z.B. eine Trauerphase wg. des Verlustes eines nahestehenden, geliebten Menschen. Dann dient Leiden der Bewältigung eben dieses Verlustes.
Wenn Leiden zu einem Dauerzustand wird und der Betroffene gar nicht mehr in gewohnte Bahnen zurückfindet, wo er selbstbestimmt agiert statt auf ein traumatisches Erlebnis zu reagieren, dann würde ich das schon als krank bezeichnen.

GrooveX
Mitglied

ob leiden krankmachend, pathogen ist, das ist ja noch mal ne ganz andere frage. manche leute glauben ja, dass das leiden der anderen sie krank mache. man kann an verschiedensten dingen leiden, und nicht immer ist leiden ein angemessener gegenstand für die medizin. leiden kann auch eine gesunde rektion auf eine krankmachende umgebung sein, sei sie eine gesellschaft, eine müllhalde oder das meer des schiffbrüchigen. ich zum bleistift leide regelmäßig im flugzeug, und das einzig pathologische daran ist die tatsache, dass ich mich trotzdem reinsetze.

Robbespiere
Mitglied
@GrovveX man kann an verschiedensten dingen leiden, und nicht immer ist leiden ein angemessener gegenstand für die medizin. leiden kann auch eine gesunde rektion auf eine krankmachende umgebung sein, sei sie eine gesellschaft, eine müllhalde…. Das stimmt, passt aber doch auch zu der zeitlichen Begrenzung, die aus meiner Sicht eben nicht-pathologisches Leid kennzeichnet. An diesen Situationen kann man ja durchaus etwas ändern. Ich leide z.B. unter großen Menschenmassen, weil ich mich dort sowohl erdrückt als auch irgendwie verloren fühle. zudem kann ich bei entsprechender Lautstärke einzelne Stimmen nicht mehr richtig herausfiltern, was Unterhaltungen in größerem Kreis zur Qual für mich… Read more »
ChrisA
Mitglied
@GrooveX Hm… fragst du nach sowas wie einem „Recht auf Leiden, ohne als krank zu gelten“? Gibt es doch schon, nennt sich Trauern. Und das wird, soweit ich weiß, außer durch evtl. verstärkte Zuwendung lieber Mitmenschen gar nicht behandelt, sondern es wird auf die Selbstheilungskräfte der Psyche des Trauernden vertraut. Ist also als krank zu klassifizieren, wer leidet? Nicht unbedingt. Es gibt auch den Faktor der Leidensdauer. Von krankhafter Trauer spräche man ja erst, wenn nach Jahren immernoch kein Fortschritt innerhalb der Phasen des Trauerns sichtbar wäre. Chronisches Leiden ist, meiner ganz persönlichen Meinung nach, eine Krankheit. Zur Behandlungsbedürftigkeit: Diese… Read more »
Thrombo
Gast
@ChrisA Von krankhafter Trauer spräche man ja erst, wenn nach Jahren immernoch kein Fortschritt innerhalb der Phasen des Trauerns sichtbar wäre. Da kennst du die fleißigen Bienchen und ihre Helfer von der neolib-Verwertungsfraktion aber schlecht. https://vistano.com/psychologie/trauerarbeit/trauer-wann-hat-sie-krankheitscharakter/ Bisher galt, dass Trauer nach einer Dauer von zwei Monaten als Depression eingestuft werden musste. Eine Zeitspanne, die nun verändert werden soll. Zwei Wochen sollen nun bereits ausreichen, um eine psychische Belastung zu indizieren. Ab diesem Zeitpunkt soll nach Medienberichten dann eine Krankheit vorliegen, so legte es die Weltgesundheitsorganisation fest. Noch nicht einmal in Ruhe trauern kann man mehr. Kostet Wertschöpfung und Profit. Wertlose… Read more »
GrooveX
Mitglied
nein. ich habe auf gar keinen fall nach einem recht auf leiden (… ) gefragt. das wäre ja das gleiche, wie ein recht zu sterben! danach fragt man nicht. aber du hast schon etwas angesprochen, nämlich ‚ohne krank zu gelten‘. als krank giltst du für andere, seien es arbeitgeber, krankenkassen, angehörige, wer oder was auch immer zugriff auf deine persönliche verfassung glaubt haben zu müssen. andersrum: wer über deine verfassung in diesem sinne die definitionsgewalt hat (gilt nach icd fragmichnicht als krank), bestimmt über deine soziale zugehörigkeit bzw. nichtzugehörigkeit. leiden (also das des anderen) als krankheit ist ein wunderbarer ausschlussgrund… Read more »
ChrisA
Mitglied
@GrooveX echt jetzt? standardtherapien? es macht sinn? wtf??? was macht denn da sinn? das ist doch einfach nur daher gebabbelt. die hilflosigkeit gegenüber depressiven menschen ist das einzige, das der anerkennung bedarf. Ich will erklären, warum es aus meiner Sicht „Sinn macht“. Die Hilflosigkeit Betroffenen gegenüber anzuerkennen, finde ich richtig. Am Beginn einer Depression, wenn ein Betroffener ganz unzweifelhaft feststellt, dass mit ihm etwas vorgeht, stellt sich ein Gedankenkarussel im Kopf ein: Warum ich – was habe ich getan – welche Schuld habe ich auf mich geladen, das zu verdienen – und alles wieder von vorne, mit Tendenz zur Abwärtsspirale.… Read more »
GrooveX
Mitglied
ich will eigentlich niemals mit einem leidenden den krankheitswert seines leidens diskutieren. wenn jemand von sich sagt, ‚ich bin depressiv, ich bin krank‘, gut, alles klar. ich bin kein arzt, kann und muss niemanden krank schreiben. ich wollte nur hier im forum den fokus auf vorstellungen, die vom leiden existieren, richten und die gleichsetzung von leiden und krankheit hinterfragen. dabei wollte ich schon auf die gesellschaftlichen, gelegentlich auch existentiellen (siehe 3. reich – hadamar etc.) auswirkungen solcher zuschreibungen hinweisen. ich weiss, dass es keine ’standardtherapie gegen depression‘ gibt. die psyche, seele, das gemüt, der charakter, deine innere verfassung, das entzieht… Read more »
Dennis82
Mitglied
Guter Einwand. Es läuft ja oft umgekehrt; man sieht jemanden leiden – und verpasst ihm umgehend den Stempel „krank“! „Krank“ oder „nicht krank“ ist ja schon ein relativ scharfes Schwert, von dem teilweise sehr viel abhängt, auch rechtlich. „Das ist ja krank!“ – ist aber nicht umsonst ein eher negativ besetzter Ausspruch. „Krank“ zu sein bedeutet doch grade heute im neoliberalen Modell doch in erster Linie, nicht (voll) leistungsfähig zu sein – und somit anderen auf der Tasche zu liegen. Also Ausgrenzung; wirklich Rücksicht nimmt doch auf lange Sicht auch keiner; bei chronischen Erkrankungen erledigen sich dann viele persönliche Beziehungen… Read more »
Erwin
Gast
Damals im Studium krochen sehr viele regelrecht auf dem Zahnfleisch, es wurden sich Aufputschmittel und Lerndrogen reingezogen bis zum Erbrechen, man schleifte sich als Wrack in die FH Es verschwanden aber auch viele. Einige nahmen Feuerlöscher, warfen die dicken Scheiben im Uni-Hochhaus damit ein und sprangen hinterher. Sie konnten mit einer Dauerleidensgeschichte nicht aufwarten. aber wer mal öfter ein paar Tage gefehlt hat, war beim Rest schnell unten durch; ein Low-Performer, der nix aushält…! Man sollte Selbst-, und Fremdbild nicht vertauschen. Den meisten Kommilitonen ist man gleichgültig. Es gibt jetzt fast an jeder Uni psychosoziale Beratungsstellen. Wenn die Decke runterkommt,… Read more »
GrooveX
Mitglied

das totale OFF TOPIC antidepressivum: die telekom hat den ersten ausbildungsgang ‚hacker‘ abgeschlossen. jetzt hat sie endlich ihk-zertifizierte hacker. vielleicht sollten die ein joint venture mit der bundeswehr machen. da sind doch unendliche synergien denkbar. früher war das doch auch kein problem. okay, die hacker hatten damals mit dampf gearbeitet. ich weiss nicht, was sie heute nehmen. möglicherweise fachsoftware vo digitask. ich bin völlig zergeistert – oder so.

Tom
Gast

Ein großartiger Artikel. Mir fällt dazu Jiddu Krishnamurtis Satz ein: „It is no measure of health to be well adjusted to a profoundly sick society.“ (Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepaßt an eine zutiefst kranke Gesellschaft zu sein.)

trackback

[…] einem Artikel bei den Neulandrebellen namens „Depressionen: Das gefährliche „Uns-geht-es-gut-Paradoxon““ stellt Tom Wellbrock einen Zusammenhang zwischen Depressionen und Druck in der Arbeitswelt […]

...
Gast

ich versteh einfach nicht, wieso die Armut immer von allen unter den Teppich gewischt wird !?…

GrooveX
Mitglied

weil zu viele selbst betroffen sind?! angst davor haben, betroffen zu werden?!

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